DSA 58: Der Letzte wird Inquisitor - Jesco von Voss - E-Book

DSA 58: Der Letzte wird Inquisitor E-Book

Jesco von Voss

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Beschreibung

Während der Dämonenmeister im östlichen Aventurien zusehends an Macht gewinnt, tritt der Inquisitor Zoltan seine erste Mission an: In der Reichsstadt Perricum soll er einen Gestaltenwandler entlarven. Doch im Lauf der Untersuchungen wird sein Verdacht auf die eigene Kirche gelenkt, und er entfernt sich immer weiter vom Weg der Inquisition...

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Seitenzahl: 362

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Jesco von Voss

Der letzte wird Inquisitor

Ein Roman in der Welt von Das Schwarze Auge©

Originalausgabe

Impressum

Ulisses SpieleBand 58

Kartenentwurf: Ralf Hlawatsch E-Book-Gestaltung: Nadine Hoffmann

Copyright © 2014 by Ulisses Spiele GmbH, Waldems.DAS SCHWARZE AUGE, AVENTURIEN, DERE,MYRANOR, RIESLAND, THARUN und UTHURIA sind eingetragene Marken der Significant GbR.

Titel und Inhalte dieses Werkes sind urheberrechtlich geschützt.

Der Nachdruck, auch auszugsweise, die Bearbeitung, Verarbeitung, Verbreitung und Vervielfältigung des Werkes in jedweder Form, insbesondere die Vervielfältigung auf photomechanischem, elektronischem oder ähnlichem Weg, sind nur mit schriftlicher Genehmigung der Ulisses Spiele GmbH, Waldems, gestattet.

Print-ISBN 3-453-18820-9

Inzwischen, woanders

Die Perlenmeerflotte soll ich ins Verderben lenken, sagt der Meister, dann werde ich zu seiner Favoritin. Mich in Stellung bringen, in Perricum selbst, das ist leicht. Aber ich brauche eine Weile Ruhe, keine Störenfriede aus den Nachbarstädten, aus Beilunk oder Rommilys.

Rommilys ist keine Gefahr, da muss ich nur eine Nachricht senden, das wird dann unser Verbündeter regeln. Beilunk zu blockieren ist schwieriger, da haben wir niemanden in der richtigen Position. Nun, dann muss ich Hilfe holen, damit die Küstenstraße überwacht wird. Und ich weiß auch schon, wer gar keine andere Wahl hat, als mir zu helfen ...

1. Heimatlose

Beilunk, sechs Wochen nach dem Überfall des Dämonenmeisters

Zoltan hätte sich die Nacht wärmer gewünscht. Der Vollmond versteckte das bleiche Gesicht hinter einigen schnell vorüberziehenden Wolkenfetzen und die Sterne schimmerten kalt aus der sechsten Sphäre hinunter. Der Frost aus der Leere zwischen Dere und dem Reich der Toten fiel vom Himmel auf Beilunk und ließ Zoltan erschaudern, denn für eine Nacht im Rondramond war es entschieden zu kühl. Er zog seine Decke zurecht und tastete zum hundertsten Mal nach dem Griff seines Schwertes, der ihm über die rechte Schulter ragte. Dann wiederholte er in Gedanken erneut die Litanei der ›Zwölf guten Räte, eine Predigt zu halten‹.

Der fünfte und sechste Rat waren wieder weg, es war zum Verrücktwerden! Der alte Praioslob Hilberion hatte sie jetzt seit sechs Tagen – seit sie in Beilunk angekommen waren – mit den ›Zwölf guten Räten‹ traktiert. Natürlich auch mit dem Kommentar dazu und mit mehreren berühmten Predigten längst verstorbener Praiosgeweihter, um auch an diesen die ›Zwölf Räte‹ zu studieren. Sechs lange Tage waren Zoltan und die anderen Schüler des Praioslob schon in Beilunk, der herrlichen Stadt des Götterfürsten, und hatten noch kaum einen Schritt aus der Feste getan.

Stattdessen hatte sich der alte Geweihte in den Kopf gesetzt, den Unterricht wie in Gareth fortzusetzen, sei es auf der hastigen Reise von Gareth nach Osten, sei es hier in Beilunk. Und so hatten die neun Schüler des Praioslob kaum eine freie Minute genießen können, als habe es der nervöse alte Mann besonders eilig gehabt, den Spätberufenen noch vor dem nächsten Neumond die letzten Feinheiten der Praiosverehrung beizubringen.

Zoltan ließ den Blick über den nächtlichen Burghof schweifen und versuchte, den Posten auf dem Wachtturm gegenüber zu erkennen. Eine unruhig im Wind tanzende Fahne auf der Turmplattform machte es ihm fast unmöglich. Er wandte die Augen ab und starrte wieder auf die Mauer. Auf die eine Stelle, die im toten Winkel zwischen der Schmiede und einem anderen Wachtturm lag. Die eine Stelle, die ein heimlicher Bote des Feindes nutzen würde, um nachts mit einem Seil hastig über die Mauer zu klettern oder einen Stein mit einer Nachricht hinaus zu werfen.

Die letzten beiden Nächte über war nichts passiert, zumindest nicht in der Zeit zwischen Mitternacht und Morgengrauen, in der Wachen gewöhnlich unaufmerksamer waren, weshalb gerade diese Stunden von Spionen und Schleichern gern genutzt wurden. So hatte man es Zoltan auf der Kriegerakademie beigebracht, und so hatte er es oft erlebt: Die Stunden vor Sonnenaufgang waren die kältesten und die Wachen mehr an wärmenden Feuern interessiert und daran, ihre Kleidung an einem geschützten Platz um sich zu wickeln und nicht so viel hin und her zu laufen. Die richtige Zeit für ein Kommandounternehmen. Aus diesem Grund stand Zoltan jetzt in der dritten Nacht hier in der Ecke neben der Wagenremise und spähte in die Dunkelheit, gerüstet mit Ringelpanzer und Anderthalbhänder. Sowohl um sich zu beschäftigen und die Langeweile zu bekämpfen als auch um zu zeigen, dass seine militärische Erfahrung auch jetzt noch von Nutzen sein konnte, da er die Ausbildung zum Geweihten des Herrn Praios begonnen hatte.

Alle waren überrascht gewesen, so plötzlich aus dem Tempel zu Gareth abberufen zu werden, schon nach der Hälfte des zweijährigen Noviziats. Aber es hatte sich etwas zusammengebraut im Osten. Zoltan ahnte, welchem Unheil die Kirche begegnen wollte, indem sie sämtliche Geweihten an die Front schickte. Der Dämonenmeister, dessen Schatten schon vor Jahren auf das Land gefallen war, hatte mit der Eroberung des Reiches begonnen. Aber nichtsdestoweniger hatte Praioslob Hilberion, hektischer als je zuvor, darauf bestanden, nach Beilunk mitzureisen, um die angehenden Priester in jeder freien Minute auf der Reise mit Wissen vollzustopfen.

Die neun Schüler hatten die Aufgabe, Rechtskunde, Staatskunst und Etikette zu lernen, und natürlich die Kunst des Predigens. Wie Zoltan, der einen Abschluss der Kriegerakademie zu Punin besaß, waren sie alle schon anderen Professionen nachgegangen und hatten aus unterschiedlichen Gründen den Entschluss gefasst, ihren Beruf aufzugeben und Priester zu werden. Doch Predigten zu halten ging weder Zoltan noch den anderen leicht von der Zunge, denn die Gläubigen zu rühren und ihr Gottvertrauen zu stärken war eine hohe Kunst. Das lernte man nicht in der Armee. Auch war der Novize erstaunt, wie vielfältig die Götterwelt sich darbot, und hatte sich mit Eifer in das Studium der Halbgötter und Heiligen vertieft.

Zoltan erschauderte und verschränkte die Arme vor dem Ringelpanzer, der sich ein wenig zu eng um den Bauch legte. Er war im vergangenen Jahr etwas runder geworden. Zu viel Sitzen, zu wenig Bewegung. Und noch fast ein weiteres Jahr, bis er endlich die Priesterweihe erhalten sollte. Damals, an der Kriegerakademie, war es fast umgekehrt gewesen: Körperertüchtigung war die Hauptsache gewesen, wichtiger als Kriegskunst und Militärgeschichte. Aber das war jetzt auch schon über zehn Jahre her, ach was, noch mehr. Vor knapp fünf Jahren hatte er als Hauptmann seinen Abschied genommen, davor hatte er zehn Jahre lang gedient. Also fünfzehn Jahre. Jünger wurde er auch nicht, und Zoltan hatte das Gefühl, dass ihn die Ausbildung zum Priester noch schneller altern ließ.

Also erst recht: Morgen wieder einen Frühlauf vor dem Sonnenaufgangsgebet, quer durch die Vorburg! Zoltan hatte sich in den Kopf gesetzt, der ausdauerndste und stärkste Priester der Kirche zu werden, wenn er schon nicht so mitreißend predigen konnte wie die gelehrten Geweihten.

Zoltan rückte das rote Stirnband zurecht, das seine blonde Mähne zurückhielt, und atmete tief durch. Dann hielt er die Luft an. Schritte näherten sich. Eigentlich war die Burg nachts völlig ausgestorben. Die Priester ließen sich nur blicken, wenn die Praiosscheibe am Himmel stand, und die weltlichen Einwohner der Festung standen ebenfalls unter der strengen Herrschaft der Priester-Fürstin Gwidûhenna, die es nicht gerne sah, wenn die Soldaten nachts zum Trinken in die Stadt zogen. Wer lief also nachts noch herum? Zwei oder drei Personen, vielleicht vier, mit festen Schuhen.

Zoltan war hellwach. Er richtete sich zu seiner vollen Größe von gerade einmal achteinhalb Spann auf und hob die rechte Hand zu Shilasir. Das Schwert fühlte sich ungeduldig an, glaubte der Novize; es hatte seit Monaten kein Blut mehr getrunken. Wenn Zoltan es zog, würde es sicher aufwachen und nach dem Lebenssaft rufen, und wenn Zoltan es dann wieder einsteckte, ohne einen Feind erschlagen zu haben, würde Shilasir zornig werden und sich eines Tages gegen den Träger selbst wenden, um sich für die falsche Hoffnung und die lange durstige Zeit zu rächen. Zoltan wollte nicht riskieren, dass ihm eines Tages mitten im Kampf Shilasir aus der Hand glitt und sich in seinen Fuß verbiss, und deshalb vermied er es, den Anderthalbhänder ohne Grund zu ziehen. Aber er war bereit.

Als die Leute an der Wagenremise vorbeigingen, traten sie in Zoltans Blickfeld. Drei Personen in wehenden, hellen Mänteln, mindestens eine mit Schwert, fünf Schritt entfernt. Kaum hatte Zoltan sie gesehen, wandte sich die Letzte der drei um, ein Schwert erschien in ihrer linken Hand, und eine Frauenstimme rief in Zoltans Richtung: »Wer da?«

Zoltan ließ langsam seine Hand sinken. Drei Bewaffnete, die so offen auftraten, konnten keine gegnerischen Eindringlinge sein. Oder? Vielleicht Zauberei?

Er antwortete halblaut: »Zoltan Imfelde ist mein Name. Und wer seid Ihr?«

Die anderen beiden waren stehen geblieben und hatten ebenfalls die Hände an den Waffen. Die lange dürre Gestalt trug einen Streitkolben im Gürtel, die andere ein Schwert. Die mittelgroße Frau, die Zoltan angerufen hatte, war einen Schritt näher getreten und richtete die Schwertspitze auf Zoltan.

Der Mann mit dem Schwert gab sich knapp zu erkennen: »Bannstrahl Praios‘! Praiodin von Gareth. Erklärt Euch! Hierher, ins Licht, aber langsam!«

Zoltan hob die Brauen. Der Bannstrahl. Ein Bund aus Geweihten und Laien, die mit der Waffe in der Hand für den Glauben des Herrn Praios eintraten. Wahrscheinlich keine Verräter, sondern eine sehr zielstrebige Einheit auf der richtigen Seite, wenn es gegen den Dämonenmeister und seine schwarze Magie ging.

Zoltan trat vor, bis er von einer Fackel schwach erleuchtet wurde, die einige Schritt weiter in einem Durchgang angebracht war. Jetzt, nachdem sie sich umgedreht hatten, waren die drei anderen auch zu erkennen. Der Sprecher, der sich Praiodin von Gareth genannt hatte, war vielleicht Anfang Dreißig, etwa in Zoltans Alter, mit scharfen, entschlossen wirkenden Gesichtszügen. Unter seinem weißen Kapuzenmantel trug er ein Kettenhemd. Die Frau mit dem Schwert in der linken Hand und dem braunen Zopf sah in der seitlichen Beleuchtung atemberaubend gut aus, mit einem festen Blick aus großen Augen und mit bebenden Nasenflügeln – doch leider stand Zoltan im Moment am falschen Ende ihres Schwertes. Der Dritte der Bannstrahler, der gerade ungelenk seinen Streitkolben aus dem Gürtel genestelt hatte, war ein magerer Enddreißiger mit hoher Stirn und einem runden Kopf auf einem dünnen Hals. Er sah Zoltan übertrieben finster und bedrohlich an, doch dieser hatte den Eindruck, dass der Lange sich weitaus weniger sicher fühlte, als er aussah.

Eine Erklärung war wohl angebracht. Die drei wirkten ärgerlich, und wenn sie die Wache riefen, hatte Zoltan sicherlich viel Ärger von Praioslob Hilberion zu erwarten.

»Ich stehe hier einfach. Dagegen gibt es kein Verbot, glaube ich. Und wegen der Waffe: Ich habe einen Kriegerbrief aus Punin. Wenn Ihr Wert darauf legt, dann begleitet mich zu meiner Kammer und seht ihn Euch an. Ansonsten bin ich harmlos.«

Praiodin von Gareth trat einen Schritt näher. Jetzt hatte er wohl an Zoltans weißer Kutte und dem roten Mantel den Praios-Novizen erkannt. Deutlich freundlicher fragte er: »Ihr seid einer der Novizen aus Gareth, oder? Ich habe Euch neulich im Tempel gesehen.« Zoltan nickte und Praiodin hob die Hand in Richtung der Frau. »Steck es weg, Mara! Keine Aufregung!«

Während die Frau mit dem Zopf ihr Schwert einsteckte, zog Praiodin von Gareth seinen rechten Handschuh aus und streckte die Hand aus.

»Ich bin Praiodin, das hier sind zwei meiner Leute, Zepperich und Mara-Lumea.«

Zoltan rang sich ein Lächeln ab und schüttelte Praiodins Hand. »Sehr erfreut. Auf SonderPatrouille?«

»In der Art«, wimmelte Praiodin ab. »Wart Ihr Offizier? Dann seid Ihr hier richtig. Man redet von einer Heerschau der Kirche und einem Ausfall gegen die Invasoren.«

»Ich habe keine Ahnung. Ich sitze den ganzen Tag hinter Büchern. War noch in keiner Taverne«, scherzte Zoltan.

»Das ist kein Verlust«, gab der Bannstrahler kühl zurück. »Dort wird man auch kaum über unsere Strategien reden.«

Kein Sinn für Humor, dachte Zoltan. Dann eben nicht.

»Wie auch immer. Gute Nacht, Praios mit Euch.«

»Und mit Euch«, antwortete der Ordenskrieger. Dann drehte er sich auf dem Absatz um und marschierte mit wehendem Mantel davon, gefolgt von dem Dürren. Die Frau lächelte schwach und warf Zoltan einen Blick zu, der entweder interessiert oder neugierig oder abschätzend oder abfällig war, dann folgte sie den beiden Ordensbrüdern. Zoltan blickte ihnen nach, bis sie in einer der Wohnbaracken verschwanden.

Am folgenden Nachmittag hatten die Novizen eine Stunde Freizeit, die sie – so war ihnen nahegelegt worden – in stiller Andacht oder mit dem Studium religiöser Schriften zu verbringen hatten, aber Zoltan konnte sich nicht mehr sammeln. Die restliche Nachtwache war außerordentlich langweilig gewesen, und im Unterricht am Morgen waren ihm mehrmals fast die Augen zugefallen. Er ging durch die Gänge der Burg und rief nach Orik. Der riesige schwarze Olporter stürmte schließlich auf Zoltan zu und präsentierte stolz seine Beute. Er hatte sich wohl wieder aus der Küche einen Knochen erbettelt. Orik kannte sich inzwischen sicher genau so gut in der Burg aus wie die Markgräfin persönlich: Kaum ließ Zoltan ihn einen Moment aus den Augen und brütete über seinen Büchern, war Orik wieder auf Erkundungsreise durch Hallen und Korridore, immer dem Essensgeruch nach. Wenn Orik in eine neue Umgebung kam, war er nicht zu halten und stöberte überall herum, bis er an jeder Ecke eine Duftmarke gesetzt und wenigstens drei Palastdiener mit seinen achtzig Stein Gewicht über den Haufen gerannt hatte.

Zoltan legte Orik die Hand auf den Kopf, wobei er sich nicht einmal hinunterbeugen musste, und kraulte ihm das Fell.

»Na komm, Orik, wir sehen uns jetzt endlich mal die Stadt an. Wir haben hier oben genug herumgesessen, was, alter Junge?«

Zoltan wanderte durch die Straßen der Unterstadt von Beilunk, umgeben von Lärm aus tausend Kehlen, die ihr Leid klagten, nach ihrer Familie riefen, die Schwarzen Horden oder die Markgräfin verfluchten. Er bereute seinen Entschluss schon fast wieder. Er wand sich durch die Menge der obdachlosen Flüchtlinge, die auf jedem freien Fleck lagerten. Als er um eine Ecke bog, wurde der Novize dreier Bannstrahler ansichtig, die eine Gefangene durch die Menschen schoben. Vorneweg ging Praiodin von Gareth, der mit lauten Rufen die Leute zur Seite scheuchte; der lange Zepperich und ein kleiner, älterer Ordenskrieger drängten eine beleibte alte Frau vorwärts, die mit verzweifeltem Blick auf ihre geketteten Hände starrte und durch den Matsch der Straße schlurfte.

Als Praiodin Zoltan erkannte, hob er grüßend die Hand. »Ah, Ihr seid es. Praios zum Gruße.«

Zoltan erwiderte pflichtgemäß: »Praios zum Gruße. Eine Ketzerin?«

»Eine Ketzerin«, bestätigte Praiodin. Er fuhr leiser fort: »Habt Ihr schon gehört? Es wird ernst. Verlassen der Stadt für Kirchenangehörige nur noch mit Erlaubnis eines Hochgeweihten. Meint Ihr nicht auch, dass das ein Anzeichen für anstehende Kämpfe ist, ›Herr Hauptmann‹?«

Zoltan hob die Brauen und sah den Bannstrahler fragend an. »Ihr wisst?«

»Natürlich, es fiel mir nur nicht gleich wieder ein. Euer Name war doch ...« Dann unterbrach sich Praiodin. Er sah an Zoltan vorbei und nahm Haltung an. »Ich muss weiter, die Ketzerin in Gewahrsam bringen. Vielleicht später.«

Zoltan sah sich um und entdeckte im Gewühl der Menge die Tiara eines Praiosgeweihten, der die Straße entlang näher kam.

»Natürlich. Bis später. Praios mit Euch.«

Praiodin salutierte und marschierte weiter. »Und mit Euch.«

Zoltan wanderte noch einige Zeit durch die Straßen, als er ein paar Sätze einer hitzigen Diskussion in der Nähe aufschnappte. Inmitten einiger Flüchtlinge, die auf ihren Bündeln und Körben über den verbliebenen Hausstand wachten, stand ein zerlumpter Mann mit kahlem Kopf und krummen Beinen einem jungen Mann mit wirren roten Haaren gegenüber. Augenscheinlich behielt der Alte die Oberhand in der Auseinandersetzung, die von den Umstehenden neugierig verfolgt wurde.

Der rothaarige Jüngling mit dem spärlichen Bartflaum versteifte sich gerade darauf: »... also werden auch nur die, die auf die Götter vertrauen und sie verehren, von ihnen unterstützt. Da solltest du nicht mit diesen leichtfertigen Reden alle glauben machen, dass es gleich sei, ob man die Zwölfe ehrt oder nicht!«

Der Alte erhob nun die Stimme, wohl um auch den Umstehenden seine Meinung kundzutun.

»Ach, wo waren denn die Götter, denen ich zwanzig Jahre lang einen Zehnten der Ernte geopfert habe, als untote Horden auf meinen Hof wankten? Ganz langsam gingen sie, als ob sie gleich umfielen, und ihre leeren Augenhöhlen starrten uns an, und ihr Grinsen machte uns klar, wer als Sieger aus dem Kampf hervorgehen würde. Fast alle haben sie dahingemetzelt. Jetzt herrschen sie über den Hof, über die ganze Baronie, und man sagt, sie seien schon bis zu den Beilunker Bergen vorgerückt und wir seien eingeschlossen. Nicht mehr lange, dann werden sie hierher kommen. Ganz langsam werden sie gehen, und die Soldaten werden die Ersten niedermachen, aber die Nächsten werden folgen, und dann wieder welche. Schließlich werden sie über die Mauern klettern und hier im Hof stehen und uns abschlachten. Uns alle. Dann werden wir als Tote mit ihnen gehen und mit ihnen morden. Und die ach so guten Götter werden uns genauso wenig helfen, wie sie uns in Tobrien bei Eslamsbrück geholfen haben. Sie interessieren sich einen Kuhmist für uns! Warum sollten sie uns in irgendwelche jenseitigen Paradiese holen? Häh? Sag mir das!«

Der Jüngling war während der Rede des alten Mannes immer kleiner geworden; Zoltan drängte sich durch die Menge, um die beiden zu erreichen. Da er nur achteinhalb Spann maß und damit kleiner war als die meisten, verlor er die Redner immer wieder aus den Augen. Mehrere Umstehende hatten schon ihre Gespräche eingestellt, um den Streitenden zu lauschen. Doch nun fasste der Rothaarige Mut, in der Redepause des Alten eine Entgegnung zu äußern.

»Aber wie kannst du den Göttern die Ehrerbietung versagen? Das ist doch genau das, was die Verräter tun, die uns überfallen haben! Nur die Götter können uns noch helfen, die Feinde zu besiegen. Wenn wir nur darauf ...«

Der Alte unterbrach ihn, zornerfüllt.

»Pah! Wenn Dämonenanbeter so viel Erfolg und Siege erringen wie die, die alle Jahre den Zwölfen geopfert haben, dann kann ich doch genauso gut ...«

Zoltan, der endlich vorne angekommen war, wurde es zu viel. Die Umstehenden, die den Streit angehört hatten, schienen dem Alten innerlich zuzustimmen. Seine Worte waren Gift für die Moral der Bevölkerung, und der eine oder andere mochte sich zum Überlaufen oder, schlimmer noch, zum Verrat an den Verteidigern entschließen. Es war eine strategische Notwendigkeit, solche Reden zu beenden. Also erhob Zoltan die Stimme und unterbrach den Alten.

»Unergründlich ist das Wollen der Götter, doch eins ist gewiss: Nur sie stehen vor dem Chaos, der Vernichtung und dem Tod, den uns der Dämonenmeister sendet.«

Die Umstehenden wandten sich zu dem Novizen, der sich unter dem Blick so vieler Augenpaare leicht unwohl fühlte. Er konzentrierte sich auf die nächsten Worte, den alten Mann fest im Blick.

»Sind es nicht die Könige und Fürsten, die ihre schützende Hand über euch alle halten, hinter deren Mauern ihr euch verbergen könnt, und die ihre Kämpfer aussenden, um dem Feind Einhalt zu gebieten? Und steht neben ihnen nicht die Kirche des Herrn Praios, von der Macht und dem Willen des Götterfürsten beseelt, hier auf Dere Recht und Ordnung hochzuhalten?«

Zoltan holte Luft. Jetzt musste er Dunkel und Licht gegenüberstellen, so hatte man es ihm beigebracht.

»Wer sich von den Göttern lossagt und gegen die Ordnung der Welt aufbegehrt, wie sie uns der Herr Praios in seiner Weisheit gegeben hat, der steht allein, und kein Fürst wird ihn beschützen, keine Mauer zwischen ihm und den untoten Heeren des Dämonenmeisters stehen. Und wenn er dann unter den grausamen Hieben des Feindes gefallen ist, dann versagt ihm auch der Herr Praios sein Himmelreich, und die Seele des Ketzers muss auf Ewigkeiten in den Seelenmühlen der Niederhöllen schmachten und unendliche Qualen erleiden!«

In den Gesichtern der Umstehenden zeichnete sich Unbehagen ab. Jetzt war der Novize guten Mutes, die kleine Ansprache zu einem verheißungsvollen Ende zu bringen.

»Wer aber dem Herrn Praios dient und denen, die in seinem Namen regieren, der wird seinen Teil dazu beitragen, dass die Rechtgläubigen den Dämonenmeister vernichten, und der Herr wird freundlich auf ihn sehen und ihn dereinst, wenn er sich würdig gezeigt hat, zu sich ins Leuchtende Paradies nehmen.«

Stille umgab Zoltan Imfelde. Die Leute um ihn herum hatten alle gefesselt zugehört. Der Alte lächelte ihn an und zwinkerte mehrmals.

Leise fragte er: »Glaubt Ihr wirklich?«

»Ja. Sicher.«

Zoltan drückte die Schulter des Alten und sah ihm fest in die Augen. Nach zwei Herzschlägen wandte er sich ab und bahnte sich mit einem – wie er hoffte – seligen Lächeln den Weg zurück zur Zitadelle, um den Eindruck nicht zu zerstören. Welch ein Glück, dass er die Worte der Predigt vom Vortag noch fast wörtlich im Kopf gehabt hatte!

Kurz nachdem Zoltans roter Mantel hinter der nächsten Straßenbiegung verschwunden war, hob das Streiten wieder an, während der Novize nach Orik suchte.

Die Wachen der Markgräfin ließen Zoltan und Orik das innere Tor passieren und Zoltan wandte sich zum markgräflichen Palast, um seine Kammer aufzusuchen, die er mit zwei weiteren Novizen teilte – genau wie er waren sie Spätberufene, die mit ihm aus Gareth gekommen waren. Orik hatte einige andere Hunde im Hof entdeckt, mit denen er durch die Wirtschaftsgebäude tollte, und Zoltan ließ ihm sein Vergnügen.

Am Ende der ersten Wendeltreppe kam ihm Baronin Hela von Natterngras entgegen. Die Baronin wartete auf der oberen Etage, um Zoltan passieren zu lassen. Zoltan war guter Dinge und wollte seine Überzeugungskraft gleich noch einmal ausprobieren und die Baronin Hela kam ihm gerade recht. Schon zuvor hatten die beiden zusammen mit Zoltans Lehrer Praioslob gestritten, wem die Natterngras zu gehorchen habe und wer ihre Streiter befehligen solle.

Die Baronin war eigentlich Lehnsfrau des Grafen von Warunk. Daher war sie mit Soldaten und Landwehr auf dem Weg zur Verteidigung von Warunk gewesen, doch durch das Hauptheer der Schwarzen Horden von der Stadt abgeschnitten worden. Sie musste südlich ausweichen, um nicht aufgerieben zu werden, und hatte so Beilunk erreicht. Nun wollte die Baronin mit ihren Mannen wieder in die Warunkei ziehen, um der bedrängten Trollpforte beizustehen und die vorrückenden Horden aufzuhalten, doch die Markgräfin von Beilunk hatte widersprochen. Sie hatte unter Berufung auf ihren kirchlichen Rang der Natterngraserin befohlen zu bleiben, und so lief diese seit Tagen wie ein eingesperrter Winhaller Wolfshund unruhig durch die Festung.

»Ah, Frau Baronin, haben Hochgeboren schon die Ihr zugedachten Defensionsposten an der Westmauer inspiziert?«, fragte Zoltan übertrieben zuvorkommend. Und in der Tat, der Widerspruch der seit Tagen zürnenden Baronin blieb nicht aus.

»Oh, vielen Dank der Nachfrage, Novize«, antwortete sie in spöttischem Ton. »Ich habe inspiziert, exerziert und kontempliert, derweil die Ogermauer berannt wird und das Tor zu Gareth weit offen steht.«

»Nun, die Verteidigung dieser Stadt ist nicht eben ohne Belang, Hochgeboren. Die Markgräfin braucht viele Leute, um die Mauern zu bemannen«, versuchte Zoltan eine Erklärung.

Die Baronin seufzte theatralisch.

»Eure Herrin beruft sich auf Lücken in der Reichsordnung, um mir zu befehlen, in einer Burg in den Winterschlaf zu gehen, während alle Rechtschaffenen sich den Schwarzen Horden entgegenstellen. Und es geht noch vielen anderen hier ähnlich! Eure Markgräfin benimmt sich unmöglich. Der Baronin von Sensenau wurde schon mit dem Kirchenbann gedroht, wenn sie nicht pariere. Dabei müssten wir uns dem Herzog von Tobrien unterstellen und nicht der Praioskirche!«

Die Baronin hatte sich schnell in Rage geredet, froh, ihren Ärger loswerden zu können. Aber Zoltan war nicht bereit, ohne Widerrede ihre Klagen anzuhören.

»Das ist unmöglich, Baronin. Ihr werdet hier gebraucht und dieser Kampf ist eine kirchliche Angelegenheit. Der ...«

»Kirchlich?«, lachte die Baronin. »Es ist ja wohl eine sehr weltliche Angelegenheit, wenn fremde Soldaten unsere Ländereien überfallen! Novize!«

»Jetzt hört mir doch zu!« Zoltan wurde langsam ungeduldig. »Der Dämonenmeister verhöhnt die Götter, und nicht nur weltliche Belange wie die banale Frage, wer über wen herrscht, stehen zur Debatte. Die Kirche braucht alle, um die Götterlästerer zur Strecke zu bringen, und genau hier wird der Kampf ausgetragen. Beilunk ist von strategischer Bedeutung als ein leuchtendes Fanal des ...«

Zoltan suchte noch nach wuchtigen Redewendungen, als die Baronin ihn wenig beeindruckt unterbrach.

»Wenn es überhaupt so weit kommen muss, Herr Hauptmann im Ruhestand. Das Heer wird die Invasion stoppen, wenn alle Kräfte versammelt sind. Ich will zum kaiserlichen Heer und dort kämpfen. Wir werden noch auf Wochen ...«

»Das wird nichts, Hochgeboren. Das kaiserliche Heer ist zerschlagen und Brin machtlos gegenüber den Provinzherren. Ihr habt ja keine Ahnung! Seht Euch das stehende Heer des Reiches – und seht Euch den Gegner an. Jeden Tag trifft eine Handvoll Kämpfer ein und sie werden einer nach dem anderen niedergemacht. Das kaiserliche Heer ist eine kaiserliche Kompanie, die könnt Ihr in den Ostwind schreiben. Nur die Kirche kann noch, selbstverständlich mit dem Beistand der Götter, gegen den Dämonenmeister bestehen!«

Da hatte Zoltan in seinem Eifer wohl etwas zu gewagte Worte gewählt, wie er selbst im gleichen Augenblick bemerkte. Die Baronin war fassungslos.

»Ihr seid auch ein Untertan des Reiches, wagt es nicht, über Euren Herrscher zu lästern! Ihr führt Euch auf wie ...«

Ein lautes »Was hat das zu bedeuten?« unterbrach die Baronin. Die beiden drehten sich um und sahen in das zornig drohende Gesicht der Markgräfin, die in goldenem Ornat vor den Streithähnen stand und sie mit festem Blick auf dem Fleck festnagelte.

Zoltan hatte das Gefühl, dass die Wände und Möbel im Dunkel verschwanden, während er als Einziger im hellen Licht stand, ohne Deckung, dem durchbohrenden Blick der Priester-Herrscherin ausgesetzt. Zwei Augen hielten ihn fest, ließen die Zeit verharren, lähmten und durchschauten ihn. Er wurde sich jeder einzelnen Faser seines Körpers bewusst, der den gnadenlos richtenden Augen ausgesetzt war, er fühlte seine sinnlos herabhängenden Arme, eine blonde Haarsträhne, die ihn an der Schläfe kitzelte, seine kalten Fingerspitzen und den Hauch des Windes im Gesicht. Die Augen der Markgräfin schienen zu befehlen: ›Gestehe!‹ Und über den Schultern der Markgräfin schwebten wie Möwen um eine Klippe die teils ernst-strafenden, teils schadenfrohen Blicke ihres Gefolges.

Nach einer Ewigkeit, in der Zoltan über alle Sünden und Fehltritte seines Lebens nachgrübelte, wurde er sich der Lage bewusst. Baronin Hela und er beugten ihre Knie vor der Herrscherin Beilunks. Die Natterntalerin fand zuerst ihre Sprache wieder. »Euer Erhabenheit, wir diskutierten strategische Angelegenheiten.«

»Im Ton von Viehhändlern. Wir dulden solches Verhalten nicht, das mehr Zwietracht sät als wir in diesen Zeiten gebrauchen können. Wir sollten vereint stehen und nicht die Arbeit des Gegners für ihn erledigen.«

»Wir bitten um Vergebung, Euer Erhabenheit. Es wird nicht noch einmal vorkommen.« Zoltan starrte mit rotem Gesicht auf die Stiefelspitzen der Gräfin und beobachtete einen schwarzen Käfer, der zwischen ihren Schuhen ziellos über die Dielen lief.

»Meldet Euch bei Hauptfrau Ailill für drei Nachtwachen, Novize. Und Ihr, Natterntal, wartet, bis der Gegner vor uns steht, und dann zieht euer Schwert. Das ist früh genug.«

Sie schritt an den beiden vorbei zur Treppe, das Gefolge rauschte eilig hinterdrein.

Zoltan atmete auf. Nachtwachen waren für einen alten Soldaten wie ihn kein großes Ärgernis, für andere Praios-Novizen schon eher. Die Markgräfin musste einen guten Tag gehabt haben. Mit vielsagenden Blicken richteten sich Zoltan und die Baronin auf, Leidensgenossen, verbunden durch eine gemeinsam überstandene Prüfung. Der Novize warf einen fahrigen Blick auf den Boden, hob die Brauen und seufzte.

»Vielleicht hat die Gräfin Recht und wir sollten uns besser nicht zerstreiten. Um uns schlagen können wir noch früh genug.«

»Ja, mag sein ... verzeiht, ich bin recht aufbrausend in diesen Tagen. Ich bin gewillt, euer Benehmen zu entschuldigen.«

Zoltan verneigte sich andeutungsweise.

»Habt Dank, Hochgeboren. Wir sind alle unruhig zurzeit.«

»Eins müsst Ihr mir noch erklären: Ihr spracht von der Schwäche des Heeres. Aber in Praske sammelt man sich, um einen großen Heerbann zu führen. Warum soll das keinen Erfolg haben?«

»Sehr einfach.« Strategie war eins von Zoltans Lieblingsthemen, noch vor Taktik und Hunden. »Ihr müsst wissen, dass der Reichsmarschall ...«

Sprechend schritten sie den Gang hinunter, auf der Suche nach einem strategischen Sandkasten. Zurück blieb ein zertretener schwarzer Käfer.

»Dreizehn, vierzehn ...«

»Heda, Zoltan! Halt ein, Berglund will dich sprechen!«

Auf Yendans Ruf hin unterbrach Zoltan seine Klimmzüge und ließ sich zu Boden fallen. Na endlich! Sein Mentor, der Leitende Inquisitionsrat Arbas Jondrean von Berglund, wollte bestimmt zu einer neuen Mission aufbrechen, nachdem er schon seit Tagen hier festsaß. Zoltan warf seinen roten Mantel über die weiße Tunika und schritt davon, Orik einschärfend, er solle gefälligst warten und nicht wieder die Küche durcheinander bringen.

Auf dem Weg zu den Gemächern des Inquisitors überlegte Zoltan, was ihn erwartete. Er hatte Berglund kennengelernt, als dieser gewisse Vorgänge untersuchte, in die auch Zoltan verwickelt gewesen war. Zoltan hatte mit einigen Freunden Berglund helfen können und dessen Respekt errungen. Damals war Zoltan ein ziellos durch das Reich streifender Abenteurer gewesen, aber nach Gesprächen mit dem Inquisitor über die damaligen Ereignisse hatte er den Entschluss gefasst, sich selbst der Inquisition anzuschließen und ähnliche Vorgänge aufzuklären oder besser noch, sie zu verhindern, wenn der Herr Alverans dies wollte.

Nach dem »Herein!« von drinnen öffnete Zoltan die Tür zu Arbas Jondrean von Berglunds Zimmer. Der Inquisitionsrat pflegte in einem reichlich möblierten Salon zu arbeiten, umgeben von verzierten Kommoden, Polsterstühlen und sogar einem Bild. Er hatte vor sich auf einem Tisch einige Dokumente und ein Buch ausgebreitet. An einem zweiten Tisch daneben saß ein Secretarius und beschrieb allerlei Papiere. Zoltan trat vor den Tisch Berglunds und kniete nieder.

Der Inquisitor sah auf. Müde Augen aus einem eingefallenen Gesicht sahen Zoltan an.

»Ah. Praios zum Gruße, Novize.« Er machte eine Handbewegung nach oben.

»Praios zum Gruße, Eminenz«, antwortete Zoltan beflissen und stand auf.

»Gehen die Studien voran?«

»Danke, Eminenz. Ich denke schon.«

»Hattest du schon einmal ein Gesicht, mein Sohn?«

»Eine Vision? Nein, Eminenz. Vielleicht, als ich beim Orakel von Balträa war. Sonst nie.«

»Ich habe viele. Manche sind vom Feind geschickt, manche sind Bilder meiner Phantasie. Aber eine kommt immer wieder. Es ist ein Gefühl der Unruhe, Ungeduld, jedes Mal, wenn ich längere Zeit nach Südosten sehe. Manchmal, wenn es dunkel wird, erblicke ich dort eine rote Flamme, die ein goldenes Licht überstrahlt. Es ist eine Warnung. Etwas wird dort passieren. Aber ich kann nicht von hier fort. Beilunk soll eine Feste werden, in der die Praioskirche dem Sturm widersteht. Alle müssen hier bleiben und auf den ersten Windstoß warten. Ich schicke dich nach Perricum.«

Zoltan hatte ruhig zugehört, als Berglund von seinen Visionen erzählte, aber beim letzten Satz schreckte er auf.

»Eminenz?«

»Sieh dich in Perricum um. Etwas passiert mit dem Tempel dort. Das ist das goldene Licht. Aber die Farben des Gegners sind stärker. Er will uns korrumpieren, unterwandern, zu Häresie und Ketzerei verführen. Im Tempel dort geht etwas vor sich. Wenn er uns schwächen will, ist die Stadt mit dem Reichskriegshafen die nächste Wahl.«

Berglund machte eine Pause und starrte versonnen auf den Tisch. Dann hob er müde den Kopf und ergänzte: »Von dem Auftrag darf das Volk nichts erfahren. Die Schwachen im Geiste könnten das Vertrauen in uns verlieren.«

»Eminenz? Warum ich? Ich bin nur ein Novize.«

»Weil wir sonst niemanden aus der Stadt lassen können«, kam die barsche Antwort. Berglund streckte die offene Hand nach seinem Sekretarius aus, der ihm einige Papiere gab.

»Hier sind Informationen und Reisepapiere. Das ist alles. Gute Reise, geh mit Praios.«

»Danke, Eminenz.«

Zoltan nahm die Schriftstücke entgegen und kniete kurz nieder, dann eilte er hinaus. Völlig durcheinander schloss er die Tür hinter sich und lehnte sich an die Wand des Ganges. Was für ein Vertrauensbeweis, dachte er bitter. Weil ich der Einzige bin, der gerade entbehrlich ist.

Ganz gleich, jetzt war wenigstens etwas los nach der langen Warterei auf den Feind. Und eine Reise die Küste entlang nach Perricum war auch nicht das Schlechteste, wenn er nicht gerade Spähtrupps des Gegners in die Arme lief.

Das konnte ein Problem werden. Eine Seereise schloss Zoltan schon von vornherein aus, denn das Meer war wie von Dämonen besessen und brachte den Seereisenden nur Leid und Untergang. Er würde seinem Pferd wieder Auslauf gewähren können, und Orik mochte Reisen ebenfalls, denn es gab so viel am Wegesrand zu entdecken. Zoltan überschlug, was er mitnehmen müsste: Proviant, Wasser, einen Wachstuchmantel, eine Decke, die Waffen, die Halsgerichtsordnung, eine Landkarte, die Reisepapiere ... ach ja, die Papiere. Er blätterte durch die Schreiben.

Ein Geleitbrief für die Reise, ein versiegeltes Empfehlungsschreiben an den Hochgeweihten des Tempels in Perricum, eine Vollmacht der Inquisition für Zoltan Imfelde, eine Beschreibung der Perricumer Geweihtenschaft mit Auszügen aus den Dossiers der Inquisition und ein kleiner Zettel, mit einer Notiz in der Handschrift von Berglunds: »Traue niemandem. Denk an Nicola.«

Zoltan runzelte die Stirn. Er erinnerte sich an die Affäre im Kloster Arras de Mott, dessen Hochgeweihter Nicola de Mott sich als gestaltwandelnder Dämon in den Diensten des Dämonenmeisters entpuppt hatte. Wochenlang hatten nichtsahnende Geweihte und Laien dem Dämon zugearbeitet, in dem Glauben, einem der wichtigsten Orden der Praioskirche zu dienen. Letztlich hatte man das Wesen aus den Niederhöllen zwar unschädlich gemacht, doch fast zu spät.

Und jetzt warnte der Inquisitor erneut vor Gestaltwandlern. Zoltan wusste, dass in den letzten Wochen und Monaten einige Gestaltwandler und Agenten des Feindes aufgespürt worden waren, in allen zwölf Kirchen, im Generalstab und sogar im Reichsgeheimdienst. Doch wie viele waren verborgen geblieben oder hatten sich eines Körpers bemächtigt, als die Inquisition gerade am Ende der vorigen Ermittlung die Tür hinter sich schloss?

Zoltan hatte gehört, dass vor einem Jahr in Ilsur ein dämonisch besessener Seekapitän enttarnt worden war. Der daraufhin zum Kapitän beförderte Erste Maat war jedoch ebenfalls ein Borbarad-Knecht gewesen und hatte den Verdacht wirksam von sich ablenken können, indem er den Besessenen auslieferte. Das Schiff des Verräters war angeblich in einem Sturm gesunken, aber später hatte man es beim Angriff auf Ilsur gesichtet. Soviel zur Enttarnung von Verrätern.

Nun sollte er nach Perricum, um Ähnliches zu verhindern. Die Papiere räumten ihm viele Befugnisse ein, trotz der Anordnungen der Markgräfin. Er würde einige Bannstrahler mitnehmen, um vor Überfällen auf der Reise sicher zu sein und in Perricum einen besseren Stand zu haben. In ihren weißen Kutten, mit dem Schwert oder Streitkolben an der Seite und mit der Gewissheit der Gerechten im Blick machten sie stets Eindruck auf Gauner und Gardisten, Bürger und Bürokraten. Wenn die Bannstrahler als die Faust des Inquisitors zum Schlag gegen die Horden des Chaos ausholten, dann konnten nur noch unheilige Mächte aus jenseitigen Sphären den Frevler retten.

Und dennoch – wer konnte schon sagen, wie die Dinge in Perricum standen? Dort lag der wichtigste Kriegshafen des Reiches im Kampf gegen die Invasion der Schwarzen Horden. Es stand zu befürchten, dass der Gegner seine Figuren schon platziert hatte und die dunklen Kräfte nur noch darauf warteten loszuschlagen. Aber inzwischen hatte Zoltan viel über die Listen der Dämonen gelernt. Wäre doch gelacht, wenn er die Figuren des Gegners nicht vom Brett fegen konnte – mit dem Beistand des Herrn!

2. Reisende

26. Rondra, im 27. Jahr nach Kaiser Hals Krönung

Im Rondra war mit Unwettern zu rechnen, besonders in diesen Zeiten. Seit Beilunk hatten die sieben Reiter kaum eine Sonnenstunde erlebt. Von Osten zogen seit Wochen düstere Wolken auf, die häufig Gewitterschauer oder seltsam schmutzigen, öligen Nieselregen mit sich brachten und über die Verteidiger der zwölfgöttlichen Lande ergossen. Seit dem Morgen regnete es ununterbrochen. Die Straße war ein einziger Morast und die Wachsmäntel hatten entschieden zu viele Nähte und Öffnungen, sodass die Reisenden in klammem Wams missmutig in ihren Sätteln hockten. Zoltans neuer goldener Umhang war zwar beeindruckend anzusehen, doch gegen Regen half er nicht. Im Gegenteil, er schien Efferds Gaben freudig entgegenzunehmen, indem er sich vollsog und schwer auf die Schultern drückte.

Zoltan ritt voran, neben ihm stapfte Orik durch den Schlamm. Selbst dem Olporter war inzwischen der Spaß am Kaninchenjagen und Felsenanbellen vergangen. Hinter Zoltan ritten paarweise seine Bannstrahler, vorweg der grimmig den Regen ignorierende Lanzenführer Praiodin von Gareth, der Anführer der sechs Kämpfer, zur Linken Mara-Lumea, die ihn offenbar sehr bewunderte. Es folgten die kleine Aktina Ilsurer und ihre Freundin Provolea aus Nevelung. Die Nachhut bildete der alte Alrik Wutkieser mit seiner wohlverpackten Repetier-Armbrust und der dürre Zepperich.

Alle sechs Bannstrahler trugen Kettenhemden unter ihren langen weißen Umhängen, außerdem führten sie alle ein Schwert oder einen Streitkolben mit, manche beides. Die Pferde trugen weiße Schabracken mit goldenen Greifen, ganz wie die Wappenröcke der Krieger selbst. Zoltans Pferd hingegen war in eine goldfarbene Schabracke mit rotem Greifen gekleidet; er selbst trug die rote und goldene Kleidung eines Inquisitors, eine rote Tunika und einen goldenen Umhang sowie einen Inquisitoren-Gürtel mit Greifenschließe. Leider verriet die einzelne Goldkugel an seinem Gürtel, dass er nur Novize war und kein echter Inquisitor, der wenigstens zwei Kugeln tragen würde. Vorsichtshalber hatte der vormalige Hauptmann seinen Panzer angelegt. Das rote Stirnband trug er weiterhin, es passte sowohl zum Gold-Rot seiner Kleidung als auch zu seinen blonden Haaren.

Zoltan hatte schon ausgetüftelt, dass er notfalls auch Shilasir zu seinem goldenen Umhang auf dem Rücken tragen konnte. Er musste nur den Verschluss des Umhangs etwas weiter stellen, um ihn um Hals und Schwertscheide zu hängen. Zur Zeit hatte er das Schwert an die Packtasche geschnürt, doch wer konnte schon sagen, was für Dämonenpaktierer in Perricum auf ihn warten würden.

Über dem Meer lauerten düstere Wolkenbänke, die über den Hügeln zur Rechten schon wieder zerfaserten. Wie zum Hohn bewegte sich die Reisegruppe im Zwielicht eines aufziehenden Unwetters die Küstenstraße entlang, während nur wenige Hundert Schritt weiter rechts die Wiesen und Felsen in den wärmenden Strahlen der Praiosscheibe aufleuchteten.

Hier unten, nah am Meer, fühlte sich Zoltan schutzlos feindlichen Blicken ausgeliefert. Er hatte die böse Ahnung, dass in den dunklen Wolken Späher verborgen waren, die ihrem verderbten Herrn und seinen Geschöpfen in Perricum schon alles über die Reisenden berichtet hatten und nur noch auf den Augenblick lauerten, in dem die Inquisitoren auf Zeit in eine andere Richtung blickten, um zuzuschlagen. Jedes Mal, wenn Zoltan nach Süden spähte, wo sich Perricum hinter den Bergen verbarg, hatte er den Eindruck, als würden glühende Augenpaare aus den tiefhängenden schwarzen Wolken zu seiner Linken spähen. Doch wenn er den Kopf zur See wandte, dann sah er nur Lücken in der Wolkendecke – oder Möwen, die im verfluchten Meer nach kalten, bleichen Schuppenleibern suchten.

Keine gute Zeit zum Grübeln. Zoltan musste sich auf alles vorbereiten – und dazu musste er seine Soldaten kennen. Nur wer um die Eigenheiten seiner Leute wusste, konnte sie taktisch dirigieren.

Also wandte er sich um und winkte mit der Rechten: »Praiodin, reitet doch eine Weile mit mir!«

Praiodin von Gareth blickte auf und hob die Zügel, um sein Pferd neben Zoltans zu bringen. MaraLumea sah ihm etwas bedauernd nach, wie Zoltan auffiel, doch dann ließ sie sich zu den beiden anderen Frauen zurückfallen, um mit ihnen zu reden. Die Art, wie Praiodin sein Pferd neben Zoltans lenkte, verriet, dass er einige Erfahrung im Reiten besaß.

Zoltan lächelte. »Ihr reitet gerne, nicht wahr?«

Praiodin salutierte militärisch. »Weidener Lanzenreiter, Herr Hauptmann, Korporal bis 24 nach.« Dann lächelte er gewinnend. »So schnell vergisst man seine Lektionen aus der Armee nicht, wie Ihr selbst wisst.«

Zoltan lachte kurz auf. »Das mit dem Hauptmann ist schon eine Weile her, mein Lieber. Aber es scheint sich herumgesprochen zu haben. Woher wisst Ihr? Weil ich morgens meine Runden durch den Burghof laufe? Oder habe ich immer noch den Stechschritt der Almadaner Infanterie an mir?«

»O nein, beim Morgenlauf bin ich Euch noch nicht begegnet. Ich kannte Euren Namen, mir fiel nur neulich Nacht nicht ein, wo ich ihm schon begegnet war. Nun weiß ich es wieder: Ich habe damals Eure Berichte im Kyndoch-Kurier studiert, über den Kampf gegen die Orkenpest. Wir stießen damals, das war Ende 22, gleichzeitig mit dem großen Heerbann über die Ostprovinzen vor. Da hätten wir fast an der Tannbirg-Kette in der Klemme gesessen, wenn wir nicht Euren Bericht über den ›Irrlauf der Dritten‹ gelesen hätten. Da waren wir allesamt Hesinde sehr dankbar, dass sie uns die Kusliker Zeichen gegeben hat.«

»Ach ja, der Irrlauf der Dritten. Das war eine peinliche Sache für Oberst von Walderteich«, grinste Zoltan. »Aber bevor wir unsere Kriegserinnerungen austauschen: Wir müssen uns auf Perricum vorbereiten. Erzählt mir doch kurz etwas über Eure Leute. Wie kämpfen sie, was für Schwächen haben sie und so weiter.«

Praiodin wurde ernst und runzelte die Stirn. Vielleicht gefiel es ihm nicht, einem einfachen Novizen Rapport zu geben, aber andererseits hatte er gerade dem ehemaligen Hauptmann Zoltan Respekt gezollt. Vielleicht dachte Praiodin nur nach, überlegte Zoltan. Dann lauschte er Praiodin, der in gedämpftem Ton über seine Kämpfer berichtete.

»Gut, also. Mara-Lumea, mit der ich eben geritten bin. Als Kind zur Kirche gegeben, früh in den Bannstrahl eingetreten, solide Kämpferin. Zeigt gerne ihr Können mit schwierigen Hieben, hat eindrucksvolle Angriffe parat, aber mit der Deckung hapert es manchmal. Denkt mit, will vorwärts kommen, wird sicher bald befördert.«

Während Praiodin erzählte, sah Zoltan sich kurz um und musterte Mara-Lumea. Wohlgeformt, mittelgroß, das braune Haar zu einem langen Zopf geflochten, elegante Erscheinung, glühende Augen; das Ziel der Minne für den halben Bannstrahlorden, wie Zoltan seit dem Aufbruch in Beilunk vermutete. Sie hatte sich am Morgen sehr herzlich von verschiedenen Ordensrittern verabschiedet, die sich untereinander giftige Blikke zugeworfen hatten. Die finstersten Wünsche der Zurückbleibenden hatten aber wohl Praiodin von Gareth gegolten, der Mara-Lumea galant aufs Pferd geholfen hatte. Zoltan fand Mara-Lumea zu durchtrieben, um attraktiv zu sein – wahrscheinlich würde sie ihn austricksen und überlisten, an der Nase herumführen und lächerlich machen. So etwas hatte er schon einmal erlebt. Außerdem war es in der Gemeinschaft des Lichtes nicht unüblich, den Freuden der lieblichen Rahja zu entsagen, um sich ganz dem Götterdienst im Kampf um Recht und Gesetz zu widmen. Praiodin fuhr fort: »Zepperich, der Lange ganz hinten. Ihr erinnert Euch, er war dabei, als wir uns das erste Mal trafen.«

Zoltan lehnte sich im Sattel zur Seite und sah an Mara-Lumea vorbei nach hinten. Der hagere Zepperich, etwas älter als Zoltan und Praiodin, versuchte anscheinend, sich einen struppigen Schnurrbart wachsen zu lassen. Er redete ununterbrochen mit seinem Nebenmann Alrik, der jedoch nur grimmig unter seiner Kapuze hervor starrte und ab und zu ein knappes Wort äußerte. Der alte Mann schien kaum in der Lage, seine Repetier-Armbrust zu halten, geschweige denn sie zu spannen. Doch sein finster-entschlossener Blick sollte diesen Eindruck wohl Lügen strafen. Um Äußerlichkeiten kümmerte sich Alrik offensichtlich nicht, wie der stoppelige graue Bart und die ungeordneten schulterlangen Haare unter der Kapuze zeigten.

Derweil erklärte Praiodin weiter.

»Zepperich war Stadtbüttel in Warunk, ist seit fünf Jahren beim Bannstrahl. Ruhig, mittelmäßig begabt, kann mit dem Streitkolben besser umgehen als mit dem Schwert. Unordnung mag er nicht, er kommt schnell aus der Ruhe, wenn etwas Unerwartetes passiert. Ein einfacher Mann, aber zuverlässig.

Der alte Alrik Wutkieser ist erst kurz dabei, aus dem Osten geflohen und in Beilunk dem Orden beigetreten. Man hat ihn aufgenommen, weil er gut mit der Armbrust umgehen und praktisch das ganze Zwölfgötterbrevier auswendig aufsagen kann. Im Zweikampf ist er eher wackelig, bei dem Alter kein Wunder. Aber er hat noch scharfe Augen, und deshalb treffen seine Bolzen. Sehr verbissen dabei, will sich wohl für etwas rächen. Seine ganzen Ersparnisse hat er in die Armbrust gesteckt. Reiten kann er ziemlich gut, aber da hört es dann auch auf.

Über die beiden anderen Frauen weiß ich nicht viel, sie sind aus Ysilia neu nach Beilunk gekommen.«

Zoltan nickte zufrieden. »Mit denen unterhalte ich mich gerne selbst. Ach, wir müssen übrigens noch einige Zeichen absprechen, das kürzt die Verständigung ab. Machen wir aber später, mit allen. Nun zu unserem Auftrag: In Perricum werden wir Ermittlungen wegen Spionage und dämonischer Unterwanderung durchführen, möglicherweise gegen den Widerstand der Einheimischen. Ihr sollt mir den Rücken freihalten, wenn es brenzlig wird, und bei Verhören helfen. Vielleicht wird der Feind gezielte Gegenangriffe vortragen, mit Meuchlern oder noch übleren Wesen. Dazu brauche ich Euch. Ich überlasse Euch die Einzelheiten wie Wacheinteilung, aber ich erwarte, dass mich jederzeit zwei Bannstrahler begleiten können. Ihr wisst wahrscheinlich selbst, dass ich mit meinem Schwert –«, er klopfte hinter sich auf ein Bündel über der Satteltasche, »– so einiges kleinkriegen kann, doch gegen Dämonenwerk in der Nähe der Front seid Ihr genau die Richtigen.«

Praiodin salutierte erneut, diesmal lässiger.

»Danke, Herr Hauptmann, wird gemacht. Wie soll ich Euch anreden?«