Du bist die Sonne meines Lebens - Kitty Marcos - E-Book

Du bist die Sonne meines Lebens E-Book

Kitty Marcos

0,0

Beschreibung

In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkinder" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt. Ihre Lebensschicksale gehen zu Herzen, ihre erstaunliche Jugend, ihre erste Liebe – ein Leben in Reichtum, in Saus und Braus, aber oft auch in großer, verletzender Einsamkeit. Große Gefühle, zauberhafte Prinzessinnen, edle Prinzen begeistern die Leserinnen dieser einzigartigen Romane und ziehen sie in ihren Bann. Im Internat FALKENGRUND herrschte unter den Bewohnern bereits große Vorfreude auf die bevorstehenden Ferien. Nicht nur die Jugendlichen, sondern auch das Lehrpersonal hatten größtenteils Urlaubspläne geschmiedet. Unter ihnen war auch Regina von Witte. Sie wollte endlich mal mit ihrem Stiefbruder Siegesmund zusammensein, so wie in Kindertagen. Siegesmund war der einzige, der ihr von ihrer Familie geblieben war. Und obwohl sie durch ihre Berufe ewig getrennt waren, hingen sie doch immer noch sehr aneinander. Sie telefonierten viel miteinander, und wann immer Siegesmund, der vielbeschäftigte Reporter, in der Nähe war, kam er auch nach Falkengrund. Unter den Kollegen hielt man ihn für Reginas Freund. Auch die Jugendlichen glaubten es. Nur eine wußte, wer der Mann wirklich war. Nelly von Eidershof war eine unter den fünfzehn Schützlingen, die Regina unterrichtete. Mit ihr, der zehnjährigen Fürstentochter, hatte die junge Erzieherin ein ganz besonderes Verhältnis aufgebaut. Die immer sehr traurige und verschlossene Nelly hatte sich ihr eines Tages anvertraut. Weinend hatte sie ihr gestanden: »Mein Papa liebt mich nicht mehr!« Da Regina von der Internatsleiterin wußte, daß Nellys Mutter nicht mehr lebte, war sie durch das Geständnis der Kleinen besonders betroffen gewesen. »Wie kommst du darauf?« hatte sie die Kleine gefragt. Da hatte ihr Nelly ein weiteres Geständnis gemacht. »Sonst hat er mir immer geschrieben, aber nachdem ich ihm zu seinem Geburtstag das Bild von mir geschenkt habe – du weißt, welches – hat er nicht mehr geantwortet.« Ja, Regina wußte, welches Bild Nelly meinte.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 118

Veröffentlichungsjahr: 2023

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Fürstenkinder – 99 –Du bist die Sonne meines Lebens

Unveröffentlichter Roman

Kitty Marcos

Im Internat FALKENGRUND herrschte unter den Bewohnern bereits große Vorfreude auf die bevorstehenden Ferien. Nicht nur die Jugendlichen, sondern auch das Lehrpersonal hatten größtenteils Urlaubspläne geschmiedet. Unter ihnen war auch Regina von Witte. Sie wollte endlich mal mit ihrem Stiefbruder Siegesmund zusammensein, so wie in Kindertagen. Siegesmund war der einzige, der ihr von ihrer Familie geblieben war. Und obwohl sie durch ihre Berufe ewig getrennt waren, hingen sie doch immer noch sehr aneinander. Sie telefonierten viel miteinander, und wann immer Siegesmund, der vielbeschäftigte Reporter, in der Nähe war, kam er auch nach Falkengrund.

Unter den Kollegen hielt man ihn für Reginas Freund. Auch die Jugendlichen glaubten es. Nur eine wußte, wer der Mann wirklich war.

Nelly von Eidershof war eine unter den fünfzehn Schützlingen, die Regina unterrichtete. Mit ihr, der zehnjährigen Fürstentochter, hatte die junge Erzieherin ein ganz besonderes Verhältnis aufgebaut. Die immer sehr traurige und verschlossene Nelly hatte sich ihr eines Tages anvertraut. Weinend hatte sie ihr gestanden: »Mein Papa liebt mich nicht mehr!«

Da Regina von der Internatsleiterin wußte, daß Nellys Mutter nicht mehr lebte, war sie durch das Geständnis der Kleinen besonders betroffen gewesen.

»Wie kommst du darauf?« hatte sie die Kleine gefragt. Da hatte ihr Nelly ein weiteres Geständnis gemacht.

»Sonst hat er mir immer geschrieben, aber nachdem ich ihm zu seinem Geburtstag das Bild von mir geschenkt habe – du weißt, welches – hat er nicht mehr geantwortet.«

Ja, Regina wußte, welches Bild Nelly meinte. Auf die Frage, was sie ihrem Vater zum Geburtstag schenken könnte, hatte sie dem Mädchen den Rat gegeben, sich für den Vater fotografieren zu lassen. Siegesmund war gerade da gewesen, und er hatte einige wunderschöne Fotos von Nelly gemacht. Er war es auch, der festgestellt hatte, wie ähnlich Nelly ihrer Mutter sah. Denn auf ihrem Nachttisch stand das Hochzeitsfoto ihrer Eltern.

»Vielleicht hatte er ja bis jetzt noch keine Zeit, dir zu antworten«, hatte Regina Nelly zu trösten versucht. Nelly hatte sich darauf wieder beruhigt. Aber je mehr Zeit verging, desto unruhiger wurde sie. Regina spürte es und schien nun selbst besorgt. Wie hätte sie die Ferien mit Siegesmund genießen können, wenn die Sorge um Nelly in ihr nagte? Nein, sie mußte Klarheit haben. Deshalb suchte sie eines Abends die Internatsleiterin auf.

Madam Reginald schaute ihrer jungen Mitarbeiterin erwartungsvoll entgegen, und als diese von ihrer Sorge um Nelly sprach, nickte die alte vornehme Dame.

»Ich habe es erwartet, daß Sie irgendwann kommen. So kurz vor den Ferien haben bereits die meisten Eltern mit mir abgeklärt, wann ihre Kinder nach Hause geholt werden. Doch von Bergesruh ist noch keine Mitteilung erfolgt. Ich befürchte, daß es wieder so endet wie Weihnachten und Ostern.«

»Ich verstehe nicht«, gab Regina irritiert zurück. Da erinnerte sich Madam Reginald.

»Ach ja, Sie kamen erst nach den Osterferien zu uns. Nun, am letzten Schultag kam ein Anruf, daß der Fürst erkrankt sei und niemand Nelly holen könne. Also mußte die Kleine die Ferien hier verbringen.«

»Nein!« rief Regina entsetzt, und nun erst ahnte sie, warum Nelly so traurig war. »Das darf diesmal nicht passieren. Nelly wird uns sonst krank. Sie hat schon jetzt das Gefühl, daß ihr Vater sie nicht mehr liebt. Wenn Sie erlauben, werde ich Nelly selbst nach Hause bringen. Und sollte ihr Vater erneut krank sein, kann ich mich ja um Nelly kümmern.«

»Sie würden wirklich Ihre Ferien für die Kleine opfern?«

»Ich könnte nicht unbeschwert Urlaub machen, wenn ich Nelly hier unglücklich zurücklassen müßte. Und ob ich nun hier im Internat bei ihr bleibe oder bei ihr im Schloß, für mich wäre das egal. Für Nelly wäre es aber ein heilsamer Unterschied. Es gibt also keinen Grund, die Kleine nicht nach Hause zu lassen.«

Madam Reginald lächelte erleichtert. Reginas Engagement war auch zu ihrem eigenen Vorteil, denn so konnte auch sie mal wieder an Urlaub denken.

»Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn ich mich darauf verlassen könnte, Regina.«

»Das können Sie«, gab Regina zurück und dann zwinkerte sie ihrer Chefin mit Verschwörermiene zu. »Vielleicht sollte ich mit Nelly schon einen Tag eher abreisen, damit nichts dazwischen kommt.«

Madam Reginald hatte Regina genau verstanden. Sie dachte kurz nach. »Nelly ist eine sehr gute Schülerin. Ja, darüber ließe sich reden.«

»Danke!«

Als Regina in ihr Zimmer zurückkam, fiel ihr wieder Siegesmund ein. Nun würde sie mit ihm reden müssen.

*

Maria, die alte Hausdame von Schloß Bergesruh schüttelte unwillig den Kopf.

»Aber Durchlaucht, das arme Mädel…!«

»Ich kann es nicht um mich haben, Maria. Verstehen Sie denn nicht? Nelly sieht ihrer Mutter immer ähnlicher.«

»Dafür kann die Kleine doch nichts.«

Klaus von Eidershof ließ sich mit einem tiefen Seufzer in seinen Sessel sinken, in dem er in den letzten Jahren sehr viele Stunden zugebracht hatte. »Ich weiß, Maria, ich weiß.«

»Und was soll ich der Schulleitung sagen?« fragte ihn die alte Hausdame. Da zuckte er resigniert die Schultern.

»Irgendwas, Maria, irgendwas. Sie machen das schon und nun lassen Sie mich allein, bitte.«

Seine Stimme hatte eindringlich geklungen. Maria kannte das, diesen Zustand, den der Hausarzt ›tiefe Depression‹ nannte. Doch sie kannte den wirklichen Grund dafür, daß der Fürst Stunden und oft auch Tage in seinem Sessel saß, vor sich hinstarrte und grübelte. Niemand wagte ihm dann zu nahe zu kommen. Sie war die einzige, die der Fürst in dieser Zeit um sich duldete.

Der Arzt hatte gesagt, es müsse etwas geschehen. Jemand müsse ihn aus diesem Loch, in das er damals nach dem Scheitern seiner Ehe gefallen war, herausreißen. Aber wem gelang das? Sie hatte so sehr auf Nelly gehofft, doch je älter sie wurde, desto mehr erinnerte sie ihren Vater an die größte Niederlage seines Lebens. Und nun ließ er sie einfach nicht mehr an sich heran.

Verzagt ging Maria zum Telefon. Sie wählte die Nummer des Internates. Noch wußte sie nicht, was sie diesmal als Ausrede benutzen würde. Da hörte sie die Stimme von Madam Reginald.

»Falkengrund, Schulleitung, Reginald!«

»Hier Overhoff, Schloß Bergesruh!«

»Ach, gut daß Sie anrufen«, kam es von der Schulleiterin zurück. »Richten Sie doch bitte dem Fürsten aus, daß Fräulein von Witte, Nellys Erzieherin, mit der Kleinen bereits unterwegs ist. Sie hat sich angeboten, die Tochter des Fürsten selbst heimzubringen. Nelly hängt sehr an Fräulein Regina.«

»Ja, Nelly hat es in ihren Briefen erwähnt«, gab Maria erleichtert zurück. »Ich freue mich, die junge Dame endlich kennenzulernen.«

Maria konnte ihre Freude über das Verhalten der jungen Erzieherin nicht länger unterdrücken. Madama Reginald schien dies zu spüren. Auch ihrer Stimme hörte man die Erleichterung an.

»Fräulein Regina hat mir zudem versichert, daß sie bereit wäre, wenn es vonnöten und vom Fürsten gewünscht sei, auch während der Ferien bei Nelly auf dem Schloß zu bleiben.«

»Ich werde es dem Fürsten sagen und danke Ihnen für Ihre Mühe ganz herzlich.«

»Danken Sie nicht mir. Das Angebot kam von Fräulein von Witte. Sie war in Sorge um Nelly, weil diese in letzter Zeit sehr traurig und verschlossen war.«

»Ich werde mich bei der jungen Dame selbstverständlich ebenso herzlich bedanken und sie auf Bergesruh willkommen heißen. Sie hat mir einen großen Stein vom Herzen genommen. Aber nun muß ich Fürst von Eidershof verständigen.«

»Ja, das müssen Sie wohl. Er kann mich jederzeit anrufen, falls er über Fräulein Regina Auskünfte wünscht. Sie hat ausgezeichnete Referenzen. Es bestand also für mich kein Grund, ihr und Nelly diesen Wunsch abzuschlagen.«

»Ich verstehe. Nun, ich werde alles herrichten, damit die beiden jungen Damen alles zu ihrer Zufriedenheit vorfinden. Ich danke Ihnen nochmals ganz herzlich. Auf Wiederhören!«

Maria hatte es plötzlich eilig. Sie fieberte fast vor Eifer. Erst eilte sie hinunter zu den Dienstboten. Sie gab der Köchin Anweisung, Nellys Lieblingsessen zu kochen. Dann kamen die Stubenmädchen an die Reihe. »Und ihr kümmert euch darum, daß das Kinderzimmer und das der Kinderfrau gelüftet und gerichtet werden. Unsere kleine Prinzessin kommt heim, heute noch!«

Unter den Angstellten setzte sich die Erregung fort. Die meisten kannten Nelly und hatten sie vermißt. Die Kleine war es, die dem Schloß nach dem Fortgehen der Fürstin Leben eingehaucht hatte. Seit sie fort war, erstarrte alles. Man hörte kein Lachen mehr, keinen Laut, nur unheimliche Stille. Wenn Nelly zurückkam, würde sich das ändern. Und vielleicht würde auch der Fürst endlich wieder lachen lernen, so hofften sie jedenfalls alle.

Maria war inzwischen hinauf zum Fürsten geeilt. Er saß noch immer in dem alten Sessel und starrte vor sich hin.

»Durchlaucht, verzeihen Sie die Störung«, begann die alte Hausdame. »Aber Nelly war nicht mehr im Internat.«

Ihr Geständnis ließ Klaus von Eidershof aufschrecken. »Was sagen Sie da?«

Nun, da sich Maria gewiß war, daß ihr der Fürst zuhörte, berichtete sie von dem Gespräch mit der Internatsleiterin.

»Da Nelly die letzte Zeit sehr traurig und niedergeschlagen war, hat ihre Erzieherin es sich nicht nehmen lassen, sie selbst herzubringen. Sie sind bereits unterwegs.«

»Was denkt sich diese Person eigentlich?« kommentierte der Fürst das Verhalten Regina von Wittes ärgerlich. »Wie konnte Madame Reginald so etwas zulassen?«

»Sie können sie gerne anrufen. Sie hat mir versichert, daß Fräulein von Witte die besten Referenzen hat. Außerdem mag Nelly die junge Dame sehr. Diese ist sogar bereit, ihre Ferien für Nelly zu opfern und hier im Schloß zu bleiben.«

»Was bezweckt sie damit? Wird sie selbst nicht irgendwo erwartet?«

»Das, Durchlaucht, müssen Sie sie schon selber fragen. Doch ich denke mal, Nelly tat ihr ganz einfach leid. Madam Reginald sagte mir, Nelly sei in letzter Zeit sehr traurig und verschlossen gewesen. Es ist ja auch nicht einfach für das Kind, für etwas bestraft zu werden, für das es nichts kann.«

Maria drehte sich einfach um und ging. Sie ließ ihren Herrn mit seinen schwermütigen Gedanken zurück.

*

Schon sehr früh war Regina von Witte mit ihrer Schutzbefohlenen aufgebrochen. Seit Nelly wußte, daß es nach Hause ging, war sie völlig verändert. Erfreut hatte sie Regina umarmt, und schließlich hatte sie sie gebeten, die letzte Nacht in Falkengrund bei ihr schlafen zu dürfen. So hatte Nelly auch ihr Telefonat mit Siegesmund mitbekommen. Nun fiel es ihr wohl wieder ein. Sie rückte auf ihrem Rücksitz ganz nach vorne und legte Regina ihre Hand auf die Schulter. Diese schaute kurz in den Rückspiegel und lächelte.

»Ja, was gibt es, mein Schatz?«

»Dein Bruder Siggi, ist er jetzt böse auf dich?«

»Ach, Schätzchen, mach dir darum keine Sorgen, ja? Erst einmal wollen wir sehen, was mit deinem Vater ist.«

»Wird Papa mit dir schimpfen, weil wir nicht auf seinen Anruf gewartet haben?« wollte Nelly da wissen. Es zeigte Regina, daß die Kleine sehr wohl begriff, warum sie einen Tag vor Ferienbeginn mit ihr aufgebrochen war. Sie schaute erneut in den Rückspiegel und lächelte Nelly zu.

»Warum sollte er schimpfen, mein Schatz? Ich habe doch nichts Verbotenes getan.«

Reginas Selbstsicherheit schien auf Nelly beruhigend zu wirken. Die Kleine konnte ja nicht ahnen, daß Regina sich keineswegs so sicher war. Auch ihr Stiefbruder hatte ihr am Abend noch eine Predigt gehalten, daß das, was sie da vorhatte, eine Einmischung in fremde Angelegenheiten war. Und je näher sie ihrem Ziel kamen, desto mehr zerbröckelte Reginas Selbstvertrauen. Es fiel endgültig in sich zusammen, als sie Schloß Bergesruh erreichte. Wie eine Trutzburg lag das Schloß auf einer Anhöhe, umschlossen von einem See, auf dem sich Schwäne und Enten tummelten. Regina hielt auf der Zufahrt an, weil Nelly nur noch Augen für die Tiere hatte. So blieb Regina Zeit, einen Blick auf den See und den dahinter sich dehnenden Schloßpark zu werfen. Dann fuhr sie langsam in den Schloßhof hinein. Kaum stand der Wagen, da ging die schwere Eichentür oben an der geschwungenen steinernen Freitreppe auf. Ein livrierter Diener trat heraus, und hinter ihm erschien eine alte Dame.

Nelly löste ihren Gurt, öffnete die Tür und rief erfreut: »Maria, Maria, da sind wir!«

Sie wurde von der alten Dame freudig in die Arme geschlossen. Inzwischen hatte der Diener Regina die Fahrertür geöffnet.

»Herzlich willkommen, gnädiges Fräulein!« sagte er, und sein freudiger Gesichtsausdruck verriet, daß er meinte, was er sagte.

»Danke!« gab Regina zurück und stieg aus. In diesem Augenblick wandte sich die alte Dame ihr zu. Sie streckte ihr freundlich die Hand entgegen und stellte sich vor.

»Ich bin Maria, die Hausdame! Herzlich willkommen auf Bergesruh und vielen Dank für Ihre Bemühungen um Nelly. Leider ist Fürst von Eidershof unpäßlich, so müssen Sie einstweilen mit mir vorlieb nehmen.«

»Ist Nellys Vater krank?« fragte Regina da, doch da blinzelte ihr die Hausdame warnend zu.

»Nein, nein, kein Grund zur Sorge«, versuchte sie gleich, Nelly zu beschwichtigen, die sie ängstlich ansah. Und dann bemühte sie sich rasch um einen Themenwechsel. »Dann wollen wir mal hineingehen. Sie und Nelly haben sicher Hunger. Die Köchin hat sich heute besonders Mühe gegeben.«

Erst brachte man sie auf ihre Zimmer, damit sie sich erfrischen konnten, dann trafen sie sich in dem Salon, in dem der Fürst mit seiner Familie immer gespeist hatte. Reginas Hoffnung, daß sie ihn hier treffen würden, erfüllte sich jedoch nicht. Auch Nelly zeigte sich enttäuscht.

»Wann darf ich zu Papa?« fragte sie Maria. Doch die zuckte bedauernd die Schultern.

»Ich weiß es nicht, meine Kleine. Vielleicht morgen.«

Es hörte sich nicht überzeugend an. Sie wußte das, und Regina begriff es auch. Ängstlich fragte sie sich, ob es wirklich so eine gute Idee gewesen war, Nelly gegen den Willen des Fürsten herzu­bringen. Doch dann besann sie sich. Vor allem durfte die Kleine von ihren Zweifeln nichts er­fahren. Deshalb streckte sie nun lächelnd die Hand nach Nelly

aus.

»Nach dem Essen zeigst du mir den Park, ja? Es ist so wunderschön draußen, da könnten wir dort am See ein bißchen ausruhen.«

»Und schwimmen, ja?« rief Nelly begeistert. Sie hatte sich unter Regina zu einer wahren Wasserratte entwickelt.

Maria dachte kurz nach, dann hatte sie eine Idee. »Vielleicht sollten Sie an der linken Uferseite so weit gehen, bis Sie dem ersten Turm gegenüber sind. Dort ist das Ufer sanft abfallend und steinig. Da bleiben Sie nicht im Schlick stecken.«

»Ja, danke für den Tip«, meinte Regina. Sie ahnte nicht, daß der größte Teil des Ufers steinig und sanft abfallend war und das die sehr mütterlich wirkende Haus­dame mit ihrem Rat ein ganz ­bestimmtes Ziel verfolgte. Später sah Maria ihnen hoffnungsvoll nach, als sie mit einer Wolldecke bewaffnet und in Bademänteln gehüllt das Schloß verließen.

*