Du kannst das Gestern sehen! - Sven Solge - E-Book

Du kannst das Gestern sehen! E-Book

Sven Solge

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Beschreibung

Marcus Sailer, ein Ingenieur der Naturwissenschaften und Metallurgie studiert hatte, war besessen davon ein Gerät zu entwickeln, mit dem man die Schwerkraft aufheben konnte. Leider misslang das kläglich. Seine Anti-Schwerkraft-Kapsel verweigerte den Dienst. Durch einen Zufall entdeckte er aber, dass seine Kapsel ganz andere Fähigkeiten besaß. In einem Wutanfall hatte er eine Dose Farbe in Richtung seiner Kapsel geschleudert. Als er am nächsten Morgen auf Fehlersuche gehen wollte, bemerkte er, dass er an den Stellen, wo die Farbe über die Lamellen seiner Kapsel gelaufen war, in die Vergangenheit sehen konnte. Mit dieser Entdeckung begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Endlich konnte er mit seiner Passékapsel, wie er sie von nun an nannte, Geld verdienen und seine Schulden bezahlen. Leider musste seine Erfindung so lange geheim bleiben, bis sie durch ein Patent geschützt war. Er half mit, Verbrechen aufzuklären, und kassierte dafür die Belohnung. Durch den Kontakt zur Polizei lernte er die Kommissariatsgehilfin Sabine Paul kennen und lieben. Mit ihrer Hilfe und der Hilfe seines Freundes Carsten Locker, wurde die Passékapsel immer weiter verbessert und vor allen Dingen verkleinert. Im zweiten Buch konnte Marcus endlich die Kapsel für Dinge einsetzen, die ihn schon immer interessiert hatten: Woher kommen wir? Wie ist die Menschheit entstanden? Mit Prof. Dr. Lutz v. Artenburg und Dr. Hilmar Kreuzer von einem naturwissenschaftlichen Magazin, reist er in den Irak und kann dort unter großen Schwierigkeiten bahnbrechende Erkenntnisse sammeln. Viele Erzählungen, besonders aus der Bibel, konnten nun bewiesen oder verworfen werden. Sven Solge

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Seitenzahl: 533

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Für meine Kinder, Joachim, Silvia und Bastian zur Erinnerung an ihren Vater.

Inhaltsverzeichnis

1. Buch

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

2. Buch

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

Epilog

1.Buch

1.Kapitel

Kommissar Kampner hockte hinter seinem Schreibtisch wie ein Häuflein Elend. Berge von Akten rahmten ihn ein und sein Gesichtsausdruck verhieß nichts Gutes, als es zaghaft an die Tür klopfte.

„Herein!“ Sagte er barsch.

Vorsichtig lugte Frau Paul um die Tür und trat dann ein.

„Was ist denn Paulinchen?“ Kam es nun deutlich weniger energisch von seinen Lippen.

Der Kommissar hatte Sabine Paul vom ersten Tag an, in sein altes Herz geschlossen. Ja er liebte sie geradezu.

Sabine Paul war eine junge Frau, gerade mal 24 Jahre alt und sehr attraktiv, nur unglaublich schüchtern. Kommissar Kampner fühlte sich berufen sie zu beschützen, seit dem sie ihm zugeteilt worden war.

„Ich“, fing Sabine Paul zaghaft an.

„Ich habe eben merkwürdige Fotos in einem Brief an das Kommissariat gefunden!“, sagte sie leise und legte den geöffneten Briefumschlag vor Kommissar Kampner auf den Tisch. Sofort trat sie einen Schritt zurück.

Der Kommissar nahm den Umschlag in die Hand und zog dann mehrere Fotos heraus. Langsam, eins nach dem Anderen betrachtete er eingehend und legte sie dann nebeneinander auf den Schreibtisch. Lange stierte er auf die Bilder.

Plötzlich schaute er Sabine Paul an und fragte:

„Von wem sind die?“

„Das weiß ich nicht, es war nur der kleine Zettel und die Bilder in dem Umschlag!“

Kampner nahm den kleinen, gelben Zettel und las die wenigen Zeilen.

Überprüfen Sie bitte die Echtheit

dieser Fotos und wenn es dazu führt,

den Fall aufzuklären,

melde ich mich wieder!

Wieder nahm er die Fotos zur Hand und schaute sich jedes Einzelne noch mal genau an. Die Fotos waren etwas milchig, so als wenn sie durch eine blinde Fensterscheibe gemacht wurden, aber deutlich konnte er einen jungen Mann erkennen, der auf ein kleines Mädchen einschlug.

Und diesen Mann kannte Kommissar Kampner. Hatte er ihn doch in den letzten zwei Tagen intensiv verhört und immer wieder musste er ergebnislos abbrechen. Dem jungen Mann war nicht beizukommen. Er blieb stur bei seiner Behauptung, mit dem Mord an der achtjährigen Svenja, nichts zu tun zu haben.

Svenja war vor gut drei Wochen von der Schule nicht nach Hause gekommen. Nach drei Tagen umfangreicher Suche konnte sie leider nur noch Tod aus einem Kanal geborgen werden.

Nun hatte er auf einmal Fotos in der Hand, die genau das bestätigten, was er schon die ganze Zeit vermutet hatte.

„Paulinchen, lass bitte den Klaus Togler in den Verhörraum bringen und sag mir Bescheid, wenn er da ist.“

Und nun ging alles sehr schnell.

Als der verdächtige Klaus Togler die Fotos sah, wurde er ganz blass und brachte nur ein mühsames „wo haben sie die denn her?“ hervor. Danach gestand er die Tat und brach völlig zusammen.

-*-

Das Haus am Ende der kleinen Sackgasse sah recht unscheinbar aus. Weiß gestrichenes Mauerwerk, blaue Fensterrahmen und auch die Eingangstür war blau. An der rechten Seite war eine Garage angebaut, zu der ein breiter, mit Betonsteinen gepflasterter Weg führte. Auf das Garagentor hatte ein verkannter Künstler ein Gebirgspanorama gemalt.

Der Vorgarten machte einen verwilderten Eindruck, überall wucherte das Unkraut und die wenigen Blumen hatten Mühe sich gegen den Wildwuchs zu behaupten. Aber wenn man genau hinschaute, konnte man durchaus eine gewisse Ordnung erkennen. Die Beete hatten eine geschwungene Form und die vielen verschiedenen Rosensträucher waren bestimmt von einem Kenner eingepflanzt worden. Doch nun schien alles dem Verfall preisgegeben und in nicht allzu ferner Zukunft würden die Wildkräuter die Oberhand gewinnen.

Marcus Sailer stand am Fenster und schaute mit verträumten Augen auf die Straße. Seine Gedanken waren weit fort, sie beschäftigten sich mit den bevorstehenden Tests, die er morgen früh durchführen wollte. Immer wieder hatte er alle Komponenten überprüft und alle beweglichen Teile kontrolliert. Die schweren Batterien waren geladen und der kleine Viertaktmotor, der im Notfall zum Laden der Batterien nötig war, ließ sich problemlos starten.

Seine Berechnungen ließen keine Fehler erkennen und trotzdem beschlich ihn eine unerklärliche Angst, etwas vergessen zu haben.

Er wandte sich vom Fenster ab und ging noch mal in die Garage. Das kupferfarbige Fluggerät löste bei ihm eine ungewollte Euphorie aus und am liebsten wäre er sofort eingestiegen und hätte den Test schon heute begonnen. Doch in den letzten Wochen hatte er nur wenig Schlaf bekommen und für den Test brauchte er seine volle Einsatzfähigkeit. Es durfte nichts schief gehen!

Langsam ging er um das Gerät herum. Fast zärtlich ließ er seine linke Hand über die glatt polierten Kupferlamellen gleiten. Die Herstellung der Lamellen war äußerst kompliziert gewesen und hatte sein gesamtes Vermögen gekostet.

Wenn alles so verlaufen würde, wie er es berechnet hatte, dann ging ein Traum in Erfüllung.

Sein Traum!

Marcus hatte als Jugendlicher, einen Science-Fiktion-Roman gelesen, in dem es um die Aufhebung der Schwerkraft ging. Dieser Gedanke hatte ihn nie mehr losgelassen.

In dem Roman ging der Schriftsteller davon aus, dass die Schwerkraft eine Strahlung sei und man nur eine geeignete Legierung brauchte, um die Strahlung abzuschirmen.

Marcus Sailer hatte sein Studium Naturwissenschaften und Metallurgie mit Auszeichnung bestanden. Nachdem er in einer renommierten Firma einen steilen Aufstieg hingelegt hatte und sein Jahresgehalt stetig verbesserte, erinnerte er sich an die Geschichte aus seiner Jugend. Mit viel Elan und Ehrgeiz machte er sich an die Arbeit. Zuerst versuchte er der Gravitation im Kleinen, auf die Spur zu kommen. Doch mit der Zeit wurde der Arbeitsaufwand immer komplexer, sodass er sich zu Hause im Keller ein Labor einrichtete.

Seine Frau, Vera, war absolut dagegen gewesen und eines Tages war sie verschwunden. Ihre Sachen hatte sie mitgenommen und nur ein kleiner Zettel auf dem Tisch deutete ihm an, dass sie nicht wieder kommen und die Scheidung einreichen würde. Das war nun fast vier Jahre her und sie waren in der Zwischenzeit geschieden. Nur beim Scheidungstermin hatten sie sich noch einmal gesehen, aber ohne ein Wort zu wechseln.

Seit dem hatte er sich nur noch um sein Projekt gekümmert und im Haus kaum noch etwas gemacht. Seine gesamten Ersparnisse waren dabei drauf gegangen und nun, wo er kurz davor stand seinen größten Erfolg zu feiern, standen ihm seine Gläubiger im Nacken. Immer schwieriger wurde es glaubhafte Ausreden zu erfinden und so mancher drohte mittlerweile mit Mahnbescheiden.

Marcus Sailer musste aufgrund seines Studiums schnell erkennen, dass der Schriftsteller mit seiner Annahme, die Schwerkraft sei, eine Strahlung, falsch lag. Marcus hatte sich dann damit beschäftigt, dass gleiche Pole sich abstießen. Unglaublich viele Versuche waren nötig gewesen, bis er kleine Erfolge erzielen konnte. Das war zwar noch nicht der Durchbruch, aber der Weg war richtig. Am aufwendigsten war es, verschiedene Metalle so zusammenzufügen, dass die Schwerkraft der Erde in eine abstoßende Kraft umgewandelt wurde. Viele Legierungen hatte er ausprobiert, aber keine brachte das gewünschte Ergebnis. Erst als ein befreundeter Professor ihn auf ein relativ neues Verfahren hinwies, in dem verschiedene Metalle unter hohem Druck zusammengepresst wurden, kam er einen Schritt weiter. Mit diesem Verfahren ließen sich auch Metalle zusammenfügen, die bei einer Legierung nicht harmonieren würden.

-*-

Als Marcus Sailer am nächsten Morgen erwachte, war er wie gerädert. Anfangs konnte er nicht einschlafen, weil der bevorstehende Test ihm nicht aus dem Kopf ging. Stunde um Stunde wälzte er sich im Bett herum. Immer wieder ging er in Gedanken die Funktionen der Maschine durch, überprüfte eine Formel nach der Anderen auf Richtigkeit und kam schließlich zu der Erkenntnis, alles richtig gemacht zu haben.

Darüber war er dann endlich eingeschlafen. Fürchterliche Träume plagten ihn. Er sah sich aus großer Höhe abstürzen und in dem letzten Traum war er mit seinem Gefährt durch das Dach der Garage geschossen.

Schweißgebadet lag er im Bett und musste sich erst mal beruhigen.

Langsam setzte er sich auf die Bettkante, und als er sich erhob, musste er sich am Bettpfosten festhalten, weil ihm plötzlich schwindelig wurde. Nur mühsam zog er sich an. In der Küche machte er die Kaffeemaschine fertig und wartete geduldig, bis der Kaffee durchgelaufen war. Der starke Kaffee tat ihm gut und fegte die letzte Müdigkeit aus seinem ausgemergelten Körper. Nachdem er sich noch die Zeit nahm, das Geschirr in die Spüle zu räumen. Und die wenigen Lebensmittel im Kühlschrank zu verstauen, machte er sich auf den Weg in die Garage.

Da stand sie vor ihm, die Anti–Schwerkraft–Kapsel, wie er sie im Stillen nannte. Die Lamellen aus Kupfer leuchteten im Licht der Neonlampen an der Decke im hellen Rot. Langsam ging er um das runde Gefährt herum und ließ seine Hand schon fast zärtlich über die glatte Oberfläche gleiten.

Wie viel Zeit hatte es gekostet diese, wie bei einer Iris angeordneten, Lamellen herzustellen. Der Aufwand war gewaltig gewesen. Denn nicht nur die verschiedenen Metalle zusammenzupressen, die die Anziehungskraft der Erde umwandeln sollten. Sondern auch das Herstellen der Grundform für die Lamellen hatte Monate gedauert. Er brauchte drei verschiedene Formen, da die Kapsel rund werden sollte, mussten auch die Lamellen angepasst werden.

Am einfachsten ging es noch am Boden, der eben war.

Doch die Rundung des Oberteils machte große Probleme, da sich immer zwei Lamellen gegeneinander verschoben, kam es auf große Passgenauigkeit an. Das Grundgerüst aus gebogenem Vierkantstahl bereitete keine Schwierigkeiten, doch die U-Schienen, in dem sich später die Lamellen bewegen sollten, mussten sehr genau angebracht werden.

Lange hatte es gedauert, bis er eine Firma fand, die die Lamellen nach seinen Angaben im sogenannten heißisostatischen Pressverfahren herstellen konnte. Denn die Zusammensetzung der Lamellen war sehr kompliziert.

Die äußeren Lamellen bestanden aus:

2 mm Kupferblech auf dem Gallium auf der Rückseite aufgedampft worden war. Dann folgte erneut eine 0,5-mm-Kupferplatte, die vorher auf einer Seite verchromt worden war. Jeweils eine 0,5- mm-dicke Titanplatte sowie eine ebenso dicke Wolframplatte, wegen ihrer paramagnetischen Eigenschaften. Als Abschluss folgte noch eine 1,5 mm dicke Zinkplatte.

Diese verschiedenen Teile wurden nun unter Schutzgas und über 100 MPa zusammengepresst.

Die inneren Lamellen waren gleich aufgebaut, nur in umgekehrter Reihenfolge.

Hierbei war sein gesamtes Vermögen drauf gegangen. Mehr als 30.000 € hatte allein das Material und das heißisostatische Pressverfahren gekostet. Sogar seinen Ford Mustang, einem besonders gepflegten Oldtimer, musste er verkaufen und das war ihm sehr schwer gefallen.

Mit diesen Gedanken ging er zurück ins Haus, innerlich hatte er den Test auf nächsten Morgen verschoben, zu sehr hatte ihm die schlaflose Nacht zugesetzt. Für den anstehenden Test brauchte er einen klaren Kopf und auch seine körperliche Verfassung sollte möglichst gefestigt sein. Um sich abzulenken, machte er sich über den Garten her. Mähte den Rasen, fegte die Wege und zupfte hier und dort einige Wildkräuter aus den zugewucherten Rosenbeeten. Nach etwa drei Stunden war er aufgrund der ungewohnten Tätigkeit erschöpft und sein Rücken tat ihm weh, doch im Garten sah es etwas besser aus. Er nahm sich vor, in Zukunft etwas häufiger Zeit für den Garten und das Haus aufzubringen. Langsam räumte er die Gerätschaften in den Schuppen, der sich im hinteren Teil des Gartens befand.

Marcus ertappte sich dabei, dass er mit den Schuhen über die Gehwegplatten schlurfte. Als er an sich heruntersah, musste er feststellen, dass seine Hose sehr lose um seine Beine flatterte. In den letzten Wochen und Monaten hatte er viel Gewicht verloren, richtig dürr war er geworden.

Schwerfällig schleppte er sich ins Haus, ließ sich Badewasser ein, zog sich aus, und bevor er sich in das heiße Wasser legte, stellte er sich auf die Waage. Marcus glaubte seinen Augen nicht zu trauen, über 30 kg hatte er abgenommen. Kein Wunder, dass er sich so schwach fühlte. Sein Spiegelbild über dem Waschbecken zeigte einen alten, abgehärmten Mann. Die Haare wirr, Bartstoppeln im ganzen Gesicht. Auf einmal nahm er einen fürchterlichen Geruch wahr, der eindeutig von ihm selber kam.

In Ermangelung frischer Wäsche, weil er kaum Zeit dafür fand, die Waschmaschine anzuschmeißen, hatte er am Morgen die Kleidung vom Vortag angezogen. Der Geruch sagte ihm aber, dass er die Wäsche schon ein paar Tage trug. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er sie zum letzten Mal gewechselt hatte.

Nun gut, Marcus schwor sich in Zukunft besser auf sein Äußeres zu achten. Wenn alles so lief, wie er es sich vorstellte, hatte er auch bald wieder mehr Zeit.

Nach einem ausgiebigen Bad und wohltuender Körperpflege, holte er die letzte Garnitur Unterwäsche aus dem Schrank, zog einen Trainingsanzug an und als Nächstes wurde die Waschmaschine befüllt. Als die erste Maschine fertig war, ließ er die Wäsche im Tümmler trocknen und gleichzeitig wurde eine zweite Maschinenladung gewaschen. Inzwischen war es draußen dunkel geworden und Marcus verspürte kräftigen Hunger. Nur zum Frühstück hatte er etwas gegessen und seit dem nur etwas getrunken.

Leider gab sein Kühlschrank nicht mehr viel her. Nur ein paar Eier, etwas Mettwurst und Käse, war alles. Nun auch das würde sich bald ändern. Er schnitt ein paar Scheiben von der Mettwurst ab und legte sie in die Pfanne, die er zwischenzeitlich auf den Herd gestellt und erhitzt hatte. Der Duft der gebratenen Wurstscheiben ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. Er schlug noch drei Eier auf und verteilte sie über die Wurstscheiben.

Nachdem er alles verspeist hatte, trank er noch ein Glas Rotwein, setzte sich im Wohnzimmer vor den Fernseher und schaute sich die Nachrichten an. Wieder war er erstaunt, wie viele Verbrechen sich in seiner Stadt abspielten. Ein weiteres Glas Rotwein ließ ihn im Sessel einschlafen. Spät in der Nacht wachte Marcus vom lauten Gespräch eines Wettermoderators auf. Es war schon nach ein Uhr in der Früh, als er endlich ins Bett ging und sofort wieder einschlief. Abermals wurde er von fürchterlichen Albträumen geplagt, und als er dann am Morgen erwachte, konnte er sich an die Träume nicht mehr erinnern.

Etwas lustlos stand er auf, der bevorstehende Test lähmte ihn geradezu. Eine Mischung aus Angst und Unsicherheit, gepaart mit Aufregung und Vorfreude, ließen ihn nicht mehr klar denken. Doch gerade das brauchte er für den Test, einen klaren Verstand. Nur mühsam zwang er sich dazu, Kaffee zu trinken und etwas zu essen. Danach ging es ihm zwar etwas besser, doch die Unruhe war permanent vorhanden.

Doch dann gab er sich einen Ruck, schob energisch den Küchenstuhl zurück und ging mit steifen Beinen zur Garage.

Flackernd nahm die Leuchtstoffröhre ihren Dienst auf. Von dem halbdunklen Flur trat er in die Garage und wurde von den hellen Reflexen der Kapsel geblendet. Augenblicklich war seine Angst verflogen und einer gespannten Aufregung gewichen. Die Anti-Schwerkraft-Kapsel ruhte auf ihren vier Beinen etwa einen halben Meter über dem Estrich der Garage. Der Eingang ins Innere der Kapsel war nur von unten möglich, da eine Öffnung, wegen der gebogenen Lamellen, sich als sehr schwierig rausgestellt hatte. Im Boden konnte Marcus vier Lamellen hochklappen, um sie dann von innen wieder mit der Mechanik zu verbinden.

Etwas mühsam zwängte er sich durch die kleine Öffnung, klappte die Lamellen zurück und setzte sich auf den einzigen Sitz in der engen Kapsel. Der Sitz, ein ausgedienter Pkw-Sitz, konnte um 360° gedreht werden, sodass ihm eine Rundumsicht durch die Plexiglaskuppel, möglich war. Die Kuppel hatte er von einer Abbruchfirma kostenlos bekommen, sie diente früher als Oberlicht einer Fabrikhalle und wäre sonst auf dem Recyclinghof gelandet.

Als Erstes startete er den kleinen Viertaktmotor, und als der problemlos ansprang, stellte er ihn sofort wieder ab, da er nur zum Laden der Batterien erforderlich war. Ein kleiner Schalter diente ihm zum Aktivieren der Elektronik. Einige LEDs auf dem runden Armaturenbrett fingen an zu flackern, um dann nach einiger Zeit ein Dauerlicht auszustrahlen. Nun waren die fünf Elektromotoren synchron geschaltet und die Kapsel für den Test bereit.

Zögernd nahm er den Joystick, den er sich von seiner Spielekonsole ausgeliehen hatte, in die Hand und bewegte ihn millimeterweise nach rechts. Ein leichtes Brummen zeigte ihm, dass die Elektromotoren ihre Arbeit aufnahmen. Angespannt wartete er auf die erste Bewegung seiner Anti-Schwerkraft-Kapsel. Immer bereit den Joystick zurückzudrehen, falls es zu schnell gehen sollte.

Aber es passierte nichts!

Marcus schlug das Herz bis zum Hals, so aufgeregt war er. Langsam bewegte er den Hebel weiter nach rechts, die Lamellen überlappten sich immer mehr, das Brummen der Motoren wurde lauter, doch die Kapsel rührte sich nicht. Seine Finger wurden weiß, so fest umspannte er den Griff des Joysticks. Doch auch am Anschlag blieb die Kapsel unbeweglich, nur die Motoren gaben jetzt einen hellen Pfeifton von sich.

Marcus ließ den Griff los, der automatisch in die Nullstellung zurücksprang. Das Summen wurde leiser und hörte schließlich ganz auf. Marcus sackte in sich zusammen, legte seine Stirn auf die kalte Platte des Armaturenbretts und stöhnte leise vor sich hin. Wilde Gedanken schossen durch seinen Kopf. Was hatte er nicht alles geopfert, seine Ehe war daran zerbrochen, er war pleite und nun stellte sich kein Erfolg ein, was für eine Blamage!

Langsam richtete er sich auf, schaltete die Zündung aus, öffnete die Bodenluke und kroch unter der Kapsel hervor. Erschüttert stand er vor seinem Lebenswerk und er spürte eine unbändige Wut in sich aufsteigen. Ganz flau war ihm im Magen und er musste sich am Wandregal abstützen, sonst wäre er gefallen. Und plötzlich explodierte seine Wut, er griff sich eine Dose aus dem Regal und schleuderte sie mit einem unterdrückten Schrei gegen die Kapsel.

Das Scheppern brachte Marcus wieder etwas zur Besinnung. Die Dose knallte auf eine der oberen Lamellen und platzte auf. Der Deckel flog scheppernd gegen die Garagenwand und hinterließ dort rötliche Flecken. Aber viel schlimmer war, was der Inhalt der Dose auf der Kapsel hinterließ. In breiten Bahnen ergoss sich die rostrote Farbe über mehrere Lamellen und tropfte dann auf den Boden. Wie gebannt schaute er auf die Dose, die wie zum Hohn Marcus vor die Füße rollte und eine schmale Spur bis zu seinen Schuhen hinterließ. Mit großen Augen starrte er auf die Dose, um sich dann plötzlich umzudrehen und die Garage zu verlassen. Im Vorbeigehen löschte er noch das Licht, ein Automatismus, der ihm nicht bewusst wurde.

Im Wohnzimmer holte er die letzte Flasche Rotwein aus dem Schrank. Ein Glas vom Vorabend stand noch auf dem Tisch, und nachdem er den Korken gezogen und das Glas vollgegossen hatte, ließ er sich in den Sessel fallen. Seine Hände zitterten, als er das Glas zum Mund führte. Mit beiden Händen fasste er zu, nahm einen Schluck und setzte das Glas wieder ab und dann brach es aus ihm heraus. Laut schluchzend schlug er seine Hände vor das Gesicht und heulte hemmungslos vor sich hin.

Die Anspannungen der letzten Zeit waren zu viel gewesen. Die ständigen Rückschläge, die Scheidung von Vera, der Verlust seiner Arbeit, die Schulden und nun das Versagen seiner Träume, alles schwemmte er mit den Tränen hinaus. Lange saß er so und schluchzte vor sich hin. Nur mühsam richtete er sich nach geraumer Zeit auf, wischte sich die tränennassen Hände an der Hose ab und nahm einen Schluck aus dem Weinglas. Der Wein hinterließ in seinem Magen ein warmes Gefühl, sodass er das Glas wieder auffüllte und in einem Zug leer trank. Augenblicklich ging es ihm besser. Die Sorgen, die ihn gerade noch quälten, rückten in weite Ferne, und nachdem er noch zwei Gläser getrunken hatte, war der Glaube an seine Erfindung wieder da.

Mit diesen Gedanken lehnte er sich im Sessel zurück und schlief schließlich ein. Spät in der Nacht wachte er von fürchterlichen Kopfschmerzen auf. Wahrscheinlich war es doch zu viel Wein gewesen, oder die Kopfschmerzen kamen von der unbequemen Haltung im Sessel. Jedenfalls erhob er sich mühsam, schlurfte in sein Schlafzimmer. Marcus machte sich nicht die Mühe sich auszuziehen. Er ließ sich auf das Bett fallen, hielt mit einer Hand das Oberbett fest, rollte sich auf den Bauch und zog die Decke über seinen Rücken. Wenige Atemzüge später war er wieder eingeschlafen.

Als am nächsten Morgen das Radio auf seinem Nachttisch ihn mit Musik weckte, wusste er im ersten Moment nicht, wo er sich befand. Irreführend war vor allen Dingen, dass er angezogen im Bett lag. Ganz langsam dämmerte ihm, was geschehen war. Die Ereignisse vom Vortag erzeugten wieder einen stechenden Kopfschmerz und er zog sich die Decke über den Kopf, um nicht die Musik hören zu müssen. Doch es half nichts, die Geräusche drangen auch durch die Bettdecke. Widerwillig richtete er sich auf, um sich sogleich an den Kopf zu fassen. Der Schwindel, der ihn erfasste, ließ ihn in seiner Bewegung innehalten. Vorsichtig öffnete er die Augen. Er konzentrierte sich auf einen Punkt an der Wand, und als der langsam zu Ruhe kam, erhob er sich und wankte, immer noch etwas benommen, zum Bad.

Ein starker Kaffee weckte später seine Lebensgeister. Sogar eine Scheibe Brot und ein Spiegelei aß er, weil er meinte, seinem Magen etwas Gutes tun zu müssen. So gestärkt machte Marcus sich auf dem Weg in die Garage, um sich den Schaden seines Wutausbruchs vom Vortag anzusehen.

Mit bösen Vorahnungen schaltete er die Neonlampen an. Mit einem leisen Klicken und Summen nahmen die Röhren ihre Arbeit auf und offenbarten Marcus das Chaos seiner Enttäuschung.

Keilförmig war die rötliche Farbe über mindestens drei Lamellen gelaufen und der Überschuss hatte sich am Boden in kleinen, runden Seen gesammelt. Die Farbe war auf den Lamellen schon getrocknet und auf den etwas dickeren Pfützen am Boden hatte sich eine Haut gebildet. Leise vor sich hin fluchend hob er zuerst die Dose und den Deckel auf, verschloss die leere Dose und stellte sie ins Regal. Danach nahm er die Lamellen in Augenschein. Eine Lamelle der oberen Reihe, wo die Dose aufgeschlagen war, hatte nur zu drei Viertel Farbe abbekommen, während die in der zweiten Reihe vollkommen überlaufen war. Zum Teil hatten auch die Lamellen, die dahinter lagen, etwas abbekommen.

Leise fluchte Marcus vor sich hin. Schimpfte sich einen Idioten, weil auf ihn nun jede Menge Arbeit erwartete.

Er drehte sich um, suchte im Regal einen Spachtel, und als er den gefunden hatte, machte er sich zuerst über die Flecken am Boden her. Eine alte Zeitung diente ihm vorerst für die abgekratzten Farbreste als Zwischenlager. Mit Nitroverdünner entfernte er notdürftig die Rückstände, da doch schon einiges in den Estrich eingezogen war.

Bei den Lamellen würde es schwieriger werden, denn dort konnte er nicht einfach mit dem Spachtel drauf loskratzen, ohne die Oberfläche zu verletzen. Marcus entschied sich dafür, erst einmal nach der Ursache der Fehlfunktion zu suchen und dann zu überlegen, wie die Farbe entfernt werden könnte. Vorsorglich schob er die Zeitung mit den noch feuchten Farbresten zur Seite, um nicht aus Versehen rein zu treten.

Mühsam zwängte er sich wieder durch die Luke an der Unterseite, sofort machten sich seine Kopfschmerzen wieder bemerkbar. Leise stöhnte er auf, hangelte sich dann aber doch auf den Sitz und blieb dort eine Weile ruhig sitzen. Langsam ließ das Klopfen in seiner Schläfe nach und er ließ seinen Blick über das kleine Armaturenbrett schweifen.

Woran konnte nur die Fehlfunktion gelegen haben?

Es hatte doch alles funktioniert.

Der Motor war ohne Probleme angesprungen.

Die Batterien waren vollgeladen, davon überzeugte er sich, indem er den Zündschalter umlegte. Er hatte ja auch eindeutig die Bewegung der Lamellen wahrgenommen. Nun gesehen hatte er es nicht, aber vielleicht hatte sich ja ein Kabel gelöst und einer der Motoren konnte nicht arbeiten, weil kein Strom ankam.

Marcus machte sich sofort daran, es zu überprüfen. Zuerst musste der Sitz entfernt werden, der fast den ganzen Innenraum einnahm. Er hob den Sessel aus seiner Halterung und schob ihn seitlich unter die Verkleidung. Nun hatte er Platz, sich vor das Armaturenbrett zu knien und darunter zu schauen. Alle Kabel, die er von dort sehen konnte, waren an ihrem Platz und fest verschraubt, nachdem er daran leicht gezerrt hatte.

Nun faste er den Joystick mit der linken Hand an und beugte sich unter das Armaturenbrett.

Millimeterweise bewegte er den Steuerknüppel nach rechts. Die vier, ehemaligen Anlassermotoren, fingen an zu summen, und nahmen ihre Arbeit auf. Ein lautes Knacken ließ ihn zusammenfahren und den Joystick zurückschnellen. Das Summen der Motoren erstarb.

Marcus schaute gebannt auf die Lamellen, konnte aber nicht erkennen, woher das Knacken gekommen war. Dann fiel ihm die Farbe ein, die wahrscheinlich durch die Ritzen der Lamellen gekleckert war und sie verklebt hatte. Mühsam öffnete er die Bodenluke und kletterte nach draußen. Tatsächlich, seitlich an den beiden unteren Lamellen war Farbe runter gelaufen und hatte sich mit der daneben liegenden verbunden und war ausgehärtet. Mit seinem Taschenmesser löste er vorsichtig die Verbindungen, überprüfte alle Seiten der betroffenen Lamellen und kletterte dann wieder in die Kapsel.

Nun kniete er sich erneut vor das Armaturenbrett und bewegte den Joystick. Ohne Knacken wurden nun alle Lamellen verschoben und deutlich konnte er hören, dass alle vier Motoren einwandfrei arbeiteten.

Daran hatte es also nicht gelegen.

Marcus wollte sich gerade aufrichten, als er im linken Bereich seines Gesichtsfeldes einen hellen Schimmer wahrnahm. In der Kapsel war es durch die Plexiglaskuppel relativ hell. Doch im Schlagschatten des Armaturenbretts war es doch recht dunkel, deshalb war es schon eigenartig einen hellen Schein wahrzunehmen. Marcus schaute genauer hin und riss erstaunt die Augen auf. Das, was er sah, durfte eigentlich nicht sein.

Dort, wo die Farbe über die Lamellen gelaufen war, konnte er bis auf den Garagenboden sehen. Die Lamellen waren durchsichtig geworden, nicht klar wie durch eine Fensterscheibe. Eher so, als wenn eine Glasscheibe leicht beschlagen war. Aber trotzdem konnte er deutlich Gegenstände auf dem Fußboden erkennen. Als er nun vor Schreck den Steuerknüppel losließ, war der Spuk vorbei. Die Lamellen kehrten in ihre Ausgangslage zurück und wurden wieder undurchsichtig.

Marcus wiederholte den Vorgang mehrere Male und immer wieder wurden Teile durchsichtig. Bis auf ein paar schmale schwarze Streifen konnte er durch drei Lamellen hindurchsehen.

Was hatte der Zufall ihm da in die Hand gespielt?

Wilde Gedanken schossen durch seinen Kopf. Wie konnte auf einmal massives Metall durchsichtig werden?

Es konnte nur irgendwie mit der Farbe zu tun haben, hier musste die Lösung liegen. Marcus begab sich wieder nach draußen, schaute sich die Farbe auf den Lamellen an, strich leicht mit der Hand drüber, konnte aber nichts Außergewöhnliches feststellen. Dann dreht er sich um und nahm die leere Dose aus dem Regal, wo er sie vor einiger Zeit hingestellt hatte. Er betrachtete das Etikett, „Mennige“ stand darauf und Marcus fiel sofort ein, wofür er die Farbe mal gekauft hatte. Die vier Beine mit den Laufrollen der Kapsel waren aus Stahl und um die vor Rost zu schützen, hatte er die Rostschutzfarbe gekauft.

Marcus war kein Chemiker, aber ihm war bekannt, dass Mennige Blei enthielt und somit giftig war. Leider war bei seiner Wutaktion die ganze Farbe drauf gegangen, sodass er nicht noch mehr Lamellen bestreichen konnte. Er beschloss, für heute die Kapsel ruhen zu lassen und sich über die neue Situation klar zu werden. Er schaltete die Deckenbeleuchtung aus und wollte gerade die Tür zur Garage schließen, als ihm einfiel, dass er sich eine neue Dose Mennige besorgen könnte. Dazu brauchte er die Marke der Farbe, um das gleiche Fabrikat zu bekommen.

Kurze Zeit später saß er auf seinem alten Fahrrad und machte sich auf den Weg zum Baumarkt. Leider hatte der Markt den Verkauf der Farbe seit geraumer Zeit, wegen der Toxizität, eingestellt. Auch in zwei weiteren Märkten gab es Mennige nicht mehr, sodass er unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehrte. Im letzten Baumarkt hatte der Verkäufer ihm allerdings den Tipp gegeben, es doch im Farbenfachhandel zu versuchen. Im Internet konnte Marcus zwei Geschäfte ausfindig machen, bei dem Ersten wurde er nach einem kurzen Telefonat fündig. Und wieder schwang er sich auf sein Fahrrad, um sicherzugehen, die Farbe noch zu bekommen.

Als er in dem Laden ankam, meinte der Verkäufer kurz angebunden, sie hätten kein Mennige im Angebot. Erst als er das Telefonat mit dem Chef erwähnte, wurden ihm drei Dosen verkauft. Aber lediglich unter der Auflage, sie nur für private Zwecke zu verwenden und kindersicher aufzubewahren. Zusätzlich musste er noch seine Adresse und Telefonnummer da lassen.

Leider war die Farbe von einem anderen Hersteller, aber der Verkäufer hatte ihm versichert, dass die Zusammensetzung bei allen gleich sei. Als er wieder zu Hause ankam, ergänzte er zur Sicherheit das fehlende Stück auf der oberen Lamelle, wo der Dosenwurf keine Farbe hinterlassen hatte. So konnte er am nächsten Tag prüfen, ob die gleiche Wirkung vorhanden war, bevor er die anderen Lamellen übermalte.

Bei einem Blick seitlich hinter die Lamellen, stellte Marcus plötzlich fest, dass etwas Farbe auf die hintere Reihe Lamellen gekleckert war und dort schmale Laufspuren hinterlassen hatte. Wahrscheinlich waren das die schwarzen Streifen gewesen, die er am Morgen gesehen hatte. Das bedeutete, dass nur die oberen Lamellen mit der Rostschutzfarbe bestrichen werden durften, um den Effekt zu erzielen. Glücklicherweise befanden sich die beiden Teile im Bereich der Bodenluke, sodass er von der Rückseite an die Verschraubung herankam. Trotzdem war es sehr aufwendig und kompliziert. In dem engen Raum mussten vier Muttern gelöst werden, um dann nach dem Rausheben aus der Schiene noch eine Schraube zu entfernen, die für den Verschiebemechanismus verantwortlich war.

Vorsichtig legte Marcus die beiden Teile auf die Werkbank am Ende der Garage. Wegen der umgekehrten Reihenfolge der Metalle hatte er nun die Zinkseite vor sich. Die Farbspuren waren ziemlich dick und deshalb konnte er sie mit einem Messer ablösen und fast rückstandsfrei vom Zink abziehen. Vielleicht lag es ja auch daran, dass das Zink schon etwas oxidiert war und die Patina wie ein Trennmittel funktionierte. Leichte Reste konnte er mit Nitroverdünnung entfernen. Nach gut einer Stunde hatte er den Schaden behoben und die Teile wieder eingebaut. Er räumte noch etwas auf, beseitigte die Zeitung mit den Farbresten und löschte dann das Licht. Für heute hatte er Aufregung genug gehabt. Über dieses neue Erscheinungsbild musste er erst einmal nachdenken.

2. Kapitel

Am nächsten Morgen ließ Marcus das Frühstück ausfallen. Zu viele Gedanken hatten ihn in der Nacht kaum schlafen lassen. Die plötzliche Durchsichtigkeit des Metalls irritierte ihn. Die unglaublichen Möglichkeiten, hiermit Geld zu verdienen, waren für ihn greifbar nah, denn nichts brauchte er mehr als Geld.

Seine Gläubiger wurden immer ungeduldiger. Sogar sein bester Freund, Carsten, gab ihm unmissverständlich zu verstehen, dass seine Geduld am Ende war und er möglichst bald sein Geld zurückhaben wollte.

Nun, wenn er jetzt durch Zufall auf eine Gelegenheit gestoßen war, seine Pleite abzuwenden, war es um so besser.

Marcus war sich aber auch im Klaren darüber, dass er sehr vorsichtig sein musste. Denn Spione großer Firmen hatten ein Gespür für ausgefallene Ideen. Er war also gezwungen, so schnell wie möglich herauszufinden, wodurch dieser Effekt entstand, denn erst eine Anmeldung beim Patentamt konnte ihm Schutz bieten.

Marcus schaltete das Licht in der fensterlosen Garage an und überprüfte zuerst den zuletzt gemachten Anstrich vom Vorabend. Die Farbe war trocken, fühlte sich aber nicht so glatt an wie die durch den Dosenwurf entstandene Fläche. Außerdem schien sie nicht so gut gedeckt zu haben, denn er konnte schwach das Kupfer durchscheinen sehen. Ob die Wirkung die Gleiche war, würde ein Test ja gleich ergeben.

Wieder zwängte Marcus sich durch die enge Luke und klappte dann die Bodenlamellen runter. Nachdem er die Zündung eingeschaltet hatte, kniete er sich auf den Metallboden und bewegte den Joystick millimeterweise nach rechts. Augenblicklich fingen die Motoren an zu brummen, und die Lamellen bewegten sich. Zur gleichen Zeit wurden die Lamellen wieder durchsichtig. Nur in dem oberen Bereich, wo er die Farbe neu aufgetragen hatte, war die Lamelle nicht so durchsichtig. Anscheinend musste die Farbe doch dicker sein, denn er konnte kaum etwas erkennen. Langsam ließ Marcus den Joystick ein kleines Stück weiterfahren und stellte dabei fest, dass schon von der ersten Bewegung des Joysticks die Lamellen durchsichtig wurden.

Plötzlich, Markus wollte schon abschalten, als er im Sichtfeld der Lamellen eine Bewegung bemerkte. Erstaunt hob er seinen Kopf und schaute durch die Kuppel in die Garage. Aber in dem hellen Licht der Deckenbeleuchtung konnte er nichts erkennen. Wieder beugte er sich unter das Armaturenbrett und bewegte den Joystick ein Stückchen weiter.

Und da war es wieder, etwas huschte vorbei und plötzlich lag die Zeitung mit den Farbresten, die er am Vortag zum Müll gebracht hatte, wieder auf dem Boden.

Wie konnte das sein?

Wieder erhob er sich und schaute durch die Kuppel, doch von diesem Standpunkt aus konnte er die Stelle nicht sehen, an der die Zeitung liegen musste.

Marcus kniete sich erneut hin, ließ den Joystick noch mal zurückgleiten, sodass die Metallplatten wieder undurchsichtig wurden. Noch langsamer als beim ersten Mal bewegte er den Joystick nach rechts. Aufmerksam beobachtete er die Lamellen, wie sie langsam durchsichtig wurden. Plötzlich erschien ein Schatten, der an den Lamellen vorbeihuschte und die Zeitung mit den Farbresten lag auf einmal wieder auf dem Boden. Unwillkürlich schreckte Marcus hoch, als plötzlich eine Hand kam und die Zeitung aus dem Blickfeld schob.

Es dauerte eine Weile, bis Marcus erkannte, dass es seine Hand war, die dort die Zeitung zur Seite schob.

Aber wie konnte das sein, spielte dort einer einen Streich mit ihm?

Hatte ihn gestern jemand mit einer Kamera aufgenommen und projizierte das von außen auf die Lamellen.

Widerstrebend bewegte Marcus den Joystick etwas weiter und zu seinem Erstaunen geschah etwas Eigenartiges. Nachdem eine Hand (seine Hand) das Stück Zeitungspapier fortgezogen hatte, sah er plötzlich, wie die Farbdose von der Kapsel weggeschleudert wurde. Er sah noch, wie die Dose über dem Boden rollte und vor den Füßen von ihm liegen blieb. Alles lief ab, als wenn man einen Film rückwärts laufen lassen würde. Dabei waren diese ganzen Bewegungen schon einige Zeit her und der Dosenwurf sogar schon drei Tage her.

Marcus hatte ein komisches Gefühl, irgendwie sträubten sich seine Nackenhaare. Er musste außerhalb der Kapsel nachsehen woher diese Bilder kamen. Bevor er jetzt nach draußen kletterte, arretierte er den Joystick an der Position, wo er sich jetzt befand. Er wollte feststellen, ob die Durchsichtigkeit der Lamellen auch von außen zu sehen war. Mühsam zwängte er sich wieder durch die Bodenluke. Als er sich draußen aufrichtete, stellte er zu seinem Erstaunen fest, dass die Lamellen die von der Farbe bestrichen waren, überhaupt nicht zu sehen waren.

Die Lamellen waren nicht einfach nur durchsichtig, sondern man konnte sie überhaupt nicht sehen. Das heißt, man sah nur eine tiefe Schwärze. Und als er nun mit seinen Fingern die unsichtbaren Platten berühren wollte, griff er mit der Hand ins Leere. Ein abscheuliches Gefühl!

Markus hatte im ersten Moment den Eindruck, als wenn jeden Augenblick das Metall wieder massiv werden würde. Er zog seinen Arm hektisch zurück und betrachtete die Umgebung. Suchte die Regale nach einer versteckten Kamera ab, konnte aber nichts entdecken. Es war also niemand hier gewesen, der ihn hätte aufnehmen können bzw. auch keinen Projektor, von dem die Aufnahmen abgegeben werden konnten.

Marcus stand vor einem Rätsel.

Nachdenklich kletterte er wieder in die Kapsel, löste den Joystick und brachte ihn wieder in die Nullstellung. Seine Gedanken überschlugen sich, was hatte er hier nur entdeckt? Konnte es sein, dass er mit diesem Gerät in die Vergangenheit sehen konnte? Ihm blieb nichts anderes übrig, als die Kapsel anzumalen und dann zu sehen was passiert. Neugierig auf das Resultat machte er sich sofort an die Arbeit. Nach fast drei Stunden hatte er den ersten Anstrich fertig. Aber auch schon knapp die Hälfte der Farbe verbraucht. Er hoffte, mit zwei Anstrichen auszukommen. Denn noch mehr Farbe würde er kaum kaufen können. Dabei hatte er den Boden von unten noch gar nicht gestrichen.

Nun musste die Farbe erst mal durchhärten, bevor er den zweiten Anstrich machen konnte. Vielleicht sollte er doch noch mal versuchen, Farbe zu bekommen. Es könnte ja sein, dass der Verkäufer ihm absichtlich nur drei Dosen verkauft hatte, um seinen Bestand nicht zu sehr zu dezimieren.

Die Arbeit mit dem Pinsel war recht mühsam gewesen, deshalb wollte er sowieso noch einmal zum Farbengeschäft, um sich eine Lammfellrolle zu holen. Augenblicke später war er wieder mit seinem alten Fahrrad auf dem Weg zum Laden. Er hatte Glück, dieses Mal war ein anderer Verkäufer vor Ort und er konnte ohne Probleme zwei weitere Dosen kaufen. Zusätzlich erstand er noch zwei kurzhaarige Veloursrollen, die nach Aussagen des Verkäufers diese Farbe besser verteilen sollten.

Zu Hause angekommen stellte er fest, dass der erste Farbanstrich schon durchgetrocknet war. Marcus machte sich aber zuerst über den Bodenanstrich hier, um eine gleichmäßige Härte der gesamten Flächen zu erreichen. Da er aber unter der Kapsel kaum Platz hatte, musste er den Anstrich auf dem Rücken liegend vornehmen. Dazu breitete er einen alten Teppichboden aus und hatte so ein einigermaßen weiches Lager. Mit den neuen Veloursrollen ging die Arbeit wesentlich schneller vonstatten und er erreichte eine bessere Deckung der Fläche.

Bei dieser doch etwas stupiden Arbeit hatte er Zeit seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Dabei überlegte er, ob es nicht sinnvoll wäre, anstatt des Joysticks einen Drehknopf anzubringen. Denn das Zurückspringen des Joysticks in die Ausgangslage war bei der neuen Funktion der Kapsel, nicht so sinnvoll.

Ihm fiel ein, dass er noch einen alten Heizradiator im Keller hatte. Nachdem er den Boden fertig gestrichen hatte, holte er den Radiator aus dem Keller und baute den Schalter aus. Zum Schalter gehörte ein zwanzigteiliges Ziffernblatt, das für seine Zwecke ideal war.

Zuerst klemmte er den Joystick ab. Danach musste er in das Armaturenbrett eine Öffnung bohren, in welches der Drehschalter eingelassen werden sollte. Mit dem Kreisbohrer schnitt er ein 4 cm großes Loch in die Holzplatte, führte dann von der Unterseite die vorher vom Joystick gelöstem Kabel durch die Öffnung. Bevor er aber den Schalter einbaute, fertigte er aus einer durchsichtigen Kunststoffplatte eine Vergrößerung der alten Skala des Schalters an. Hierbei übernahm er die alte Einteilung, zog aber vom Mittelpunkt Striche zu den Zahlen und erzeugte so ein Raster mit millimeterweiten Abständen. Diese Stricheinteilung machte er von der Rückseite, damit sie nicht verwischt werden konnten. So konnte er sicher sein, immer die richtige Einstellung wiederzufinden. Danach verlötete er die Kabel mit dem Schalter und verschraubte ihn mit dem Armaturenbrett. Nachdem er alles noch mal überprüft hatte, startete er einen Test. Dieser verlief besser, als er gedacht hatte, denn mit dem Drehschalter konnte er viel feiner regulieren.

Zufrieden mit seiner Arbeit schaltete er die Zündung wieder aus und kletterte aus der Kapsel. Für heute sollte es genug sein, denn die Farbe sollte für den nächsten Anstrich richtig durchgehärtet sein.

Markus reinigte noch die Lammfellrolle, stellte sie in ein leeres Marmeladenglas und füllte das Glas mit Pinselreiniger auf.

-*-

Nach einem weiteren Tag hatte er die Kapsel noch zweimal gestrichen und das Ergebnis war sehr befriedigend. Durch die Lammfellrolle war die Deckung wesentlich besser geworden. In den nächsten Stunden befasste er sich damit, die neue Technik besser kennenzulernen. Marcus stellte fest, dass die Rastereinteilung des Drehknopfes eine gute Idee war. Wenn er eine besondere Einstellung wieder finden wollte, brauchte er sich nur diesen Punkt zu merken.

Um einen besseren Ausblick zu haben, hatte er sich ein Schaumgummikissen auf dem Boden gelegt und sich draufgesetzt. Langsam drehte er den Knopf weiter, und beobachtete, wie sich die Welt hinter der Außenwand veränderte. Je schneller er den Knopf bewegte, umso rasanter lief auch draußen das Geschehen ab. Wie in einem Zeitrafferfilm konnte er sich beobachten, wie er in der Garage hin und her lief. Eindeutig konnte er sehen, wie er die Kapsel erbaute. Und als er weiter drehte, verschwanden plötzlich die Mauern der Garage. Er konnte beobachten, wie das Haus gebaut wurde, besser gesagt, wie das Haus langsam zurückgebaut wurde. Maurer nahmen die Steine wieder von der Wand. Der Beton im ersten Obergeschoss wurde wieder abgesaugt und plötzlich war nur noch die Baugrube zu sehen und auf einmal war nur noch ein verwildertes Grundstück vorhanden. Was ihn eigenartig berührte, waren die Bewegung der Bauarbeiter. Alles lief rückwärts ab, der Bagger, der die Baugrube aushob, schaufelte die Erde wieder in das Loch. Lastwagen fuhren rückwärts von der Baustelle, Bauarbeiter liefen hin und her und führten eigenartige Bewegungen aus. Ließ er den Knopf an einer bestimmten Stelle stehen, verharrten auch die Bauarbeiter in teilweise grotesken Haltungen.

Dann kam ihm plötzlich eine Idee, ob es wohl möglich war von dieser Situation außerhalb der Kapsel, Fotos zu machen. Er drehte den Schalter wieder in die null Position, stellte vorsichtshalber auch die Zündung aus und kletterte aus der Kapsel. Die kleine Digitalkamera, die er sich vor zwei Jahren gekauft hatte, würde für einen Versuch ausreichen. Das Ergebnis war überraschend gut. Er hatte sich eine Position während der Bauphase ausgesucht, wo ein Arbeiter gerade dabei war, Sand zu schaufeln. Zwar war das Bild leicht milchig, aber der Bauarbeiter war deutlich zu erkennen. Sogar kurze Videosequenzen waren möglich. Dazu musste er natürlich gleichzeitig den Drehknopf bewegen und mit der anderen Hand die Kamera halten. Die Aufnahmen waren zwar sehr verwackelt, aber mit einem kleinen Stativ konnte er das verbessern.

Ein weiteres Problem war das Gestänge, auf dem die Lamellen befestigt waren. Die waren von außen zwar nicht zu sehen gewesen, doch von innen störten sie gewaltig. Er musste mit der Kamera ziemlich dicht an die Lamellen herangehen, um einen möglichst großen Ausschnitt zu erhalten.

Bei seinen ersten Versuchen bewegte er den Drehknopf nur millimeterweise. Dabei stellte er fest, dass sein Haus schon etwa nach 3 mm verschwunden war. Zwischen jeder Zahl auf der Skala hatte er etwa 20 Teilstriche eingezeichnet. Jetzt, als er den Knopf weiterbewegte und sich langsam dem fünften Teilstrich näherte, verschwanden auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Häuser. Die Sichtweite durch die Lamellen betrug etwa 100 Meter, danach verschwamm die Umgebung.

Um festzustellen, wie viele Jahre jeder Teilstrich auf der Skala beinhaltete, überlegte er, wie alt sein Haus sein müsste.

Vera und er hatten das Haus kurz nach ihrer Heirat gekauft. Damals war das Haus schon etwa 28 Jahre alt gewesen. Wenn er nun das Alter des Hauses und die Zeit, die sie selber darin gewohnt hatten, zusammenzählte, bedeutete es, dass jeder Teilstrich ca. 40 Jahre beinhaltete. Somit konnte er in jedem Zahlenblock 800 Jahre zurücklegen, das heißt, auf einer 20teiligen Skala bestand die Möglichkeit, 16.000 Jahre in die Vergangenheit zurückzugehen. Eine unglaublich lange Zeit!

Marcus verspürte ein Kribbeln im Nacken, welche unglaublichen Möglichkeiten offenbarten sich hier. Was konnte er mit seiner Kapsel, oder besser gesagt Zeitmaschine alles Ergründen. Da er aber vom Standpunkt seiner Zeitmaschine nur die nähere Umgebung erkunden konnte, müsste er die Maschine beweglich machen. So wie die Maschine jetzt aussah, konnte er natürlich nicht damit durch die Straßen fahren. Er brauchte also ein Fahrzeug mit einer Plane oder einem Kastenwagen, auf dem er die Maschine unauffällig transportieren und gleichzeitig an jeden beliebigen Ort fahren konnte. Sein größtes Problem war aber der Mangel an Geld.

3. Kapitel

Am Abend, Marcus hatte sich gerade etwas zu Essen gemacht und dabei die Tageszeitung vom Vortag aufgeschlagen, sprang ihm förmlich eine Schlagzeile ins Gesicht. In dicken Lettern stand dort:

„Noch keine Spur von dem Mörder der achtjährigen Svenja.“

Das war die Möglichkeit, an Geld zu zukommen. Für fast jedes Verbrechen, das durch sachdienliche Hinweise aufgeklärt werden konnte, wurde eine Belohnung gezahlt.

Nun wurde Marcus hektisch. Eilig durchwühlte er seine alten Zeitungen und suchte alle Artikel über diesen Mordfall heraus.

Svenja war vor ca. drei Wochen verschwunden, und erst vor wenigen Tagen von einem Polizeihund in einem Kanal entdeckt worden. Leider fehlte ihm die Zeitung, in der die Fundstelle beschrieben wurde. Wieso diese Zeitung nicht mehr da war, war ihm ein Rätsel. Doch plötzlich fiel ihm ein, dass er ja die Farbreste auf einer alten Zeitung deponiert hatte. Im Mülleimer der Garage fand er tatsächlich die entsprechende Zeitung. Und dort war glücklicherweise auch der Fundort von Svenja beschrieben. Svenja war von ihrem Mörder brutal vergewaltigt und dann erschlagen worden. In der Bevölkerung wurde die Unfähigkeit der Polizei wieder sehr breit getreten. Der mit der Bearbeitung Beauftragte Kommissar tat sein Bestes und hatte auch schon nach zwei Wochen einen Verdächtigen festgenommen. Der Verdächtige, ein neunzehnjähriger junger Mann, beteuerte seine Unschuld. Leider reichten die Indizien nicht aus, um ihn längere Zeit in Untersuchungshaft zu behalten, er würde also bald wieder entlassen werden müssen.

Hier wollte Marcus ansetzen.

Er überprüfte sein Konto, aber dort war nichts mehr außer Schulden. In seinem Portemonnaie hatte er gerade noch 60 €, doch das würde nicht ausreichen, um einen LKW zu mieten. Er brauchte dringend 2-300 € zusätzlich. Sein Blick fiel auf seine Kamera, mit der er am Nachmittag die Fotos aus der Kapsel gemacht hatte. Diese Kamera würde nicht viel Geld bringen, aber er hatte in seinem Schrank noch eine wertvolle Digitalkamera. Eigentlich wollte er sich von der nicht trennen, vielleicht könnte er Sie in einem Pfandhaus als Pfand hinterlegen und später, wenn er die Belohnung kassiert hatte, wieder auslösen.

Markus holte die Kamera aus dem Schrank, stellte die beiden Objektive noch dazu und packte alles in die Fototasche. In der Stadt gab es ein Leihhaus, von dem er sich einiges versprach. Sofort machte er sich auf den Weg und bekam in dem besagten Leihhaus 550 €. Zufrieden machte er sich wieder auf den Rückweg.

Am nächsten Morgen mass er als Erstes seine Kapsel aus, damit er auch einen entsprechend großen LKW mieten konnte. Denn was nützt es ihm, wenn der LKW zu schmal war. Außerdem musste der LKW über eine Laderampe verfügen.

Schon beim ersten Vermieter hatte er Glück, er konnte einen relativ kleinen Kübelwagen mit Laderampe mieten, in den seine Kapsel gerade so rein passte. Auch der Mietpreis war akzeptabel, für drei Tage zahlte er 240 €.

Auf seinem Grundstück angekommen, fuhr er rückwärts bis vor das Garagentor. Die Zeitkapsel in den Transporter zu bekommen, stellte sich aber als sehr schwierig heraus. Denn die Laderampe war nicht breit genug, um die vier Füße der Kapsel aufzunehmen. Es fehlten ca. 50 cm.

Marcus behalf sich damit, dass er zwei lange Planken auf die Laderampe legte, mit Schraubzwingen befestigte und dort die Kapsel rauf schob. Vorsichtig ließ er die Laderampe hochfahren und stellte dann zu seinem Entsetzen fest, dass er sich in der Höhe verschätzt hatte. Die Kapsel war ca. 5 cm zu hoch. Aufgrund der Durchsichtigkeit der Plexiglaskuppel konnte er nicht so genau messen und hatte sich doch tatsächlich vertan. Außerdem stand die Kapsel jetzt auch noch auf den Holzplanken, was schon alleine 5 cm ausmachte. Aber das Problem konnte er schnell lösen, indem er die Plexiglaskuppel von innen löste und abnahm. Da er ja jetzt immer nur unten durchschaute, benötigte er die Kuppel eigentlich gar nicht. Er legte sie in den vorderen Teil des Aufbaus und schob dann langsam die Kapsel in den Laderaum. Mit vier Spanngurten sicherte er die Zeitkapsel vorm Verrutschen. Nachdem er den Transporter abgeschlossen und das Garagentor verriegelt hatte, fuhr er den LKW so dicht wie möglich an das Tor. Er wollte damit verhindern, dass jemand von Neugierde getrieben den Wagen untersuchen würde. Denn in der Nachbarschaft war es mittlerweile bekannt, dass er kein Auto mehr hatte. Den Abend verbrachte er damit, den Tatort auf der Karte einzuzeichnen. Marcus musste dazu nach Hamburg fahren. Und von dort war es nicht mehr weit bis zu dem Kanal. Tatsache war, dass ihm nur der Fundort des kleinen Mädchens bekannt war. Die Leiche des Mädchens konnte im Kanal abgetrieben und so vom tatsächlichen Tatort weit entfernt sein. Leider gab es in dem Zeitungsartikel keinen Hinweis darauf, wo der Mord eventuell passiert sein könnte.

-*-

Am nächsten Morgen war Marcus schon früh auf den Beinen. Nach einem kurzen Frühstück mit einem Becher Kaffee und einer Scheibe Brot machte er sich auf den Weg. Bis zu seinem Ziel waren es 55 km, die hatte er trotz der ungewohnten Größe des Fahrzeugs in 1 Stunde erreicht. Leider konnte er mit dem Wagen nicht bis an den Fundort heranfahren. Die Entfernung bis zum Kanal betrug ca. 80 m. Trotzdem machte er einen Test und überzeugte sich, ob er die Ereignisse erkennen konnte.

Das Fahrzeug war ordnungsgemäß in einer Parkbucht abgestellt. Marcus wollte so wenig wie möglich auffallen, denn nichts wäre schlimmer gewesen, wenn die Polizei den Wagen kontrollieren würde. Zum Glück hatte der Kübelwagen eine Seitentür, sodass er sicher war, nicht beobachtet zu werden, während er in der Kapsel saß.

Er startete die Elektrik der Kapsel und kaum hatte er den Drehknopf bewegt wurden die Wände durchsichtig. Er hatte freien Blick bis zum Kanal, und als er den Knopf geringfügig weiter bewegte, erschien ein junger Mann und blieb vornübergebeugt am Wasser stehen. Ganz langsam drehte Marcus den Knopf etwas weiter und schon stand plötzlich ein großes Polizeiaufgebot am Kanal. Alles wurde abgesperrt und von der Polizei durchsucht. Ein Polizeiboot, das zwischenzeitlich auch am Fundort eingetroffen war, barg in der Zwischenzeit die Leiche von Svenja.

Marcus machte noch kurz ein Foto von der Situation und stellte dann seine Zeitkapsel ab. Er stieg aus dem Fahrzeug. Verschloss sorgfältig die Tür und ging die wenigen Schritte bis zum Kanal, um sich einen Überblick über den Ort zu machen. Vor allen Dingen wollte er die Strömung des Wassers beobachten. Denn es war ja wichtig, aus welcher Richtung Svenja angetrieben worden war. Bei seinen Beobachtungen der Polizei hatte er zwar gesehen, dass die sich hauptsächlich links vom Fundort bewegten. Aber auch auf der rechten Seite wurde alles abgesucht. Als er am Kanal ankam, konnte er deutlich erkennen, dass das Wasser von links nach rechts floss, sehr langsam aber stetig.

Marcus kehrte zurück zu seinem Fahrzeug und fuhr ca. 100 m stromaufwärts. Setzte sich wieder in seine Kapsel und überprüfte Diesen Bereich. So konnte er sicher sein, den Ort zu finden, wo der Mörder die Leiche ins Wasser geworfen hatte. Dieses wiederholte er mehrmals, und als er nach mehreren Kilometern immer noch nichts entdeckt hatte, wollte er schon aufgeben.

Doch plötzlich, an einem kleinen Wäldchen, konnte er einen schemenhaften Schatten wahrnehmen. Leider war dieser kleine Wald relativ weit von der Straße entfernt. Durch mehrmaliges Hin und Her drehen des Schalters, verfolgte er den Weg der Figur.

Marcus war sich zwischenzeitlich sicher, dort einen Trampelpfad oder einen Feldweg vorzufinden. Er musste näher an das Wäldchen heran. Er stieg wieder aus, startete den Wagen und entdeckte auch wirklich einen Feldweg. Diesen Weg konnte er sogar mit seinem Transporter befahren. Es war eine sehr einsame Gegend und so fiel es auch keinem auf, als er rückwärts bis an das Wäldchen heranfuhr. Er konnte sogar ein kleines Stück zwischen die Büsche fahren, sodass er von der Straße aus nicht gesehen werden konnte. Wieder setzte er sich in die Kapsel und bewegte langsam den Drehknopf.

Was jetzt geschah, ließ bei Marcus die Haare zu Berge stehen. Wieder erschien diese schemenhafte Figur, dieses Mal aber deutlich besser zu erkennen, als von der anderen Position.

Das Ganze spielte sich direkt vor der Zeitkapsel ab und dadurch, dass sich die Kapsel im Transporter und noch zusätzlich auf Füssen stand, hatte er eine erhöhte Aussicht. Der Mann erschien rückwärtsgehend aus den Bäumen, die direkt am Ufer des Kanals standen. Sein Körper verdeckte noch das Mädchen.

Kurz darauf legte er Svenja auf den Boden.

Nun sah Marcus, dass das Mädchen völlig nackt war und aus Mund und Nase blutete. Sie schien besinnungslos oder schon tot zu sein. Der Mann nestelte an seiner Hose und legte sich plötzlich auf das kleine Mädchen. An den eindeutigen Bewegungen konnte Marcus erkennen, dass er Svenja vergewaltigte.

Sehr langsam drehte Markus den Steuerknopf etwas weiter, da sich nur dann die Personen bewegten. Der Mann erhob sich und wie in einem rückwärts laufenden Film hatte Svenja plötzlich ihre Kleidung wieder an und stand vor dem Mann. Auch wenn alles verkehrt herum ablief, konnte Marcus deutlich sehen, dass der Mann Svenja heftig ins Gesicht schlug. Dann packte er das Mädchen, klemmte sie sich unter den Arm und mit der anderen Hand hielt er ihr den Mund zu. Mit der heftig strampelnden Svenja ging er rückwärts mitten durch die Kapsel und entfernte sich auf dem Feldweg.

Marcus stoppte den Drehknopf, bereite seinen Fotoapparat vor und ließ den Mann dann so weit vorgehen, bis er kurz vor der Kapsel stand. Er schoss mehrere Fotos mit verschiedenen Einstellungen. Auch von den Schlägen und der widerlichen Vergewaltigung machte er Aufnahmen. Den Punkt, wo er mit dem Mädchen durch die Büsche ging und Augenblicke später mit leeren Händen zurückkam.

Sowie die Stelle, an der er die Kleider von Svenja vergrub. Er fotografierte es sehr genau, um später der Polizei alles zeigen zu können.

Marcus fühlte sich sehr unbehaglich, dem Mörder gegenüberzustehen und trotzdem nichts für das Mädchen tun zu können.

Er schaltete die Zündung der Kapsel aus, kletterte durch die Luke und verließ den Transporter.

Zwischenzeitlich war es draußen schon fast dunkel geworden. Um jetzt keine Spuren zu verwischen bzw.

welche zu hinterlassen, setzte er sich sofort ins Auto und fuhr langsam zur Hauptstraße zurück. Das alles hatte ihn doch sehr aufgewühlt und während der ganzen Heimfahrt, gingen seine Gedanken immer wieder zurück zu dem armen Mädchen. Was musste bloß in einem Menschen vorgehen, einem wehrlosen Kind so etwas anzutun. Die Hilflosigkeit, die er empfand, als er die Fotos schoss, verfolgten ihn bis zu seinem Haus.

Er fuhr den Transporter wieder rückwärts bis vor das Garagentor, verschloss das Fahrzeug sorgfältig, nahm seine Kamera und ging ins Haus.

Den ganzen Abend verbrachte Marcus damit, die Fotos auf seinem Computer zu bearbeiten und auszudrücken.

Die Fotos waren recht gut gelungen, deutlich konnte man den jungen Mann und auch die Umgebung des Tatortes erkennen.

Schwieriger war es herauszufinden, wer diesen Fall bearbeitete. Schließlich konnte er das Kommissariat ermitteln. Er machte einen Briefumschlag fertig, steckte die Fotos hinein und fügte noch einen gelben Zettel hinzu. Auf den Zettel schrieb er, falls diese Fotos zur Auflösung des „Falls Svenja“ führen sollten, würde er sich wieder melden.

Beim Studium der Tageszeitung fiel ihm später auf, dass schon wieder Feuerteufel mehrere Autos angesteckt hatten. Seit Monaten wurden immer wieder Pkws angezündet, die dann mehrere Autos in der Nachbarschaft in Mitleidenschaft zogen. Nie konnte man den Tätern habhaft werden. Marcus nahm sich vor, am nächsten Morgen mit der Kapsel zu diesen ausgebrannten Fahrzeugen zu fahren. Hier gab es vielleicht noch eine Möglichkeit eine Belohnung einzukassieren. Denn in dem Zeitungsartikel stand, dass zur Ergreifung der Täter 4000 € ausgesetzt worden waren. Schon für den Fall Svenja sollte es 20.000 € geben. Dieses Geld konnte Marcus sehr gut gebrauchen. Zum einen um einen Teil seiner Schulden zu bezahlen und zum anderen sich einen Lkw zu kaufen, auf den seine Zeitkapsel passen würde.

-*-

Das größte Problem von Marcus war, unauffällig an diese Belohnungen zu kommen. Denn wie sollte er der Polizei erklären, wie diese Fotos entstanden sind.

Natürlich wollte er den Lohn seiner Arbeit kassieren. Das bedeutete, solange die Erfindung nicht rechtlich gesichert und durch ein Patent geschützt war, konnte sie ihm jederzeit einer wegnehmen. Die Zusammensetzung der Lamellen hatte er zwar aufgezeichnet und auch die Konstruktion der Verschiebung war schriftlich und zeichnerisch festgehalten, doch wenn jemand danach suchte, würde er es finden. Vorsichtshalber hatte er in seinem Keller ein Geheimfach eingebaut und dort die Konstruktionszeichnungen verwahrt.

Am nächsten Morgen brachte er erst den Umschlag mit den Fotos zum Briefkasten, um dann mit dem Transporter weiter zu den verbrannten Autos zu fahren. Er hatte einige Mühe die Straße zu finden, weil es keine genauen Angaben in der Zeitung gab.

Doch nach einigen Versuchen klappte es. Insgesamt waren sieben Fahrzeuge in Flammen aufgegangen und er hoffte, dass noch nicht alle Fahrzeuge entfernt waren. Er hatte Glück, zwei ausgebrannte Pkws stand noch dort, und vor und dahinter konnte man gut, anhand der verbrannten Erde, die Standorte der entfernten Autos erkennen. Er parkte gegenüber auf der anderen Straßenseite, von dort hatte er die beste Sicht auf die Brandstelle.

Nachdem er wieder in die Kapsel geklettert war, hatte er Mühe mit dem Drehschalter den Zeitpunkt zu erwischen. Denn da die Brandstiftung erst in der letzten Nacht gewesen war, brauchte er nur den Bruchteil eines Millimeters zu drehen, und das Inferno war schon vorbei. Sehr vorsichtig tastete er sich zurück, und als es draußen immer dunkler wurde und die sieben Autos vor sich auftauchen sah, wusste er, dass er auf dem richtigen Weg war. Dann konnte er auf einmal auch zwei Männer erkennen, die um die Autos herumschlichen. Leider war es zum Fotografieren viel zu dunkel, und Marcus war sich nicht sicher, ob er ein Blitzlicht benutzen konnte.

Das würde er später einmal zu Hause ausprobieren.

Aber als plötzlich Flammen aufloderten, waren die Männer auch schon verschwunden.

Er bedauerte, dass er seine gute Digitalkamera versetzt hatte, denn mit der hätte er auch in der Dunkelheit gute Fotos machen können. An seiner kleinen Digitalkamera konnte er zwar auch die ISO Werte einstellen, doch leider wurden die Fotos dadurch sehr körnig. Durch vorsichtiges Verändern des Drehschalters versuchte er, die Gesichter der beiden Täter zu ermitteln. Leider gelang es ihm nur bei einem. Er machte mehrere Fotos und würde später am Computer versuchen, sie zu verbessern.

Am Abend musste er den Wagen wieder abgeben, das hieß, die Kapsel musste wieder entladen werden. Da er jetzt aber wusste, was zu tun war, ging es relativ schnell. Dabei kam ihm der Gedanke, in Zukunft den Einstieg über die Öffnung der Plexiglaskuppel vorzunehmen. Denn das hatte er jetzt festgestellt, die Kuppel war nicht nötig. Zusätzlich konnte er die Beine kürzen, weil er ja nicht mehr von unten in die Kapsel klettern brauchte. Wenn er erst mal einen eigenen Lkw hatte, konnte er die Kapsel immer in dem Laderaum belassen.

Er stellte noch sein altes, klappriges Fahrrad auf die Ladefläche, dann brauchte er später nicht mit dem Bus zurückzufahren. Die Übergabe des LKW verlief problemlos, doch als er sein Fahrrad abgeladen hatte, fing es plötzlich stark an zu regnen. Ein heftiger Sommerregen prasselte hernieder, und als er sein Haus erreichte, war er völlig durchnässt. Nun gut, es wurde sowieso mal wieder Zeit, zu duschen.

Später, nachdem er noch etwas gegessen hatte, bearbeitete er die Fotos am Computer. Der eine Mann, den er fotografiert hatte, war recht gut zu erkennen. Mit seinem Bildbearbeitungsprogramm verbesserte er noch die Schärfe etwas und machte eine Vergrößerung von dem Gesicht. Bei dem anderen Mann lag das Gesicht im Schatten, sodass er keine Möglichkeit fand, es etwas aufzuhellen. Es war ein Versuch wert gewesen, vielleicht konnte die Polizei damit ja etwas anfangen.

4. Kapitel

Ungeduldig kaufte sich Marcus am nächsten Tag eine Zeitung. Doch leider wurde er enttäuscht, denn über den Mordfall wurde überhaupt nicht berichtet. Auch am folgenden Tag gab es nur den Hinweis, dass der in Untersuchungshaft befindliche junge Mann, den Mord gestanden hatte. Wodurch dieser plötzliche Sinneswandel entstanden war, wurde nicht erklärt.

Erst am dritten Tag gab es einen größeren Bericht.

Ein gewisser Kommissar Kampner erzählte dem Reporter, dass im Kommissariat anonyme Fotos aufgetaucht seien und diese zum Geständnis geführt hätten. Woher diese Fotos stammten und wer sie geschickt hatte, war noch unbekannt.

Auf die Frage des Reporters, ob man die Fotos einmal sehen dürfe, verwies der Kommissar auf ein schwebendes Verfahren und dass diese bis zur Gerichtsverhandlung nicht veröffentlicht werden dürften.

Der Reporter meinte dann, es wäre ja bekannt, dass die Familie der ermordeten Svenja, eine Belohnung für die Ergreifung des Täters ihrer Tochter in Höhe von 20.000 € ausgesetzt hatte. Der anonyme Fotograf hätte ja nun ein Anrecht auf diese Belohnung, würde der sich denn nun noch einmal melden?

Der Kommissar meinte dazu, dass das Kommissariat sehr interessiert daran sei, wie diese Fotos entstanden seien, und bat den anonymen Informanten sich bei ihm oder einer Polizeidienststelle zu melden.

-*-

Das Büro war recht klein, ein Schreibtisch, zwei Stühle und ein großer Aktenschrank waren fast schon alles an Mobiliar. Auf einem kleinen Beistelltisch stand eine Kaffeemaschine, ein rundes Tablett mit zwei Tassen sowie eine Zuckerdose und eine Dose mit Süßstoff. Auf der Fensterbank standen mehrere Grünpflanzen.

Der Schreibtisch übersät mit Papieren, zeigte aber eine gewisse Ordnungsliebe. Ein Flachbildschirm, eine flache Schale für Schreibutensilien und davor die obligatorische Tastatur für den Computer.

Als das Telefon klingelte, nahm Sabine Paul den Hörer ab und meldete sich mit ihrer eingeübten Floskel:

„Kommissariat West, Paul!“

„Guten Tag, Kramer, ich hätte gerne Kommissar Kampner gesprochen!“

Marcus hatte sich überlegt, sich nicht gleich mit seinem richtigen Namen zu melden.

„Guten Tag Herr Kramer, in welcher Angelegenheit bitte?“

„Richten Sie bitte Herrn Kommissar Kampner aus, dass ich der Mann bin, der ihm die Fotos im Mordfall Svenja geschickt hat.“