Du wolltest eigentlich noch nicht sterben - Thadeusz Meck - E-Book

Du wolltest eigentlich noch nicht sterben E-Book

Thadeusz Meck

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Beschreibung

Sieben Kurzgeschichten, so rund, dass sie sich im Kopf drehen. Ganz erstaunliche Begegnungen, Abgründiges wie durch ein Brennglas betrachtet und versponnene Fabeln kaum länger als ein Popsong, die in Ironie und erlöstem Lachen münden und in uns etwas hinterlassen, das Einsicht und Erkenntnis nicht unähnlich ist. Es sind lebendige Erzählungen mit Geruch und Geschmack, Tiefe und Leichtigkeit und schräger Komik. Thadeusz Meck beleuchtet das nebenbei Erzählen selbst, treibt vergnügliche Spiele mit unseren Erwartungen und hat Worte, die sogar Wunden heilen. Kleines Buch, großer Spaß.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 27

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Für Marie-Laure

INHALT

Tebessa Tunis Tebessa

Adler und Perlhuhn

Donnerstags im Institut

Zillertal

Du wolltest eigentlich noch nicht sterben

Wunderworte

Gelber Wein

Am Fluss

Der Spatz vor dem Dom von Speyer

ANHANG

Danksagung

Zum Autor

Tebessa Tunis Tebessa

Wie kommt das Neue in die Welt?

Ein Teppichknüpfer aus Tebessa hatte viele Jahre lang Tag für Tag schwarzen Tabak kauend immer die gleichen Knoten knüpfend immer die gleichen Teppiche gefertigt, wie es ihn sein Vater gelehrt hatte und wie es eben guter Brauch war in seiner Heimatstadt. Am Morgen dieses einen Tages aber fasste er den Entschluss, mit den alten Regeln zu brechen und ganz neu zu beginnen. Er zögerte keinen weiteren Moment, spuckte in weitem Bogen den Tabak aus und packte gleich sein Bündel, um dem berühmten Zentrum der Knüpferzunft im viele Tagesreisen entfernten Tunis einen Besuch abzustatten. Dort wollte er erkunden, welche Muster, Farbspiele und Knüpfarten man in der großen Stadt am Meer kannte und welche Neuerungen mit den vielen Handelswaren und Reisenden aus fernen Ländern dort über die Zeiten angelandet waren. Die Sonne stand noch keine Handbreit über dem Horizont, da machte sich der Teppichknüpfer schon auf den Weg, er wanderte viele Stunden über staubige Pfade, reiste mit den fahrenden Händlern und überschritt schon am späten Abend die Grenze, die östlich von Tebessa Algerien von Tunesien trennte. Er schlief nur wenig und fuhr viel öfter auf den Wagen der Händler mit, als dass er auf eigenen Füßen ging und sah bald Orte, von denen er noch nie gehört hatte. Schließlich, in der Morgenröte des siebten Tages seiner Reise erreichte er die ersten Straßen und Häuser der Hafenstadt. Als er sich wenig später der Medina von Tunis näherte, füllten sich die Straßen langsam mit Leben. Hier und dort zogen Händler mit beladenen Wagen herbei, bauten ihre Stände auf und priesen schon ihre Waren an, sobald ein Passant den Weg kreuzte. Berge von Früchten, Bottiche mit Eingepökeltem und Kaskaden großer Schalen mit Gewürzen, Kräutern und Rosenblättern wurden sorgfältig aufgetürmt, Fische und Meeresfrüchte, aber auch Schiffstaue, kostbare Stoffe, Kupfer- und Töpferwaren täglichen Gebrauchs wurden ausgerufen und wenig später standen Käfige voller gurrender Tauben gleich neben den blitzenden Vitrinen der Gold- und Silberschmiede und Lederwaren jeglicher Art hingen über den Köpfen eng eingepferchter, meckernder Ziegen. Die Augen des Teppichknüpfers konnten sich nicht satt sehen an der Vielfalt der Farben und der Duft aus dem Ofen einer Backstube führte ihn bald zu dem köstlichen Fladenbrot, das man hier Mlavi nannte. Immer neue Mixturen von Gerüchen begleiteten ihn auf seinem Weg von Gasse zu Gasse. Seine Neugier und Erwartungsfreude auf tunesische Teppiche steigerte sich noch durch das fröhliche Stimmengewirr, das um ihn immer lauter wurde. Durch das Viertel der Wollhändler und der Färber gelangte er in die Straße der Teppichknüpferzunft und er war doch sehr erstaunt, dass man dort nichts als die altbekannten Muster und Techniken verwendete. Farben, wie man sie von den prunkvollen Kleidern der Frauen reicher Kaufleute kannte oder von portugiesischen Azulejos? Nichts davon sah man auf den Teppichen aus Tunis. Statt dessen nur Töne von Sand und Asche. Niemand unter den Zunftgenossen mochte auch nur einen Gedanken verschwenden an etwas Anderes als die althergebrachte handwerkliche Manier. Sehr viele von ihnen aber waren gern bereit, dem Gast aus