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Dies ist die Geschichte eines putzigen Kobolds namens Dudu, der aus dem "Habadu"-Land gekommen ist, um die Menschenwelt kennen zu lernen. Dabei freundet sich Dudu mit dem 7-jährigen Tim Steinfleck an, der Dudu seine Welt zeigt - mit all ihren kleineren und größeren Alltagsproblemen. Dazu zählen schlechte Noten oder Mobbing in der Schule ebenso wie Kopfschmerzen von zu vielem Fernsehen oder die nächtliche Angst vor Gespenstern. Da Dudu ein sehr kluger und hilfsbereiter Kobold ist, steht er seinem jungen Freund Tim mit außergewöhnlichen Tipps und Ratschlägen zur Seite. Die liebevoll illustrierten Kurzgeschichten für Kinder möchten ihrem Leser vermitteln, dass es auch alternative Möglichkeiten zur Bewältigung von Problemen gibt und es einen Versuch wert ist, offen für ungewöhnlich erscheinende Ratschläge zu sein. Die Kraft des eigenen Willens und Denkens, Fantasie und Kreativität spielen dabei eine wichtige Rolle.
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Seitenzahl: 88
Veröffentlichungsjahr: 2020
Waltraud Puff
DuduDer kluge Kobold
©2020 Waltraud Puff
Illustration: Maike Kliche www.kinderbuch-illustratorin.de
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
Alle Rechte vorbehalten.
ISBN Taschenbuch: 978-3-347-09586-1
ISBN Hardcover: 978-3-347-09598-4
ISBN e-Book: 978-3-347-09587-8
VORWORT
Dieses kleine Büchlein soll Kinder an die Energiearbeit heranführen. Von Natur aus wissen Kinder, vor allem die bis Dreijährigen, mehr von Energien als wir Erwachsenen. Man sagt, bis drei können sie die Aura sehen.
Ich selbst habe Folgendes erlebt: Eines Tages fragte ich den dreijährigen Sohn meiner Nichte, was seine Mutter heute für eine Farbe hat. Es war für mich schon verwunderlich, dass er sofort seine Mutter anschaute. Er hatte also die Frage verstanden und fand wohl das Ganze normal, dass Menschen eine Farbe haben. Er sagte recht spontan: „Rot“. An diesem Tag war seine Mutter total genervt. Die Farbe Rot passte also. Ein andermal war es die Farbe Grün. Entsprechend ausgeglichen war meine Nichte. Dann kam für mich der Hammer: Ich wollte meine Farbe wissen. Er schaute mich intensiv an, dann sagte er: „Orange“. Außerdem strich er mit der Hand über meinen Oberbauch und meinte: „Hier Nemo.“ Ich hatte an diesem Tag leichte Bauchschmerzen. So erkläre ich mir Nemo, dass er im Orange schwarze Streifen sah. Das „Nemo“ war für mich der Beweis, dass er wirklich die Aura sah.
Einige Jahre später erinnerte ich ihn an unser Farbenspiel, aber er wusste nichts mehr damit anzufangen, konnte sich auch nicht mehr an die Fragerei erinnern.
Ist doch schade, wenn Kinder dieses unheimlich wichtige Wissen verlieren. Deshalb dieses Büchlein, in dem zumindest die wesentlichen Begriffe vorkommen.
Es ist nur als Anregung gedacht.
Nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen und Anwenden.
Waltraud Puff
Mai 2017
Dudu schlüpft ins Menschenreich
Dudu ist ein Kobold, ein zigarettenschachtelgroßer Kobold. Er lebt im Reich der Habadu-Kobolde. Während die anderen Kobolde die Menschenwelt eher meiden, wollte Dudu schon immer einmal Menschen kennenlernen. Eines Tages gelingt es ihm tatsächlich, ins Menschenreich hineinzuschlüpfen. Und er schlüpft genau in den Garten der Familie Steinfleck.
„Nicht schlecht, schön ist es hier“, denkt Dudu, „so viel Grün. Grün ist doch meine Lieblingsfarbe.“ Und dabei langt er an sein grünes Haar. Dudu hüpft voller Begeisterung von Baum zu Baum. Das fällt ihm trotz seiner Minigröße ganz leicht, denn Kobolde schaffen fast alles ganz leicht mit ihrer Willenskraft. Er braucht nur zu denken: „Ich will jetzt das und das“, und dann geht alles, wie er es eben will. Er muss im Moment des Wunsches nur unsichtbar sein und sich dreimal im Kreis drehen.
Dudu hüpft eine zeitlang in den Bäumen herum, so lange, bis er ein wunderschönes, buntes Blumenbeet entdeckt.
„Diese bunten Flecken muss ich mir anschauen. So viel Buntes gibt es im Koboldreich nicht“, sagt sich der kleine Kerl. Er saust zum Beet, schnuppert an jeder Blüte. Mit seiner Drei-Löcher-Nase riecht Dudu alles viel stärker als wir Menschen. Er kann sogar Dinge riechen, die wir nicht riechen können, zum Beispiel den Wind, Schnee oder Gold und Silber.
Bevor Dudu an einer Blume schnuppert, berührt er sie ganz vorsichtig. Er streichelt und umarmt sie.
„Die Dinger sind ja so zart und fein, hui, hui, und die schönen Farben und Formen, hui, hui. Ob das Menschen sind?“ fragt sich Dudu.
Er rennt so lange zwischen den Blumen herum bis er vor Müdigkeit umfällt. Kobolde brauchen nicht viel Schlaf, aber drei Stunden sollten es schon sein.
Tim macht Dudu sichtbar
Wie jeden Tag geht auch heute der kleine Tim Steinfleck morgens in den Garten, um nach seinen Meerschweinchen zu sehen. Er wundert sich, dass deren Futternapf heute schon leer ist.
„Mutti hat doch vorhin erst aufgefüllt und nun ist alles schon weg. Das gibt´s doch nicht“, denkt sich Tim. Er rennt zurück in die Küche und fragt seine Mutter: „Mutter, hast du die Schweinis gefüttert? Ihr Trog ist leer.“
„Ich habe vorhin den Napf gefüllt. Das ist seltsam. Das Futter reicht doch sonst den ganzen Tag“, meint Frau Steinfleck. Tim füttert noch einmal nach. So geht das nun tagelang. Jeden Tag ist der Trog fast leer, wenn Tim nachschaut. Nun überlegt er sich einen Plan, wie er den Futterdieb erwischen könnte. Was er sich bloß ausdenkt?
Tim lockert mit einer Hacke den Boden um den Futtertrog und vor dem Käfig auf und streut noch eine dicke Sandschicht auf den Boden. Der Dieb müsste doch Spuren hinterlassen. Und tatsächlich, am nächsten Tag sieht Tim im Sand klitzekleine Fußabdrücke. Hatte Dudu doch wirklich vergessen, sich unsichtbar zu machen. Tim glaubt, er träumt.
„So kleine Füße gibt es doch gar nicht. Da veräppelt mich jemand. Wer soll das denn sein?“, überlegt der Junge. Er rennt in die Küche, wo Mutti gerade den Tisch deckt. Er packt sie am Arm und zieht sie Richtung Garten. „Mutti, Mutti, komm ganz schnell mit, ich muss dir was zeigen“, schreit Tim ganz aufgeregt.
Als Frau Steinfleck die Spuren sieht, hat sie auch keine Erklärung dafür. Also beschließt Tim eine Falle zu bauen. Er wirft über den Schweinchenkäfig ein feinmaschiges Netz und legt ein Stückchen Netz auch in den Sand. Was geschieht jetzt wohl? Dudu hat lange geschlafen und nun knurrt sein Bauch vor Hunger. Er beeilt sich zu den Meerschweinis zu kommen, die haben so leckeres Futter.
Ein Kobold kann alles essen, was es an Nahrung gibt und obwohl er so klein ist, braucht er viel, viel Essen. Er ist ein richtiger Vielfraß! Vor lauter Hunger und vor Freude auf das Essen merkt er Tims aufgebaute Falle nicht und bleibt im Netz hängen. Verdammt! Dudu macht sich unsichtbar und zappelt im Netz hin und her. Auch die Sache mit dem Wünschen nützt einem Kobold nichts, wenn er irgendwo fest hängt oder festgehalten wird. So zappelt Dudu wie ein Wilder, um sich zu befreien, aber er verheddert sich immer mehr.
Als Tim aus der Schule kommt schaut er gleich zu den Meerschweinis. Er sieht sofort, dass sich das Netz bewegt, aber er kann niemanden sehen. Mit beiden Händen versucht er das Zappelding zu fangen, doch das ist gar nicht so leicht. Plötzlich beißt etwas in Tims Hand.
„Wird ja immer schöner“, denkt Tim, „vielleicht eine Spinne?“ Aber nein, nichts ist zu sehen. Nach einer halben Stunde gelingt es ihm endlich, das zappelnde Etwas in Händen zu halten. Dieses Ding schreit dauernd: „Ich will nicht. Lass mich los.“
Sobald Tim Dudu in seinen Händen hält und ihn berührt, wird der Kobold sichtbar. Wie wird Tim wohl reagieren, wenn er Dudu sieht? Er schaut mit großen Augen und weit geöffnetem Mund Dudu an.
Er fragt erstaunt: „Was bist du denn für einer?“
Eine krächzende Stimme antwortet: „Dudu heiße ich und ich bin ein Kobold aus dem Habadu-Land. Ich wollte einfach mal sehen, wie die Menschen aussehen und leben. Immer wenn mich jemand berührt, werde ich für ihn sichtbar. Andere können mich nicht sehen. Also bist du ein Mensch, weil ich für dich sichtbar bin.“ Tim lacht und findet das Ganze irgendwie cool.
„Ich heiße Tim und wohne dort in dem Haus mit meinen Eltern zusammen.“
„Was sind denn Eltern?“, will Dudu wissen. „Vater und Mutter sind meine Eltern, aus ihnen bin ich entstanden. Jeder Mensch hat Eltern“, erklärt Tim.
„Wir wachsen an einem Geburtstagsbaum. Wir haben keine Eltern. Wenn wir reif sind, fallen wir wie Blätter vom Baum“, erzählt Dudu. „Über 2000 Kobolde leben in meinem Suma, das ist ein Stamm. Es darf kein Fremder ins Suma, nur wer hier gewachsen ist, darf hier leben“, meint Dudu.
Tim fragt: „Wollen wir Freunde sein? Wenn du willst, kannst du bei mir wohnen. Hier darf, wenn ich oder meine Eltern es erlauben, jeder wohnen, auch wenn er nicht hier geboren ist. Ich muss jetzt zur Schule. Wenn ich zurückkomme, hol ich dich ins Haus.“
Dudu zieht bei Tim ein
Tim kommt natürlich zu spät zum Unterricht. Er nennt als Grund für sein Zuspätkommen, dass er verschlafen habe. Von Dudu kann er doch nicht erzählen, obwohl er das sooo gern machen möchte.
Heute kann sich Tim nicht konzentrieren. Er denkt ständig an Dudu und beeilt sich nach Schulschluss nach Hause zu kommen. Er freut sich so sehr auf Dudu. So einen besonderen Freund hat niemand, nur er allein auf dieser Welt!
Dudu steht schon am Gartenzaun. Er hat sich genau gemerkt, wo Tim den Garten verlassen hat. Bald schon kann er Tim riechen. Er müsste also schon in der Nähe sein. Und wirklich, schon biegt Tim um die Ecke. Er läuft ganz schnell zum Tor, denn dort kann er Dudu warten sehen.
„Komm mit, Dudu, ich muss jetzt zum Mittagessen. Mama kocht ganz leckere Sachen. Heute gibt´s Milchreis mit Schoko und Zimt. Das ist meine Lieblingsspeise“, erklärt Tim seinem neuen Freund.
Als Dudu das Wort „essen“ hört, merkt er seinen leeren Magen. Er hat zwar schon etwas bei den Schweinis gegessen, aber satt machte das nicht.
„Gut, Milchreis klingt nicht schlecht“, denkt Dudu. Tim setzt sich sofort an den Tisch, weil er so hungrig ist. Dudu steht am Tellerrand und schleckt mit beiden Händen den Milchreis. Anders kann er nicht essen, denn so kleine Löffel gibt es nicht.
Im Koboldland isst man nur mit den Händen, man trinkt auch daraus. Natürlich tropft Dudu immer mal was daneben und bald sehen der Tellerrand und der Tisch recht unsauber aus.
„Was machst du heute für eine Esserei, Tim?“, sagt Frau Steinfleck wütend. Sie hat folgende Angewohnheit: Immer wenn Tim etwas falsch macht, bewegt sie ihren ausgestreckten Zeigefinger hin und her und sagt dabei: „Du-du, Tim, wenn du noch einmal dies oder das tust, dann…“
Heute kriegt Tim entsprechend zu hören: „Du-du, Tim, noch einmal so eine Fresserei und es gibt keinen Milchreis mehr.“
Dudu erschrickt fürchterlich als Tims Mutter seinen Namen nennt, weil er nun denkt, dass sie ihn auch sehen kann. Aber Tim erklärt ihm alles ganz leise. Dudu schmeckt der Milchreis und er will natürlich, dass es ihn öfter gibt. So denkt er nicht daran, mit dem Essen aufzuhören und hüpft einfach in die Mitte des Tellers. Da dürfte es ja nicht auffallen, wenn ihm etwas herunterfällt.
Dudu singt vor Freude über das leckere Essen: „Ist das gut, schmeckt das lecker, lecker, hui, hui.“
Tim findet das nicht so toll, wenn Dudu mit seinen schmutzigen Füßen in seinem Milchreis steht: „Igitt!! Dudu, so geht das nicht.
Verschwind jetzt aus meinem Essen mit deinen schmutzigen Händen und Füßen. Das ist ekelhaft.“ Tim beschließt, dass Dudu seinen eigenen Essplatz im Garten haben soll.
