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Mautkirchen ist ein kleiner Ort voller cleverer Menschen mit einem gewissen Hang zu Gaunereien. Da kann selbst eine Pandemie nicht gegenwirken. Und während die Ärztin Brunziel mit dem Ortsalchemisten Hendrik versucht, die Bevölkerung coronafrei zu halten, wissen die Ortspolitiker schon, wie sie aus den Mühen ihrer medizinischen Wunderwuzzis Profit schlagen können. Als Hendrik schließlich unverhofft einen Schnelltest entwickelt, setzt der ehemalige Bürgermeister und lokale Korruptionsexperte Fritz de Lux alles daran, dessen Patent so schnell wie möglich an einen riesigen Pharmakonzern zu verkaufen. Dass es hierfür ein wenig Schleimerei und Trickserei bedarf, stört weder de Lux als Fadenzieher hinter der ganzen Angelegenheit noch seine Marionetten.
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Seitenzahl: 64
Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhalt
Impressum 2
Vorwort 3
Kapitel 1 4
Kapitel 2 25
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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© 2022 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-635-0
ISBN e-book: 978-3-99131-636-7
Lektorat: Laura Oberdorfer
Umschlagfoto: Britta Sendlhofer
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Ernst Füreder
www.novumverlag.com
Vorwort
„Die Personen und die Handlung im Buch sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden bzw. verstorbenen Personen wären rein zufällig.“
Kapitel 1
Man schrieb den Monat Jänner 2020 und in den Medien verbreitete sich die Nachricht, dass in China ein unbekannter Virusstamm ausgebrochen war, der die Bevölkerung befiel. Diese Meldungen erreichten auch den Alchemisten Hendrik, der im Studenerhaus in Aschach wohnte und ein eher einsames Einsiedlerleben führte.
Hendrik war ein Waisenkind aus Düsseldorf. Unweit des Hafenkais befand sich ein Kinderheim, in dem er wohnte. Hendrik war gerade einmal sechs Jahre alt, als er mit seinen Freunden neben einem Frachtkahn Ball spielte. Als ein Wurf danebenging und der Ball auf eines der Schiffe fiel, lief Hendrik hinterher, um ihn zu suchen. Der Ball war in ein Unterdeck gerollt und als Hendrik ihn aufhob und wieder zu seinen Freunden zurückkehren wollte, musste er zu seinem Erstaunen feststellen, dass sich der rumänische Frachter in Bewegung gesetzt hatte und er nicht mehr zurück an Land konnte. Da sich Hendrik vor lauter Angst hinter einer Holzkiste versteckte, fand man ihn erst am nächsten Tag. Man konnte einen Gehilfen für leichtere Tätigkeiten gut gebrauchen, daher nahm man ihn einfach mit. Während der Fahrt in Richtung Schwarzes Meer legte der Frachter mehrmals an, die Flucht gelang Hendrik jedoch nicht. Man hatte ihn in seiner Koje eingesperrt. Erst in Aschach an der Donau gelang Hendrik nach sechswöchiger Schifffahrt die Flucht, am 3. August 1974. Gegen 3 Uhr morgens verließ er das Schiff und irrte planlos in Aschach herum. Als der alte Studener um 6 Uhr das Eingangstor öffnete, um die Zeitung zu holen, sah er den kleinen Jungen zusammengekauert vor der Türe sitzen. Er holte Hendrik in die Stube und gab ihm Tee. Als der Junge seine Geschichte erzählte und bei dem Gedanken an ein erneutes Leben im Heim zu weinen begann, behielt ihn der alte Studener bei sich. Er kürzte eine Kutte, die er Hendrik anzog. Kutten gab es in diesem dreistöckigen Gebäude zuhauf, denn das Studenerhaus war ein altes Benediktinerkloster des Stiftes Passau. Der Vater des alten Studeners lebte als letzter Mönch in diesem Gebäude, das er von den Passauern als Schenkung bekam. Für Alimentationszahlungen musste er jedoch selbst aufkommen. Studener erbte das Haus viele Jahre später von seinem Vater. Hendrik gefiel das Kleidungsstück sehr gut, weshalb er seit seinem sechsten Lebensjahr Kutten trug. Studener war bei Hendriks Ankunft 78 Jahre alt. Er gab ihm privaten Schulunterricht und lehrte ihn die Kräuterkunde. In einer alten Truhe im Keller befanden sich Bücher über Alchemie, Handlesen, Augendiagnostik, spätmittelalterliche Heilkunde und Hellseherei, die zwischen 150 und 500 Jahre alt waren. Hendrik vergrub sich regelrecht in jenen Büchern und konnte über die Jahre ein umfangreiches Wissen ansammeln. Er hatte viele Bewunderer, konnte er doch oft weiterhelfen, wenn Schulmediziner keinen Weg mehr wussten, andererseits zeigten sich viele auch ängstlich aufgrund seiner allumfassenden Kenntnisse. Hendrik war in der Lage, eine Brücke zwischen Schulmedizin und dem, was jahrhundertelang zuvor an medizinischem Wissen angesammelt wurde, zu bauen.
Der alte Studener war 1998 im Alter von 102 Jahren gestorben und Hendrik war ebenso in die Jahre gekommen. Er lief immer noch mit seiner braunen Kutte herum, die Kapuze tief im Gesicht. Weiße Haarsträhnen lugten unter dem Kapuzenrand hervor. Ein Mann aus einer anderen Zeit.
Das Studenerhaus hatte Hendrik beachtenswert restauriert. Eine Spirituosenbrennerei füllte den linken Raum, an der rechten Seite zierte ein 500 Jahre alter, mit Ornamenten versehener Holztram den Gästeraum. Das dahinterliegende Zimmer war mit aufgestellten Donausteinen gepflastert. Außerdem befanden sich hier jene Essenzen in eindrucksvollen Glasgebinden mit jeweils zwischen fünf und fünfzehn Litern Fassungsvermögen, mit denen Hendrik tagein, tagaus hantierte. Die Rückseite des Klostergebäudes zierten ein liebevoll bepflanzter Kräutergarten, sowie uralte Rosenstöcke, die bis zu sechs Meter in die Höhe ragten und somit die Säulen des im ersten Stock befindlichen Arkadenganges bedeckten.
Hendrik pflegte regen Kontakt zu einer gewissen Frau Dr. Brunziel aus Mautkirchen. Brunziel war praktische Ärztin und betrieb mitten im Ort Mautkirchen eine kleine Ordination. Sie schätzte das Wissen von Hendrik sehr und schickte hin und wieder Patientinnen und Patienten zu ihm, wenn sie mit ihrem eigenen Wissen am Ende war, so auch am 14. Februar 2020. Eine Frau kam auf direktem Wege von der Ordination Brunziel zu Hendrik. Sie hatte den Geschmacksinn verloren und war kurz zuvor auf Kurzurlaub in Mailand gewesen. Zu diesem Zeitpunkt war das Coronavirus in Europa offiziell noch nicht angekommen, daher hatte man sich auch noch nicht mit den Symptomen auseinandergesetzt. Und, ohne es zu wissen, befand sich in Hendriks Hexenküche vermutlich eine der ersten Coronainfizierten Europas. Hendrik holte von seinem Gläserkasten 25 in kleinen, durchsichtigen Behältnissen abgefüllte Essenzen, platzierte sie auf dem langen Tisch und nahm dann ein kleines Trinkglas aus der Schublade, welches er gut ausspülte. Die Patientin nahm nach der Begrüßung am Tisch Platz und Hendrik gab ihr von jeder Essenz eine Kostprobe, um ihren Geschmacksinn zu stimulieren. Dabei wurde das Glas lediglich vom Rest der Kostprobe entleert, nicht aber mit Wasser gereinigt. Als Hendrik die Essenz Nr. 23 auf die Essenz Nr. 18 goss, nachdem die Frau diese getrunken hatte, geschah etwas Seltsames:
Zwei glasklare Flüssigkeiten verfärbten sich beim Aufeinandertreffen violett. Hendrik führte seine Versuche fort, konnte aber den Geschmacksinn der Frau nicht wiederherstellen. Er notierte sich jedoch die beiden Nummern der Gefäße, bei denen nach der Kostprobe die Verfärbung stattfand. Die Patientin bedankte sich trotz ausbleibender Hilfe sehr herzlich und berichtete, dass sie noch am nächsten Abend nach Marokko reisen würde.
Anfang März 2020 war das Coronavirus in der italienischen Lombardei aufgrund seiner verheerenden Folgen bereits gefürchtet. Zu diesem Zeitpunkt wussten auch Dr. Brunziel und Hendrik, dass es sich bei der Patientin vor drei Wochen um eine Coronainfizierte gehandelt haben musste. Hendrik erhielt erneut die Möglichkeit, einen Infizierten auszutesten, natürlich mit Mundschutz – nun wusste man über die Ansteckungsgefahr Bescheid – und damit wurde ihm bestätigt, dass er einen sogenannten Coronaschnelltest entwickelt hatte, der über Hautberührung mit der Flüssigkeit funktionierte. Die zu Testenden tauchten eine Fingerspitze in Flüssigkeit Nr. 18, anschließend wurde Flüssigkeit Nr. 23 in dasselbe Glas geleert, bei Verfärbung wurde eine Infektion bestätigt. Sollte sich die Fingerspitze erst nach einiger Zeit verfärben, konnte von einer späteren Ansteckung ausgegangen werden. Dementsprechend deutete eine violette Fingerkuppe auch bis zu drei Monate nach der Testdurchführung noch auf eine Infektion mit dem Virus hin.
Eines Tages stattete Fritz de Lux, Mautkirchens Langzeitoberbürgermeister, Hendrik einen Besuch in Aschach ab. De Lux holte sich dort regelmäßig Parfüms für sein Heiratsinstitut in Budweis und kaufte auch schon beim alten Studener fleißig ein.
De Lux war gebürtiger Tscheche, weshalb er in seinem Bekanntenkreis stets Werbung für die böhmische Küche machte. Seine heiratswilligen Kundinnen veranstalteten in Mautkirchen regelmäßig Kochkurse für Männer. Dort wurden oftmals Partnerschaften eingegangen, welche nicht selten in Hochzeiten endeten. Fritz de Lux kassierte in solchen Fällen respektable Prämien. Hendrik hatte es vor allem De Lux zu verdanken, dass er als kleiner Junge in Österreich beim alten Studener bleiben durfte, denn dieser hatte alle seine Beziehungen als Oberbürgermeister genutzt, um Aufenthaltsbewilligungen und später die Adoption durch Studener zu ermöglichen. Dennoch, Fritz de Lux war ein sehr geschäftstüchtiges und nicht weniger kriminelles Energiebündel. Zwar war ernur
