DZ - Selim Özdogan - E-Book

DZ E-Book

Selim Özdogan

4,8

Beschreibung

Zwei Geschwister, zwei Welten: Um seiner Mutter ihren letzten Wunsch zu erfüllen, macht sich Ziggy auf die Suche nach seinem Bruder Damian. Vor Jahren hat Damian Europa mit seinen strikten Gesetzen und Überwachungssystemen verlassen und eine Heimat in der DZ gefunden, einem Land, das unter der tropischen Sonne Südostasiens ein Leben in Freiheit und grenzenlosen Zugang zu Drogen verspricht. Während Ziggy in eine Welt von Chatrooms und Onlinecommunities einer modernen Drogenszene eintaucht, um dort eine Spur von Damian zu finden, stößt sein Bruder in der DZ auf eine neuartige Substanz, die den Geist für ungekannte Wahrnehmungen und Einsichten öffnet. Rasch erkennt Damian die Macht und die Gefährlichkeit der Substanz und beschließt, in den Untergrund abzutauchen. In seinem großen neuen Roman erzählt Selim Özdogan von der schönen neuen Drogenwelt des Internet, der Suche nach dem Glück und brüchigen Utopien. Er nimmt seine Leser mit auf eine atemberaubende Reise, die hinter unsere Horizonte führt.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 494

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
4,8 (18 Bewertungen)
15
3
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Titel

Selim Özdogan

DZ

Roman

Zitate

mit diesem lächeln im gesicht

könnte man beinahe meinen

es seien drogen im spiel

oder zumindest liebe

aber das ist es nicht

Ken Yamamoto

Lass dir keinen erzählen

alles klingt immer besser

wenn sie es einem erzählen

Prezident

Start

Damian

Wir kennen hier kein Wort für Schmerz. Das glauben zumindest viele Menschen draußen. Sie stellen sich vor, dass wir vierundzwanzig Stunden am Tag selig lächeln. So ist es nicht.

Wir kennen mehr Wörter für Schmerz, als es außerhalb der DZ gibt. Adja, der Preis, den man zahlt, wenn die Euphorie zu groß war, das finstere Tal, in das man unweigerlich gelangt, wenn man zu hoch geflogen ist.

Yalsol, wenn die Gedanken zur Spirale werden, die dich immer weiter in eine paranoide Einsamkeit hineinzieht, und Kommunikation unmöglich wird.

Melko, wenn dich nichts mehr befriedigen kann und Schlaf die einzige Linderung ist.

Redop, wenn nur noch Wut dich antreibt. Oder Selbstekel dich lähmt. Manche wissen nicht, wie nah beides beieinanderliegt.

Botlok, die innere Leere bei einem Verlust, die einen schwächt und bis zur Willenlosigkeit versteinert.

Diese fünf Wörter kennt hier jeder. Dass es auch mehr Wörter für Vergnügungen und Freude gibt als außerhalb der DZ, überrascht wohl niemanden.

Ich weiß, wie das Leben draußen ist, ich habe eine Vorstellung davon, wie die Menschen in Europa uns sehen. Offiziell sind die Grenzen offen, es wäre kein Problem auszureisen. Doch ich war schon seit dreizehn Jahren nicht mehr in Europa. Warum auch? Es gibt hier alles. Und wenn du draußen in eine Kontrolle gerätst und sie dich als einen Bewohner der DZ identifizieren, gibt es nichts als Schikanen. Um Brechmittel und eine Kontrolle des Enddarms oder der Vagina kommst du dann kaum herum.

Die Grenzen sind offen. Du kannst Urlaub in der DZ machen. Doch mit diesem Stempel im Pass bekommst du nur Schwierigkeiten, es kann sein, dass du sogar deinen Job verlierst. Das nennen sie Freiheit und Demokratie.

Es kommen trotzdem Touristen hierher, Arbeiter, Selbstständige, vor allem junge Leute. Einige von ihnen sind schlecht informiert und immer wieder sterben welche, das wird dann draußen für die Propaganda genutzt. Dass bei uns wesentlich weniger übermütige Menschen sterben als in Europa, interessiert draußen nicht.

Ich war zwanzig, als ich hierhergezogen bin. Fast die Hälfte meines Lebens habe ich jetzt hier verbracht und manchmal frage ich mich, woher ich damals den Mut geholt habe. Aber ich habe ihn nicht geholt, er war einfach da. Und ich wollte nur etwas zu Ende bringen.

Ich habe viel genommen in der ersten Zeit hier, ich habe mitbekommen, wie die Namen des Schmerzes und der Freude entstanden sind, ich habe Freunde gefunden und verloren, Wege, Geld zu verdienen, und Wege, wenig Geld verdienen zu müssen. Ich bin oft umgezogen, bevor ich Zoë getroffen habe. Seit fast neun Jahren wohnen wir jetzt gemeinsam in dieser Wohnung im Deli-Viertel.

Ich habe viel gelernt über Drogen, darüber, was sie mit Menschen machen, über Kryptographie, asymmetrische Verschlüsselungsverfahren und wie man unbemerkt über eine angeblich offene Grenze kommt. Ich habe eine Nische gefunden, in der ich arbeiten und leben kann, in der wir arbeiten und leben können. Seit Zoë ist alles anders geworden. Die Wörter für Schmerz sind Wörter für Schmerz, auch wenn es noch Adja gibt und Yalsol. Es wird nicht alles gut, nie, es gibt keine fortwährende Glückseligkeit, doch mit Zoë hat sich etwas verändert. Sie ist da. Wir teilen.

In fast allen unseren Wörtern für Schmerz ist ein O. Man kommt nicht heraus. Zoë und ich waren wie zwei C, cɔ.

Bis vor drei Jahren lief alles gut. Dann verlor Zoë ihren Job, Adam, mein Partner, der die Ware aus der DZ rausgeschmuggelt hatte, wurde von der EDC gefasst, als er drei Kilo Kokain über die Grenze bringen wollte, und ich konnte niemand Neuen finden, der mir zuverlässig schien. Auch Adam war nicht zuverlässig gewesen, Kokain, damit handelten wir nicht, erst recht nicht in solchen Mengen, wir hatten vereinbart, uns auf bestimmte Substanzen zu beschränken. Das Geld wurde knapper und knapper, bis wir Supresh trafen. Von da an schien es wieder aufwärts zu gehen. Dann stand eines Tages Deckard in der Tür.

Danach sah die Welt anders aus. Als wäre ich nie auch nur annähernd so sicher gewesen, wie ich mich gefühlt hatte. Nach Deckard begann ich zu verstehen, wie wenig Ahnung ich hatte.

Ziggy

Diana blieb nicht mehr viel Zeit. Ein halbes Jahr noch, wenn sie weiterhin so stur ist, sagte der Arzt. Deutlich länger, wenn es nach ihm ginge. Doch er konnte dieses deutlich nicht näher bestimmen.

Vielleicht zwei Jahre, vielleicht vier. Vielleicht zehn, sagte er.

Zehn Jahre, dann wäre ich vierundachtzig.

Sie schüttelte den Kopf.

Nein, nein, Professor. Ich verzichte auf eine so genannte Therapie.

Sie müssen das nicht jetzt entscheiden, sagte Prof. Fehner.

Es ist schon entschieden, sagte Diana und es fühlte sich an, als würde mein Magen in eine Bodenlosigkeit sinken.

Ich sah Mutter an. Sie wirkte fast heiter.

Als wir uns verabschiedeten, sagte Prof. Fehner:

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!