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Eine heiße Liebesgeschichte mit viel Südstaatenflair
Callie Mills hatte nie vor nach New Orleans zurückzukehren. Doch als sie als Managerin im Club ihres Freundes in Colorado gefeuert wird und ihr Vater stirbt, hat sie keine andere Wahl, als sich auf den Weg nach Hause zu machen und die Bar im Herzen des French Quarter zu übernehmen. Callie will das Odyssey auf Vordermann bringen und dann verkaufen, aber der aufstrebende Musiker Declan Boudreaux macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Declan ist gut ... und er weiß es. Obwohl er eigentlich nicht der Beziehungstyp ist, scheint er sich immer mehr zu Callie hingezogen zu fühlen. Kann Declan sie dazu bringen, in der Stadt und bei ihm zu bleiben?
Der 3. Roman rund um die Boudreaux-Familie aus New Orleans
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Seitenzahl: 355
Veröffentlichungsjahr: 2017
KRISTEN PROBY
Easy Love
Ein Song für dich
Roman
Ins Deutsche übertragen von Stephanie Pannen
Callie Mills hatte nie vor, nach New Orleans zurückzukehren. Doch als ihr Vater stirbt und sie als Managerin im Club ihres Freundes in Colorado gefeuert wird, hat sie keine andere Wahl, als sich auf den Weg nach Hause zu machen und die Bar im Herzen des French Quarters zu übernehmen. Callie will das ODYSSEY auf Vordermann bringen und dann verkaufen, aber der aufstrebende Musiker Declan Boudreaux macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Declan ist gut … und er weiß es. Obwohl er eigentlich nicht der Beziehungstyp ist, scheint er sich immer mehr zu Callie hingezogen zu fühlen, und auch sie verfällt seinem lässigen Südstaatencharme. Kann Declan Callie dazu bringen, in der Stadt und bei ihm zu bleiben?
~Callie~
»Was meinst du damit, dass er sie mir hinterlassen hat?«, frage ich, lehne mich vor und schlage mit der Faust auf Bernies Schreibtisch. »Er wusste doch, dass ich sie nicht wollte!«
Bernie zuckt mit den Schultern, lehnt sich auf seinem knarrenden Bürosessel zurück und verschränkt die Arme vor seinem runden Bauch. Dann lutscht er weiter an dem Pfefferminzbonbon aus dem Glas auf seinem alten Eichenholzschreibtisch. »Das ändert nichts an der Tatsache, dass er die Bar einschließlich des Inventars dir vermacht hat, Callie.«
»Und zweifellos auch einschließlich aller Schulden«, murmle ich und fange an, meine Stirn zu massieren. »Ich habe mir ein Leben in Colorado aufgebaut, Bernie. Was soll ich tun?« Ich setze mich gerade auf, als mir eine brillante Idee kommt. »Ich verkaufe sie.«
»Tja, das ist das Problem.«
»Sag mir nicht, dass es im Testament eine Klausel gibt, laut der ich eine Jungfrau heiraten und ein Jahr lang in einem Spukschloss wohnen muss, bevor ich die Erbschaft antreten kann«, erwidere ich sarkastisch. »Das wäre sogar für Dad eine Spur zu melodramatisch.«
Bernie grinst. »Nein, nichts so Drastisches.«
»Gut.«
»Dein Vater hat in den letzten Jahren mehrfach versucht, sie zu verkaufen, wurde sie aber nicht los. An der Bar muss einiges gemacht werden, Callie.«
Ich starre ihn verwirrt an. »Er hat mir nie gesagt, dass er die Bar loswerden wollte.«
Nicht dass ich oft mit ihm gesprochen hätte.
»Er hatte nicht mal einen Interessenten.«
»Aber sie liegt mitten im French Quarter. Irgendjemand muss sie doch kaufen und renovieren wollen, um sie weiterzuvermieten oder selbst zu leiten.«
Bernie verzieht den Mund zu einem breiten Grinsen. »Vielleicht gibt es da jemanden.«
Ich kneife die Augen zusammen. »Ich werde sie nicht kaufen.«
»Nein, du erbst sie.« Er lehnt sich wieder vor und sieht mich mit seinen braunen Augen sanft an. »Ich habe deinen Vater trotz all seiner Fehler geliebt. In seinem Leben gab es drei Dinge, die ihm wichtig waren: deine Mutter, das Odyssey und du.«
Ich werde vor meinem Onkel nicht anfangen zu weinen.
»Und den Whisky hat er auch ziemlich gemocht«, werfe ich ein, aber er sieht mich nur streng an. »Onkel Bernie …«
»Du hast die letzten Jahre in Denver verbracht, diesen Club geleitet und Häuser renoviert und verkauft. Und dein Vater war wirklich sehr stolz auf dich. Aber vielleicht ist es jetzt an der Zeit, nach Hause zu kommen.«
Aber Denver ist mein Zuhause.
»Ich werde die Bar auch renovieren und verkaufen«, erwidere ich und stehe auf, um sein Büro zu verlassen. »Ich habe ein bisschen gespart.«
»Ruf mich an, wenn du mich brauchst«, ruft er mir hinterher. Ich verlasse das Gebäude und gehe zu meinem Mietwagen zurück. Als ich den Strafzettel an meiner Windschutzscheibe sehe, beginne ich, wie ein Seemann zu fluchen.
Heute ist einfach nicht mein Tag.
Während ich mich in den Verkehr einordne, ziehe ich mein Handy aus der Handtasche und rufe meinen Freund Keith an, dem das Boom gehört, ein beliebter Nachtclub in Denver, den ich zufällig leite.
»Baby«, sagt er, als er drangeht, und bringt mich damit zum Lächeln.
»Hey.«
»Kommst du schon zurück?«, fragt er. Im Hintergrund höre ich Stimmen und schaue auf die Uhr. Es ist Nachmittag. Sie bereiten den Club bestimmt gerade für heute Abend vor.
»Die Sache hat wohl einen Haken«, erwidere ich und wechsle die Spur in Richtung Odysee. »Wie sich herausgestellt hat, muss ich hier noch etwas wegen der Bar meines Vaters erledigen.«
»Wie lange wird das dauern?«, fragt er. Seine Stimme klingt ruhig, aber hart.
Wie lange wird es dauern, eine Bar zu renovieren und mit Gewinn zu verkaufen? Zu lange.
»Um ehrlich zu sein, werde ich wahrscheinlich ein paar Monate hierbleiben müssen.« Ich verziehe das Gesicht. »Aber ich kann pendeln.«
»Eigentlich wollte ich sowieso mal mit dir reden, Cal. Und jetzt ist ein ebenso guter Zeitpunkt wie jeder andere. Weißt du noch, dass ich dich letzte Woche zu einer Besprechung gebeten habe?«
»An dem Morgen, an dem mein Vater gestorben ist«, erwidere ich und will die Worte, die als Nächstes aus Keith’ Mund kommen werden, nicht hören. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine gute Nachricht ist.
»Ich glaube, es ist an der Zeit, dass du dich weiterentwickelst, Callie. Du warst eine tolle Geschäftsführerin, aber in letzter Zeit habe ich das Gefühl, dass der Club auf der Stelle tritt.«
Ich fahre auf einen Parkplatz, stelle den Motor ab und starre stur geradeaus. »Blödsinn. Du hast nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass du ein Arsch sein kannst, Keith. Das haben wir beide gemeinsam. Und in den zwei Jahren, die wir jetzt zusammen sind, waren wir immer ehrlich zueinander.«
»Du hast recht.« Er seufzt, und ich sehe praktisch vor mir, wie er seine Krawatte lockert. »Ich denke, wir sollten uns beide weiterentwickeln, Cal.«
»Du feuerst mich und machst mit mir Schluss?« Dieser Tag wird ja immer besser.
»Du bekommst natürlich eine sehr großzügige Abfindung, Callie.«
Am liebsten würde ich ihm sagen, wohin er sich das Geld stecken kann, aber so dämlich bin ich auch wieder nicht. »Warum?«
»Weil es an der Zeit ist«, erwidert er schlicht.
»Weil du nicht an ›Für immer und ewig‹ glaubst«, füge ich hinzu, als mir einfällt, wie oft er mich vor diesem speziellen Umstand gewarnt hat.
»Tut mir leid, Callie. Du bekommst ein ausgezeichnetes Empfehlungsschreiben. Und wenn du mal Hilfe brauchst, ruf einfach an. Solltest du dich entscheiden, nach New Orleans zu ziehen, lasse ich dir deine Sachen dorthin bringen.«
»Für jemanden, der gerade mit mir Schluss macht, bist du aber ziemlich nett.«
»Es gibt keinen Grund, es nicht zu sein«, entgegnet er und seufzt. »Du bist mir wichtig, Cal. Wir hatten zusammen eine großartige Zeit, und du hast in meinem Club gute Arbeit geleistet. Aber du bist für mich einfach nicht die Frau fürs Leben, und es ist an der Zeit, dass wir die Sache hinter uns lassen.«
Ich nicke und muss schlucken.
»Danke.«
Ich beende den Anruf und starre einige Minuten lang auf mein Handy. Mein Vater ist tot, ich habe gerade den Job verloren, den ich geliebt habe, und dazu noch den Mann, den zu lieben ich mir lange eingeredet habe.
Ich schätze, ich werde wohl doch bleiben.
Ich steige aus dem Wagen, stelle mich auf den Bürgersteig und starre die Fassade des Clubs an. Das Odyssey. Wenn das Innere genauso heruntergekommen aussieht, wird das ein ziemlich teures Projekt.
Ich öffne die Tür und stelle überrascht fest, dass sie nicht verschlossen ist. Plötzlich überkommen mich eine Million Erinnerungen. Der Boden wurde seit meiner Kindheit nicht aufgearbeitet. Das Holz ist noch original, muss aber repariert und abgeschliffen werden. Meine Absätze klackern, und das Geräusch hallt durch den dunklen leeren Raum. Die Tische und Stühle sind ebenfalls noch dieselben, die ich aus meiner Kindheit kenne, und die meisten sehen ziemlich wacklig aus. Die Fenster sind groß, aber trüb, was den Ort noch düsterer wirken lässt.
Die Bartheke ist riesig und erstreckt sich über eine lange Wand. Sie war schon eine Antiquität, als mein Vater sie vor dreißig Jahren kaufte, und ich stelle erfreut fest, dass sie in einem guten Zustand zu sein scheint.
Plötzlich schwingt die Tür zum Hinterzimmer auf, und Adam Spencer kommt herein. Als er mich sieht, bleibt er stehen. Er lässt seinen sexy Blick von oben nach unten über mich wandern, stellt die Weinkiste auf der Theke ab und kommt zu mir. Dann nimmt er mich in die Arme, hebt mich hoch und wirbelt mich im Kreis herum, bis mir die Luft wegbleibt.
»Du hast dich endlich entschieden, mal vorbeizuschauen, was?«, fragt er, als er mich wieder absetzt.
»Ich dachte, ich schaue mir mal an, was Dad mir hinterlassen hat.« Ich erwidere seinen Blick und zucke mit den Schultern. »Danke.«
»Wofür?«
»Dafür, dass du dich um Dad gekümmert hast. Um diese Bar.« Ich gehe ein paar Schritte, verschränke die Arme und drehe mich wieder zu ihm um. »Und um mich.«
»Du bist meine beste Freundin«, erwidert er. »Und dein Vater war gut zu mir. Immer schon.«
»Er hätte dir die Bar hinterlassen sollen.«
Adam schüttelt den Kopf. Seine braunen Augen wirken gütig, ruhig und vielleicht ein bisschen traurig. »Sie gehört dir. Und ich bin hier, um dir zu helfen, wenn du mich brauchst.«
»Du bist ein guter Freund.«
»Ich bin ein Wahnsinnsfreund«, erwidert er. »Aber erwarte nicht, dass ich dich Bosslady oder Eure Hoheit nenne.«
»Was ist mit: Sie, die immer recht hat?«
»Auf keinen Fall.«
Zum ersten Mal seit einer Woche lache ich und spüre, wie mir das Herz ein wenig leichter wird. »Ich werde hierbleiben.«
»Was ist mit Keith?«, fragt er.
Ich schüttle seufzend den Kopf, denn ich bin noch nicht bereit, darüber zu reden. »Ich werde die Bar gründlich instand setzen. Und dann vielleicht verkaufen.«
»Warum behältst du sie nicht? Du wirst dir eine goldene Nase verdienen.« Adam zwinkert mir zu. »Mit deiner Erfahrung und meinem Charme kannst du nicht verlieren.«
»Vielleicht. Ich werde es mir überlegen.« Ich fahre mit der Hand über das glatte Holz der Theke und spüre, wie mich Traurigkeit überkommt. »Dad ist weg, Adam.«
»Ich weiß.« Er streicht mir tröstend über den Rücken.
»Oben kann ich nicht bleiben.« Mein Vater hat über der Bar gewohnt, und ich bringe es einfach nicht über mich, dort einzuziehen. Zu viele schlechte Erinnerungen.
»Du kannst bei mir pennen, bis du was anderes gefunden hast.«
Ich ziehe eine Augenbraue in die Höhe.
»Ich habe ein Gästezimmer«, sagt er verteidigend.
»In Ordnung.« Ich seufze und lege meine Stirn auf meinen Arm. »Wer hätte gedacht, dass ich fünfzehn Jahre nach meinem Weggang wieder zurück kommen würde?«
»Ich bestimmt nicht. Aber jetzt bist du hier.«
»Jetzt bin ich hier.«
~Declan~
Heute Abend trete ich zum ersten Mal seit drei Monaten wieder im Odyssey auf. Es war wegen einer Renovierung geschlossen, und ich muss zugeben, dass ich es vermisst habe.
Verdammt, ich habe sie vermisst.
Und dabei kenne ich sie kaum.
Ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Normalerweise trauere ich keiner Frau lange nach. Es gibt da draußen viel zu viele davon, in allen Formen und Größen. Ich war nie der monogame Typ.
Aber ich bin auch kein Arschloch. Ich spiele immer mit offenen Karten.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich darauf freue, die temperamentvolle Besitzerin der Bar wiederzusehen. Fast genauso sehr, wie ich mich darauf freue zu sehen, was sie aus dem Odyssey gemacht hat.
Laut meinem Kumpel Adam, dem Geschäftsführer der Bar, ist die Veränderung unglaublich.
Ich trage meine Gitarre durch den Vordereingang und bemerke dabei das neue Schild und den frischen Fassadenanstrich. Als sich meine Augen an das schwächere Licht im Inneren gewöhnt haben, schnappe ich überrascht nach Luft.
Verdammte Scheiße, Adam hat nicht übertrieben.
»Hey!«, ruft er mir von der Theke aus zu. »Gut, dass du früh dran bist. Dann kann ich dich herumführen.«
»Das ist unglaublich«, sage ich und meine jedes Wort. Der Boden wurde abgeschliffen und aufpoliert und glänzt nun regelrecht. Im Raum verteilt stehen neue Tische und Stühle, und an der ebenfalls aufpolierten Theke stehen neue Barhocker.
»Das ist noch gar nichts«, erwidert Adam lächelnd. »Warte nur, bis ich dir das Dach gezeigt habe.«
»Das Dach?« Ich grinse und stelle meine Gitarre auf der Bühne ab. Dann drehe ich mich um und verschlucke fast meine Zunge, als Callie die neue Treppe am anderen Ende des Raums herunterkommt. Sie trägt wie immer ihre atemberaubend hohen Stöckelschuhe, heute in Pink. Das schlichte schwarze Tanktop betont ihre Arme und ihr Dekolleté, und die ellenlangen Beine sind dank der abgewetzten Shorts fast nackt.
Ein Blick auf Callie genügt, um zu wissen, dass es einen Gott gibt.
Und ich hoffe, dass ich sie in nicht allzu ferner Zukunft dazu bringen werde, seinen Namen zu stöhnen.
»Declan«, sagt sie.
»Callie«, erwidere ich und lächle, während sie zur Theke geht und ein Klemmbrett ablegt. »Ist hübsch geworden.«
Ihre blauen Augen leuchten glücklich auf. »Danke.«
»Ich wollte Declan gerade das Dach zeigen«, sagt Adam, doch in diesem Moment klingelt sein Handy. »Mist. Da muss ich drangehen. Führst du ihn herum, Cal?«
»Das macht sie«, antworte ich immer noch lächelnd.
Callie zuckt nur mit den Schultern. »Wie Sie sehen, haben wir neue Tische und Stühle. Die Bühne habe ich auch austauschen lassen. Sie war so alt, dass ich mich wundere, dass Sie nicht schon längst eingebrochen sind.«
»Sie hat sich wacker geschlagen«, sage ich und folge ihr, als sie vor mir die Treppe hinaufgeht. Ihr Hintern befindet sich direkt vor meinen Augen, und ich muss mich anstrengen, um nicht zu sabbern. »Ich wusste nicht, dass da oben etwas ist. Ich dachte, es wäre ein Lagerraum oder so etwas.«
»Es war die Wohnung meines Vaters«, antwortet sie. »Ich habe fast alles herausgerissen und daraus eine offene Dachterrasse gemacht. Nur die Theke ist überdacht.«
Wir betreten die beste Dachterrassenbar, die ich je gesehen habe. Und ich habe viele gesehen. Sie hat eine antike Theke gefunden, die zu der im Erdgeschoss passt, und sie ist tatsächlich überdacht. Davor steht vielleicht ein halbes Dutzend Tische und Stühle. Aber der Außenbereich ist einfach atemberaubend.
»Wow.« Ich stemme die Hände in die Hüften und sehe mich um. Sofas stehen um Gaskamine herum angeordnet. Darüber befinden sich rote, blaue und gelbe Sonnenschirme. Aber mein Blick wird magisch von der Frau angezogen, die für das alles verantwortlich ist. Ich dachte, dass ich es mir vielleicht nur eingebildet hätte, dass sie unmöglich so schön sein könnte, wie ich sie in Erinnerung hatte.
Aber nein. Sie ist wirklich so umwerfend.
»Das ist das Beste«, sagt Callie mit einem Lächeln, das ich selten an ihr sehe, und führt mich zum Geländer, um auf das Quarter zu schauen. Wir können direkt auf den Jackson Square blicken. Dort flanieren Menschen umher, essen Beignets und bummeln durch die Läden. Musik von Straßenkünstlern steigt auf und kitzelt mich in den Ohren.
Der Saxofonist vor dem Café du Monde ist verdammt gut.
Wir lehnen uns Seite an Seite vor und lassen das Quarter auf uns wirken.
»Diesen Teil hab ich vermisst.« Callies Stimme ist leise, leiser, als ich je gehört habe.
»Wie bitte?«, frage ich, ohne sie anzusehen. Doch sie versteift sich, als hätte sie das gar nicht laut aussprechen wollen.
»Das Quarter«, erwidert sie und atmet tief ein. »Die ganzen Leute.«
»Da sind echt viele«, stimme ich zu. »Es ist wunderschön, Callie. Sie werden einen Haufen Gäste haben.«
»Das hoffe ich doch«, sagt sie lachend. »Für diese Renovierung habe ich fast alle meine Ersparnisse aufgebraucht.«
»Es wird sich auszahlen.«
»Und Sie werden dabei helfen«, erwidert sie und wendet sich zum Gehen, aber ich halte sie am Ellbogen fest und drehe sie wieder zu mir um.
»Moment mal. Sind Sie gerade etwa nett zu mir?«
»Ich war doch nie gemein zu Ihnen.« Ihre Stimme ist kühl und ihr Blick noch viel kühler, was ihre Augen so verdammt blau aussehen lässt, dass ich schwören könnte, sie kämen direkt aus dem Ozean. Ihre Haut fühlt sich unter meiner Hand weich an, und ich muss an lange, schweißtreibende Nächte denken.
»Seien wir ehrlich. Ich glaube, Sie finden mich unsympathisch, und ich würde wirklich gerne den Grund dafür wissen. Eigentlich bin ich nämlich ein ziemlich netter Kerl.«
»Sie sind mir nicht unsympathisch«, beharrt sie und entzieht mir ihren Arm. Jetzt will ich sie am liebsten woanders berühren. »Ich habe nur so meine Schwierigkeiten mit Männern, die Whisky trinken. Mein Vater mochte ihn zu gern. Ich mag ihn überhaupt nicht.«
Ich wusste, dass ich einen Nerv getroffen hatte, als ich bei unserer letzten Begegnung vor drei Monaten Whisky bestellt hatte.
»Ich trinke nicht nur Whisky. Ehrlich gesagt bin ich mit Leitungswasser vollkommen zufrieden.«
Sie zieht eine Augenbraue hoch und schmunzelt dann. »Sie werden gut fürs Geschäft sein, Declan. Und dafür bin ich dankbar.«
»Das werde ich«, stimme ich zu. Ich gebe gerne zu, dass ich hier ziemlich beliebt bin. So kann ich meine Rechnungen bezahlen, und die Clubbesitzer, die mich engagieren, können das ebenfalls. »Mir haben die Auftritte hier gefehlt.«
»Wirklich?«, fragt sie und wirkt aufrichtig überrascht.
»Wirklich.«
»Das ist gut.« Sie räuspert sich, und wir gehen zurück zur Treppe. »Dann kann ich Sie ja vielleicht überreden, an den Freitagen und an den Samstagen hier zu spielen.«
Du kannst mich wahrscheinlich zu allem überreden, Süße.
Und das geht einfach nicht. Frauen sind eine tolle Ablenkung, aber mehr auch nicht.
»Samstags bin ich schon gebucht«, erwidere ich.
»Wir werden sehen«, sagt sie lächelnd und läuft auf ihren klackernden Absätzen die Stufe hinab zur Haupttheke, wo Adam seinen Anruf inzwischen beendet hat und die Bierflaschen im Kühlschrank auffüllt.
»Was denkst du?«, fragt er.
»Ich denke, du solltest besser mehr Bier kaltstellen. In zwei Stunden wird es hier proppenvoll sein.«
Gott, ich liebe Auftritte! Ich liebe alles daran: zu singen, all die Instrumente zu spielen, die Zuschauer dabei zu beobachten, wie sie tanzen oder mitsingen. Musik ist für mich wie Atmen. Sie fliegt mir einfach zu. Man bezeichnet mich als Wunderkind, aber ich weiß nicht, ob das zutrifft. Ich weiß nur, dass die Musik ein untrennbarer Teil von mir ist.
Ich stehe kurz vorm Ende meines letzten Sets, und ich hatte recht. Die Bar ist bis auf den letzten Platz besetzt, und es ist auch kaum mehr Stehplatz vorhanden. Adam und ein anderer Barkeeper, den ich noch nicht kenne, arbeiten an der Theke, und zwei Kellnerinnen kämpfen sich durch den Raum.
Callie mischt sich unter die Leute, hilft aus, wo sie kann, und arbeitet sich ganz allgemein den Hintern ab.
Wie ihr das in diesen Schuhen gelingt, ist mir ein Rätsel, und meine Schwester Charly hat einen Schuhladen. Langsam wird mir klar, dass ich dieses Geheimnis niemals ergründen werde.
Solange Frauen sie weiter tragen, ist es mir recht.
Apropos Charly, mein Blick trifft in der Menge auf ihren. Es überrascht mich nicht, dass sie mit unserem Bruder Eli und dessen Freundin Kate gekommen ist. Allerdings hat mich überrascht, dass sie jemanden mitgebracht hat.
Ich frage mich, wer dieser Kerl schon wieder ist.
Nicht dass er lange da sein wird. Charly bleibt nie lange mit jemandem zusammen. Seltsam, dass unsere Eltern fast fünf Jahrzehnte lang verheiratet waren und sich jeden einzelnen Tag davon aufrichtig geliebt haben, ihre sechs Kinder aber fast alle bindungsscheu sind.
»Habt ihr alle einen schönen Abend?«, frage ich die Menge, während ich ein wenig auf dem Klavier vor mich hin spiele. Als die Zuschauer zu jubeln und zu klatschen beginnen, grinse ich. »Ich auch. Dann wollen wir mal der Besitzerin Callie und den Mitarbeitern dieser Bar dafür danken, dass sie so wunderschön geworden ist.«
Ich sehe zu Callie, während die Gäste laut klatschen. Sie lächelt und winkt. Dann blickt sie in meine Richtung und zieht eine perfekt geschwungene Augenbraue hoch.
Gott, ich liebe ihre Keckheit.
»Außerdem würde ich gerne kurz meine Familie begrüßen, die heute Abend im Publikum ist.« Ich schaue lächelnd zu Eli, Kate und Charly hinunter. Wenn sich meine Geschwister die Zeit nehmen, zu einer Show zu kommen, nehme ich mir einen Augenblick, um ihnen zu danken. »Und hier kommt das letzte Lied des Abends. Es ist einer meiner Lieblingssongs. Danke fürs Zuhören, Freunde.«
Mühelos gehe ich in eine langsame Fassung von Adeles »Set Fire to the Rain« über. Ich liebe den Text und verliere mich in der Melodie. Als es vorüber ist, stehe ich auf, winke, verbeuge mich einmal und steige von der Bühne, um zu meiner Familie zu gehen.
»Hey«, sage ich und gebe erst Kate und dann Charly einen Kuss auf die Wange. Schließlich umarmen mein Bruder und ich uns kurz und männlich. »Danke fürs Kommen.« Dann drehe ich mich zu Charlys Begleitung um. »Und wer sind Sie?«
Charly verdreht die Augen. »Gott, du bist so ein Macho.«
»Ich bin nur ein Bruder«, korrigiere ich sie und starre den Fremden mit festem Blick an. Er ist nicht so groß wie Eli oder ich, aber das sind nur wenige. Mit einem Meter neunzig sind wir größer als die meisten. Er ist viel zu chic angezogen und wirkt wie ein Buchhalter oder ein Anwalt. Und er hat dunkelblonde Haare und helle Augen, was genau Charlys Typ entspricht. »Ich bin Declan.«
»Das ist Harrison«, sagt Charly.
»Kann ich Sie Harry nennen?«, frage ich lächelnd.
Aber Harrison erwidert das Lächeln nicht, sondern sagt nur: »Nein.«
Ich sehe zu Eli, der die Augen zusammengekniffen hat und leicht den Kopf schüttelt.
Harrison wird nicht lange bei uns sein.
»Na gut. Ich hoffe, Ihnen hat die Show gefallen.«
»Das ist normalerweise nicht meine Musik, aber Sie sind sehr talentiert«, entgegnet der unhöfliche und spießige Harrison.
Wieder sehe ich zu Eli, und innerhalb von zwei Sekunden führen wir eine komplette wortlose Unterhaltung.
Kann ich ihm eine verpassen?
Das ist es nicht wert, Mann.
»Wir müssen bald gehen«, sagt Kate mit einem Lächeln. Ihre grünen Augen wirken glücklich, während sie ihre roten Haare über die Schultern wirft und zu Eli hochsieht. »Unser Flug geht morgen ziemlich früh.«
»Wohin geht die Reise?«, frage ich.
»Nach Aruba«, antwortet Eli mit einem zufriedenen Lächeln. »Kate und ich haben uns eine Auszeit verdient.«
»Ich werde nur am Strand sitzen und lesen.«
»Unter einem Sonnenschirm«, fügt Eli hinzu und streicht über ihr Haar. »Und danach werde ich dich vernaschen.«
»Igitt«, sagt Charly und rümpft die Nase. Harrison räuspert sich nur und tritt von einem Bein aufs andere.
Er trägt Turnschuhe. Zu einem Jackett.
Wir werden ihn nicht loswerden müssen. Das erledigt der Kerl schon von ganz allein.
»Ich werde heute Abend auch nicht alt«, fügt Charly hinzu. »Ich muss morgen arbeiten.«
Ich lehne mich vor und umarme meine Schwester. Dabei flüsterte ich ihr ins Ohr: »Ich mag ihn nicht.«
»Ich auch nicht«, flüstert sie zurück und grinst mich an, als ich mich wieder aufrichte.
Gut.
Wir alle verabschieden uns, und ich gehe zur Bar. Es ist merklich leerer geworden, und jetzt sind nur noch ein paar Leute da. So wie es klingt, sind die meisten davon auf der Dachterrasse, um den kühlen Herbstabend und die Aussicht zu genießen.
Callie arbeitet allein an der Theke. Sie trägt immer noch ihre umwerfenden pinkfarbenen High Heels, hat aber Tanktop und Shorts gegen ein kurzes schwarzes Kleidchen getauscht, das an den richtigen Stellen eng anliegt.
Ihre Brüste und ihr Hintern sind toll, aber sie ist schlanker, als ich es normalerweise mag. An ihr scheint nichts Weiches zu sein, was zu ihr passt, denn Callie ist keine weiche Frau. Ich kenne sie nicht besonders gut, noch nicht, aber ich weiß, dass sie stark, kompetent und wenn nötig wehrhaft ist.
Gott, sie ist hinreißend!
Ich mache es mir auf einem Barhocker gemütlich und grinse, als sie zu mir kommt.
»Whisky?«, fragt sie mit kühlem Blick und ohne zu lächeln. Kurz nach ihrer Übernahme des Ladens hatte ich einen Whisky bestellt und gemerkt, dass ihr das missfiel.
»Wie wäre es heute Abend mit einem Tequila? Wenn Sie einen mittrinken.«
Ohne mit der Wimper zu zucken, greift sie nach zwei Schnapsgläsern und gießt die klare Flüssigkeit – das gute Zeug – ein. Dann reicht sie mir ein Glas und stößt mit mir an. »Auf einen tollen Eröffnungsabend.«
»Darauf trinke ich.«
Wir kippen unsere Drinks, dann hebt sie die Flasche an. »Noch einen?«
»Klar.«
Sie gießt mir erneut ein, sich aber nicht. »Sie trinken nicht mit?«
»Ich muss noch fahren«, erwidert sie lächelnd.
»Wo wohnen Sie?«, frage ich.
»Nicht nah genug, um zu gehen«, antwortet sie und spült ihr Glas aus. Dann stellt sie es weg.
»Sie haben wunderschöne Augen.« Ich stütze mein Kinn auf die Hand und sehe zu, wie sie geschäftig hin und her eilt. Ich bin inzwischen der Einzige an der Bar und muss zugeben, dass es mir gefällt, ihre ganze Aufmerksamkeit zu haben.
Sie schlägt verlegen den Blick nieder. »Danke.«
»Und der Rest ist auch nicht übel.«
»Gleichfalls«, sagt sie und lacht. »Sie sind fast schon lächerlich attraktiv.«
Das weckt meine Aufmerksamkeit. Nicht dass sie die nicht schon hätte.
»Sie finden mich sexy?«
Ich sagte attraktiv«, erwidert sie und verdreht die Augen.
»Okay, aber was finden Sie an mir attraktiv?« Ich leere den Tequila, den sie mir eingegossen hat, in einem Zug und stelle das Glas ab. Als sie mir mehr anbietet, schüttle ich den Kopf.
»Ich glaube kaum, dass Sie mich brauchen, um Ihr Ego zu streicheln«, sagt sie und lacht.
Es ist schon ziemlich lange her, dass jemand mein Ego gestreichelt hat. Denn jedes Mal wenn ich darüber nachdenke, jemanden mit nach Hause zu nehmen, kommt mir eine gewisse blonde Barbesitzerin in den Sinn.
Es ist lächerlich.
»Tun Sie mir den Gefallen.«
Sie seufzt und lehnt sich an die Theke, dann gleitet ihr Blick über mich. »Sie haben schöne Hände. Mir gefällt, dass Sie groß sind. Und Ihre Zähne sind sehr gerade.«
Ich starre sie einen Moment lang an, dann muss ich lachen. »Sie mögen meine Hände, meine Größe und meine Zähne.« Ich schüttle den Kopf und lache noch heftiger. »Mein Ego ist gerettet, Süße.«
Ihr Lächeln haut mich fast vom Barhocker. Himmel, sie sollte immer so lächeln!
»Sie haben ein umwerfendes Lächeln.« Ich kratze meine Nase und stütze mein Kinn wieder auf die Hand auf. »Ich würde meine Hände gern in Ihren Haaren vergraben und spüren, wie weich es ist. Und Sie haben die schärfsten Beine, die ich je gesehen habe.«
»Wie charmant«, sagt sie zurückhaltend, aber ihre Wangen sind knallrot, und ihr Lächeln ist zurück.
»Ich bin nur ehrlich.«
»Ein ehrlicher Mann ist heutzutage selten zu finden.«
»Ich würde gern mit Ihnen essen gehen, Callie.«
Sie lächelt weiter, zieht aber eine Augenbraue hoch. Dann nimmt sie sich eine Minute, um zu antworten. Dabei lässt sie mich nicht aus den Augen. Schließlich, als würde sie sich Warum eigentlich nicht? denken, sagt sie: »Sie können mich am Montag um sechs abholen.«
»Dafür muss ich wissen, wo Sie wohnen.«
»Momentan bin ich bei Adam untergekommen.«
Ich lege den Kopf schief und sehe sie skeptisch an. Adam ist ein noch größerer Casanova als ich.
»Er ist mein bester Freund.« Sie blinzelt nicht und sieht auch nicht weg, erklärt aber auch nicht mehr. Fast so, als würde sie mich herausfordern, sie zu beschuldigen, mit ihm zu schlafen, doch ich nicke nur.
»Dann bin ich am Montag um sechs bei Ihnen.«
»Seien Sie pünktlich.« Und damit verschwindet sie ans andere Ende der Theke, um einem Gast ein Bier einzuschenken.
Ich werde pünktlich sein.
Was tue ich hier? Ich benehme mich wie ein Idiot, das tue ich. Ich stehe vor dem Odyssey und warte darauf, dass Callie zumacht, damit ich sie zu ihrem Wagen begleiten kann.
Welches Jahr haben wir? 1945?
Ich lehne mich seufzend gegen das Gebäude. Nein, das hier ist das French Quarter, und es ist nachts gefährlich. Ich werde Callie so spät nicht allein zu ihrem Auto gehen lassen.
Ein paar Augenblicke später kommt sie heraus und aktiviert die Alarmanlage, dann schließt sie die Tür ab und springt fast einen Meter in die Höhe, als sie sich umdreht und mich dort stehen sieht.
»Tut mir leid. Ich wollte Sie nicht erschrecken.«
»Ich wollte schon mein Pfefferspray rausholen«, keucht sie und presst sich die Hand auf die Brust.
Gott, ich will sie aus ganz anderen Gründen zum Keuchen bringen. Die bloße Vorstellung versetzt meinen Schwanz in Alarmbereitschaft.
»Tut mir leid«, sage ich erneut und versuche, an tote Hundewelpen und Spaghetti zu denken, um meine Erektion wegzubekommen.
»Warum sind Sie hier?«
»Um Sie zu Ihrem Wagen zu begleiten«, erwidere ich und gehe neben ihr her, als sie losmarschiert.
»Das ist sehr ritterlich von Ihnen, aber das ist vollkommen unnötig.«
»Und deswegen haben Sie Pfefferspray in der Tasche.« Ich muss lachen, als sie sich ertappt auf die Lippe beißt. »Lassen Sie mich raten. Sie haben gar kein Pfefferspray, oder?«
»Ich könnte jemanden mit meinem Absatz erstechen«, schlägt sie vor, und ich kann es nicht mehr ertragen. Ich muss sie berühren, also ergreife ich ihre Hand und küsse sie.
»Sie sind hinreißend.«
»Nein. Bin ich nicht.«
Doch, ist sie.
»Okay.«
»Mein Wagen ist gleich da drüben«, sagt sie und wird schneller. Dabei versucht sie, mir ihre Hand zu entziehen, aber ich lasse sie nicht los. Noch nicht.
»Der gefällt mir.« Sie fährt einen 68er-Camaro. Scheiße, vielleicht muss ich sie sogar heiraten.
»Mir auch.«
Sie schließt die Fahrertür auf, doch bevor sie sie öffnen kann, drehe ich sie herum und beuge mich vor. Sie lehnt am Wagen, und wir sind nur Zentimeter voneinander entfernt. Ich spüre ihre Körperwärme, rieche das fruchtige Shampoo, das sie benutzt, und es schmeichelt meinem Ego enorm, als sie tief einatmet und ihre Hände auf meine Hüften legt.
Sie schiebt mich nicht weg, was ich als gutes Zeichen werte.
»Sie sind eine wunderschöne Frau, Calliope.«
»Woher kennen Sie meinen richtigen Namen?«, flüstert sie, und ihre eisblauen Augen sind auf meinen Mund gerichtet.
»Von Adam«, antworte ich.
»Dafür wird er büßen. Ich hasse diesen Namen.«
»Mir gefällt er.« Ich lehne mich weiter vor und streiche mit meiner Nasenspitze sanft über ihre Wange. Gott, ihre Wirkung auf mich ist stärker als der Tequila! »Er ist hübsch und ungewöhnlich, genau wie Sie.«
»Soll das ein Kompliment sein?«
Ich grinse. »Ja, Ma’am.«
Sie lässt ihre Hände an meinen Seiten hinauf über mein Hemd wandern und krallt sich über meinen Rippen in den Stoff, während meine linke Hand zu ihrem Hintern gleitet.
»Ich mag Ihre Größe auch, wissen Sie?«, murmle ich. »Wenn Sie diese High Heels tragen, muss ich mich nicht vorbeugen, um Sie zu erreichen.«
»Gern geschehen«, flüstert sie. Sie hält sich immer noch an mir fest, lehnt sich aber nicht zu mir vor, als ob sie darauf warten würde, was ich als Nächstes tue.
Und wenn wir nicht mitten auf der Straße wären, würde ich ihr den Verstand rausvögeln. Gleich hier.
Doch stattdessen bewege ich meine Lippen an ihrem Hals hinauf und lasse sie über ihrem Mund schweben, ohne sie zu berühren. »Wenn du mich wegschieben willst, solltest du es jetzt tun.«
Doch sie schiebt mich nicht weg. Stattdessen zieht sie mich an sich, und unsere Münder treffen sich.
Ich könnte sie die ganze Nacht küssen.
Und das werde ich.
Aber nicht heute Nacht.
Bevor ich sie noch hochhebe und mich vor den Augen Gottes und des ganzen French Quarters in ihr versenke, ziehe ich mich ein wenig zurück und lasse den Kuss etwas sanfter werden. Sie schnurrt.
Sie schnurrt.
Und dann lässt sie mein Hemd los und die Hände an meinen Seiten entlangsinken. Mit einem frechen Grinsen auf diesen vollen roten Lippen packt sie meinen Hintern, bohrt ihre Fingernägel gerade so fest hinein, dass es ein wenig wehtut, und zieht mit ihren Zähnen an meiner Unterlippe.
Ohne mich zu bewegen, sage ich: »Montag.«
Dann ziehe ich mich zurück und sehe zu, wie sie in aller Seelenruhe einsteigt und wegfährt.
Himmel, sie wird im Bett einfach eine Granate sein!
~Callie~
»Zusammen oder offen?«, frage ich Adam, als ich aus meinem Zimmer in die Küche stürme, wo es ganz schrecklich stinkt.
Adam ist schon immer ein furchtbarer Koch gewesen.
»Was du bei deiner Verabredung mit deinen Beinen anstellst, ist allein deine Sache«, erwidert er, ohne mich anzusehen.
»Zum Brüllen, Adam. Meine Haare. Soll ich sie hochstecken oder nicht?«
»Ist mir egal.«
»Schau mich an!« Ich trage noch immer ein Trägertop und Leggins, obwohl Declan in einer Viertelstunde da sein wird. Adam dreht sich vom Herd um und sieht mich skeptisch an. Sein hellbraunes Haar ist ungekämmt. Sein Oberkörper ist nackt, und er ist barfuß. Er trägt lediglich eine alte verschlissene Jeans. Ich wickle meine Haare zu einem unordentlichen Knoten zusammen, dann lasse ich sie wieder über meine Schultern fallen. »Zusammen oder offen?«
»Ähm, offen?«
»Okay, gut. Ich habe sowieso keine Zeit mehr, sie hochzustecken.« Ich laufe in mein Zimmer zurück und starre auf die sechs Kombinationen, die ich auf dem Bett ausgebreitet habe. »Denkst du, es wird ein legeres Abendessen?«, rufe ich Adam zu.
»Woher zum Teufel soll ich das wissen? Ich bin nicht derjenige, der mit Declan ausgeht.«
»Aber er ist dein Kumpel«, rufe ich zurück. Wahrscheinlich ist es am besten, den Mittelweg zu wählen, eine schwarze Caprihose und eine blaue Carmenbluse. Ich ziehe sie an und gehe in die Küche. »Zeigt die Bluse zu viel Ausschnitt?«
»Cal, wir müssen dir wirklich mal ein paar Freundinnen besorgen. Ich bin nicht qualifiziert, solche Fragen zu beantworten.«
Ich zeige Adam den Mittelfinger und gehe in mein Zimmer zurück. Dort tausche ich die blaue gegen eine ärmellose rote Bluse und kehre in die Küche zurück.
»Besser?«
»Callie, die sind beide in Ordnung.«
»Ich will nicht in Ordnung«, erwidere ich maulend. »Ich will sexy.«
»Da fragst du wirklich den Falschen. Du bist praktisch meine Schwester. Ich will nicht mit dir schlafen.«
»Ich bin froh, das zu hören«, verkünde ich flapsig und drehe mich im Kreis, damit er den tiefen Rückenausschnitt sehen kann. »Unter dem hier kann ich keinen BH tragen.«
»Du lieber Himmel, Callie«, sagt er mit gequältem Gesichtsausdruck. »Es ist die erste Verabredung. Fang doch wenigstens vollständig bekleidet an.«
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. »Willst ausgerechnet du mich darüber belehren, meine Klamotten anzulassen, Mr Ich-laufe-ständig-halb-nackt-durch-die-Wohnung?«
»Ich habe ja auch keine Verabredung.«
»Du hast nie Verabredungen.«
»Eben.«
»Ich weiß nicht mal, warum wir überhaupt noch miteinander sprechen!«, stöhne ich und stapfe in mein Zimmer zurück. Dort ziehe ich ein hellblaues Spaghettitop an und darüber eine hübsche durchsichtige Chiffonbluse. Dann gehe ich wieder zu Adam. »Das hier ist süß und nicht nuttig.«
»Ich habe auch nicht gesagt, dass das Outfit von eben nuttig ist«, erwidert er, hört aber endlich mit Schnippeln auf und mustert mich richtig. »Das ist gut.«
»Okay.« Ich führe einen kleinen Freudentanz auf und renne in mein Zimmer zurück, um meine schwarzen High Heels und meine Handtasche zu holen. Dann lege ich in der Küche meinen Schmuck an.
»Du freust dich ja ziemlich auf heute Abend«, bemerkt Adam beiläufig, während er einen unschuldigen Stangensellerie massakriert. »Was hat deine Meinung über Declan geändert?«
»Was meinst du?«
»Ich dachte, du könntest ihn nicht ausstehen, und jetzt geht ihr miteinander aus.«
»Es ist eine Weile her, dass ich mit einem einigermaßen attraktiven Typen ausgegangen bin«, erwidere ich, ohne zu verraten, dass Declan etwas an sich hat, was mich anzieht. »Ein Mädchen darf doch wohl gut aussehen wollen.«
»Tja, das tust du«, sagt er und seufzt. »Hör mal, es geht mich ja nichts an, mit wem du dich triffst. Ich mag Declan, und wir kennen uns schon eine Weile. Aber er ist auch ein ganz schöner Frauenheld. Nicht so schlimm wie ich, weil … na ja, ich eben ich bin, aber er hat praktisch jede Woche eine andere.«
Ich verschränke die Arme und grinse meinen Freund an. »Ich hab dich auch lieb. Aber ich habe nicht vor, ihn zu heiraten. Ich lasse mir von ihm nur ein Essen ausgeben.«
»Und dich vielleicht von ihm aus deiner Bluse quatschen.«
»Vielleicht.« Mein Grinsen wird breiter, als ich meine Lieblingsarmbänder von Alex and Ani überstreife. »Mal sehen.«
Es klingelt, und ich setze meine vollkommen ruhige Miene auf, als ich zur Tür gehe. Sobald ich ihn sehe, spüre ich in meinem Bauch einen Schwarm Schmetterlinge auf Speed, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auf der Oberlippe schwitze.
Das ist nicht sexy, Callie.
»Hi«, sage ich, weil mir nichts Besseres einfällt, und grinse wie ein Idiot, während ich meinen Blick über seinen großen schlanken Körper wandern lasse. Es war nicht gelogen, als ich sagte, dass ich seine Größe mag. Ich liebe es, dass er immer größer ist als ich, egal welche Schuhe ich trage. Mit meinen eins fünfundsiebzig kommt das selten genug vor.
Sein dunkles Haar ist gerade lang genug, um den Kragen seines T-Shirts zu berühren, und seine klaren grünbraunen Augen wirken so sexy, während er mich von Kopf bis Fuß mustert. Er sieht mich immer so an, und es macht mich vollkommen verrückt.
Es bringt mich dazu, ihn besteigen zu wollen, und das ist wahrscheinlich bei einer ersten Verabredung nicht angemessen.
Egal.
»Du siehst umwerfend aus«, sagt er, als er meine Hand nimmt und sie küsst. Mir läuft ein wohliger Schauer über den Arm. »Du wirst die attraktivste Frau im Stadion sein.«
»Welches Stadion?«, frage ich.
»Der Superdome«, sagt er achselzuckend. »Die Saints spielen heute, und meine Familie hat Saisonkarten.«
Ich blinzle ihn ein paar Sekunden lang nur an, bevor mein Herz wild zu schlagen beginnt.
»Du gehst mit mir zu einem Footballspiel?«
»Hasst du Football etwa?«, fragt er und verzieht das Gesicht. »Tut mir leid, wir können natürlich auch einfach in ein Restaurant gehen, wenn dir das lieber ist.«
»Ich liebe Football«, erwidere ich aufrichtig. »In Denver hatte ich auch immer Saisonkarten.«
»Perfekt.« Er sieht erleichtert über meine Schulter zu Adam und runzelt die Stirn. »Alter, du bist nackt.«
»Ich habe eine Hose an.« Adam schaut an sich hinunter und zuckt mit den Schultern. »Was ist falsch an meinem Kleidungsstil?«
»Überhaupt nichts, wenn du Christian Grey bist«, erwidere ich und verdrehe die Augen. »Bis dann.«
»Hast du wirklich vor, diese Schuhe zu tragen?«, fragt Adam. »Du gehst zu einem Footballspiel.«
»Ja, das habe ich.« Ich winke und gehe vor Declan aus der Wohnung, der hinter uns die Tür schließt und mich zu seinem Wagen führt. »Ich dachte, dass wir irgendwohin fahren, wo es ein bisschen … schicker ist.« Ich sehe ihm zu, wie er den Wagen startet und sich in den Verkehr einfädelt.
»Warum?«, fragt er und nimmt meine Hand, während er sich durch den Feierabendverkehr schlängelt. Ich starre auf unsere Hände und spiele kurz mit dem Gedanken, mich zurückzuziehen, aber seine Hand fühlt sich so verdammt gut auf meiner an, dass ich sie dort lasse.
Was schadet es schon?
»Ich weiß, aus welcher Familie du stammst, Declan.«
»Es ist eine große Familie. Schwer zu übersehen.«
Ich verdrehe die Augen und lache. »Also, Declan Boudreaux, der jüngste Spross eines Milliardärs, fährt einen Jeep?«
»Und eine schicke Barbesitzerin fährt einen 68er-Camaro.« Er lacht und drückt meine Hand. »Wir stecken wohl beide voller Überraschungen, was?«
»Ich wollte dich nicht beleidigen«, erwidere ich. »Ich war nur überrascht.«
»Die Bentleys und Maseratis überlasse ich lieber Beau und Eli.«
»Die beiden fahren Bentleys?«, frage ich und schüttle den Kopf, als er auflacht.
»Nein. Mama und Daddy hatten immer vernünftige Wagen. Ich mag meinen Jeep. Er fährt sich gut.«
»Ich mag ihn auch«, erwidere ich. Die ganze Unterhaltung ist mir inzwischen ein bisschen peinlich.
»Wie bist du denn an deinen Wagen gekommen?«, fragt er aufrichtig interessiert. »Er ist eine Schönheit.«
»Er war ein Geschenk.« Von Keith. Declan wirft mir einen Blick zu, fragt aber nicht nach. Statt den Mund zu halten, rede ich weiter. »Mein Ex hat ihn mir zu meinem letzten Geburtstag geschenkt. Ich bin bei meinem Vater aufgewachsen und war ein Einzelkind, also habe ich eine Schwäche für Oldtimer und Football.«
»Das sind wahrlich keine schlechten Dinge«, sagt Declan lächelnd. Anstatt die Augen zu verdrehen oder mir zu sagen, dass das unweiblich wäre, so wie Keith es immer getan hat, akzeptiert mich Declan, wie ich bin.
So wohl habe ich mich in der Gesellschaft eines Manns schon seit langer Zeit nicht mehr gefühlt. Ich spüre, wie meine Zurückhaltung durch Declans Anwesenheit immer mehr dahinschmilzt, und das ist gleichzeitig aufregend und beängstigend. Er ist so umgänglich und unkompliziert.
Declan ist einfach zu gut, um wahr zu sein.
Hör auf damit.
»Dein Vater hat dich also allein aufgezogen?«, fragt er, während er die Ausfahrt zum Superdome nimmt.
»Ja. Es gab nur uns beide. Meine Mutter ist gestorben, als ich acht war.« Ich zucke mit den Schultern, wie ich es immer tue, damit es so wirkt, als wäre es keine große Sache.
»Tut mir leid.«
»Es ist lange her.«
»Dadurch tut es nicht weniger weh«, murmelt er und küsst meine Hand. Er findet einen Parkplatz, doch bevor ich aussteigen kann, dreht er sich zu mir um und legt die Hand auf meine Wange. »Und es tut mir leid, dass dein Vater vor ein paar Monaten gestorben ist. Ich hatte vorher noch keine Gelegenheit, dir das zu sagen.«
Ich blinzle ihn an und bemühe mich, nicht loszuheulen. Wer ist dieser Kerl?
»Danke.«
»Einen Elternteil zu verlieren ist schlimm genug. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, beide zu verlieren.«
»Ich schlage mich ganz okay.«
»Du schlägst dich besser als ganz okay, Callie. Und darauf solltest du stolz sein.« Er lehnt sich vor und haucht einen sanften Kuss auf meine Lippen. Dann lehnt er sich breit lächelnd zurück. »Okay, dann wollen wir uns mal ein bisschen Football ansehen.«
»Bist du blind?«, brülle ich dem Schiedsrichter mit um den Mund gelegten Händen zu. »Der war im Abseits.«
»Warum feuerst du die ganze Zeit die Lions an?«, fragt Declan lachend.
»Ich bin immer für den Außenseiter«, erwidere ich und trinke einen Schluck von meinem Bier, während er mir eine Plastikschüssel mit Nachos reicht. »Lecker.«
»Siehst du? Ich hab dir ein Abendessen versprochen, und da hast du es.«
»Stimmt.« Ich nicke und kaue auf den Nachos mit Käsedip herum, ohne auch nur einen Gedanken an all die Konservierungsmittel zu verschwenden, die ich gerade in mich hineinstopfe. »Ich liebe Footballsnacks.«
»Ich auch. Wer ist deine Lieblingsmannschaft?«
»Die Seahawks.« Ich grinse und und stibitze mir einen Bissen von Declans Hotdog. Dann halte ich einen Nacho mit Dip an seine Lippen. Er nimmt ihn entgegen und leckt dabei leicht über meinen Daumen.
Ich sitze bei einem Footballspiel und habe stahlharte Brustwarzen. Das ist ja ganz was Neues.
»Ich dachte, du wärst immer für den Außenseiter?«
»In den letzten Jahren haben sie sich ganz gut geschlagen«, räume ich ein, »aber davor waren sie eine lange Zeit die Außenseiter.«
»Hast du sie schon mal live spielen sehen?«
»In Denver, aber nie in Seattle. Ich war überhaupt noch nie in Seattle, wenn ich so darüber nachdenke.«
