...eben war sie noch da! - Doris Aschenbrenner - E-Book

...eben war sie noch da! E-Book

Doris Aschenbrenner

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Beschreibung

Schonungslos ehrlich, aber auch mit einer Prise Humor berichtet Doris Aschenbrenner in dieser Echtzeit-Chronologie eindrucksvoll von ihren Operationen bis hin zu Chemotherapie, Bestrahlung und Rehabilitation.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2021

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…eben warsie noch da!

Diagnose Brustkrebs

Doris Aschenbrenner

© 2021 Doris Aschenbrenner

Umschlaggestaltung, Fotos: Doris Aschenbrenner

Lektorat, Korrektorat: Corinna Schenk

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-24366-8

Hardcover:

978-3-347-24777-2

e-Book:

978-3-347-24462-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Mein Leben vor der Erkrankung

Die Diagnose

Die Operationen

Die Chemotherapie

Die Bestrahlung

Die Rehabilitation

Der Wiedereinstieg in das neue Leben

Ende gut, alles gut?

L.E.B.E.N.

Danke

Ich glaube, es ist an der Zeit,dass ich Spuren hinterlassen möchte.

Doris Aschenbrenner, Winter 2019

für Julian

Vorwort

Das Leben geht manchmal Wege, die man nie für möglich gehalten hätte. Es gibt Wege, die hat man selbst in der Hand und dann gibt es diese, da muss man alles aus der Hand geben, damit man vielleicht irgendwann das Steuer wieder übernehmen kann. Mein Leben habe ich aus der Hand gegeben – in die der Ärzte und der Schulmedizin.

Dass ich eine starke Frau bin, war mir nicht immer, aber oft bewusst. Ich bin Doris, im Dezember 1964 geboren, Büroangestellte und Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Ich habe Krebs.

Was hat dieses, mein Leben noch mit mir vor? Ist bald Endstation oder erwartet mich noch das große, unbekannte Glück? Oder habe ich das größte Glück in meinem Leben schon erfahren und alles was jetzt kommt, ist ein einziger K(r)ampf? Werde ich daraus erwachsen und werde ich noch stärker daraus hervorgehen?

Die Diagnose Krebs ist schrecklich. Sie reißt einem den Boden unter den Füßen weg. Nichts wird mehr, wie es einmal war. Aber wie war es vor der Diagnose? Kann ich dem Schreckensgespenst Krebs etwas Positives für meine Zukunft abgewinnen?

Ich schreibe dieses Buch, um anderen Mut zu machen und auch, um mir Mut zu machen, um das Geschehene besser verarbeiten zu können.

Hierbei ist es mir sehr wichtig zu erwähnen, dass ich mit meinen Nebenwirkungen und Spätfolgen durch die Chemotherapie einfach Pech gehabt habe. Der Verlauf muss bei anderen Chemopatienten nicht identisch sein, denn jeder verträgt es anders. Chemotherapien werden auch auf die entsprechende Erkrankung und auf die körperliche Verfassung abgestimmt.

Ich habe seit dem Tag meiner Diagnose Tagebuch geführt. Es sind Momentaufnahmen, die ich größtenteils als Sprachmemos gesammelt hatte und nun zu Papier bringen werde.

Mein Leben vor der Erkrankung

In den 1970er Jahren bin ich behütet aufgewachsen, ohne Geschwister, erst in der Innenstadt Hannovers, dann in einem kleinen niedersächsischen Dorf in der Nähe von Hannover. Meine Kindheit verlief ohne große Probleme, meine Jugend war geprägt von vielen Freunden und viel Spaß, halt all das, was Jugendliche so tun: Abhängen, feiern, auf Konzerte gehen, in die Diskothek, Partys. Mein damals strenger Vater hatte aber immer ein Auge darauf, dass es nicht zu heftig wurde. Es gab Beziehungen, an die erinnere ich mich heute gerne und vielleicht auch manchmal wehmütig zurück. Erinnerungen mit liebevoller Dankbarkeit.

Eine achtjährige Beziehung war darunter, aus der eine gute Freundschaft hervorgegangen ist. Wir sind immer respektvoll miteinander umgegangen, dann ist so eine Freundschaft möglich. Mittlerweile kennen wir uns 32 Jahre.

Ende 1997 verunglückte mein Vater auf dem Weg zur Arbeit mit dem Auto. Er prallte gegen einen Baum und nach Aussage der Polizei muss er sofort tot gewesen sein. Ein Schock. Mein Vater. Kurz vor seinem 55. Geburtstag. Ein guter Autofahrer. Okay, oft etwas zu schnell unterwegs, aber immer sicher am Steuer. Ich hatte nie Bedenken, bei ihm mitzufahren. Und nun fährt er auf gerader Strecke gegen einen Baum?

Ich werde nie erfahren, was damals passiert ist. War es ein Schwächeanfall? War es etwas anderes? Aber was? Offene Fragen, die mich und meine Mutter zermürbten, aber irgendwann lässt man los, damit man besser mit der Trauer umgehen kann.

Ich liebte es, mit Freunden zusammen zu sein, ich feierte gerne, ich rauchte und ich trank auch mal einen über den Durst, am liebsten Cola-Whiskey. Eine Sportskanone war ich nie und ich ernährte mich auch des Öfteren mal von Süßigkeiten. Ich fühlte mich immer einigermaßen fit. Vielleicht mal hier und da etwas Rückenschmerzen, aber ansonsten alles easy.

Das Jahr 2000 war das Jahr voller Glück und Liebe. 1998 lernte ich einen Mann kennen und lieben, im Jahr 2000 kam unser Sohn Julian zur Welt. Es begann die schönste Zeit in meinem Leben. Zwar folgte kurz vor Julians 3. Geburtstag die endgültige Trennung vom Kindesvater, aber mein Status als Alleinerziehende machte mich nur stärker und ich genoss die Zeit mit meinem süßen Sohn. Heute ist Julian ein erwachsener, junger Mann und wir verstehen uns, wie immer schon, wunderbar. Er ist das Beste und das größte Glück, was mir im Leben passiert ist.

2013 gründete ich eine Band mit zwei Gitarristen und einem Schlagzeuger. Ich singe und spiele Bassgitarre. Wir haben öffentliche Auftritte, wir veröffentlichen CDs, wir haben einen YouTube-Kanal, wir haben eine nette Texterin gefunden. Wir komponieren eigene Songs oder covern das, wozu wir gerade Lust haben.

Es ist Sommer 2019. Gerade haben wir mit der Band einen Auftritt gehabt, den ganzen Abend haben wir gespielt. Ich fühle mich gut und gesund.

Aktuell freue ich mich auf den lang ersehnten Dänemark-Urlaub Anfang August 2019, den ich zusammen mit meinem Partner und mit meinen Freunden Caro und Sebastian – wir wohnen Tür an Tür – verbringen werde.

MEIN TAGEBUCH

Die Diagnose

Sonnabend, 29. Juni 2019

Party bei meinem Freund Frank. Das ist der, mit dem ich vor gefühlten 1.000 Jahren eine achtjährige Beziehung hatte. Frank ist heute verheiratet mit Sandra und die beiden haben einen süßen Sohn namens Marlon, mein Patenkind.

Nun ist also diese Grillparty angesagt und ich fahre mit Julian gut gelaunt dort hin. Er fährt und ich kann etwas trinken. Perfekt. Feuchtfröhlich geht es her, ein schöner Sommerabend. Irgendjemand probiert einen HulaHoop-Reifen mit Noppen aus. Wie gut, dass ich auf die Idee komme, dasselbe zu tun. Nach ein paar Versuchen klappt es noch nicht so dolle, aber der Noppenreif schnellt über meine linke Brust. Autsch. Ich zwirble mir den Reifen noch mal um meine Hüfte, das Ding schnellt erneut hoch. Auuuuaaaaaa… Da ist er wieder, dieser stechende, ziehende Schmerz in der Brust, der durch Mark und Bein geht. Mist, da stimmt ganz gewaltig etwas nicht. Gleich am Montag werde ich meinen Gynäkologen zwecks Termins anrufen. Ich fühle nichts, keine Verhärtung, keinen Knubbel. Es tut einfach nur höllisch weh.

Mittwoch, 10. Juli 2019

„Da ist eine Zyste, deswegen die Entzündung. Ich gebe Ihnen ein Antibiotikum, in 8 Tagen sehen wir uns wieder.“ Beruhigt fahre ich nach Hause. Es kann ja auch nichts anderes sein, denn ich war ja Ende März erst zur Krebsvorsorge und da war ja alles in Ordnung.

Das ist 3 ½ Monate her. Obwohl, Schmerzen in der linken Brust habe ich schon sehr lange immer mal wieder gehabt, aber es gab stets Entwarnung vom Arzt.

Also nehme ich brav das Antibiotikum und mache mir weiter keine Gedanken. Ich treffe Sebastian vorm Haus. Er sagt: „Bei meiner Mutter war das genauso und dann war es Krebs.“ Nein, nein, bei mir ist es wirklich nur eine Zyste.

Donnerstag, 18. Juli 2019

Heute ist die erneute Vorstellung beim Gynäkologen. „Haben Sie das Antibiotikum nicht regelmäßig genommen?“ Ich bin verwirrt und antworte, dass ich das natürlich getan hätte. Wieso ist er heute eigentlich so grantig? Egal, ich habe auch nicht jeden Tag gute Laune.

Das Ultraschallbild zeigt, dass das, was da vor acht Tagen war, unverändert ist. Der Arzt gibt mir nun doch eine Überweisung zum Brustzentrum für eine Biopsie.

Scheiße. Tut so etwas weh? Was ist, wenn die tatsächlich etwas finden? Ach nein, werden sie nicht. Ende März war ja noch alles in Ordnung. Ich versuche, mich nicht in irgendeine Panik hineinzusteigern, aber ich betrachte am Abend meine linke Brust. Ja, diese blöde Brustwarze hat sich verändert. Wieso sieht die jetzt so schief aus?

Und so nach unten gezogen? Hässlich. Aber das kann ja auch am Alter liegen. Vielleicht sehen die Dinger irgendwann so aus?!?

Ich rufe meine liebe Freundin Silke an, die im hiesigen Krankenhaus arbeitet. Sie fackelt nicht lange und setzt alle Hebel in Bewegung, damit ich schnell einen Termin im Brustzentrum bekomme. Und ja, sie hat einen Termin bekommen, erst mal nur zum Vorgespräch.

Montag, 22. Juli 2019

Munter fahre ich zum Gespräch, mehr passiert ja heute nicht.

Es folgt noch mal ein Ultraschall und der Chefarzt der gynäkologischen Abteilung – übrigens ein sehr, sehr netter Arzt – sagt: „Das sieht leider sehr auffällig aus.“ Nun geht mir das erste Mal richtig der Stift. Das kann doch eigentlich gar nicht sein… Er sagt weiter: „Wir machen jetzt eine Biopsie.“ Ja, jetzt bekomme ich Panik. Wie? Was? Nicht nur Vorgespräch? Hilfe! Ich habe Angst. Vorgespräch. Das hatte mir Silke also nur so gesagt, damit ich schlafen kann. Sie weiß ja um meine Angst vor Nadeln.

Ich frage sofort: „Wird das betäubt? Tut das weh?“ Die Antwort darauf beruhigt mich nicht wirklich: „Eine Betäubungsspritze wird vielleicht mehr weh tun als die Biopsie selber.“ Ich verliere die Fassung und fange an zu weinen, die Tränen laufen wie Rinnsale über meine Wangen.

Ich soll mich auf die Liege legen, eine Arzthelferin kommt hinzu. Sie ist so lieb und redet beruhigend auf mich ein, sie hält meine Hand am Kopfende, da ich meine Arme hinter den Kopf legen soll. Der Arzt setzt sich neben mich und fängt an. Ich sehe nur diese Biopsie-Nadel und habe das Gefühl, ohnmächtig zu werden. Hilfe! Ich will das nicht. Was passiert hier mit mir? Warum?

Erster Einstich. Aua. Aber nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Arzt ist sehr vorsichtig und hat eine tolle, beruhigende Art. „Sie machen das ganz toll, sie sind sehr tapfer“. Immer wieder fasele ich so etwas wie „Ich habe Angst“ und zerquetsche dabei fast die Hand der Arzthelferin, die arme Frau. Viermal wurde in meine kranke Brust gestochen, während der Gewebeentnahme merke ich das Klicken, aber es tut nicht doll weh. Dann endlich die Erlösung: „Nun haben wir es, Sie haben es geschafft und Sie haben das ganz toll gemacht.“ Ich bin dankbar für diese Worte, denn ich fühle mich wie der letzte Jammerlappen. Meine Brust wird verbunden und ich bekomme einen Termin für den darauffolgenden Freitag zwecks Besprechung. Ich hoffe, die Arzthelferin muss ihre Hand nicht behandeln lassen.

Draußen am Auto kann ich schon wieder lachen und bin glücklich, die Biopsie hinter mich gebracht zu haben. Das Unterfangen dauerte etwa 20 Minuten und ja, man überlebt es!

Mittwoch, 24. Juli 2019

Meine linke Brust sieht aus, als wenn ein Bus und hinterher noch ein Traktor mit Anhänger drüber gefahren sind. Alles lila-rot blutunterlaufen, aber keine Schmerzen. Irgendwie tue ich mir gerade selber leid. Aber es musste ja gemacht werden. Sicher ist sicher und ich weiß, alles getan zu haben, um das Merkwürdige in meiner Brust zu untersuchen. Und: Bald ist Urlaub. Ich freue mich wahnsinnig.

Freitag, 26. Juli 2019

Um 14: 30 Uhr muss ich im Krankenhaus sein. Meine Freundin Silke wird mich begleiten. Weiß sie schon mehr? Sie sitzt ja an der Quelle. Ich habe immer noch Hoffnung, dass alles gut und nur halb so wild wird. Im Krankenhaus angekommen, treffe ich mich mit ihr. Wir gehen in einen Behandlungsraum und sie nimmt mir Blut ab.

15: 00 Uhr - eine freundlich aussehende Ärztin kommt in den Raum. Aber: Ernste Miene. Sie hat eine Akte in der Hand und setzt sich vor mich. „Frau Aschenbrenner, ich habe leider keine guten Nachrichten. Sie haben Brustkrebs.“ Ich sage: „Aha, irgendwie hatte ich das befürchtet.“

Was? Wieso sage ich das? Hatte ich das wirklich befürchtet? Nee, hatte ich gar nicht. Bis zuletzt habe ichgedacht, das kann nicht sein.

Stille. Die Ärztin schweigt, ich schweige und schaue aus dem Fenster. Die Ärztin sagt sodann: „Haben Sie irgendwelche Fragen? Sie können mich alles fragen.“ Ich frage wie ferngesteuert: „Werde ich daran sterben?“ Die Ärztin: „Wir werden alles tun, damit das nicht geschieht. Die Medizin ist heute sehr weit. Es kommen eine Menge Untersuchungen auf Sie zu und es muss jetzt schnell gehen.“

Dann erzählt sie mir sehr viel, aber ich kann ihr nicht mehr folgen. Mein Kopf ist nicht mehr aufnahmebereit.

Ich höre mich sagen: „Kann ich noch in den Urlaub fahren? Am 3. August soll es losgehen.“ Die Antwort: „Nein, bitte sagen Sie alles ab. Informieren Sie Ihre Angehörigen und Ihren Arbeitgeber.“