Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Willkommen in der beschaulichen, kleinen und trotzdem, oder gerade deshalb, weltoffenen Stadt Eichstätt. Wobei das mit der Welt einzig und allein der Uni und deren multikulturellen Studenten zu verdanken ist, der gemeine Eichstätter an sich neigt in seiner etwas pensionärslastigen Stadt eher dazu, alles außerhalb seines Balkons oder jenseits des Gartenzauns als potenziell gefährlich, weil unbekannt und das Abendland in höchstem Maße destabilisierend, anzusehen. Na, ja, bei mir lagen sie gar nicht so falsch, denn, wenn ich irgendwas nach Eichstätt brachte, dann war das der gepflegte Lärm, eine noch nie gehörte Form der Musik, die hier alle bisherigen Hörgewohnheiten vollkommen auf den Kopf stellte.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 130
Veröffentlichungsjahr: 2018
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Willkommen in der beschaulichen, kleinen und trotzdem, oder gerade deshalb, weltoffenen Stadt Eichstätt.
Wobei das mit der Welt einzig und allein der Uni und deren multikulturellen Studenten zu verdanken ist, der gemeine Eichstätter an sich neigt in seiner etwas pensionärslästigen Stadt eher dazu alles außerhalb seines Balkons oder jenseits des Gartenzauns als potenziell gefährlich, weil unbekannt und das Abendland in höchstem Maße destabilisierend, anzusehen.
Auch aus diesem Grund werden Neuankömmlinge von der alteingesessenen Sausackschleifer-Bürgerschaft erst einmal als potenzielle Unruhestifter angesehen.
Na, ja, bei mir lagen sie gar nicht so falsch, denn, wenn ich irgendwas nach Eichstätt brachte, dann war das der gepflegte Lärm, in Form einer für dieses „Touristen in Radelhosen“ durchsetzte Käffchen noch nie gehörten Form der Musik, die hier alle bisherigen Hörgewohnheiten vollkommen auf den Kopf stellte. Eine Musikrichtung, die ich mit meinen Kumpanen schon 1987 enorm erfolgreich in den Ingolstädter Engelwirt einfließen ließ und damit, es lebe die Selbstüberschätzung, die „gute“ Musik in Ingolstadt ein gutes Stück weit mit etablierte, und genau das Gleiche hatte ich auch in Eichstätt vor.
Denn meines Wissens oder meiner Schätzung nach, oder wenigstens glaubte ich zu ahnen, dass dieses größtenteils verschlafene Provinzstädtchen einen riesigen musikalischen Nachholbedarf hatte, denn immer nur die gleiche Chartplürre flankiert von ein paar Abstechern in den Hard-Rock-Sumpf, das konnte auch nicht ewig so weitergehen, dachte ich, und schon war ich auf einer Mission, obwohl ich das 1993 noch nicht ahnte.
Ehrlich gesagt weiß ich immer noch nicht, warum ich jetzt schon über 20 Jahre hier bin, liegt wohl an meiner latenten Bequemlichkeit, auch egal...aber eins nach dem anderen und ab dafür...
PS 1: Nach erfolgreicher Intervention seinerseits heißt mein Freund Eumel ab sofort und in allen lizenzierten und schwarz-nachgedruckten Exemplaren Christian, klingt auch deutlich weniger halbintelligent, anders gesagt, noch eine gute Idee im Buch.
PS 2: „Ausgezogen sind fast alle gleich, man riecht nur manchmal den Unterschied.“
„Das Leben ist zu kurz um sich schlecht anzuziehen.“ (Paris Hilton)
Der Zug ist abgefahren
Kakerlake on the Run
Planetenstüberl I.
Rocco und Lasse
Geschichte
MFC I.
Suflaki oder Sirtaki
MFC II.
Kneipenalltag?
Pille und Palle
Zeit is Worn
Nebengeräusche
Crossover-Mas
Tabledancer
Nightleid
Toco in Ei
Frei in Ei
Ginger, Ale und die Band
Kurzeinwurf: Das Gegengift
Warm Water Threat
Die letzte Geschichte
Noch was…
Petrus X. Kalauer,
...oder einfach nur Petri, wie ihn alle nannten, stand vor einer für ihn schweren Entscheidung, sollte er sein gesamtes Berufsleben als kleiner Allzweckelektriker darben, was den Vorteil einer gesicherten, sogenannten Existenz hätte, wobei er das Wort Existenz an sich schon hasste, denn alle Lebewesen pflegen zu existieren, sobald sie das Licht der Welt erblicken, und man kann diese Existenz auch vor dem Ableben auf keine Art und Weise verlieren, was ist denn dann ein Existenzgründerseminar, wird einem da das Kinderkriegen erklärt oder was soll das, nichts als politische Winkelzüge, um die Menschen in das hochgelobte System des Turbokapitalismus zu pressen und nie wieder raus zu lassen... aber er schweifte ab, jedenfalls, die Alternative zu einer immer gleichen Arbeitswelt hieß Weiterbildung, eine Kneipe aufmachen oder Aussteigen.
Petri entschied sich erst mal dafür, eine neue Ausbildung in einem Bereich zu beginnen, der ihn ein wenig mehr interessierte als das, was er schon konnte und wie immer half ihm dabei der Zufall.
Nach einer weiteren durchzechten Nacht in seinem Stammlokal, natürlich dem Engelwirt, und vielen tiefgehenden Diskussionen mit seinen betrunkenen Freunden, saß er mal wieder vor der gerade geholten Morgenzeitung in seiner herrlich, friedlichen Kellerlochwohnung. Seine damalige Freundin Billy räkelte sich geschwächt auf der noch warmen Matratze, als ihm eine halbseitige Stellenanzeige in seinem Lokalblatt ins Auge fiel, Lokführer gesucht.
In großen, roten Lettern prangten diese zwei Worte über einem schnittig, schnell dahinbrausenden ICE, sah sehr gut aus, und ohne lange darüber nach zu denken, rief er die untenstehende Kontaktnummer an.
„Hallo, hier ist Petri Kalauer, ich rufe wegen Ihrer Stellenanzeige an und möchte mich hiermit dafür bewerben“, „langsam, langsam“, entgegnete ihm freundlich, aber bestimmt eine Stimme auf der anderen Seite, „wir brauchen natürlich erst mal Ihre Unterlagen und außerdem handelt es sich bei der Ausschreibung um eine Triebfahrzeugführerlehre, man kann ja nicht einfach so einen Zug steuern, das ist schon ein wenig komplizierter und dauert im besten Fall mindestens 18 Monate.“
Das hatte er in der hektischen Morgenaktion glatt übersehen, man sollte Texte wohl doch immer erst zu Ende lesen, bevor man darauf reagiert, denn etwas weiter unten standen genau diese Sätze, auch egal, „nun gut, dann mach ich eben eine Ausbildung, wo soll ich mich anmelden oder vorstellen“, entgegnete ihm Petri.
„Ich brauche erst mal einen Lebenslauf, Ihre Zeugnisse und die Bescheinigung über den erfolgreichen Abschluss einer Metall- oder Elektroausbildung, dann schauen wir uns das Ganze an und laden Sie danach eventuell zu einem Vorstellungsgespräch ein, so läuft das.“
„Alles klar, dann weiß ich Bescheid, Sie bekommen demnächst die Unterlagen, auf Wiedersehen“, erwiderte Petri dem Bahnmenschen, wobei ihm auch gleich auffiel, dass man am Telefon besser Wiederhören sagt, andererseits möchte er ja dorthin, um ihn zu sehen, insofern war es wohl doch richtig, was auch immer.
Gutgelaunt legte er auf, erzählte Billy von seinen spontanen Plänen und wurde für seine hervorragende Idee anschließend körperlich belohnt. Das mögen die Frauen eben, wenn man Pläne hat, die in irgendeiner fernen Zukunft eine deutliche Verbesserung der aktuellen Lebensumstände suggerieren, dabei ist es fast egal, ob diese zu realisieren sind oder nicht, und das wusste er, vielleicht wollte er ihr auch unterbewusst eine Freude machen, nun gut, im Endeffekt war die Freude auf beiden Seiten, mit dem einzigen Unterschied, dass er den Lebenslauf schreiben musste und die Ausbildung dann durchziehen durfte, aber das war es natürlich wert...
Noch am selben Tag schrieb er auf seiner kleinen Reiseschreibmaschine einen kurzen, aber sicherlich sehr aussagekräftigen Lebenslauf, legte ein Foto bei, machte ein paar Kopien und brachte das Gesamtwerk zur Post und ab dafür.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, ein paar Tage später erhielt er eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in München, er sollte sich um 9 Uhr im Betriebswerk 6 am Münchner Ostbahnhof einfinden.
Am Abend vor dem Gespräch traf er sich mal wieder mit seinen Kumpanen in ihrem Stammlokal, die ihn erst mal wegen der Idee auslachten, Lokführer, lächerlich, das sei doch nur ein Berufswunsch von Kindern, absolut unrealistisch und bestimmt sehr schwer zu erlernen, außerdem fand sein Vater, er solle endlich in die Audi gehen, das wäre ein vernünftiger, krisensicherer Job, nicht wieder so eine Spinnerei, doch das interessierte ihn kaum, denn er war sowieso immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, und eine völlig neue Arbeit war da genau das Richtige, außerdem hatte er einen recht beratungsresistenten Dickkopf und ließ sich nur sehr selten in seinen Entscheidungen beeinflussen, hatte in Zukunft mehr Nachteile als Vorteile, aber das ist eine andere Baustelle, eins nach dem anderen.
Den Fahrschein bekam er zugeschickt, rein in den Zug und ab nach München, am Hauptbahnhof in die S-Bahn umgestiegen, und schon war er am Ostbahnhof, jetzt musste er nur noch das ein wenig versteckte BW finden, das er über einen schmalen Trampelpfad an den Gleisen entlang auch pünktlich erreichte. Er fragte sich zur Personalabteilung durch und stand nach wenigen Minuten im Büro von Herrn Voglraider. Nach einem freundlichen Hallo der zwei Mit-Büroinsassinnen und einem kräftigen Kaffee, legte Herr Voglraider ihm auch schon den unterschriftsreifen Ausbildungsvertrag vor, kurz überflogen und schon war das Servus drunter, nur den Beginn der Tätigkeit hatte er noch nicht erfragt.
Dummerweise begann die Lehre erst in drei Wochen und man schlug ihm vor, diese Zeit doch hier im Büro als Helferlein abzusitzen, ok, für 1.500 DM brutto im Warmen die Zeit totzuschlagen, klang nicht so schlecht, und so stimmte er zu.
Wenn er gewusst hätte, was in diesen vier Wänden auf ihn zukommt, wäre er sofort schreiend davongelaufen...
Es ging schon am ersten Tag los, er trat ein, erst mal einen Kaffee, dann eine Gebäudebesichtigung, eine kurze Arbeitseinweisung und anschließend sollte er einen kleinen Stapel Akten sortieren und diesen dann im Haus verteilen. Die Tatsache, dass er sich im Gebäude hoffnungslos verlief und dementsprechend lange für seine Botengänge brauchte, verzögerten die Tätigkeit wohl viel zu wenig und bis zur Brotzeit war die gesamte Arbeit erledigt. Nach einer Rüge der beiden scheintoten Bürotippsen, er solle nicht so schnell arbeiten, begannen sie ihr unglaublich eintöniges Leben zu erzählen, bis Mittag waren beide damit fertig, jetzt war gar nichts mehr zu tun und noch drei Stunden sinnlos im Büro herumzusitzen, der blanke Horror und das schon am ersten Tag, dankeschön...
Drei Leute, original schon mehr als 20 Jahre in demselben Büro, mit demselben Schrank, Schreibtisch und wahrscheinlich auch der gleichen vertrockneten Zimmerpflanze, eingerahmt von einer dauerdudelnden, immer gut gelaunten Bayern-3-Berieselung, die Hölle auf Erden, die für diese untoten Sesselpupser erst in der völlig unverdienten Pension oder einem befreienden Herzinfarkt enden sollte, wobei, die Aufregung hielt sich mehr als offensichtlich in Grenzen, denn um Viertel nach 8, um 8 war Leidensbeginn, war der morgendliche Smalltalk beendet, mehr gab der letzte Abend bei ihnen nie her, wen wundert‘s, und seine allabendlichen Trinkgeschichten behielt er besser für sich, Alkohol und Bundesbahn passten vor dem Ende der Ausbildung für ihn nicht zusammen, jedenfalls ging es die Kollegen nichts an. Anschließend ging die alltägliche Geistesvernichtungsorgie weiter, es folgte ein ödes Dauergefasel über irgendwas in der Zeitung, um die Zeit bis zur nächsten Pause irgendwie zu überbrücken, jeden Tag, immer das Gleiche.
Die endgültige Gewissheit für Petri, niemals mehr in einem Büro zu arbeiten, dagegen war es auf der Baustelle bei minus 20 Grad, orkanartigem Seitenwind und einem Kater vom Vortag geradezu paradiesisch, das war die Erkenntnis des zum Glück nur wenige Wochen dauernden Martyriums, und so hatte dieser für ihn unerträglich gehirnlähmende Zeitraum doch noch etwas Gutes.
Ein weiterer Aspekt des Grauens waren Voglraiders Uraltwitze, welche die beiden Damen schon seit Ewigkeiten über sich ergehen lassen mussten, diese aber immer noch mit einem gequält, gespielten hysterischen Lachen würdigten. Petri kam nicht einmal annähernd ins Schmunzeln und sogar in diesen kurzen drei Wochen wiederholte sich der Bürovorsteher, in dem Glauben, den Witz noch nie erzählt zu haben, mehrfach. Das wurde Petri irgendwann zu blöd und er wies Herrn Voglraider einige Tage vor dem Ende seiner Büroexperience auf diese Tatsache hin, was bei diesem und seinen devoten Untergebenen nur Kopfschütteln und Unverständnis auslöste, er müsse ja die Stimmung nicht aufhellen und er hätte es ja nur gut gemeint und außerdem wäre Petri ja sowieso bald wieder weg und alles würde wieder seinen gewohnten Gang gehen.
Das war wohl Voglraiders erstes Widerwort seit 20 Jahren, erbärmlich, deprimierend und ausgesprochen mitleiderregend, aber Petri war es egal, die letzten Tage gingen auch irgendwie vorbei und endlich war der Monatserste da und die Ausbildung ging Gott sei Dank los.
Einwurf
Eigentlich sollte ich euch jetzt die Geschichte der 17 Monate Lokführerausbildung erzählen, aber irgendwie erscheint mir dieser damals Steuergelder vernichtende, staatseigene Betrieb nicht mehr würdig genug, über ihn etwas zu schreiben.
Nur so viel, nachdem ich sowohl bei der Rangierlok als auch bei der S-Bahn die theoretische und praktische Prüfung locker bestanden hatte, stand die Streckenlok an.
Die Theorie war kein Problem, nur bei der Praxisprüfung kam ich mit dem Prüfer, Herrn Strössner, nicht klar, und deshalb fiel ich durch und wollte die Prüfung auch auf keinen Fall wiederholen. Dummerweise bezahlte die Bundesbahn im Voraus und ich konnte nicht einfach so aufhören und man ließ mir die Wahl, ein halbes Monatsgehalt zurückzuzahlen oder bei Herrn Voglraider im Büro abzusitzen. Natürlich zahlte ich lieber und eine Stunde nach der verpassten Prüfung hatte ich alle Ausweise und Schlüssel abgegeben und war ein freier junger Mann... ein herrliches Gefühl, zur Nachahmung empfohlen…?!
PS:
Wem es aufgefallen ist, die Erzählung aus der „dritten Person“, sprich „er“, gibt‘s nicht mehr, „ich“ gefällt mir besser und was sollte das eigentlich mit Petri? Versuch gescheitert, Wolfi ist wieder da.
Nach meinem nur teilweise erfolgreichen Intermezzo in den Fängen der Deutschen Bundesbahn, war ich mal wieder gezwungen, neue Wege zu beschreiten, ist ja nie verkehrt und bringt einen immer weiter, jedenfalls weiter, als Tag für Tag und Jahr auf Jahr immer dieselben plattgewalzten Pfade der Kontinuität abzulaufen.
Natürlich ist es eine unumstößliche Realität, dass diese Pfade mit dem Vorteil gesäumt sind, mit der Zeit einen wachsenden Wohlstand anzumehren, frei nach dem Motto, man muss eine Sache nur lang genug machen, dann kann man sie irgendwann auch und wird dementsprechend dafür finanziell entlohnt. Leider fehlte mir die Geduld dafür und so hielt sich mein Wohlstand stets in engen Grenzen, wobei man Wohlstand selbstverständlich nicht nur in ökonomisch erreichten Zielen definieren sollte.
Ich weise darauf hin, dass das Wort Wohlstand jetzt noch mal kommt, das vierte Mal in den letzten 6 Zeilen, und einmal kommt es noch, es gefällt mir einfach.
Jedenfalls ging es gerade ums Geld und wie wir alle zu glauben wissen: „Geld allein macht nicht glücklich und man kann sein Brot auch ohne Wurst essen“, macht auch satt, aber für die allermeisten Mitmenschen in unserem schönen Deutschenland deutlich zu wenig.
Genug der schon tausend Mal geleierten Phrasen, zurück zum Wesentlichen, was war das noch mal... na klar, ich wollte mein psychologisches Scheitern bei der Bundesbahn schönreden und meine Flucht vom letzten soliden Arbeitsplatz für die nächsten 20 Jahre irgendwie in ein besseres Licht rücken. Auf den Weg dahin half mir kurze Zeit später meine gute, alte Freundin, die Regionalzeitung, genauer gesagt, der Bereich mit den Stellenanzeigen. Im Gegensatz zu heute war dieser Druckerzeugnisteil nur sehr dünn und man suchte entweder Billiglöhner-Teilzeit-Sklaven oder Diplomingenieure frisch von der Uni mit zehn Jahren Berufserfahrung, was wiederum kein großer Unterschied zu heute ist. Auf jeden Fall fand ich überhaupt nichts halbwegs Brauchbares und mir kam die Erinnerung an eine frühere Idee in den Gedächtnistrakt, ganz ohne Drogen eingefahren.
Ich wollte, wie jeder andere, mit möglichst wenig Aufwand maximal viel Geld verdienen und wenn ich mir den damals ständig überfüllten Engelwirt ansah, lag nichts näher, als eine eigene Kneipe zu eröffnen.
Also wechselte ich erwartungsvoll in den Immobilienteil und voilà... da stand schon was unter der Rubrik Verpachtungen. „Gaststätte in Ingolstadt, IN-Zentrum, ab sofort zu verpachten“. Verpächter war die Firma Männerbräu. Eine Brauerei dessen Bier mir noch nie besonders zusagte, aber es war wenigstens aus Ingolstadt und da ich schon damals sehr viel Wert auf Lokalkolorit legte, passte das schon. OK, es war Wochenende, demzufolge konnte ich nicht sofort anrufen, sondern durfte noch die Zeit nutzen, um mit meinen Kumpanen die Möglichkeit einer Kneipengründung durchzusprechen.
Wie nicht anders zu erwarten, waren sofort alle begeistert und ermutigten mich, selbstverständlich auch aus Eigennutz, das zu machen, was sie selber auch schon immer mal machen wollten, sich aber aus den unterschiedlichsten Gründen nie trauten. Der Hauptgrund war sicherlich bei allen der halbwegs solide Job und das relativ gute Geld, das sie in diesem verdienten, welches ihnen ein entspanntes und relativ sorgloses Leben zwischen Alkohol und Rauchschwaden ermöglichte. Das wollten sie, so lange es geht, nicht aufgeben oder riskieren, bei mir war es anders, Ich war mal wieder, eigentlich erst das zweite Mal, arbeitslos, hatte eine Menge Ideen und schon wieder Lust auf etwas völlig anderes, eine neue Herausforderung. Wie groß diese war. sollte ich aber erst in einigen Jahren so richtig mitbekommen, jedoch damals erschien mir das alles ausgesprochen einfach, ich sollte mein Hobby zum Beruf machen und dafür auch noch Geld kassieren, das konnte gar nicht schiefgehen.
