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Ich hatte ihm einmal vom Fischessen an der Ostsee erzählt, da meinte er nur, dass schmeckt mir nicht so gut. Mir war eigentlich klar, dass er eine Vorsuppe nimmt. Ich hatte einen Kloß im Hals und plötzlich keinen Appetit mehr. Aber ich überlegte einen kleinen Salat zu nehmen. Aber wenn die Blätter dann zu groß geschnitten sind, wie stopfte ich mir den dann in den Mund? Dann fällt was daneben und auf die Decke vielleicht, o je. Und mein Mund beschmiert mit Dressing. Und Vorsuppe, so wie er sie nahm, dann schwitze ich womöglich stark, denn inzwischen hatte der Oberkellner den Kamin angezündet, während er ständig zu uns herüberlächelte. Was der wohl denkt, fragte ich mich? Schwitzen ist das Schlimmste aber noch schlimmer bei einem Date, wenn ich den Löffel zum Mund führte und den dann zu weit aufreiße, um nicht zu schlürfen. Oder meine Hand zittert vor Aufregung so stark, dass ich auf dem Weg zum Mund alles verplämper.
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Seitenzahl: 178
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Für Doc Februar bis Oktober 2014 und meinen tapferen Ken
Es geht dem Spätherbst entgegen und ich kann keinen klaren Gedanken fassen.
Es ist schön und noch nachsommerlich warm draußen. Die Sonne scheint und es ist herrlich blauer Himmel mit nur ein paar kleinen bauschigen Wölkchen. Das Laub an den Bäumen färbt sich abenteuerlich bunt und rieselt langsam zu Boden.
Wenn die ersten Herbststürme kommen und der kalte Regen, dann geht alles ganz schnell, dann liegt es nass und matschig auf der Straße wie Schmierseife. Es riecht eigenartig nach Verwelkung und Pilzen, nach Astern, welche noch zuhauf blühen, und herabgefallenen Äpfeln.
Plötzlich hatte ich dieses Gefühl der Leere, keine Lust mehr auf dieses eingefahrene Leben, so wie es war und kein Ende nehmen wollte.
Wir bekamen in der letzten Woche Post vom Bauamt: »Bitte das Haus räumen«, bei Androhung von hohen Strafen. Unsere Vermieterin hatte uns vor neun Jahren einen Schwarzbau vermietet, der außerdem im Außenbereich und im Landschaftsschutzgebiet liegt. Zum Ende Oktober muss ein neues Haus gefunden werden, es ist nicht mehr viel Zeit.
Aber ich habe keine Lust mehr auf das Leben, so wie es jetzt läuft. Ich drehe mich im Kreis. Soll das nun alles sein mit 54 Jahren? Es ist so eingefahren so langweilig geworden. So kann es nicht weitergehen. Ich möchte gern eine eigene Wohnung für mich allein. So waren meine Überlegungen damals.
Nun stehe ich hier und es ist so viel passiert. Ich wollte mein Leben selbst planen und nicht vorgesetzt bekommen.
Alles ist nun anders, seit ich in der Uniklinik für Haustiere war. Mein Hund wurde damals so schwer krank, damit begann das ganze Drama.
Ja, anfangs war ich auch zufrieden, da war ich auch jünger, aber je älter ich wurde, umso unzufriedener. Mein langjähriger Lebenspartner hatte sich verändert. Oder er entwickelte sich zurück wurde träge.
Ich dagegen entwickelte mich weiter, wollte leben, reisen, Hobbys, interessante Gespräche.
Um mich herum scheinen alle zufrieden. Freuen sich auf ihr Zuhause, ihre Urlaube. Was hab ich denn noch? Er will nicht in den Urlaub nur daheim glucken, Bier trinken und eine nach der anderen qualmen. Im Garten auf und ab trotten und jammern, wie schrecklich alles ist, wie stressig mit seinem Geschäftspartner, welcher ihn ständig übers Ohr haut. Das meiste Geld einsackt, ihm nur ein Minimum von den Einnahmen auszahlt. Dabei ist er selbst nicht besser, steckt sich doch auch den größten Teil in die eigene Tasche.
Ich kann diese Jammerei nicht mehr hören, die zieht mich mit herunter. Gerade wo ich nicht mehr weiß, wie es weitergeht, wo ich im Stadium der Selbstfindung bin.
Ich will nicht nur zu Hause sein, mich um den Haushalt kümmern, die Tiere. Oder für die Firma Schreibarbeiten erledigen. Zweimal die Woche aushelfen in der Boutique in der Stadt. Und wenn ich dort mal länger arbeite, weil ich unter Leuten bin und es mir auch Spaß macht mit den schönen Sachen, ruft er an und fragt: »Wo bist du denn? Hol mich mal ab.«
Er hat es nie geschafft, die Fahrerlaubnis zu machen. Sei es aus Zeitmangel oder wegen Geldproblemen, egal. Immer war etwas, das ihn daran hinderte.
Obwohl man so viel mehr Geld zur Verfügung hatte als andere. Er hatte es einfach nicht geschafft, seine Rechnungen zu bezahlen. Finanzamt, Steuerberater, Krankenkasse, alle wollen Geld. Er jammert rum und zahlt nicht. Und will ich was überweisen, gibt es Theater.
Ich will endlich wieder mein Ding machen. So wie es früher war. Da war ich mein eigener Herr. War zwar nicht immer glücklich, so ab und zu allein mit Kind, aber ich hatte meinen Verdienst, ging Vollzeit arbeiten und teilte mir alles so ein, dass es immer reichte. Hatte keine Schulden. Keine blöden Kreditkarten, die einen so herunterziehen. Aber wenn es eng wurde in der Firma, schnell noch eine beantragt und noch eine, die schmeißen sie einem doch hinterher. Und will man eine größere Anschaffung machen, neues Auto oder Haus, dann steht alles schwarz auf weiß, jede Karte mit Kreditrahmen, im Kreditreform-Konto. Und schon kannst du einpacken.
Das will ich nicht mehr, will eigentlich gar nichts mehr. Mein Kopf ist leer, ich stehe hier oben auf dem Dach des Hochhauses, schaue hinunter auf die Menschen, welche zu mir hinaufblicken.
Ich denke an all die Sachen, welche ich nicht mehr will und kann. Die Kinder sind groß, das Enkelkind auch fast, und dann ist da noch Max, der Kleine. Und die sind bestimmt traurig, wenn mir was passiert und ich nicht mehr da bin.
Ich kann aber nicht mehr lustig sein, immer lachen. Und in mir ist ein schwarzes Loch. Ob ich nun mit meinem Korb durch den Wald laufe und Pilze suche oder shoppen gehe oder im Fitnessstudio mit den vielen Weibern Sport mache. Ich könnte nur noch heulen. Bin unglücklich. Will mich nicht mehr verstellen. Bin eben jede Minute traurig. Liege nachts im Bett heule leise in mein Kissen. Und am Tage geht’s plötzlich los, aus heiterem Himmel fange ich an zu heulen.
Viele um mich herum sind glücklich. Ich nicht.
Ich hab echt keinen Bock mehr. Da könnt ihr, die hinter mir stehen und mich versuchen zu bewegen, vom Dach herunterzukommen, auch nicht mehr helfen.
Nachts ging nichts mehr, keine Ruhe. Der Hund saß in seinem Sessel, sprang wieder auf, japste nach Luft, hustete. Ich öffnete das Fenster, ging mit ihm nach draußen, stellte eine Schale mit Wasser auf, aber es war nichts zu machen. Da mein Freund und ich noch in einem Bett schliefen, war an Ausruhen nicht zu denken. Er war müde, ich war müde. Keiner wollte ständig aufstehen und in den Garten gehen. Bis ich mich dann erbarmte.
Meine Zeit, ins Bett zu gehen, war immer erst um 23 oder 24 Uhr. So fiel es mir immer besonders schwer, kaum rein, gleich wieder raus, um mit dem Hund zu gehen.
Als wir am nächsten Tag vor dem Fernseher saßen, wie all die 23 Jahre, und der Hund japsend zu mir kam, da meinte ich nach einer Woche der Qual für das arme Tier: »Also wenn du jetzt nicht zum Tierarzt fährst, dann fahre ich morgen früh, ich bin ja zu Hause.«
Er regte sich wieder auf wegen des Geldes und maulte: »Ich hab so die Schnauze voll von dem Gezeter von ihm.«
Er wollte, dass ich in seiner Firma als Schreibkraft anfing zu arbeiten. Er zahlte mir keinen Lohn. Es ging ja alles auf mein Konto, auch die Firmeneinnahmen, da sein Konto damals aufgelöst wurde, weil er den Kredit unregelmäßig zurückzahlte. Nun stecke ich in der Scheiße. Wir haben ein Konto, auf das sein Geld fließt, und an mich zahlt er erst gar nicht, da er der Meinung ist, er bezahle sowieso alles. Da ist es eh egal. Ich hab nur durch meine popeligen Nebenjobs etwas Geld, und das bringe ich in die Wohnung ein und den Garten. Davon zahle ich Kredite für den Computer, den neuen, modernen, riesigen Flachbildfernseher, die schöne neue Eckgarnitur fürs Wohnzimmer. Überhaupt alles für ein gemütliches Zuhause.
Seine Familie hält da zu ihm.
Wenn ich mich aufrege, dass ich endlich wieder voll arbeiten will, dann meinen die, ich gebe zu viel Geld aus. Ich fahre nicht in den Urlaub, nichts, es gibt immer Theater, wenn ich mal sechs Tage im Jahr buche, von wegen der Junge muss doch arbeiten.
Wir gehen nicht mehr weg. Gar nichts. Nicht schön essen, nichts. Nur die blöden Besuche bei den Eltern und der Familie, bei den alten Leuten, da ist es schön, Mama kocht. Und die machen einem noch Vorschriften, mach dies, mach das, such dir eine neue Krankenversicherung, schließ am besten drei Bausparverträge ab, Lebensversicherung, Unfallversicherung, neues Auto, neues Haus … bla, bla.
Mir steht es bis sonst wo. Kann das Vorschriftenmachen nicht ertragen. Ich bin alt genug und ihr Sohn auch. Aber er wird leider seinem Alten immer ähnlicher. Sieht auch schon so aus wie sein Vater: hängende Schultern, Rundrücken, schleppender Gang. Manchmal werde ich richtig wütend, wenn ich sehe, wie er in dem Alter schon ist. Wie soll das erst in zehn Jahren werden? Das tue ich mir nicht an.
Aber wie rauskommen aus der Misere? Ich hab die blöden Kreditkarten am Hals, die laufen alle auf meinen Namen. Da er ja einen Schufa-Eintrag hat wegen des damaligen unregelmäßig abbezahlten Kredites. Dann gibt es nichts mehr, keinen Pfennig. Nicht mal eine neue Wohnung, geschweige denn ein Haus. Da kann der Steuerberater Abschlüsse vorziehen, Lohnabrechnungen türken. Es hilft nichts, wenn dort eben eine negative Auskunft steht.
So, nun sitzt man da, denke ich, und wir müssen aus dem Haus raus wegen des Naturschutzes und der ganzen Sachen. Ja, mir steht es bis sonst wo. Will endlich raus aus der Misere.
Meine Kinder glauben immer, alles ist gut so. Mama geht es super, die interessiert es doch wenig, haben doch eigentlich mit sich genug zu tun. Die Tochter hat einen reichen Mann, ist in eine schicke Villa gezogen. Der Sohn dümpelt in seiner Wohnung, weiß noch nicht so recht, was er mit seinem Leben anstellen soll. Mit Freundin und so. Er ist attraktiv, aber er denkt, er ist zu speziell. Die Mädchen heutzutage wollen vielleicht dumme Jungen mit Spiegelbrille und fettem Portemonnaie und dickem weißem Daimler vor der Tür. Da bin ich den Kindern auch wurst.
Ich kümmere mich um meine Mutter, muss ich wegen der Pflegestufe. Und eben der Demenz, welche schleichend daherkommt. Ich muss mich kümmern, sonst käme sie in betreutes Wohnen. Sie will alleine, aber das geht nicht mehr. War sogar schon vor Gericht wegen Entmündigung. Aber wir versprachen, nun die Sache in die Hand zu nehmen, so hatte sie noch mal Glück und blieb eben in ihrer Wohnung.
Das Wochenende mit dem kranken Hund ging vorbei zum Glück, es war langweilig wie immer. Kein Spaziergang mit dem Hund, überhaupt einfach nichts gemacht. Nur fern glotzen und blöde Bild-Zeitung lesen.
Ich saß verbiestert im Garten und starrte auf den Wildwuchs ringsumher. Der Garten war früher immer wirklich schön, zwar auch nicht so ordentlich und akkurat, aber es war ein asiatischer Garten mit Schilf und großen, im Herbst rot gefärbten Fächerahornbäumen. Mit tollen chinesischen Terrakottalaternen. Auf diesen bildete sich im Laufe der Jahre schönes Moos, es sah einfach toll aus.
Eines Tages hatte mein Freund alles abgekratzt. Das machte mich wirklich sauer. Er hatte einfach keinen Stil. Aber woher soll das auch kommen. Denn seine Eltern haben ja noch wie zu DDR-Zeiten riesige vollgestopfte Schrankwände in jedem Zimmer, so wie auch in jedem Zimmer ein Fernseher steht. Einfach schrecklich. So will ich nicht enden. In so einer Betonbude mit drei Zimmern. Und Blumenampel mit schnell rankender Pflanze an der Wand. Und alle drei Jahre wird über die Raufasertapete übergemalert. Weiß, versteht sich. Alle fünf Jahre neuer Spannteppich, schön billig. In der Küche steht immer irgendein Topf mit gekochten Sachen.
Nee, ich will nicht so enden. Aber er denkt, mir gefällt das Leben so, denn all die Jahre fand ich es doch gut so. Wollte immer meine Ruhe. 23 Jahre Ruhe – oje. Da bin ich aber wirklich ausgeruht und habe keine Freunde mehr. Nur noch nette Bekannte in der Boutique, wo ich helfe, meine alten Leute, denen ich im Haushalt helfe alle zwei Wochen, oder meine Weiber im Fitnessstudio. Aber richtige Freunde so wie damals meine beste Freundin, mit der ich durch dick und dünn gegangen bin, mit der ich so viel erlebt hab in der Jugend, nein, alle weg. Weil ich mich einfach nicht mehr gemeldet hab.
Ich habe sie vor fünf Jahren mal getroffen. Sie sah immer besser aus als ich. Schöne blaue Augen, hübsches Gesicht. Alle Männer wollten immer sie, ich war immer das Anhängsel. Vielleicht lag es auch an ihrer riesigen Oberweite, da glotzen die Doofis doch immer als Erstes hin.
Ich war eigentlich immer ein bisschen neidisch auf sie. Aber ich war froh, dass sie da war. Immer wenn es mir schlecht ging, hatte sie ein offenes Ohr für mich. Ich konnte kommen, wann ich wollte, immer war sie da und hat sich meine Sorgen angehört.
Und wer ist jetzt da? Gerade jetzt, wo ich jemanden zum Reden brauche.
Mein Sohn sagt: »Geh zum Psycho-Doktor, der hilft.« Was soll ich dem erzählen? Der kennt mich nicht. Soll ich dem 54 Jahre Lebensgeschichte vorsäuseln? Da schläft der doch ein, bevor der mir hilft. Was soll der auch machen? Ich hab es einfach verpasst, den Absprung nicht geschafft. Hätte mir eigene Arbeit suchen und nicht in seiner Firma anfangen sollen. Ohne Lohn. Mist.
Es ist nun erst mal wichtig, ein neues Haus zu finden. Ich brauche eine Basis. Wenn es denn mal klappt mit dem blöden Schufa-Eintrag. Wenn der Hund nicht mehr ist, dann gibt es auch keinen Grund mehr, zu Hause zu bleiben. Das hat er sich damals auch so schön gedacht, wollte einen Hund, denn ich bin ja zu Hause, da ich nur dreimal die Woche die Nebenjobs mache.
Der Hund ist noch da, aber wer weiß, wie lange noch, so mies wie es ihm geht. Aber mein Freund glotzt schon wieder nach einem neuen Hund, da er ja auch einen neuen riesigen Garten haben will. Und wer bewirtschaftet den? Ich oder was? Nein, keine Lust, ständig mit schwarzen oder abgebrochenen kurzen Fingernägeln umherzulaufen. Das ist echt mein Untergang.
Seine Eltern meinten: Wenn ihr dann einen großen Garten habt, dann können wir ja unsere Gemüsebeete anlegen und ihr bekommt dann immer was ab.« Na super.
Ich denke, im Moment wünsche ich mir nur eine Wohnung, in welcher ich meine Ruhe finde. Und einen Mann, der mich auch mal in den Arm nimmt. Oder zu mir sagt: »Schatz, am Wochenende gehen wir mal ins Theater, oder wir fahren einfach so umher.« Keine Meckerei wegen Spritverschwendung oder anderem.
Ich wünsche mir einfach einen lieben Mann zum Anlehnen. Ist das zu viel verlangt? Es gibt doch genug, nur wo finden? Mein Sohn sagt immer: »Geh ins Internet, da findest du das Richtige. Da gibt es Seiten, wo nicht nur junge Leute jemanden suchen, sondern auch Leute mit Herz und Verstand vor allem. Leute, die es ernst meinen, auch Studierte und Intellektuelle, mit denen du dich auch mal über Kunst, Kultur und Theater unterhalten kannst.«
Mit meinem Freund ging das in 23 Jahren nicht, er war und ist eben einfach gestrickt. Wir haben uns auch immer gut verstanden und haben viel gelacht, aber die Liebe ist auf der Strecke geblieben und kommt nicht mehr wieder. Nun ist da nichts mehr und ich denke, wenn es mal vorbei ist, bin ich auch auf irgendeine Art traurig, weil er dann total fertig wäre und nichts mehr verstehen könnte.
Aber sieben Jahre keinen Sex, das sagt doch alles aus. Ich hab auch keinen Bock mehr, weil er auch immer so unangenehm riecht. Nach der Arbeit waschen macht er nicht gern, nur die Hände, wenn überhaupt. Wenigstens Zähne werden geputzt. Aber durch sein Ketterauchen stinkt er aus dem Mund oder riecht nach Bier wie eine Kneipe. Socken wechseln – Fehlanzeige. Er stinkt mir eigentlich mächtig.
Ich wünschte, er würde eine Frau kennenlernen, dann wäre alles einfacher. Oder ich einen älteren Mann. Mit jüngeren geht das gar nicht mehr. Die haben heutzutage andere Interessen. Wollen ihre Unabhängigkeit behalten. Aber trotzdem noch eine Freundin haben.
Forscher aus Israel haben vorausgesagt, dass in 100 Jahren feste Partnerschaften out sind. Egal welchen Alters, es wird immer wieder der Partner gewechselt. Hochzeiten sind dann wohl Vergangenheit. Und wenn ich mir den Trend anschaue, wir arbeiten darauf zu. Es gibt zu viele Singles. Die wollen zwar nicht alleine sein, aber da sind ja noch Freunde und Bekannte, das reicht auch. Mit denen kann man etwas unternehmen und gelegentlich findet sich jemand, um Sex zu haben. So ist das heutzutage.
Wenn sich doch noch Dumme finden, die denken, die große Liebe und Hochzeit, Kind und Haus, Hund und Sport, Urlaub mal mit Freunden, dann ist bald die Luft raus, weil der Alltag und die Monotonie alles kaputt machen. Nach dem Kind oder den Kindern ist die Liebe eben nicht mehr so wie früher. Dann schaut sich jeder schon mal nach was anderem um. Oder will mal alleine in den Urlaub plötzlich. Oder die Kinder werden bei den Eltern abgegeben. Ständig verhätschelt und verwöhnt von den Omas und Opas der alten Generation.
Die jungen Opas und Omas sind da schon anders, stehen meistens auch noch im Berufsleben, auch nach der Rente verdienen sie sich noch was dazu. Wer weiß, wie es mal wird mit der Rente später. Dann wollen die eben am Wochenende auch ihre Ruhe haben, relaxen und nicht die gestressten Ritalin-Kinder am Hals haben. Ist leider so, denn was haben die Kinder heute noch für Werte? Und die Vielzahl der Kinder ist nun mal nicht in Ärzte- und Künstlerhaushalten groß geworden. Werte sind für die Smartphone und Internet. Rumtreiben bis in die Puppen.
In den anderen Haushalten geht man auf die Musikschule, wird gefördert, geht in den Kunstzirkel, zum Ballett, Reiten oder hat gar ein eigenes Pferd.
Man lernt eine dritte Sprache, denn Englisch ist ja eigentlich schon Norm, so lernt das Kind eben Spanisch, weil dort ein Haus im Sommer bewohnt wird.
So was können die Eltern aus normalen Haushalten ihren Kindern kaum bieten. Da wird die Miete bezahlt meist 700 bis 1000 Euro, oder auf Urlaub gespart. Neues Auto, vielleicht Kleinwagen. Schon ist die Kohle verbraucht.
Ist man alleinstehend, ist es noch schwieriger. Wie schafft es ein Alleinstehender mit 1300 Euro, sich dies alles zu leisten? Energie, GEZ und Telefon, Versicherungen? Ist alles so weit gekommen im Alltag, dann geht es in die Brüche, nur selten gibt es noch die wahre, große Liebe, die 50 Jahre oder länger hält. Meist gehen die Männer, weil eben der Alltag auch die Frauen schneller unattraktiv macht.
Schön sein, Nagelstudio, Designklamotten, Friseur – welche Frau macht das nach 25 Jahren Ehe noch regelmäßig, frag ich mich? Und wenn, dann nicht, um ihrem Hängebauchschwein von Mann zu gefallen. Im Fitnessstudio rennen entweder ganz junge oder eben die alten Frauen rum, die dann erzählen, dass sie mit ihren alternden Freundinnen am Wochenende ins Kino laufen, weil ihre Liebsten dickbäuchig zu Hause glucken und in die Glotze starren, Politik oder Sport.
Soll das alles sein? Oder alleinstehende gut aussehende grauhaarige ältere Männer, die eben keine Frau mehr haben, weil sie die Zetereien und blöden Bemutterungen und das Gequatsche über Essenkochen satt haben. Die wollen dann meist was Jüngeres. Ich hab festgestellt, dass Männer so um die 60 sich gern mal was so knapp um die 30 suchen. Aber nicht zum Heiraten. Nein, zum Umherfahren und Urlaub-machen, zum Verwöhnen und Kaffeetrinken und Geschenkemachen. Zum Lachen und um sich an der schönen und faltenfreien jungen Frau zu erfreuen.
Eigentlich gemein, denn viele sind leider noch verheiratet und machen so was trotzdem. Leider mehr Männer als Frauen. Männer, so heißt es, sind eben im Alter attraktiver, Frauen nur alt. Ab 50 ist der Lack ab. Seht ihr eine Frau die mit 50 noch super aussieht, die verheiratet ist? Nein, nicht die Promis, sondern die normalen verheirateten Hausfrauen um die 50 mit Enkel und Haustieren. Gibt es nicht.
Wenn ich nun sage: »Ich lass mir mal Falten wegspritzen«, was nun jeder Hautarzt machen kann, dann tun die alten Weiber so, als wäre es ein Verbrechen. Nein, die sollen doch in Würde altern, die alten Schreckschrauben, und sich über Kochrezepte und billige Discounter unterhalten. Da war es billig und da war es billig. Das Enkelkind braucht dies und das und am besten noch mit Sohn oder Tochter in den Urlaub, auch wenn die schon über 40 sind. Denn Mama muss die ja unter Kontrolle haben.
Ich werde was unternehmen, um nicht so zu enden. Mit einem alten Mann, den man nicht mehr liebt und der sich gehen lässt, weil er denkt, die Olle sucht sich eh keinen anderen. Es-gibt-keinen-Besserenals-mich-Gequatsche.
Morgen fahre ich mit dem Hund in die Klinik, denn es wird schlimmer mit den Röcheleien, das geht nun schon zwei Wochen so. Nachts nicht schlafen, neben mir stinkt und schnarcht einer so extrem, dass ich nicht zur Ruhe komme, und der arme Hund läuft umher, hustet und japst nach Luft. Dieses Schnarchen ist so schlimm geworden durch das Ketterauchen, eine Art Fiepen und Grunzen eine Mischung aus beidem. Dann plötzlich Ruhe, und dann geht es richtig los in meine Richtung.
Blöde Schwiegermutter sagt immer: »Kauf doch Ohropax« oder »Das ist eben mal so, aber Papa kann nicht alleine schlafen. Das gehört sich nicht nach so vielen Jahren Ehe.« Dabei haben die sich so in der Wolle, und wäre Papa, wie sie ihn immer betitelt, jünger, wäre er schon verschwunden.
Im Sommer immer in ihrem kleinen Ferienhaus am See. Kleiner DDR-Bungalow mit 150 Quadratmeter Garten. Vollgestopft mit Büschen und Gemüse, da kann keiner einen Schritt machen, ohne dass gleich gerufen wird: »Pass aber auf, was da gepflanzt ist.« Da läuft es sich wie im Minenfeld. Einfach schlimm.
Aber die große Terrasse, da wird immer gegrillt an den Wochenenden. Schön billige Steakscheiben oder doofe ungesunde Bratwürste extra fett. Kartoffelsalat und der gute alte gemischte Eisbergsalat ohne Geschmack mit Tomate und Gurke, auch ohne Geschmack. Klacks Dressing aus der Flasche. Da wird mir schlecht, wenn ich bloß dran denke. Kaffee, total stark gekocht, Mamas Kaffee ist der beste, nach dem Krieg haben alle richtigen Bohnenkaffee getrunken. Mama sagt immer: »Der muss doch nach was schmecken.«
»Ich bekomme davon Schweißausbrüche und Kreislaufprobleme. Manchmal Durchfall und Übelkeit.«
