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Der Autor dieses Werkes hat es geschafft, Einblicke in das Leben unserer Mitmenschen zu zeigen – mit ihren Sorgen und Nöten. Diese Menschen, die jeder kennt, aber über die oftmals hinweggesehen wird, das sind die sogenannten Ausländer, die mittlerweile in der vierten Generation hier leben und für die Deutschland auch ihre zweite Heimat oder überhaupt ihre Heimat geworden ist. Der Autor hat aus jahrelanger Erfahrung auch die Probleme dieser Gesellschaft erkannt und über unangenehme Wahrheiten spricht er, ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Schließlich müssen wir uns in der Zukunft gemeinsam bemühen, ein lebenswürdiges Leben zu führen, wo alle Menschen in diesem Land gemeinsam friedlich miteinander leben und sich gegenseitig ausfüllen, statt Mauern zu bauen.
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Seitenzahl: 388
Veröffentlichungsjahr: 2023
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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© 2023 novum publishing
ISBN Printausgabe: 978-3-99131-655-8
ISBN e-book: 978-3-99131-656-5
Lektorat: Leon Haußmann
Umschlagfoto: Oktay Dikova Isniqi
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
www.novumverlag.com
Vorwort
Meine lieben Leser!
Ich wollte anhand dieses kleinen Büchleinsmal eine Welt der Ausländer vorstellen, die nur ein Beispielist für Menschen, die neben ihren Mitmenschen leben und von denen manso wenig weiß. Ich denke,die Zeit ist überreif, diesemThema ein ernsthaftes Gehörzu schenken, um eine gute und erfolgreiche Zukunft zu gestalten für alle Menschen, die in einem Land leben und am Ende doch alle an einemStrang ziehen sollten. Ich erhoffe mir, dass die Leser dieses kleine Werk unvoreingenommen lesen und sich nichtvon ihren Glaubenssätzen undWeltanschauungen beeinflussen lassen, sondern mal versuchen, ein Gefühl zuentwickeln, in dem sie sich indie Lage des Gegenübers versetzen, damit sie in eine Welteintauchen, um sie besserzu verstehen wie eine Art Schlüssel, den ich ihnen mitgebe, um die verschlossenen Türen zu öffnen in eine andereWelt und somit jeder für sichdas Beste daraus ziehenkann, um mit jeder Situationbesser umzugehen, die in unserer realen Welt auf uns zukommt, ohne sich wegzudrehenoder sie vorzuverurteilen. Ich habe darauf verzichtet, ein Buchzu schreiben, in dem ich Zahlen, Daten und Faktenaus Statistiken bringe, um ein kaltes rationales Werk zuerschaffen, das emotionslos zur Kenntnis genommen wird und sogleich wieder aus den Herzen der Menschen verschwindet. Es ist so aufgebaut,dass es anhand meiner persönlichenLebensgeschichte in späteren Kapiteln Erläuterungen dazu gibt, um eine ArtGesamtbild zu bekommen, womit man ein Verständnis entwickelt und sich vielleicht sogar die Menschen etwas näher kommenkönnen auf der menschlichenEbene, weil nur durch Nachdenken und Erfahrungen ist man in der Lage, dies zu bewerkstelligen. Hauptsächlich ist es den ausländischen Mitbürgern gewidmet,aber im Laufe des Lesens werden sie merken, dass ich auch versucht habe, es so zugestalten, dass es jedem Leser gerecht wird und sich jederin der einen und anderen Situation wiederfindenkann und somit vielleicht erkennt, dass es keine wirklich großenUnterschiede gibt zwischen den Menschen, wenn man sie auf das Wesentliche beschränkt und das ist die Menschlichkeit und der Wille zu leben … Nun wünsche ich Ihnen eine kleine schöne und doch emotional aufreißende Reise durch das Leben eines Menschen in einer Gesellschaft von 84 Millionen Seelen. Ich hoffe, ich kann den Ausländern und allen anderen Menschen ein gerechter Vertreter sein, indem ich allen ein nettes kleines Werk zur Verfügunggestellt habe.
Einleitung
Nun sitze ich hier undweiß nicht, wie ich anfangen soll, euch eine Geschichte zu erzählen, die das Lebeneines Ausländers widerspiegelt, der sich nach 51 Jahren in der Fremde fragt: Was hat das alles gebracht. Seitdem ich mich mit dem Thema auseinandersetze, kommen mir immer mehr Bilder aus meinem Leben, die ich verdrängt habe und die mich sehr nachdenklich stimmen, ob es ein lebenswertes Leben war oder wie man so schön sagt: Außer Spesen nichts gewesen, doch ein Dritter ist auf unserem Rücken reich geworden und genesen.
Ich habe so viel Trauer und, wie ich zugeben muss, Hass in mir, dass ich es auch wie ein Hass-Prediger schreiben hätte können, dochich habe schon seit Jahren erkannt, dass man so die Weltnicht bewegen kann und erst recht nicht drehen, so bin ich zum Entschluss gekommen, es so liebevollwie möglich zu gestalten,damit meine irdischen Geschwister zum Nachdenken angestoßen werden, aber ichwerde auch sehr scharfschießen, denn nur sokommt die Wahrheit auch ambesten zur Geltung. Ich hoffe, ich kann mit meinem Buch viele ausländische Mitbürger würdig vertreten und dazubeitragen, dass wir uns näherkommen als Menschen, weiljede Seite die anderenäher kennenlernt unddadurch merkt, dass es auch vieleGemeinsamkeiten gibt.
Mein momentaner Stand im Leben ist alles andere als berauschend, ich bin knapp amTod vorbeigerauscht und nunsitze ich bankrott in meiner Einzimmerwohnung; gesundheitlich angeschlagen mit meinem Zwergdackel „Jacky“ und einem Haufen unerfüllter Träume, das Herz ist voller Kummer der zurückgehaltenen Tränen,die ein Krieger im Verborgenen heult, na ja, so ist das eben. Und ich habe dasGefühl, dass es vielen auch so geht wie mir, was uns doch sagensollte, dass wir alle denselben Bedingungen im Lebenausgesetzt sind und tja, aufgeben ist keine Option für mich, weil ich Albaner bin undwieso ist das wichtig, dassich Albaner bin, weil es besser ist, als Ausländer tituliert zu werden … nun, seitdem ich denke, wollte ich immer Albaner sein und ich denke, das ist sehr wichtig, eine Herkunft zu haben für sich selber als Mensch, aberim Gegensatz zu anderen sind wir alles sterbliche Wesen und Kinder Gottes. Ichhabe immer noch die Wahlzwischen sich selbst entsorgen oder Lottogewinn, na istdas nicht gut??? So, nunlasst mich meine Geschichte erzählen und lasst euch in eine Welt entführen, die diemeisten so vielleicht nicht kennen und nicht mal wussten, dass es solche Geschichtengibt.
Kapitel 1 – Ich … das älteste Kind
Ich bin dasälteste Kind unserer Familie mit zweiGeschwistern. Meine Elternsind albanisch-bosnischer (montenegrinischer) Herkunft. Mein Vater ist Albaner und wurde vor 65 Jahren in die Türkei vertrieben vom damaligen Jugoslawischen Staat, der in der Zeit von Serben dominiert war und die uns geschichtlich immerFeinde waren, doch das isteine andere Geschichte. MeineMutter kommt aus Bosnien,doch ihr Vater wiederum flüchtete aus Montenegro, weil die moslemische Bevölkerung damals dort gejagt undmassakriert wurde, und ichhabe das leise Gefühl, dass er auch irgendwie albanischstämmig war … Und nun zu meinen zwei Schwestern, die jünger sind als ich, die eine ist mit einem Deutschen verheiratet und sie führen ein bodenständiges Leben und die andere ist selbstständig mit einer Agentur, sagen wir es mal so, sie hat ganz oben in der Liga mitgespielt oder spielt da immer noch, und hatte einen deutschen Mann geheiratet, der auch sehr wohlhabend war, doch er dachte wohl, er findet eine bessere und hat sie mit ihrem Kind sitzen lassen, tja aber dazu später mehr. Und nun kurz zu meiner Person, ich bin 51 Jahre alt, wurde in Deutschland geboren, habe hier den Kindergarten, Grund- und Hauptschule bis zur 9 Klasse besucht, danach zwei Lehren gemacht, die ich erfolgreich abgeschlossen habe, eine war Teilezurichter und eine war Masseur und medizinischer Bademeister, nebenbei arbeitete ich beim Roten Kreuz, ehrenamtlich war ich im Sicherheitsdienst wie auch als Verkäufer tätig, auf dem Bau habe ich auch einige Erfahrungen gesammelt und ich hatte drei Sportschulen.
Kapitel 2 – Aufwachsen im BayerischenDorf
Meine frühsten Erinnerungen sind, dass ich in einem kleinen bayrischen Dorf in einer kleinen Wohnung aufgewachsenbin bei einer netten deutschen Familie, die ab und zu auf mich auch aufgepasst hat undbeim Metzger gab es auch maleine Scheibe Bierschinken, nun für ein Kind der 70er-Jahre war das schon etwas. Danach weiß ich nur, dass wir in das nächste Dorf gezogen sind nahe einer mittelgroßen Stadt mit dem größten Münster der Welt. Dort ging ich in den Kindergarten, bis ich,eingeschult worden bin, in der Zeit ist nicht viel Großes passiert, außer dass mein Vater sich mit einem Nachbarn gestritten hatte und zur Sicherheit das Brotmesser mitnahm oder das man mich Sauback knack genannt hat und mir vorgeworfen hat, dass ich schuld sei, das Deutschland den Zweiten Weltkrieg verloren hat, weil die Italiener sie angeblich im Stich gelassen hätten, aber ansonsten ist alles cool gewesen, ganz normale Kindheit eben … doch in Wirklichkeit ist es bitter und es hat auch Spuren hinterlassen bei einer kleinen Kinderseele, die in der Fremde aufwächst und immer das Gefühl der Minderwertigkeit zu spüren bekommt … in der ersten Klasse bin ich prompt durchgefallen und habe irgendwie keine Erinnerungen daran, als wenn es gelöscht wäre. In der zweiten ersten Klasse am ersten Schultag dürfte ich mit Leonida ganz hinten in der letzten Bank sitzen ohne Schultüte und da verstand ich schnell, wo mein Platz in der Gesellschaft sein wird. Bis zur 4. Klasse habe ich 4 Jahre die Schulbank gedrückt, wurde nie auf einen Kindergeburtstag eingeladen und durfte nicht am sogenannten Börsenspiel teilnehmen, weil da nur die angeblich Klügsten mitmachen dürften … Ja und einmal bin ich mit meinem Freund spazieren gewesen und da kam ein Mann mit seinem Wagen auf dem Feldweg angerast und hat uns höchst aggressiv angeschnauzt, und wie sollte es anders sein, wir waren eben die kleinen Kanacken. Es war das erste Mal im Leben, dass ich wirklich Angst hatte, weil wir waren Kinder und ich konnte mich nicht mehr in den Spiegel schauen, da ich Angst hatte, weil Angst und Schwäche, das ist das Schlimmste gewesen in meiner Weltanschauung und ich habe es nie vergessen und das sollte mir auch nie wieder passieren, lieber ehrenvoll zugrunde gehen als mit Angst aufzugeben … mit meinen zwei Geschwistern teilten wir uns ein Zimmer und meine zwei besten Freunde, wie sollte es auch anders sein, waren Attika und Mehmet, die ich immer zu allerlei Sachen überredete, wir erkundeten die Nachbardörfer und spielten eben miteinander was Kinder eben so tun. Dann war da noch der Gilbert, ein Junge, der in dem Wohnblock wohnte, er war ganz lieb, doch etwas älter als ich und ich war immer ganz stolz, wenn er und Peter mich mal mitnahmen zum Fußballspielen oder so … und da gab es noch den „Edi“, der in derselben Straße wohnte. Die Eltern waren auch voll lieb und schenkten mir zum Geburtstag manchmal etwas Gebrauchtes, das ihre Kinder nicht mehr wollten, das war der Grund, wieso ich da auf einmal auch zwei Mal im Jahr Geburtstag hatte und einmal klaute ich dem „Edi“ drei römische Legionäre zu Pferd, weil ich die so toll fand, aber mich plagte mein schlechtes Gewissen, sodass ich sie früh morgens in ihrem Garten wieder zurückgelegt habe, damit keiner Verdacht schöpft … Ansonsten war nicht mehr drin, Kino, viel Spielzeug oder andere Sachen waren mir fast unbekannt … in der fünften Klasse kam ich in die Hauptschule oder wie die Politiker es liebevoll nannten Restschule … Ich spielte eine Zeitlang Fußball, war aber nicht so mein Ding, weil Ersatzbank drücken, während die Sprösslinge der anderen spielen durften, wo die Eltern dahinter standen, war nicht berauschend und ich wechselte zur Leichtathletik, die Auswahl war eben nicht so groß … die Leichtathletikgruppe war voll cool, ich dürfte mal zum Zelten mit, da war ein netter Junge, der etwa 6 bis 7 Jahre älter war und mir gleich gezeigt hat, dass er nicht so der „Kanacken-Freund“ ist, aber he, da stehe ich drüber … Ansonsten war ich ein guter Langstreckenläufer, hat wohl irgendwie niemanden interessiert und eines Tages, es waren fast alles Gymnasiasten, kam ein Freund von ihnen das erste Mal zum Training, das war der Uli, und der hat mich auch prompt herausgefordert, fünf Runden um den Sportplatz zu rennen, wer besser sei. Für mich war das eine Beleidigung, weil ich seit vier Jahren im Verein war und der mich hier irgendwie wohl unterschätzt hat … klar nahm ich die Herausforderung an und als wir starteten, da wurden wir, ne, ich meine, der Uli wurde angefeuert und das machte mich traurig und sauer; nun gegen das kollektive Unterbewusstsein kann man wohl nicht viel machen und die Frage ist, ob man dafür die anderen abstrafen kann oder man die Benachteiligung eben wie ein kleiner Gandhi hinnimmt und den Kürzeren zieht … kurz gesagt ich rannte ihn fünf Runden zu Boden bis er zusammengebrochen ist und danach noch 40 Bonusrunden und das war das letzte Mal, dass man mich dort gesehen hat, ist wohl auch niemandem aufgefallen, weil nie einer nach mir gefragt hat und was ich auch supertraurig fand, war, dass die Leichtathletikgruppe auch mal eine Party gefeiert hat und dafür das Training ausfallen lassen hat, nur einer war halt nicht eingeladen … und als ich in der 5. Klasse zum Lehrer sagte, ich wolle auf die Realschule wechseln, da sagte er mir, ich sei nicht klug genug. Eines Tages brachte er einen Aufsatz von der Realschule mit und sagte, er sei sehr schwer und wir könnten uns ja mal daran versuchen und welch Wunder, der Klassenbeste war der kleine Junge, der nicht klug genug war. Nebenbei hatte ich einige Prügeleien, wo sich die Wut meiner Mitschüler an mir ausgeladen hat, doch ich konnte es gut meistern und habe fast immer gewonnen. Und noch eine kleine Erfahrung aus der Kindheit, damit ich damit abschließen kann. Als der Lehrer eine Frage gestellt hat, meldete ich mich als erstes und danach die anderen Kinder. Komischerweise nahm der Lehrer mich nicht dran, aber die anderen, sogar manche zwei Mal. Tja, die Frage ist, ob er mich nicht gesehen hat oder mich nicht sehen konnte, weil er nur das gesehen hat, was in sein Weltbild gepasst hat … wenn ein Kind schon mal mit solchen Bedingungen aufwächst, ist das mit Sicherheit nicht der beste Start für ein erfolgreiches Leben … aber he, nicht alles war dunkel. Zu Weihnachten wurde ich bei meinen Nachbaren eingeladen, durfte mir die vielen Geschenke ansehen, die mein Nachbar bekommen hat … ich weiß nicht, ob das heute noch jemandem bekannt ist, aber es waren BigJim-Figuren und das war mein Traum, den ich als Kind nie erfüllt bekommen habe, das war toll und ich bekam ein kleines Säckchen mit zwei Nüssen, eine Orange und wenn ich mehr Glück hatte, etwas Schokolade und dann konnte ich zuhause von den Spielsachen träumen, die ich beim Nachbarn unter dem Weihnachtsbaum gesehen habe …
Kapitel 3 – Die Ausbildung
Als ich die Hauptschule verlassen habe, begann ich gleich mit einer Ausbildung in der Firma, wo mein Vater angestellt war. Nun, das ist wohl bei vielen Menschen gleich, der Bub fängt in der Firma an, wo der baba schafft … Doch das war für mich ein Kulturschock, weil ich da zum ersten Mal mit viel Älteren zu tun hatte und ich wie ein Rehkitz war, ich hatte keine Ahnung von der Welt und deren Laster und vom behüteten Zuhause ins Leben katapultiert zu werden ist nicht einfach, wenn man vorher gezwungenermaßen noch ein Spätzünder war … Und wie jeder weiß, sind Lehrjahre keine Herrenjahre … Ich versuche, dieses Kapitel schnell abzuhandeln, doch es ist wichtig, damit man versteht, was im nächsten kommt. Ich traf da das erste Mal albanische Jugendliche, Bosnier, Türken; aber ausschlaggebend waren die Albaner, weil ich bis dahin wusste, dass ich albanischer Herkunft war, aber mir kein wirkliches Bild darüber machen konnte … ein Kroate und ein Albaner waren da auch gleich meine zwei besten Freunde, es ist seltsam, aber immer schließen sich Menschen zu Gruppierungen zusammen, wo man sie nicht integrieren will, um eine kleine Mauer zu bilden, die das scheinbare Überleben sichert, ob es nun real ist oder nicht … und ja, in der Firma gab es wieder mal die netten Leute, die mich spüren lassen haben, dass ich ein Ausländer bin … und mein Berufschullehrer sagte mir, ihr seid wie Tiere, die man mit Stecken und Speeren jagen muss, indem er mich gegen die Wand presste, zu der Zeit war ich eben noch klein und schmächtig und hatte einem erwachsenen Mann gegenüber nicht viel entgegenzusetzen … doch ich muss auch eine Lanze brechen für die Deutschen und das ist der Punkt, der es schwer macht, es gab auch wundervolle Deutsche, die einen mit Respekt behandelt haben, die einen auch fürsorglich behandelt haben und das zeichnet den Deutschen eben auch aus und das muss unbedingt zur Sprache gebracht werden … man darf nicht vergessen es waren die 80er- und 90er-Jahre, da tickten die Uhren noch anders und in den 70ern ganz anders … und wieso sollte man die Deutschen verurteilen, die aus Unwissenheit, Angst oder Konditionierung so gehandelt haben, wie sie es eben gemacht haben, weil meiner Meinung nach ist der Mensch immer ein Produkt seiner Umwelt und seiner Gene, die aber durch die Umwelt verändert werden können, doch das ist meine Denkweise, die ich mir im Laufe der Zeit angeeignet habe durch Beobachtung, Erfahrung und bestimmte Bücher, die ich gelesen habe … nun so ist die Welt eben kein Ponyhof, sondern knallhart, wir werden alt, krank und sterben, das ist so wie es ist und jeder muss schauen, wo er bleibt … Doch ich würde die verurteilen, die das Wissen haben und sich abwenden und es aussitzen, während die anderen versuchen, sich durch Kampf die wenige Butter vom Brot gegenseitig zu nehmen, weil die, die es wissen, schauen auf ihren Vorteil, sie sehen nur die Endresultate und der Weg dahin darf da ruhig auch mal ruppig sein. So mit 18 kaufte ich mir mein erstes Buch im Leben, weil ich immer wusste, dass ein Mensch mehr ist als nur das, was ich gerade lebe, arbeiten, Klamotten kaufen, Sport, Disko, nun ist ja schön und gut, doch wenn ein Mensch einen inneren Trieb hat, wie sagt man immer so schön, Potenzial setzt sich durch, muss er eben dem Ruf seiner inneren Stimme folgen. Das erste Buch war von einem Erhard Freitag und es handelte sich irgendwie um einen Nachahmer von Dr. Joseph Murphy, das positive Denken und diese Richtung vertrat. Da begann meine Odyssee, ich habe da etwa über 200 Bücher gelesen von Psychologie, Esoterik, Anthropologie, Soziologie, Philosophie und Religionen … nun, es war auch vieles darunter, das hätte ich mir sparen können. Zu dieser Zeit fing ich mit Taekwondo an, was mich 33 Jahre begleitete und mich wohl von Drogen und Alkohol abgehalten hat, nebenbei Boxen, Wing Tsun und natürlich Fitness, was zu einem richtigen Mann nun mal dazugehörte, hahaha … leider war das auch die Zeit, wo ich mich einige Male geprügelt habe, darauf bin ich aus heutiger Sicht nicht stolz, aber zu der Zeit war es wohl wichtig … es waren zwei Prügeleien, an die ich mich noch gut erinnere, die eine war mit einem jungen Mann, der versuchte, mich in einer Diskothek lächerlich zu machen und da er einen Kopf größer war, hat er wohl nicht erwartet, dassich zu einem ernsten undschnellen Gegenschlag ausholen würde als er es übertrieben hatte … so schnell konnte er nicht malschauen, da packte ich ihn intuitiv an den Haarenund rammte ihm das Knieins Gesicht, weil in einem Kampf gehtes immer nur um eins, um das Gewinnen, da sind die Mittel der Wahl leider frei und als er sich befreien konnte, warf er mich gegen einen Tisch, der gegen eine Wand kippte, sodass ich mich abstoßen konnte und ihn mit meinem Beinen nochmal weggetreten habe wie in so einem Western … danach lief er mit Tränenim Gesicht weg, doch ich binhinterher und habe mich sogarentschuldigt, weil soweit wollte ich es nicht kommen lassen, aber ich denke, es war ihm eine Lektion, dassman respektvoll mit Menschen umgehen soll. Die zweite Prügeleiwar auch in einer Diskothek, wo einer dachte, er muss meinenFreund Peter mit Wasser von der Theke beschütten, doch Peter tat so,als sei nichts gewesen … ich war empört und ich kann Ungerechtigkeit einfach nicht ertragen … Danachkreuzten sich unsere Wege an diesem Abend nochmals und als ermich erkannte, stolzierte er an mir vorbei, so als sei er einSieger und ich konnte esnicht sein lassen, ihm einBein zu stellen … da stürzte er natürlich zu Bodenund alles lachte, da stander auf und packte mich amKragen und ich ließ keine Zeitverstreichen, weil ich weiß, dassdie meisten Menschen nicht wirklich kämpfen könnenund man schon erkennen kann,wer ein ernstzunehmender Gegner ist und wer nicht. So gab ich ihm unerwartet einen Handkantenschlag gegen den Unterkiefer, worauf er geschockt die Hände von meinem Kragen löste, undtrat ihn noch mit zwei Frontaltritten quer durch die Diskothek,da schritten auch gleich dieTürsteher ein und einerumklammerte mich von hinten, aberich schüttelte ihn ab, alssei es nichts gewesen. Ichhabe da solche Kräfte freigesetzt, dass ich die ganze Diskothek zerlegen hätte können. Da kniete der Türsteher vor Angst vor mir und bat mich, aufzuhören, ichbesann mich wieder und gab nach und der andere wurderausgeworfen … doch der Freund desanderen kam auf mich zuund sagte, ich sei gefährlich undsolche wie mich sollteman aus dem Verkehr ziehen … doch was er nicht wusste, ist, wenn ein Menschsein Leben lang wegen jedes kleinen Vorkommnisses um seine Existenz im Leben kämpfen muss, ist er unbewusst in einer Art Kampf-Modus und wenn dieser entfachtwird, dann wird es leider sehr gefährlich. Leider,das alles muss nicht sein,aber in der Jugend wollen sich Menschen irgendwie immer beweisen, vielleicht ist das aus der tierischen Evolution bei unshängengeblieben, sich alsPlatzhirsch zu beweisen, dochbei mir war es kein Beweisen eines Platzhirsches, bei mirwar es aufgestaute Wut über die Ungerechtigkeit und wenn man alskleines Kind von älterenein paar Mal knallharte Schläge auf dem Kopf spüren dürfte,dann lernt man dazu und es heißt entweder duoder er. Kleines Beispiel: einmal hat mir ein Junge, er warDeutscher, muss ich leider sagen, der bestimmt 3 bis 4 Jahre älter war, so hart auf meine Stirn geschlagen, das ich Sternchen sah, und das ausheiterem Himmel herausbei einem normalen Gespräch …heute würde ich es so beurteilen, ich bin teilschuld gewesen, weil mein Ego es nichtertragen konnte, ungerecht behandelt zu werden, doch das istkein Grund für körperliche Auseinandersetzungen, sondern ein Grund, sich in Disziplin zu üben und nachzugeben … wer das alles liest, kann sich nun gut vorstellen, dass dasdie Versuche eines Menschen sind, seinen Platz auf der Welt zu finden, weil ohne richtiges Rüstzeug ist es schwer, sich einfach zu entfalten, man muss eben alles machen,um am Ende zu merken, dassman es hätte einfacher habenkönnen, doch die Bedingungen waren eben wie oben geschildert alles andere als gut.
Kapitel4 – Welt erobern mit 21
Mit 21 kündigte ich in derFirma, was meinen Vater so ganz und gar nicht gefallenhat, weil ich die Welt erobernwollte, tja jung und dummeben … da war ich zuerst mal eine Runde arbeitslos,ich wollte weiter auf die Schule gehen, aber ich wurde nicht angenommen, nun, es hat wohl an Sympathie gefehlt sag ich mal vorsichtig vom Direktor her, da begann ich als Verkäufer bei einemBekannten und gab daserste Mal unten im Keller seines Ladens Taekwondo-Training, das lief gleich so gut, dass ichviele Schüler hatte … Und obenim Verkaufsladen, der ein kleinesaltes heruntergekommenesStück Altbau war, aber eine Art Liebe und Herzlichkeit ausgestrahlt, was einemeben immer im Herzen bleibt, ein kleines Stückchen altes Deutschland, wo heute einNeubau-Block steht, verkaufte ich Kampfsportartikel und Heilsteine, nun, eswar eine lustige und unbeschwerte Zeit, wo allerhand Menschen kamen vonromantischen Kampfsportlern,die mehr reden wolltenals etwas kaufen, bis zu gestörten Menschen, wenn man das so sagen darf, die in Heilsteinen und allerhand Esoterischem herumgekramt haben, umin diesem Leben klar zu kommen, weil sie meiner Meinung nachden roten Faden verloren haben im Leben und nun sichselbst überlassen waren, aufder Suche nach Befreiung, aber leider auf dem instant weg, es soll eben schnell gehen und am besten man machtselber nichts dafür … undim Hinterzimmer, wo ein alter Ofen stand, zog ich allerlei Menschen an, komischerweise hatte ich so ein Talent, die nur in den Laden kamenund mit mir über Themen sprechen wollten, die ihnen amHerzen lagen und einmal kam sogar eine Deutsche ins Hinterzimmer, die uns reden hörte und unsere Themen höchst interessant fand und uns bat, ob sie mitreden dürfte, ja,so können Mensch sich eben auch näher kommen … dochnach zwei Jahren wurdedas alte, mir liebgewonnene Gebäude abgerissen, und das wares dann mit der Villa Kunterbunt …
Zwei Jahre später begann ich wieder in der Firma,wo ich die Lehre angefangen habe, das war ein Glück, weil ansonsten wäre es wohl nicht gut ausgegangen … manchmal denke ich,ich habe immer einen Schutzengel an meiner Seite gehabt … in der Firma, ja da war das Leben; behütet man bekam seinen festen Lohn, es gab die Vesperpausen und die Mittagspausen und meine per Waschanlage (Tetrachlorethen ist als krebserzeugender Gefahrstoff der Kategorie drei eingestuft. Diechronische Aufnahme führt zu Leber- und Nierenschäden.Es steht in Verdacht, reproduktionstoxisch und karzinogen zu sein. Die IARC stufte Tetrachlorethen im Jahr 2014 als wahrscheinlich krebserzeugend ein), an der ich arbeitete, war wieder ein Magnet für Lehrlinge, Studenten (Ferienarbeiter) und Paradiesvögel, wir sangen, trainierten und stritten uns, man mag es wohl kaum glauben, aber ein Freund von mir, der in einer Firma 20 km weiter weg beschäftigt war, sagte mir, dass man mich sogar dort kennen würde und was ich alles so da treibe. Wie gesagt, irgendwie kam ich durch ohne Mahnungen, als hätte ich eine schützende Hand über mir. Am Schluss hielten die Studenten mich noch selbst für einen Studenten, der einen Ferienjob macht … doch man darf nicht vergessen, ich arbeitete an einer per Waschanlage und wollte sogar einen Aufstand planen in meiner Abteilung, weil unser damaliger Meister ein richtig fieser und rechtsgesinnter Mann war, doch damals war rechts nicht wie heute, es war so eine Art; es gehörte zum guten Ton … so, wie ging das mit dem Aufstand aus? Am Geburtstag unseres Meisters gab es von ihm halbe Hähnchen spendiert und ich versuchte, meine Arbeitskollegen zu überzeugen, dass sie das Angebot nicht annehmen und ihm durch ihr solidarisches Verhalten zeigen, was sie von ihm halten. Das Ende vom Lied war, dass alle gegessen haben und ich alleine an meiner Waschanlage die 60 Grad heißen Metallteile aus der Waschanlage holte … Ein anderes Mal holte uns der Abteilungsleiter gruppenweise in den Gesprächsraum, um uns die neusten Erfolge der Firma offenzulegen: Dass sie in einem Jahr 40 Millionen Umsatz gemacht haben und dass wir Deutschen so toll sind und die besten. Ich saß mit den Ausländern am Ende eines langen Tisches und hörte mir das an, ich war mir nicht mal sicher, ob die Ausländer, die ein Drittel der Belegschaft ausmachten, überhaupt verstanden haben, was er damit sagen wollte, sie nickten nur und klatschten … Doch wie das Leben es will, hat die Firma Arbeitsplätze gestrichen und ich wurde gefragt, ob ich mit einem Angebot von 30 000 DM die Firma nicht verlassen wollte. Klar, ich nahm an und mein Vater drehte ein zweites Mal durch, hahaha, oh, was mein Vater mit mir nicht alles mitmachen musste … Und mit meiner Abenteuerlust fragte ich meinen Freund Faton, ob wir nicht eine Reise nach Süd-Korea machen wollen und das zu einer Zeit Anfang der 90er, wo so etwas für die meisten Ausländer nicht mal in ihren kühnsten Träumen vorstellbar war. Mit meinem Freund Faton eine Reise nach Süd-Korea, das war zu der Zeit der Hit und ganz besonders für Ausländer, das in deren Vorstellungen unvorstellbar war. Wieso gerade Korea?? Nun, ich hatte in einer Sportschule trainiert zu der Zeit damals, da kam ein koreanischer Großmeister für zwei Wochen zu uns und abends gab er Training, doch am Tag saß er nur rum und diese Chance ließ ich mir nicht entgehen … also packte ich Faton und Bujar in meinen Wagen, wir holten ihn ab und zeigten ihm unsere Stadt, er war so begeistert, dass er eines Tages sagte, wir seien herzlich willkommen bei ihm in Korea, doch ich denke, er dachte nicht mal im Traum daran, dass wir mal vor seiner Türe stehen würden … etwa sechs Monate später riefen wir ihn an und sagten, wir kommen nach Korea. Oh Mann, war das eine Aktion, ich war damals glaube ich 26 und Faton erst 17, ich sag es mal liebevoll, zwei junge Albaner flogen in die weite Welt, ohne Wissen und Ahnung, aber mit mutigem Herzen und einer Hand voll Geld … wir wurden herzlich aufgenommen, doch hatten wir wirklich keine Vorstellung was auf uns zukam. Ich von meiner Seite aus hatte ein naives Bild von romantischen Dörfern und Städtchen mit Menschen in traditionellen Kleidern, die alle Taekwondo machen, unglaublich blauäugig. Die Wahrheit sah ganz anders aus, es war eine knallharte Industrienation mit Megacitys wie Seoul, keine Spur von Romantik und Taekwondo trainierten nur Kinder oder bestimmte Studenten und das Militär, die anderen waren nur am Arbeiten und Lernen. Da merkten Faton und ich das erste Mal, dass wir Europäer sind und die Deutschen uns so nah. Man muss sich vorstellen, Europa ist über Jahrtausende durch den Informationsfluss zusammengewachsen, so sind sich die Europäer im Grunde sehr ähnlich und das merkt man ganz deutlich, wenn man mal in die weite Welt streift und dort bei den Einheimischen so lebt wie sie leben, und in Korea, da schliefen wir auf dem Boden und saßen immer am Boden beim Essen und in Restaurants und da ich zu doof war, mit Stäbchen zu essen, musste man manchmal die ganze Straße entlanglaufen, um Messer und Gabel für mich zu finden, damit ich essen konnte. Faton war da viel geschickter und nach jedem Essen fingen die Koreaner an zu trinken, zuerst Bier und dann, ich glaube es hier Soucek, tja, kurz gesagt, wir waren fast jeden Abend blau, wie sollte ich das Fatons Eltern bloß erklären, hahaha. Am Tag standen wir früh morgens auf, gingen ins Fitnessstudio und am Abend trainierten wir immer 4 bis 6 Stunden, sodass mir persönlich irgendwann einmal der Film gerissen ist, und ich dachte, hinter dem Berg, da muss meine Heimatstadt sein, ich muss nur rüberrennen und dann sehe ich das Münster und das am anderen Ende der Welt. So vermischten sich Fiktion und Realität unter hohem Stress; es war sogar noch schlimmer und was das Training anging, waren die Koreaner erbarmungslos uns gegenüber und wehe wir verschliefen morgens, da wurden wir mit einem Stock geweckt. Bis ich es geschafft habe, nach 6 Wochen mein Denken abzuschalten und nur noch zu funktionieren, ansonsten wäre ich über den Berg gerannt. Die Koreaner sind so ein gastfreundschaftliches Volk, das ist unglaublich, und wenn Faton und ich durch die Straßen schlenderten, wollten sie uns in ihre Kneipen oder Restaurants reinholen und uns was spendieren, weil sie Europäer zu der Zeit in der Stadt nicht so oft zu Gesicht bekommen haben, außer ab und zu einige amerikanische Soldaten, aber auf die waren die Koreaner nicht gut zu sprechen. Man muss sich vorstellen, zu der Zeit gab es Kameras in den Fahrstühlen und jede Wohnung hatte eine Sprechanlage, man war voll überwacht. Eines Tages rauchten Faton und ich im Fahrstuhl und der Hausmeister sah das über die Kamera und am Abend tönte es aus dem Lautsprecher, wo der Hausmeister an alle Mietparteien die Nachricht durchgab, dass die zwei Europäer es unterlassen sollten, im Fahrstil zu rauchen … das war für unseren Meister bitter und das spürten wir dann auch im Training, hahaha … tja, an einem Abend luden uns irgendwelche Koreaner ein, die mit unserem Meister befreundet waren, einige Mafiosi und andere, die ich nicht einordnen konnte.
Das Essen alleine kostete damals 2 000 DM,sagte mir mein Meister und ein Koreaner, der mir während des Essens ins Gesicht rülpste, was bei ihnen ganz normal war und ich wie geschockt das nicht einordnen konnte, sagte mir, ich sei ein sehr mutiger Mann, er sehe es in meinenAugen und die seien das Tor zur Seele und später gingen wir noch zu unserem Unglück in eine Karaokebar, wo sie Mädchenbestellten, die mit uns tanzen und feiern solltenund ich musste unbedingtauch noch „The Power of Love“singen, das war mir so peinlich, aber was soll’s, du bist am Arsch der Welt, also zieh es durch …ja, nun noch zu unserer Heldentaten in Korea: Wir bestiegen als erste Westler die„jirisanMountens“ und das hatte man unsbestätigt. tja, ich sagte dann spaßeshalber die zweiersten Albaner hahaha und während eines Trainings schlug Faton dann nochden besten Schüler einer Schule im Kampf, was natürlich Konsequenzen hatte, und am nächsten Tag kamen dann einige koreanische Brocken, diedie Schmach wiedergut machen wollten und wenn haben sie ausgesucht? Nicht den süßen jungen Faton,nein mich, und ich dachte: „Natoll,das war’s“, doch der Meister hat die Lage bemerkt und Einhalt geboten … amSchluss vor unserer Abreise verschenkten wir all unser Geld andie Kinder und verabschiedetenuns mit Tränen beim Meister und den anderen, aber der Hakenwar, dass wir die Taxe bezahlen mussten, tja, vorher wie „klingdingeling“ alles Geld verschenken, hahaha, Gott sei Dank kratzen wir die letzten Piepen, die wir gefunden hatten, und wie es Gottwollte, hat es bis auf den letzten Pfennig damals gepasst … kurz, ich bin überzeugt, dasses eine göttliche Fügung gibt, weil solche Sachen sind mir imLaufe meines Lebens immer passiert, ihr werdet sehen.
Kapitel5 – Meine Disco-Freunde
So nunbevor ich über meine Schule rede, die ich nach derKorea-Reise eröffnete, kommtnoch ein paralleles Leben, was ichführte, hinzu und daswidme ich meinen Freunden, ich nenne sie hier Hassan, Jorgos und Takis … es war die Zeit, wo wir abends in die Discos gingen, es waren hauptsächlich Ausländer-Diskotheken oder amerikanische Clubs und wenn uns der Türsteher reingelassen hat, auch mal eine deutsche, aber ok, so schlimm war das nicht. Klar, es ist etwas rassistisch gewesen, doch es gab auch tolle Zeiten, nun so ist das nun mal als Ausländer … zu Hassan: er war sozusagen mein Ziehsohn, wenn man es so ausdrücken darf, er war erstaunlich, wir trainierten miteinander und am Abend, nun ja, Disko, aber da habe ich mit den zwei anderen mehr erlebt, doch Hassan war ein Phänomen. Er hatte nie genug Geld und ich lud ihn oft ein, seine Klamotten, nun er schusterte sich diese zusammen, wo er sie finden konnte und Markenkleidung war das bestimmt nicht, aber er hatte komischerweise immer die besten Freundinnen, was mir immer ein Rätsel war, doch was ich damit sagen will, vieles liegt auch an der Lebenseinstellung, was man aus den Umständen macht und vieles ist eben Gottes Fügung, doch leider hatte Hassan eben auch einen Weg, der ihn in das Gefängnis gebracht hat, doch wer Hassan als Mensch kennen würde, würde verstehen können, dass es die Umstände waren, weil Hassan selber war so lieb. In einem anderen Umfeld wäre er heute mit Sicherheit ein Professor geworden … nun zu Jorgos und Takis, meine zwei besten Freunde, unglaublich, aber wahr, weil zu der Zeit wusste ich nicht, dass die Griechen nicht gerade die besten Freunde der Albaner sind, das hat uns auch nicht gejuckt. Wir kauften Klamotten, hingen in Kaffees und Kneipen ab, abends wieder mal Discos und falls sie bemerken, das sind bestimmte Muster, die sich wiederholen … na klar die Sache ist die, wenn man keinen Anschluss zur Gesellschaft hat und sich als Ausländer zusammenrottet, was soll man tun?? Wir kannten keine Zeltlager oder kleine Tagesreisen, geschweige denn Museen oder andere kulturelle Orte, die wir aufsuchen hätten können. Sport, Ausgehen, mehr war in der Lage nicht drinnen, weil Lernen, Fortbildung und so, das war was für die Deutschen, wir waren eben Malocher … das ist das Bewusstsein, das wir hatten und das kommt ja nicht von ungefähr …
Ja, Takis war auch sehr wissbegierig und bat mich mal mitzukommen, weil er sich in der Fachhochschule oder so anmelden wollte, ich sagte: „Na klar, da gibt es bestimmte nette Mädels“, tja, so war das eben. Doch der Witz an der Sache war, dass ich beim Eignungstest angenommen wurde und mein Freund nicht, die steckten mich in eine Klasse und dann ging es los und ich mittendrin, was für ein Käse, wie komme ich da wieder raus, hahaha? So, nun in der einen Stunde fragte der Lehrer so einige Sachen und ich meldete mich, ersagt ja und erwartete wohl eine fachliche Antwort, dochich sagte nur, ich wollenach Hause, es war ja ganz nett hier,doch das sei ein dummer Zufall,dass ich hier gelandet bin und die ganze Klasse begann zu lachen im wahrsten Sinne des Wortes, sie bogen sich vor Lachen,der Lehrer sagte, es stehe mirfrei zu gehen und ichglaube, er hat das bis heute nicht ganz verstanden,was da geschehen ist … heutehätte ich die Schule durchgezogen, aber wie gesagt, ich war mir eben damals meiner selbst und der Welt nicht bewusst … leider ist unser Freund Jorgos an Drogen verstorben und dieÄrzte sagten, er war jung, erhätte es schaffen können, doch er selber hat aufgegeben …man muss die Situation verstehen: Ausländer mit nicht intakten Familien ohne Ausbildung sich selbst überlassen versuchen, einen Traum zu träumen,bis es nicht mehr geht und dann erkennen sie dieRealität und das wars dann, die Friedhöfe und Gefängnissesind voll von Kindern, diekeiner haben wollte und alle schweigen … Kurz: Takis‘ Eltern, das waren so liebe Eltern und ich habe sie geliebt,weil sie herzlich waren, Ehre sei ihnen gegeben, nebenbei glaube ich, dass es Griechen waren, weil, was mich immer gewundert hat, war, wenn die Cousins kamen, einige sahen mir komischerweise sehr ähnlich, nun in meinen Augen sind Griechen und Albaner Cousins, das sage ichfür beide Seiten, damit sie verstehen und eines Tages vielleichtden Hass etwas reduzieren … Und Jorgos Elternwaren auch super, sie mochten mich auch sehr … Eine kleine Szene: Als ich mit Jorgosin sein Zimmer war, kam seinekleine Schwester im Pyjama und plauderte mit uns im Kinderzimmer, nun, es war eben sehrfamiliär, ich glaube, sie ist heute verheiratet und auch Mutter von Kindern,ja, das Leben ist manchmal so schön und so grausam. Auch seiner Familie sei Ehre geschuldet …
Kapitel6 – Meine eigene Schule
Jetzt endlich zu meiner Schule, die ich mit dem Geld der Abfindung in einem bosnischen Club eröffnete. Wie gesagt,es war ein bosnischer Clubund die Miete waren 500 DM, was ich damit sagen will, diewussten es zu schätzen,was ich tat, weil es ja echtwas Soziales war und ich Kinder von der Straße holte, nun, das ist leider der Unterschied, der Deutsche ist da, ich bin ehrlich, nicht so, der willGewinn erwirtschaften,auch wenn er selber sehrreich ist, er denkt nun mal nichtweiter in der Richtung, für ihn ist es ein Geschäft … der bosnische Club war in einerehemaligen Siedlung der amerikanischen Soldaten, diedort stationiert waren, das bedeutete, das eszu der Zeit ein Auffanglagerwar für bosnische Kriegsflüchtlinge und russlanddeutsche Neuankömmlinge. Und es war einGarant, dass ich innerhalb einer Woche schon 60 Kinder hatte und einige Erwachsene …kurz, ich war wieder malvoll erfolgreich und wir hatten bei vielen Turnieren große Siegefeiern können, aber ich war viel zu jung und naiv, um die Lage richtig einzuschätzen … was meine ich damit?Wir waren so gut, doch wirwussten es nicht und als ein Koreaner immer kam, um Prüfungen abzunehmen, machte er immer einen kleinen vor Lehrgang und zeigte uns einige Tricks, doch irgendwann mal sagte er, erzeige uns nichts mehr spaßeshalber, weil wir seine Geheimnisse kopierten undbeim nächsten Mal konnten wiralles perfekt, hahaha, nun,wir waren jung und liebten es eben … Aber es geht hier nicht um die sportlichenLeistungen, sondern eherum das, was ich mit 27 zu bewältigen hatte. Da kamendie kleinen russischen undbosnischen Kinder und glaubt mir, ich habe sie geliebt und immer wenn einer ging, hat esmir das Herz zerbrochen, und als ich die Schule schließen musste, habe ich um meine Kinder geheult, aber so weit sind wir noch nicht. Nun einige kleine, aber sehr interessante Auszüge aus den vier Jahren … die Elternbrachten mir ihre Kinder undich sah in den Augender Eltern, dass sie mir ihrWertvollstes übergaben im vollsten Vertrauen und daswar echt hart für einenjungen Mann damals, doch ich bekam es aus heutiger Sicht grandios hin … da war z. B. ein russlanddeutscher Vater, der einenSchlaganfall hatte und seine Frau verstorben war, er brachte mir seinen Sohn und ich verstand,ich solle seinem Sohn etwasgeben, was er so nirgends wieder bekommen würde, Geborgenheit, Sicherheit, eine Familie, kurz, ichdurfte sein Leben retten, wäre vielleicht zu viel gesagt, aber ich erleichterte ihm sein Leben ungemein und es warmir im Nachhinein eine Ehre. Jahre später traf ich seinenVater, der mir immer noch dankte, dass ich seinem Sohn so geholfen habe … der Sohn hat studiert und istnun in München in einergroßen Firma gut angestellt, tja, ichdenke, das ist doch was oder … dann war da diesesfarbige Mädchen, deren Mutter, ich sage mal so, eine Damewar, die sehr viele Männerhatte, am liebsten farbige, aber he, jeder soll glücklichwerden auf seine Art und Weise,doch das Problem war, dass das Mädchen die Männer nackt in der Wohnung rumlaufen sah, ok, weiterwill ich es mir nicht mehrin meiner Vorstellung ausmalen … nun, heute habe ich das Mädchen nachüber 20 Jahren auf Facebook gesehen und sie angeschrieben undich war stolz, sie sah gutaus, damit meine ich, sie hatte einenguten Job und sah gepflegt aus, sie hat Fuß fassen können … Ich hatte auch sehr traumatisierte Kinder aus Bosnien, da fällt mir ein Junge auf, dessen Vater mit mir sprach, dassich ganz besonders aufihn aufpassen solle, weil er vielerlebt hat, doch genau wollteer sich nicht äußern … imNachhinein erfuhr ich, dass derJunge bei einem Bombenangriff miterleben musste, die,ich bin mir nicht sicher,ob es Verwandte oder Freunde waren, von der ungeheuren Kraft des Bombenangriffes in Stücke gerissen worden sind,und der kleine Junge versuchteirgendwie, die Leichenteile zusammenzusuchen, umsie in einer Plastiktüteoder etwas ähnlichem mitzunehmen, er muss wohl unter sehr starkem Schock gelittenhaben … nun, so sieht das Leben eines Ausländers aus, wassich Deutsche nicht mal in ihren kühnsten Träumen vorstellen können, das ist kein Angriff auf jemanden, man solltenur mal sehen, was in ihrer Parallelwelt so alles existiert,damit ihnen das auch mal dieAugen öffnet … ja, aber nun kommt der Knaller, ichhatte einen älteren Herrn damals, der mir bei dem Papierkrieg half, weil ich keine Ahnung hatte, und ich war ihm sodankbar, nebenbei war erein großer Judo- und Jiu Jitsu-Meister glaube ich und ichdachte, so ein netter Mann, ein Deutscher, gerecht, aufrecht und ehrlich … tja, aber die Wahrheit sah ganz anders aus, er zwackte sich Geld von meinem Konto ab, ohne dass ich es merkte, und das nicht zu wenig …aber das war noch das Harmloseste, weil er nebenbei bei einem großen Kinder-Pornoring eine führende Figur war, das kam sogar im Fernsehen und die Polizei verhörte einige Kinder, weil er mitihnen ohne mein Wissen einige Foto-Shootings machte … können Sie sich vorstellen, was mirdurch den Kopf geschossen ist, alsich das mitbekommen habe? Ich dachte, wenn die mich dafür dann kriegen wollen, obwohl ich unschuldig bin, dann hast du verloren undich habe mir aus meiner Naivitätüberlegt, wie ich ihn umbringen kann und wo ich ihn verscharren könnte,ich hatte Todesängste … doch zum Glück wurden wir von derPolizei überwacht, wasich nicht wusste, und die Polizei sagte mir, sie kennen mich und ich muss mir keine Sorgen machen … tja, leiderwurde der Club vom bosnischen Verein aufgegeben undich stand von heuteauf morgen ohne Schule da. Wiedermal kam mir das Leben unerwartet anders entgegen, alsich es geplant habe …
Kapitel 7 – Rollstuhl-Taxi
Parallel zudieser Zeit bin ich Rollstuhl-Taxi gefahren, nun, ichhabe immer eine soziale Ader gehabt, es war sehr interessant, doch am Interessantesten war, dass ich entdeckthabe, wie viel die Leute der Organisation an Lohn bekommenhaben, nun, da lohnt es sich,einen auf guten Menschen zu machen … mehr will ich mich nicht äußernund die Gedanken sindfrei, macht euch eure eigenenGedanken. Doch den Job vermittelte mir eine Mutter eines ehemaligen Schülers und das war eine super Frau undich bin ihr so dankbar ge
