Ein Cowboy zum Anbeißen - Joya Ryan - E-Book

Ein Cowboy zum Anbeißen E-Book

Joya Ryan

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Beschreibung

Zwei wie Feuer und Wasser!

Tripp Montgomery ist Rancher und alleinerziehender Vater und kann ebenso perfekt französische Zöpfe flechten wie er das Lasso schwingen kann. Über ein mangelndes Interesse der weiblichen Bevölkerung von Cheyenne, Wyoming, kann er sich nicht beklagen. Doch er ist ein gebranntes Kind und möchte nicht irgendeine Frau als Stiefmutter für seine kleine Tochter. Als die junge Charlotte Gram aus der Großstadt nach Cheyenne kommt, um ihrer Oma zu helfen, ist ihm sofort klar, dass dies nur Ärger bedeuten kann, ganz gleich, wie sehr sie sein Blut in Wallung bringt. Schließlich haben die Leute aus der Stadt keinen Schimmer, was das Rancherleben mit sich bringt und halten sich oft genug für etwas Besseres. Doch sein Entschluss, sie möglichst auf Abstand zu halten, ist zum Scheitern verurteilt. Denn bald wird klar, dass Charlotte völlig überfordert damit ist, die Farm ihrer Großmutter wieder auf Vordermann zu bringen und seine Hilfe braucht. Und ein echter Cowboy lässt schließlich keine Dame hängen, ganz gleich, wie sehr sie ihn in den Wahnsinn treibt ...

"Die Chemie zwischen Tripp und Charlotte war einfach unwiderstehlich!" KIMBERLY FAYE READS

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Seitenzahl: 273

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhalt

Titel

Zu diesem Buch

Widmung

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

Epilog

Die Autorin

Die Romane von Joya Ryan bei LYX

Leseprobe

Impressum

JOYA RYAN

Ein Cowboy zum Anbeißen

Roman

Ins Deutsche übertragen von Susanne Gerold

Zu diesem Buch

Zwei wie Feuer und Wasser!

Tripp Montgomery ist Rancher und alleinerziehender Vater und kann ebenso perfekt französische Zöpfe flechten wie er das Lasso schwingen kann. Über ein mangelndes Interesse der weiblichen Bevölkerung von Cheyenne, Wyoming, kann er sich nicht beklagen. Doch er ist ein gebranntes Kind und möchte nicht irgendeine Frau als Stiefmutter für seine kleine Tochter. Als die junge Charlotte Gram aus der Großstadt nach Cheyenne kommt, um ihrer Oma zu helfen, ist ihm sofort klar, dass dies nur Ärger bedeuten kann, ganz gleich, wie sehr sie sein Blut in Wallung bringt. Schließlich haben die Leute aus der Stadt keinen Schimmer, was das Rancherleben mit sich bringt und halten sich oft genug für etwas Besseres. Doch sein Entschluss, sie möglichst auf Abstand zu halten, ist zum Scheitern verurteilt. Denn bald wird klar, dass Charlotte völlig überfordert damit ist, die Farm ihrer Großmutter wieder auf Vordermann zu bringen und seine Hilfe braucht. Und ein echter Cowboy lässt schließlich keine Dame hängen, ganz gleich, wie sehr sie ihn in den Wahnsinn treibt …

Für T. M.

Ich hatte keine Ahnung, dass mein Leben sich für immer ändern würde, als ich zu einem Rodeo ging. Ich bin dir in Cheyenne begegnet, und acht Stunden später habe ich den Plot für dieses Buch geschrieben. Du bist der Wyoming Country-Boy und der Grund dafür, dass es diese Serie gibt.

Danke, dass du mich an diesem Abend zum Tanzen aufgefordert hast.

Ich liebe dich.

1

»Bin wieder da!«, rief Tripp Montgomery, als er sich dem friedlich daliegenden Ranchhaus näherte. Er ging eilig hinein, oder wollte es, denn kaum war er durch Tür getreten, knallte ihm die Fliegentür an den Kopf. »Verdammt«, murmelte er leise und rückte seinen Stetson zurecht.

Noch ein Punkt auf seiner endlosen To-do-Liste: Fliegentür reparieren, damit sie mir nicht jedes Mal an den Kopf schlägt.

»Daddy!« Die Kinderstimme kam von irgendwo weiter drinnen im Haus, dann erklang das Trippeln kleiner Schritte, als Gracie von ihrem Zimmer durch die Küche ins offene Wohnzimmer gelaufen kam, wo Tripp im Türrahmen stand und sich den Staub von den Stiefeln klopfte.

Noch immer staunte er darüber, wie sehr das Herz ihm jedes Mal vor Freude aufging, weil er wusste, dass er es war, auf den sie zulief.

Ein Schopf aus hüpfenden blonden Locken und wedelnde Arme wurden sichtbar. Er schnappte sich seine sechs Jahre alte Tochter, hob sie hoch und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. »Tut mir leid, dass es später geworden ist, Baby«, sagte er. Es war sein ewiges Problem als Viehrancher und alleinerziehender Vater.

»Ist schon okay. Onkel Cash hat mit mir Twister gespielt. Ich habe gewonnen.« Gracie gluckste und sagte dann im Flüsterton: »Onkel Cash ist nicht sehr beweglich.«

»Kann man wohl sagen.« Tripp lächelte sie an.

»Ich habe das gehört«, sagte Cash, als er das Zimmer betrat. Seine blonden Haare waren wirr, die Jeans zerknittert, als hätte er wirklich beim Twister-Spielen verloren.

»Und ich bin nicht steif, ich bin verantwortungsbewusst«, fügte er hinzu.

»Uh-huh.« Cash war einer seiner beiden Freunde, die bei ihm wohnten und ihm halfen, die Ranch zu führen und seine Tochter großzuziehen. Er war der beste Freund, den ein Mann nur haben konnte. Allerdings war er in seinem Verantwortungsbewusstsein noch unnachgiebiger als Tripp – und das wollte etwas heißen. Andererseits hatte er eine Vergangenheit und einen rücksichtslosen Zwillingsbruder, und durch beides war er zu dem geworden war, der er war. So wie auch Tripp durch seine Vergangenheit und die Frau, die ihn und ihre gemeinsame kleine Tochter ohne eine einzige Erklärung verlassen hatte, zu dem geworden war, der er war.

Über nichts davon wurde jemals gesprochen.

Tripp widmete sich wieder Gracie, die er immer noch auf den Armen trug. »Tut mir leid, aber die Rinder waren heute störrisch. Bist du bereit für die Pfadfinderinnen?«

Gracie nickte begeistert. Sie war bereits vollständig als Pfadfinderin angezogen, nur trug sie noch ihre Kleinmädchensandalen, die sie so unbedingt hatte haben wollen, dass er schließlich nachgegeben hatte.

»Du solltest jetzt deine Sandalen aus- und die glänzenden Schuhe mit den Schnürsenkeln anziehen«, sagte Tripp und stellte sie auf den Boden.

Sie rannte in ihr Zimmer.

Aus der Küche waren Geräusche zu hören; der Kühlschrank und die Speisekammer wurden geöffnet und wieder geschlossen. Dann erklangen schwere Schritte.

»Du hast fast keine Kekse mehr«, sagte Bo und blieb im Türrahmen stehen, der die Küche vom Wohnzimmer trennte. Er biss in einen Apfel und verzog das Gesicht, als er Tripp ansah. »Und du riechst wie die hinteren vierzig Morgen Weideland.«

»Pass auf, dass ich dir nicht gleich in den Hintern trete«, sagte Tripp zu seinem zweiten besten Freund und Ranchhelfer. »Ich rieche deshalb so, weil ich den ganzen Tag da draußen war und Vieh getrieben habe. Das hättest du eigentlich machen sollen. Du hast gesagt, dass du mit den westlichen vierzig Morgen fertig bist.«

»Das stimmt auch. Aber dann bin ich wieder hierhergekommen, um auf Gracie aufzupassen, während Cash sich um die Pferde gekümmert hat.«

»Was ist mit der Babysitterin passiert?«, fragte Tripp. Obwohl sie normalerweise ganz gut zu dritt zurechtkamen, ging es jetzt im Sommer, in der anstrengendsten Jahreszeit überhaupt, nicht ohne Babysitterin. Sie war ihre letzte Rettung gewesen.

»Sie musste weg«, sagte Bo und wich Tripps Blick aus, während er sich mit der Hand durch sein schwarzes Haar fuhr.

Verdammt.

Tripp kniff die Nasenflügel zusammen. »Bitte sag jetzt nicht, dass du schon wieder eine vertrieben hast. Wenn du weiter mit ihnen schläfst, trete ich dir in den Arsch, das schwöre ich bei Gott.«

Bo lächelte ihn auf dieselbe Weise an, wie er es tat, seit sie zusammen auf der High School gewesen waren. Dieses »Vielleicht-hab-ich’s-ja«-Lächeln, für das der Frauenheld der Stadt berüchtigt war. Aber er war auch ein guter Kerl, und die drei waren seit ihrer Kindheit befreundet.

Was nicht bedeutete, dass Tripp ihn nicht manchmal am liebsten umgebracht hätte.

»Ja, die Frau war ziemlich beleidigt, als ich auftauchte«, sagte Cash. »Ich hörte nur noch, wie die Arme sagte, dass Bo nie anrufe, als sie aus dem Haus lief.«

»Du bist mir ja ein schöner Freund«, sagte Bo.

»Ich sage nur, wie’s war«, entgegnete Cash.

»Hör zu, Frauen laufen ständig weg, aber das bedeutet nicht –«, Bo unterbrach sich abrupt, und Cash sah ihn finster an.

Tripp stand einfach nur da. Nachdem Shania weggelaufen war und ihn mit Gracie zurückgelassen hatte, war es, als sei ein Schalter umgelegt worden. Sie unterhielten sich in Wirklichkeit nie über Frauen, die wegliefen. Warum das so war, wusste er nicht. Es ging ihm gut. Absolut gut.

»Du hast recht, Frauen laufen ständig weg«, sagte Tripp. »Aber wenn du noch einmal eine Babysitterin vertreibst, wirst du in der Scheune schlafen.«

Bo hob abwehrend die Hände; in der einen hatte er immer noch den Apfel. »Verstanden. Aber wieso brauchen wir überhaupt eine? Ich bin hier weit und breit der beste Babysitter, und ich liebe meine kleine Nichte.«

»Du isst den ganzen Tag Kekse und siehst ›Die Eiskönigin‹ mit ihr«, wandte Cash ein.

»Hey.« Bo fischte einen Oreo-Keks aus seinen Jeans und blickte zwischen ihm und dem Apfel hin und her, dann steckte er sich den Keks in den Mund. »Kekse sind phantastisch, und die Eiskönigin ist heiß. Es gibt schlimmere Möglichkeiten, den Tag zu verbringen.«

»Ja, so wie Vieh zu treiben«, sagte Tripp.

»Jetzt mach dir nicht ins Hemd. Ich werde die südlichen vierzig übernehmen.« Bo musterte Tripp. »Bringst du sie zu den Pfadfinderinnen?«

Tripp hob seinen Stetson, um sich mit der Hand durch die Haare zu fahren, dann setzte er ihn wieder auf. »Ja. Ich setze sie dort ab und fahre für ein Stündchen in die Stadt.«

»Dann willst du dich vielleicht vorher umziehen«, sagte Bo und widmete sich wieder seinem Apfel.

Cash nickte zustimmend.

»Verdammt«, murmelte Tripp und ging zu seinem Schlafzimmer. Bo und Cash folgten ihm, redeten noch auf ihn ein, als würde er sich nicht bereits fertig machen. Immer noch vor sich hin brummend, griff er nach einem sauberen T-Shirt, wusch sich das Gesicht und klopfte sich den Staub von den Jeans. Das musste reichen.

»Dein soziales Leben ist ziemlich traurig, so zwischen Pfadfinderinnentreffen und Rindern«, sagte Bo.

Tripp warf seinem Freund einen ungläubigen Blick zu. »Vielleicht ist dir entgangen, dass ich in diesem Sommer einiges am Hals habe. So wie Rinder zu versorgen und eine Tochter großzuziehen.«

»Ach ja? Ich hab mich nämlich schon gefragt, ob du vielleicht einfach nur Angst vor Frauen hast.«

»Du musst heute ziemlich frustriert sein, dass du solchen Mist von dir gibst.«

Bo verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein und grinste. Dummer Hund.

»Du tust alles, um Frauen aus dem Weg zu gehen«, sagte Bo; er machte hartnäckig weiter. »Sieht für mich ganz nach Angst aus.«

»Ich versuche, eine Frau großzuziehen. Ich habe keine Angst vor ihnen.«

Wie auf ein Stichwort kam Gracie herbeigesprungen, bereit zum Aufbruch. Er hätte nie gedacht, dass seine ganze Welt sich einmal um so kleine Füße drehen würde.

»Deshalb bin ich hier, um zu helfen«, sagte Bo.

»Ich auch«, ergänzte Cash.

»Ja, wir sind einfach nur ein Haus voller Rednecks.«

»Gibt Schlimmeres«, sagte Bo und biss noch einmal in seinen Apfel.

Tripp verdrehte die Augen.

»Na ja …« Bo schlug Tripp auf die Schulter. »Schönen Tag. Übrigens, du hast immer noch Kuhmist an deinem Stiefel und Glitzer in den Haaren.«

Tripp holte tief Luft und sah in den Spiegel. Der Mist war ein Nebeneffekt seiner Arbeit, und der Glitzer stammte von Gracies Versuch, ihre fragwürdigen Frisiertechniken mit funkelndem Haarspray an ihm auszuprobieren.

Unwichtig. Er würde später duschen.

»Du bleibst nicht?«, fragte Tammy Jones mit lauter Stimme von der anderen Seite des Imbisstresens. Sie war ganz nett, geschieden, hatte eine Tochter in Gracies Alter und half, so wie einige der anderen Frauen hier, ständig bei den Pfadfindertreffen aus. Sie alle gaben Tripp regelmäßig Aufläufe und Kekse mit und versuchten, mit ihm zu flirten.

Nicht, dass er interessiert war.

»Nein, Ma’am, ich hab noch ein paar Dinge zu erledigen.« Er sah Gracie an, die sich bereits zu den anderen Kindern gesellt hatte. »Bis in einer Stunde, Baby.«

Gracie winkte und drehte sich wieder zu ihren Freundinnen um.

Tammy musste sich an ihm vorbeigeschlichen haben, denn sie fing ihn am Ausgang ab, klimperte mit den Wimpern und warf sich mit einer ruckartigen Kopfbewegung die Haare aus dem Gesicht. Tripp wusste, was als Nächstes kam. Nicht, weil er sich für besonders heiß hielt, sondern weil er solo war und ein Kind hatte, was ihn häufig in eine Situation brachte, in der er mit vielen Frauen zusammen war. Bei denen es sich häufig, so traurig es auch war, ebenfalls um Alleinerziehende handelte.

»Hast du am Wochenende was vor?«, fragte Tammy. »Im Drive-in läuft ein neuer Film.«

Das Drive-in am Rande der Stadt war der Ort, wo sich Teenager zum Knutschen trafen. Er sah Tammy an. Sie sah ihn ebenfalls an, und er wusste genau, was dieser Blick bedeutete. Aber das spielte keine Rolle. Er würde nicht riskieren, sich in eine Frau zu verlieben, um erneut zu erleben, dass sie ihn und Gracie verließ. Das konnten sie nicht noch einmal brauchen. Wenn Gracies eigene Mutter es geschafft hatte, sie beide zu verlassen, konnte es jede tun. Aber er würde nicht zulassen, dass seine Tochter so etwas noch einmal erlebte. Selbst wenn Bo recht hatte und Tripp dazu verdammt war, derjenige mit dem traurigsten sozialen Leben in der ganzen Stadt zu sein.

»Im Sommer habe ich auf der Ranch besonders viel zu tun. Tut mir leid, aber ich werde nicht oft dazu kommen, mir einen Film anzusehen.«

»Aber du bist doch dann später beim Nut Fry dabei, oder?« Da war etwas Quengelndes in ihrer Stimme.

»Hast du gerade vom Nut Fry gesprochen?«, mischte sich Lucy France ein und stellte sich auf die andere Seite von Tripp.

Er rückte weg und fluchte innerlich. Sie hatten ihn in der Zange und hinderten ihn daran, wegzugehen.

Lucy schob ihre Brüste ein bisschen vor. »Ich freue mich jedes Jahr auf dieses Fest, weißt du?«

Das städtische »Nut Fry« fand seit zehn Jahren auf dem Land der Montgomerys statt, dort, wo es an die Stadt grenzte. Es gab eine Bar, die Rancher stifteten das Essen und ortsansässige Verkäufer verkauften ihre Waren.

Als Tripp die Ranch nach dem Tod seines Vaters ein paar Jahre zuvor übernommen hatte, betraf das auch alles andere, was damit verbunden war, auch das Nut Fry.

»Bis dahin ist’s noch ’ne Weile hin, aber ja, das Nut Fry wird bereits organisiert.« Er schenkte ihnen sein schönstes Lächeln und versuchte, unauffällig nach der Türklinke zu greifen.

»Du arbeitest so hart da draußen auf der Ranch«, sagte Tammy und zog einen Schmollmund. »Du solltest wirklich mal eine Pause machen. Zum Beispiel an einem Wochenende.«

»Ich wünschte, das könnte ich, aber für Rinder gibt es nun mal keinen Unterschied zwischen Werktagen und Wochenenden.«

Er tippte mit der einen Hand an die Hutkrempe und schaffte es endlich, die andere auf die Türklinke zu legen.

»Einen schönen Tag noch euch beiden.« Er konnte regelrecht spüren, wie sich die Blicke von Tammy und Lucy in seinen Rücken bohrten, während er den Stetson zurechtrückte und hinaus in die Sommersonne von Cheyenne, Wyoming, trat. Sein Zuhause. Gracies Zuhause. Ihr Leben war gut so, wie es war.

Obwohl … Tripp überlegte, wie lange es her war, seit er das letzte Mal eine Frau in seinem Bett hatte. Er fuhr sich mit der Hand über das stoppelige Kinn.

Zu lange.

Er warf einen Blick zurück zu dem Gebäude und schüttelte den Kopf. Ganz egal, wie er es auch betrachtete – er konnte an seinem Leben nichts ändern, denn es war ihm richtig übel mitgespielt worden. Wenn er sich mit irgendeiner Frau von hier einließ, würde das nur Ärger bedeuten. Cheyenne mochte zwar die größte Stadt in Wyoming sein, aber das war relativ. Bei gerade einmal ein paar tausend Einwohnern machten Nachrichten schnell die Runde, jeder kannte jeden, und die Kinder gingen zusammen zur Schule. Wenn Tripp sich mit jemandem einließ, würde es Gerüchte geben, und Gracies Freunde würden Fragen stellen und … deshalb … nein. Ganz schlechte Idee.

Was nicht bedeutete, dass Bo recht hatte, wenn er sagte, dass er vor Frauen Angst habe. Allerdings mochte es stimmen, dass er ihnen aus dem Weg ging.

Obwohl Tripp gute Gründe dafür hatte, sich nicht mehr mit Frauen einzulassen, liebte er sie immer noch. Es betraf ihn nur einfach nicht mehr. Seiner Tochter ein sicheres Umfeld zu bieten, war ihm das Wichtigste, und wenn das hieß, dass er enthaltsamer als ein Priester leben und auf der Ranch noch härter arbeiten musste, war das für ihn in Ordnung.

Zumindest redete er sich das ein. Bis er bei seinem Pick-up ankam und sein Gedankenstrom von der süßesten Stimme unterbrochen wurde, die er jemals gehört hatte. Doch diese Stimme fluchte mit aller Kraft.

»Du bist das schlimmste Auto in diesem Drecksloch von Stadt, und ich schwöre bei Gott …« Charlotte Gram trat mit ihrem Lieblingsstiletto gegen den Reifen auf der Fahrerseite ihres Mietwagens. Sie spürte die trockene Sommerluft heiß gegen ihre Haut wehen, und ein dünner Staubfilm legte sich auf ihren Nacken.

Eklig.

War es hier immer so staubig?

Sie war den Smog in Los Angeles gewöhnt, ebenso gewaltige Mengen von bescheuerten Menschen. Sie hätte nie gedacht, dass sie jemals einen Fuß nach Wyoming setzen würde. Niemals. Aber ihre Großmutter hatte sich dafür entschieden, in diesem Präriestaat ihren Lebensabend zu verbringen, und deshalb war auch Charlotte jetzt hier.

Wilma Gram war fünf Jahre zuvor nach Cheyenne gezogen, nachdem sie die Farm ihrer Familie geerbt hatte. Irgendein Großonkel war gestorben und hatte sie ihr hinterlassen. Offensichtlich kam sie mit dem Landleben sehr gut zurecht, denn trotz ihrer mehr als siebzig Jahre blühte sie regelrecht auf. Zumindest bis zu diesem Sommer, als sie gezwungen gewesen war, sich das Fußgelenk operieren zu lassen. Und jetzt war der Fuß eingegipst.

Da Charlotte die Einzige war, zu der Grammy noch Kontakt hatte, war es an ihr, sich um sie zu kümmern, während sie sich erholte. Was bedeutete, dass sie in diesem Sommer einige Wochen in dieser kleinen Stadt verbringen und – während sie vom Haus ihrer Großmutter aus ihrem Beruf nachging – sich an deren Stelle um die Farm kümmern und all die damit verbundenen Aufgaben erledigen würde.

Das war nicht gerade Charlottes Spezialgebiet.

Trotzdem klang der Plan einfach.

Sie konnte weiter Webseiten erstellen, ihren Lebensunterhalt verdienen und schon bald wieder in ihr altes Leben in L. A. zurückkehren. Abgesehen davon war es nicht so, als hätte ihre Großmutter eine besonders große Farm … zumindest glaubte sie das nicht. Charlotte hatte Grammy noch nie besucht, seit sie sich in Wyoming niedergelassen hatte. Eingespannt zwischen dem Aufbau ihrer Karriere und der Bewältigung einiger schlimmer Beziehungen, war sie ausreichend damit beschäftigt gewesen, sich beruflich über Wasser zu halten und sich auf ein Leben als alte Jungfer einzustellen.

Es war einfach so, dass sie nach dem dritten Date immer anfing zu glauben, dass der Mann, mit dem sie zusammen war, sie eigentlich gar nicht wollte. Und es waren auch keine besonders romantischen Beziehungen gewesen. Charlotte schien niemals irgendwohin zu passen oder dem Ideal von jemandem zu entsprechen. Sie war nicht erfolgreich genug – noch nicht –, um als versiert zu gelten, und sie war nicht kreativ genug, um eine »als Kleinunternehmerin tätige Hipster-Frau« zu sein. Sie war auch zu direkt, um damenhaft zu sein, und zu prüde, um besonders erotisch zu wirken. Zu allem Überfluss war es nicht so, als könnte sie daran irgendetwas ändern. Ihre Mutter hatte bei ihrer Erziehung völlig versagt, und ihr Vater war bereits verschwunden, als sie noch klein gewesen war. Sie hatte todsicher nie jemanden gehabt, auf den sie sich hätte verlassen können.

Im Grunde war sie ihr ganzes Leben lang nicht einzuordnen und unerwünscht gewesen.

Sich zu binden war nichts, was sie besonders anstrebte. Niemals. Denn das hätte bedeutet, dass sie darauf vertraute, dass jemand sie ganz und gar liebte, am liebsten langfristig, was nicht wahrscheinlich war. Nein, es war besser, wenn sie sich an ihre Regeln hielt – keine Bedingungen, keine Bindung, keine Familie. Mit Ausnahme von Grammy. Ganz sicher würde Charlotte niemals eigene Kinder haben, ganz egal, wie viele wichtigtuerische Frauen ihr im Spin-Kurs erzählten, dass ihre Gebärmutter schon bald vertrocknet sein würde. Sie war erst dreißig, um Himmels willen.

Nun ja. Sie arbeitete allein, lebte allein …

… und würde wahrscheinlich auch allein sterben.

Tatsächlich war das irgendwie deprimierend.

Charlotte blies sich eine dunkle Locke aus dem Gesicht und sah sich um. Die Stadt war zumindest nett. Das Stadtzentrum von Cheyenne befand sich im Grunde zwischen einer alt aussehenden, ganz aus Ziegelsteinen bestehenden Bank und einem Antiquitätengeschäft. Es waren nicht viele Leute unterwegs, im Vergleich zu den gewaltigen Menschenströmen, an die sie gewöhnt war.

Es war hier alles so still. Ruhig.

Klaustrophobisch.

Sie zitterte. »Schätze, dieser Ort hat nicht mal einen Triple A«, sagte sie und beäugte ihren neuesten Feind, den Mietwagen, mit dem sie sich überhaupt nicht auskannte und der jetzt ein gequältes Keuchen von sich gab. Unter der Motorhaube quoll eine leichte Dampfwolke heraus. Charlotte runzelte die Stirn. Es war ihr erster Tag hier, und sie schaffte es nicht einmal, durch diese Hinterwäldlerstadt zu fahren.

Sie trat wieder gegen den Reifen, stieß dabei eine weitere Reihe von Flüchen aus. Diese Schrottkiste sollte sie einfach nur zu ihrer Großmutter bringen. Sehr weit von hier aus konnte es ja nicht mehr sein, oder? »Blöde Karre –«

»Entschuldigung, Ma’am«, ertönte hinter ihr eine raue Stimme.

Charlotte hielt mitten im Treten inne und sah hoch, blickte auf einen sehr großen, sehr starken, sehr Cowboy-mäßigen Mann, der sie anstarrte.

»Es – Mist – ich meine, ja?« Ihre Haut wurde heiß, obwohl sie sich jetzt im Schatten der überaus beeindruckenden Gestalt von Mr Cowboy befand. Und sie verhielt sich wie eine Vollidiotin, die nicht reden konnte.

»Ich fragte mich nur, ob Sie vielleicht Hilfe brauchen?«, sagte er und tippte an den Stetson, ohne den Blick seiner kristallblauen Augen von ihr abzuwenden.

Mr Cowboy trug ein frisches weißes T-Shirt, das sich eng an den ausgeprägten Sixpack und die breite, kräftige Brust schmiegte. Die schmutzigen blonden Haare unter seinem Hut passten zu den mehrere Tage alten Bartstoppeln.

Sie wusste nicht, ob es am Jetlag oder der Höhe lag, weshalb ihr das Schlucken so schwerfiel.

Sie ließ ihre Augen nach unten wandern, verschlang ihn mit ihren Blicken, als wäre er ein lebensgroßer Snickers-Riegel. Dann stieß sie auf seine schmalen Hüften, und in ihrem Kopf erklang das Mantra …

Hungrig? Warum warten?

»Ma’am?«, fragte er noch einmal.

Sie riss sich von seinem Anblick los und verzog das Gesicht, als sie begriff, dass ihr Körper sie verraten hatte. Sicher, es war eine Weile her, seit sie das letzte Mal Sex gehabt hatte, aber sie musste sich jetzt trotzdem beherrschen. Es war ja schließlich nicht so, als hätte sie noch nie einen Cowboy gesehen. Hatte sie nämlich sehr wohl … im Kino.

»Tut mir leid«, sagte sie und bemühte sich, auf anmutige Weise selbstsicher zu wirken. »Ich bin ziemlich durcheinander wegen dieses Autos und ich bin –«

»Ein City-Girl«, beendete er lächelnd den Satz an ihrer Stelle. Dann ging er lässig um das Auto herum und öffnete die Motorhaube.

»So wie Sie ›City-Girl‹ sagen, klingt es, als sei es etwas Schlimmes«, erwiderte sie.

Noch immer lächelnd schüttelte er den Kopf und sah sich den Motor an.

»Gar nicht. Städte können Spaß machen. Ist immer viel los da.« Er sah in ihre Richtung, aber sein Blick begann bei ihren Füßen und glitt langsam ihre Beine entlang nach oben. Ihr Kleid fühlte sich plötzlich an den Oberschenkeln eng an, und das Top mit der durchgehenden Knopfleiste kam ihr auf einmal furchtbar beengend vor. Vielleicht bescherte ihr aber auch nur der Blick von Mr Cowboy diese Hitzewoge.

»Hier scheint ja wohl nicht besonders viel los zu sein«, sagte sie und lenkte damit seinen Blick von ihrem Körper weg.

»Das stimmt nicht. Hier gibt es jeden Sommer eine fantastische Rodeo-Show.«

Sie lachte.

Er blinzelte.

Oh, meinte er das ernst?

»Das klingt nach … allerhand«, sagte sie in dem Versuch, höflich zu sein. Aber dann beugte Mr Cowboy sich über den Motor und begann, mit Wer-weiß-Was unter der Motorhaube herumzuhantieren, bewegte dabei die gebräunten Arme, wodurch sein T-Shirt sich über den Schultern spannte. Kräftigen Schultern. Schultern, die die Kratzspuren von Fingernägeln aushalten würden …

Sie schüttelte erneut den Kopf und kam zu dem Schluss, dass sie hungrig war und nur einen echten Snickers-Riegel brauchte. Das war alles.

»Überhitzung«, sagte er und starrte sie an.

Sie sah ihn überrascht an, und ihre Hände strichen den Rock glatt. »Es geht mir ausgezeichnet«, verteidigte sie sich.

Er lachte in sich hinein. »Nein, ich meine Ihr Auto. Sie haben kein Kühlwasser mehr. Ich habe welches in meinem Auto.« Und damit ging er ein Stück die Straße hinunter zu einem wuchtigen Pick-up und hob etwas von der Ladefläche herunter. Und sie hatte gedacht, seine Vorderseite sei schon anbetungswürdig? Seine Rückseite war sogar noch besser. Und diese Jeans? Sie wusste nicht, wer für das Design von Wrangler verantwortlich war, aber sie würde diesem Genie einen Brief schreiben, denn verdammt, sie brachten Mr Cowboys Hintern perfekt zur Geltung.

Vielleicht konnte sie die Sehenswürdigkeiten von Wyoming doch ein bisschen genießen. Es war klar, dass sie den Sommer über auf der Farm feststecken würde. Vielleicht hatte sie Zeit, die Vorteile der Stadt zu nutzen, bevor es mit der Arbeit und der Pflege ihrer Großmutter losging.

Cowboy kehrte mit einer Kanne zu ihr zurück, in der vermutlich Kühlwasser war. Er beugte sich wieder über den Motor.

»Ziemlich hart für eine Dame, Cheyenne auf diese Weise kennenzulernen«, sagte Cowboy und konzentrierte sich darauf, das Kühlmittel einzufüllen.

»Ich muss zugeben, dass dieses erste Erlebnis mein Urteil über Cheyenne beeinflussen könnte.«

»Oh, nun, ich hoffe, Sie werden mit einer ausschließlich positiven Sicht auf die Dinge wieder von hier weggehen«, sagte er, richtete sich auf und wischte sich die Hände ab.

Positive Sicht, in der Tat.

»Starten Sie den Motor und schauen wir, ob es geholfen hat«, wies er sie an.

Sie setzte sich ins Auto und ließ die Fahrertür offen. Sie brüllte: »Okay, stelle den Motor jetzt an …«

Sie tat es.

Und der Motor tat es.

»Sie sind unglaublich«, entschlüpfte es ihr, bevor sie sich anders besinnen konnte. Als sie ausstieg, stellte sie fest, dass er lächelte.

»Nein, Ma’am, ich helfe nur einer Frau in Not.«

Da wir gerade von einer Frau in Not sprechen …

»Ich würde Ihnen gern einen Drink spendieren, um mich zu bedanken«, sagte sie.

»Nein, Ma’am«, sagte er rasch, und ihr innerer Ballon sackte in sich zusammen. Aber er lehnte an ihrem Auto und grinste. »Aber ich würde gern Sie zu einem Drink einladen und Ihnen eine schönere Seite von Cheyenne zeigen. Sie müssen mir nichts spendieren, um sich zu bedanken.«

Überall in ihrer Brust leuchteten glückliche Funken, und sie versuchte, bei dem Gedanken an ein Date mit dem Cowboy nicht wie eine Pubertierende herumzutanzen. Offensichtlich stand sie auf Country-Boys, denn sie hatte sich schon seit Langem nicht mehr so stark zu jemandem hingezogen gefühlt.

»Und wann?«, fragte sie.

Er lächelte und nickte in Richtung Bar, die sich an der Häuserecke gerade mal einen Block entfernt befand. »In der Cadillac Bar gibt’s heute Abend Livemusik. Haben Sie um acht Zeit?«

»Ich werde da sein«, sagte sie.

Er tippte sich wieder an die Hutkrempe. »Freut mich, Sie kennengelernt zu haben …«

»Charlotte«, sagte sie.

»Tripp.«

Natürlich war sein Name Tripp. Ein Mann wie er würde niemals ein Blake oder ein Andrew sein. Nein, er war Tripp. Rustikal, ein bisschen schmutzig und in jeder Hinsicht vollkommen falsch für sie. Aber vollkommen richtig für eine kurze, überschaubare Episode. Bei diesem Mann brauchte sie sich keine Gedanken über die Dauer oder ihr Herz zu machen; vielmehr musste sie sich Gedanken um ihren Slip machen.

Sie hatte den heimlichen Verdacht, dass er nicht überleben würde.

2

»Verdammt«, murmelte Tripp vor sich hin, als er das Rasiermesser im Waschbecken abspülte und den kleinen Schnitt am Hals betrachtete. Die Hälfte seines Gesichts war immer noch voller Rasierschaum, und er hatte das Gefühl, als würde er einfach nicht vorankommen und sich dauernd schneiden.

»Hier riecht’s wie damals in der Abschlussklasse«, sagte Bo vom Türrahmen her. »Vergiss das, es riecht wie bei der Ballnacht der Abschlussklasse.« Sein Kumpel riss die Augen auf. »Heilige Scheiße! Putzt du dich so raus, um wieder mit Sally Waylon zu schlafen?«

»Halt den Mund«, sagte Tripp und zog das Rasiermesser in einer einzigen Bewegung vom Hals zum Kinn.

»Er hat ein Date«, sagte Cash, der mit einem Bier in der Hand zu Bo trat. Als sei Tripp in diesem Haus für die gottverdammte Unterhaltung zuständig. Er hatte aus gutem Grund einen Kabelanschluss. Seine beiden Freunde sollten sich lieber verziehen und Animal Planet kommentieren anstelle seines Lebens.

Er stand mit einem um die Hüfte gewickelten Handtuch da, zum Teufel noch mal.

»Könnt ihr mich vielleicht allein lassen?«, fragte Tripp.

»Ein Date?«, wollte Bo von Cash wissen, als würde Tripp nicht neben ihnen stehen.

»City-Girl mit Autoproblem. Er hat sie heute in der Stadt getroffen.«

»Einzelheiten«, sagte Bo und wackelte mit den Brauen.

Tripp öffnete den Mund, um ihm zu sagen, dass er sich davonmachen solle, als Cash abwinkte.

»Es war ein Kühlwasserproblem«, sagte er zwischen zwei Schlucken Bier. »Überhitzung. Leicht zu beheben.«

»Einzelheiten über das Mädchen«, sagte Bo. »Himmel, ich habe das Gefühl, ich bin hier von eingefleischten Jungfrauen umgeben.«

»Verglichen mit dir, der jedes Wochenende ein anderes Mädchen hat?«, fragte Tripp und spülte das Rasiermesser wieder ab.

»Hey, ich denke nur an eure Schwänze. Ihr müsst beide endlich raus in die Welt, sonst kriegen die Dinger noch Depressionen und fallen ab«, sagte Bo.

»Wir trinken nur was zusammen«, entgegnete Tripp.

»Und dennoch rasierst du dich«, sagte Cash. »Klingt nach mehr als nur was trinken.«

Tripp starrte ihn finster an, und Cash hob die Hände.

»Er hat nicht ganz unrecht«, sagte Bo. »Du bist schon eine Weile nicht mehr mit einem Mädchen zusammen gewesen.«

»Ich bin jeden Tag mit einem Mädchen zusammen«, gab Tripp gereizt zurück. »Ich versuche, sie großzuziehen.«

»Was ziemlich lobenswert ist, aber es ist an der Zeit, dass du mit einer echten Frau ausgehst«, sagte Bo.

»Wieso gehst du eigentlich jetzt aus?«, fragte Cash. »Bleibt sie nicht hier?«

»Ich weiß nicht, wie lange sie hier ist, aber ich schätze, nicht lange. Sie ist eindeutig nur auf Besuch«, sagte Tripp. Er versuchte, sich ihr Gespräch von ein paar Stunden vorher in Erinnerung zu rufen, aber er blieb immer wieder an der Frau – oder genauer: ihrem Aussehen – hängen. Sie war umwerfend. Nichts als dunkle Augen und Haare und lange Beine. Und ihr Mund war auf eine Weise voll, wie er es noch nie bei einer echten Frau gesehen hatte. Wie zwei Lippen, die von Bienen zerstochen waren und wahrscheinlich unglaubliche Dinge mit einem Mann machen konnten …

Er klopfte mit dem Rasiermesser an die Seite des Waschbeckens. Er musste seinen Verstand einschalten. Ja, er traf eine Frau. Aber es würde trotzdem Grenzen geben. Wie immer.

»Na ja, damit bist du frei von irgendwelchen Bindungen oder deinem Elterndilemma«, sagte Bo. »Schlau.«

»Wir. Gehen. Nur. Was. Trinken.«

Cash und Bo wechselten einen Blick.

»Gib’s zu, sie erfüllt alle Kriterien, die du brauchst, um Sex zu haben«, sagte Bo und hängte einen Daumen in die Gürtelschlaufe.

»Ich würde eine Frau niemals so behandeln«, sagte Tripp. Aber bei Gott, er hoffte, dass er ihr näherkommen konnte. Auf jede Weise. Sie war wunderschön und auf genau die Weise frech, die ihn wahnsinnig machte. Und wenn es zu mehr kommen sollte, konnte Tripp es sich tatsächlich erlauben, die Nacht zu genießen, ohne sich Sorgen machen zu müssen über die Folgen, die dies in einer Kleinstadt nach sich ziehen würde. Sie war nicht einmal aus Wyoming. Er war aus dem Schneider.

Das hieß, wenn die Dinge sich so entwickelten.

»Hört zu, ich gehe nur ein paar Stunden mit einer Frau aus. Ganz unverbindlich. Respektvoll und aufrichtig.«

Bo zog eine Augenbraue hoch. »Wow, sprich weiter so, dann kannst du sicher sein, dass ihr Slip dahinschmilzt.«

»Er muss immer noch praktisch denken«, sagte Cash. »Aber die Gelegenheit ist erstklassig.«

Das stimmte. Tripp war sich nur zu bewusst, dass er die Chance hatte, sich heute Nacht wie ein verdammter Mann zu fühlen. Nicht nur, weil er an ihre Schenkel oder ihren üppigen Mund denken musste.

Er liebte Gracie. Er würde alles für sie tun. Aber heute Nacht konnte er für ein paar Stunden einfach nur er selbst sein und mit einer Frau, die ihn nicht kannte, die nichts von ihm wollte und keine Erwartungen an ihn hatte, etwas trinken. Sie hatte nicht die Macht, ihn zu verletzen oder ihn und Gracie zu verlassen. Es war alles nur oberflächlich und folgenlos. Und Tripp konnte heute Abend etwas Oberflächliches gebrauchen.

»Danke, dass ihr auf Gracie aufpasst«, sagte er zu den beiden. Sie waren die besten Freunde, die ein Mann sich wünschen konnte, und Gracie liebte sie. Sie waren seit ihrer Geburt da gewesen und würden nirgendwo hingehen. Zwei Kumpel, auf die Tripp sich immer verlassen konnte.

»Klar doch!«, sagte Bo. »Viele würden sich opfern, wenn es um deine Queste geht, Sex zu haben. Viel Glück, Bruder. Mögest du deinen Weg finden.«

Tripp verdrehte die Augen.

Cash schlug Bo auf den Rücken. »Da hat sich jemand wieder Herr der Ringe auf seinem Smartphone angesehen, was?«

»Kann sein …«, murrte Bo.

Tripp drängte seine Freunde durch die Tür nach draußen, machte sie zu und zog sich an. Schließlich trug er seine am wenigsten abgetragene Jeans und ein blaues Westernhemd. Dann setzte er seinen sauberen Stetson auf, nicht den, den er bei der Arbeit trug und der schmutzig war und nach Schweiß roch. Er strich sich mit der Hand über sein frisch rasiertes Gesicht. Verdammt, er hatte eine ganze Weile kein Date mehr gehabt.

Gut, dass es kein Date war.

»Wir gehen nur was trinken«, sagte er zu dem Spiegel. Aber Miss Stadtkind Charlotte brachte ihn auf Gedanken, die er seit Langem nicht mehr gehabt hatte. Angefangen bei der Vorstellung, wie ihre perfekten Lippen wohl schmeckten.

Er verließ sein Zimmer und betrat das von Gracie.

»Ich wollte dich zudecken, Baby«, sagte er zu seiner Tochter, die sich bereits in ihre Decke einkuschelte.

»Onkel Bo hat mich zugedeckt. Ich fühle mich sehr wohl.« Sie räkelte sich behaglich.

»Na ja, Onkel Bo ist gut darin, jemanden zuzudecken«, sagte er.

Gracie lächelte schläfrig und nickte. Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und strich ihr über die Haare. »Ich liebe dich, Baby.«

»Ich liebe dich auch, Daddy«, sagte sie.