Ein Fall geschickter Täuschung - Sir Arthur Conan Doyle - E-Book

Ein Fall geschickter Täuschung E-Book

Sir Arthur Conan Doyle

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Beschreibung

Das plötzliche Verschwinden ihres Verlobten beunruhigt die wohlhabende Miss Sutherland: Ruhig und extrem verschlossen wie er war, weiß sie nicht viel über ihn. Merkwürdigerweise tippte er immer seine Briefe an sie, er schrieb nie per Hand und pochte darauf, dass sie ihre Briefe postlagernd an ihn sandte. Sherlock Holmes sieht ein Leichtes darin, den Fall aufzuklären, doch kann er seiner Klientin die Wahrheit sagen?-

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Seitenzahl: 32

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Sir Arthur Conan Doyle

Ein Fall geschickter Täuschung

Saga

Ein Fall geschickter TäuschungCopyright © 1891, 2019 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726372328

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von SAGA Egmont gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk

– a part of Egmont www.egmont.com

Ein Fall geschickter Täuschung.

„Lieber Freund,“ sagte Sherlock Holmes, als wir behaglich beisammen an seinem Kamin in der Bakerstrasse sassen, „das Leben selbst bringt weit Merkwürdigeres hervor, als alles, was der menschliche Geist zu erfinden vermag. Könnten wir jetzt Hand in Hand aus diesem Fenster fliegen und, über der Riesenstadt schwebend, die Dächer abheben, um zu beobachten, was sich in den Häusern zuträgt, wir würden staunen über alle die Pläne, die seltsamen Vorfälle, die Verkettung von Umständen, die sich durch Generationen hinzieht und zu den wunderbarsten Ergebnissen führt. Jegliche Dichtung mit ihren althergebrachten Formen, ihrem leicht vorauszusehenden Ausgang müsste uns schal und wertlos erscheinen.“

„Und doch bin ich hiervon nicht ganz überzeugt,“ erwiderte ich. „Die Fälle, welche die Zeitungen bringen, sind meist trocken und alltäglich genug. In unsern Polizeiberichten ist der Realismus auf die Spitze getrieben, und doch ist der Eindruck, den sie machen — das lässt sich nicht leugnen — weder spannend noch künstlerisch.“

„Um eine realistische Wirkung zu erzielen,“ bemerkte Holmes, „bedarf es einer gewissen Auswahl und Umsicht; hieran gebricht es den polizeilichen Berichten, die vielleicht auf die seichte Darstellung des Beamten mehr Wert legen, als auf die interessanten Nebenumstände, in denen der ernstere Beobachter die Beweggründe zu erblicken versteht, welche die That herbeiführten. Glaube mir, nichts ist so aussernatürlich wie das Alltägliche.“

Ich lächelte ungläubig. „Mich wundert nicht, dass du so denkst,“ sagte ich, weil du, als ausserordentlicher Helfer und Berater aller Ratlosen in drei Weltteilen, nur mit Ungewöhnlichem und Seltsamem in Berührung kommst. Lass mich,“ bat ich, die Zeitung vom Boden aufhebend, „meine Behauptung praktisch beweisen. Ich nehme die erste beste Notiz: ,Grausamkeit eines Gatten gegen seine Frau.‘ Die Geschichte füllt eine halbe Druckspalte, und ich kann sie ungelesen erzählen. Unbedingt ist eine andere Frau im Spiel, im übrigen entwickelt sich die Geschichte wie folgt: Trunkenheit, rohe Behandlung, Gewaltthat, Verwundung, Erscheinen der hilfreichen Schwester oder Wirtin. Der gewöhnlichste Schriftsteller könnte nichts Gewöhnlicheres erfinden.“

„Fehlgeschossen, dein Beispiel passt auf deine Behauptung wie die Faust aufs Auge,“ meinte Holmes, das Blatt überfliegend. „Es handelt sich hier um die Ehescheidung der Dundas, und zufällig hatte ich einige Punkte dabei aufzuklären. Der Mann ist ,Teetotaler‘, ein Mensch, der geistigen Getränken entsagt, eine andere Frau ist nicht im Spiel; die Anklage lautet: Der Mann habe sich angewöhnt, stets die Mahlzeit damit zu beschliessen, dass er sein falsches Gebiss herausnahm und es seiner Frau an den Kopf warf, ein Gebaren, das — du wirst mir das zugeben — nicht so leicht dem ersten besten Schriftsteller einfallen wird. Nimm eine Prise, Doktor, und gieb zu, dass dein Beispiel nicht stichhaltig ist.“

Er hielt mir seine Dose hin; sie war aus altem Gold und ein grosser Amethyst schmückte den Deckel. Das Kleinod passte wenig zu Holmes’ sonstiger Umgebung und einfacher Lebensweise; ich konnte nicht umhin, eine Bemerkung darüber zu machen.

„Ja so,“, sagte er, „ich vergass, dass ich dich seit einigen Wochen nicht gesehen habe. Das verehrte mir der Fürst von O ... als kleines Andenken für meine Bemühungen um die Papiere der Irene Adler.“

„ Und dieser Ring?“ fragte ich und blickte auf einen auffallend schönen Diamanten, der an seinem Finger glänzte.

,,Den erhielt ich von einem Mitglied des holländischen Königshauses; doch die Sache, mit der ich betraut war, ist so subtiler Art, dass ich sie nicht einmal dir anvertrauen kann, da du so freundlich gewesen bist, einige meiner kleinen Erlebnisse niederzuschreiben.“

„Ist wieder etwas im Werk?“ fragte ich begierig.