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Ein Haus in der Provençe zu besitzen ist der Traum vieler Menschen. Aber was braucht man um diesen Traum zu verwirklichen und auf welche Schwierigkeiten trifft man? Als Deutscher in Südfrankreich zu leben bedeutet, dass man kleine Hindernisse in den Weg gelegt bekommt, die einen manchmal, bedingt durch eine andere Lebensart und sprachliche Barrieren, an den Rand der Verzweiflung treiben. Doch wenn man diese Hindernisse umschifft hat, findet man schnell heraus, dass sich alle Qualen letztendlich gelohnt haben. Schnell verinnerlicht man die "Mode de Vie", die Lebensart der Provençalen und geniesst das Leben im vollen Umfang. Die kleinen, selbsterlebten Geschichten dieses Buches helfen die Klippen, die sich ringsherum aufbauen, zu umgehen.
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Seitenzahl: 139
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Vom Autor bereits erschienen:
Vietnam 2011 – Begegnungen
1. Prolog
2. Erste Eindrücke und wie ich versuche ein, aus Deutschland importiertes, Auto umzumelden
3. Stell Dir vor, Du stehst pudelnackt unter der Dusche, die Tür geht auf und ein Gerichtsvollzieher hält Dir ein Schreiben hin.
4. Versicherungsschaden in Frankreich, nur Geduld.
5. Das Abenteuer ein Haus zu kaufen und es ohne Nervenzusammenbruch zu überstehen.
6. Wir ziehen um, oder wie man hier in Frankreich ein Auto mietet.
7. Unsere Nachbarn und wie man sich in das Dorfleben integriert.
8. Hochzeit mit kleinen Hindernissen.
9. Es brennt und wie viel Zeit man damit vernichten kann.
10. Frankreichs Bürgermeister, das Leben und Treiben in der Mairie ist nicht immer einfach.
11. Unser Bürgermeister- oder was passiert, wenn man sich mit den falschen Leuten anlegt.
12. Eine Herzoperation in einem Krankenhaus in Frankreich- nun, warum nicht.
13. Wer braucht denn Yoga um seine Geduld in den Griff zu bekommen, ein Supermarkt tut es auch.
14. Die Eisenbahn- oder wer braucht Menschen wenn es doch Automaten gibt.
15. Die Post in Frankreich und warum man Porto auch doppelt bezahlen kann.
16. Achtung Einbrecher.
17. Aufgepasst, Oma im Verkehr.
18. Epilog
Eigentlich hatte ich ja vorgehabt nach Kanada einzuwandern aber irgendwie hat mir das Schicksal dann doch einen anderen Wegweiser in den Verlauf meines Lebens gestellt. Während meiner mehrmonatigen Reise durch Vietnam lernte ich eine charmante, kleine Französin kennen, die mich dazu bewegte meine Habseligkeiten in einen Lastwagen zu packen und nach Süd-Frankreich, in die Provençe, umzuziehen.
Das ist erstmal nicht so einfach wie man es sich vorstellt. Obwohl die Grenzen Europas inzwischen für seine Einwohner offen sind und überall Niederlassungsfreiheit herrscht, stößt man dann doch unweigerlich auf Grenzen, die mit der jeweiligen Lebensart zusammenhängen, sowie mentalitätsbedingte Unterschiede die einen schon manchmal an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen. Allerdings ist das beidseitig, welcher Franzose möchte sich schon mit deutscher Gründlichkeit, Besserwisserei und Sturheit auseinandersetzen, mit denen so mancher meiner Landsleute gesegnet ist. Wobei ich mich da gar nicht ausschliessen will, meine urdeutschen Eigenheiten sind für Südländer zumindestens gewöhnungsbedürftig.
Nun lebt man in der Provençe in unmittelbarer Nachbarschaft mit dem nordafrikanischen Maghreb und ist leicht versucht, alle Dinge die schief laufen auf die dortige und teilweise herübergewachsene Mentalität zu schieben.
Ich habe mir angewöhnt, bei Gelegenheiten die in eine Richtung laufen die in Absurdität endet, leise das Wort „Maghreb“ herauszustöhnen. Manchmal mache ich das auch laut, was wiederum dazu führt, dass meine Frau mich strafend ansieht und mir klar macht, dass meine Einstellung meiner Umwelt gegenüber zu Wünschen übrig lässt. Aber was soll ich machen? Ich bin Norddeutscher, meine Gehirnwindungen sind vom steifen Wind in eine ziemlich gerade Richtung geblasen worden. Sich ab und zu bei solchen Gelegenheiten anzupassen bedeutet, dass man seine Neuronen in ein Labyrinth presst. Allerdings hilft die ständige Sommerhitze im Süden Frankreichs die Grenzen dieser Windungen aufzuweichen.
Aber kommen wir zum Auslöser dieses Wortes.
Maghreb ist eine arabische Bezeichnung für eine Gruppe von Ländern die in Nordafrika liegen. Wer nicht, wie ich, den Geographieunterricht verpennt hat, der weiß das. Genauer gesagt, handelt es sich um die Länder Tunesien, Algerien und Marokko.
Großzügig eingestellte Mitmenschen fügen diesen Ländern noch Lybien und Mauretanien hinzu.
Wenn man es sich in diesen Ländern an einem der 4 oder 5 Sterne Luxusresorts am Strand gut gehen lässt, Cocktail schlürfend am Pool faul in der Sonne döst und sich Abends im Basar übers Ohr hauen lässt, ist die Welt dort auch völlig in Ordnung.
Wer allerdings beruflich dort zu tun hat oder vielleicht als Ausländer in einem der Länder leben möchte, lernt schnell das öffentliche Maghreb kennen.
Natürlich kann man das nicht verallgemeinern aber hier ist vieles anders. Schlamperei, Lustlosigkeit, Inkompetenz und andere Angewohnheiten die das Leben erst lebenswert machen sind, bei einigen Bewohnern dieses Landstrichs an der Tagesordnung. Man ist schlecht bezahlt, also warum soll man sich ein Bein ausreißen. Kleine Geldgeschenke beschleunigen zwar den Alltag, aber das heißt nun nicht, dass alles auch zur Zufriedenheit klappt. Behördengänge enden im Labyrinth. Jeder weiß etwas, ist aber nicht zuständig. Der Zuständige ist gerade in Urlaub oder zu Hause weil seine Oma krank geworden ist.
Kommt man wieder wenn die Oma wieder gesund ist, ist die Zuständigkeit gerade auf jemand anderen übergegangen.
Wenn du aus Deutschland kommst, möchte jeder zweite Mann einen Mercedes von dir kaufen. Bietest du ihm ein gebrauchtes Fahrzeug an, ist das Auto entweder zu alt oder zu neu. Auf jeden Fall ist es aber zu teuer. Jeder hat einen Freund in Deutschland, der ihm die Autos für die Hälfte deines Preises besorgt.
Um ein aus Deutschland importiertes Auto anzumelden sind weniger als drei verlorene Arbeitstage ein Glücksfall. Wer will in dieser Hitze auch arbeiten. Kaffee oder Tee trinken mit netten Kollegen macht viel mehr Spaß. >>Du hast kein Verständnis dafür und willst hier leben, mein Gott, du musst noch viel lernen.<<
Unter Franzosen kursiert der Witz „Maghreb beginnt in Marseille.“ Wer Marseille erlebt hat, kann dem sicher etwas abgewinnen. Und damit sind wir beim Kern der Dinge angelangt. Maghreb ist wie ein Virus und zu mindestens hat dieses Virus so manchen im Süden Frankreichs befallen. Zwar ist alles noch nicht so extrem ausufernd wie in Nordafrika, aber die Anfänge sind vorhanden. Man wundert sich jedes Mal wenn etwas reibungslos funktioniert. Meistens ist es aber so, dass man auf kleine Hindernisse stößt, die man mit normaler Logik nicht erklären kann. Alles geht ein wenig langsamer, was sicherlich auf die Sommerhitze zurückzuführen ist, manches treibt einen aber auch zur Verzweiflung.
Nun klappt auch in Deutschland vieles nicht problemlos, jedoch nachdem man 32 Formulare ausgefüllt hat kann man einigermaßen sicher sein, dass das Anliegen, mit dem man Behördenmitarbeiter belästigen möchte, mit einer normalen Geschwindigkeit bearbeitet wird. Auf jeden Fall bekommt man ein Ergebnis mit dem man etwas anfangen kann. Das diese Ergebnisse nicht immer das beinhalten was man sich wünscht, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Der Unfug, dass man sich mit einem Sprachcomputer auseinandersetzen muss, falls man sich beschweren möchte, ist bis Nordafrika, meines Wissen nach, noch nicht vorgedrungen.
Möchte man hier in Maghreb mit einem Mitarbeiter einer Behörde oder eines großen Unternehmen sprechen, greift man wie in Europa zum Telefon. Es ist nicht so wie in Deutschland, wo man eine halbe Stunde lang immer das gleiche Musikstück hört und danach eine Folge von Ziffern verabreicht bekommt, mit denen man dann irgendwelche Aktionen auslöst. Diese Aktionen enden dann meistens irgendwo im Nirvana und die Gebühren dafür füllen die Konten der Call Center. Nein, hier in Maghreb geht erst gar niemand an das Telefon. Es sei denn, Er oder Sie erwartet einen Anruf von dem Bruder, dass die Oma krank geworden ist und Pflege braucht. Das ist natürlich eine ausgezeichnete Idee um jegliche Inkompetenz von vornherein auszuschließen.
Allerdings, um wieder nach Frankreich zurück zu kehren, gibt es diese Sprachcomputer hier auch. Gott sei Dank sind meine französischen Sprachkenntnisse immer noch marginal. Ich versuche also erst gar nicht mich mit einem Computer zu unterhalten. Getreu nach dem Motto „ Was man nicht macht kann auch nicht schief gehen“ übergebe ich diese Dinge liebevoll meiner Frau mit den aufmunternden Worten >>Liebling, mach mal, ich versteh die nicht!<<
Wie man unschwer meinen bisherigen Ausführungen entnehmen kann, habe ich als deutscher Bürger um Asyl in Frankreich nachgesucht und bin mit Sack und Pack nach Südfrankreich umgezogen.
Diese wundervolle Idee habe ich dann noch übertroffen. Ich habe eine Südfranzösin geheiratet und wir haben uns in der Provence ein Haus gekauft.
Die kleinen Geschichten, die mir oder uns ab dem Zeitpunkt meiner Ankunft zugestoßen sind, habe ich gesammelt, notiert und abgeheftet. Nun ist es an der Zeit daraus ein kleines Buch zu machen.
Das daraus Geschichten geworden sind, die den Einen oder Anderen davon abhalten könnten nach Frankreich umzuziehen, ist nicht beabsichtigt.
Ich bin hier auf sehr liebevolle, aufrichtige Menschen gestoßen, mit denen es Spaß macht umzugehen. Die Umgebung ist schön, der Wein schmeckt und die Menschen hier verstehen es kleine nette Feste zu feiern, bei denen man sich sofort zu Hause fühlt.
Und- ich glaube, der Virus Maghreb hat sich inzwischen fast überall auf der Welt eingeschlichen. Er lebt sich hemmungslos aus, bringt uns manchmal zum Verzweifeln, rührt uns zu Tränen.
Aber mit einem Glas Pastis am Nachmittag zum Kaffee und einem Glas Wein abends unter Freunden ist das alles nur noch halb so schlimm!
Meine Freundin Valerie lebt an der Cote d'Azur, in einer Wohnung in einem umzäumten Appartementblock. Der Block besteht aus vier Hochhäusern und liegt in einem schönen, gepflegten Garten mit Swimming Pool. Zum Meer geht man zu Fuß circa zehn Minuten. Bewacht wird das Areal von Jaques dem Concierge, der in einem der Häuser wohnt und hier auch sein Büro unterhält. Jaques weiß alles über die Besitzer der Appartements, die meistens ein oder zweimal im Jahr aus Paris oder anderen Großstädten anreisen um in ihrem Zweit-oder Dritt-Domizil ein paar Wochen auszuspannen. Natürlich weiß Jaques auch welche Parkplätze zu welcher Zeit auf dem Gelände nicht belegt sind.
Mit einem freundlichen Lächeln erreichen junge Damen bei Jaques den einen oder anderen kleinen Vorteil und so erwartet mein mitgebrachtes Auto ein kostenfreier Parkplatz auf dem umzäumten Gelände und muss nicht draußen auf der Straße übernachten.
Auf der Straße zu parken beinhaltet hier im Moment unter Umständen Opfer des neuesten Sports von jugendlichen Nachtschwärmern zu werden. Im Überschwang des Testosteronausschusses der bekanntlich aggressive Reaktionen verursachen kann, gehen die Jungdynamiker an einem Fahrzeug vorbei, heben den Fuß und treten den Rückspiegel ab. Der Spiegel muß davonfliegen, sonst hat der Treter verloren.
Irgendwann entschließen wir uns, mein schön und sicher geparktes Auto mit einem französischen Kennzeichen zu versehen. Das Auto soll also umgemeldet werden. Meine Freundin hat ein wenig Erfahrung mit Fahrzeugummeldungen und weiß, was in welcher Reihenfolge zu tun ist.
Die erste Hürde ist in Frankreich der Quitus Fiscal, das ist eine Steuerbescheinigung über die Mehrwertsteuerentrichtung. Man holt sich am besten telefonisch einen Termin bei der zuständigen Finanzbehörde und lässt sich erklären was man an Unterlagen braucht.
Ausgestattet mit einem Termin und den nötigen Unterlagen erscheint meine Freundin Valerie, eines schönen Vormittags, im Büro des zuständigen Beamten in der Finanzbehörde
Es ergibt sich folgender Dialog:
Valerie:
>> Bonjour Monsieur, ich habe einen Termin.<<
Beamter:
>> Bonjour Madame, haben sie eine Nummer gezogen?<<
Valerie:
>>Nein habe ich nicht, ich habe gestern mit ihnen telefoniert und bin pünktlich zur vereinbarten Zeit hier.<<
Beamter:
>> Sie hätten eine Nummer ziehen sollen, dann hätte ich sie aufgerufen.<<
Valerie:
>>Aber da draußen ist im Moment niemand Anderer<<.
Beamter:
>> Murmel, Murmel<< nicht zu verstehen.
Valerie:
>> Soll ich noch mal rausgehen und eine Nummer ziehen?<<
Beamter:
>> Haben sie alles Notwendige dabei?<<
Valerie:
>> Ja, sie haben mir ja gestern am Telefon erklärt was ich benötige und hier habe ich….<<
Beamter:
>> Moment!<<
Beamter: >> Also erst einmal werde ich ihnen jetzt erklären was sie alles brauchen.<<
Valerie:
>> Aber das haben sie doch schon gestern am Telefon getan und ich habe mir alles notiert.<<
Beamter:
>> Ja, aber die meisten Leute die hierher kommen vergessen die Hälfte und dann kommt es zu Diskussionen und draußen zu einem Rückstau der Leute die auch ihr Fahrzeug ummelden wollen.<<
Valerie:
>>Wie gesagt, draußen befindet sich niemand auf dem Flur.<<
Beamter:
>> Also sie brauchen die Fahrzeugpapiere, einen Kaufvertrag, eine Bestätigung das sie hier im Bezirk wohnen, einen Ausweis und gegebenenfalls eine Verzollungsbescheinigung, wenn das Fahrzeug im Nicht-EU Land gekauft wurde, sowie eine Konformitätsbescheinigung.<<
Valerie:
>> Habe ich alles dabei, hier sind die Papiere.<<
Beamter:
>> Moment.<< >>Wir gehen jetzt ganz methodisch vor. Ich frage die einzelnen Papiere ab und sie legen diese dann hier auf den Schreibtisch.<<
Auf einem Computer der übervorletzten Generation tippt er die notwendigen Informationen in ein Formular, das er dann ausdruckt.
Nach einem eingehenden Abgleich der Informationen mit den einzelnen Papieren holt der Beamte, aus den unergründlichen Tiefen seiner Schreibtischschublade, einen Stempel hervor und stempelt das Formular ab.
Der zufriedene Ausdruck auf seinem Gesicht lässt vermuten, dass er sich bewusst ist, dem Feierabend ein Stück näher gekommen zu sein.
Der nächste Schritt auf dem Weg zur Anmeldung eines Fahrzeugs ist die technische Fahrzeugkontrolle.
So wie ich es schon an mehreren Orten hier in Südfrankreich gesehen habe, wird die Kontrolle von kleinen Betrieben durchgeführt. Ein großes, amtlich aussehendes Blechschild am Eingang weist darauf hin, dass hier ein Fachbetrieb autorisiert ist die Kontrolle durchzuführen. Ich bekomme auch schnell einen Termin am nächsten Tag.
Eine etwaige deutsche TÜV Bescheinigung gilt hier in Frankreich nicht. Selbst wenn das Fahrzeug 3 Tage vorher beim deutschen TÜV einer Prüfung unterzogen wurde, muss hier noch einmal geprüft werden. Vereinigtes Europa ist nicht überall und schon gar nicht vorhanden, wenn sich aus dem Besitzer des Autos noch Geld heraus pressen lässt. Ich rolle mein Fahrzeug in die kleine Halle und folge dem Techniker in sein kleines Büro.
Alles ist sehr gemütlich und die Aufnahme meiner Fahrzeugdaten in den Computer geht zügig vonstatten.
Der Techniker deutet mir an, dass ich mein Auto circa in vier Stunden wieder abholen könnte. Stunden später stehen meine Freundin Valerie und ich vor der hochgeklappten Motorhaube meines Autos. Der Techniker hat ein Notebook an die Fahrzeugsteckdose angeschlossen und beginnt mit einer Datenabfrage. Leise vor sich hin fluchend hackt er wie wild auf seinem Keyboard herum. Es sieht nicht so aus, als ob er das hier schon öfter gemacht hätte. Ab und zu erscheint er etwas ratlos.
Irgendwann ist er dann fertig und druckt in seinem Büro das Ergebnis aus.
Meine, vor kurzer Zeit in Deutschland durchgeführte, Abgasuntersuchung erweißt sich als hinfällig. Die Abgaswerte, die er mir vorlegt, sind katastrophal.
Also, da müsste ich die Fachwerkstatt aufsuchen und das Fahrzeug reparieren lassen. Danach wäre eine erneute Vorführung unumgänglich.
Außerdem sagt er, hätte er das gesamte Fahrzeug nach der Identitätsnummer abgesucht und hätte diese nicht gefunden. Und ohne Fahrgestellnummer keine abgestempelte Prüfungsunterlagen.
Ganz nebenbei, weißt er uns darauf hin, dass der Computer noch einige kleine Fehler gemeldet hätte und ein Werkstattbesuch sowieso erforderlich wäre.
Ich rolle vom Hof, mein Bordcomputer spielt verrückt. Ein Sturzbach von Anzeigen ergießt sich wie eine Kaskade über den Bildschirm. Alle Fehler die eine Autoelektronik aufweisen kann, scheint mein Fahrzeug zu haben.
Und über allem steht: >>Bitte suchen Sie die nächste Werkstatt auf.<<.
Ich nehme an, dass der Techniker beim herumhacken auf seinem Computer einige Fehlermeldungen losgelöst hat, denn bei der Abgabe des Fahrzeugs waren keine Meldungen sichtbar.
Die Werkstatt befindet sich mitten in Cannes in einer belebten Straße mit Zero Parkmöglichkeiten. Also fahre das Auto direkt in die Werkstatt, was bei einigen Mitarbeitern des Kundendienstes nicht gut ankommt. Ein Mitarbeiter kommt wild gestikulierend auf mich zu. In dürftigen Worten erkläre ich ihm, dass ich kein Französisch spreche und drücke ihm meine Autoschlüssel in die Hand.
Er schaut mich sprachlos an und versucht mir den Schlüssel wieder zu geben.
Ich lächle ihn an und marschiere wortlos zum Empfang. Die junge Dame am Empfang spricht Englisch, aber wir finden nach kurzer Zeit heraus, dass sie Deutsche ist und hier als Aushilfe arbeitet. Wunderbar, die Kommunikation ist gesichert. Die junge Dame, nennen wir sie Nina, treibt für mich einen freien Werkstattmeister auf. Ich erkläre ihm meine Probleme. Als erstes sucht er mal nach der Fahrgestellnummer, die soll sich irgendwo im Innenraum befinden. Als er sie nach 30 Minuten und dem Ausbau diverser Schutzmatten immer noch nicht findet, befragt er seinen Computer.
Die Antwort befriedigt ihn nicht, also klemmt er sich ans Telefon und ruft das Werk in Deutschland an. Es muss in Deutschland wirklich noch Menschen geben, die etwas wissen, jedenfalls hat er die Antwort sofort. Die Nummer ist gut versteckt unter einer Matte und kaum sichtbar.
Früher waren diese Nummern gut sichtbar auf einen Träger im Motorraum eingestanzt. Bewaffnet mit einem Schweißbrenner konnte man die Nummer gut austauschen. Ich verstehe wirklich nicht, warum man es Autodieben heute so schwer macht. Auch in Ländern wie Weißrussland wollen die Menschen gute, deutsche Autos fahren. Wenn wir den Export von gestohlenen Autos vereinfachen, kurbelt das hier in unserem Land den Verkauf von Neuwagen an. Somit wäre dann Autodiebstahl als Konjunkturspritze zu verstehen.
Nina erklärt mir dann, dass der Meister das Fahrzeug jetzt an den Werkstattcomputer andocken würde um die Fehler zu katalogisieren. Das würde 170 Euro kosten. Ich erkläre ihr, dass dieses in Deutschland, jedenfalls bei den Werkstätten die ich kenne, kostenlos wäre. Die Werkstätten würden ja an der Reparatur verdienen. Niemand könne etwas dafür, dass Automechaniker heute ohne Computerdiagnose Fehlern gegenüber völlig hilflos gegenüberstehen würden.
