Ein Hundertdollar Mißverständnis - Robert Gover - E-Book

Ein Hundertdollar Mißverständnis E-Book

Robert Gover

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Beschreibung

Henry Miller: «Was für eine Entdeckung! Ich habe das Buch allen Leuten empfohlen. Die Sprache, die Gover da dieser vierzehnjährigen Prostituierten in den Mund legt, ist überwältigend.» Henry Miller behielt recht, dieses Buch wurde in der Tat die Sensation, die er vorausgesagt hat. Sein Autor wagt hier Kühnheiten, die selbst für heutige, schockgewohnte Leser nicht an der Tagesordnung sind. Kitten heißt die vierzehnjährige Göre, die Robert Gover einem verblüfften Publikum in den bedenklichsten Lagen unbedenklich vorstellt: Lolita und Zazie haben in ihr eine schwarzhäutige Schwester gefunden. James Cartwright Holland aber, Jimmy genannt, neunzehn Jahre alt, Collegeboy und Kitten für die Dauer eines Wochenendes ausgeliefert, könnte Babbitts Enkel sein. Jimmy und Kitten führen alternierend einen Monolog, der die Geschichte eines Mißverständnisses erzählt. Es geht dabei um grasgrüne 100 Dollar, die Jimmy hat und die Kitten haben will als rechtmäßiges Honorar für Dienste, die sie dem College-Studenten zunächst an ihrer nächtlichen Arbeitsstätte und schließlich in ihrem komfortablen Apartment leistet. Dabei geht ein ebenso komisches wie trauriges Spiel in Szene, denn die kleine Kitten, trotz aller Geschäfts- und Liebeskünste naiv und ehrlich geblieben, macht sich Hoffnungen, die der scheinheilige Jimmy partout nicht erfüllen will: dünkt den weißen Studenten der Umgang mit einer Schwarzen schon würdelos genug, hat sie seiner Männlichkeit wenigstens gratis zu erliegen.

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Seitenzahl: 286

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Robert Gover

Ein Hundertdollar Mißverständnis

Über Robert Gover

Über dieses Buch

Inhaltsübersicht

Vorbemerkung des Autors ...1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. Kapitel11. Kapitel12. Kapitel13. Kapitel14. Kapitel15. Kapitel16. Kapitel17. Kapitel18. Kapitel19. Kapitel20. Kapitel

Vorbemerkung des Autors Die Charaktere dieser Geschichte (Karikaturen, wie man sehen wird) entstammen nicht der Wirklichkeit, weder einer früheren noch der gegenwärtigen. Auch wenn der Leser sie aus typoalphabetischen Symbolen in Gestalten seiner Phantasie umzuwandeln vermag, gewinnen sie dadurch nicht an Wirklichkeit, es sei denn als Gestalten eben seiner Phantasie. Gleicherweise trifft dies für die Begebnisse zu, die diese Geschichte ausmachen: weder jetzt noch früher haben sie sich wirklich ereignet. Wer immer unter den Lesern sie sich als Ereignisse vorstellt,ist aufgefordert, sich freundlichst zu erinnern, daß er damit nicht mehr und nicht weniger vollzieht als - eben eine Vorstellung, einen Akt der Phantasie. Mit anderen Wroten: hier wird eine erfundene, ganz unwahre Geschichte erzählt.

1

Bevor ich unverzüglich zur Sache komme, klipp und klar heraus, hier und jetzt und ohne weitere Umstände, möchte ich darauf hinweisen, daß die Ereignisse, die mir an jenem verhängnisvollen Wochenende widerfuhren, zum großen Teil im Druck ganz unmöglich wiederzugeben sind, weil sie mit einer (farbigen!) Dame von übler Reputation in Zusammenhang stehen. Somit kann ich nur all denjenigen, welche auf Pornographie kapriziert sind, von diesbezüglicher Suche abraten; sie wäre vergeblich. Ich wünsche diesen Punkt völlig klargestellt zu sehen, bevor ich des weiteren zu berichten fortfahre.

(Vornehmlich seit Paps in unserer Stadt Vorsitzender des Vereins zur Bekämpfung unzüchtigen Schrifttums ist, besitzt er einen guten Einblick in das Problem an sich und hat auch mir die Augen geöffnet für die ernsten Gefahren, mit denen unzüchtige Schriftwerke unsere große Nation bedrohen.) (Nicht daß ich etwa prüde wäre. Weit gefehlt! Aber ebensowenig finde ich Gefallen an der literarischen Vermittlung unzüchtiger Bilder und am Gebrauch gewisser vierbuchstabiger Worte, ganz zu schweigen von der etwaigen Verletzung postalischer Zensurbestimmungen.)

Ich meine, ich gedenke den Bericht dieser unwahrscheinlichen Vorkommnisse auf möglichst hoher literarischer Ebene abzustatten, wiewohl ich meine Eignung zu einem solchen Unternehmen nicht überschätzen darf. Schließlich bin ich ja eben erst aufs College gekommen und kein wohldotierter Schriftsteller von Beruf. Sie werden mich vielleicht fragen, warum ich dann nicht meine Erfahrungen einem (wohldotierten) berufsmäßigen Ghostwriter mitgeteilt habe, um ihn mit der Niederschrift zu betrauen. Nun, das hat seinen guten Grund. Ich meine, daß ich davon Abstand genommen habe. Sehen Sie, ich wünsche nämlich anonym zu bleiben, aus Erwägungen, die sich dem Leser vielleicht – oder vielleicht auch nicht – erschließen werden, für mich jedenfalls außer aller Frage stehen. Lediglich meine authentischen Initialen werden Verwendung finden, aber da ungezählte andere die gleichen ihr eigen nennen, wird sich meine Spur in ihrer Menge verlieren.

Wohlan – um mit dem Anfang zu beginnen, wie man so sagt, lassen Sie mich denn berichten …

Schön, als erstes wäre zu sagen, daß wir letzten Freitag unsere Zwischenzeugnisse bekamen und ich feststellen mußte, daß ich in drei – ich wiederhole: drei – Fächern durchgefallen war (Biologie, Psychologie, Französisch); für die zweite Semesterhälfte stand mir demnach die schierste Büffelei bevor.

Zum zweiten rief mich Barbara an, meine feste Freundin, um mir mitzuteilen, sie habe gerade ein Telegramm erhalten, daß ihre Großmutter gestorben sei, und müsse sofort nach Hause fahren. Was sich bald als ausgesprochene Koinzidenz erwies.

Sehen Sie, ich bekam nämlich ebenfalls einen Brief von meiner Großmutter und fand darin einen Scheck über 100 (in Worten einhundert) Dollar – ein kleines Geburtstagspräsent. Ein bißchen spät, das wohl, aber lieber spät als gar nicht, sagt man ja.

Drittens schließlich läutete Paps an, er wäre nicht in der Lage, mir wie vereinbart den Chevro fürs Wochenende zu lassen, da er genötigt sei, für die Krankenhausverwaltung eine Tagung oder Klinik oder dergleichen in Cleveland oder irgend so einer gottverlassenen Gegend zu besuchen; und den Familienbus hatte Mama mit Beschlag belegt für den Besuch des diesjährigen Bridge-Turniers in Boston, den sie schon seit zwei Monaten geplant hat; blieb also nur noch der Caddy, aber der ist für ganz besondere Gelegenheiten reserviert, und es wäre völlig aussichtslos gewesen, ihn zu Hause loseisen zu wollen.

Kein Wagen, kein Mädchen und dazu die tröstliche Aussicht auf die zweite Semesterhälfte! Ich war in einer ganz armseligen Lage, das kann ich Ihnen flüstern. Ich meine, ich war regelrecht niedergeschlagen – psychologisch deprimiert!

Überdies – sehen Sie, das habe ich vollkommen vergessen zu erwähnen – fiel auf dieses Wochenende auch noch der große Studentenkommers. Es handelte sich also um das Wochenende schlechthin. Und in diesem Jahr – ach du liebes Christkindchen! – in diesem Jahr sollte der Kommers im Sheldon Country Club stattfinden, an keinem geringeren Orte – und einen fescheren gibt’s gar nicht in der Stadt.

Einige Kommilitonen versuchten mich aufzuheitern, sagten, sie könnten mir unschwer was verschaffen, eine vom neuen Semester, und fahren könnte ich bestimmt mit Hank, das ist mein Zimmergenosse, in seinem Wagen. Aber … dazu mangelte mir denn doch jegliche Stimmung. Ich meine, hin und wieder vermag ein Mann ja einem kleinen Mißgeschick die Stirn zu bieten, aber derlei gleich in dreifacher Ausfertigung – nein, das war psychologisch viel zu deprimierend. Dazu war ich nicht aufgelegt.

Ich meine, es war diese psychologische Depression – da lag der Haken. Das zuletzt hat mir dann all die Mißlichkeiten eingebrockt. Das und all das Zeug, was ich mir hatte anhören müssen.

Die Sache ist die, daß ich in jenen Fächern durchaus nicht hätte versagen müssen. Ich meine, ich bin nicht blöde, darauf können Sie Gift nehmen. Und was die beiden anderen Nackenschläge betrifft, so … nun, ich war schlicht und einfach ein Opfer der Umstände.

Wie dem aber auch sei, um neun Uhr an jenem Abend fand ich mich, und vollkommen allein, im Studentenheim sitzen. Jedermann sonst war entweder zu dem großen Fest oder schon nach Hause. Da saß ich denn also, hockte vorm Fernseher im Gemeinschaftsraum, ganz und gar allein. Und das (ich meine, daß ich allein war) veranlaßte mich zu gründlichem Nachdenken.

Schuld daran war mutmaßlich Hank, der immerfort danach trachtet, mir den Kopf mit schlüpfrigem Gedankengut zu füllen, und mir in einer Tour seine schmutzigen Obszönitäten einhämmert. (Ich habe nie darum ersucht, ihn als Zimmergenossen zu bekommen. Ich kannte ihn kaum, bevor ich einzog. Sie wiesen mir einfach einen Raum zu, und da war er.) Dieser Hank also rennt konstant mit einem Haufen Kommilitonen zu einem Negerhaus von üblem Ruf, sagt – und ich gebe diese geringe Probe seiner zotigen Redensarten lediglich wieder, um darzutun, mit welcher Sorte Burschen ich zu leben gezwungen bin –, also er sagt, sie «gehn sich bloß ’n bißchen den Müll abkutschiern lassen». Das soll heißen, sie ziehen los, um gegen Bezahlung mit irgendeiner Negerin in Liebe zu machen (oder, ich sollte den Ausdruck nicht scheuen, rumzuhuren). Sie finden den kleinen Satz, mit dem sie diese Tätigkeit bezeichnen, überaus spaßig. Eines Nachts haben sie mal eine geschlagene Stunde beisammengehockt und über nichts weiter gekakelt. Als über diesen Satz, meine ich. Ein Kommilitone (ein ausgesprochenes Patentekel) gab von sich, seiner Meinung nach handle es sich dabei doch direkt um eine Art Poesie. (Du meine Güte!)

Was ich deutlich zu machen versuche: derlei Redensarten bin ich andauernd ausgeliefert. Andauernd werden sie mir in die Ohren gehämmert und gerammt. Und Hank (der mich «Platonickel» nennt und sich wunders was einbildet auf diesen beklagenswerten Scherz) (ganz zu schweigen davon, daß er es bislang stets unterließ, dessen Berechtigung mit harten nackten Fakten nachzuweisen) – Hank also liegt mir ewig in den Ohren, ich soll doch auch mal losgehn und mir den «Müll abkutschiern» lassen.

Schön, nachdem ich eine beträchtliche Anstrengung unternommen hatte, so kurz und beherrscht wie möglich jener unreinlichen Zumutung zu begegnen, gab ich’s auf und bedeutete ihm lediglich noch, warum dergleichen für mich nicht in Frage käme.

Und es gibt dafür gleich zwei gewichtige Gründe. Einer ist, ich habe es wohl schon erwähnt, daß Paps Mitglied des Vereins zur Bekämpfung unzüchtigen Schrifttums ist. Vorsitzender, nichts Geringeres. Und würde ihm je zu Ohren kommen, ich hätte dergleichen getan – oder auch nur erwogen, dergleichen zu tun, dann … also ich bin gar nicht sicher, was dann passieren würde, aber bestimmt wäre es nichts Gutes.

Der andere Grund ist, daß ich – im Gegensatz zur herrschenden Ansicht unter den Kommilitonen – durchaus nicht prüde bin und zu Hause selber über ein paar ausgezeichneter nicht-professioneller Damen verfüge (von gleichwohl recht entgegenkommendem Wesen – aber das hat sich zum Glück noch nicht herumgesprochen, haha). Doch als ich schließlich dazu kam, Hank von ihnen zu erzählen, lachte er nur und sagte, nie würde ich ein Mann sein, solange ich nicht … nun, ich möchte seine Rede doch nicht wörtlich wiedergeben. Dem Sinn nach meinte er, ich müßte Rassenschande treiben, bevor ich mich selber erst richtig achten könne. Was ja nun, ich muß er nicht näher erläutern, vollkommen phantastisch ist, eine schauderhafte Vorstellung und schlechthin lächerlich, ganz ohne Basis harter nackter Fakten, von nicht geringster Stichhaltigkeit – Weibergewäsch, Gott helfe mir! Nicht daß ich was gegen «Weiber» hätte. Ich meine nur, das Ganze ist wieder bloß so eine Obszönität wie das erwähnte Müll-Kutschieren. Und mit so was kann er mir natürlich nicht kommen. Was nun meine Männlichkeit anbetrifft, so wies ich Hank darauf hin, daß meine Brust außerordentlich behaart ist, während die seine nicht ein Haar aufweisen kann – nicht ein einziges! Gegen diese unwiderlegliche Tatsache suchte er sich mit erneutem Lachen (seinem bekannten possenhaften Gelächter) zu wehren, und überdies einfach dadurch, daß er verbohrt bei seiner albernen Theorie von der Rassenvermischung als einem Kriterium beharrte.

So vergegenwärtigen Sie sich denn, geneigter Leser, dieses Bild: Hier sitze ich, vor dem Fernseher, völlig allein in dem leeren Studentenheim, ohne Mädchen, ohne Wagen, durchgefallen in drei Fächern – Biologie, Psychologie, Französisch –, förmlich gestrandet in dieser gottverlassenen Stadt, Meilen von Hause entfernt, mit nichts als einer kleinen Extra-Barschaft versehen, in extremer psychologischer Depression. Ich meine, dies Bild vor Augen zu haben, ist äußerst bedeutsam.

Dies – und dazu eben noch Hanks dauerndes Gerede. Ich meine, er redet nämlich auch immer so, als sei der Neger dem Weißen in sexueller Hinsicht überlegen, um Gottes willen! Zugleich aber wieder sucht er mir einzureden, er meine es ganz ganz anders! Ich meine, wenn ich da mal den Finger drauf lege – wenn ich ihm zu verstehen gebe, daß seine Offenbarungen effektiv auf nichts anderes hinauslaufen –, dann streitet er’s ab. Ich lasse freilich nicht nach, ihm vor Augen zu halten, wie hanebüchen seine Idee ist, aber er beharrt darauf, er meine nicht überlegen, und ich beharre darauf, daß mit dem Begriff «überlegen» seine ganze Konzeption hinfällig wird, und er läßt nicht ab, das zu bestreiten, und so kommen wir nie vom Fleck.

Und was dem Ganzen die Krone aufsetzt: Hank hat damit – wiewohl er auch dies nicht einräumen würde – selber den schon psychopathischen Grad von Verworrenheit demonstriert, die sich seiner und anderer Kommilitonen bemächtigt hat, wenn sie gelegentlich behaupten, wir lebten – und ich zitiere jetzt wörtlich – in einem Hurenstaat; Zitat zu Ende. Dies, ich merkte es auch unverzüglich an, war wiederum nichts als der billige Versuch, mit abstraktem Gerede die Tatsache zu beschönigen, daß er andauernd die Einrichtungen jenes Gewerbes in Anspruch nimmt, das in nicht-weißen Häusern von üblem Ruf betrieben wird.

Aber – wie Max Shulman in jener geschickten Zigarettenreklame – ich schweife ab.

Schlag neun Uhr hatte ich folgenden Gedanken: Ach du liebes Christkindchen, James Cartwright Holland! (Ein angenommener Name, wie bereits erwähnt, wiewohl J.C., es läßt sich nicht leugnen, meine authentischen Initialen sind.) (Bisweilen überkommt mich ein etwas grauslicher Kitzel – hinsichtlich der wirklichen Bedeutung dieser beiden Initialen, wie der gewitzte Leser wohl füglich erraten mag, aber ich kann es nicht ändern, es sind nun einmal ganz legal die meinen.) Aber zurück zu meinem Gedanken; er lautete: Ist die Lage nicht schon schlecht genug, auch ohne daß ich hier herumsitze und darüber nachgrüble?

Ja, und nach all den Geschichten, die meine Ohren hatten erdulden müssen, über dieses Negerhaus von üblem Ruf (es lag, zusammen mit anderen Häusern, von denen manche – Gott sei’s beklagt – sogar weiße Mädchen beschäftigten, im sogenannten Vergnügungsviertel), nach all diesen Geschichten also erlahmte meine Widerstandskraft, und ich beschloß, die Sache selbst einmal in Augenschein zu nehmen.

Ich meine, selbstverständlich war es niemals meine Absicht, mit irgendeiner Gewerbsmäßigen, gleich welcher Rasse, gegen Bezahlung Unzucht zu treiben; ich gedachte lediglich zu meiner eigenen Information einen kurzen Einblick zu nehmen. Ich dachte: wenn ich von dieser Exkursion zurückkehre, werde ich eine viel klarere Vorstellung von dem haben, über das ich spreche, so daß ich bei der nächsten Diskussion, die Hank mit mir anfängt, weitaus besser präpariert sein werde.

(Wie sich dann wirklich herausstellte, erfuhren meine Kenntnisse in der Tat eine intensive Vertiefung.)

So zählte ich denn meine Barschaft (135 Dollar insgesamt) und machte mich auf die Socken, um mir eine Nacht in der Stadt zu genehmigen. Was mir hierbei vorschwebte, war ein Gang zu jener Bar, welche die Kommilitonen dauernd aufsuchen, wenn sie nichts Besseres zu tun haben – wo auch diese Jazz-Combo ist, von der jedermann behauptet, sie sei ausgezeichnet, und wo es schließlich auch käufliche professionelle Damen von übler Reputation gibt, die dort naja so herumstreichen; die Bar liegt nämlich haargenau in der Mitte des besagten Vergnügungsviertels. Also auf ging’s. Ich zog los. Ich nahm ein Taxi und fuhr hin.

Die betreffende Lokalität – sinnigerweise hieß sie Black-n-Tan – war … nun, ich weiß nicht, wie ich sie beschreiben soll. Ich wollte, ich wäre Schriftsteller, so daß ich ihr Gerechtigkeit widerfahren lassen könnte. (Ich meine, ein wohldotierter Schriftsteller von Beruf, versteht sich, haha.) Um wenigstens zu beginnen – es war proppenvoll. Eine geschlagene halbe Stunde hatte ich zu tun, mir einen Weg zur Bar zu bahnen, und dann hatte ich Glück und konnte einen Hocker erwischen, den eben ein anderer Bursche freimachte. Es schienen dort eine Menge Studenten zu sein, aber ich erblickte niemanden, den ich gekannt hätte, und so ließ meine Anspannung nach einer Weile doch nach, und ich widmete mich einer gründlichen Inspektion des Lokals. Ich saß einfach da und lauschte und luchste herum.

Von Jazz verstehe ich nicht viel. Ich will’s zugeben – wirklich nicht viel. So kann ich kaum mehr darüber aussagen, als daß es in dieser Minute sehr laut war und in der nächsten wieder nicht. Und es war auch nicht die Art Jazz, die man so im Radio hört. Überdies schienen sich die (farbigen) Musiker vollkommen in ihr Spiel verloren zu haben, was – unter uns – nicht weiter wundernehmen konnte. Ich vermochte nicht festzustellen, wo was endete und was begann. Klar wurde mir lediglich das eine: Normal war diese Art Jazz bestimmt nicht.

Aber die Leute dort, die Leute! Teufelteufel! So was von gemischter Gesellschaft hatte ich noch nie gesehen! Gleichzeitig am gleichen Ort, meine ich. Es gab da Schwarz und Weiß – und dazwischen jede nur denkbare Schattierung. Sogar zwei chinesische Studenten sah ich, mit einem Chinesenmädchen. Und ach du liebes Christkindchen! Am Ende der Bar saßen diese beiden Puppen – und wenn ich Puppen sage, so meine ich das wörtlich –, die zwar nicht-weiß waren, aber dessenungeachtet recht reizvoll. Eine hatte Gott bewahre gar blondes Haar! Zweifellos färbte sie es – natürlich! Und bei diesen beiden Mädchen befand sich dieser Kerl (daß er zu ihnen gehörte, konnte man an der Art sehen, wie er sich herüberbeugte und mit ihnen sprach), ein großer Bursche, der typische Neger; er trug die Kleidung der Leichtathletik-Liga und saß da und blickte herum, als halte er nach jemandem Ausschau, als erwarte er jemand zu sehen, den er kannte. Und es ist Tatsache – einmal begegneten sich zufällig unsere Blicke, während ich jene Mädchen einer eingehenden Musterung unterzog, und ich mußte die Augen niederschlagen. Nicht nur das, sondern als ich das nächste Mal hinüberblickte, starrte er mich schon wieder an. Ach du liebes Christkindchen! Mir wurde ganz schwummrig. Nicht als ob er sich mit mir anlegen wollte, das meine ich nicht; ich meine, er glotzte dauernd so, als hätten wir uns schon einmal getroffen und er hätte mich plötzlich wiedererkannt. Mich, um Gottes willen!

Ich konnte nicht umhin, den Schluß zu ziehen, daß es sich bei den farbigen Mädchen um käufliche Professionelle handeln müsse und er wohl so etwas wie ihr Sachwalter war, sozusagen. (Daß es für seine Tätigkeit auch noch eine andere Bezeichnung gibt, verhehle ich mir nicht, doch versuche ich ja, bei meiner Berichterstattung ein möglichst hohes Niveau zu wahren.)

Gleichwohl bereitet dies letztere mir Mühe, angesichts dessen, was mir als allernächstes widerfuhr: jemand klopfte mir auf die Schulter, und als ich mich umdrehte, stand vor mir ein (farbiges) Individuum mit richtiggehenden Knopfaugen und starrte mich an. Und sagte (Sie werden es nicht für möglich halten, aber er sagte es wirklich): «Na, ’n bißchen Gesellschaft gefällig?»

«Selbstverständlich nicht!» war meine unverzügliche Antwort. (Um die Wahrheit zu gestehen, ich war, in diesem Moment, durchaus nicht sicher, was genau er meinte, und war fast schon versucht, ihn – wofern nötig – mit meiner Faust bekanntzumachen.)

Da sagte er: «Hab da ’n paar feine Puppen, gleich um die Ecke.»

Was die Lage klärte. Wenigstens einigermaßen.

Aber ich antwortete: «Nein. Nein, besten Dank.»

Darauf er: «Bloß so ’n bißchen umsehen, was?»

Und ich gab zurück: «Nun … ja. Sie sagen es, ich will mich hier bloß so ’n bißchen umsehen.» Was denn ja auch der Wahrheit entsprach.

«In Ordnung», versetzte er und schob ab. Er bahnte sich direkt mit Stößen einen Weg durch die Menge, hinter den Barhockern entlang. Eine Zeitlang beobachtete ich ihn noch, und dabei dachte ich: Na, James Cartwright Holland, der war aber garantiert echt! Das ist amtlich. (Und ich würde mir gern verschweigen, was – aber meine Wahrnehmungen fanden Bestätigung, als er ein paar Schemel weiter wiederum stehenblieb und einem anderen Burschen, der aussah wie ein Uni-Student, auf die Schulter klopfte.)

Tja, so geht das also vor sich. Genug davon.

Ich wandte mich erneut meiner vorangegangenen Beschäftigung zu, das heißt, ich lauschte und luchste, aber weit kam ich nicht damit, denn jenes knopfäugige Individuum kehrte zurück. Diesmal tippte er mich nur eben so an, und als ich mich herumschwang, lag ein komisches Grinsen auf seinem Gesicht. Da dachte ich: Schließlich und endlich bin ich hierorts völlig unbekannt, und überdies obliegt es mir ja noch, das Innere eines dieser Häuser von üblem Ruf zu besichtigen. Ach was, nicht lange gefackelt. Frage: Wem nützt es? Antwort: Mir!

So sprach ich denn: «Wo befinden sich Ihre Mädchen?»

Und er nuschelte drauflos, Wegbeschreibungen, die ich nicht eher begriff, als bis ich sie ihn hatte wiederholen lassen. Ich sollte nach draußen gehen, mich rechts wenden, dann um die Ecke und wieder rechts, und die dritte Tür aufwärts rechter Hand war dann diejenige welche.

Das Ganze schien aber auch zu phantastisch. Ich meine, es ist mir nicht unbekannt, daß dergleichen Dinge sonstwo statthaben. Aber Amerika! Ich hatte doch stets gedacht, Amerika sei ein so anständiges Land! Aber freilich, selbst im alleranständigsten Lande ist die Gefahr moralischen Krebses, wie Paps es so treffend nennt, allgegenwärtig. Und verstehen Sie mich nicht falsch! Ich habe mich, der Himmel bewahre, nicht etwa angesteckt! Ich war lediglich auf Befriedigung meiner Wißbegierde aus. Ich meine, ich schuldete diese kleine Exkursion ja sozusagen meiner Erziehung.

So zog ich denn los, mit einem Gefühl, wie es Paps haben muß, wenn er genötigt ist, unanständige Angelegenheiten oder Örtlichkeiten zu inspizieren. Ich meine, ich fühlte mich wie ein Detektiv. Das ist die richtige Bezeichnung. Ich machte mir einfach einen sehr wissenschaftlich objektiven Gesichtspunkt bei der ganzen Angelegenheit zu eigen und zog los. Und mein detektivisches Gefühl wurde noch ganz schön bestärkt, als ich wahrnahm, daß ich zwei anderen Uni-Studenten hart auf den Fersen war.

Aber hui! Welch eine Umgebung! Ich meine, ich befand mich tief im Herzen der Slums, mit all ihren unzulänglichen Behausungen und so. Ich meine, sie zeigen im Fernsehen ja manchmal Filme von verkommenen Vierteln und erklären, wie sie doch noch viel mehr Geld brauchen, um die Slums zu säubern und die Struktur der Stadt zu erneuern – aber mein Gott! Die Geräusche und Gerüche, die können sie einem im Fernsehen nicht vermitteln.

Versuche ich es wenigstens. (Ich füge hinzu, daß ich sehr gemächlich ging – an ein paar ziemlich widerlich aussehenden Negermännern vorbei, Nichtstuern, die da nur so herumlungerten –, sehr gemächlich, damit mir jene beiden anderen Studenten voranblieben.) Und ohne weitere Umschweife: sobald ich meine Schritte von der Avenue der Seitenstraße zulenkte – Peng!

Keine Beleuchtung!

In der Tat, es gab lediglich eine einzige Straßenlaterne für die gesamte Blocklänge – ein himmelschreiender Zustand! Sie beleuchtete, trübe genug, ein unbebautes Gelände auf der anderen Straßenseite, gerade gegenüber der Stelle, wo ich stand (an der Ecke).

Also, ich war ja schon nahe daran, umzudrehen und mir ein Taxi zu winken und wieder ins Studentenheim zurückzukehren – da nahm ich plötzlich einen Lichtstrahl wahr und sah, wie jene beiden College-Burschen in einen Hausflur traten – von dem, natürlich, das Licht kam. Da dachte ich: Kommkomm, J.C., du wirst dich doch nicht von der Dunkelheit abschrecken lassen, um Gottes willen! Oder?

Und eben hier, zu diesem Zeitpunkt, hätte ich beinahe einen Herzanfall bekommen! Dort, genau in der Mitte des unbebauten Geländes, stand die Gestalt eines Mannes! Er beugte sich nieder und richtete sich wieder auf und tat einen Schritt oder zwei und beugte sich wieder nieder. Ich hatte ihn zuvor nicht bemerkt, aber da war er, daran gab’s nichts zu rütteln. Ein Lumpensammler oder etwas Derartiges. Ganz bestimmt eine Person, vor der man auf der Hut zu sein hatte. Und ich kann Ihnen sagen, das war ich auch, trotz meines wissenschaftlichen Gesichtspunktes: auf der Hut.

Dermaßen auf der Hut, daß ich mir voller Verwirrung die Frage stellte, welches nun eigentlich die richtige Tür zu dem verrufenen Hause sei. Ich dachte: Ach du liebes Christkindchen, J.C.! Stell dir vor, du klopfst bei der falschen Tür an! Guter Gott, in dieser Gegend – nicht auszudenken, was passieren könnte!

Aber ich riß mich los von dem Anblick der dunklen und elenden Gestalt jenes Landstreichers, der weiter auf dem unbebauten Gelände herumsuchte (man hätte die Polizei verständigen müssen, ich weiß es), und ging beherzten Schrittes vorwärts. Ich dachte: J.C., mein Freund, immerhin – du wirst das Innere eines Hauses von üblem Ruf sehen, auch wenn dies die letzte deiner irdischen Verrichtungen sein sollte. Und wo du nun einmal schon so weit gekommen bist, kannst du ebensogut auch noch deinen Mut zusammennehmen und weitergehen.

Dies tat ich. Horchte die ganze Zeit, die ich kühnen Ganges dahinschritt, auf das unheimlichste Bellen von Hunden, das ich je vernommen. Ich meine, Hunde bellten hier, dort, überall. Lediglich da nicht, wo ich mich befand, um genau zu sein. Aber auch gar nicht weit entfernt von mir. Das heißt, ich vermochte nicht sicher zu sagen, wo – meine ich.

Und dann waren da noch, ich bezog mich bereits darauf, die Gerüche. Gerüche, wie man sie selbst in den hartgesottenen Informationsprogrammen des Fernsehens nicht serviert bekommt. Und das ist auch gut so, denn diese Gerüche waren gar nicht heiter. Es roch – wie sage ich gleich – etwas feucht. Wie ein Gemisch aus nasser Erde und fauligem Holz. Es machte mich schaudern, das kann ich Ihnen sagen. Die ganze Örtlichkeit – diese ganze Gegend – ließ mich zutiefst erschauern.

Dennoch fuhr ich fort, zügig voranzuschreiten. Ich marschierte. Ich sagte zu mir selbst: Links zwei drei vier, links zwei drei vier, und marschierte! So rüstig schritt ich aus, daß ich schließlich an die dritte Tür, von der Ecke gerechnet, gelangte, die morsche Holztreppe emporstieg (marschierte) und – Peng!

2

Da bin ich also, sitz in dem großn Sessel, und rein komm dieser Kunde ganz von alleine. Is n Kollitsch-Heini. Die erkenn ich auf Anstich.

So n Scheiß! Der wakkel da lang wie ohne Zehen. Bibberich? Kührijeminee, is der bibberich!

Jackie un Carmie sind obn mit swei annern Kundn, wo grad ne Minute vor dem da gekomm. Sin jetz bloß noch swei da von den Halbbluts, Flow un Francine, un denk mir, der Sack da geht wohl mit Flow rauf.

Francine, das Stück, hat mir wieder keine Ruh gelassn, sitzt in einer Tuhr aufer Lehne von dem großn Sessel un macht an mir rum.

Madam sach dem bibberign Weißjung, wir sind alle Kätzn, wo im Moment dasind, un wart jede bloß drauf, daß er sich eine rauspickt. Aber der steh da bloß so rum und kuckt, wie wenn er denk, da komm noch Görls ausn Wändn raus. Sach ich zu mirselbs, Görl, sach ich, is Freitach nacht, wird sowieso Zeit, daß dir wer n Bücksndeckel wechmontiert, kanns du ehmsogut jetz probiern un dir diesen bibbrign Heini anlachn. Lechel ich also.

Er kuck dämlich, merkt ich lechel, un lechelt zurück. Bloß so n klein blödichtes Lecheln, wie wenn er bang is, er verbeult sich die Fassade, aber immerhin, er lechelt.

Also lechel ich wieder und versuch, schön niggerniedlich hübsch auszusehn, un er lechelt auch wieder.

Madam sieht ihn lecheln, tatscht n aufn Rückn, gibt ihm n Schubs.

Aber jetz, Jeh-sus! Steh doch Francine auf. Sie bild sich die ganze Zeit ein, der Knabe da lechelt ihr zu! Sie denkt, er will mit ihr hoch! Ja-ah! Er is so baumelbammel bibbrich, daß sie denkt, sie kricht seine Kanohne rein, ohne groß was machn müssn. Sie mag so ne kribblign Kundn, weil die immer so ficks schlappmachn, un denn kann sie melkn un so rumbuttern, währnd daß wir annern Kätzn uns weiter plackn müssn.

Aber ich steh auch auf. Ja-ah-woll! Und er nickt nach mir. Sach ich, komm mit, Kleiner, wir gehn rauf.

Er kommt. Er is in Ordnung. Is in Schale, wie wenn er ganz schön Pulver hätte. Sach ich zu mirselbs, Görl, vielleicht gefälls du dem Kundn da gut genuch, daß er n Extrascheinchen losmacht. Ja-ah! Is in Schale, wie wenn er da das Zeuch für hätte.

Ich sach hier lang, Schätzchen.

Vor daß ich raufmach, kuck ich rum nach Francine, un sie kuckt richtig gemein. Piss auf Francine! Ich sach zu mirselbs, ich sach, kneif dir die Bückse zu, Francine, dein Aasch krichs du heut noch früh genuch poliert. Keine Bange nich, Freitach nacht is große Tuhr, massich Geschäft für alle, Freitach nacht.

So n Scheiß! Francine, die facks da rum, wie wenn sie mit meim Kundn los will, wo er doch mit mir. Warum muß die mir bloß immer reinpfuschn? Piss auf Francine!

Ich schaukel aaschtreppauf, und mein Kunde kommt hinter mir lang. Manche Kollitscher, die begrapschn mir immer die Backn, wenn ich so schaukel, aber der hier, der is da zu kribblich zu. Is n Wunder, daß er überhaup die Treppe schafft.

Ich nehm n mit auf das Zimmer, wo Francine immer von sacht, es is ihrs. Ja-ah-woll! Verdammich, diese Francine! Gibt sons keine n blassn Furz, welches Zimmer, bloß man immer sie, un sacht sie, is ihr Zimmer, weil das Bett nämlich nich soviel Krach macht.

Aber ich nehm mir mein kribblign Kundn jetz grad auf das Zimmer. Ja-woll! Wie Francine so rumnölt, brauch sie überhaup kein Zimmer nich!

Die stilln Bibberer, da gibs manchmal Ärger mit. Der Kacker da, ich krich n mir mit ins Zimmer, un da stakt er rum un kuck dämlich.

Sach ich hallo Bebi Süßer, was denks du?

Er sach kein Wort.

Sach ich he Liebchen, wie isses nu mit uns?

Un er kuck bloß dämlich.

Sach ich huhu Schätzchen, wills n bischn Französisch? Bischn Halbunhalb? Oder bloß so ein versteckn? Ich sach, swanzig Kugeln, un du kanns mal in Muttis Aasch die Welt von inn kennlern.

Un da kuckt er mich an, wie wenn er bei wär, sich die Hosn vollzupinkeln! Tatzächlich! Ja-ah-woll! Ich sach in Muttis Aasch, un er kricht fast zuviel.

Nu hat uns Madam ja immer gesacht, red ihr Kätzen bloß nie von Muttis Aasch, wenn richtich weiße Kundn dasind, aber Kührijeminee! Hat ja nich mal das ihn n bischn wacher gemacht. Steht man bloß da un kuckt rum un is am träumen. Ganz dösich und dammich.

Sach ich he Bebi, dies n Kätznhaus, kapiert? Dösn kanns du woanners. Ich sach, Kätznhaus is für Spaaß da, Süßer. Also wolln wir n bischen Spaaß machn?

Aber er kuck bloß weiter dammlich rum. Jeh-sus! Ich weiß verflicks nich, was der eintlich glaubt, wo er is. Ich kann doch nich die ganze Nacht für n lappign Fümfer hier rumkalschn, so fang ich denn an, n bischen mit seinm komischn klein Specht zu spieln. Ich bin am spieln, er kuck rum, wie wenn er schon wech wär, un wir komm voran wie siebn Läuse in eim dustern Hintern.

Aber dann siehts aus, als käm er langsam zu sich, un macht er n Mund auf un will was sagn, aber dann klappt er n wieder zu.

Kührijeminee! Der is vielleich bloß aus Versehn hier rein. Was n Knallkopp! Fang ich noch mal von vorn an. Sach he Bebi, wie isses, wills du nich n bischen Spaaß ham?

Sacht er ja-ah!

Sach ich zu mirselbs, ja nu leck mich doch eins am Aasch! Der Vogel kann redn!

Dann tu ich ihm ausnanderklamüsern, wieviel hier was macht. Tatzache, ich red an ihm rauf un red an ihm runter, un er kuck bloß dammlich. Ja-woll! Ich red mich fusslich, er steh da, den Bimsmich auf Halbmast, un kuck bloß richtich dummrich um sich rum. Jeh-sus! Wie blöd kann son Weißjung eintlich noch wem?

Ich sach Kührijeminee Zuckerchen! Ich kanns nich noch klarer machn. Has du denn kein Moos?

Sacht er äh?

Ich sach, has du denn keine Grünen? Keine Möpse?

Sacht er äh?

Ich sach Mann, has du kein Zwirn, kein Draht? Kein Glaspapier? Kein Kies un Kesch zum Kittn, gar nischt, nein?

Sacht er waaaa?

Ich sach Mann, du bis in n Kätznhaus. Du komms, und denn denkn wir Kätzn doch, du wills ne Schraube drehn. Un vor daß du dir ne Schraube drehs, muß du blechn.

Un da setz sich doch eins glatt auf sein klein schwatzen Niggeraasch – kaum sach ich das, da zieh dieser Knallkopp doch ficks den dickstn Packn Grünflügel raus, wo ich mein lieben Lebtach lang je un je hier in dem leckmichn Kätznhaus gesehn hab. Heilige Minna! Oh-ooh-oooh! Das pfropft mir doch glatt n Auspuff zu! Ja-woll! Das haut mich reinwech um! Der ist ja derart dick versorcht, daß er kaum die fickrign Finger um die Lappn kricht! Weihoweih!, hat der aber getankt!

Ich hock still auf mein Backn. Ich sach zu mirselbs Görl, sach ich, dies süße Weißjung hat n klein Schlach wech, das is sicher, aber laß du ihn bloß machn, wie er will. Ich sach Görl, du bist jetzt so nett zu ihm wie nur was. Soviel Miezn, wie der dafür kricht, die gibs gaanich.

Oder vielleich sach ich ihm, halt die Luft an, Mann, ich mach hier Schluß, un wir stelln n bischen die Stadt aufn Kopp! Weil mit dem Zaster da könn wir uns durchfiggern von hier bis zum Mond un zurück. Ja-woll!

Bloß, er steh da, un sein Weißgesicht verrunzelt sich wie Oma ihre Tülle, aber dann fingert er wieder so an dem goldign Packn da rum, daß es glattwech zum Küssn is! Wie er da so fingert, da weiß ich strippstrappstrullmich gut genuch, die Lappen un er, die sin mir jetz schon vielviel näher gekomm.

Is ja kein Wunder, daß er so dammlich is. Soviel Asche im Kastn, da kann er Dunst im Kopp ham, soviel er will.

Aber dann fäng die ganze lausige Welt an rückwärts zu laufn. Ja-ah-woll! Dieser Vogel, der steh da un macht mit sein Grünflügel rum un sacht, was wills du denn machn?

Ja-woll! Das sacht er! Fracht mich, was ich will!

Ich mach mich noch voll! Kührijeminee! Bin verdammich nah dran, ihn mal beim Ohr zu nehm un zu sagn, du liebes süßes Zuckerhäschn, was ich machn will? Ich will wech hier, flucks ficks fliegn will ich! Will wech aus dem Kätznhaus! Ich will dich nach Hause bring, zu Mutti. Ich will dich unter meim Bettchen versteckn!

Aber ich krich kein Wort raus. Mir wird so schwiemlich schwummrich, wie mich der Packn Lappn da ankuckt, daß ich dasitz und bloß noch blinzeln kann.

Sacht er, was meins du, was wills du am liebstn? Sacht, was war das, was du über Muttis Aasch gesacht hast? Sacht, un was heiß das, die Welt von inn?

Inzwischn bin ich schon so durchnander gekomm vonwegn den Lappen, daß ich zu mirselbs sach Görl, sach ich, jetz heißt es ficks schaltn. Der Kollitsch-Heini da, der is gut ausstaffiert – un n Kribbel hat er auch.

Jackie sacht immer Görl, paß auf, eines Tages stöß du miter Nase noch mittn in n dickes Dauergeschäft.

Sieht so aus, als wär ich schon am Stoßn! Verflucht, was soll ich bloß machn?

Jackie sach, zu so n Kundn muß du gansgans lieb sein, un dann frächt er dich deine Tellefonnummer, un denn bis du drin im Dauergeschäft. Ja-woll!

Wenn ich bloß rauskrich, was er