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Als die junge Influencerin Mira, während eines scheinbar harmlosen Livestreams einen mysteriösen Ring entdeckte, ahnte sie nicht, dass dieser Moment alles verändern wird. Der Ring war mehr als ein Fundstück, er war ein Schlüssel zu einer vergessenen Vergangenheit. Zu einer Liebe, die Raum und Zeit überdauerte. Und zu einer Welt, in der Erinnerungen lebendig waren, in Klang, Licht und Schatten. Getragen von einer unsichtbaren Melodie und begleitet von ihrer treuen Online-Youtube-Community begab sich Mira auf eine Reise jenseits der Grenzen der Realität. An ihrer Seite: Alex, ihr kluger, stiller Begleiter mit dem weichen Blick, und einem Herzen, das mehr zu wissen schien, als er zeigte. Zwischen ihnen knistert etwas, zart wie der erste Frühlingshauch, tief wie die Nacht unter fremden Sternen. In einer Welt, in der Gedanken zu Inseln wurden und Erinnerungen wie Blüten im Wind tanzten, musste Mira nicht nur den Schatten eines uralten Feindes gegenübertreten, sondern auch dem Echo ihres eigenen früheren Ichs. Denn in ihr lebte das vergessene Lied einer alten Seelenträgerin, und mit ihm die Kraft, Licht dorthin zu bringen, wo alles verloren schien. Doch das größte Wagnis war nicht der Kampf gegen die Dunkelheit. Es war der Mut, sich selbst zu erinnern, und zu lieben. Bedingungslos. Ein Roman voller Sehnsucht und Magie, in dem sich Liebe, Musik und Erinnerungen zu einem betörenden Lied verweben. Für alle, die an die Kraft der Verbindung glauben, zwischen Menschen, zwischen Welten, zwischen Herzen.
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Seitenzahl: 97
Veröffentlichungsjahr: 2026
Amelie Wild
Ein Kuss aus alten Zeiten
Romantasy mit Herz, Magie und Gefühl
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Epilog
Impressum neobooks
Die Nacht war still. Zu still. Als hätte selbst der Wind vergessen, wie man durch die Straßen Münchens schleicht.
Mira saß auf dem kleinen Balkon ihrer Altbauwohnung in Schwabing, die Beine unter sich verschränkt, eine flackernde Kerze vor sich. Der süßlich-erdige Duft von Sandelholz stieg ihr in die Nase, während sie langsam die Augen schloss. Es war kurz nach Mitternacht, die Sommersonnenwende.
Die längste Nacht des Jahres!
Eine Nacht, in der alles möglich sein sollte. So sagte man jedenfalls.
Ihre Tarotkarten lagen ausgebreitet auf einem bestickten Leinentuch. Goldene Kanten glitzerten im Kerzenlicht. Die Kamera war aus. Keine Zuschauer, keine Likes, keine Kommentare. Nur sie, die Karten – und diese leise Unruhe in ihrer Brust.
Sie atmete tief durch.
„Ich bin offen. Ich bin bereit!", flüsterte sie, fast wie ein Mantra.
Mit ruhiger Hand zog sie die erste Karte.
Der Tod.
Ein Zucken ging durch ihre Schultern. Okay. Keine Panik. Der Tod war nicht immer negativ. Wandel. Transformation. Loslassen. Sie wusste das. Sie hatte das oft genug ihren Followern erklärt.
Sie mischte erneut. Zog die zweite Karte.
Der Tod.
Diesmal stockte ihr der Atem. Ihr Herz klopfte schneller. Zwei Tode? Das war selten. Sehr selten. Fast nie. Eine Karte konnte Zufall sein. Zwei? Das war eine Botschaft.
„Noch eine!“, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zum Universum. „Zeig mir, was ich wissen muss."
Die dritte Karte glitt aus dem Stapel.
Der Tod.
Mira starrte auf das Kartenbild. Der schwarze Reiter auf dem weißen Pferd, der Sonnenaufgang im Hintergrund, die liegende Figur davor. Drei Mal derselbe Archetyp. Drei Mal dasselbe Symbol. Ihr wurde kalt, obwohl die Sommernacht noch warm war.
Ein Zittern fuhr durch ihre Finger. Sie zog den Schal enger um ihre Schultern. Irgendetwas stimmte nicht. Das war kein Zeichen für eine neue Lebensphase. Das war eine Warnung. Eine ernste.
Plötzlich flackerte das Kerzenlicht auf, als hätte ein Windhauch hindurchgegriffen. Mira blickte auf. Doch die Nacht war unbewegt. Kein Rascheln, kein Laut. Nur das seltsame Gefühl, beobachtet zu werden.
Sie stand auf, trat an das Balkongeländer. Ihre Wohnung lag im vierten Stock, mit Blick über Dächer und Bäume.
Alles war ruhig. Und doch…
Da war etwas.
Ein Schatten zwischen den Bäumen des Parks gegenüber.
Kurz, kaum greifbar. Mira blinzelte. Nichts.
Vielleicht hatte sie sich getäuscht. Oder?
Sie drehte sich um, ging hinein, schloss die Balkontür. Als sie sich in ihrem Spiegel betrachtete, fuhr ihr ein Schauer über den Rücken. Für einen winzigen Moment – weniger als eine Sekunde – hatte ihr Spiegelbild sich nicht synchron bewegt. Ihre Hand war schon am Schal gewesen, doch das Abbild hinkte hinterher. Wie in einem alten, ruckelnden Video.
„Ich brauche Schlaf!", sagte sie laut, als könnte das die Realität beruhigen.
Sie löschte die Kerze, trat ins Schlafzimmer, schlüpfte unter ihre Tagesdecke. Doch der Schlaf wollte nicht kommen.
Als sie endlich einschlief, träumte sie sofort.
Sie stand in einem dichten Wald, alles war in Nebel gehüllt. Äste kratzten aneinander wie flüsternde Stimmen. Der Boden war weich, fast federnd. Die Luft roch nach Regen und Asche.
Eine Stimme rief ihren Namen.
Nicht laut. Nicht panisch. Sondern ruhig. Wie ein Lied, das man vergessen hatte, aber das einen trotzdem berührt.
„Mira!“
Sie drehte sich um. Da stand jemand.
Ein Mädchen. Oder eine Frau. Vielleicht beides. Ihre Augen waren leuchtend weiß, ohne Pupillen, ihr Haar fiel wie schwarzer Rauch über ihre Schultern. Sie trug ein Kleid aus Licht und Schatten zugleich.
„Du musst dich erinnern", sagte die Gestalt. „Bevor es zu spät ist!“
„Erinnern? Woran? Ich verstehe nicht …“
„Du bist das Tor. Und der Schlüssel. Du bist das Herz aus Licht."
Mira wollte nähertreten, doch der Nebel wurde dichter. Die Gestalt verblasste.
„Warte! Bitte! Was meinst du damit? Wer bist du?"
Doch es kam keine Antwort. Nur ein einziger Satz, wie ein Echo, das sich in ihrer Seele einbrannte: „Nicht alles, was stirbt, verschwindet. Manche Dinge erwachen erst durch den Tod.“
Mira schreckte hoch. Schweiß auf ihrer Stirn. Die Morgensonne fiel durch die Vorhänge. Die Karten lagen noch auf dem Balkon, der Wind hatte sie nicht verstreut. Alle drei lagen offen. Drei Mal der Tod.
Und ganz oben, auf dem Tisch – der Ring, den sie gestern noch nicht besessen hatte. Silber, alt, mit einem kleinen, matten Stein. Er leuchtete ganz schwach. Und sie wusste nicht warum.
Sie wusste nur eines:
Etwas hatte begonnen.
Und es würde sie verändern. Ganz.
München, ein Donnerstag im Mai.
Die Stadt erwachte unter einer Decke aus milchigem Morgenlicht. Regentropfen perlten von den Fensterbänken der Altbauwohnungen in Schwabing.
Vögel wagten sich vorsichtig aus ihren Verstecken, und die Welt schien für einen Augenblick zwischen Atemzügen zu schweben.
Mira saß in ihrem Lieblingssessel am Fenster, ein plüschiges, abgenutztes Ding mit geblümt-rosigem Stoff, das mehr Geschichten kannte als die meisten Bücher in ihrem Regal. In ihren Händen ruhte eine dampfende Tasse Kakao mit Zimt. Keine Eile, kein Make-up, kein Lächeln für die Kamera. Nur sie, das Kissen im Rücken, ihre Katze Luna zusammengerollt zu ihren Füßen, und die Stille zwischen den Regentropfen.
Sie war 21. Eigentlich erwachsen.
Aber manchmal fühlte sie sich noch wie das unsichtbare Mädchen von damals. Die, die auf dem Schulhof lieber unter einem Baum las, statt mit anderen zu lachen. Die, die lieber Welten in sich erschuf, als sich der rauen Wirklichkeit zu stellen. Ihre Seele war ein Kaleidoskop aus Farben, die andere nicht sahen, feine Nuancen von Gefühl, von Sehnsucht, von Licht.
Und doch: Aus diesem leisen Kokon war etwas gewachsen. Ein eigener YouTube-Kanal mit inzwischen über 120.000 Abonnenten. Spirituelle Plogs, Tarot-Legungen, Self-Care-Routinen, Kristallwissen, kleine astrologische Monatsausblicke. Ihr Wohnzimmer war Studio, Ritualraum und Bühne zugleich.
Mira hatte ihre Community „die Lichtkreis-Familie“ genannt. Und sie war tatsächlich zu so etwas wie einer Familie geworden, voller junger, suchender Seelen, die sich in ihren Worten wiederfanden. In den Kommentaren schrieben Menschen von ihren Träumen, Ängsten, von ihren Versuchen, sich selbst zu finden. Mira las sie alle. Und obwohl sie so oft das Gefühl hatte, selbst noch auf der Suche zu sein, war sie für viele eine Art Lichtsignal geworden.
Manche ihrer Follower sendeten ihr kleine Geschenke, handgemachte Armbänder, gemalte Bilder, Briefe voller Dankbarkeit. Ein Mädchen namens Lynn aus Bremen hatte ihr einmal geschrieben, dass Miras Meditationen sie durch eine schwere depressive Phase getragen hatten. Solche Nachrichten ließen Mira oft still werden. Berührt, aber auch überwältigt.
Wer war sie schon, dass ihre Stimme für andere so viel bedeutete?
Ihre Kamera war ein vertrauter Freund geworden, eine Tür zu einer Welt, die sie verstand. Aber manchmal, wenn das Ringlicht erlosch und der Bildschirm dunkel war, fragte sie sich, ob sie wirklich gesehen wurde. Oder nur die Version von ihr, die weich, weise und „in ihrer Mitte“ schien.
Denn tief in ihr war auch Unsicherheit. Eine zarte Angst, nicht genug zu sein. Nicht echt genug. Nicht spirituell genug. Nicht schön genug.
Diese Gedanken kamen besonders an Tagen wie heute, wenn der Regen schwer auf den Fensterscheiben lag und sich die Welt so leise anfühlte, dass jedes Gefühl lauter wurde.
„Guten Morgen, ihr Lichtwesen“, begann sie oft ihre Videos. Doch heute sprach sie es nicht. Heute war der Morgen nicht für andere bestimmt.
Heute war er ... für sie.
Ein plötzlicher Ton ließ sie aufhorchen, eine WhatsApp-Nachricht auf dem Handy. Sie griff danach, halb neugierig, halb widerwillig und las.
Alex:
»Hast du gut geschlafen, Elfe? Ich bring Croissants mit. Und du erzählst mir wieder was über Mars im Krebs, okay? «
Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen. Alex. Ihr bester Freund seit dem ersten Tag in der Universität. Unkompliziert. Warmherzig. Und ein bisschen zu gutaussehend für ihr ruhiges Nervenkostüm. Sein Lachen war Sommerregen, sein Blick ein stiller Hafen. Mira wusste: Er war sicher. Immer.
Sie tippte zurück.
Mira:
»Nur wenn du auch Vanillepudding mitbringst. Ich brauche süßen Trost. Die Sterne waren heute Nacht laut«
Als es klingelte, war es noch nicht einmal neun. Mira eilte zur Tür, barfuß, in ihrer lila Yoga-Hose, und mit einem zerzausten Dutt, den selbst ihre Katze kritisch beäugte.
„Ich hab sogar Zimt mitgebracht“, sagte Alex zur Begrüßung und hielt eine Tüte triumphierend hoch. Sein Lächeln war so breit wie immer, seine Locken noch feucht vom Regen.
Sie grinste. „Dann darfst du reinkommen.“
In der Küche war es warm, der Duft von Gebäck und Kakao vermischte sich mit dem leisen Surren der Kaffeemaschine. Alex setzte sich an ihren Küchentisch, betrachtete ihre Tarotkarten, die achtlos danebenlagen.
„Was sagen die Karten heute? Apokalypse oder Erleuchtung?“
Mira lachte leise. „Ich habe noch nicht gezogen. Heute ... war irgendwie anders.“
Alex’ Blick wurde weich. Er kannte diese Antwort. Und was sie bedeutete.
Sie schwiegen, aßen, nippten an ihren Tassen. Die Nähe war vertraut, still, keine Bühne, kein Rollen spielen. Nur zwei Seelen, die sich für einen Moment ausruhten.
„Weißt du, was verrückt ist?“, fragte Mira schließlich.
„Ich hoffe, du wirst es mir gleich erzählen!“
„Ich habe heute Nacht von einem Ring geträumt. Gold, mit einem leuchtenden Stein. Ich wusste nicht, woher er kam, aber ich habe ihn getragen, als ob er zu mir gehörte.“
Alex runzelte die Stirn. „Und? Was glaubst du, was das bedeutet?“
Sie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Aber es fühlt sich ... wichtig an. Als würde etwas beginnen.“
Alex schwieg, doch in seinen Augen glomm Neugier. „Wenn du ihn zeichnest, zeigst du ihn mir, ja?“
„Selbstverständlich! Du bist mein Freund.“
„Ich muss jetzt leider zu einem Termin. Ich melde mich später wieder“, sagte Alex und erhob sich.
Als Alex gegangen war, stand sie lange unter der Dusche. Das warme Wasser ließ ihre Gedanken tanzen, mischte sich mit Bildern aus dem Traum:
Der Ring. Das Licht. Eine Stimme, die ihren Namen flüsterte. Und darunter ein Gefühl – nicht Furcht, sondern ... Erinnerung.
Später, als sie sich im Spiegel betrachtete, das Gesicht ungeschminkt, die Haut noch feucht, sah sie etwas, das sie vorher nicht bemerkt hatte. Einen feinen Abdruck an ihrem Finger, als hätte dort ein Ring gesessen.
„Unmöglich!“, murmelte sie.
Doch der Abdruck war da!
Und als sie ihre Schmuckschatulle öffnete, lag er darin.
Ein Ring, golden, mit einem warm schimmernden Stein in der Mitte, wie flüssiges Bernsteinlicht. Er passte perfekt.
Den ganzen Nachmittag über fühlte sich Mira wie in einem Traum. Der Ring ließ sich nicht abnehmen. Kein Schmerz, kein Druck, aber er blieb einfach.
Wie ein Teil von ihr!
Und je länger sie ihn trug, desto mehr hatte sie das Gefühl, dass sich die Welt um sie herum veränderte.
Die Farben wurden intensiver. Die Geräusche klarer. Die Stimmen auf der Straße klangen fremd, verlangsamt, manchmal wie durch Wasser gefiltert. Die Straßenlaternen flackerten, wenn sie vorbeiging. Und immer wieder spürte sie ... einen Blick. Jemand, der sie beobachtete. Kein Gefühl von Gefahr. Eher wie ein Echo aus der Tiefe.
Am Abend ging sie in den Englischen Garten. Die Luft war erfüllt vom Duft nasser Wiesen, vom süßen, fast trägen Glühen der untergehenden Sonne. Sie setzte sich ans Wasser, sah den Enten zu, wie sie lautlos durchs Grün glitten. Und sie dachte: Vielleicht war sie nie wirklich allein gewesen.
Sie hielt ihre Hand ins Licht. Der Ring leuchtete, als hätte er sich mit der Sonne verbündet.
„Was bist du?“, flüsterte sie.
Die Antwort kam nicht. Aber ein warmer Hauch berührte ihre Wange. Und für einen Moment glaubte sie, Musik zu hören, leise, fremd, aus einer anderen Zeit.
