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Die beliebte Schriftstellerin Friederike von Buchner hat mit dieser Idee ein Meisterwerk geschaffen: Die Sehnsucht des modernen Großstadtbewohners nach der anderen, der ursprünglichen Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und bodenständiger Natur bildet Kern und Botschaft dieser unvergleichlichen Romanserie. Liebe und Gefühle, nach Heimat und bodenständiger Natur bildet Kern und Botschaft dieser unvergleichlichen Romanserie. Eine Verwechslung mit Folgen! Es war ein wunderschöner sonniger Morgen in den Bergen. Anna stand auf der Terrasse der Berghütte und verabschiedete einige Hüttengäste. Es war eine Gruppe Bergwanderer. Anna gab ihnen noch einige gute Ratschläge mit auf den Weg und wünschte ihnen viel Freude in den herrlichen Bergen. Bello, der junge Neufundländerrüde, lag auf dem Geröllfeld, direkt vor den Stufen, die zur Terrasse hinaufführten. Zwischen den Pfoten kuschelte sich der kleine schwarze Kater Max. Anna forderte Bello auf, den Weg freizugeben, aber Bello rührte sich nicht. Unter fröhlichem Gelächter stiegen die Hüttengäste über ihn. Anna kniete sich neben den Hund. Sie war besorgt. Sonst hörte Bello immer aufs Wort. »Was ist mit dir?« Anna kraulte ihm liebevoll das Fell. Toni kam den Bergpfad herauf. Er trug einen Rucksack und zwei Taschen. »Schau, Toni! Ich denke, Bello hat irgend etwas.« Toni stieg über den Hund und brachte den Rucksack und die Taschen in die Küche. Endlich stand Bello auf.
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Es war ein wunderschöner sonniger Morgen in den Bergen. Anna stand auf der Terrasse der Berghütte und verabschiedete einige Hüttengäste. Es war eine Gruppe Bergwanderer. Anna gab ihnen noch einige gute Ratschläge mit auf den Weg und wünschte ihnen viel Freude in den herrlichen Bergen.
Bello, der junge Neufundländerrüde, lag auf dem Geröllfeld, direkt vor den Stufen, die zur Terrasse hinaufführten. Zwischen den Pfoten kuschelte sich der kleine schwarze Kater Max. Anna forderte Bello auf, den Weg freizugeben, aber Bello rührte sich nicht. Unter fröhlichem Gelächter stiegen die Hüttengäste über ihn.
Anna kniete sich neben den Hund. Sie war besorgt. Sonst hörte Bello immer aufs Wort.
»Was ist mit dir?« Anna kraulte ihm liebevoll das Fell.
Toni kam den Bergpfad herauf. Er trug einen Rucksack und zwei Taschen.
»Schau, Toni! Ich denke, Bello hat irgend etwas.«
Toni stieg über den Hund und brachte den Rucksack und die Taschen in die Küche.
Endlich stand Bello auf. Er folgte Toni und ließ sich in der Küche auf den Boden fallen.
»Der Bello schmollt, weil ich ihn nicht mit runtergenommen habe auf die Oberländer Alm. Jetzt ist er beleidigt.«
Toni gab Bello ein paar Hunde-leckerli.
»Die Liebe geht auch bei Vierbeinern durch den Magen, Anna!«
Anna nickte und ermahnte Toni, das kleine Aluminiumwägelchen und die Packtaschen zu reparieren. An dem kleinen Wagen, mit dem Bello die Lebensmittel von der Oberländer Alm auf die Berghütte zog, war ein Rad verzogen. An den Packtaschen mußten die Gurte erneuert werden, einer war gerissen und schon geflickt.
»Ja, Anna! Ich mache mich gleich dran! Bello, dann kannst du morgen auch wieder mit auf die Oberländer Alm, die Milch, den Käse und die anderen Sachen holen«, tröstete Toni den Hund.
Anna hatte Bello trainiert. Sie war mit Neufundländerhunden aufgewachsen. Ihre Großeltern hatten eine Zucht. Diese Hunderasse war kräftig und wurde schon in früheren Zeiten zum Ziehen und Tragen von Lasten eingesetzt. Der Hund war Toni und Anna eine große Hilfe. Zur Berghütte führte keine Straße hinauf, nur ein schmaler Pfad. Die Hüttengäste, die kamen, das waren echte Bergliebhaber, die sich vom steilen Aufstieg nicht abhalten ließen.
»Gab es etwas mit den Kindern?« fragte Anna.
In dieser Woche brachte Toni die Bichler Kinder Franziska und Sebastian mit dem Auto von der Oberländer Alm in die Schule nach Waldkogel. Toni wechselte sich wochenweise mit seinem Vater ab. Dann kam dieser morgens auf die Oberländer Alm und wartete, bis Toni mit den Kinder von der Berghütte kam.
»Es ist alles in Ordnung! Ich habe mich kurz mit der Lehrerin von der Franzi unterhalten. Sie ist sehr zufrieden mit ihr. Nächste Woche ist Elternabend, da müssen wir hin.«
»Ja, Toni. Ich habe es schon in den Kalender eingetragen.«
Toni packte die Taschen und den Rucksack aus.
Dabei erzählte er.
»Ich habe die Sabine getroffen. Sie ist vom Studium zurück. Ich glaube net, daß du sie kennst, Anna. Weißt, die Bine vom Kallmayr Hof?«
Anna überlegte.
»Möglich, daß es mir einfällt, wer sie ist, wenn ich sie sehe. Was hat sie denn studiert?«
»Des weiß ich gar net so genau. Kannst sie ja fragen, wenn sie da ist. Ich habe die Bine eingeladen, uns mal auf der Berghütte zu besuchen. Die Bine hatte engen Kontakt zum Bichler Hof. Der Hof von den Kallmayrs liegt ja net weit davon entfernt.«
Toni erzählte, daß Sabine Kallmayr sofort nach den Bichler Kindern gefragt hatte. Sie hatte Sebastian und seine Schwester Franziska schon als Schülerin ins Herz geschlossen. Oft spielte sie Kindermädchen auf dem Bichler Hof.
»Da werden sich die beiden sicherlich freuen, Sabine zu sehen, Toni!«
»Des denke ich auch, Anna. Aber es soll eine Überraschung werden. Sag’ bitte nix zu den beiden, Anna.«
»Sicher, Toni! Franzi und Basti werden sich freuen. Wann will Sabine kommen?«
»So genau hat sie des net gesagt. Mei, sie wird schon kommen, Anna!«
Anna schenkte zwei Emailbecher mit süßem Milchkaffee voll. Toni legte seinen Arm um ihre Schultern. Sie gingen hinaus auf die Bergterrasse, um eine kleine Pause zu genießen.
»Toni!« flüsterte Anna zärtlich mit leiser Stimme. »Toni, ich bin sehr, sehr glücklich!«
Toni schaute seiner Frau tief in die Augen und küßte sie. Anna stellte ihren Kaffeebecher ab und kuschelte sich an Toni. Er hielt sie ganz fest und küßte sie innig und leidenschaftlich.
»Ich bin auch glücklich mit dir, liebste Anna!«
Ihre Herzen waren sich in gegenseitiger Liebe so nah.
»Immer wenn wir uns morgens etwas Zeit nehmen und gemeinsam eine Tasse Kaffee auf der Berghütte trinken, erinnere ich mich, als ich zum ersten Mal hier war. Dieser Augenblick ist tief in meinem Herzen verankert. Diese wunderbare Aussicht! Diese Weite der Berge! Die Ruhe! Der Duft der Natur!«
Anna schaute Toni fest in die Augen: »Und du!«
»Oh, liebste Anna! Was hatte ich damals Herzklopfen! Ich war so verliebt in dich! Ich zeigte dir meine Berghütte, meinen Traum. Den ganzen Weg von der Oberländer Alm herauf, fragte ich mich, wie sie dir gefallen würde.«
»Weißt du, Toni! Als ich damals zum ersten Mal die Berghütte sah, da fühlte ich, daß sie mir nicht fremd war. Ich kam irgendwie nach Hause.«
»Ich weiß, liebste Anna! Ich konnte es in deinen Augen lesen. Es war ein wunderbarer Augenblick mit dir.«
Bello setzte sich zu den beiden und legte Anna eine Pfote auf den Schoß. Sie kraulte ihm das Fell.
»Schau, Toni! Er will uns daran erinnern, daß er auch dabei war.«
»Ja, ohne ihn wärst du wohl nicht so schnell mit auf die Berghütte gekommen. Es war lustig. Obwohl Bello mir gehörte und er dich nicht kannte, schlug er sich sofort auf deine Seite. Fast war ich damals ein wenig eifersüchtig.«
Sie lachten. Anna wußte, wie es Toni meinte.
»Ich weiß. Er wich nicht von meiner Seite. Er war so anhänglich und zeigte mir, daß er mich willkommen hieß auf der Berghütte. Er gab mir zu verstehen, daß er wollte, daß ich bleibe. Weißt du noch, wie wir am ersten Abend vor dem Kamin saßen, nur du und ich. Bello ließ sich vor unsere Füße fallen. Für ihn war jetzt die Mannschaft der Berghütte komplett, du und ich und er.«
»Ja, das war der Anfang! Dann zog der alte Alois zu uns. Schließlich nahmen wir die Bichler Kinder bei uns auf.«
»Jetzt sind wir schon eine richtige große Familie, auch wenn weder der alte Alois noch die Kinder mit uns verwandt sind. Manchmal vergesse ich es, Toni.«
»Mir geht es genauso! Das kommt eben davon, daß wir uns alle herzlich lieben.«
»Ja, Toni, wir lieben uns alle sehr.«
Sie küßten sich wieder. Dann tranken sie ihren Kaffee aus. Danach gingen sie an die Arbeit.
Toni säuberte die Wirtstube der Berghütte und die Terrasse. Anna spülte das Geschirr und begann, das Mittagessen vorzubereiten. Der alte Alois saß auf der Terrasse und las die Zeitungen, die Toni von der Oberländer Alm mit heraufgebracht hatte. Einmal in der Woche brachte Xaver Baumberger alle Zeitungen einer Woche auf die Alm. Dann las Wenzel Oberländer sie und danach wanderten die Zeitungen auf die Berghütte. An dem Tag, an dem Toni die Zeitungen heraufbrachte, war der alte Alois nicht anzusprechen. Er las sie Seite für Seite. Besonders die Lokalseiten über Kirchwalden, Waldkogel und Marktwasen interessierten ihn.
»Toni, hast des gelesen vom Streit beim Schützenfest in Kirchwalden?«
»Naa, Alois, dazu hab’ ich noch keine Zeit gehabt. Des weißt du. Aber ganz Waldkogel spricht davon. Mein Vater hat es mir erzählt. Des ist ja ein wirklicher Skandal, was da abgelaufen ist. Drei Stunden sollen sie gebraucht haben, bis endlich raus war, wer Schützenkönig wird. Dann war es doch wieder der alte vom vorigen Jahr, der bekannte Platzhirsch sozusagen. Ich weiß auch net, ob es da wirklich mit rechten Dingen zugegangen ist. Vielleicht hat die Jury doch ein bisserl nachgeholfen, wie alle meinen. Denn viele sollen geglaubt haben, daß es unbedingt ein Einheimischer sein müßte. Daß ein Tourist da mitmacht – nun des ist an sich nix Besonderes –, aber gewinnen und für ein Jahr Schützenkönig sein… Mei, des konnte sich niemand so recht vorstellen.«
»Des ist auch ganz und gar net möglich. Der hätte die vielfältigen Verpflichtungen doch gar net übernehmen können. Naa, so ist es schon besser, denke ich.«
Toni setzte sich einen Augenblick zu Alois.
»Deswegen ist es ja zum Streit gekommen. Jetzt soll die Satzung des Schützenvereins geändert werden. Mei, so wild ist des auch net. Des Schützenfest in Kirchwalden auf der Wies’, des ist doch ohnehin mehr ein Volksfest für die Touristen. Da ist es bei uns hier in Waldkogel noch richtig urig. Es ist ja bald wieder soweit.«
»Ja, Toni! Es ist schon bald wieder soweit. Machst mit? Bist doch ein famoser Schütze gewesen!«
»Ja, schon! Aber des Preisschießen, des überlasse ich lieber andern. Aber ich will mit der Anna zum Schützenball. Außerdem wird des diesmal etwas ganz Besonderes, denke ich mir.«
»Ja, des denke ich auch. Der Schützenverein wird hundert. Hier in der Zeitung steht, daß der Graf deshalb den Ball auf dem Schloß ausrichten will.«
»Ja, er weiß eben, wie es sich gehört. Schließlich hat sein Urgroßvater oder sogar sein Ururgroßvater den Schützenverein gegründet. Der Tanzsaal im Waldschloß soll ja sehr schön sein.«
»Ja, des ist er! Und der Park ist schön. Wirst es ja sehen. Wenn es gegen Mitternacht zugeht, dann ist kaum jemand mehr auf der Tanzfläche. Die jungen Paar sind dann im Park. Da gibt es genug lauschige Plätzchen.«
»Des stimmt. Doch so ein Schützenfest ist auch viel Arbeit«, bemerkte der alte Alois nachdenklich.
Alois dachte auch an die alte Zenzi Stöger, die einst als junges Madl auf das Schloß kam. Sie war das Kindermädchen des Grafen und später seine Vertraute. Lange Jahre lebte sie allein auf dem Schloß und hielt alles in Ordnung. Doch dann adoptierte Graf Tassilo von Teufen-Thurmann seinen Ziehsohn Thomas. Der heiratete Julia und lebte mit seiner Familie auf dem Waldschloß am Bergsee. Der alte Graf zog dann mit seiner lieben Frau Ottilie auch wieder auf das Schloß, das er in ganz jungen Jahren verlassen hatte.
Nun gab es wieder ein richtiges gesellschaftliches Leben in Waldkogel, wie es früher war. Der Graf lud zur Jagd ein und es gab auch ein Sommerfest im Park des Schlosses. Der diesjährige Höhepunkt sollte der Ball des Schützenvereins werden. Alle in Waldkogel waren gespannt, wie es werden würde.
»Ja, dann gehst du mit deiner lieben Anna auch tanzen, Toni. Ihr werdet des schönste Paar sein. Des weiß ich!«
Der alte Alois grinste.
»Hier steht, daß alle erwarten, daß es einen Wettkampf gibt zwischen dem alten Schützenkönig und dem Alwin Antholzer. Der Alwin soll ja ein sehr guter Schütze sein.«
»Der ist ein sehr guter Schütze. Ich habe den Alwin heute morgen getroffen. Er ist über des Geschreibsel net sonderlich glücklich.«
»Warum des?«
»Naa, weil ihn alle unter Druck setzten. Ein Schützenkönig braucht ein Madl, des weißt du ja. Er muß den Ehrentanz machen. Aber der Alwin hat kein Madl. Die Liebe, die hat bei ihm noch net eingeschlagen, verstehst? Der ist noch ein echter Junggeselle, Alois. Net, daß er keine feschen Madls kennt. Naa, so ist des net. Aber so ein richtiges Herzmadl, des hat er noch net. Egal mit welchem Madl er tanzt. Des kann Gerede geben. Die beiden gelten dann als Paar.«
»Ja, des stimmt. Was will der Alwin jetzt machen? Net tanzen? Mei, des geht net. Naa!«
Der alte Alois lachte.
»Kannst ihm deine Anna ausleihen, Toni!« schlug der alte Alois vor.
Toni lachte laut.
»Naa, meine Anna, die halte nur ich in meinem Armen. Wenn der Alwin sich net für ein Madl entscheiden will, dann muß er eben mit allen Ringelreihen tanzen.«
Der alte Alois grinste.
»Er kann auch einfach danebenschießen, dann wird eben ein anderer Bursche der beste Schütze von Waldkogel! Der hat vielleicht ein fesches Madl.«
Der alte Alois vertiefte sich wieder in die Zeitung. Toni ging hinter die Berghütte und hackte Holz.
*
Die Freundinnen Sabine Kallmayr und Mara Gabelsberger trafen sich abends beim Bootssteg. Mara war als erste dort und wartete. Endlich kam Sabine auf dem Fahrrad angeradelt.
»Grüß Gott, Bine! Ich war schon in Sorge, daß du unsere Verabredung vergessen hast!«
Sabine warf das Rad ins Gras. Sie umarmte die Freundin.
»Mei, Mara! Erst einmal ein herzliches Grüß Gott! Naa, du weißt, wenn ich sage, ich komme, dann komme ich auch. Aber du weißt doch wie das ist daheim auf dem Hof. Ich bin während des Semesters fort. Da ist die Mutter froh, wenn ich hier bin. Weißt, des ist in den Semesterferien immer so in den ersten Tagen. Da läßt sie mich nicht aus den Augen. Immer hat sie etwas zu erzählen. Mei, ich kann es ja verstehen, daß sie froh ist, wenn ich da bin. Aber der Alltag normalisiert sich auch wieder. Um so mehr freue ich mich, mit dir ungestört zu sein. Jetzt können wir doch wirklich ungestört tratschen. Wie geht es dir, Mara?«
Die beiden Frauen, die sich schon seit der Schulzeit kannten, setzten sich am Ufer ins Gras. »Ach, ich bin auch froh, dich zu sehen. Ich verstehe deine Mutter schon. Mir geht es doch auch so. Es ist ein bisserl einsam während den Wochen, in denen du fort bist. Es fehlt mir eben, mit dir zu reden, Bine. Es ist schlimm daheim auf dem Hof, wenn man nur Brüder hat. Mit denen kann ich net so reden wie mit dir. Wenn ich ihnen etwas anvertrauen würde, dann müßte ich wochenlang ihren Spott ertragen.«
Mara lachte.
»Sie meinen es net bös’. Des weiß ich ja. Aber nervig kann’s schon sein mit ihnen. Weißt, Sabine, vier ältere Brüder, des ist manchmal wirklich schwierig. Dabei sagt man immer, daß Burschen net so neugierig wären wie Madln. Ich sage dir, des stimmt net!«
»Deshalb haben wir uns ja schon als Kinder immer hier getroffen. Hier gibt es nichts, wohinter sie sich verstecken könnten, um uns zu belauschen. Doch nun erzähle mal, Mara! Was hast du die letzten Monate so getrieben?«
»Ach, nix Besonderes. Ich bin eben daheim und helfe der Mutter im Haus und auf dem Hof. Jeder Tag ist fast wie der vorherige.«
»Daß des dir nicht langweilig wird! Wie kannst du das aushalten!«
»Es ist nicht so, wie es nach außen aussieht. Außerdem gefällt es mir so. Ich bin gern daheim. Du wolltest ja immer hinaus in die Welt.«
Sie kicherten beide und sagten wie aus einem Mund:
»Um den Traumprinzen zu finden!«
»Hast du ihn jetzt endlich gefunden, Bine?«
»Naa, wo denkst du hin! Angebote habe ich genug. Sie sehen auch fast alle gut aus. Sie sehen so aus, wie wir uns als Kinder des ausgemalt haben. Aber der Traumprinz, der ist noch nicht dabei gewesen. Auch im letzten Semester habe ich mich nicht verliebt. Es ist nix passiert. Und bei dir?«
»Auch nix! Allmählich wird es schwierig. Meine Brüder haben jetzt alle Freundinnen. Sie wollen im nächsten Jahr alle zusammen an einem Tag heiraten. Des mußt du dir mal vorstellen!«
»Wirklich? Das gibt ja eine tolle Feier!«
Mara seufzte.
»Was stöhnst du? Gefällt es dir nicht? Es ist doch ein schöne Idee!«
»Ach, Bine! Meine Brüder meinen, daß es noch schöner wäre, wenn ich auch heiraten würde. Ich gönne ihnen ihr Glück ja. Sie sind so verliebt. Meine Brüder haben sich immer gut verstanden und ihre Ma-dln verstehen sich untereinander auch gut. Die Paare unternehmen viel zusammen. Zwar wollen sie mich mitnehmen, aber ich bin nicht gern das fünfte Rad am Wagen.«
»Bewahre, Mara! Wer ist des schon gern?«
»Eben! Jedenfalls reden sie alle ständig davon, daß es auch für mich mal an der Zeit sei, mich zu verlieben. So ein Schwachsinn! Das kann man doch nicht auf Knopfdruck. Schalter an – verliebt! Quatsch!«
»Richtig! Dann muß es schlimm für dich sein – daheim?«
»Ja, Sabine! Ein bisserl ist es schon so. Während der Woche, da komme ich ganz gut mit ihnen aus. Aber am Wochenende, da soll ich mitkommen. Sie fahren zum Tanzen nach Kirchwalden oder über die Dörfer. Doch ich lehne immer ab.«
Mara seufzte wieder.
»Sie prophezeien mir, daß ich als alte Jungfer ende. Sicherlich weiß ich auch, daß eines Tages nicht einfach ein Bursch’ auf den Hof kommt und fragt, ob er mich heiraten darf. Aber ich kann mir doch auch kein Schild umhängen: Will heiraten!«
Sie lachten herzlich.
»Ach, gute Mara! Ich verstehe dich! Es ist überall dasselbe. Meine Mutter fragt auch, ob ich an der Universität nicht einen netten Burschen gefunden habe. Nett sind die Burschen schon. Aber die große Liebe habe ich nicht gefunden.«
Sabine seufzte.
