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Obgleich Personen und Handlungen frei erfunden sind, vermittelt dieser Roman einen realistischen Einblick in das verschwenderische Luxusleben der sogenannten Schönen und Reichen. Im Sommer treffen sie sich am liebsten in Saint-Tropez sowie auf Ibiza und Mykonos. In der Schneesaison ist vor allem St. Moritz angesagt. Für die deutschsprachige Schickeria zählen zudem Sylt und Kitzbühel zu beliebten Ausflugszielen. Das bunte Treiben der illustren Partygesellschaft kennt keine Verhaltensgrenzen und verliert oft seine Hemmungen in einem regel- wie übermäßigen Drogenkonsum. Geld spielt keine Rolle, solange man es hat. Egal wie man zu seiner Kohle gekommen ist. Sei es durch reiche Geburt oder durch clevere (nicht immer legale) Geschäfte. Reichtum ist wichtiger als Aussehen. Bei der Partnersuche schauen die meisten Frauen mehr auf die Farbe der Kreditkarte als auf Erscheinung, Bildung oder Intelligenz. Ganz vorn ist hier die schwarze Centurion von American Express. Die attraktiven Bewerberinnen in den noblen Clubs und auf den exklusiven Partys der Society sind mit dem protzigen Gehabe in dieser Szene bestens vertraut. Hier zieht man sich den Koks durch eine gerollte 100-Dollar-Note in die Nase und schlürft Champagner oder exotische Cocktails statt bürgerliches Bier und Schnaps. Man frühstückt am Nachmittag und diniert erst um Mitternacht. In dieser eigenen Welt ist eben fast alles anders. Aber ist sie auch besser? Dieses Buch taucht zugleich in eine zweite Welt ein, die nahezu täglich große Schlagzeilen macht. Das spektakuläre Milliarden-Geschäft mit König Fußball. Für Millionen Menschen ist er wie eine Droge; für zahlreiche Funktionäre hingegen ein Schlachtfeld der persönlichen Macht und finanziellen Gier. Zwei unterschiedliche Welten, die sich dennoch durch die handelnden Personen und durch ihre charakterliche Wesensart verbinden.
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Seitenzahl: 331
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Alle Personen sowie die gesamte Handlung sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Ereignissen, wäre rein zufällig.
Obgleich Personen und Handlungen frei erfunden sind, vermittelt dieser Roman einen realistischen Einblick in das verschwenderische Luxusleben der sogenannten Schönen und Reichen. Im Sommer treffen sie sich am liebsten in Saint-Tropez sowie auf Ibiza und Mykonos. In der Schneesaison ist vor allem St. Moritz angesagt. Für die deutschsprachige Schickeria zählen zudem Sylt und Kitzbühel zu beliebten Ausflugszielen.
Das bunte Treiben der illustren Partygesellschaft kennt keine Verhaltensgrenzen und verliert oft seine Hemmungen in einem regel- wie übermäßigen Drogenkonsum. Geld spielt keine Rolle, solange man es hat. Egal wie man zu seiner Kohle gekommen ist. Sei es durch reiche Geburt oder durch clevere (nicht immer legale) Geschäfte. Reichtum ist wichtiger als Aussehen.
Bei der Partnersuche schauen die meisten Frauen mehr auf die Farbe der Kreditkarte als auf Erscheinung, Bildung oder Intelligenz. Ganz vorn ist hier die schwarze Centurion von American Express. Die attraktiven Bewerberinnen in den noblen Clubs und auf den exklusiven Partys der Society sind mit dem protzigen Gehabe in dieser Szene bestens vertraut. Hier zieht man sich den Koks durch eine gerollte 100-Dollar-Note in die Nase und schlürft Champagner oder exotische Cocktails statt bürgerliches Bier und Schnaps. Man frühstückt am Nachmittag und diniert erst um Mitternacht. In dieser eigenen Welt ist eben fast alles anders. Aber ist sie auch besser?
Dieses Buch taucht zugleich in eine zweite Welt ein, die nahezu täglich große Schlagzeilen macht. Das spektakuläre Milliarden-Geschäft mit König Fußball. Für Millionen Menschen ist er wie eine Droge; für zahlreiche Funktionäre hingegen ein Schlachtfeld der persönlichen Macht und finanziellen Gier. Zwei unterschiedliche Welten, die sich dennoch durch die handelnden Personen und durch ihre charakterliche Wesensart verbinden.
Michel Rodzynek ist mit Beginn der 1970er Jahre bei einer großen Hamburger Boulevardzeitung zum Journalisten ausgebildet worden. Er hat als Reporter im In- und Ausland über Politik und Wirtschaft, Gesellschaft und Sport sowie über das Gesundheitswesen berichtet. Zwischen 1973 und 2006 war er auch mehrfach in Israel als Kriegsreporter im Einsatz. Bis vor einigen Jahren war Michel Rodzynek für die Öffentlichkeitsarbeit von namhaften Konzernen und Firmen, Vereinen sowie Institutionen und Personen verantwortlich. Er verfügt über nahezu 40 Jahre Berufserfahrung als vielseitiger Kommunikationsexperte in den Branchen Technologie und Medizin sowie bei Immobilienprojekt-Entwicklungen und in der Fußball-Bundesliga.
Inzwischen arbeitet er vornehmlich als Buchautor und verfasst über seine Webseiten oft kritische Statements zu aktuellen Themen. Sein erster Roman »Die Kassemacher« handelt von Menschen und Schicksale in einer typischen Großstadtklinik der heutigen Zeit.
Vorwort
Die wichtigsten Personen
Marcs schwere Nacht
Drogenbaron feuert Campari
Der Oligarch und der Spielervermittler
Das Escort-Modell Monica
Die Schickeria in Saint Tropez
Ein Fußball-Internat für junge Talente
Susanne und Gregor
Campari verliert Job und Frau
Geburtsstunde des Fußball-Internats
Vertrauensmann bei der Polizei
Grundstücksangebot auf Ibiza
Überdosis im Apartmenthaus
Sergej und sein Vater
Nathan bei Campari auf Ibiza
Entdeckung eines Supertalentes
Marc trifft Monica in Frankfurt
Gregor und Branko bei Sergej
Camparis schmerzvolle Begegnung
Monica und der Fußball-Funktionär
Ein Jugendfreund soll es richten
Frank Purwitz legt sich mit Sergej an
Sturz in den Tod
Eine glanzvolle Premiere
Zeit zum Aufhören
Daniela trifft Marc in Monte Carlo
Anica und Branko
Beim Geld hört die Freundschaft auf
Der Drogenbaron zieht sich zurück
Gemeinsame Zukunft in Thailand
Das bittere Ende von Marc Miller
Finale in Paris
Was nützt das schönste Etikett, wenn der Wein schlecht ist? Dieser Grundsatz gilt ebenso für Menschen im täglichen Leben. Oft trügt der Schein, denn hinter einer schönen Fassade können sich durchaus hässliche Wesensarten verbergen. Manchmal ist es aber auch umgekehrt. Nicht selten sind Personen am Rande der Gesellschaft die besseren Menschen. Diese Erkenntnis hat mich zu einem Roman mit frei erfundenen Figuren in einer ebenso ausgedachten Handlung inspiriert.
»Leben im Rausch« dreht sich auch um den sogenannten Etikettenschwindel und widerlegt teilweise die bürgerliche Weltanschauung.
Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Somit sind Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten und mit lebenden oder verstorbenen Personen rein zufällig.
Kevin Albrecht
Drogenbaron
Susanne Diekmann
Stanilawskis Freundin
Rafaela Fernandes
Kevins Drogen-Botin
Daniela Marchese
Gastronomin in Monaco
Marc Miller
Investor in Zürich
Karl-Heinz Mischke
Drogenfahnder in Wien
Monica Novotny
Exklusives Escortmodell
Nathan
Experte Spezialaufträge
Alexander Petrov
Vater von Sergej
Sergej Petrov
Russischer Oligarch
Frank Purwitz
Jugendfreund von Marc
Maximilian Redler
Spitzname „Campari"
Miguel Sanchez
Architekt auf Ibiza
Gregor Stanlawski
Reporter Sportmagazin
Branko Smirdan
Spielervermittler
Luc Torres
Immobilien-Entwickler
Anica Vucevic
Mutter von Ivo
Ivo Vucevic
Fußball-Talent
Lukas Weihmann
Immobilienmakler
Marc Miller war schlecht gelaunt. Übermüdet saß er am Gang der zweiten Reihe in der Businessclass des startbereiten Swiss-Airbus auf dem Rückflug nach Zürich. Er hatte eine sehr kurze Nacht mit viel Wodka und einigen Koksnasen hinter sich. Gegen vier Uhr morgens hatte ihn dann noch die Hexe aus seinem erschöpften Schlaf geholt. So nannte er seine Ex-Frau, die nach ihrer Trennung in die USA zurückgegangen war und nun mit ihrem gemeinsamen Sohn in Chicago lebte. Erneut forderte sie zusätzlichen Unterhalt und drohte mit ihrem unverschämten Anwalt.
Jeder Gedanke an die dreijährige Ehe trübte seine Stimmung. Nein, im Moment war sein Leben gar nicht lustig. So viel er auch verdiente, gegen seine astronomischen Ausgaben kam Marc Miller kaum noch an. Dabei musste er kurz an die zweitausend Euro denken, die er am Vorabend für den kurzen Besuch eines Escortmodells in seinem Hotelzimmer bezahlt hatte. Viel Geld für ein äußerst schnelles wenn auch freudvolles Vergnügen. Die dominante Tschechin war ihm von einem vertrauten Concierge empfohlen worden und entpuppte sich schnell als eine wahre Meisterin ihres Fachs. Das Honorar war üppig, aber jeden Cent wert. Daher würde er sie bei seinem nächsten Besuch in Frankfurt gern wieder buchen. Vielleicht wäre sie mit einem günstigeren Honorar einverstanden, wenn er ihr künftiger Stammgast werden würde. Eine solche Vereinbarung hatte er schon mehrfach mit exklusiven Liebesdienerinnen getroffen. Der umtriebige Geschäftsmann lebte allein in einem großflächigen Penthouse in Zürich in unmittelbarer Nachbarschaft zum renommierten The Dolder Grand am Westhang des Adlisbergs. Wann immer er zuhause war, nutzte er gern das große Wellnessangebot des 5-Sterne-Hotels, in dem ebenfalls die meisten seiner auswärtigen Besucher abstiegen.
Seit über zehn Jahren wohnte der gebürtige Frankfurter nun in der Schweiz und profitierte von den hohen steuerlichen Vergünstigungen im Kanton Zug. Angesichts seiner siebenstelligen Umsätze und den vergleichsweisen hohen Einkommenssteuern in Deutschland sparte er auf diese Weise jährlich mehrere Hunderttausende Euro an den Fiskus. Geld, das er für seinen extrem hohen Lebenswandel dringend benötigte. Allein die Abfindungen und fortlaufenden Unterhaltszahlungen nach zwei Scheidungen kosteten ihn ein Vermögen. Dabei war der körperlich eher schmächtige Großverdiener mit der nach hinten gegelten Mafiosi-Frisur erst Anfang Vierzig.
Nervös schaute er auf seine neu erworbene Platin-Rolex und hoffte auf eine pünktliche Landung auf dem Flughafen Kloten. Er war um dreizehn Uhr mit einem russischen Geschäftsfreund bei Bindella in der City verabredet. Ein beliebter Treffpunkt für anspruchsvolle Genießer der gehobenen italienischen Küche. Das erfolgreiche Restaurant wurde mittlerweile in vierter Familiengeneration geführt. Zu seinen Stammgästen zählte ebenso die konservative Zürcher Gesellschaft wie auch ein internationales Publikum mit schrillen Yuppies, verliebten Paaren und typischen Geschäftsleuten. Hier hatte er vor einiger Zeit auch Sergej Petrov kennengelernt.
Seither verabredeten sich die beiden Männer gelegentlich im Bindella. Der russische Geschäftsmann stammte ursprünglich aus St. Petersburg und lebte seit Mitte der 1990er Jahre mit seinem Vater in London. Hin und wieder hatte er kurzweilige Affären mit attraktiven Frauen, die ihm aber wenig bedeuteten. Sergej Petrov war nie verheiratet gewesen und hatte auch keine Kinder. Da er viele Geschäfte über die Schweiz abwickelte, kam er regelmäßig nach Zürich. Angeblich sollte er sein milliardenschweres Vermögen mit Waffengeschäften in Afrika und Südamerika gemacht haben. Der körperlich kräftige Oligarch war in seinem gesellschaftlichen Umfeld mehr gefürchtet als beliebt. Um ihn gab es immer wieder Gerüchte über direkte Verbindungen zur russischen Mafia in Europa und den USA.
Marc Miller glaubte diesen Spekulationen. Er war davon überzeugt, dass ein gutes Verhältnis zu diesem einflussreichen Mann nur von finanziellem Vorteil sein könnte. Allerdings gab es bislang noch keine Gelegenheit, ihre lockere Bekanntschaft in einträgliche Geschäfte zu erweitern.
Die beiden Männer hatten während einer Skisaison im King’s Club des Palace Hotel in St. Moritz freundschaftlich um die Gunst einer hochgewachsenen Polin gebuhlt, die sich für die Skisaison eine kleine Wohnung in dem alpinen Ferienort mit einer italienischen Freundin teilte.
Abend für Abend hofften die beiden Damen, in diesem beliebten Lokal den richtigen Kandidaten für die nächste Liaison zu treffen. Die 40-jährige Frau wirkte mit ihrer schlanken Figur mindestens zehn Jahre jünger und war ein echter Lichtblick für die männlichen Gäste an der Bar. Heute könnte es klappen, denn die vielsagenden Blicke des dunkelhaarigen Mannes neben seinem fast kahlköpfigen Begleiter waren vielversprechend.
Zwei Stunden später lag sie neben Marc Miller in seinem Hotelbett. Sie musterte den schlafenden Mann, der in ihrem Alter sein müsste.
Eigentlich sieht er ganz gut aus, dachte sie sich, und wenn er etwas vernünftiger leben würde, wäre er vielleicht ein guter Liebhaber. Dass ihre erste Nacht keine sexuelle Erfüllung werden würde, war ihr bereits klar gewesen, als sie nach dem dritten Glas Champagner zustimmte, das Miteinander in der luxuriösen Suite ihres neuen Verehrers fortzusetzen.
Er steuerte mit ihr direkt aufs Bett zu und bat sie, ihm beim Ausziehen zu helfen. Alles Weitere ging dann sehr schnell. Der jungen Frau blieb nicht einmal mehr die Zeit, ins Badezimmer zu gehen. Der bereits sehr erregte Mann führte ihre Hand zwischen seine Beine und kam fast sofort über ihre schlanken Finger zum Höhepunkt.
Danach entkleidete er sich völlig, legte sich ins Bett und drehte sich wortlos auf die Seite. Als sie sich danach auszog und erfrischte, war er fest eingeschlafen und nahm sie nicht mehr wahr. In dem Zimmer war nur noch sein heftiges Schnarchen zu vernehmen.
Auf der Fahrt ins Bindella musste Marc Miller an die hübsche Polin denken, mit der er nach ihrer ersten Begegnung eine leidenschaftliche Beziehung eigegangen war. Er nahm sie überall mit hin und stellte sie als seine neue Lebensgefährtin vor. Viele Männer beneideten ihn um seine attraktive Begleitung und lächelten ihm anerkennend zu. Aber das Verhältnis hielt nur wenige Wochen. Als sie sich nach einem lautstarken Streit in einem Restaurant trennten, konnte sie sich zumindest über eine völlig neue Garderobe und einige Schmuckstücke freuen.
Marc Miller war zwar egoistisch und jähzornig, aber dafür finanziell großzügig. Er war bereit, für Liebe und Bewunderung viel zu zahlen. Natürlich war er sich der häufig unerklärlichen Wutausbrüche in seinem Umfeld bewusst. Seine menschlichen Schwächen waren jedoch Tabu. Als ein langjähriger Freund und anerkannter Psychiater einer Spezialklinik ihm ausgeprägten Narzissmus vorhielt, bezeichnete er ihn als Arschloch und brach die Verbindung für immer ab.
Im Bindella waren wie jeden Mittag und Abend alle Tische belegt. Die beiden Männer bestellten sich als Hauptgericht ein großes Porterhouse-Steak nach Fiorentiner Art mit gegrilltem Gemüse und nahmen als Vorspeise jeweils eine halbe Portion Pasta mit Trüffel. Dazu tranken sie einen Nippozano aus dem italienischen Weingut Frescobaldi.
Sergej Petrov musterte seinen Freund mit kritischen Blicken.
»Was ist passiert, Marc, du siehst ja schrecklich aus? Hast du gestern zu viel getrunken und gekokst?«
Sein Gastgeber nickte. »Ich hatte einen schweren Arbeitstag mit mühsamen Meetings in meiner alten Heimatstadt Frankfurt. Na ja, meine Eltern leben da zwar noch, aber ich hatte keine Lust, mich mit ihnen zu treffen.«
Der Russe schüttelte den Kopf und fiel ihm ins Wort: »Das kann ich nicht verstehen. Wie du weißt, wohnt mein Vater seit dem Tod meiner Mutter bei uns. Ich genieße jeden Moment, den wir beide zusammen verbringen. Weshalb hast du kein Verhältnis zu deinen Eltern? Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Familie ist das Wichtigste im Leben. Du fliegst nach Frankfurt und meldest dich nicht einmal bei ihnen. Es sind doch deine Mutter und dein Vater.«
Marc Miller ärgerte sich über diese Worte und wollte mit Sergej über dieses Thema nicht weiter diskutieren. »Es ist sehr kompliziert und nicht einfach zu erklären.«
Sergej Petrov winkte ab: »Okay, dann reden wir nicht mehr darüber. Wie hast du den Abend in deiner Heimatstadt verbracht?«
Marc Miller berichtete von dem Abendessen mit einem langjährigen Geschäftsfreund und dem anschließenden Besuch der aufregenden Tschechin, die ihm der Chef-Concierge im Rocco Forte Villa Kennedy empfohlen hatte. »Sergej, eine Wahnsinnsfrau. Etwas größer als ich, recht schlank, ein tolles Gesicht mit hohen Wangenknochen, großen Augen und wunderschönen Füßen. Leider hatte ich schon vor dem Treffen viel getrunken und mir einige Nasen gezogen. War also nicht gerade in Höchstform, als sie mich besuchte. Trotzdem ist mir fast die Birne weggeflogen. Nächste Woche muss ich wieder nach Frankfurt und will sie dann unbedingt wiedersehen.«
Lachend schüttelte Sergej Petrov den Kopf. »Du bist völlig verrückt. Statt einen Abend mit deinen Eltern zu verbringen, lässt du dir eine Nutte ins Hotel kommen.«
Marc Miller unterdrückte den aufkommenden Zorn und besann sich, Ruhe zu bewahren. Sein Gegenüber war zwar ein sentimentaler Familienmensch, konnte aber geschäftlich wie privat sehr unangenehm werden. Nein, hier durfte er sich jetzt nicht unklug verhalten und musste seinem Gast entsprechenden Respekt erweisen. Es fiel ihm schwer. Er atmete tief durch und lächelte ihn an.
»Sergej, möchtest du einen Espresso oder lieber einen Cappuccino? Und wie wäre es mit einem Dessert?«
Der Russe entschied sich für einen doppelten Espresso Macchiato und verzichtete auf die Nachspeise. Dann schaute er Marc Miller in die Augen und kam auf den eigentlichen Anlass des heutigen Treffens zu sprechen.
»Marc, wir müssen innovativ sein. Auch wenn wir mit unseren bisherigen Geschäften gut verdienen, sollten wir hungrig bleiben und uns ständig nach neuen Herausforderungen umsehen. Ich denke dabei an finanziell lukrative Nischen, die wir bislang nicht auf dem Radarschirm hatten. Zugegeben, ich selbst beobachte bei mir eine gewisse Sättigung, die auch mich lähmt und bequem macht.«
Marc Miller war überrascht. Zum ersten Mal sprach der Russe über Geschäfte. Der Mann hatte Milliarden auf seinen weltweit verstreuten Konten und redete, als müsse er jetzt noch mit Mitte Fünfzig das große Geld verdienen. Er überspielte diesen Gedanken und gab sich höchst interessiert.
»Was meinst du konkret, Sergej?«
Der Russe kniff die Augen zusammen. »Ich habe neulich einen Branko Smirdan rein zufällig kennengelernt. Ein Kroate aus Zagreb, der als Spielervermittler sehr erfolgreich im Profifußball aktiv ist. Mir gefällt sein intelligentes Konzept, weil er sich hauptsächlich auf talentierten Nachwuchs konzentriert, der preislich noch erschwinglich ist.«
Marc Miller hörte aufmerksam zu, obwohl er keinerlei Erfahrungen mit dieser Branche hatte. Sie interessierte ihn auch nicht wirklich. Natürlich wusste er um die gewaltigen Summen, um die es in diesem Geschäft ging.
Sein Gast fuhr fort: »Es geht um Hunderte von Millionen, wobei die keineswegs nur in den Taschen der Spieler landen. Angeblich sollen auch Funktionäre verschiedener Organisationen im internationalen Fußball sowie Berater und Vermittler große Beträge für sich selbst kassieren. Wobei ich nicht genau weiß, was in diesem Geschäft so alles passiert. Der europäische Fußball in den Topligen polarisiert sich mehr und mehr. Somit können sich meistens nur die Vereine an den Tabellenspitzen die wahnsinnigen Ablösesummen und Gehälter für die begehrten Stars leisten. Der größte Teil verfügt aber nicht über solche finanzielle Mittel. Diese Vereine können keine Spieler kaufen, die sie sportlich auf Anhieb nach oben schießen. Das wiederum ist die Zielgruppe von Branko Smirdan. Er vermittelt junge Talente mit dem vorhandenen Potenzial eines beträchtlichen Wertzuwachses. Rohdiamanten sozusagen, die man verhältnismäßig preisgünstig erwerben kann. Der eigentliche Profit für Branko Smirdan besteht in seiner ausgehandelten Beteiligung beim Weiterverkauf. Das Prinzip ist einfach. Je günstiger die Ablöse, umso höher diese Provision.«
Ein nachvollziehbares Investmentmodell, dachte sich Marc Miller.
Der Russe machte eine kurze Pause und nahm einen kräftigen Schluck Mineralwasser. »Kleines Beispiel. Branko Smirdan hat einen 17-Jährigen an der Angel, den er für 500.000 Euro an einen Club vermittelt, der Jahr für Jahr um den Klassenerhalt in der ersten Liga ringt. Der Junge schlägt sportlich gut ein und leistet einen wesentlichen Beitrag für die Rettung seines Teams. Spätestens dann haben ihn verschiedene Talentspäher oben auf ihrer Liste, die für reichere Vereine nach solchen Kandidaten suchen. Schon ist sein Marktwert innerhalb kurzer Zeit auf mehrere Millionen gestiegen. Vielleicht auf das Vier- oder Sechs- bis sogar Zehnfache. Oder noch mehr. Dafür gibt’s natürlich keine Garantien, aber der Herr Smirdan hat sehr überzeugende Referenzen für sein gutes Gespür. Da es ihm finanziell sehr gut geht, er kommt übrigens aus bescheidenen Verhältnissen, scheint sein Konzept recht erfolgreich zu sein.«
Marc Miller fragte nach: »Und wozu braucht dieser pfiffige Kroate dann noch uns?«
Sergej Petrov nickte zustimmend. „Genau das habe ich mich auch gefragt. Die Antwort ist einleuchtend. Der Mann möchte sich in Europa ausdehnen und interessiert sich für Partner, die ihn dabei unterstützen. Dabei geht es ihm besonders um Kontakte zu potenziellen Investoren für ein neues Projekt, das er mir noch konkret erläutern möchte. Ich sehe ihn demnächst und werde gewiss mehr erfahren. Der hat einen ausgezeichneten Ruf in seiner Branche. Wie gesagt, seine Kunden sind nicht die Creme de la Creme im europäischen Fußball, sondern eher die Mittelklasse.«
Marc Miller war zwiegespalten. Einerseits konnte er sich ein Engagement in diesem Bereich grundsätzlich vorstellen, andererseits war er aber in dieser Szene nicht zuhause. Fußball war bislang nicht seine Kompetenz und auch nicht seine Leidenschaft. Aber er kannte durchaus den einen oder anderen Experten, den er mit dieser Thematik kontaktieren könnte.
Er nickte Sergej zu. »Gregor Stanlawski ist ein guter Bekannter von mir und kennt sich hier als langjähriger Chefreporter eines führenden Sportmagazins in Deutschland bestens aus. Soweit ich weiß, genießt er großes Ansehen bei den Vereinen und verfügt über sehr gute Kontakte zu den handelnden Personen. Vielleicht können wir uns mit ihm und diesem Branko Smirdan zu einem grundsätzlichen Meeting hier in Zürich verabreden. Auch würde ich gern meinen Wiener Freund Maximilian Redler dazu holen. Er hat insgesamt ausgezeichnete Verbindungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ein echter Kenner, der uns mit vielen Tipps unterstützen könnte.«
Sergej Petrov runzelte die Stirn. »Meinst du etwa diesen schmierigen Quatschkopf, der sich fast um den Verstand gesoffen hat und bei einer ukrainischen Bank rausgeflogen ist? Sein Spitzname ist doch Campari, aber nur mit bitterem Likör gibt der sich doch lange nicht zufrieden. Ein richtiger Looser, mit dem ich mich ganz bestimmt nicht an einen Tisch setze. Wie ich hörte, soll er sich jetzt im Dunstkreis eines Kevin Albrecht aufhalten. Hast du den Namen schon mal gehört? Man nennt ihn auch Drogenbaron. Ebenfalls ein Österreicher, der seit einiger Zeit in den angesagtesten Nachtklubs die Haute Vaulée versorgt. Nur vom Feinsten und Besten. Ist im Sommer und Winter vor allem auf Ibiza und Mykonos sowie Saint Tropez und St. Moritz unterwegs. Zwischendurch triffst du ihn in europäischen Metropolen wie London, Paris, Mailand und München.«
Marc Miller wusste genau, von wem er sprach. Er hatte diesen Drogenbaron bereits durch seinen engen Freund Campari kennengelernt und war mittlerweile mit ihm gut bekannt. Ein außergewöhnlicher Mann mit Prinzipien, ganz anders als die typischen Dealer. Dass er selbst einer seiner großen Abnehmer von ihm war, wollte er seinem Gesprächspartner nicht auf die Nase binden. Aber darauf war der clevere Russe möglicherweise schon selbst gekommen.
»Kein Problem, dann eben ohne meinen Freund Campari. Ich werde gleich versuchen, einen Termin mit Stanlawski zu vereinbaren. Wie lange bleibst du in Zürich, Sergej?«
Der Russe stand auf und verabschiedete sich. »Schlage mir einfach etwas vor. Zunächst möchte ich mich noch einmal mit Branko Smirdan zusammensetzen. Er kommt demnächst zu mir nach London. Danach sehen wir weiter. Vielen Dank für die Einladung, ich fliege jetzt gesättigt nach London zurück und freue mich auf einen gemütlichen Abend mit Papa.«
Auch der Drogenbaron war zur Zeit gar nicht gut auf Maximilian Redler zu sprechen. Er hatte den zurzeit arbeitslosen Ex-Banker erst vor wenigen Monaten auf einer Party in Wien kennengelernt. Zwischen den beiden Männern entwickelte sich rasch ein freundschaftliches Verhältnis, und Kevin Albrecht bot ihm eine großzügige Provision für die Vermittlung neuer Kunden an.
Campari, wie ihn seine Freunde nannten, konnte nach dem Rauswurf bei der Bank eine neue Geldquelle dringend gebrauchen. Da er in der Szene Gott und die Welt kannte, hoffte er auf entsprechend hohe Einnahmen. Die neue Allianz machte sich für beide Partner schnell bezahlt und sie trafen sich wöchentlich. Der Drogenbaron war höchst zufrieden. Durch Campari lernte er eine Vielzahl neuer Abnehmer für sein breites Sortiment an berauschenden Mitteln kennen. Er war darauf aus, seine Produkte primär an die feine Gesellschaft zu verkaufen und lehnte es trotz zahlreicher Anfragen strikt ab, jugendliche Interessenten zu bedienen oder andere Händler zu beliefern.
Kevin Albrecht hatte seine festen Prinzipien und legte größten Wert darauf, dass seine Drogen nicht in die falschen Hände gerieten. Er selbst war absolut clean; der Handel mit Rauschgift war für ihn lediglich ein einträgliches Geschäft, mit dem er seinen Lebensunterhalt bestritt. Wenn er seine Konsumenten nicht mit dem Zeug versorgen würde, würden es andere tun und möglicherweise nicht so viel Wert auf die ausgezeichnete Qualität legen, für die Kevin Albrecht bekannt war.
Besonders einträglich entwickelte sich die Verbindung zu Marc Miller in Zürich, der sich in relativ kurzen Abständen Kokain in Mengen liefern ließ, die er unmöglich allein konsumieren konnte. Wahrscheinlich verwöhnte er seine zahlreichen Gäste mit dem begehrten Pulver. Der Drogenbaron wusste nur zu gut, dass man in seinem Business keine Fragen stellen sollte, deren Antworten man gar nicht wissen mochte. Genau darin lag für ihn das Problem mit Maximilian Redler. So sehr er sich über diese hohen Umsatzzuwächse freute, so war er zugleich über die unbeherrschte Redseligkeit seines eifrigen Vermittlers besorgt. Nicht nur bei seinen vertrauten Freunden postierte sich dieser als rechte Hand des Drogenbarons. Es war somit nur eine Frage von kurzer Zeit, bis die fahndenden Beamten der zuständigen Dezernate auf Campari aufmerksam werden würden. Dann würde er sicher ebenfalls auffliegen.
Mehrfach erklärte er ihm das Grundprinzip seines sensiblen Geschäfts, das maßgeblich auf Diskretion basierte. Jedes Mal gelobte der gescholtene Campari reumütige Besserung, verlor aber weiterhin immer dann Kontrolle über sein loses Mundwerk, wenn er über den Durst trank und sich demonstrativ in Bars und sogar Restaurants den Koks reinzog. Die amüsierenden Auftritte des belächelten Spaßvogels, der von seinem gesellschaftlichen Umfeld schon längst nicht mehr für voll genommen wurde, war mittlerweile stadtweit ein aktuelles Thema. So konnte es unmöglich weitergehen.
Kevin Albrecht war entsprechend aufgebracht als er an diesem Mittwochnachmittag in der ersten Maiwoche auf der schattigen Terrasse im Wiener Café Landtmann am Universitätsring ungeduldig wartete. Wie so oft kam Maximilian Redler mit erheblicher Verspätung und begrüßte seinen genervten Freund freudestrahlend mit einem unschuldigen Lächeln.
»Wie schön dich zu sehen, mein Kevin. Die Sonne lacht, der Himmel ist blau und es ist herrlich warm. Was machen die Frauen, was Neues am Start?«
Der Drogenbaron empfand diese Respektlosigkeit in ihrer ernsten Situation als unangebracht und antwortete verärgert.
»Nicht nur der Himmel ist blau. Du leider auch schon wieder. Allerdings gibt es in den Auswirkungen einen himmelweiten Unterschied. Sonnenschein macht uns meistens fröhlich; dein Gequatsche indes gefährdet meine Existenz und vor allem meine Freiheit. Dein Verhalten ist verantwortungslos und ich lasse mir das nicht länger bieten. Ich habe dir das schon mehrfach erklärt, aber offensichtlich kannst oder willst du es nicht begreifen. Ich kündige hiermit unser Arrangement und werde es nicht tatenlos hinnehmen, wenn du dich weiterhin als mein Geschäftspartner ausgibst.«
Verlegen schaute Maximilian Redler mit gesenktem Kopf auf den Tisch. So eine Standpauke gleich zur Begrüßung hatte er nicht erwartet. »Aber ich tue doch nichts Schlimmes und bringe dir immer wieder neue Kunden. Denke allein mal an den Umsatz mit Marc in Zürich.«
Kevin Albrecht fragte sich, ob es einfach nur Dummheit oder berechnende Schauspielerei war. Er musterte diesen ewig grinsenden Kerl und würde ihm am liebsten eine gepfefferte Ohrfeige verpassen. Da saß er nun, so liebenswürdig und lammfromm, als könnte er keiner Fliege etwas zu Leide tun.
»Hör auf, mich zu verarschen, du blöder Suffkopf. Mit deinem Großmaul und ständigen Angeberei bringst du mich und ebenso meine Kunden in größte Gefahr. Nützlich bist du nur für die Drogendezernate, die auf einen so schwachsinnigen Muscheltaucher wie dich nur gewartet haben. Da kann die Polizei ihre Spitzel gleich nach Hause schicken; Campari erledigt das ganz allein.
Wenn du mich dieses Mal wieder nicht ernst nimmst, lernst du mich von einer Seite kennen, die ich dir gern ersparen möchte. Ich war fair mit dir, habe dich großzügig bezahlt und freundschaftlich behandelt. Damit ist jetzt endgültig Schluss. Und nun verziehe dich, ich möchte deinen Anblick nicht länger ertragen.«
Schwer eingeschüchtert stand Campari auf. Er bückte sich nach der Serviette, die ihm dabei auf den Fußboden heruntergefallen war. Die deutlichen Worte seines geschäftlichen Partners klangen ihm noch lange nach. Als er zum Ausgang ging, spürte er aufkommende Angst. Hatte ihm der Drogenbaron eben Gewalt angedroht? Daran mochte er gar nicht denken. Trotz alledem war das typische Grinsen noch immer nicht aus seinem Gesicht gewichen. Das war ebenso ein fester Bestandteil von ihm wie der tägliche Griff zur Flasche.
Kevin Albrecht machte sich große Sorgen. So wie er Campari einschätzte, würde er gewiss weiterhin quatschen und ein großes Risiko bleiben. Wie konnte er den undankbaren Kerl bloß zum Schweigen bringen? Natürlich kannte er genügend Leute, die für ihn sozusagen Hand anlegen würden. Aber mit Gewalt wäre es nicht getan. Im Gegenteil. Dann würden die Leute noch mehr darüber reden.
Vielleicht sollte er mit diesem Marc Miller sprechen, den er durch Campari kennengelernt hatte. Die beiden waren so eng verbunden. Angeblich hatte er seinetwegen sogar mit seinem leiblichen Vater gebrochen. Die beiden sollen auf der Hochzeit von Marc Miller aneinandergeraten sein und der verärgerte Senior soll diesem Campari sogar Prügel angedroht haben. Hätte er mal ruhig machen sollen.
Über den Grund für die Auseinandersetzung gab es keine weiteren Informationen. Aufsehen erregte aber das ungewöhnliche Verhalten des Bräutigams, der sich ohne Rückfragen auf die Seite seines Wiener Freundes gegen das Oberhaupt seiner eigenen Familie gestellt haben soll. Eine sonderbare Geschichte, die der Drogenbaron zunächst nicht glauben wollte. Aber nachdem sie auf seine Nachfrage von mehreren Seiten weitgehend bestätigt wurde, musste sie wohl stimmen.
Für Kevin Albrecht war es aus geschäftlichen Gründen immer wichtig, möglichst viel über seine Stammkundschaft zu erfahren. Somit konnte er seine Klienten besser einschätzen und sich auf sie einstellen. Bei dieser ungewöhnlichen Geschichte musste er an seinen Papa denken, den er aufgrund einer schweren Erkrankung schon in jungen Jahren verlor. Was würde er alles dafür geben, wenn sein Vater noch leben würde. Aber dieser Marc Miller hatte offenkundig weder Familiensinn noch Empathie. Gewiss würde er diesen schmierigen Dauergrinser auch gegen ihn verteidigen. Deshalb zögerte er mit dem Anruf. Andererseits musste er etwas unternehmen.
Rasch aß er seinen köstlichen Apfelstrudel auf und zahlte. Als er Minuten später in seiner großen BMW-Limousine saß, entschloss er sich doch, Marc Miller anzurufen.
»Oh wie nett, dass Sie anrufen, Herr Albrecht. Ich wollte mich ohnehin bei Ihnen melden und fragen, wann Sie das nächste Mal in Zürich sind. Es wäre schön, wenn wir uns in nächster Zeit treffen könnten.«
Wahrscheinlich wäre ein persönliches Gespräch vertraulicher als ein distanziertes Telefonat, dachte sich Kevin Albrecht. Er hatte noch gar nicht mit einer weiteren Bestellung gerechnet, weil er seinen Abnehmer erst kürzlich versorgt hatte. Umso besser, so konnte er das eine mit dem anderen verbinden.
»Wie wäre es jetzt am Samstag?«
Sie vereinbarten ein Treffen um sechszehn Uhr im The Dolder Grand, und Marc Miller versprach, seinem Besucher eine Suite in dem Luxushotel zu reservieren.
Nachdem er aufgelegt hatte, rief der Drogenbaron bei seiner Bekannten, Rafaela Fernandes, an. Die Portugiesin arbeitete für ihn seit Jahren als Botin. Sie war bereits über Siebzig und eine unscheinbare Person, die bislang unbehelligt durch jede Grenz- und Zollkontrolle gekommen war.
»Rafaela, Liebling, könnten wir uns am Samstag spätestens um fünfzehn Uhr im Hotel Schweizerhof in Zürich treffen. Du bist ja schon mal dort abgestiegen. Bestelle dir bitte eine Fahrkarte und ich buche dir ein bequemes Zimmer. Wenn du magst, kannst du gern mit mir am Sonntag im Auto nach Wien zurückfahren. Ich bringe Dir noch heute ein kleines Päckchen für den Kunden.«
Auch das war erledigt. Nun wollte er noch mit Nathan sprechen, den er gelegentlich mit vertraulichen Aufgaben beauftragte.
»Hallo mein Freund. Was hast du die nächsten Abende vor? Ich würde dich bitten, in den einschlägigen Lokalen Ausschau nach einem gewissen Maximilian Redler zu halten. Du erinnerst dich doch an diesen Typen, der in Szene als Campari bekannt ist. Ihr hattet euch vor einigen Wochen kurz kennengelernt. Der Mann erzählt überall, er sei meine rechte Hand und gefährdet mein Geschäft. Wir hatten heute eine unangenehme Aussprache und ich habe die Zusammenarbeit per sofort beendet. Allerdings traue ich ihm nicht und mache mir Sorgen, dass er weiter in der Öffentlichkeit quatscht. Höre dich doch bitte um und rufe mich umgehend an, wenn sich meine Befürchtungen bewahrheiten sollten.«
Als Kevin Albrecht drei Tage später mit dem Auto nach Zürich fuhr, hatte Marc Miller schon mehrmals mit seinem Freund in Wien telefoniert und sich dessen Jammerei angehört. Mit eindringlichen Worten versuchte er, ihn zu beruhigen. Aber seit dem Treffen mit dem Drogenbaron am Mittwochnachmittag hatte Campari große Angst. Er war außer sich, schlief schlecht und drehte sich auf der Straße aus Angst vor Verfolgern immer wieder um die eigene Achse. Abends blieb er zuhause, da er fürchtete, dass man ihm auflauern könnte.
Mittlerweile hatte er begriffen, dass er zu einem erheblichen Risiko für den Drogenbaron geworden war. Dabei wollte er ihm nun wirklich nicht schaden. Er konnte es sich selbst gar nicht erlauben, auf die beträchtlichen Provisionen seit ihrer Bekanntschaft zu verzichten und machte sich jetzt große Vorwürfe, das freundschaftliche Vertrauensverhältnis durch seine Wichtigtuerei zerstört zu haben.
Wie konnte er nur so naiv sein? Das war ein unverzeihlicher Fehler. Jedes Mal, wenn er an das unangenehme Gespräch im Café Landtmann dachte und den zornigen Gesichtsausdruck von Kevin Albrecht vor Augen hatte, schoss die Angst in ihm hoch.
Würde jetzt das passieren, was eine häufige Regel in typischen Kriminalfilmen war? Nämlich Vergeltung bei Verrat. Würde der Drogenbaron demnächst seine Schläger zu ihm schicken, um ihm die Knochen zu brechen? Oder würden sie ihm sogar ins Knie schießen, damit er die nächsten Monate nicht mehr seine bevorzugten Lokale besuchen könnte und den Rest seines Leben im Rollstuhl verbringen müsste? Er musste unbedingt Marc Miller anrufen und ihm von diesem Problem erzählen. Sicher könnte er ihm helfen und zur Seite stehen.
Als er sein Handy aus der Tasche holte, erinnerte er sich kurz an seinen Streit mit Marcs Vater. Beinahe hätte dieser ihn auf der Hochzeitsfeier verprügelt, weil er sich von ihm beleidigt und provoziert fühlte. Er hatte sich tatsächlich ziemlich respektlos gegenüber Marcs Papa verhalten und war anschließend selbst verwundert, dass sein Freund gegen sein eigenes Familienoberhaupt zu ihm gehalten hatte. Das Vater-Sohn-Verhältnis soll inzwischen völlig zerrüttet sein. Aber dafür konnte er schließlich nichts.
Nun hoffte er wieder auf den hilfreichen Beistand seines Freundes. Erfreulicherweise nahm Marc Miller sofort den Anruf entgegen. Geduldig hörte er sich die Geschichte an und beruhigte seinen Freund.
»Das war natürlich dumm von dir. Ich kann die Sorgen von Herrn Albrecht verstehen, aber ich werde mit ihm in den nächsten Tagen sprechen und hoffe, die Kuh vom Eis zu holen. Du versprichst mir allerdings, jetzt endlich die Klappe zu halten und kein Wort mehr über Eure Aktivitäten gegenüber Dritten zu verlieren. Ich habe überhaupt keine Lust, dass die Polizei demnächst vor meiner Tür stehen könnte. Campari, du musst endlich erwachsen werden und mit diesem Blödsinn aufhören.«
Pünktlich um sechszehn Uhr trafen sich Marc Miller und Kevin Albrecht in der Lobby des The Dolder Grand. Der Samstag war ein milder Frühlingstag, und sie wählten einen Tisch auf der Terrasse des Luxushotels. Schweigend schauten sie sich einen Moment an, nachdem sie beide eine große Flasche Mineralwasser und jeweils einen Cappuccino bestellt hatten. Dann eröffnete Marc Miller das Gespräch.
»Mich hat Maximilian Redler über Ihr Problem informiert und ich habe ihm meine Hilfe versprochen, diese unangenehme Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Campari ist ein feiner Kerl und hat nicht das geringste Interesse, Ihnen und somit sich selbst zu schaden. Er ist manchmal leider nur kindisch naiv und redet einfach zu viel.«
Der Drogenbaron hörte höflich zu und nickte zustimmend.
»In meinem Geschäft ist Naivität tödlich. Es funktioniert nur mit äußerster Diskretion und Behutsamkeit. Ihr Freund ist leider genau das Gegenteil. Laut und unvorsichtig. Das kann mich Kopf und Kragen kosten. Wenn Sie mit ihm befreundet sind und Einfluss auf ihn haben, dann stopfen Sie ihm bitte rasch sein loses Mundwerk.«
Marc Miller entgegnete mit gepresster Stimme: »Schauen Sie, ich habe bereits mit ihm gesprochen und ihm eindringlich die gefährlichen Risiken seines Verhaltens aufgezeigt. Er hat mir hoch und heilig versprochen, nicht mehr über Sie und ihre geschäftliche Verbindung in seinen Kreisen zu reden. Ich habe durchaus den Eindruck, dass es ihm sehr ernst ist. Aber verstehen Sie mich bitte richtig, ich bin nicht sein Kindermädchen.«
Der Drogenbaron hatte eine ähnliche Reaktion erwartet. Das Statement war unverbindlich und bedeutungslos. Er lächelte freundlich und sagte mit fester Stimme: »Nein, Sie sind gewiss nicht für das dumme Zeug Ihres Freundes verantwortlich. Da wir uns aber durch ihn kennengelernt und seitdem einige Geschäfte zur beidseitigen Zufriedenheit abgewickelt haben, sind Sie für mich allerdings schon indirekt beteiligt. Sofern sich also Ihr Freund Campari weiterhin auf meine Kosten wichtigmacht, sehe ich mich gezwungen, ebenfalls den Kontakt zu Ihnen abzubrechen. Oder können Sie mir garantieren, dass er nicht auch über unsere Verbindung quatscht.«
Marc Miller war über diese Drohung überrascht. Was konnte er denn für das Verhalten von Campari? Wenn der Drogenbaron gleichwohl als Quelle ausfallen würde, könnte es künftig eng für ihn werden, da er sich mit seinen vorherigen Lieferanten ernsthaft erzürnt hatte. Er müsste sich dann völlig neu orientieren. Dann müsste er mit Engpässen und qualitativen Einbußen rechnen. Der Drogenbaron hatte bisher immer erstklassigen Stoff zu vernünftigen Preisen geliefert.
»Herr Albrecht, lassen Sie uns besonnen bleiben und die Dinge nicht zu schwarzsehen. Mein Freund ist schließlich kein Dummkopf und wird sich bestimmt künftig zurückhalten. Abgesehen davon, haben Sie ihm mächtig Angst eingejagt. Ich freue mich jedenfalls, dass Sie so schnell nach Zürich kommen konnten und würde vorschlagen, dass wir unser eigentliches kleines Geschäft auf Ihrem Zimmer besprechen.«
Der Drogenbaron überlegte kurz, ob er nicht unter diesen Umständen die Verbindung zu Marc Miller sofort beenden sollte. Er entschied sich dann, ihm das Päckchen doch zu übergeben und nahm sich aber fest vor, ihn wirklich nicht mehr zu beliefern, wenn dieser Campari noch ein Wort an der falschen Stelle sagen würde. Nathan war ihm auf den Fersen und würde es herausfinden. Er würde entsprechend reagieren müssen, wenn sich seine Befürchtungen bewahrheiten sollten. Dieser Suffkopf war absolut unzurechnungsfähig und eine akute Gefahr für ihn.
In London goss es in Strömen als Branko Smirdan auf dem Flughafen Heathrow landete. Er kam mit British Airways aus München, weil er sich am Vorabend in der bayerischen Landeshauptstadt mit dem Sportchef eines Vereins aus der 2. Bundesliga getroffen hatte. Der Club aus einer süddeutschen Kleinstadt gehörte einem schwäbischen Bauunternehmer. Der passionierte Förderer war noch einmal zu einer Millioneninvestition für die dringend erforderliche Verstärkung des abstiegsgefährdeten Kaders bereit.
Insgesamt standen zwei bis maximal drei Millionen Euro für einen linken Verteidiger sowie zwei offensive Spieler für Mittelfeld und Angriff zur Verfügung. Die Schwierigkeit bestand darin, geeignete Kandidaten zu erschwinglichen Preisen zu finden, die der Mannschaft sofort helfen könnten. Also junge Spieler, die bereits über entsprechende Wettkampferfahrung verfügen sollten.
Konkretes Interesse bestand für einen 20-jährigen Türken mit gutem Torriecher, den Branko Smirdan seit kurzem unter seinen Fittichen hatte. Der Spielervermittler war bereit, seine geforderte Ablöse zu senken, sofern er eine höhere Beteiligung beim späteren Weiterkauf erhalten würde. Stundenlang feilschten sie um Modalitäten, Summen und Quoten. Sie kamen sich immer näher und erzielten eine faire Vereinbarung, die der finanzierende Bauunternehmer nur noch absegnen musste. Die endgültige Entscheidung sollte in den nächsten Tagen fallen.
Branko Smirdan war mit dem Ergebnis zwar zufrieden, aber nicht sehr zuversichtlich. Er wusste nur allzu gut von der Unberechenbarkeit des Clubeigners, der seine Entscheidungen oft mehr nach schwankenden Launen als nach fußballerischem Fachverstand traf.
An der Ankunft für internationale Flüge wartete Juri auf ihn. Der persönliche Chauffeur von Sergej Petrov begrüßte den Gast in einem Englisch mit stark russischem Akzent.
»Bitte Sir, geben Sie mir Ihre Tasche, bis zum Auto sind es nur wenige Schritte. Mein Boss erwartet Sie zum Lunch im Dorchester Hotel.«
Das 1931 eröffnete Fünf-Sterne-Haus an der Ostseite des Hyde Park gehört weltweit zu den prestigeträchtigsten und teuersten Hotels der Stadt. Trotz mehrfachen Modernisierungen hat es bis heute Stil und Ambiente aus seiner Gründerzeit bewahrt. Das Dorchester war früher ein sehr beliebter Treffpunkt von berühmten Autoren und Künstlern. Zu den Stammgästen zählten beispielsweise der Schriftsteller W. Somerset Maugham sowie das Schauspielerpaar Elizabeth Taylor und Richard Burton. Legendär war der Besuch von Königin Elisabeth II am 10. Juli 1947. Einen Tag danach kündigte sie ihre Verlobung mit Prinz Philip von Griechenland und Dänemark an.
Auch Sergej Petrov umgab sich gern vom historischen und traditionsreichen Ambiente des noblen Hotels, das 1985 vom Sultan von Brunei erworben und für rund einhundert Millionen Dollar renoviert wurde. Hier fühlte er sich fernab der dunklen Seiten seiner geschäftlichen Welt wohl und geborgen. Dass er Branko Smirdan an diesem vertrauten Ort traf, unterstrich sowohl seine Sympathie für den cleveren Kroaten und sein grundsätzliches Interesse an dem angekündigten Vorschlag.
Er wartete auf seinen Besucher in der Lobby und begrüßte ihn herzlich. »Darf ich Sie zu einem kleinen Lunch im Grillroom einladen. Wir können dann ganz entspannt über Ihre Idee sprechen und uns anschließend bei einem Spaziergang im Park weiter unterhalten. Bis dahin hat es hoffentlich aufgehört zu regnen.«
Branko Smirdan freute sich über die herzliche Begrüßung seines Gastgebers. Er wertete sie als eine Geste von Wertschätzung. Sein Gesicht zeigte ein warmherziges Lächeln und er verbeugte sich leicht.
»Ich danke Ihnen für Ihre Zeit und Ihr wohlwollendes Interesse.«
Während des Essens, beide Männer hatten sich für das rosa gebratene Roastbeef von der Mittagskarte entschieden, sprachen sie nur über persönliche Dinge. Sergej Petrov erkundigte sich ausgiebig nach dem Familienleben seines Gastes und erzählte von seiner eigenen Beziehung zum Vater, der seit dem Tod der Mutter bei ihm im Haus wohnte und fester Bestandteil des täglichen Lebens war.
Die Art und Weise wie Branko Smirdan über seine Familie sprach, gefiel ihm. Der Kroate empfand große Dankbarkeit und Verbundenheit für seine zeitig verstorbenen Eltern. Sergej Petrov achtete immer auf die charakterlichen Wesensarten seiner Geschäftspartner und Freunde. So war er über die Einstellung von Marc Miller zu seinen Eltern höchst irritiert und ließ es deshalb nicht zu, diese Beziehung in eine Freundschaft zu erweitern. Familiäre Loyalität war für ihn seit jeher eine lebenslange Verpflichtung, die man nicht wie eine Mitgliedschaft im Golfclub beenden konnte. Privat war der knallharte Geschäftsmann ein sehr emphatischer Mensch, der sehr herzlich, hilfsbereit und vor allem loyal war.
Da es noch immer regnete, zogen sich die Männer in einer ruhigen Ecke zurück. Sie bestellten Assam-Tee mit dünn geschnittenen Zitronenscheiben. Sergej Petrov musste lächeln.
