Ein leichter Tod - Mojgan Ataollahi - E-Book

Ein leichter Tod E-Book

Mojgan Ataollahi

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Beschreibung

Ein erschütternd-authentischer Roman über ein Frauenleben im heutigen Iran Wie befördert man sich möglichst schmerzlos aus dem Leben? Mit diesen Überlegungen beginnt der persönlich gefärbte Roman von Mojgan Ataollahi. Die 34jährige Ich-Erzählerin, eine Cutterin, hat gegen den Willen der Familie Majid geheiratet und ist mit ihm nach Behschahr ans Kaspische Meer gezogen. Nach jahrelangen körperlichen und seelischen Misshandlungen entscheidet sie sich schließlich zur Trennung und flüchtet mit der Tochter Matissa zu ihren Eltern nach Teheran. Die Scheidung von Majid erweist sich angesichts der frauenfeindlichen Justiz jedoch als komplizierter als erwartet. Zermürbt von jahrelangen Gerichtsverhandlungen und desillusioniert von weiteren gescheiterten Liebesbeziehungen bezieht die Protagonistin unter dem Vorwand, ihre Filmstudien fortsetzen zu wollen, ein baufälliges Häuschen am Kaspischen Meer. Eigentlich plant sie ihren Selbstmord, der aber an teilweise grotesken Pannen scheitert, bis sie neuen Lebensmut gewinnt. Ihre Gespräche mit christlichen Konvertiten oder der tief verschleierten Freundin veranschaulichen eine Gesellschaft im Umbruch zwischen tradierten Werten, religiöser Ideologie und dem Drang nach Modernität, mit denen auch die Protagonistin ringt. Trotz aller Widerstände kommt sie am Ende zu der Erkenntnis, dass sie an diesen gewachsen ist und zu sich selbst gefunden hat. Mit ihrem ersten Roman ist Mojgan Ataollahi ein beeindruckendes Porträt der iranischen Gegenwart gelungen, undogmatisch, selbstkritisch und gesellschaftskritisch, ohne Larmoyanz und gängige Klischees nimmt die Erzählerin sich und andere mit bissigem Humor aufs Korn.

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Seitenzahl: 243

Veröffentlichungsjahr: 2015

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MOJGAN ATAOLLAHIEIN LEICHTER TOD

MOJGANATAOLLAHI

EINLEICHTERTOD

ROMAN

RESIDENZ VERLAG

aus dem Persischen übersetzt von Susanne Baghestani

Wir danken AC Wohnen für die Unterstützung dieses Projekts.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Für die deutschsprachige Ausgabe © 2015 Residenz Verlag GmbH Wien – Salzburg

Alle Rechte, insbesondere das des auszugsweisen Abdrucks und das der fotomechanischen Wiedergabe, vorbehalten.

Umschlaggestaltung, Typografische Gestaltung: boutiquebrutal.com Lektorat: Friederike Fischer ISBN 987 3 7017 1665 4

VORWORT

Vor einigen Tagen fragte mich meine Tochter, wie sie mit ihren Mitschülerinnen umgehen solle, die sie umzingelt und verspottet hatten, weil sie im Park Shorts anhatte, mit Puppen spielte und kein Kopftuch trug. »Lächle. Lächle nur und kämpfe nie«, sagte ich ihr.

Ich versuchte sie zu überzeugen, dass kämpfen unter allen Umständen schädlich und am Ende nur zerstörerisch sein würde. Ich wollte sie nicht gegen die Gesellschaft aufbringen.

Wenn ich heute meine Vergangenheit betrachte, meine gesamte Vergangenheit, dann erkenne ich, dass ich für die kleinsten Dinge habe streiten müssen. Als würde man in eine Schlacht ziehen, die Klingen kreuzen, nur um Wasser trinken oder frei atmen zu können, und das jeden Tag von Neuem.

Matissa hatte ich das zwar so gesagt, aber heute auf dem Elternabend beschwerte ich mich dennoch darüber bei den Müttern der betreffenden Schülerinnen, als plötzlich mein Kopftuch zu rutschen begann und beinahe heruntergeglitten wäre. Immer rutscht dieses verdammte Kopftuch herunter. Eine der Mütter, die mir am nächsten saß, zog es mir höhnisch lachend ins Gesicht. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, aber ich schlug ihre Hand plötzlich so heftig weg, dass es von der Wand widerhallte. Ich sagte: »Schau her! Meine Hände sind frei, und ich mache das selbst, wenn ich es für nötig halte.«

Ich erinnere mich nicht mehr, was dann geschah oder was ich tat, ich weiß nur, dass alle irgendwo anders saßen, als ich den Elternabend verließ. Die eine weinte, die andere war verstummt, und eine weitere, die laut nichts zu sagen wagte, flüsterte der anderen etwas ins Ohr.

Das hatte ich angerichtet. Ich hatte sie wie ein Traktor überfahren, obwohl ich noch wenige Tage zuvor meiner Tochter Nächstenliebe und Sanftmut gepredigt hatte. Tatsache ist, dass ich ihr nicht die Wahrheit gesagt hatte. Dass wir in einem Land leben, in dem man nur zwei Möglichkeiten hat: zerfleischen oder zerfleischt werden. Wofür soll man sich entscheiden?

Als ich über den Schulhof ging, schienen die Mauern zu schrumpfen. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder mir leidtun sollte. Was hatte mich so herzlos werden lassen? Ich habe seit Jahren nicht mehr geweint und bin in keiner Schlacht mehr bezwungen worden. Heute werde ich Ihnen – nicht meiner Tochter – als Kämpferin, die sich nur mühsam aufrecht halten und kaum die Hand zur Faust ballen kann, etwas gestehen.

Im Juli 2011, vor zwei Jahren also, kamen mir in Tagen wie diesen, als es heißer wurde, die Kraft und die Energie zum Weiterleben abhanden. Es fühlte sich an, als würde fortwährend ein Teil von mir herabtropfen und in der Erde versickern. Dieses Gefühl befällt mich seither jeden Sommer, und wenn es meinen Tagebuchnotizen im letzten Jahr gelungen ist, mich aus den finstersten Gemütszuständen zu reißen, dann werden sie es auch dieses Jahr tun. Und da sie mir so sehr helfen, nicht zu zerfließen, da sie mich aus der Bedrängnis retten und mich wieder zu mir selbst finden lassen, möchte ich, dass auch Sie die Aufzeichnungen lesen.

1. AUF DER SUCHE

Eine große Niedergeschlagenheit hat mich überwältigt. Mein Rücken wird immer krummer, und meine Schritte haben nicht mehr den gewohnten Schwung. Bis zum dreißigsten Lebensjahr habe ich geduldig ein Schicksal ertragen, das nicht einmal meine Feinde verdient hätten. Es gibt für mich nicht mehr genug Gründe, um weiterzumachen. Im Leben geschehen Dinge, die einem die Kraft zum Weitermachen rauben. Als würden die Minuten des Lebens zu Ende gehen. Doch sogar dann gibt es noch Momente, in denen man zweifelt. Zweifelt, ob man wirklich ein Ende setzen soll.

Das Leben ist für mich ein Exil, das meine Eltern mir auferlegt und aufgezwungen haben. Dieses Exil lebe ich in einer Stadt, die ungeachtet ihrer enormen Größe und Betriebsamkeit einer zermürbenden Einzelzelle gleicht. Vor Kurzem habe ich einen Job gekündigt, den ich nicht länger ausüben konnte. Ich bin die Geliebte eines Mannes, der mich im Hinterzimmer seines Ruhms verborgen hält. Ich kann dieses Leben nicht weiterführen, nur um meine Nächsten zufriedenzustellen und ihnen zu gefallen. Es spielt keine Rolle mehr für mich, ob diese Menschen auf mich angewiesen sind und wie sie ohne mich weiterleben werden. Ich sehe mich morgens wie eine Wahnsinnige aus dem Haus laufen und ohne Ziel zögernd an irgendeiner Kreuzung verharren. Manchmal beschreite ich einen Pfad ein ganzes Stück weit, kehre dann jedoch um und gehe auf einem anderen Weg weiter. Wie jemand, der die richtige Adresse nicht gefunden hat, und dem es sehr wichtig ist, irgendwo anzukommen. Ich weiß nicht, was für eine Krankheit das ist; ich laufe so lange herum, dass ich bei meiner Rückkehr Blasen auf den Fußsohlen habe. Was mich aber am allermeisten bedrückt, ist, dass ich zu Hause stets fröhlich sein soll. Sobald ich meine wahre Gemütsverfassung offenbare, überrollt mich eine Woge von Blicken, Fragen und guten Ratschlägen. Alle erwarten von mir, dass ich so tue, als wäre nie etwas Schlimmes geschehen. Als ob das möglich wäre! Wie kann man die schreckliche Vergangenheit vergessen, wenn man sich keine klare und verlässliche Zukunft vorstellen kann? Manchmal wundere ich mich, dass ich überhaupt noch imstande bin, zu laufen und auf die ermüdenden Worte meiner Mutter notgedrungen mit einem Lächeln zu reagieren. Vielleicht wäre mein Zustand glaubwürdiger, wenn ich ans Bett gekettet wäre, mit hervorquellenden Augen und Schaum vor dem Mund. Ich spüre, dass ich frische Luft brauche.

Als meine Freunde letzte Woche nach Armenien gereist sind, fragte ich mich, ob ich, wenn ich meinen Pass gehabt hätte oder Madjid mich hätte ausreisen lassen, überhaupt Lust gehabt hätte, mich mit ihnen zu amüsieren. Bestimmt nicht. Und war ich nicht auch einem Fest ferngeblieben, bei dem alle meine Freunde zusammengekommen sind, obwohl ich dafür die Erlaubnis meines Ehemanns gar nicht gebraucht hätte? In den sechs Jahren, seit ich wieder in mein Elternhaus zurückgekehrt bin und die Freiheit habe, zu tun und zu lassen, was ich will, habe ich mich nur eingeigelt. Wenn mein Geliebter, an dem ich sehr hänge, anruft und mich zu sich einlädt, erfinde ich einen Vorwand, ihn nicht treffen zu müssen. Es stimmt. Ich bin wahnsinnig geworden und finde keinerlei Anzeichen von Gesundheit und Lebenskraft mehr in mir. Dieses Land gleicht dem fruchtbaren Schoß einer Frau. In ihm ist alles vorhanden, was zur Entfaltung nötig wäre. Man kann in ihm heranwachsen und gedeihen, aber wenn er sich nicht rechtzeitig öffnet und gebiert, wenn man zu lange darin verweilt, dann verdorrt der Verstand.

Heute Abend bin ich erschöpft von einem zehnstündigen Spaziergang nach Hause zurückgekehrt. Ich habe mich hingelegt und die Füße gegen die Wand gestemmt, damit vielleicht etwas Blut aus meinen Fersen ins Hirn gelangt. Ich glaubte, dadurch würden die Blitze, die in meinem Schädel aufleuchteten, neutralisiert werden. Doch je mehr das Blut durch meine Adern kreiste, desto greller leuchteten sie. Schon lange habe ich dieses Leben beenden wollen, aber nie habe ich so intensiv und vehement darüber nachgedacht wie jetzt. Eigentlich wollte ich es schon längst erledigt haben, aber erst seit heute suche ich nach einer passenden Methode. Welche selbstbestimmte Todesart wäre sanft und schmerzlos? Ein leichter Tod ist weitaus besser als ein schweres Dasein. Ein Tod, der schmerzloser ist als ein Nadelstich.

Eine Luftinjektion war meine erste Idee. Ich erinnere mich, dass ich das als Kind in Filmen gesehen hatte: Wollte man jemanden unbemerkt töten, verabreichte man ihm eine mit Luft gefüllte Spritze. Aber meine Schmerzgrenze ist so niedrig, dass ich mir keine Spritze geben kann. Als ich vor einigen Tagen beim Zahnarzt war und die Injektionsnadel in mein Zahnfleisch drang, konnte ich das nicht ertragen. Ich ruderte so wild mit Armen und Beinen und schüttelte mich so heftig, dass der Arzt fürchtete, die Nadel würde abbrechen, und er sie unverrichteter Dinge wieder herausziehen musste. Er schlug mir vor, mein Zahnfleisch zunächst mit einer betäubenden Salbe zu bestreichen, aber ich stand auf, als er noch mitten im Satz war, schlüpfte in meinen Manteau1, den ich auf einen Stuhl gelegt hatte, und verließ die Praxis, während der Zahnarzt mir noch hinterherlief. Wie sollte ich mich also mit etwas so Schmerzhaftem umbringen! Für mich kommt nicht jede Todesart infrage. Ich glaube, bis heute so viele brutale und schmerzhafte Übergriffe erduldet zu haben, um einen leichten Tod zu verdienen. Vielleicht wäre auch Opium nicht schlecht. Die Großmutter meiner Schwiegermutter hat sich mit Opium umgebracht. Ich weiß nicht, ob es schmerzhaft ist, aber zumindest ist die Vorbereitung unkompliziert. Man muss nur etwas Tee in eine Untertasse gießen, ein Stück Opium hineintun, dieses mit dem Boden des Teeglases zerdrücken und dann in der Flüssigkeit auflösen. Vermutlich ein Gebräu, das nach Schlangengift schmeckt. Ein schändlicher Tod!

Ich habe schon einmal Opium geraucht. Ich war gerade vom Kaspischen Meer nach Teheran zurückgekehrt und glaubte, ich könne die Welt erobern. Eines Abends wurde ich zu einer Feier befreundeter Filmproduzenten eingeladen. Es dauerte nicht lange, bis sie ihr Rauchbesteck ausgebreitet hatten. So etwas sah ich zum ersten Mal. Eine große, mit Wasser gefüllte Soßenflasche, deren Öffnung mit einem Pappdeckel verklebt war, durch den man eine Kugelschreiberhülse gesteckt hatte. Ich versuchte, mich wie ein zivilisierter Mensch mit irgendetwas anderem zu beschäftigen. Ich war mir sicher, dass ich unter keinen Umständen Opium rauchen und mich auch nicht dem Kreis der anderen anschließen würde. Das Erstbeste, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war die Bibliothek meines Freundes. Obwohl sie klein war, enthielt sie viele gute Bücher. Ich stöberte ein wenig darin herum und zog schließlich »1984« von George Orwell heraus. Obwohl ich den Roman schon gelesen hatte, schlug ich das Buch auf und las die Einleitung. Meine Freunde lachten hin und wieder über mich und luden mich ein, mich ihnen anzuschließen. Aber für mich stand fest: Ich würde weder jetzt noch in Zukunft Opium oder etwas Ähnliches rauchen. Einer der Freunde, der mir näherstand und den ich seit Jahren kannte, sagte: »Komm her, sonst bereust du es nachher. Rumi2 hat alles versucht, um in Trance zu geraten, aber du bist bestimmt schon nach zwei Zügen weg.«

Ich wies ihn mit einem frostigen Lachen ab und begann erneut zu lesen. Wieder sagte er: »Willst du nicht die Welt von Sadegh Hedayat3 kennenlernen?«

Ich weiß nicht, weshalb ich diesen Worten nicht widerstehen konnte. Ich dachte, wie schön es wäre, wenn ich wüsste, in was für einer Welt Sadegh gelebt hatte. Später begriff ich, dass mein Freund, aus welchen Gründen auch immer, mich besser kannte als ich mich selbst. Ich schlug das Buch zu. Misstrauisch ging ich hinüber und kniete mich neben die anderen auf den Boden. Sie stellten lachend das selbstgebastelte Gerät namens Gholgholi vor mich hin, gaben mir eine Kugelschreiberhülse und erklärten mir, wie ich den Rauch mit einem Lungenzug inhalieren solle. Dabei ermahnten sie mich ständig, den Rauch ja ganz einzuatmen, um nichts zu verschwenden. Wir begannen der Reihe nach zu rauchen. Ich spürte keinerlei Veränderung an mir. Jetzt, da ich meinen Vorsätzen untreu geworden war, wollte ich zumindest wissen, wie der Rausch sich anfühlte. Einer meiner Freunde fragte:

»Wie ist es?«

»Schrecklich. Ich spüre nämlich nichts!«

Der Gastgeber stand auf, goss Kirschtee ein, servierte ihn uns, und wir tranken ihn mit Kandis. Er brachte mir auch eine hübsche Opiumpfeife, mit etwas Opiumähnlichem, das aber heller war, und sagte:

»Frauen mögen Schireh4 lieber. Sadegh bevorzugte ebenfalls Schireh.«

Er klebte es an den Pfeifenkopf, hielt immer wieder ein Kohlestückchen daran und sagte zu mir: »Jetzt zieh dran!« Ich zog an der Pfeife, es tat sich nichts, und ich zog erneut. Irgendwann kam ich wieder zu mir und merkte, dass es sieben Uhr morgens war. Wir hatten also acht Stunden lang geraucht. Der Freund, der mich besser kannte, hatte mich mehrmals gebeten, nicht weiterzurauchen, aber da ich mich nun schon darauf eingelassen und meine Vorsätze aufgegeben hatte, war ich entschlossen, ganz bis zum Ende zu gehen. Sie räumten das Rauchbesteck zusammen. Kaum hatte ich mich vom Boden erhoben, wurde mir schwindelig und ich fiel hin. Ich konnte den Puls in meinem Schädel pochen hören. Als würde mein Hirn beben. Eine starke Übelkeit befiel mich, und ich dachte, während ich über den Fußboden zur Toilette kroch, wenn das Sadegh Hedayats Welt war, dann verfluchte ich sie. Meine Freunde lachten und sagten: »Du hast es übertrieben.«

Meine Stimme klang so tief, dass sie mir ganz fremd war. Einer meiner Freunde stützte mich unter den Armen, half mir in sein Auto und brachte mich nach Hause. Sobald ich durch die Tür kam, begann meine Mutter mich zu tadeln. Sie habe mir schon zig Mal gesagt, dass ich einen schwachen Magen hätte, auswärtige Speisen nicht vertrüge und nie auf sie hören würde. Sie redete so lange auf mich ein, bis ich beschloss, in die Wohnung meiner Schwester zu fliehen, um ihr alles zu beichten. Ich glaubte sterben zu müssen, und meine Familie sollte wenigstens wissen, woran ich gestorben war. Meine Schwester rief eine befreundete Ärztin an, ging einkaufen und kehrte mit einer Plastiktüte voll Butter zurück. Die nächsten achtundvierzig Stunden verbrachte ich damit, Butter zu essen. Ich glich einem Drachen, der statt Feuer unsichtbare Butteratome spie und die Menschen in seiner Umgebung zurückschaudern ließ.

Wann immer ich seitdem an einem Ort vorbeikomme, der nach Opium riecht, wovon meine Begleiter gar nichts merken, wird mir übel und mein Blut fängt wieder an, in meinem Schädel zu pulsieren. Ich bin doch keine Idiotin, dass ich mich nach so einer scheußlichen Erfahrung mit Opium umbringe, das ich nicht einmal leiden kann! Bestimmt lässt sich etwas Besseres finden.

Sadegh Hedayat hat sich mit Gas umgebracht. Er stopfte alle Ritzen mit Tüchern zu und drehte den Gashahn auf. Es heißt, das sei eine der schmerzlosesten Methoden sich umzubringen. Aber was, wenn es dadurch zu einem Brand kommt und andere, die vielleicht gar nicht sterben wollen, darin umkommen? Abgesehen davon habe ich das auch schon einmal probiert und bin viel zu feige, um es noch einmal zu versuchen.

Es war gegen Ende unserer Ehe. Eines Abends, als Madjid von der Arbeit nach Hause kam, legte er, bevor er sich umzog, eine DVD neben den Fernseher. Ich deckte gerade den Tisch und beachtete ihn nicht weiter. Nach dem Abendessen brachte er unsere Tochter zu Bett, ganz wie ein liebevoller Vater. Als ich mit dem Teetablett ins Wohnzimmer kam, sah ich, dass er die DVD eingelegt und die Pausetaste gedrückt hatte. Ich stellte das Tablett auf den Tisch und blieb stehen. Ich wunderte mich, weil er sonst nie auf mich wartete, um mit mir gemeinsam einen Film anzusehen. Er sagte: »Mojgan, diesen Film habe ich speziell für dich gekauft«, und drückte auf die Playtaste.

Mehrere Personen waren dabei, einen Hund abzuschlachten. Ich konnte mich nicht vom Fleck rühren. Ich war wie festgenagelt. Es dauerte sehr lange, bis ich die Augen vor dem verschließen konnte, was ich da sah, und ich in der Lage war, Madjid zu bitten, es abzustellen. Lachend nahm er sein Teeglas, setzte sich auf den Boden und sagte: »Komm und setz dich auf meinen Schoß, damit wir uns das gemeinsam ansehen. Und bring die Zuckerdose mit.«

Ich sah ihn entsetzt an und ich bedaure es noch heute, dass ich mir nicht verkneifen konnte, ihm zu sagen, wie sehr ich ihn hasste. Er erwartete eine solche Bemerkung von mir. Er packte mich am Knöchel und zerrte mich zu sich heran. Mit der Hand stieß ich an das Teetablett und der Tee ergoss sich über meinen Oberschenkel. Ich fiel mit dem Gesicht auf Madjids Knie. Als ich aufstehen wollte, schlang er mir seinen Arm um den Nacken und hielt so mein Gesicht fast eine halbe Stunde lang in Richtung Fernseher. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, drückte er meine Kehle noch fester zu. Ich weinte hemmungslos, nicht wegen meines Oberschenkels, der wie Feuer brannte, sondern wegen des quiekenden Schweins, das man inzwischen kopfüber aufgehängt hatte und mit einem Schweißbrenner versengte. Wenn ich am Abend zuvor nicht protestiert hätte, als er einen Hund überfahren und nicht angehalten hatte, um dem noch lebenden Tier zu helfen, das unter den Rädern aufgejault hatte, und wenn ich nicht mit ihm gestritten hätte, dann hätte er mich nicht gezwungen, diese Szene anzusehen. Alle paar Sekunden flüsterte er mir ins Ohr: »Liebling, wie hättest du es gern, was davon soll ich mit dir anstellen?«, und presste mir sein Teeglas gegen die Wange. In dieser Situation fragte ich mich nur, wie ich all das meiner Familie hätte berichten können. Und überhaupt, womit hätte ich beginnen sollen? In derselben Nacht öffnete ich sämtliche Gashähne und legte mich schlafen. Ich fürchtete mich aber so sehr vor Madjid, dass ich glaubte, falls er aufwachte und merkte, was ich getan hatte, würde er mich bestimmt aus dem vierten Stock zum Fenster hinauswerfen. Deshalb, oder vielleicht auch wegen der Schreckensvision vor dem Einschlafen, in der die Nachbarn hereinkamen, das Licht einschalteten und Matissa dadurch in den Flammen verbrannte, fuhr ich spätnachts taumelnd aus dem Schlaf, drehte die Gashähne wieder zu und öffnete die Fenster und Türen.

Falls ich beschloss, Tabletten zu schlucken, gäbe es auch dafür eine spezielle Methode. Ich müsste unterschiedliche Pillen gleichzeitig schlucken, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Ich habe aber auch gehört, dass das die Atmung stoppte und man schrecklich leiden müsste.

Sich aufhängen? Nein, auf keinen Fall! Ich war gerade in diese Überlegungen versunken, als meine Mutter einen Anruf bekam, der mich aufstörte. Offenbar ging es um eine entfernte Verwandte. Meiner Mutter zufolge hatte diese hübsche und sehr glückliche Frau, der es im Leben an nichts gefehlt hatte und die von ihrem Ehemann sehr geliebt worden war, sich mit einer Reistablette5 das Leben genommen. Keiner kann wie ich verstehen, dass eine Frau, die von außen betrachtet glücklich ist und der es an nichts zu fehlen scheint, so unglücklich und verzweifelt sein kann. Nur eine Frau wie ich, mit zwei Gesichtern, konnte die Wahrheit hinter dem Wort Glück begreifen. Meine Mutter sagte, Soundso habe berichtet, die junge Frau hätte die Reistablette geschluckt und sei innerhalb eines Sekundenbruchteils gestorben. Sie sagte, Reistabletten enthielten Zyanid und töteten prompt. Genau das ist es. Eine Reistablette!

Der Vater meiner besten Freundin Saideh ist Reishändler. Ich rief sie ganz früh am Morgen an, obwohl ich wusste, dass sie noch schlief. Gleich im ersten Satz unseres Gesprächs fragte ich sie, ob ihr Vater Reistabletten habe. Ohne zu zögern sagte sie: »Zum Teufel mit dir!«

Ich lachte, und es dauerte sehr lange, bis ich sie davon überzeugt hatte, dass sie irrte und ich die Tablette für den zusätzlichen Reis bräuchte, den wir als Vorrat gekauft und gelagert hätten. Sie gab nach und versprach, ein paar Tabletten für mich beiseitezulegen. Sie bestand darauf, dass ich am selben Tag kommen und sie abholen sollte. Es waren sechs Tabletten, eingewickelt in ein Stück Papier. Wir aßen gemeinsam zu Abend. Als ich heimkehrte, schliefen meine Mutter und Matissa bereits. Es bedrückte mich, dass ich mich nicht von ihnen verabschieden konnte. Ich blätterte kurz die alten Fotoalben durch. Küsste Matissa. Füllte ein Glas mit Wasser und trug es in mein Zimmer. Ich schloss die Tür und legte sanfte Musik auf, sodass, sollte ich Geräusche machen, keiner aufwachen und mich in diesem Zustand sehen würde. Ich streckte mich auf meinem Bett aus und hob den Kopf etwas an, warf mir eine Tablette in den Rachen und trank das Glas leer. Ich ließ den Kopf auf das Kissen zurückfallen und klammerte mich mit den Händen am Bettrand fest. Und biss die Zähne zusammen. Ich hatte gehört, dass sie sofort wirkten. Mein Magen begann zu rumoren. Sonst tat sich nichts. Ich weiß nicht, wann ich eingeschlafen bin. Als ich morgens aufwachte, hatte ich den Eindruck, dass ich mich besser fühlte als tags zuvor. Ich ging in die Küche, wo meine Mutter Tee aufgesetzt hatte. Sie goss mir Tee in ein Glas und reichte es mir. Das Glas mit meinem Lackanstrich. Das Telefon klingelte, Matissa hob den Hörer ab und rief: »Mama! Tante Saideh will dich sprechen.«

»Übrigens, Mojgan«, sagte meine Mutter. »Gestern, als du gerade losgegangen warst, hat Saideh angerufen und gesagt, ihr Vater hätte jede Menge Reis mitgebracht. Und ich sagte, unser Reis sei aufgebraucht, wir bräuchten welchen.«

Verdammt, diese Saideh war früher doch so schwer von Begriff gewesen. Ich ging zum Telefon und ergriff den Hörer. Sie sagte lachend: »Meine Liebe, hast du gestern Nacht deine Grippetabletten eingenommen und gut geschlafen?«

Mit so vielen lästigen Menschen um mich herum geht es nicht. Man muss allein und ungestört sein. Beim Sterben darf das eigene Kind nicht am Bett weinen und die eigene Mutter nicht ihres Lebens überdrüssig werden. Zumindest in der Todesstunde sollte man von Störenfrieden befreit sein. Kein Problem. Ich ging zu einem Reishändler und kaufte dort eine Reistablette.

2. REISE

Ein maschinengewebter Seidenteppich, Matratze, Kopfkissen und Acryldecken für zwei Personen sowie Laken, ein Karton, der sowohl Bücher enthielt als auch Geschirr und Besteck, und eine große, alte Gas-Klimaanlage, die einst zur Werkstatt meines Bruders gehört hatte. Nachdem mein Bruder mit Mühe die Heckklappe des Renaults geschlossen hatte, strich er mit der Hand über sein Fahrzeug, wie ein Reiter, der sein Pferd bewundert, und sagte: »Der Renault verwandelt sich in einen Minivan, wenn du die Rücksitze herunterklappst.«

Mein Bruder hatte Sorge, dass er im Rückspiegel nichts mehr sehen würde, und ich, dass ich nicht genug Platz hätte. Er schlug mir vor, mit einem Miettaxi oder Bus zu fahren, um nicht von dem Hausrat, den er vor meinen Füßen verstaut hatte, behindert zu werden. Ich lehnte ab, weil ich fürchtete, mich könnte die lange, einsame Reise ermüden; außerdem wäre es die letzte Gelegenheit, mit ihm zusammen zu sein. Schließlich fuhren wir los. Ich wusste nicht, ob es richtig war, fortzugehen. Als müsste ich es später bereuen. Ich bereue die Dinge immer dann, wenn es schon viel zu spät ist.

Diese Strecke war ich zum ersten Mal mit meinen Eltern gefahren, um Madjids Familie zu besuchen. Von Teheran nach Norden, ans Kaspische Meer. Die Woche zuvor waren sie zu zweit hingefahren, und bei ihrer Rückkehr waren sie, trotz der Lobpreisungen der Nachbarn für Madjid und seine Familie, aufgebracht der Überzeugung gewesen, dass ich es in Behschahr nicht lange aushalten würde. Deshalb hatten sie von mir verlangt, die Einladung von Madjids Mutter für die kommende Woche anzunehmen. Sie fuhren mich in der Hoffnung dorthin, dass ich meine Entscheidung beim Anblick der Stadt bereuen würde. Unterwegs sagte mein Vater ständig: »Sieh doch, wie lang der Weg ist!« So zwang er mich, die ich schon als Kind unter der Reisekrankheit gelitten hatte, mir eine Plastiktüte vor den Mund zu halten und mich beim Gedanken an den weiten Weg zu übergeben. Noch nie waren sich meine Eltern so nah und einig gewesen. Sie gaben einander ständig recht und stimmten in allem überein. Meine Mutter schälte einen Apfel. Mein Vater erinnerte sich an meine Kindheit. An das letzte Mal, dass wir zwei gemeinsam ans Kaspische Meer gefahren waren. Wir hatten uns beide eine Lebensmittelvergiftung geholt, waren am selben Tag zurückgekehrt und nie wieder nach Norden gefahren. Er sagte: »Du warst neun. Das Erdbeben von Rudbar6, du erinnerst dich nicht mehr.« Ich hatte keine Lust zu erwidern, Papa, ich erinnere mich. Sobald ich einnickte, wecktest du mich und zeigtest mir die eingestürzten Häuser, so wie ein Franzose im Louvre seinem Kind Da Vincis Mona Lisa zeigt. Ich habe damals meine gesamten Innereien in eine Plastiktüte gewürgt, du hast mir gewaltsam den Saft einer frisch aufgeschnittenen Limone in den Mund geträufelt und gewartet, dass ich erneut einschliefe, nur, um mich wieder zu wecken. Außerdem erinnerst du dich offenbar nicht, dass jene Strecke nach Gilan führte, während diese zur Provinz Masanderan führt.

Als hätte sie das alles in meinen Augen gelesen, sagte meine Mutter: »Ach, Mamad Agha7! Was redest du da? Der eine Norden gleicht doch nicht dem anderen.«

Nach Ansicht meiner Mutter zählte nur die Provinz Gilan als Norden. Sie stammte von dort, einige ihrer Verwandten wohnten in Rascht, aber sie hatte seit zwanzig Jahren keinen Fuß mehr dorthin gesetzt. Sie leugnete immer ihre Herkunft, die ihr peinlich war, und verriet niemandem, dass sie ihre ersten fünf Lebensjahre in Rascht verbracht hatte. Obwohl mein Vater das stets dadurch wettmachte, dass er überall erzählte, meine Mutter hätte die Pferdebohnen, die ihre Großmutter ihr zum Schälen gegeben hatte, aus Faulheit vergraben, worauf sie einige Wochen später zu sprießen begonnen hätten.

Meine Mutter zerteilte den geschälten Apfel und gab ihn meinem Vater, wobei sie achtgab, dass das Messer seine Hand nicht berührte. Nicht, weil sie ihn nicht verletzen wollte, sondern aus Sorge, das Messer zu verunreinigen. Mein Vater verlangte jedoch nach Tee. Sie warf den ungegessenen Apfel in die Abfalltüte und zog Vaters Glas aus ihrer Tasche, die einem Zauberkasten gleicht; seit meiner Kindheit warte ich darauf, dass endlich doch noch ein Kaninchen herausspringt. Vaters Glas ist größer als alle anderen Gläser und nicht mit Lack markiert. Unsere Gläser haben alle einen Lackanstrich. Seit Kindertagen hat meine Mutter den Boden meines Glases mit rosa Lack und den meiner Schwester mit Türkisgrün bemalt, für meinen älteren Bruder hat sie Violett und für meinen jüngeren Bruder Hellgrün gewählt. Sie war der Ansicht, dass wir uns dadurch nie gegenseitig mit Krankheiten anstecken könnten. Meine Mutter reichte meinem Vater das halbvolle Glas Tee, gab acht, dass sie ihn dabei nicht mit der Hand berührte, und sagte: »Mamad Agha! Pass auf, dass du nichts auf deine Kleidung verschüttest, es geht um unser Ansehen.«

Meine Mutter nannte Vater Mamad Agha. Wir hatten uns schon als Kinder gewundert, wie es ihr, die unseren Vater so formell ansprach, ihn nicht berührte, die ihn nicht einmal zum persischen Neujahr küsste und auch nicht aus demselben sauberen Glas wie er Wasser trank, gelungen war, Kinder zu bekommen.

Mein älterer Bruder sagte nachts, wenn wir auf das Flachdach stiegen, um die Sterne zu betrachten, heimlich zu meiner Schwester: »Die haben uns aus einem Waisenhaus geholt. Sieh doch, wir ähneln einander überhaupt nicht!«

Meine Schwester meinte, unsere Eltern würden sich im Salon küssen, wenn wir schliefen. Das hatte sie gesehen, als sie eines Nachts aufgestanden war, um Wasser zu trinken. Dafür, dass meine Eltern in den Salon ausweichen mussten, machte sie mich verantwortlich, weil ich jede Nacht zu ihnen ging, um in ihrer Mitte zu schlafen. Mein sechs Jahre jüngerer Bruder und ich hatten das auch schon gesehen, verrieten aber nichts. Er hielt mich an der Hand und drückte sie fest, damit ich mir nichts anmerken ließ.

Eines Nachts, ich wusste gar nicht, ob es Morgen war oder Abend, weil es dämmerte, war ich aufgewacht und erschrocken, als ich beide Seiten des Bettes leer fand. Ich war gradewegs zu meinem Bruder gegangen und hatte ihn geweckt, damit wir uns gemeinsam auf die Suche nach unseren verschwundenen Eltern machten. Wir glaubten, die Marsmenschen hätten sie entführt. Wir suchten überall, sogar unter der Treppe und auf dem Dach. Aus dem alten Radio unseres Vaters hatten wir ein Gerät gebastelt und auf dem Dachzugang unseres Hauses angebracht, um mit den Marsianern Kontakt aufzunehmen. Mein Bruder glaubte, sie hätten endlich unsere Botschaft erhalten, wären gekommen und hätten unsere Eltern mitgenommen, um sie zu untersuchen. Der einzige Ort, an den wir nicht gedacht hatten, war der Salon. Weil es niemandem erlaubt war, ihn zu betreten. Unsere Mutter drohte, jedem die Beine zu brechen, der es wagte, die weißen Laken von den Möbeln und Kommoden abzuziehen. In jener Nacht stand die Tür zum Salon jedoch einen Spalt offen. Meine Mutter lag auf unserem Vater. Ich schwöre, das ist die Wahrheit. Wir haben es durch den Türspalt und die achteckigen Fensterchen in der Tür gesehen. Als sie uns bemerkten, begann meine Mutter laut zu husten. Sie trug ein Kleid. Ich weiß noch, dass es ein langes, geblümtes rotes Kleid war. Sie trat hinaus und brachte uns in unsere Zimmer. Von da an fiel mir auf, dass meine Mutter immer dann hustete, wenn sie vorgab, alles sei ganz normal und nichts Besonderes geschehen.

Unser älterer Bruder akzeptierte die Behauptung unserer Schwester nicht, dass unsere Eltern sich küssten, und wollte uns alle glauben machen, sie hätten uns von einer jüdischen Familie adoptiert, damit man uns nicht tötete. Als Beweis führte er an, dass ich den Israelis sehr ähnlich sähe. Meine Schwester erinnerte ihn daran, dass nur ich nach der Revolution zur Welt gekommen sei. Sollte jemand israelisch sein, dann seien es sie selbst, weil die Beziehungen zwischen Iran und Israel zur Zeit ihrer Geburt sehr gut gewesen wären. Damals hätte man aber keine Israelis zum Tode verurteilt, deren Kinder unsere Eltern hätten adoptieren und aufziehen können. Die ganze Wahrheit kenne nur ich: Vermutlich haben mein Vater und meine Mutter uns in einem Wasserglas gezeugt, dann hat Mutter es gründlich mit Bleiche gereinigt, getrocknet und den Glasboden lackiert, um nicht versehentlich daraus zu trinken.