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Der fiktive Autor wird von seinen eigenen Kindern auf die Probe gestellt. Vermag er es eine Geschichte zu schreiben, die Kleine und Große verstehen und Freude bereitet? Zudem knüpfen die Kinder einige Bedingungen an die Geschichte, unter anderem, daß er nur wenige Tage Zeit hat, die Geschichte zu schreiben. Man darf gespannt sein.
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Seitenzahl: 47
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Olaf Ludmann
EIN MÄRCHEN FÜR KLEINE UND GROßE
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
EIN MÄRCHEN FÜR KLEINE UND GROßE
Impressum neobooks
Ein bekannter, allerdings umstrittener Autor, an dem sich die Geister schieden, erhielt eines Tages folgende E-Mail:
“Lieber Autor, ich heiße Sebastian und bin zehn Jahre alt. Meine Mama hat einige Bücher von Ihnen. Sie findet Ihren Stil ganz toll. Mein Papa meint hingegen, was Sie schreiben ist blöd. Viel zu lange Sätze und alles so schwierig, dass niemand etwas versteht. Meine Eltern haben sich sogar Ihretwegen schon mal gestritten. Das ist echt uncool, weil, ein Schriftsteller soll doch die Leute nicht zum Streiten bringen, sondern was er schreibt ihnen Spaß und Freude bereiten. Aber meine Eltern sind übereingekommen unterschiedlicher Ansicht zu sein und haben sich wieder vertragen. Gestern habe ich eine Geschichte von Ihnen gelesen und nichts verstanden. Da dachte ich mir, wenn es stimmt, was meine Mama sagt, Sie seien so ein guter Autor, dann fällt es Ihnen doch bestimmt leicht eine einfache Geschichte zu schreiben, die meinem Papa gefällt, ich verstehe und meine Mama trotzdem ganz toll findet. Warum schreiben Sie nicht Mal so was? Etwas das alle lesen und verstehen können. Wir Kinder und die Erwachsenen. Mein Papa sagt, damit sind Sie überfordert. Meine Mama glaubt, Sie machen das mit Links. Ich bin wirklich gespannt, wer recht hat. Viele Grüße Sebastian.”“Ist das nicht köstlich?” fragte der Autor seine Frau. Er hatte ihr Sebastians Schreiben beim Abendbrot vorgelesen. Mit am Tisch saßen ihre beiden Kinder. Dorothea, die Kleine, acht Jahre. Sie grinste verstohlen. Ihre irgendwie schelmisch blinzelnden Augen schauten den Vater an. Und Sascha, der Große, zwölf Jahre. Er verzog mürrisch die Mundwinkel und brabbelte etwas unverständliches vor sich hin. “Wolltest du etwas sagen?” wandte sich der Autor daraufhin an seinen Sohn.“Ne, ich wollte nichts sagen, ich habe was gesagt”, antwortete Sascha, aus dessen Worten ein leichter Anklang Gereiztheit sprach.“Würdest du uns, freundlicherweise, daran teilnehmen lassen, mein Junge.”“Ach Mann, Papa… Weißt du, was unsere Deutschlehrerin vorige Woche zu mir gesagt hat, als sie uns die Aufsätze zurückgab?”“Nein, was hat sie denn gesagt, eure Deutschlehrerin?”“Sascha, das ist kein Meisterwerk, aber zumindest schreibst du nicht derart verquer, wie dein Vater… Übrigens, reden tust du auch so.”“Sieh an. Nun, sie ist Lehrerin”, entgegnete der Autor mit einer seltsamen Betonung, “da muß man Nachsicht üben…” Nach einer kurzen Pause fuhr er fort. “Jedoch weiß ich immer noch nicht, was du eben gesagt hast.”“Ich sagte: Du schaffst das nie.”“Was schaffe ich nie?” erkundigte sich der Autor leicht selbstgefällig. “Eine einfache Geschichte zu schreiben”, sagte Sascha und warf einen herausfordernden Blick zu seinem Vater herüber.“Meine Geschichten, die ich schreibe, sind einfach…”“Ha!” platze es unversehens aus der Frau des Autors heraus und sie hielt erschrocken über sich selbst die Hand vor ihren Mund. “Ups, Entschuldigung”, setzte sie zur Abmilderung ihres spontanen, doch offenbar sehr ehrlichen Ausrufes hinzu.“Du also auch, Brutus”, preßte der Autor mit einem Unterton der Entrüstung hervor.“Jetzt nicht theatralisch werden”, versetzte seine Frau. “Deine Romane sind oftmals verschachtelte Geschichten und keinesfalls einfach zu lesen. Das ist ja auch in Ordnung. Bloß ein Autor sollte gelegentlich an seine Leser denken, sowie…”“Es ist völlig unnötig mich daran zu erinnern”, unterbrach der Autor seine Frau. “Ich denke an meine Leser. Nur halte ich den Leser mitnichten für einen unterhaltungssüchtigen, tumben Trottel, sondern sehe in ihm einen intelligenten Menschen, der denken kann und will…” er stockte kurz, holte tief Luft, um dann fortzufahren, “Aber, ich bemerke hier einen allgemeinen Unmut. Nun gut. Bitte, dann mache jemand einen Vorschlag für eine einfache Geschichte…, hm? Ich höre.” Wenn daraufhin ein Schweigen rundherum eintrat, dann eher aus Überraschung über diese Aufforderung, als aus Ratlosigkeit. Dorothea beugte sich weit zu ihrem Bruder herüber und flüsterte ihm ins Ohr. Zu ende geflüstert nickte ihr Sascha zu. An den Autor gerichtet sprach er:“Morgen…, morgen verraten wir dir, was du schreiben könntest. Abgemacht?”Der Autor nickte, nahm diese Abmachung allerdings recht wenig ernst und vergaß bald, worauf er sich da eingelassen hatte.
Umgekehrt bei den Kindern. Ihnen war es todernst damit und fest im Gedächtnis gespeichert. Des Abends beratschlagten sie miteinander. Am folgenden Tag erschienen nachmittags beide im Arbeitszimmer ihres Vaters. Der Autor schaute ziemlich verdrießlich. Fühlte sich gestört in seiner Kreativität. “Ihr wißt doch, daß ich es ungern mag während der Arbeit gestört zu werden.”“Können wir uns denken”, erwiderte der Sohn. “Trotzdem, es ist wichtig.”“Das will ich hoffen, Sascha. Worum geht es?”“Um unsere Abmachung von gestern. Du erinnerst dich bestimmt.”Mit einem Schlage tat er das. Der Autor wandte seinen Blick fort von dem Text an dem er gerade feilte zu den Kindern hin und lächelte sogar, obwohl es ihn kalt erwischte. Was er sich nicht anmerken ließ. “Ja natürlich”, überspielte der Autor seine Verlegenheit. “Dann legt mal los.”“Wir möchten, daß du ein Märchen schreibst”, sagte Dorothea. “Ein richtiges Märchen. Wie der Junge dir geschrieben hat, für kleine und große Leute, das alle lesen und verstehen können.”“Aha, ein richtiges Märchen”, wiederholte der Autor.“Genau, ein richtiges Märchen”, bekräftigte Sascha. “Es muß jedoch einige Bedingungen erfüllen”, setzt er hinzu.“Bedingungen?” fragte verwundert der Autor.“Nämlich, das was nicht darin vorkommen darf”, eröffnete Sascha dem Vater. “Erstens keine Prinzessinnen und Prinzen auf weißen Schimmeln oder so ein Quatsch.”“Mein lieber Junge, Schimmel sind immer weiß, deswegen heißen sie Schimmel.”“Das ist doch jetzt Schnuppe, Papa.”“Nein, das ist Tautologie, junger Mann.”
