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Sylt ist für viele Menschen faszinierend, und so auch für mich. Es ist eine schöne eigene Welt, die begeistert. Nach dem Entschluss auf die Insel zu ziehen, haben wir viele lustige Geschichten erlebt, die es wert sind erzählt zu werden. Wir sind mit Leichtigkeit und Freude gestartet und haben uns bis heute den Magie der Insel erhalten. Die Insel hat eine wundervolle Energie.
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Seitenzahl: 106
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Vielen Dank für die Inspiration bei Kaffee und Pfannkuchen mein erstes Buch zu schreiben. Seitdem sind wir immer wieder in die Alte Backstube in List eingekehrt und haben uns über die erlebten Geschichten ausgetauscht.
Einen Traum erfüllen
Biike Brennen
Pirat auf den Adler Schiffen
Handgestrickte Handschuhe für das ganze Jahr
Brunch und Lunch in der Sansibar
Start in die Saison mit Velotaxi
Wohnungssuche auf Sylt
Kaffeeplausch in Villa 54
Werner aus Garmisch
Besuch auf Amrum
Kaffeerausch und Kite Festival
Die Stille Revolution
Leuchtturm Hörnum
Sonnaufgänge und Sonnenuntergänge
Postbesuch auf Friesisch
Sylt - die Weltmarke zum Feiern
Ausblick
Ringreiten als authentischen Inselsport
Meine Frau lebte in Essen und ich hatte mein Zuhause in München. Die weite Entfernung hatten wir entweder mit dem Flieger oder mit dem Zug überwunden. Es war jedes Mal ein zeitlicher Aufwand für beide. Und dann kam noch dazu, dass Abschied nehmen sowieso nicht meine Stärke ist. Ich kann mich von unwichtigen Dingen und Menschen trennen, nur ein Abschied bis zum nächsten Wiedersehen fühlt sich einfach ungut für mich an. Und so kam es, dass wir uns beide hinsetzten und überlegten, was der nächste richtige Schritt in unserem Leben ist. Da ich als Mimikresonanz-Trainer einer wundervollen Tätigkeit nachgehe, die ich von überall auf der Welt erfüllen kann, schien es so, dass Essen unser neues gemeinsames Zuhause werden wird. Ich würde mein Männer-WG-Doppelzimmer in München aufgeben, meine 7 Sachen in ein Auto packen und nach Essen zu meiner Frau ziehen. Es klang ganz einfach. Doch dann mischte der Vermieter in Essen in das Spiel, und schickte meiner Frau eine Kündigung wegen Eigenbedarf. Hoppla! Das hatten wir gar nicht auf dem Bildschirm, und es brachte eine neue Komponente in unsere Überlegungen. „Wenn wir jetzt auch keine Wohnung mehr in Essen haben, was machen wir denn dann?“, fragten wir uns. An welchem Ort wollen wir denn dann leben? Einerseits sind die Mieten in Essen doch deutlich günstiger als in München und das Angebot auch um ein Vielfaches größer. Andererseits ist das Freizeitangebot in München viel attraktiver. Wir überlegten hin und her und beschlossen, wie in früheren Zeiten, die Zeitung und das Internet nach Wohnungen in Essen zu durchforsten. Da waren echt feine Angebote dabei, und wir vereinbarten Termine. Schon die erste Wohnung schien ein Volltreffer zu sein. Ihre Lage war im grünen Süden von Essen und bot alles was wir uns so gewünscht hatten. Balkon, eine Einbauküche, und ausreichend Platz. Im alten Zuhause beratschlagten wir, ob es diese Wohnung werden würde. Ich fragte meine Frau: „Möchtest Du eine Wohnung in Essen mieten?“ Und für etwa 100 Millisekunden – handgestoppt – sah ich folgendes: die Augenbraueninnenseite ging nach oben und es bildete sich das typische Faltendreieck an der oberen Stirn. Ich war mir todsicher, dass ich gerade das sichere Anzeichen für Trauer gesehen hatte. Ich überlegte kurz und konnte mir keinen Reim darauf machen. Meinem ersten Impuls folgend, sagte ich zu ihr: „Schatz ich habe gerade ein Signal von Trauer in deinem Gesicht wahrgenommen. Liege ich da richtig und kannst Du mir erklären warum?“ Sie sah kurz überrascht aus, doch dann kam ein echtes Lächeln in ihr Gesicht und sie nickte. Sie sagte: „Ich fahre jetzt schon seit vielen vielen Jahren nach Sylt. Ich liebe diese Insel und fühle mich dort super wohl. Doch jedes Mal, wenn ich von Sylt nach Hause fahre, habe ich feuchte Augen und fühle mich deprimiert. Ich habe den Traum einmal in meinem Leben auf Sylt zu leben“.
Ich überlegte für mich, und kam zu dem Ergebnis, dass meine Frau das Gefühl hatte, die Erfüllung eines ihrer Träume zu verlieren. Und genau so war es auch. Die Gedanken, in Essen eine Wohnung zu beziehen, in der wir dann gemeinsam wohnen würden, verursachte das Gefühl von Verlust ihres Traums.
Nach einigen Momenten Nachdenkens hörte ich mich sagen, „na dann lass uns doch nach Sylt ziehen und anfangen Träume zu verwirklichen“. Wohl wissend, dass ich noch nie auf Sylt war und keine Ahnung hatte, auf welches Abenteuer ich mich einlassen würde.
Doch mit dieser wunderbaren Frau an der Hand, war ich mir sicher, dass solche Herausforderungen genau die richtigen Inspirationen sind. Wir würden diesen Weg mit Leichtigkeit gemeinsam gehen. Unsere Entscheidung kam von Herzen und fühlte sich vollkommen richtig an. Und wenn Du liebe(r) Leser/in wissen möchtest, was wir alles erlebt haben, dann lies einfach in meinem Buch hier weiter. Dabei wünsche ich Dir viel Spaß und Inspiration.
BIike?! „Ja wir waren hier! Und gleichzeitig waren wir doch nicht dabei“. So lautete unser Slogan für Februar 2018 und so begann mein zweiter Besuch auf der Insel Sylt. Wir hatten uns fest vorgenommen, das legendäre Biike Brennen am 21. Februar zu besuchen. An Biike werden traditionell große gesammelte Holzstöße verbrannt, um die Geister des Winters zu vertreiben und Platz für den herannahenden Frühling zu machen. Ähm, im Februar? Das kann doch nicht ernsthaft klappen… das können die alten Friesen doch nicht wirklich als Ziel gehabt haben, als sie vor hunderten von Jahren dieses Ritual begingen, oder? Also falls sie es als Ziel hatten, so haben sie sicher flott gemerkt, dass der Winter trotzdem noch ein bisserl länger bleibt - aber für einen Abend, da war’s warm. Und wie! Und um die alten Walfänger Richtung offene See zu verabschieden ist es auf jeden Fall klug gewesen, dass die Feuer auf der Insel hoch und lange brannten.
Am Feuer warten alle gespannt auf den altfriesischen Ausruf „Tjen di Biiki ön!“ Ein Tusch, dann fliegt die erste Fackel ins Geäst. Kurze Zeit später stürzt die Tonne oder der Pidder, also die Strohpuppe, die inmitten der Biike auf einem Pfahl thront, in die Flammen: Jetzt ist der Winter vertrieben!
Von unserem Hotelgastgeber wussten wir, dass es in diesem Jahr 9 verschieden Biike Feuer auf der Insel gibt. Jede Gemeinde hat sein eigenes Feuer und möchte auf die anderen Gemeinden schielend doch in jedem Jahr das größere und schönere Feuer seinen Bewohnern und besonders auch seinen Gästen bieten. Das Feuer wird nach einer Ansprache, der sogenannten Feuerrede, durch den Bürgermeister oder einer anderen Amtsperson entzündet. Hier geht es meist um aktuelle Themen und alles was die Sylter in diesen Tagen bewegte. Die Sylter müssen sich keinen Kopf darüber machen, was sie nach Weihnachten mit ihren Tannenbäumen machen sollen. Diese werden aufgehoben und bilden dann die Grundlage für den Holzhaufen. Wir beide packten uns in unsere dicken Winterklamotten, zogen unsere Mützen bis tief ins Gesicht und versteckten unsere Hände in unseren Handschuhen, die wir vom Festland mitgebracht hatten. Draußen pfiff der Wind ganz heftig um die Häuser und es hatte gefühlte deutlich unter Null Grad. Egal, wer ein Insulaner werden möchte, der darf sich von so einem Wetter nicht abschrecken lassen. Doch die ersten Schritte aus dem Hotel heraus, hatten es echt in sich. Es war richtig kalt. Wir machten uns auf den Weg nach Wenningstedt. Meine Frau meinte noch, dass es wirklich eine ganz schöne Strecke von Westerland nach Wenningstedt sei. Und fragte, ob wir nicht doch mit dem Auto fahren sollten. Doch ich winkte ab und meinte, dass für uns vom Festland so eine Entfernung doch gar kein Problem darstellen könne. Bei uns ist doch alles viel weitläufiger und hier auf der Insel sind es nun wirklich keine Entfernungen. Wir marschierten los und ich merkte, wie der eisige Wind mit seinen feinen Spitzen mir im Gesicht richtig wehtat. Egal, dachte ich mir. Mit diesem Feuer wird die kalte Jahreszeit ausgetrieben und bis dahin ist es ja schließlich nicht mehr weit. Entlang an den Dünen über den Fahrradweg machten wir uns auf den Weg nach Wenningstedt. Viele Menschen waren um diese Uhrzeit und Jahreszeit nicht unterwegs. Eigentlich trafen wir so gut wie niemanden, was mir schon ein wenig komisch vorkam. Wir marschierten weiter in die richtige Richtung und behielten die Uhr im Blick. Wir wussten es gibt einen Zeitpunkt, zu dem die Fackeln ausgegeben werden. Anschließend startete der Biike Umzug und kurze Zeit darauf wird der Biike angezündet. Mmmh brummte ich so vor mich hin. Es scheint ja doch ein längerer Weg zu sein, als ich dachte. Wenn wir jetzt mal so rechnen, dann wird es wohl knapp mit unserer Ankunft in Wenningstedt. Denn hier ist die Ausgabe an der Friesenkapelle und der Biike Standort ist noch ein ganzes Stück außerhalb. „Ich glaube wir schaffen das nicht“, sagte ich zu meiner Frau und die Worte wurden durch den eisigen Wind in Fetzen gerissen. Sie nickte nur stumm vor sich hin. „Wollen wir uns nicht einfach in Richtung Hauptstraße bewegen und versuchen einen Bus zu bekommen?“, fragte ich weiter. Ich musste die Frage wiederholen, da der Wind gerade besonders stark heulte. Sie nickte nur stumm vor sich hin und wir änderten die Richtung. An der Hauptstraße angekommen, waren weit und breit kein Bus und kein Auto zu sehen. Es war wie ausgestorben auf den Straßen. Da in der Ferne ein Leuchten von Scheinwerfern. „Komm wir lassen uns mitnehmen und fahren zusammen nach Westerland zurück“, formulierte ich meinen Vorschlag. Doch das Auto fuhr, ohne die Geschwindigkeit zu verringern, an uns vorbei. Wir gingen weiter zu Fuß in unsere Richtung und hofften wenigstens noch rechtzeitig in Westerland anzukommen, um wenigstens dort das Biike Feuer zu erleben. Schließlich ist das ein jährlich einmaliges Erlebnis und von der UNESCO zum Kulturerbe erklärt worden. Doch keines der wenigen Autos hielt an, um uns mitzunehmen und Busse waren auch weit und breit keine zu sehen. So trabten wir etwas lustlos vor uns hin und wussten beim Blick auf die Uhr, dass es wohl zu knapp für uns werden würde.
Was sollten wir tun? Traditionell wird an Biike Grünkohl, Bratkartoffeln, Schweinebacken, Kassler und Kochwurst verzehrt. Doch die meisten Restaurants sind nach dem Biike Feuer proppenvoll, da die Menschen sofort in die warmen Stuben stürzen. Wir schmiedeten den Plan, doch einfach jetzt schon zum Grünkohlessen in ein Restaurant zu gehen bevor die Anderen alle kommen. Dann haben wir einen Vorsprung bei der Bestellung und können so schon einmal das leckere Essen genießen. In der Friedrichstrasse fanden wir ein traditionelles Restaurant, den Kompass. Wir gingen hinein und ließen unseren Blick durch das Restaurant schweifen. Kompass ist eine bodenständige und ehrliche Kneipe, oder viel mehr Restaurant. Die Einrichtung ist rustikal und die Dekoration erinnert an die Seefahrt. Überall sind alte Fischernetze, es hängen Plastikfische und andere Meerestiere von der Decke und die Bilder an den Wänden zeigen Szenen von Walfischfahren. Die Kneipe war leer, doch viele Tische hatten ein kleines Schild, das uns darauf aufmerksam machte, dass hier kein Platz für uns ist. Weiter hinten entdeckten wir einen Hochtisch mit 2 Bänken und wir durften Platz nehmen. Allerdings wies uns die Bedienung darauf hin, dass wir den Platz eventuell mit anderen Gästen noch teilen werden. „Das macht nichts“, hörte ich meine Frau noch sagen. „Wir freuen uns immer wieder über neue Bekanntschaften“. Und mit einem Lächeln im Gesicht nahmen wir Platz. Wir bestellten das typische Biike Essen und waren schon sehr gespannt was es wohl zu essen geben würde. Bisher hatte ich nur von diesem Essen gehört. Doch der typische Geruch zog bereits durch das Lokal. Eine Mischung aus Schweinefleisch, Wurst, Grünkohl und Knoblauch. Es roch in meiner Nase sehr verlockend. Es war von den anderen Gästen noch nichts zu sehen. Wir wärmten uns auf, unsere Gesichter entspannten sich und langsam kam die Farbe wieder in unserem Gesicht an. Das herbe friesische Bier tat sein Übriges. Deutlich bitterer im Geschmack als das, was ich bisher kannte. Ja, ich möchte fast sagen zu bitter für meinen Geschmack. Ich ließ mir das nicht anmerken und trank tapfer mein friesisches Bier.
Dann kam die Bedienung mit 2 schwer beladenen Tellern um die Ecke und stellte diese dampfend vor uns ab. Zwei große Portionen Grünkohl. Mit großen strahlenden Augen sah ich die Bedienung an und fragte, ob dies alles für uns sei. „Ja“, meinte sie, so sieht der traditionelle Teller aus. Wir nahmen Messer und Gabel in die Hand und begannen langsam zu essen. Es war eine wahre Freude für mich. Diese traditionellen Gerichte haben auf der ganzen Welt eine besondere Ausstrahlung für mich. Hier fließt noch viel von der Kultur und der Lebensweise der einzelnen Völker mit ein. Hier auf Sylt ist es das raue Klima. Und warum Grünkohl? „Das war einst die Hauptnahrung der Sylter im Winter und noch dazu sehr gesund.“ Dies habe ich von einem echten Sylter erfahren, der es wohl wissen muss.
