Ein neues Leben für Klara? - Friederike von Buchner - E-Book

Ein neues Leben für Klara? E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Es war Abend. Die Sonne war hinter den Bergen versunken. Die Bergspitzen hoben sich gegen den letzten Rest Tageslicht ab. Doktor Martin Engler ging mit seiner Boxerhündin Coco spazieren. Er wählte die lange Tour und ging im Bogen um Waldkogel herum. Als er vom Feldweg auf die Hauptstraße kam, sah er Oberin Justina. Sie stand an ihrem Auto und sah in die geöffnete Motorhaube. »Grüß Gott!«, sagte Martin. »Ist etwas mit dem Motor?« Oberin Justina richtete sich auf und grüßte Martin herzlich. »Er tut es nicht mehr. Der Motor ruckelte ziemlich, als ich losfuhr, dann lief er aber normal. Unterwegs habe ich angehalten, weil ich mit jemand sprechen wollte. Jetzt springt er nicht mehr an. Benzin ist drin. Ich habe am Donnerstag getankt und bin seither kaum gefahren.« »Darf ich mal probieren?«, fragte Martin. »Gern, der Schlüssel steckt.«

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Toni der Hüttenwirt Extra – 85 –Ein neues Leben für Klara?

… und Justina macht sich viele Gedanken um Eric

Friederike von Buchner

Es war Abend. Die Sonne war hinter den Bergen versunken. Die Bergspitzen hoben sich gegen den letzten Rest Tageslicht ab.

Doktor Martin Engler ging mit seiner Boxerhündin Coco spazieren. Er wählte die lange Tour und ging im Bogen um Waldkogel herum. Als er vom Feldweg auf die Hauptstraße kam, sah er Oberin Justina. Sie stand an ihrem Auto und sah in die geöffnete Motorhaube.

»Grüß Gott!«, sagte Martin. »Ist etwas mit dem Motor?«

Oberin Justina richtete sich auf und grüßte Martin herzlich.

»Er tut es nicht mehr. Der Motor ruckelte ziemlich, als ich losfuhr, dann lief er aber normal. Unterwegs habe ich angehalten, weil ich mit jemand sprechen wollte. Jetzt springt er nicht mehr an. Benzin ist drin. Ich habe am Donnerstag getankt und bin seither kaum gefahren.«

»Darf ich mal probieren?«, fragte Martin.

»Gern, der Schlüssel steckt.«

Martin ließ Coco Sitz machen. Er stieg ein und versuchte, den Motor zu starten. Es gab nur ein seltsames Geräusch. »Der Motor dreht durch. Ich vermute, die Batterie ist leer. Es ist nicht genug Saft drauf, dass der Motor zündet«, erklärte Martin.

»Ja, das kann sein. Bei der letzten Inspektion wurde mir schon geraten, mir bald eine neue Batterie zuzulegen. Das hatte ich mir auch vorgenommen, aber immer vor mir hergeschoben und schließlich vergessen. Das Auto ist auch immer angesprungen. Nun ja, ich rufe den Abschleppdienst an. Der Wagen muss von der Straße weg.«

Doktor Martin Engler lächelte. »Das bekommen wir auch ohne Abschleppdienst und Werkstatt hin. Wir machen das so: Ich laufe schnell mit Coco nach Hause. Dann komme ich mit meinem Geländewagen zurück. Dein Auto schleppen wir zu uns auf den Schwanninger Hof. Dann baue ich die Batterie aus und hänge sie an mein Ladegerät. In ein paar Stunden dürfte sie soweit geladen sein, dass es bis zum Kloster reicht. Du musst nicht bei mir warten, wenn du keine Zeit hast. Ich kann dir das Auto später vorbeibringen oder morgen Früh. Oder es gibt noch eine andere Möglichkeit: Du lässt den Wagen bei mir stehen. Ich kaufe morgen eine neue Batterie, lade sie auf und bringe dir das Auto.«

Justina schmunzelte. »Du scheinst nicht nur Arzt zu sein, sondern auch Automechaniker.«

»Ich habe schon immer gern an Autos geschraubt. Also – ich gehe los. Du solltest die Warndreiecke aufstellen, Justina.«

»Stimmt, das habe ich vergessen. Gut, dass du mich daran erinnerst!«

Martin lief los. Coco freute sich über das Tempo und lief laut bellend nebenher.

Es dauerte nur fünf Minuten, dann war Martin mit seinem Geländewagen zurück. Er montierte die Abschleppstange und verband die beiden Autos. »Es wäre gut, wenn du dich in deinen Wagen setzt, damit du eventuell mitlenken kannst. Es sind nur fünfhundert Meter«, sagte Martin.

Die Strecke war schnell bewältigt. Im Hof hatte Martin schon das Ladegerät bereitgestellt. Mit geübtem Griff löste er die Zündkabel und klemmte die Polklammern an die Batterie. Die Zeiger der Anzeige bewegten sich sofort, als er das Batterieladegerät anschaltete.

»So, das hätten wir«, sagte Martin lächelnd. »Kommst du mit herein? Ein Kaffee wird dir guttun auf den Schrecken.«

»Einen Kaffee lehne ich nicht ab. Außerdem wollte ich dich ohnehin morgen besuchen.«

»Oh, bist du krank?«, fragte Martin. Als gewissenhafter Arzt war er sofort besorgt. »Du kommst sonst nur einmal im Jahr zum Check-up in die Praxis. Du bist erst kürzlich bei mir gewesen.«

Justina lächelte. »Keine Sorge, Martin, mir fehlt nichts. Aber ich habe ein Sorgenkind, über das ich mit dir sprechen möchte.«

»Gut, sprechen wir darüber«, sagte Martin.

Er ging voraus ins Haus und schaltete überall Licht an. »Wir sind ungestört. Katja und Walli sind bei Erna. Sie hat heute Namenstag und sie feiern ein bisserl. Ich war auch eingeladen. Sascha hätte mich vertreten können. Aber er hatte Theaterkarten besorgt. Er und Stella wollten sich in München einen schönen Tag und Abend machen. Den wollte ich ihnen nicht verderben«, erzählte Martin. Währenddessen machte er Kaffee.

Sie setzten sich an den Tisch.

Coco legte sich in ihr Körbchen und döste vor sich hin. Nach dem langen Spaziergang war sie müde.

»Erzähle mir von dem Sorgenkind«, sagte Martin. »Betrifft es eine Schülerin oder einen Schüler?«

»Noch nicht«, antwortete Justina. »Es wäre schön, wenn der Bub hier zur Schule gehen und im Internat wohnen könnte. Im Augenblick lebt er in einem Waisenhaus in München.«

Sie gaben Zucker und Sahne in den Kaffee und rührten um. Dabei erzählte Justina vom Besuch ihrer Freundin Manuela Waldmann aus München und von Eric, dem Sorgenkind.

Doktor Martin Engler hörte aufmerksam zu. Dabei schüttelt er immer wieder den Kopf. »Der arme Bub!«, seufzte Martin, als Justina geendet hatte.

»Ja, ich habe den Engeln schon mehrere Kerzen gestiftet. Es muss ein Wunder geschehen, Martin.«

»Justina, ich will dir nicht zu nahe treten, aber Walli sagt immer, die Engel brauchen Helfer auf Erden.«

»Ja, das kann man so sehen.«

»Du bist eine solche Helferin und deine Freundin Manuela ist eine, das sind schon zwei. Wenn du mich dazuzählst, sind wir drei. Dabei wird es nicht bleiben. Ich bin sicher, wir bekommen noch mehr irdische Helfer zusammen«, sagte Martin. »Dem Bub muss geholfen werden.«

»An wen denkst du?«, fragte Justina.

»An Sabine, der Erbin des Ziegler Hofs, und ihren Mann Jonas. Er ist ausgebildeter Logopäde, ich habe Jonas hier, direkt neben meiner Praxis, zwei Räume überlassen. Dort macht er an zwei Tagen in der Woche Therapie. Er hat nur Patienten aus Waldkogel. Früher mussten die alten Leute zur Sprachtherapie nach einem Schlaganfall extra nach Kirchwalden fahren. Jetzt haben sie es bequemer. Ich bin froh, dass er hier seine Praxis aufgemacht hat. Es ist eine echte Erleichterung für die alten Leute. Jonas verwaltet auch noch den Ziegler Hof. Da hat er viel zu tun.«

»Das stimmt. Seit Sabine ihr Landwirtschaftsstudium beendet hat, hat sie viele Ideen umgesetzt. Der Ziegler Hof war schon immer ein stattlicher Hof. Inzwischen wird er der größte Hof im ganzen Tal sein«, sagte Justina.

Martin schüttelte den Kopf und sagte: »Ich denke, Tassilos Gutshof ist größer. Aber darum geht es jetzt nicht. Ich denke an Sabine, die sich auch als Reittherapeutin betätigt. Sie ist darin sehr erfolgreich. Wenn wir Jonas und Sabine ins Boot bekommen, werden wir gemeinsam etwas erreichen bei dem Jungen. Das Wichtigste nach einem traumatischen Erlebnis ist Geduld.«

»Ich weiß, Martin. Der Bub braucht eine liebevolle Umgebung, ein Heim, ein Zuhause, das ihn so annimmt, wie er ist. Eine Umgebung, die ihm keinen Druck macht, wo er sich geborgen und geliebt fühlt«, sagte Justina.

»So ist es. Es wäre eine Chance für ihn gewesen, wenn er dauerhaft in einer der Pflegefamilien hätte bleiben können.«

»Manuela hat mir gegenüber beteuert, dass die Pflegefamilien einen sehr guten Ruf haben. Sie haben sich bestimmt bemüht.«

Martin trank einen Schluck Kaffee. »Sicher waren sie professionell. Wenn sie neben eigenen Kindern noch Pflegekinder versorgen, sind der Haushalt und das tägliche Zusammenleben bestimmt bestens geregelt. Ich kenne die Familien nicht. Ich bin auch kein Kinderpsychologe. Aber ich denke, es wäre besser für Eric, wenn er irgendwo hinkommen könnte, wo er emotional im Mittelpunkt steht.«

Justina nickte. »Der Gedanke ist mir auch schon durch den Kopf gegangen. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob unser Kloster-Internat für Eric geeignet ist, jedenfalls im Augenblick. Aber ein Heim, ich meine damit eine dauerhafte Unterbringung in einer Einrichtung für Kinder mit geistigen Defiziten, ist mit Sicherheit falsch. Eric ist stumm, aber gleichzeitig auch hochintelligent und wissbegierig. Er saugt jeden Lernstoff nur so in sich hinein. Er ist ein Bücherwurm. Es muss eine Möglichkeit geben, dass Manuela einen Vormund findet, der mit Erics Aufenthalt in Waldkogel einverstanden ist. Wenn wir ihn bei uns aufnehmen könnten, würden wir ihn besonders behüten. Dazu habe ich eine Idee.«

»Lass hören!«, sagte Martin.

»Statt Eric im Internat unterzubringen, könnte ich ihn – mit einer Erzieherin oder Kindergärtnerin – in einer der Gästewohnungen einquartieren. Ich will auch mit Zenzi sprechen, sollte sich die Möglichkeit eines Aufenthaltes in Waldkogel ergeben. Im Kurs für Tagesmütter, im Institut Villa Lohe, gibt es vielleicht jemand, der bereit wäre, sich nur um Eric zu kümmern. Die Frau könnte halbe Tage eine Stelle in der Schule, im Internat oder im Kinderhort bekommen und am Nachmittag bei Eric sein. Es wäre dann fast wie bei einer Mutter, die halbe Tage arbeiten geht.«

»Das ist eine sehr gute Idee, Justina. Das kannst du aber erst klären, wenn die Sache mit der Vormundschaft geklärt ist.«

»Ja und nein, Martin. Ich will schon vorher mit Zenzi und Jana sprechen. Vielleicht ist eine Kursteilnehmerin dabei, die damit einverstanden ist, sich Erics anzunehmen und die über das nötige Verständnis und die Hingabe verfügt. Ich hoffe, dass Eric irgendwann dieser Obhut entwachsen sein wird. Vielleicht schließt er Freundschaft mit Schülern aus dem Internat und will irgendwann im Internat wohnen, um näher bei seinen neuen Freunden zu sein.«

»Denke nicht zu weit voraus, Justina! Bis dahin ist es ein weiter, steiniger Weg«, sagte Martin.

»Das weiß ich. Ich verschließe davor nicht meine Augen. Es ist die Hoffnung, die mich antreibt.«

»Das verstehe ich, das würde mir genauso gehen. Ich würde den Buben gern kennenlernen. Sprich mit Manuela Waldmann und sage ihr, dass ich gern bereit bin, Eric zu besuchen.«

»Danke, ich werde es ihr sagen. Ich hatte ohnehin vor, sie morgen Früh anzurufen. Toni und Anna hatten eine Idee, deswegen kam Toni heute Morgen im Kloster vorbei. Er sagte, der Bub müsse – neben Ärzten und Therapeuten – auch einen Anwalt an seiner Seite haben, der sich für seine Interessen einsetzt.«

»Das stimmt. Ein Anwalt, der sich mit dem Erbschaftsgericht auseinandersetzt und der die Interessen des Buben vertritt.«

»Richtig, Martin! Toni versprach mir, die Kanzlei Moser anzusprechen. Der Junior, Doktor Magnus Moser, ist mit Charlotte verheiratet, einer Enkelin von Alois. Sie ist Sophies Cousine, der Frau von Sebastian. Magnus gehört also praktisch zur Familie.«

»Ich kenne Magnus gut«, sagte Martin, er nickte. »Siehst du, so langsam fügen sich die Möglichkeiten zusammen. Wenn wir es schaffen, Eric nach Waldkogel zu holen, werde ich mich als sein Arzt um ihn kümmern. Ich werde gleich morgen Sabine und Jonas ins Boot holen. Wie ist es? Soll ich Magnus ansprechen oder tust du es?«

»Ich habe gleich nach Tonis Besuch versucht, Manuela anzurufen. Leider war ihr privates Handy ausgeschaltet. Sie will nicht, dass unsere Gespräche über ihr Diensttelefon im Amt laufen. Ich habe ihr auf dem Anrufbeantworter die Nachricht hinterlassen, so möge bitte in der Kanzlei Moser vorsprechen. Bis jetzt hat sie noch nicht zurückgerufen.«

»Sie wird sich schon melden«, sagte Martin. »Irgendwie müssen wir es gemeinsam schaffen, Eric eine Hoffnung zu geben.«

»Mit Gottes Hilfe«, sagte Justina leise.

Im Hof wurde laut gehupt. »Martin!«, rief Katja.

»Oh, Katja und Walli sind zurück«, sagte Martin. Er eilte hinaus.

Justina folgte ihm.

»Martin, ich komme nicht auf den Hof. Kann man das Ladegerät kurz abstellen und das Kabel zur Seite tun? Ich will nicht darüberfahren«, sagte Katja Engler.

»Augenblick«, antwortete Martin. Er schaute auf die Skala des Ladegeräts. »Oh, die Batterie ist schon aufgeladen«, rief er aus. Er schaltete das Gerät aus und rollte das Kabel ein. Dann klemmte er es ab und schloss die Batterie wieder an. »Jetzt müsste der Motor wieder anspringen«, sagte Martin zu Justina.

Katja fuhr um Justinas Auto herum und stellte ihr Auto unter den Carport.

Walli und sie stiegen aus und begrüßten Oberin Justina herzlich.

»Martin hat mein Auto wiederbelebt«, lachte Justina.

»Aber es wird an einer Herztransplantation nicht vorbeikommen«, grinste Martin.

»Gut, ich habe es eingesehen. Ich werde in der Werkstatt eine Batterie bestellen und einbauen lassen«, sagte Justina.

»Mei, jetzt höre aber auf! Ich besorge dir eine Batterie und baue sie ein«, beharrte Martin.

In wenigen Worten erzählte er von Justinas Panne.

Justina wollte sich verabschieden. »Martin, sobald du etwas in Erfahrung gebracht hast, rufst du mich an«, sagte sie.

»Das mache ich, Justina. Wir nehmen uns alle des Buben an, damit er bald wieder gesund wird.«

»Danke, Martin, und grüß mir alle, Sabine, Jonas und Magnus, den ich leider nur flüchtig kenne!«

»Um was geht es hier?«, fragte Walli. »Gibt es etwas, von dem ich nichts weiß?«

Martin rieb sich das Kinn. »Justina, bleib bitte noch einen Augenblick. Wenn du es Katja und Walli erzählst, ist es besser, als wenn ich es tue.«

Sie gingen alle gemeinsam in die große Wohnküche.

»Kaffee?«, fragte Katja.

»Für mich bitte nicht«, antwortete Justina. »Ich schlafe im Augenblick ohnehin kaum.«

Walli bereitete eine große Kanne Kräutertee für alle zu. Währenddessen hörte sie zu, was Justina erzählte.

»Der arme Bub«, seufzte Walli dann. »Ihm muss geholfen werden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.«

Katja hatte Becher auf den Tisch gestellt. Walli schenkte allen Tee ein. Sie gaben Zucker hinein und rührten um.

»Leute, ich habe eine Idee«, sagte Walli.

»Und die ist?«, fragte Martin.

»Wir trommeln alle zusammen, alle Freunde, die Eric helfen wollen. Wir setzen uns zusammen und entwerfen einen Plan. Diese Manuela Waldmann muss dabei sein, dann wir alle, Sabine und Jonas und Magnus. Vielleicht noch einige andere, die nützlich sein könnten.«

»Und an wen denkst du dabei?«, fragte Martin.

»Wir müssen uns Leute ins Boot holen, die prominent sind, Tassilo und Zenzi, zum Beispiel«, antwortete Walli. »Außerdem bin ich sicher, dass auch Bürgermeister Fellbacher und Pfarrer Zandler den kleinen Eric unterstützen wollen. Hier in Waldkogel hält man zusammen, besonders, wenn Hilfe gefragt ist. Das weiß du, Martin.«

Katja Engler lachte. »Walli, das hört sich an, als sollte ein Verein gegründet werden.«

Alle schauten sich an. Es war ganz still in der Küche.

Dann schlug Martin auf den Tisch und sagte: »Leute, das ist es doch! Wir gründen einen Verein, einen Förderverein für Eric. Die Mitglieder des Vereins wären dann so etwas wie Erics Paten. Dann hat er Tanten und Onkel, die ihn einladen und von denen er Geschenke zu Weihnachten, zum Geburtstag und Namenstag bekommt. Sie laden ihn alle rundum ein und unternehmen etwas mit ihm. Der Verein würde die Verwandtschaft ersetzen, die Eric nicht hat.«

»Sag besser, die Ersatzgroßfamilie«, schlug Walli vor. »Ich übernehme die Aufgabe der Großmutter. Das bekomme ich hin.«

»Walli, das ist eine gute Idee«, rief Martin aus.

»Ich würde auch die Vormundschaft für den Buben übernehmen«, sagte Walli mit fester Stimme. »Aber da mache ich mir besser keine Illusionen. Das wird das Vormundschaftsgericht sicherlich nicht gutheißen, weil ich vom Alter her nicht passe. Dabei sind Großmütter immer alt. Und sie erfüllen eine wichtige Aufgabe. Sie haben in erster Linie die Aufgabe, zu verwöhnen. Sie können trösten, bei ihnen können sich Kinder gehen lassen. Großmütter und selbstverständlich auch Großväter können Kinder verwöhnen, wo Eltern erziehen müssen.«

»Du wärst bestimmt eine wunderbare Großmutter«, sagte Martin warmherzig. Dabei legte er kurz die Hand auf Wallis Hand und drückte sie.

Walli lächelte ihn an. Sie wusste, dass Katja und er sich immer ein Kind gewünscht hatten. Doch bisher war kein kleiner Engel in den Arzthaushalt geflattert. »Ich wäre auch bereit, mit Eric in der Gästewohnung zu leben«, ergänzte Walli. »Bei mir kann ich ihn schlecht aufnehmen. Dazu habe ich zu wenig Platz.«

»Nun, das stimmt nicht ganz, Walli. Du hattest die kleine Kammer zu einem Zimmer für Jenny hergerichtet, als sie hier lebte.«