Ein schaurig schöner Tag und seine Folgen - Arlett Kaufmann - E-Book

Ein schaurig schöner Tag und seine Folgen E-Book

Arlett Kaufmann

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Beschreibung

Diese Geschichte führt über die Gedanken an einen geliebten Menschen zum Kauf eines Oldtimers und die neuen Abenteuer mit diesem. Der kleine grüne Frosch ist die Erfüllung eines Traumes, zugleich die Bewältigung eines riesigen Verlustes. Die Trauer um ihren geliebten Mann führt zurück in die glücklichen Jugendjahre der Schreiberin. Den enormen Spaß, den die Beiden hatten mit Ihren Abenteuer-Autos. Die unterschiedlichen Motorveranstaltungen, die sie gemeinsam besuchten, kommen wieder in Erinnerung. Die Freude, die sie gemeinsam an ihren unterschiedlichen Raritäten hatten, bringen plötzlich an einem schaurig schönen Tag die ausschlaggebende Idee. Oldtimer Messe.

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Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Ein schaurig schöner Tag

In den Hallen

Die »Corvette«

Der kleine grüne Frosch

Raus aus dem Getümmel

Das erste Kennenlernen

Der Termin

Die Verhandlungen

Das liebe Geld

Jetzt gehörst du mir

Die Zeit überbrücken

Erhalt der Nummer

Süchtig nach Fahren

Tankproblem

Der Wetterbericht für morgen ist herrlich

Eine unumgängliche Analyse

Das Oldtimer-Treffen

Ersehnter Anruf

Ein letzter Trost

Die kräftiger werdende Sonne

Bedrohliche Wolken

Der Schaden

Unterbrechung des Kaffees

Was ist denn das? In meiner Hand?

Die kleine verflixte Mulde

Ein Eis

Die Kelle

Mit einem lieben Freund

Keine Trennung

Das Pedal greift nicht

Danke

Ein schaurig schöner Tag

Du hast mir so viel gegeben, lehrtest so vieles mich fürs Leben. Möchte mich bedanken, halt dich fest für immer im Herzen und Gedanken.

Ein trüber Sommertag. Wie so oft hast du, mein geliebter Mann, Freund, Berater und Kritiker, mir sehr gefehlt. Ich wollte, nein, ich musste raus. Wohin? Mit wem? Jemanden treffen? Ja, jedoch mich jederzeit zurückziehen. Die Idee! Oldtimer-Messe. Davon war ich doch immer so begeistert. Früher hast du die Begeisterung mit mir geteilt. Leider bist du von mir gegangen, es ist nicht mehr möglich! Doch dein Witz, deine Worte sind immer noch in meinem Ohr. Das Wetter ist nicht gerade berauschend. Etwas Bewegung schadet mir schließlich nicht. Bis zum Messegelände ist es von meiner Wohnung den Fluss entlang ca. eine halbe Stunde. Genau das Richtige für diesen Nachmittag. Bewegung verbunden mit Information! Also gehe ich los, in der Hoffnung jemanden Bekannten zu treffen, eventuell einen gemeinsamen Kaffee zu trinken.

Gemütlich schlendere ich den Fluss entlang, die Strömung ist ein auf mich beruhigend wirkendes Geräusch. Enten und Haubentaucher lassen sich treiben, schaukeln im Auf und Ab der Wellen. Tauchen hin und wieder unter, um was auch immer dort in den blaugrünen Tiefen zu sehen oder zu finden. Der nachlassende Wind wiegt die Bäume nur noch ganz leicht. Schnell ziehen die grauen Wolken das Flussbett entlang. Da und dort öffnen sich kleinere Wolkenfetzen, lassen den dahinter versteckten Sommer erahnen. Meine Gedanken fliegen zu dir. Wie oft sind wir in Sachen Autos unterwegs gewesen. Wie viele hast du mir überraschend präsentiert. An die vierundfünfzig haben wir zum Schluss gezählt. Immer hatten wir es beide genossen. Zu vielen Motorveranstaltungen sind wir gefahren. Formel 1, DTM, Motor GB, Speedrace usw., darunter auch etliche Male zu Oldtimer-Veranstaltungen. Beide erfreuten wir uns daran, die polierten Lacke, die glänzenden Zierleisten, die geschwungenen Kotflügel, die speichenbesetzten Weißwandreifen. Das eine oder andere Modell zu entdecken, welches auch wir früher mal unser Eigentum nennen durften. Diese Gedanken versetzten mich zurück in unsere Sturm- und Jugendjahre. Wenn wir zu dieser unbekümmerten Zeit auch nicht wussten, welche Schätze wir hatten. Selbst wenn wir es gewusst hätten, hätte es uns nichts genützt. Das Geld war nicht vorhanden, diese Objekte zu behalten. Ebenso die Möglichkeit nicht gegeben, diese Schätze gar irgendwo einzustellen. Trotzdem freuten wir uns, einige wieder zu sehen. Ich möchte nicht alle aufzählen, das würde den Ramen der heutigen Geschichte sprengen. Jedoch einen muss ich erwähnen, da komme ich nicht darüber hinweg. Es war der Mercedes! SL 190, Herbert von Karajan Erstbesitz, stand im Zulassungsschein. Dieses Auto hattest du, als wir uns kennenlernten. Ich sehe dich heute noch vor mir. Einen grauen bodenlangen Kunstledermantel mit Pelzkragen. Die blonden halblangen Haare nass vom Schnee. Die blitzblauen Augen, die mich nicht mehr losgelassen haben. In diesem Auto haben wir uns das erste Mal geliebt. Bis heute erinnere ich mich an diese glücklichen Stunden. Auch an alle weiteren, die ich an deiner Seite verbringen durfte. An alles, was du mich gelehrt hast, sowie an vieles, das du mir über Motoren und Autos erklärt hast. Wenn es auch damals, sicher teilweise bis heute, für mich noch ein spanisches Dorf geblieben ist. Jedes Fahrzeug, auch wenn es noch so teuer war, du hast mich gelehrt, damit umzugehen. Ja, mich fast gezwungen, damit an meine Grenzen zu gehen. Einige Beulen, die ich verursacht habe, hast du ohne Murren, oft in nächtelanger Arbeit, wieder zurechtgedrückt. Ich bin traurig, glücklich zugleich, von dir die Liebe zum Leben und zum Genießen erlernt zu haben. Von diesen Gedanken fortgerissen merke ich gar nicht, dass ich dem Messegelände schon nahegekommen bin. Versteckt wische ich noch schnell meine Tränen aus den Augen, putze meine Nase.

In den Hallen

Ich höre bereits die Geräusche von Motoren, rieche die benzingeschwängerte Luft. Das Stimmengewirr der eintreffenden Besucher, denen ich mich nähere, dringt an mein Ohr. Ja, ich merk es! Ich bin wieder im alten Autofieber, in der gleichen Begeisterung wie in jenen Tagen mit dir. Mein Herz schlägt höher. Alte Autos! Eines schöner als das andere. Von Amerikanern über Deutsche, von alten Russen über Franzosen, von Engländern bis hin zu weiß Gott welchen Exoten. Diese haben Seele, Ausstrahlung, Gefühl, Kunst, handwerkliches Können sowie Technik in sich vereint. Sie strahlen eine Lebensfreude, eine Abenteuerlust auf mich aus. Meine Emotion beim Betreten der Hallen kann ich gar nicht beschreiben. Deine Leidenschaft, ferner deine Gefühle, mein unvergesslicher Schatz, sind zweifellos auf mich übergegangen.

Ich flüchte mich hinein in Erinnerungen, die mir in diesen Hallen begegnen. Immer wieder erspähe ich Modelle des Kuriosums, mit denen du angeschleppt kamst. Du bist mir plötzlich so nah! Etwas hält mich fest! Was ist es?

Die »Corvette«

Ja, ja, natürlich, da steht »sie« stolz, schneeweiß, voll Energie, das einzige weibliche unter den Fahrzeugen.

Aufgeregt, wie angewurzelt steh ich vor ihr. Sofort versetzt es mich nach Kanada. Eine unvergessliche Reise mit dir. Wir fuhren die Weinstraße unten durchs Summer Land in British Columbia. Ein dumpfer Sound holte uns ein. Eine Corvette. Schneeweiß. Ich lenkte gerade unser 8 m langes Motorhome. Da schießt es wie aus einer Pistole aus deinem Mund. Fahr zu! Schneller! Öffne das Fenster! dieser Sound! … Wie soll ich denn mit diesem schweren Haus einer Corvette folgen können? Kauf dir doch endlich eine, dann musst du nicht ständig davon träumen, schreie ich förmlich in dem lärmgeschwängerten Cockpit hinüber zu meinem Beifahrer. Wenige Wochen später stehen wir in unserer Garage. Grinsen beide bis weit über die Ohren hinaus. Im Gleichklang kommen die Worte, die gehört jetzt wirklich uns. Uns! Der Traum war erfüllt. Wir küssen uns. Und was darauf folgt, beschreibe ich nicht näher. Wir hatten sehr viel Spaß, Abenteuer, Erlebnisse mit dieser Schönheit. Allerdings nicht lange! Dies wäre jedoch eine eigene Geschichte, welche heute nicht hierhergehört. Die Vernunft hat die Oberhand gewonnen. Ich höre dich sagen: Zu viel Benzin, zu hohe Steuer, zu teure Reparaturen. Da plötzlich reißt mich ein attraktiver, charmanter Herr aus meinen Gedanken. Er meint: Heißes Geschoß. Fragend blicke ich ihn an. Sofort beginnt dieser anziehende Mann alle Vorzüge des Höllengerätes zu erklären. Versichert mir, in welchem guten Zustand »sie« sich befände. Dass ich jederzeit auf ihn zurückgreifen könne, falls es irgendein Problem gäbe. Es brennt mir unter den Fingernägeln zu unterschreiben. Beinahe hätte ich das Teil mitgenommen. Ungern gebe ich zu, dass auch dieser Mann eine gewisse Faszination auf mich ausübte. Ich hör dich abermals! Kopf bewahren! Eine Nacht drüber schlafen! Ich reiß mich los, innerlich spüre ich die Erleichterung. Plötzlich sehe ich dein Lächeln wieder vor mir. Deine blauen Augen strahlen mich an, um in Bruchteilen von Sekunden wieder in weiter Ferne zu verschwinden. Der charmante Herr drückt mir seine Visitenkarte in die Hand. Jederzeit eine Probefahrt oder Besichtigung. Auf ein baldiges Wiedersehen, ruft er hinter mir her. Einen koketten Blick wende ich diesen Charmeur noch zu. Winke und wandle noch in Gedanken versunken weiter von Halle zu Halle. Da der nächste Exote. Was wir alles für Fahrzeuge besaßen. Vierundfünfzig an der Zahl. Ich wusste nie, wenn ich von dir abgeholt wurde, ob es noch derselbe ist. Mercedes, sämtliche Modelle wie erwähnt. Auch der SL Herbert von Karajans war wie erwähnt dabei. Ein Barracuda, eine Corvette, ein Chevrolet, Fleetwood, ein Cadillac, ein Mini, ein Citroën, Fiat, Peugeot, ein Jaguar E-Typ und viele, viele mehr. Nie hörte ich aus deinem Mund, das ist mein Wagen. Im Gegenteil, jedes Modell musste ich fahren. Sogar stolz darauf warst du, dass ich das machte. Bis zur Vergasung, im wahrsten Sinne des Wortes. Einzelne davon hattest du ungesehen gekauft. Bei anderen waren wir zu betrunken, sodass uns nicht einmal die Farbe in Erinnerung war. So standen wir im Autorausch. Zu jedem deiner (unserer) Käufe gäbe es eine aufregende Geschichte. Niemand würde diese Geschichten für wahr halten, darum lass ich es jetzt gut sein mit meinem Ausflug in die Vergangenheit. Die Mercedes in der nächsten Halle haben es mir natürlich auch angetan. Diese Kurven, dieser Glanz, diese Ausstattung, diese Gepflegtheit. Edle Fahrzeuge! Für meine Geldtasche in dieser Ausführung, bzw. für die, die du mir hinterlassen hast, doch etwas zu hoch. So latsche ich weiter zur nächsten Halle in der Hoffnung, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Nicht möglich, Hunderte Leute zwängen sich durch diese Ausstellung, dennoch niemand zu entdecken, den ich kenne. Dringend benötige ich eine Kaffee- plus Zigarettenpause. Sehe mich um, versuche mich zu orientieren. Ah, dort in der Nähe eines Notausgangs ein kleiner Stand mit Kaffee, außerdem Süßigkeiten. Süßigkeiten statt Liebe? Nein, ich wiederstehe zu Gunsten einer Zigarette dem Süßen. Hingegen Kaffee muss sein. Der Notausgang neben der Glasfront führt ins Freie. Ein kleiner Stehtisch mit Hocker lädt mich zur Rast ein. Die Sonne strahlt auf mich herunter. Ich genieße den Kaffee, obendrein die Zigarette, bin fast glücklich. Lass meinen Gedanken freien Lauf. Soll ich jetzt noch die restlichen Hallen in Augenschein nehmen? Es ist eigentlich noch zu früh, nach Hause zu gehen. Vielleicht treffe ich doch noch jemanden? Eigentlich widerwillig verlasse ich meinen Rastplatz. Schließlich mach ich mich auf, die letzten Hallen in Augenschein zu nehmen.

Der kleine grüne Frosch

Grün, grell, hell, dunkel! Was fesselt mich da hinten im letzten Eck dieser Halle? Mein Schritt wird schneller! Es saugt mich förmlich nach hinten. Da steht er, sie, es vor mir! Langgezogene Kotflügel, geschwungen, fantastische Rundungen. Helles und dunkles Grün ineinander übergehend. Welch ein wunderschönes Ding. Oh mein Gott, das ist ER, SIE, ES? Vorsichtig lehne ich mich über den Innenraum. Diese Armaturen, dieses Lenkrad, diese Pedale, diese vielen kleinen Schalter. In der Mitte des Fußraumes, blankes Metall in Form einer Flasche? Was kann das nur für ein Behältnis sein? Ein Feuerlöscher, man glaubt es kaum. Der Boden aus Holz! Diese Sitze in dunkelgrünem Leder! Ein eingeklapptes Dach aus grobem Stoff. Du meine Güte. In Trance versetzt, umrunde ich das Fahrzeug. Betrachte die nostalgischen angebrachten Schilder, kleine Kunstwerke unter übergroßen, polierten Scheinwerfern. Der in die Höhe gezogene Grill, dessen Krönung eine fliegende Figur ist. Der Lederriemen über der langen Motorhaube, wie das Sattelzeug eines Pferdes. Na ja, Pferdestärken liegen ja darunter? Vermute ich mal! Die freistehende Windschutzscheibe mit zwei Miniaturwischern. Dieser hervorstehende Tankeinlass. Die hinten angebrachte Kofferablage aus verchromtem Stahl, über dem Reserverad, dessen Speichen wie an allen Rädern im Lichtschein glänzen. Ein übergroßes Lenkrad aus Holz auf der falschen Seite? Ich bezweifle, dass ich noch bei Verstand bin. Den, die, das muss ich haben! Oder sollte ich mich einliefern lassen? Keine Ahnung von Motoren! Von Technik! Im Vergleich zu meinen weit geöffneten Augen, bei diesem Anblick, scheint mein Verstand fest verschlossen zu sein. Ja, ehrlich, das Lenkrad auf der falschen Seite. Doch, dich will ich. Ich sitze direkt schon im Wagen. Kutschiere durch Baumalleen, vorbei an grünen Wiesen in die Vergangenheit. Eine warme dunkle Stimme holt mich zurück von meinem geistigen Ausflug.

Hier steht er also! Der grüne MG PA 1613 Midnight. Produziert in der MG Car Company Abingdon-on-Thames. (Abingdon-on-Thames, ein kleiner Ort um die Pfarrkirche St. Helens mit Autogeschichte. 82,2 Kilometer entfernt von London.) Erstmals zugelassen am 01.07.1935, 830 kg schwer, 847 Hubraum, Höchstgeschwindigkeit 118 km/h, Leistung 27kw, Motor 4R, Aufbau Roadster, Zweisitzer, Dunlop Drahtspeicherräder, Bauzeit 1934–1935 mit nachweisbarer Historie.

Im Jahr 1810 war ein wichtiges Bindeglied zwischen Industriezentren. Im Jahr 1856 wurde die Abingdon Railway eröffnet. Der Wilts & Berks-Kanal 1906 aufgegeben. Der Bahnhof von Abingdon wurde im September für Fahrgäste geschlossen. Die Linie jedoch blieb für Güter offen. Darunter auch die MG-Fabrik. Die Fabrik war von 1929 bis Oktober 1980 in Betrieb. MG, die Initialen sind angeblich von Morris Garage. MG ist eine britische Marke, die von der nicht mehr bestehenden MG Car Company Limited, einem Sportwagenhersteller in Oxford, 1920 gegründet wurde. Eingetragen von dem Geschäftsführer Cecil Kimber. Bekannt geworden durch die zweisitzigen offenen Sportwagen. Das MG Geschäft war bis 1. Juli 1935 persönliches Eigentum von Morris. Morris Motors verkaufte 1936 Anteile. Zahlreiche Änderungen begannen mit Morris. 1952 Fusion mit Austin, 1967 zur MG-Division in die British Corporation Limited, 1968 British Leyland Motors. 2000 wurde MG ein Teil der MG Rover Group. Die Marke wurde dann Teil der Nanjing Automobil Group, die 2008 mit Saic fusionierte für 53 Millionen britische Pfund. Die Produktion wurde 2007 in China aufgenommen. Das erste völlig neue Modell von MG in Großbritannien seit 16 Jahren wurde am 26. Juni 2011 offiziell vorgestellt.

Ich wende mich der Stimme zu. Ein großer Herr im dunklen Anzug steht vor mir. Sieht man nicht alle Tage, was? Gefällt er Ihnen? Das Gegenüber wirkt etwas eigen auf mich. Teilweise gelangweilt, jedoch auch interessant. Die längeren dunklen Haare mit grauen Schläfenansätzen geben ihm einen jugendlichen Anstrich, obwohl dieser Herr sicher schon die 50 überschritten hat. Seine Augen erzählen ein wenig über die, so vermute ich, ereignisreiche vergangene Zeit. Oh ja, entgegne ich. Erzählen Sie mir doch etwas über dieses umwerfende Gerät. Wie gesagt, es ist ein MG Baujahr 1935. In gutem, fahrbereiten, restaurierten Originalzustand. Natürlich ein alter Herr mit kleinen Schwächen, aber ansonsten! Vorbesitzer ein deutscher Industrieller. Nicht viel gefahren. Mein Gegenüber erklärt mir sämtliche technische Details, denen ich nur bedingt folgen kann. Es scheint wirklich nicht viel los zu sein in dieser Halle. Niemand stört unser Gespräch. Sie haben diese Rarität ja schon einige Male umrundet, ist mir aufgefallen, gibt der graumelierte, dunkelhaarige Mann von sich. Ja, stimmt, er gefällt mir, diese Rundungen, die langgezogenen Kotflügel, das filigrane Interieur, alles ist so einmalig. Können Sie mir mal den Gurt der Motorhaube lösen? Ich würde gerne einen Blick auf den Motor werfen. Selbstverständlich, gerne, erklärt der mittlerweile in eigene Euphorie geratene Mann. Er löst schwungvoll den Ledergurt. Links und rechts hebt er die geteilte Motorhaube in die Höhe. Ich werfe einen Blick auf den Motor. Sieht sauber, recht gepflegt aus. Keine ölverschmierten Teile, keine überlaufenden Flüssigkeitsreste. Alle sichtbaren Kabel daneben, Anschlüsse machen einen soliden Eindruck. Der verkaufsbeauftragte Herr weist mich noch auf die an beiden Seiten im Motorraum oben angebrachten Holzkästchen hin. Darin befinden sich die alten Originalwerkzeuge. Er zeigt mir die unter den Pedalen seitlich angebrachte Kurbel. Diese Kurbel benötigt man für einen eventuell manuellen Start. Wie geil ist denn so etwas? Zu diesem Zeitpunkt kann ich noch nicht ahnen, dass dieses Teil für mich einmal eine wichtige Rolle spielen wird. Vor meinem geistigen Auge laufen bereits sämtliche Spar-, ferner Konto-Guthaben ab. Na ja, der Preis könnte sich ausgehen. Die Folgekosten stellen einen Unsicherheitsfaktor dar. Okay, der gefällt mir. Ungläubig guckt mich mein Gesprächspartner an. Ja, gefällt mir, wiederhole ich. Wie kann ich das verstehen, wird vorsichtig nachgefragt. Ich glaube, den möchte ich gerne erstehen. Verstehen Sie denn etwas von Autos und Technik? Mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck rutscht dem Verkaufsbeauftragten dieser Satz aus dem Mund. Nein, keine Spur, erwidere ich. Wie wollen Sie das denn in den Griff bekommen? Learning bei doing! Sie sollten das wirklich wollen? Ja. Sollen wir dann einen Abschluss machen? Nein, nein, so schnell schießen die Preußen nicht. Vorher möchte ich eine Probefahrt machen, sehen, ob ich überhaupt in der Lage bin, dieses Vehikel zu manövrieren. Außerdem möchte ich das Teil noch überprüfen lassen. Mein Gesprächspartner schlägt sofort einen ihm bekannten Mechaniker vor, der sehr zuverlässig und gut sein soll. Ich möchte nicht beleidigend wirken, doch ich habe auch schon einiges über verlässliche Mechaniker erfahren. So entgegne ich mich höflich bedankend, selbst