Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
In der völlig neuen Romanreihe "Fürstenkrone" kommt wirklich jeder auf seine Kosten, sowohl die Leserin der Adelsgeschichten als auch jene, die eigentlich die herzerwärmenden Mami-Storys bevorzugt. Romane aus dem Hochadel, die die Herzen der Leserinnen höherschlagen lassen. Wer möchte nicht wissen, welche geheimen Wünsche die Adelswelt bewegen? Die Leserschaft ist fasziniert und genießt "diese" Wirklichkeit. "Fürstenkrone" ist vom heutigen Romanmarkt nicht mehr wegzudenken. »Die vielen hellen Stellen an den Wänden. Es hingen einmal Gemälde dort, nicht wahr, Herr Friedhelm?« Ratlos sah Ariane den alten Diener an, der von Buchenau nicht fortzudenken war. Er bemühte sich sehr, die gebeugten Schultern zu straffen, doch es gelang ihm nicht. Er nickte traurig, und seine Augen verschleierten sich. »Ja, es hingen sogar sehr kostbare Gemälde dort, darum haben wir sie ja auch verkaufen können.« »Wir?« fragte sie und merkte nicht einmal, wie heftig ihre Stimme klang. »Wer ist wir?« Sein Gesicht war voll stiller Würde. »Jedes Bild, das wir verkauften, suchte Ihr Herr Vater persönlich aus, Komteßchen. Ohne Wissen Ihres Herrn Vaters wurde nichts veräußert.« »Papa wußte es also«, murmelte Ariane. Sie drehte sich um und ging zum Fenster hinüber, lehnte die Stirn an das kühle Glas, und starrte auf den Park. Er hörte nicht mehr so gut, der alte Diener von Buchenau, er mußte sich sehr anstrengen, um Arianes leise Worte zu verstehen. »Nur dieser Teil des Parks wird gepflegt. Der hintere Garten sieht genauso schrecklich aus wie diese Zimmer.« Der alte Diener ahnte, wie es der jungen Komteß zumute sein mußte. Er hätte ihr so gern etwas Tröstliches gesagt.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 138
Veröffentlichungsjahr: 2023
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
»Die vielen hellen Stellen an den Wänden. Es hingen einmal Gemälde dort, nicht wahr, Herr Friedhelm?«
Ratlos sah Ariane den alten Diener an, der von Buchenau nicht fortzudenken war. Er bemühte sich sehr, die gebeugten Schultern zu straffen, doch es gelang ihm nicht.
Er nickte traurig, und seine Augen verschleierten sich.
»Ja, es hingen sogar sehr kostbare Gemälde dort, darum haben wir sie ja auch verkaufen können.«
»Wir?« fragte sie und merkte nicht einmal, wie heftig ihre Stimme klang. »Wer ist wir?«
Sein Gesicht war voll stiller Würde.
»Jedes Bild, das wir verkauften, suchte Ihr Herr Vater persönlich aus, Komteßchen. Ohne Wissen Ihres Herrn Vaters wurde nichts veräußert.«
»Papa wußte es also«, murmelte Ariane. Sie drehte sich um und ging zum Fenster hinüber, lehnte die Stirn an das kühle Glas, und starrte auf den Park.
Er hörte nicht mehr so gut, der alte Diener von Buchenau, er mußte sich sehr anstrengen, um Arianes leise Worte zu verstehen.
»Nur dieser Teil des Parks wird gepflegt. Der hintere Garten sieht genauso schrecklich aus wie diese Zimmer.«
Der alte Diener ahnte, wie es der jungen Komteß zumute sein mußte. Er hätte ihr so gern etwas Tröstliches gesagt.
»Wir sind alle so froh, daß Sie gekommen sind, Komteßchen. Ihre Großmutter war außer sich vor Freude. Sie wissen doch, sie kann ihre Gefühle nicht so zeigen. Entschuldigen Sie, daß ich mir die Freiheit nehme, darüber zu sprechen, aber ich meine, Sie sollten wissen, wie wichtig Sie für Buchenau sind und in erster Linie natürlich für unsere von uns allen so verehrte Gräfin.«
Ariane nickte. Sie hätte ihm sagen können, daß sie nicht gern gekommen war. Sie wollte nur wenige Wochen bleiben, denn ab Oktober würde sie die Universität besuchen.
»Ich habe Angst gehabt, zu kommen«, sagte sie leise, wider Willen, und sie sah den Diener bei ihren Worten nicht an. »Papa hat mich gewarnt, er sagte, daß vieles hier verändert ist. Aber ich habe nicht damit gerechnet, wie sehr sich alles verändert hat.« Sie steckte die Hände in die Taschen ihres weitgeschnittenen Rocks und blickte noch immer gedankenvoll auf den Park.
»Wir versuchen, die drei Zimmer, die die Gräfin bewohnt, so instand zu halten, wie sie früher waren. Und auch diesen Teil des Parks. Von ihren Fenstern sieht sie nur diese Eckchen.«
Ariane hob erstaunt den Kopf mit den rotbraunen Haaren.
»Heißt das, daß Großmama nur drei Zimmer bewohnt?« fragte sie ungläubig.
Sein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen. Wie sehr Ariane ihrer Großmutter glich, die Letzte der Buchenau, das letzte Glied einer langen Kette. Als er aufs Schloß gekommen war, war die alte Gräfin so alt gewesen wie dieses Mädchen jetzt und hatte auch genauso ausgesehen. Nur hatte sie sich nie herabgelassen, so natürlich mit ihm zu sprechen, wie die Komteß.
»Ja, sie bewohnt nur die unteren drei Zimmer. Sie verlangt nie danach, die anderen Räume zu sehen. Und wir können unmöglich alle Zimmer in Ordnung halten. Im Laufe der Zeit ist das übrige Personal entlassen worden, nur die Köchin, ein Stubenmädchen und ich sind übriggeblieben.«
»Großmama ist wirklich eine kluge Frau.« Ariane sprach langsam und drehte sich zögernd ins Zimmer zurück. Die vielen leeren Stellen an den Wänden betrachtete sie nicht mehr.
»Sie weiß bestimmt, wie es im Schloß aussieht, auch wenn sie nicht darüber spricht. Es wäre alles leichter, wenn Papa Landwirt geworden wäre.«
»Das Gut erbte bei den Buchenaus immer der älteste Sohn, und als Graf Ulrich mit fünfundvierzig Jahren starb, war Ihr Vater längst Professor und lehrte an der Universität. Sollte er damals noch den Beruf wechseln? Die Gräfin hat es nie von ihm verlangt.«
»Aber sie hoffte, daß Mama noch einen Buben bekäme. Die Tatsache, daß ich ein Mädchen war, ist für Großmama eine große Enttäuschung gewesen. Ja, wenn ich noch einen Bruder hätte, dann wäre alles leichter für sie.«
In Arianes Augen standen Tränen, und die fein geschwungenen Lippen zuckten.
»Ich bin als Kind so gern auf Buchenau gewesen.«
»Aber dann sind Sie nicht mehr gekommen«, sagte der getreue Alte mit leisem Vorwurf.
Sie nickte nachdrücklich und strich sich ungeduldig eine Locke aus der Stirn.
»Nein, danach bin ich nicht mehr gekommen. Ich hörte einmal zufällig, wie Großmama zu Papa sagte: Warum, zum Donnerwetter, ist Ariane denn kein Junge geworden? Ich bin sehr unzufrieden mit euch!«
Trotzig hob sie den Kopf und sah den alten Diener an.
Sie erinnerte sich noch so genau an jenen Tag und daran, wie sie damals davongelaufen war und sich im hintersten Winkel des Parks versteckt hatte.
Sie war zornig und traurig zugleich gewesen.
»Ich liebte Großmama so sehr«, sagte sie leise, mit spröder Stimme, »aber ich wollte sie nicht mehr gern haben. Als Kind bildete ich mir ein, sie habe mich nicht lieb.«
»Aber wie konnten Sie so etwas glauben?« rief Friedhelm entsetzt. »Haben Sie denn nicht mit Ihren Eltern über das Gehörte gesprochen?«
»Nein. Dazu war ich zu stolz oder zu dumm. Nein, ich habe es für mich behalten und hatte schreckliches Mitleid mit mir selbst. Aber ich wollte meine Ferien nicht mehr auf Buchenau verbringen.«
»Und haben Ihre Großmutter damit sehr traurig gemacht.« Friedhelm schüttelte resigniert den Kopf. »Sie hat so sehr auf Ihren Besuch gewartet, von einer Ferienzeit zur anderen. Und oft sagte sie: ›Herr Friedhelm, das Kind hat uns vergessen, auch wenn es seine pflichtschuldigen Briefe schreibt. Es ist eben kein Landkind, es ist ein Stadtfratz wie ihre Mutter.«
»Das Heimweh nach Buchenau ist immer in mir gewesen, aber ich redete mir ein, ich wäre hier nicht willkommen, und es war mir auch ganz verständlich, daß Großmama lieber einen Enkel gehabt hätte als eine Enkelin.«
Friedhelm winkte heftig ab.
»Nicht für sie selbst war es wichtig, sondern nur für Buchenau. Sie hoffte natürlich, daß ein Junge geboren wurde, der den Namen Buchenau weiterträgt und vielleicht das Gut erben konnte. Sie bildete sich auch ein, ein Buchenau könnte das Wunder vollbringen und das Gut in seinem alten Glanz wieder erstehen lassen.«
Eine schrille Klingel gellte durch das Haus.
»Zweimal, das ist für Sie, Komteßchen!« rief Friedhelm nervös. »Wollen Sie gleich zu ihr gehen? Sie ist es nicht gewohnt zu warten.«
»Ich gehe ja schon. Friedhelm, bitte, sagen Sie nicht Komteßchen zu mir. Diese Anrede ist mir fremd. Bei allen Freunden und Bekannten zu Hause bin ich nur Ariane oder Fräulein Ariane. Auch Papa führt kaum seinen Titel.«
Friedhelm schüttelte nur entrüstet den Kopf über solch lockere Sitten und humpelte zur Tür. Er öffnete sie und machte sogar eine kleine Verbeugung, als Ariane hindurchschritt.
Hier schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Unwillkürlich sah Ariane sich in der mit herrlichen antiken Möbeln eingerichteten Halle um.
»Da bist du ja endlich!« Die gereizte Stimme der Großmutter empfing Ariane schon, bevor sie die dunkle Eichentür geöffnet hatte. »Du hast mich lange warten lassen.«
Ariane hatte schon eine heftige Entgegnung auf der Zunge, denn sie war es nicht gewohnt, daß man in diesem Ton zu ihr sprach. Aber dann sah sie in das schmale, von vielen Falten durchzogene Gesicht unter den weißen, kunstvoll frisierten Haaren. Heißes Mitleid überflutete Arianes Herz.
»Entschuldige, Großmama.« Der dicke Teppich verschluckte Arianes leichten Schritt. Sie lächelte die alte Dame liebevoll an. Die Großmutter saß kerzengerade auf dem Gobelinsessel, lehnte nicht einmal den Rücken an das gestickte Polster. »Ich habe mit Herrn Friedhelm meine Zeit verplaudert.«
Eine senkrechte Falte erschien auf der hohen Stirn.
»Du hast mit Friedhelm geplaudert? Du drückst dich ein wenig sonderbar aus, Kind. Man plaudert nicht mit dem Personal, man gibt diesen Menschen Anweisungen oder wechselt einige Worte mit ihnen.«
Ariane setzte sich auf den Fußschemel und sah lächelnd zu der Großmutter auf. »Wie sonderbar das auf Buchenau alles ist. In der Stadt kümmert sich niemand um Titel oder Herkunft. Ich meine, da ist der Mensch wichtig, nicht seine Herkunft. Warum siehst du mich so strafend an? Wenn du mich so ansiehst, bist du im höchsten Grade unzufrieden, das habe ich nicht vergessen. Jetzt möchte ich am liebsten meine Frisur richten oder mein Kleid betrachten, ob etwas daran nicht in Ordnung ist.«
Wider Willen mußte die Gräfin lächeln. Ach, es lag ihr so viel daran, daß dieses Kind verstand, was sie von ihr wollte.
*
Als Friedhelm ins Zimmer kam und seine Herrin lachen hörte, bekam er ganz verklärte Augen. Er schob den Teewagen mit Geschirr und Gebäck vorsichtig bis zu dem Sessel der alten Dame.
»Laß nur alles so stehen, Friedhelm, heute wird meine Enkelin den Tee einschenken.«
»Wie nimmst du deinen Tee? Mit Milch, mit Zucker?«
»Siehst du, das würdest du wissen, wenn du auf Buchenau nicht ein so seltener Gast wärest. Jedes andere Enkelkind wüßte so etwas von seiner Großmutter. Wirklich, Kind, du hast mich sträflich vernachlässigt. Eigentlich sollte ich sehr gekränkt darüber sein«, ein tiefer Seufzer folgte, »aber ich habe keine Zeit zu verschenken, und da will ich mich nicht mit Schmollen aufhalten. Gekränktsein ist eine so nutzlose Zeitvergeudung. Ich will lieber die Zeit mit dir genießen«, und leise, wie zu sich selbst fügte sie hinzu, »wer weiß, wieviel Zeit mir noch bleibt.«
»Noch viel Zeit, Großmama«, rief Ariane spontan aus. Ängstlich musterte sie das aristokratische, strenge Gesicht. »Du fühlst dich doch wohl, Großmama?«
»Sehr wohl, Kind. Aber du sollst dich auch wohl bei mir fühlen, und darum werde ich dafür sorgen, daß du nicht nur mit mir alten Frau vorliebnehmen mußt. Heute abend bekommen wir Besuch. Ich habe schon in der Küche Bescheid gesagt, daß die Köchin endlich einmal wieder ein festliches Essen serviert. Heute abend wird ein Gedeck mehr aufgelegt.«
An Besuch war Ariane überhaupt nicht interessiert. Aber höflich wie sie war, fragte sie gutmütig:
»Und wer wird kommen, Großmama?«
»Du wirst den Namen vermutlich nie gehört haben. Ich habe schon begriffen, daß Namen, und wenn es noch so alte, vornehme sind, dir völlig gleichgültig sind. Oder sagt dir der Name Uhlen etwas?«
Ariane saß auf dem zierlichen Biedermeierstuhl und knabberte genußvoll an den selbstgebackenen Plätzchen.
»Müßte mir dieser Name etwas sagen?«
»Wo sind denn deine Manieren, Kind? Du hast gerade mit vollem Mund gesprochen. Achtet denn bei euch niemand darauf? Sag mal, Ariane, nimmst du meine Ermahnungen eigentlich gar nicht ernst? Sieh mich an, bitte! Du lachst ja! Deine Augen funkeln vor Vergnügen.«
»Ich lache so gern«, entschuldigte das junge Mädchen sich und bemühte sich verzweifelt, ein ernsthaftes Gesicht zu machen. »Sei nicht böse, Großmama, aber du tust wirklich so, als wäre mein Benehmen ein Weltuntergang. Wer ist also dieser oder diese Uhlen?«
»Baron Uhlen. Freiherr von Uhlen. Du weißt natürlich, daß ein Baron ein niederer englischer Adelsrang ist. Aber die Uhlen sind durchaus gesellschaftsfähig. Ich weiß wirklich nicht, Ariane, warum du so albern vor dich hingluckerst. Sie bewohnen seit einiger Zeit Gut Uhlen, früher hieß es Mühlenhof. Du kennst es, die Ländereien grenzen an unser Land. Im achtzehnten Jahrhundert gehörte dieses Gut zu Buchenau. Damals war ein Graf Buchenau auch in finanziellen Schwierigkeiten«, fügte sie mit einem Seufzer hinzu.
Ariane saß ganz still, und die alte Dame betrachtete das Mädchen wohlwollend. Wieviel Anmut und Charme von ihr ausging! Ja, Ariane war trotz der miserablen Erziehung ihrer Mutter unbedingt etwas Besonderes. Sollte sie ihre Schwiegertochter einmal allein sprechen, würde sie, Gräfin Buchenau, ihr einiges zu sagen haben.
Halblaut, als befürchte sie, außer Ariane könnte noch jemand zuhören, sagte sie:
»Du hast natürlich längst gemerkt, daß vieles auf Buchenau nicht mehr so ist, wie es sein sollte.«
»Ja, Großmama.«
»Diese Tatsache macht dich traurig, nicht wahr?«
»Es macht mich sehr traurig, Großmama.«
Die grünen Augen der alten Dame blitzten vor Genugtuung.
»So bist du doch trotz deiner Einstellung eine echte Buchenau. Es wäre mit dem Gut nicht so weit gekommen, wenn mein Sohn Ulrich noch lebte. Ein Gut braucht eine feste, starke Hand und einen klugen Kopf. Mein Vater sagte oft, man kann einen Gutsbesitzer mit einem Feldherrn vergleichen. Es braucht sehr viele Fähigkeiten, um ein Gut zu leiten. Also, heute abend ist Thomas von Uhlen unser Gast. Ich freue mich, daß endlich wieder ein wenig Leben ins Schloß kommt. Es ist lange genug still um mich herum gewesen. Was wirst du heute abend anziehen, Ariane? Ich bin es gewohnt, mich, wenn ich allein speise, zum Dinner umzuziehen. Heute abend aber werde ich mich besonders
hübsch machen. Mit einem trockenen Lachen setzte sie hinzu: »Wahrscheinlich bemerkt Thomas Uhlen es nicht einmal, denn er wird nur Augen für dich haben. Mit einem festlich gedeckten Tisch und durch passende Kleidung zeigt man dem Gast, wie sehr man seinen Besuch zu schätzen weiß.«
»Ich besitze nur zwei Abendkleider, Großmama, und habe eines davon mitgebracht. Ich fürchte, viel Staat kannst du nicht mit mir machen.« Ein weiches Lächeln umspielte den Mund.
»In diesem Alter schmückt noch das schlichteste Kleid, liebes Kind. Sollte dir aber Garderobe fehlen, so werde ich selbstverständlich die Schneiderin aufs Schloß beordern. Ich wünsche mir, daß du hier glücklich bist, liebes Kind. Ich möchte dir so viele Wünsche erfüllen, wie ich nur kann.
»Ich bin hier glücklich«, Ariane war aufgestanden und schmiegte zärtlich ihr Gesicht an die Wange der Großmutter. Ganz reglos saß die alte Dame und nahm die Zärtlichkeit der Enkelin wie ein kostbares Geschenk an. Tränen des Glücks und der Dankbarkeit verschleierten ihre Augen.
»Großmama, ich will dich mit meinen Worten und Ideen nie ärgern. Aber ich möchte dir auch all meine Gedanken sagen, ohne groß darüber nachzudenken, ob es kluge, oder törichte Gedanken sind. Ich habe bei dir einfach kein Gefühl der Fremdheit, obwohl wir uns doch so lange nicht gesehen haben, und wenn, dann immer nur für Augenblicke. Ich bin sehr froh, Großmama, daß es dich gibt.« Die sorgfältig gepflegte Hand der alten Dame strich zärtlich über Arianes Finger.
»Kind«, sagte die Gräfin nur und ihre Stimme schwankte. Aber dann richtete sie sich energisch auf, strich sich über ihre Stirn und befahl streng: »Vor dem Dinner wirst du zu mir ins Zimmer kommen, damit ich dich begutachte. Der erste Eindruck ist sehr oft entscheidend, liebes Kind.«
Ariane knickste gehorsam wie ein Stubenmädchen. Wieder mußte die alte Dame unwillkürlich lachen. Und als sie schon längst allein war, faltete sie ihre gichtgekrümmten Hände, warf einen langen Blick zu dem kostbaren Hausaltar hinüber und schickte ein stummes Dankgebet zum Himmel.
*
Am Abend hatten die beiden Damen gerade im Kleinen Salon Platz genommen, als Baron Uhlen gemeldet wurde.
Friedhelm trug eine altmodische Livree. Der blaue Samt der Jacke glänzte am Kragen und an den Armen ein wenig, und in Arianes Augen sah der alte Getreue rührend aus. Irgendwie fand das junge Mädchen seine ganze Aufmachung ein wenig lächerlich.
Ariane hatte erwartet, einem Herrn im Alter ihres Vaters vorgestellt zu werden. Sie stand neben dem Stuhl ihrer Großmutter und blickte entgeistert dem jungen Mann entgegen, der in einem eleganten Abendanzug das Zimmer betrat. Er bewegte sich mit lässiger Eleganz. Ariane konnte nicht verhindern, daß ein feines Rot in ihre Wangen stieg, als sie seinem bewunderndem Blick begegnete.
»Guten Abend. Haben Sie herzlichen Dank für Ihre Einladung.« Er küßte artig die huldvoll gereichte Hand der alten Gräfin, überreichte ihr einen wundervollen, nicht zu üppigen Blumenstrauß und begrüßte danach Ariane. »Sehr erfreut«, murmelte er, und seine grauen Augen lächelten sie bewundernd an.
Verstohlen warf Ariane einen Blick in den kostbaren venezianischen Spiegel. Hätte sie sich doch mehr Mühe mit ihrer Garderobe gegeben. Aber ihr hatte es vollauf genügt, daß ihre Großmutter mit ihr zufrieden war.
Zu Arianes Erstaunen schwand ihre Verlegenheit vollkommen, als sie sich an dem festlich gedeckten Tisch gegenüber saßen. Es kam nicht eine Minute Verlegenheit auf. Einmal sagte der Baron in seiner natürlichen fröhlichen Art:
»Ich bin sehr froh, daß ich nicht mehr in der Stadt leben muß. Ich hatte gräßliches Heimweh nach Uhlen, besonders nach Dolly, meinem Hund, und nach den Pferden. Es ist schwierig, in der Stadt Tiere zu halten.«
»Da haben Sie recht«, bestätigte Ariane lebhaft. »Natürlich kann man auch in der Stadt reiten, aber wer hat da nicht Mitleid mit den Pferden? Entweder bewegt man sie nur in der Halle, oder man reitet mit ihnen durch den Park, und selbst da muß man sie vor Autos schützen.«
»Sie reiten?«
Ariane wiegte lachend den Kopf. Ihre Verlegenheit war inzwischen völlig verflogen, und ihr war, als würde sie den Baron schon eine Ewigkeit kennen.
»Ich weiß nicht, ob Großpapa, wenn er noch lebte, das reiten nennen würde. Er war ein hervorragender Reiter, müssen Sie wissen. Papa findet mich auf dem Pferderücken ganz passabel, aber er hat das auch gesagt, wenn ich wie ein Mehlsack auf dem Pferdrücken hänge, um mir Mut zu machen.«
