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Zwei "Notfelle" suchen dringend ein neues Zuhause, nämlich zwei weiße Salukimädchen, deren Frauchen ganz plötzlich schwer erkrankt ist. Da passt es gut, dass Tapsy, die eigentlich Taslima heißt und altem Saluki-Adel entstammt, gerade ihre Vizemami, Nokia, verloren hat, eine ausgediente Rennhündin aus Barcelona. Das Ambiente passt, nämlich ein Chateau in Frankreich mit riesigem eingezäuntem Park, wo schnelle Hunde nach Herzenslust toben können. Die Autorin, selbst von Haus aus Zoologin und Hundekennerin, erzählt anschaulich mit vielen Fotos, aber auch einfühlsam und lustig vom schwierigen Eingewöhnen und lässt die beiden Waisenkinder selbst Briefe schreiben, nämlich an ihr krankes Frauchen in Deutschland. So verbindet sich für einen Sommer das Schicksal eines Menschen mit dem seiner zwei Hunde, die das Fröhlichsein wieder neu erlernen müssen. +++ Christine Belz, von Haus aus Zoologin und einfühlsame Hundekennerin, berichtet humorvoll und anschaulich von den Abenteuern, die sie mit ihren sensiblen Pelznasen erleben durfte.
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Seitenzahl: 71
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Christine Belz
Eine Hundegeschichte in Briefen und Bildern
Ein Sommer mit Suleika Christine Belz Copyright: © 2016 Christine Belz
Published by: epubli GmbH, Berlinwww.epubli.de ISBN 978-3-8442-4470-0
An der Vogeltränke, die „Notfelle“ sind gerade angekommen.
Einigen Zufällen im Vorfrühling des Jahres 2002 ist es zu verdanken, dass zwei „Notfelle“ zu uns gekommen sind.
Tapsy, die eigentlich Taslima heißt, unsere eigenwillige Saluki-Dame, hat es uns jeden Tag gesagt: „ich brauche Gesellschaft.“
Ihre geliebte Freundin Nokia, unsere Renn-Grey aus Barcelona, die sie groß gezogen hat, was eine eigene Geschichte ist, Nokia war im vergangenen Herbst zutiefst betrauert an den Folgen eines Knochen-Carcinoms verstorben. Jetzt war Tapsy schon einige Monate alleine, zeigte uns täglich, dass es so nicht weiter ging.
Salukis, alle, die diese Hunderasse kennen wissen es, sind keine Allein-Hunde. Sie waren immer in der Gruppe. Und mehr noch, nur im sozialen Verband können sie ihre besonderen, Eigenheiten entwickeln und ausleben.
Nachdem eine Suche in den hiesigen Tierheimen erfolglos war — Salukis sind, wie alle Windhunde „Rassisten“, bevorzugen immer andere Windhunde als Gesellschafter —alarmierten wir einen Windhundnotdienst in Deutschland.
Mitte Februar kam die erhoffte Nachricht: nicht ein, gleich zwei Salukimädels suchten dringend ein neues Zuhause.
Eigentlich hatten wir uns EINE Freundin für Tapsy gewünscht. Jetzt gab es da plötzlich zwei Hündinnen, die auch noch so schnell wie möglich vermittelt werden sollten.
Ihre Namen:Tamara und Suleika. Die eine, Tamara, eine ganz besonders schöne Hündin, sei drei Jahre, die zweite, Suleika, schon acht Jahre alt.
Anfragen habe es genug gegeben. Aber alle wollten Tamara alleine haben, und das hätte eine Trennung bedeutet, was vor allen Dingen Suleika nicht verkraften würde.
Leider seien sie, die Windhundhilfe, viel zu spät, nämlich erst nach sechs Wochen, verständigt worden.
Ihre Besitzerin sei ganz plötzlich schwer erkrankt und habe im Krankenhaus bleiben müssen. Ihre zwei Hunde seien während dieser ganzen Zeit von Nachbarn versorgt worden, die die Hunde gut kannten.
Der Entschluss, die beiden herzugeben, sei verständlicherweise nicht leicht gefallen. Wir beide, Norbert und ich, haben nicht lange gebraucht für die Entscheidung: wir nehmen sie, natürlich beide.
Und als wir die ersten herzerweichenden Fotos sahen, waren wir sowieso dahin geschmolzen. Zwei nahezu weiße Hündinnen, die passten außerdem sehr genau in unser beider „Beuteschema“. Norbert hat sich immer helle Hunde gewünscht, schon weil man bei ihnen die Alterszeichen (die weißen Altersgesichtchen, die viele zeigen), nicht so sähe.
Grey-Hündin Nokia mit Tapsy, als die noch klein war.
Also gaben wir unser Einverständnis weiter und luden Familie Weber* ein, uns mit den beiden besuchen zu kommen.
Es waren dieselben, die Tamara und Suleika über die ganze Zeit versorgt hatten. So stand in unserem Einladungstext auch:
„[…] Wir freuen uns auf Ihr Kommen, wie Sie uns zusagten, noch in dieser Woche. Die Verhältnisse, die die Hündinnen bei uns antreffen werden, dürften sie zufrieden stellen: ein komplett von einem 2,20 m hohen Zaun eingefriedetes Terrain von knapp 6 ha Größe mit Wald und Wiese darinnen stünden ihnen zur freien Verfügung. Natürlich lebten und leben alle unsere Hunde mit uns im Haus.“
Alleine die Vorstellung, solche Hunde in einem Zwinger zu halten, käme uns als eine besonders tierquälerische Maßnahme vor. Salukis sind Menschenhunde. Was sie alles „drauf“ haben, das zeigen sie am schönsten in der Nähe ihrer geliebten Menschen. Deren Haus und Leben sie miteinander teilen. Das gilt natürlich auch für alle anderen Windhundrassen. Wozu auch die Greys gehören.
Nokia, unsere schöne Greyhündin, ist im Alter von fünf Jahren von der Hunderennbahn in Barcelona gerettet worden. Dort hatte sie IMMER in einem Käfig mit Betonfußboden gelebt, aus dem sie täglich nur zum Training oder zu Rennen befreit worden ist. Deshalb ist die Unterseite ihrer gewölbten Brust nackt gewesen, nie mehr hat sich dort mehr Pelz gebildet, wie er den Rest der schönen Hündin bekleidete.
Glücklicherweise für uns: ihr Zutrauen, ja ihre absolute Menschenfreundlichkeit, die hat sie sich dennoch bewahrt und wir durften, so lange sie bei uns war, uns an einer eigentlich perfekt erzogenen liebenswürdigen Hündin erfreuen. Die sofort, nachdem sie zum ersten Mal in ihrem Leben ein Haus, gar eine Treppe kennen gelernt hatte, dieses ganze Haus samt aller Liegeplätze und uns gleich mit in Beschlag nahm, als sei es immer so gewesen.
Tamara der Flokatihund mit Tapsy auf der Frühlingswiese.
Aber, halt! Hier geht es ja um Tapsy, Tamara und Suleika. Die eines mit Nokia gemeinsam hatten, eine, man kann es wirklich nur so formulieren, unnachahmliche Noblesse. Alle unsere Windhunde sind so gewesen, auch unser unvergesslicher Windhund-Mix Daisy.
Der besten Freundin schrieb ich, kaum, dass die beiden angekommen waren:
„Unsere Mädels sind noch spannend, insoweit, als Tapsy immer noch mit Leine von den Neuen ferngehalten wird – wir wollen Weibergezänk vermeiden. Darüber hinaus haben wir auch den Foxel Rom von unseren lieben Nachbarn – nicht die von der Manège, sondern von le Vieux Marigny hier, der sich als ständiger Gast allmorgendlich seinen Weg zu uns herüber gräbt. Dessen Leben gilt es jetzt mehrfach täglich zu retten, denn unsere weiße Flotte, vor allen Dingen Suleika, wollen ihm ans Leder, was ihn allerdings nicht daran hindert, es ständig aufs Neue zu versuchen. Ein typischer Foxterrier eben.
Als Familie Weber heute abreiste, gab es hier ein schreckliches Wehgeheul, und seitdem trösten wir die beiden. Besonders schlimm war die Trennung für die achtjährige Suleika (die sie Leika rufen), die sich jetzt noch mal ganz von vorne eingewöhnen muss. Nun, wir tun, was wir können!
Die drei Weißen bei ihrer Ankunft. Von links: Tamara, Zaha, Suleika
Heute Mittag lag ich beispielsweise zu Siesta-Zeiten in einem der Gästebetten – die beiden hatten ja mit Webers dort zusammen übernachtet, der Rest des Hauses ist ihnen noch fremd. Da dachte ich mir: so fällt Euch das Eingewöhnen bestimmt leichter! Die eine Neue hatte ich zu meinen Füßen, die andere auf dem Bauch – das scheint ihnen gefallen zu haben, und so folgen sie mir jetzt auf Schritt und Tritt nach der Devise: Die wollen wir nicht auch noch verlieren.
Die Jüngere der beiden, Tamara, sieht aus wie eine verwunschene Prinzessin, mit den längsten Fransen, die ich je bei einem Saluki gesehen habe. Beide sind fast weiß, mit gelben Flecken, natürlich den dunkel geschminkten Märchenaugen wie sie auch Tapsy besitzt, bloß insgesamt noch zarter, der Pelz mit viel Unterwolle noch weicher – Ihr merkt: wir sind hin und weg! Suleika, die Ältere, ist sehr zart und zierlich, mit besonders langen Ohrfransen und dunklen Kulleraugen, die sie höchst wirkungsvoll einzusetzen weiß.
Die Besitzerin der Hunde ist im Krankenhaus, das sie aufsuchte wegen einer nicht enden wollenden Bronchitis – und dann fanden sie ein fortgeschrittenes Lungenkarzinom. Nun erhält sie Chemotherapie. Seitdem wurden die Hunde von den Nachbarn versorgt, denselben, die sie uns auch brachten. Sechs Wochen ging das schon so: Diese absolut menschenbezogenen Tiere waren in dieser Zeit allein im Haus, Herr oder Frau Weber, die selbst eine Saluki-Hündin haben, die Schwester von Suleika namens Zaha, kamen vier bis fünfmal täglich zu ihnen, sie füttern, ausführen, ihnen Gesellschaft leisten.
In dieser Zeit wurde Herr Weber für die beiden zu ihrem Ersatz-Herrchen. Suleika und Tamara nahmen dieses ständige Kommen und wieder Gehen als einschneidende und überwiegend schmerzvolle Erfahrung wahr: kaum war der neue Bezugsmensch da, ging er schon wieder.Und jetzt bei uns wieder eine Trennung, und auch noch endgültig, das war des Guten zu viel. Es sind eben ganz besonders sensible Hunde. But we do our best. (s.o.!)
Ich muss wieder hinunter, nach den Bestien schauen – eben sehe ich: eine blonde liegt bei mir hier oben: sie gewöhnen sich!“
Noch ein Schmankerl in Sachen Tierliebe bei der Belz-family gestern Abend: als Familie Weber abgereist war und wir den Abschiedsschmerz einigermaßen gelindert hatten, Du weißt schon wie, kam die große Frage: wie und wo verbringen wir unsere Nacht mit dem Familienzuwachs?
So sieht das bei Belz aus, wenn Frauchen nicht da ist: Tapsy, Tamara, Sascha, Tamara im Übrigen und sehr gerne auf dem „Chefsessel“, nämlich Mamas Kopflissen.
Norbert kam auf die blendende Idee: du gehst mit Tapsy, wie gewohnt in dein Schlafzimmer und Bett und ich lasse bei mir alle Türen offen, dann können die zwei Neuen machen was sie wollen! Gesagt getan! Ich bettete mich so gegen 11 Uhr zur Ruhe, natürlich mit Tapsy zu meinen Füßen, als größere Heulgesänge das Haus zu erschüttern begannen.
Die Ruhe war dahin, ich eilte hinunter ins Wohnzimmer, wo die beiden geblieben waren und sangen, was das Zeug hielt.
