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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Isabella lag in der Bibliothek des Schlosses und schlief. Zensi hatte ihr eine Mappe mit alten Rezepten gegeben, die Mitarbeiter der Schlossküche über einen langen Zeitraum niedergeschrieben hatten. Teilweise waren es bekannte traditionelle Rezepte, aber auch viele neue Kreationen. Isabella war beim Lesen eingeschlafen. Die Mappe war ihr vom Schoß gerutscht und zu Boden geglitten. Viele lose Blätter lagen verstreut auf dem dicken Teppich. Thilda, ihre Schwiegermutter, saß in einem Sessel, der ganz in der Nähe stand. Sie beobachtete die schlafende Isabella, deren eine Hand auf der Wölbung ihres Bauches lag. Die schweren Vorhänge an den raumhohen französischen Fenstern waren alle bis auf einen Spalt zugezogen. Dort fielen Sonnenstrahlen in den Raum. Thilda beobachtete die winzigen Staubkörnchen, die darin umher tanzten. Sie lächelte vor sich hin, als sie daran dachte, dass ihr Sohn Bernd, statt seinen Nachmittagsschlaf zu halten, in seinem Bettchen gesessen und zugesehen hatte. Er war so fasziniert gewesen, dass er protestierte, wenn sie die Vorhänge aufzog. Thilda überlegte, ob das Madl oder der Bub von Bernd und Isabella das später genauso machen würde. Alles hat sich gut entwickelt, dachte sie. Auch wenn einige Stolpersteine beseitigt werden mussten. Dabei war sie sich nur zu gut bewusst, dass ihr dummes Verhalten die Ursache war. Sie konnte nicht mehr verstehen, dass sie jemals Isabella hatte ablehnen können. Sie hatte mit Hilfe der Therapie von Doktor Josef Jäger alles aufgearbeitet. Ihre Ehe war auch wieder in Ordnung und harmonischer als zuvor.
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Isabella lag in der Bibliothek des Schlosses und schlief. Zensi hatte ihr eine Mappe mit alten Rezepten gegeben, die Mitarbeiter der Schlossküche über einen langen Zeitraum niedergeschrieben hatten. Teilweise waren es bekannte traditionelle Rezepte, aber auch viele neue Kreationen. Isabella war beim Lesen eingeschlafen. Die Mappe war ihr vom Schoß gerutscht und zu Boden geglitten. Viele lose Blätter lagen verstreut auf dem dicken Teppich.
Thilda, ihre Schwiegermutter, saß in einem Sessel, der ganz in der Nähe stand. Sie beobachtete die schlafende Isabella, deren eine Hand auf der Wölbung ihres Bauches lag. Die schweren Vorhänge an den raumhohen französischen Fenstern waren alle bis auf einen Spalt zugezogen. Dort fielen Sonnenstrahlen in den Raum. Thilda beobachtete die winzigen Staubkörnchen, die darin umher tanzten. Sie lächelte vor sich hin, als sie daran dachte, dass ihr Sohn Bernd, statt seinen Nachmittagsschlaf zu halten, in seinem Bettchen gesessen und zugesehen hatte. Er war so fasziniert gewesen, dass er protestierte, wenn sie die Vorhänge aufzog. Thilda überlegte, ob das Madl oder der Bub von Bernd und Isabella das später genauso machen würde.
Alles hat sich gut entwickelt, dachte sie. Auch wenn einige Stolpersteine beseitigt werden mussten. Dabei war sie sich nur zu gut bewusst, dass ihr dummes Verhalten die Ursache war. Sie konnte nicht mehr verstehen, dass sie jemals Isabella hatte ablehnen können. Sie hatte mit Hilfe der Therapie von Doktor Josef Jäger alles aufgearbeitet. Ihre Ehe war auch wieder in Ordnung und harmonischer als zuvor. Karl und sie verstanden sich besser als vor dem großen Streit. Sie hatte mit allen ihren Frieden gemacht, auch mit sich selbst. Isabella nahm inzwischen in ihrem Herzen als Schwiegertochter den Platz ein, den sie einer eigenen Tochter eingeräumt hätte, wenn sie außer Bernd noch eine Tochter bekommen hätte. Isabella war ein herziges Madl. Thilda freute sich für ihren Buben Bernd, dass er in ihr so eine gute Frau an seiner Seite hatte.
In wenigen Wochen, vielleicht sogar in wenigen Tagen würde die Familie Bernd und Isabella um einen Buben oder ein Madl wachsen. Alle freuten sich darauf. Vor allem die alte Gräfin Vinzenzia von Teufen-Thurmann freute sich, als wäre das Kind ihre Urenkelin. Wenn er am Abend aus München kam, fragte Tassilo immer nach Isabellas Wohlbefinden. Das galt auch für Otti, seine Frau. Tom und Julia, die nächste Generation, waren viel unterwegs. Der Adoptivsohn war ein bekannter und sehr geschätzter Architekt, den seine Frau oft zu den Baustellen begleitete. Graf Tassilo hatte damals davon geträumt, dass Tom später die Musikproduktionsfirma und Konzertagentur weiterführen würde. Aber er ließ ihm die Entscheidung. Inzwischen hatte er in Tom und Julias Buben Tim einen Nachfolger gefunden. Er war seit Jahren eng mit Jenny verbandelt, die die Musik sehr liebte.
Das Leben geht oft seltsame Wege, dachte Thilda. Der Mensch denkt und Gott lenkt.
Sie lächelte vor sich hin.
Isabella rekelte sich und wachte langsam auf. Sogleich streichelte sie ihren Bauch.
»Ist es dir unbequem da drin?«, flüsterte Isabella. »Ein bisserl wirst du es noch aushalten müssen. Du schaffst das! Du kannst ruhig strampeln, ich halte das aus.«
Sie öffnete die Augen und sah Thilda.
»Mei, Thilda, sitzt du schon lange hier? Ich bin über dem Lesen eingeschlafen.«
»Du musst dich nicht entschuldigen, Isabella. Schlaf tut dir gut und dem Kindl auch.«
Thilda stand auf und sammelte die heruntergefallenen Blätter auf.
Isabella setzte sich auf.
»Ich freue mich über deinen Besuch. Schade, dass ich die Zeit verschlafen habe.«
»Das muss dich nicht ärgern. Ich bin hier und bleibe, bis das Kindl auf der Welt ist. Karl ist auch da. Er ist hinübergefahren zum Reiterhof. Wir dachten uns das so. Karl pendelt jeden Tag nach Kirchwalden in die Firma. Aber nur für einen halben Tag. Mittags ist er hier.«
Isabella grinste. Sie setzte sich auf und sagte:
»Kann es sein, dass euch Martin oder Zensi dazu angestiftet haben? Sie sind offensichtlich der Meinung, dass ich bis zur Niederkunft Aufpasser benötige. Ich soll mich viel ausruhen. Zugegeben, ich hatte ein wenig Rückenschmerzen. Martin sagte, dass sei in der Endphase oft so. Durch den dicken Bauch verändere sich die Körperhaltung und daher kämen die Rückenschmerzen. Ich soll mich oft hinlegen, was ich tue. Aber Aufpasser brauche ich nicht. Ich bin nicht krank. Ich bin schwanger. Schwangerschaft ist keine Krankheit.«
»Ich bin keine Aufpasserin. Das ist ein hässliches Wort. Ich will dir nur Gesellschaft leisten, damit du dich nicht langweilst. Ja, ich gebe zu, dass Zensi die Anstifterin war.«
Isabella lachte.
»Die gute Zensi ist wirklich eine Glucke. Aber man muss sie einfach gernhaben. Ich gebe zu, dass mir der Mutterschutz nicht bekommt. Den ganzen Tag keine Aufgabe zu haben, das hat mich genervt. Deshalb kam ich jeden Tag rüber und übernahm leichte Aufgaben. Dann ging der Tag bis zum Abend schneller vorbei. Bernd hat viel zu tun und kommt meistens später.«
»Ich weiß Bescheid, Isabella. Zensi hat mich eingeweiht. Jetzt bin ich da. Jetzt hast du Gesellschaft.«
Isabella schüttelte den Kopf.
»Thilda, denke bitte nicht, dass ich es nicht zu schätzen weiß. Aber ich fühle mich kontrolliert, wenn du den ganzen Tag um mich herum bist. Ich bin froh, dass du und Karl hier seid. Aber ich brauche Zeit zum Alleinsein. Ich kann es nicht ertragen, ständig unter Beobachtung zu stehen. Verstehst du?«
Thilda seufzte.
»Ja, irgendwie kann ich es verstehen. Also, wie machen wir es?«
»Nun, du machst dir hier eine schöne Zeit. Wenn Zensi, Tassilo, Otti nicht hier sind und Bernd arbeitet, ist es sicherlich sinnvoll, wenn du in der Nähe bist. So kann ich dich rufen, wenn etwas sein sollte. Ansonsten bitte ich dich herzlich, mich nicht mit deiner Besorgnis zu nerven. Okay, nerven ist vielleicht etwas hart gesagt. Lass mich einfach meinen Tag leben. Ich werde mich ausruhen. Mir genügt es, wenn ich weiß, dass ich dich rufen kann. Unterstütze Zensi! Sie hat viel zu tun, weil sie die Organisation des Haushaltes übernommen hat und sich um das Institut Villa Lohe kümmern muss.«
»Wenn das dein Wunsch ist, mache ich das gern. Ich bin auch nicht der Typ, der nur herumsitzen kann«, antwortete Thilda.
»Gut, dann sind wir uns einig«, freute sich Isabella.
Sie lächelten sich an.
»Okay, du sagst mir, was zu tun ist«, sagte Thilda.
»So machen wir es. Du kannst gleich damit beginnen. Richte eine Brotzeit für das Abendessen. Schichte alles auf Platten und stelle sie in den Kühlschrank. Alle kommen zurzeit zu unterschiedlichen Zeiten nach Hause. Da sind kalte Platten am sinnvollsten.«
»Das stimmt«, antwortete Thilda.
»Ich denke, ich muss nicht mit in die Küche kommen. Du kennst dich aus. Ich bleibe hier und studiere weiter die alten Rezepte«, sagte Isabella.
»Ich komme schon klar«, antwortete Thilda. »Und wenn nicht, komme ich zu dir und frage dich.«
»So machen wir es«, stimmte Isabella zu.
Thilda ging hinaus.
Isabella setzte sich in einen der bequemen Ohrensessel und nahm sich wieder die Mappe vor.
Viele der Rezepte waren in altdeutscher Schrift gehalten. Isabella las langsam und tat sich immer wieder schwer mit dem Entziffern. Es kam ihr der Gedanke, dass es nützlich sei, die Texte in den Computer zu übertragen. Vielleicht könnte daraus sogar ein Kochbuch entstehen:
‘Gräfin Vinzenzias gesammelte Rezepte
Küchengeheimnisse aus dem Waldkogeler Schloss’
Damit hatte sie eine Aufgabe für die Tage bis zur Geburt ihres Kindes gefunden. Sie wollte noch am gleichen Tag mit Tassilo sprechen und ihn fragen, ob sie dafür sein häusliches Büro benutzen konnte, wenn er in München weilte.
Die Idee nahm immer mehr Gestalt an. Der Gedanke gefiel ihr sehr. Sie nahm sich vor, später die Rezepte nachzukochen und die Speisen zu photographieren. Damit sich dieser Plan nicht endlos hinzog, wollte sie sich Janas Unterstützung sichern. Im Kochkurs der Hauswirtschafterinnen konnten die Teilnehmerinnen alle Rezepte unter Isabellas und Janas Anleitung an einem oder zwei Tagen zubereiten. So wäre es möglich, schnell die Fotos zu machen.
Isabella kam noch eine weitere Idee.
Zensi hatte bald Geburtstag. Die Rezepte als Buch zusammengefasst, das war ein passendes Geschenk. Mit Tassilos und Ottis Hilfe konnte sie rechnen, dessen war sie sich sicher. Tassilo würde einen Weg finden, ein erstes Exemplar drucken zu lassen. Außerdem gab es in Tassilos Firma Grafiker. Sie gestalteten die Cover für die CD-Hüllen. Sicherlich konnten sie auch ein ansprechendes Design des Kochbuchs erstellen. Isabella hatte schon genaue Vorstellungen für die Vorderseite und die Rückseite des Buches. Sie stand auf, holte sich Papier und einen Stift, um sich Notizen zu machen.
Sie freute sich auf die Aufgabe, die ihr die langweiligen Tage ausfüllen würden, bis das Kindl kam.
Nach über einer Stunde hörte sie ein Auto. Es war Karl, der vom Reiterhof zurückkam.
Sie kannte das Motorengeräusch. Sie stand auf und ging ihm entgegen. Sie traf ihn in der Halle.
»Grüß Gott«, rief Karl fröhlich aus. »Wie geht es dir?«
»Danke Karl, mir geht es gut!«
»Du siehst auch gut aus.«
»Wenn sich Zensi und Thilda nicht wie Glucken benehmen, geht es mir noch besser. Es ist nett von euch, dass ihr hier seid. Aber ich will nicht bemuttert werden wie ein krankes Hinkel.«
Karl Winkler lächelte.
»Kannst du mir bitte Thilda etwas vom Leib halten?«, fragte Isabella.
»Madl, wenn das dein Wunsch ist, werde ich es versuchen«, versprach Karl.
Isabella schenkte ihm ein warmherziges Lächeln.
»Ich soll dir von Bernd sagen, dass es heute Abend spät werden könnte«, sagte Karl. »Die Besitzer einer historischen Kutsche bringen sie auf einem Autotransporter. Es ist eine große Reisekutsche. Zwar muss sie total restauriert werden, aber es wird Freude machen, sie im alten Glanz erstehen zu lassen. Ich habe Fotos gesehen. Mei, ich sage dir, das ist ein besonderes Stück. Die Besitzer kommen aus Schleswig-Holstein, direkt an der dänischen Grenze. Sie wollten schon am Nachmittag hier in Waldkogel sein, aber es gab fürchterliche Staus auf der Autobahn. Es ist eben Urlaubszeit.«
»Oh, ich freue mich für Bernd. Bei einer solchen Aufgabe wird er zur Hochform auflaufen.«
»Das wird er, Isabella. Es wird viel Arbeit werden und ich helfe ihm gern dabei«, sagte Karl. »Ich bin auch nur kurz hier, um Thilda zu sagen, dass ich ebenfalls später komme. Wo steckt sie?«
»Sie ist in der Küche und bereitet das Abendessen vor«, antwortete Isabella. »Es gibt Kaltes. Nimm etwas mit hinüber zum Reiterhof!«
»Danke, aber das wird nicht nötig sein. Bernd und ich werden dort essen. Wir sind eingeladen«, antwortete Karl. »Ich werde kurz nach Thilda schauen und dann wieder gehen. Also noch einmal, du sollst nicht aufbleiben, bis Bernd kommt. Es kann spät werden.«
»Ich habe verstanden«, antwortete Isabella.
Karl machte sich auf den Weg in die Schlossküche und Isabella kehrte in die Bibliothek zurück. Es dauerte nicht lange und sie hörte, wie Karl das Auto anließ und startete.
Nachdem Thilda in der Küche die Brotzeit vorbereitet hatte, kam sie zurück in die Bibliothek.
»Alles fertig«, sagte sie. »Ich habe Wurstsalat gemacht und Tomaten aus dem Garten geholt. Es gibt Käse. Falls jemandem nach einer Nachspeise gelüstet, wartet ein Obstsalat.«
»Großartig, vielen Dank!«
»Kann ich sonst noch etwas für dich tun?«
Isabella überlegte.
»Im Hauswirtschaftszimmer steht noch Bügelwäsche. Die Helferinnen aus dem Dorf kamen letzte Woche nicht, sie hatten Urlaub. Da sie miteinander verwandt sind, wollten beide zur gleichen Zeit Urlaub haben. Nun ja, nächste Woche sind sie wieder hier.«
»Bis dahin packe ich gern mit an«, sagte Thilda. »Das Schloss ist sehr groß. Ich kann dich im Seitenflügel nicht hören, wenn du mich rufst. Ich habe mein Handy dabei. Rufe an, wenn du Hilfe brauchst! Hast du dein Handy hier?«
»Das kannst du mir holen. Es ist in der Küche zum Aufladen.«
»Ich hole es dir. Ich habe es gesehen, dachte aber, es gehört Zensi«, antwortete Thilda.
Sie eilte davon und holte es. Isabella schaltete es ein und legte es griffbereit auf den niederen Tisch neben dem Sessel.
»Und scheue dich nicht mich anzurufen, Madl!«, ermahnte sie Thilda.
»Ja, ich verspreche es. Und du musst mir versprechen, dich mit deinen ständigen Ermahnungen zurückzuhalten, liebe Thilda. Ich weiß deine Fürsorge zu schätzen. Aber sie ist ein bisserl nervig. Können wir uns darauf einigen, ich verspreche dir, dich zu rufen, wenn ich Hilfe brauche, und du übst dich in Zurückhaltung? Meinst du, das geht?«
Thilda lächelte.
»Ich verspreche es dir. Ich will nicht, dass du dich aufregst wegen mir. Ich bin nur besorgt um dich und das Kindl. Mei, das ist bei werdenden Großmüttern so. Sie sind auch nervös und angespannt, besonders beim ersten Enkelkind.«
»Ich sehe es dir nach. Du musst dir keine Sorgen machen. Mir geht es gut. Ich beschäftige mich weiter mit den Rezepten«, sagte Isabella.
Thilda verließ die Bibliothek.
Isabella wartete, bis sie außer Hörweite war und seufzte laut. Sie streichelte ihre Wölbung und sagte laut.
»Deine Großmutter ist eine ganz Liebe, auch wenn sie es mit der Besorgnis übertreibt. Das gilt auch für Zensi. Eigentlich für alle hier im Schloss. Aber wir beide werden uns zu wehren wissen, wenn du auf der Welt bist. Ich verspreche dir, dass du dich schmutzig machen und Sand aus dem Sandkasten essen darfst, wie es alle Kinder tun. Später darfst du auf Bäume klettern und wenn du noch älter bist, allein den Wald erkunden. Das verspreche ich dir. Du sollst eine unbeschwerte Kindheit haben. Das gibt ein dickes Polster für das gesamte Leben.«
Danach widmete sie sich wieder den Kochrezepten. Sie ordnete sie nach Inhalten, Fleisch-, Geflügel-, Gemüsegerichten, Eierspeisen, Brotrezepten, Kuchen und Gebäck. Es gab auch viele Notizen über Süßspeisen wie Pudding. Ebenso über das Verfeinern mit selbst gemachtem Sirup oder Honigwasser.
Isabella vertiefte sich immer mehr in die Texte. Inzwischen konnte sie die altdeutsche Schrift sehr gut entziffern.
»Mei, das ist ein wirklicher Schatz«, murmelte sie vor sich hin.
Sie staunte, wie verschieden die Speisen waren, je älter die Aufzeichnungen waren. Alle waren sehr kalorienreich. Die typischen Wintergerichte waren sehr süß und fettig durch die Überdosierung von Schmalz und Butter. Aber es gab auch viele Rezepte für die Fastenzeit. Während dieser Zeit sollte kein Fleisch gegessen werden. So wurde das Fleisch in Brot oder Kuchen eingebacken.
»Tassilo und Zensis Vorfahren haben nicht schlecht gelebt.«
Ihr war klar, dass die Küche sehr aufwendig war und dazu viel Personal benötigt wurde. Isabella nahm sich vor, Zensi darüber auszufragen.
So verging die nächste Stunde.
*
Tassilo erschien. Sie erkannte ihn am Klang seiner Schritte auf dem Marmorboden der Halle.
Tassilo kam in die Bibliothek.
Sie begrüßten sich herzlich.
