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Pandemie, Krieg, Wirtschaftskrise. Ich bin aus einem Land geflohen, um der Diktatur und ihrer Tyrannei, der Unterdrückung und dem Kommunismus den Rücken zu kehren - für ein Leben in Freiheit, in einem demokratischen Staat. Ich war damals 10 Jahre alt und viele Ereignisse vor und nach meiner Flucht haben mich bis heute geprägt. Nicht zuletzt kann ich nunmehr sagen, dass ich dadurch stärker geworden bin. Ich habe immer gekämpft, egal, was auch kam. Ich habe nie aufgegeben. Doch was ist, wenn die Geschichte gerade erst beginnt? Wenn sie uns allen über Jahrzehnte hinweg nur die Wahrheit verschwieg? Überschattet vom Elend und das Erlebte, von Krankheit und Krieg.
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Seitenzahl: 100
Veröffentlichungsjahr: 2023
Ein Sternenmeer aus Träumen
Lichtblicke inmitten des Stillstands
Estella Dalva
Rastlos
schäumen die Wellen.
Unaufhaltsam und
furchtlos.
Bedingungslos.
Dort, wo meine Liebe frei ruht.
Sehnsüchtig
im Sturm der Gezeiten,
unaufhörlich,
dort das Heer
meinen Namen ruft.
Vorwort
In den meisten Fällen ist Lyrik für diejenigen, die sie verfassen, etwas sehr Persönliches.
Die eigenen Ängste, Hoffnungen und Gefühlswelten werden zum Thema, das Innere wird auf ein Stück Papier gebannt und der Außenwelt preisgegeben.
Auch dieses Buch – meine Gedichte darin, die Geschichte meiner Herkunft, meiner Selbst, Überzeugungen und
Wahrnehmungen meiner Außenwelt – macht da keine Ausnahme.
Etwas so Persönliches, wie die eigenen Gedanken und Gefühle der Welt zugänglich zu machen, ist ein großer
Schritt – insbesondere dann, wenn es das erste Mal passiert. So, wie bei mir.
Wie kann man diese sensiblen Erinnerungen und Sinneswahrnehmungen anderen verständlich machen, und sie innerhalb eines Buches so anordnen, dass sie für Außenstehende Sinn ergeben?
Für mich sind dieses Buch und meine Lyrik darin ähnlich einem Kunstwerk, einem Gemälde, einer Fotografie oder einem Lied. Sie sind immer individuell zu betrachten, je nach eigener Wahrnehmung und Interpretation. Oder eben nach Gefühlslage.
Mein Buch soll euch ein besonderes Erlebnis bieten. Ich hoffe, es ist euch ein Lichtblick in schwierigen Zeiten und kann euch Mut machen, euch stärken. Mit euch zusammen will ich nun dieser entzauberten Welt entfliehen, in meine Fantasie eintauchen, dem Stillstand entgegenwirken.
Zurückschauen und nach vorn blicken, was immer auch geschieht. Und so nehme ich euch mit auf meine Reise, in meine Welt, auf meinem Sternenmeer aus Träumen.
Licht und Schatten
Ich bin mal eben untergetaucht. Bin der Welt kurz entflohen. Zwischen Alltagswahn und nächtlicher Ruhelosigkeit, inmitten von Chaos, Trubel und tiefster Stille, begann ich, dieses Buch zu schreiben.
Die Welt durchlebt im Moment die größte Pandemie des 21. Jahrhunderts, und was hier gerade mit uns allen geschieht, wird noch viele Jahre später in den Geschichtsbüchern zu lesen sein.
Seit Monaten befinden wir uns bereits in dieser sogenannten Krise, und doch ist es für mich so viel mehr als nur eine weltweite Erkrankung. Auch vor dieser Krankheit sind Viele von uns gegangen, und Unzählige werden noch folgen. Dieser Eindringling nimmt uns jedoch so viel mehr.
Schon bald fürchten wir nicht mehr die Krankheit oder das Virus an sich, sondern jene Repressalien, die daraus hervorgegangen sind. Nach dieser Seuche wird eine neue, eine andere folgen. Die soziale, die wirtschaftliche Seuche. Die Instrumente unseres Staates versagen. Sie greifen nicht mehr, sie selbst werden diesem Virus erliegen. Sind machtlos und starr.
Die jetzt und in Zukunft Zurückgebliebenen folgen geduldig einer vorgetäuschten Ordnung, einer vorgegebenen Hierarchie, die so unwirklich, so unklar und verschwommen ist, dass dieser von uns erschaffene Irrsinn kein Ende mehr zu nehmen scheint. Und dabei hätte es doch so einfach sein können, ein vermeidbares Elend. Wir hätten einen klangvolleren Instrumentenkasten gebraucht.
Eine klare Stimme. Ein stärkeres Machtwort. Weltweiter Stillstand wäre angebracht gewesen, stattdessen sollen wir uns in Geduld üben. Aus dem WIR wird ein ICH. Die Maßnahmen bleiben weiterhin unwirksam. Die Menschen bleiben regungslos und stumm.
Also zurück zu uns, zur Natur, zum Urinstinkt. Diese unvermeidbare Ruhe und den Stillstand genießen. Wer es denn kann. Meine Gedanken jedenfalls, sie kreisen.
Das Volk regiert hier nicht, das Volk wird geführt. Es regiert die realitätsfremde, gedankenlose Passivität einer einstigen Demokratie. In ihrer jetzigen Form für mich ohnehin unübersichtlich, fehlerhaft und nicht zu Ende gedacht.
Unzählige Menschen erkämpfen sich im Alleingang wertvolle Existenzen, müssen Ängste und Hürden hilflos überstehen. So viele Fragen, auf die es keine Antworten gibt. So viele Antworten, die völlig unklar sind, absurd und für niemanden mehr nachvollziehbar. Viele haben die Hoffnung verloren, das Vertrauen, den Glauben. Kinder wurden allein gelassen, verloren ihr Ziel. Von mächtigen Männern gelenkt, folgen wir nun, still und geduldig, und gehen daran gemeinsam zu Grunde. Keine Lösung, kein Ausweg. Diese Pandemie ist noch nicht vorbei, die Auswirkungen verheerender denn je.
Meine Gedanken können diese Stille nicht mehr ertragen, wollen dem ganzen Irrsinn entfliehen und sind doch gefangen in den selbstauferlegten Strukturen des Alltags.
Ich bin selbstständig, Geschäftsführerin eines Restaurants in zweiter Generation, Ehefrau und Mutter zweier Kinder, die allmählich ihrer Wege gehen.
Aus Liebe folgte ich einer mir anfangs fremden Kultur, die sich eingefügt hat, gekämpft hat, sich Anerkennung verschafft hat und nie aufgegeben hat. Genau wie ich.
Vor mehr als 10 Jahren habe ich , zusammen mit meinem Mann, dieses Unternehmen von meinen Schwiegereltern übernommen. Sie selbst führten es, trotz aller Hürden, erhobenen Hauptes, viele Jahre lang. Ein ewiger Kampf ums Überleben, ein Wettlauf mit bürokratischen Hindernissen und Fallen. Am Ende blieben zermürbte Gedanken und Sorgen.
Sie zählen auf uns, die nächste Generation, und bangen mit mir, als Hoffnungsträgerin ihrer einstigen Träume.
Ich habe wertvolle Zeit und Geld in meine Arbeit investiert. Ich habe versucht, einen Wandel zu vollbringen, in welchem modernisiert und strukturiert wurde, habe mich politisch engagiert, wo immer ich konnte, wollte Veränderungen, habe mir Anerkennung, Freundschaft und Empathie vieler Menschen errungen, habe immer nach vorn geschaut.
Und nun denke ich: »All das nur, um jetzt wegen eines Virus in diesem Instrumentenkasten und dessen Maßnahmen unterzugehen? Um zu funktionieren, statt zu fühlen? Um etwas darzustellen, statt sein zu dürfen? Um zu folgen, statt zu rebellieren?«
So klein und nichtig komme ich mir vor, inmitten dieser weltweiten Geschehnisse.
»Es muss etwas passieren«, sage ich mir.
»Das kann nicht alles gewesen sein, was daraus entstanden ist. Aus dieser Seuche. Nur Unmut, Angst und Stillstand.
Und überhaupt, Stillstand? Dieses Unwort! Ja, soll das denn das Wort des Jahres, gar des Jahrhunderts werden? Für wen? Nicht für mich! Meine Gedanken können nicht still sein und abwarten. Mein Verstand wütet, sucht Antworten und braucht Gehör! Mein Körper braucht Bewegung, Arbeit und menschliche Nähe! Kann es das wirklich sein? Ist das alles, was die Welt braucht? Geduldig ausharren bis zum bitteren Ende? Ich brauche jetzt mehr! Ich brauche einen Aufschrei, eine Revolte, ein Leben, ein Dasein!«
Naja, so ganz übertreiben wollte ich es auch nicht, aber dieses Buch zu schreiben schien mir vorerst eine Genugtuung zu sein. Auf diese Weise wollte ich meinen Beitrag leisten. Zu einer anderen Perspektive in diesem Stillstand. Zu einem Ausweg, zu einer Lösung. Denn nichts scheint mir sinnvoller, als sich selbst klarzumachen, dass man das, was unvermeidbar ist, nur bekämpfen kann, wenn man sich selbst wieder Vertrauen schenkt.
Gedanken, die in dieser erzwungenen Pause endlich Ruhe finden könnten, kreisen und toben umher. In diesen, meinen stillsten Stunden, braut sich allmählich ein Sturm zusammen, der unaufhaltsam neue Wege geht.
Und in meinem Alleinsein frage ich mich: »Ist das alles vielleicht nur ein Weckruf? Ein Aufschrei der Natur? Ein Vorbote? Von einer höheren Macht gar gewollt?
Bin ich denn völlig weltfremd? Ja, doch. Aber lieber bin ich weltfremd, verträumt und frei im Denken, als bloß geduldig zu verharren!«
Ich ertappe mich immer wieder allein im Dunkeln.
Eine Zurückgebliebene, eine Suchende, eine Träumerin, und dennoch eine Kämpferin. Gefangen in der Stille, bleiben mir nur meine Gedanken und meine Worte.
Und so schreibe ich sie nächtelang auf und finde wieder zurück zu meiner immerwährenden Liebe zur Poesie. Sie ist mir immer Muse gewesen und gibt mir die Kraft, Erlebtes zu verarbeiten, Verdrängtes loszulassen und mich zu befreien. Diese schöpferische Kraft ist schon immer tief in mir verwurzelt gewesen, ebenso meine wiederkehrenden Träume des Erlebten und meine etwas andere Sichtweise auf diese für mich so entzauberte Welt. Alldem und der Liebe in meinem Herzen ist es zu verdanken, dass ich heute stehe, wo ich bin. Dies alles gibt dem Ganzen einen Sinn.
»Nein, meine Gedanken können nicht still sein, sie brauchen Gehör und wollen frei sein«, sage ich mir.
Nachts
Des Nachts,
im strahlend Mondes Schein,
wenn alles schlummert, alles ruht,
allein nur meine Sehnsucht wacht,
ich will nur dir
ganz nahe sein.
Durchströmt von einer Zaubermacht
werf ich dann fort,
was die Vergangenheit
mir in die Seele schrieb.
Und sterbe ich an Seelenschmerz,
legst du so weich und sanft
dich an mein kleines Herz.
Und als Gedanke, Lied und Bild
dein Geist in meinen dringt.
Und meine Stimme, klar und mild
dir in die Seele lieblich klingt.
Des Nachts,
im strahlend Mondes Schein,
wenn alles schlummert, alles schläft,
oh Herr, erhöre mich,
sollst du mir mein Begleiter sein.
Käfig
Kleiner Käfig, Vogelfänger,
lass mich fliegen,
lass mich frei.
Ich ersticke, immer weiter,
nimmst mir die Luft,
mein Herz wie Blei.
Im Traum
erfüllt sich Sehnsucht,
stumm lächelnd und so leicht.
Erhobenen Hauptes flieg ich nun
durch alle Zeit und Raum.
Lobgesang
Oh, welch süßer Duft,
Feuer der Nacht,
der in meinem Schoße
zärtlich die Wärme entfacht.
Oh, welch süßer Duft,
lieblicher Wein,
Sehnsucht, Träume
und Lieder – die mein.
Klagelied
Wär ich doch
noch ein Kind.
Fröhlich und heiter,
sorglos tanzend im Wind.
Wär ich doch
noch einmal jung,
naiv und blind,
berauscht, voller Träume,
nur von Liebe getrieben,
trotzend dem Wind.
Nun bin ich
müde und klagend.
Endlos kreisen
verirrte Gedanken,
und Sorgen und Fragen
kämpfen im Wind.
Ach, wär ich doch
noch einmal Kind.
Lieder
Du sprichst nur in Liedern,
ich schreibe nur Worte.
Getrennt unsre Glieder,
zwei Seelen, zwei Orte.
In jedem ein Vulkan und das Licht
Glühende Wut brodelt im Innern,
die Sonne
uns auf blutenden Schluchten bewacht.
Der Himmel im Dunkeln,
die Erde führt Krieg,
wenn Schmerz dann zu Feuer entfacht.
Tiere verlassen die Wälder, geschwinde.
Die Krieger in uns, von unten, von oben,
kämpfen gegen die Flammen in uns.
Immer tiefer und lauter sie toben,
immer leiser, stiller, werden die Winde.
Vergeblich werfen die Sterne ihr Licht,
wenn düstere Tiefe will sich erheben.
Dunkle Geister durchstoßen im Beben,
wenn das Himmelsgespann
auseinanderbricht.
So gewaltig
der Schmerz.
Und so mächtig und stark.
Einst wirst auch du erkennen
das Licht und die Sterne am Himmel
es schon lange vor uns gab.
Wenn die Seele
noch tief im Dunklen verborgen,
und nur der Schmerz zu dir spricht.
Es liegt in uns allen verborgen,
bis das Feuer im Schlund des Vulkans
das Licht in uns auseinanderbricht.
Haltlos
Gedankenverloren,
von Engeln auserkoren.
Oh, liebliche Nacht.
Träume an die Macht.
Leidenschaft und Sinne.
Oh Verstand,
halte inne!
Unschuld
Ich werde niemals die Schuld haben,
wenn der Himmel sich bewölkt
und wenn es regnet.
Selbst wenn die Bäume
keine Früchte mehr tragen
und Dunkelheit das Licht verdrängt,
nur DU allein trägst Schuld.
Feenglanz
Blaue Stunde,
komm herbei.
Feenglanz
mein Herz bewohnt,
Tränen fließen purpurrot.
Sonnengold
auf meinem Haupt
tröstlich
mein Begleiter sei.
Missverständnis
Wörter
wie Steine
Erschlagen mich
Erdrücken mich
Unverstanden
die meine
Verschlingen dich
Ersticken dich.
Geisterstunde
Wenn alle Träume weichen,
ist`s mir nicht geheuer.
Könnt ihr es auch hören,
wie nachts
die Geister hier schleichen?
Düster, kalt,
so voller Pracht,
der Wände Glanz verhüllt.
Versteckt die Absicht jener Macht,
uns leidvoll bis zum Ende führt.
Musik ertönt,
Gestalten sprechen
und ihr seht
das Leben,
welches wir erfuhren,
welches von Euch wurde geprägt.
Mutter Natur
Es toben die Meere,
kein Sturm jemals ruht.
Das Feuer entfacht
seine lodernde Wut.
Es schmelzen die Pole,
die Wälder entzweigt.
Die Sonne erstickt
Mutter Natur - sie weint.
Krankheit und Armut,
welch hallend Geschrei.
Und Krieg und Verwüstung
noch lang nicht vorbei.
Still wird’s sein,
wenn das Ende uns naht.
Mich fürchtet`s,
denn es gäbe keinen Halt.
Nur klagende Lieder
über das Übel, das keimt.
Wir schauen nur zu,
wie Mutter Erde weint.
Chaos
Schaut!
Da geht sie hin, die Welt.
Und mit ihr alles Leben,
das ihr liebt und kennt.
Die Farbe der Natur verblasst,
wenn Zeit an uns vorüber rast.
Sie geht dahin, die Mutter Erde.
Und wir sind blind,
vom Leben eingeholt,
wir alle, die wir sind.
Sie geht dahin, die Welt.
Und mit ihr
Kunst und Schätze voller Wert.
All die Liebe, Reichtum der Menschen,
das alles wird verloren gehen,
wenn
einst nur Zeit und Raum wird herrschen
über das Chaos, das wir nicht verstehen.
Ironie
Ich habe mich mal einen Tag lang,
um dem ganzen Irrsinn trotzen zu wollen,
nur von süßen Naschereien genährt.
Von gebrannten Mandeln und Stollen,
von Pralinen und Eiscreme mit Nuss,
von Schokolade und Kuchengebäck.
Der zynische Nachgeschmack
ging leider davon auch nicht mehr weg.
