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Dieses Buch erzählt die Geschichte von Emma, Pepsi, Muffin und Leyla und ihrer Weide im Pöstenweg. Auf unterhaltsame und fiktive Weise werden die alltäglichen Abenteuer von vier ganz besonderen Schafen beschrieben.
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Seitenzahl: 44
Veröffentlichungsjahr: 2019
Andrea Davis
Ein Teil der Herde
Dieses Buch erzählt die Geschichte von Emma, Pepsi, Muffin und Leyla und ihrer Weide im Pöstenweg.
© 2019 Andrea Davis
Umschlag, Illustration: Sarah Rauer
Verlag und Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7482-9352-1
Hardcover:
978-3-7482-9353-8
e-Book:
978-3-7482-9354-5
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Für Tom
Liebe Leyla!
Ich weiss noch genau wie ich Dich bekam,
mein erstes, schönstes, weißes Lamm.
Du wurdest geboren an einem Mittwochmorgen,
Du standest einfach da und Vivian rief „hurra!“
„Mama, da steht ein Lamm auf der Wiese!“
Wir glaubten es kaum,
mein wahr gewordener Traum.
Das schönste Lamm auf der ganzen Welt,
und wie es seiner stolzen Mama gefällt!
UMZUG
Seit einem Jahr wohnen wir nun auf der großen Weide hinter dem Haus im Pöstenweg und ich weiß noch genau, wie alles begann. Eines Tages besuchte uns eine Frau mit einer leuchtend grünen Jacke. Damals wohnten wir in einem großen Offenstall aus Holz bei einer netten Schäferin. Der Stall war von drei Seiten gut gegen Wind und Regen geschützt, aber an einer Seite war er offen, so dass wir immer das Geschehen auf dem Hof beobachten konnten. Da stand nun also diese Frau mit der grünen Jacke und redete mit unserer Schäferin. Schließlich nickte die Schäferin ein paar Mal und zeigte mit dem Arm auf unseren Bereich des Stalls. Dann kam die Frau mit der grünen Jacke zu uns rüber und stellte sich ganz nah das Gatter. Als Schaf hält man vor fremden Menschen erstmal Abstand, obwohl das gar nicht so einfach war, denn unser Stallbereich war recht klein und überfüllt. In meinem Bereich standen mehr als 25 Schafe, aber insgesamt wohnten sicherlich über 300 Schafe auf dem Hof. Da es Winter war, waren wir alle in den Ställen untergebracht, so dass es manchmal etwas eng wurde. In meinem Bereich des Stalls wohnten nur Schafdamen. Naja, eigentlich waren wir noch Lämmer, denn wir waren alle noch kein Jahr alt. Manche waren noch sehr verspielt, aber die meisten waren nach neun Monaten fast ausgewachsen.
Da stand also diese Frau mit der grünen Jacke ganz ruhig am Gatter und schaute uns an. Sie guckte uns wirklich interessiert und neugierig an und kletterte jetzt sogar langsam über das Gatter in den Stall. Normalerweise schauen uns Menschen nicht so an, sondern sie schieben einfach das Futter in die Raufen und gehen wieder. Aber diese Frau schaute uns direkt in die Augen und wir guckten zurück. Das taten wir natürlich heimlich und etwas von der Seite. Mit ein wenig Abstand beäugten wir uns also gegenseitig. Die leuchtend grüne Jacke fand ich ganz besonders aufregend. So ein schönes Grün hatte ich noch nie gesehen und mit Grün kenne ich mich aus. Als Schaf ist man nämlich Experte für Grüntöne. Frische Grashalme sind zum Beispiel viel grüner als ältere Halme und als Heu ist es dann nochmal weniger grün. Brennnesseln haben auch ein anderes Grün wie Disteln und dann gibt es so unendlich viele Grassorten, die heller oder dunkler sein können. Oje, jetzt war ich so in meinen Gedanken versunken, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie lange mich die Frau schon anstarrt. Ich gehe mal ein bisschen zur Seite, vielleicht schaut sie ja das Schaf hinter mir an. Nein, sie schaut mir immer noch hinterher und kommt jetzt sogar ganz langsam näher. Dann guck ich jetzt am besten mal weg und gehe ganz langsam in die andere Richtung. Klappt nicht, sie guckt mich immer noch an und dann sagte sie: „Du bist aber ein schönes Schaf“. Die Worte der Frau waren so liebevoll gemeint, dass ich vor Schreck einfach stehenblieb und mich sogar kurz streicheln ließ. Das tat gut, denn mich hatte schon lange niemand mehr gestreichelt. Die Schäferin war immer sehr beschäftigt und brachte uns eigentlich nur Wasser und Heu. Zum Streicheln hatte sie dann immer keine Zeit. Aber wir waren auch ein paar hundert Schafe, die kann man nicht alle streicheln, sonst ist man ja den ganzen Tag beschäftigt.
Ich weiß nicht, ob man sich als Schaf verlieben kann oder ob sich ein Mensch in ein Schaf verlieben kann. Aber ich weiß, dass ich plötzlich alle Scheu verloren hatte und mir wünschte, dass sie nie mehr aufhört, mich zu streicheln. Nach einer Weile hörte sie dennoch auf und schaute sich weiter im Stall um. Sie entdeckte noch zwei andere Schafe, die sie wohl auch hübsch fand. Ein ganz schwarzes Schaf und Eins mit lustigen Flecken im Gesicht. Letzteres war eins unserer jüngsten Lämmer und es war noch sehr frech und verspielt. Das schwarze Schaf war mir vorher nie aufgefallen, es war oft allein und eher ruhig.
Mittlerweile stand auch die Schäferin vor dem Gatter unseres Stalls. Die Frau mit der grünen Jacke und die Schäferin sprachen wieder miteinander und zeigten dann nacheinander auf mich und auf die anderen beiden Lämmer. Ich war immer noch etwas in meinen Gedanken versunken und konnte die Berührung der Frau auf meinem Gesicht und
Hals noch spüren. So bemerkte ich es kaum, als die Frau mit der grünen Jacke und die Schäferin uns wieder verließen.
