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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Franz Boller hatte im Großhandel eingekauft. Der Geländewagen war bis auf den letzten freien Zentimeter vollgepackt. Er parkte auf dem Parkplatz, um im Laden anzurufen. Veronika nahm das Gespräch nicht an. Es war Mittagszeit und es gab sicher viel zu tun. Franz hatte seiner Frau schon oft vorgeschlagen, eine Aushilfe anzustellen, wenigstens im Sommer. In der Saison kamen viele Urlauber nach Waldkogel, dann konnten er und seine Frau froh sein, wenn sie mal ein paar Minuten für sich hatten. Aber Veronika gab nicht gern etwas ab. Dabei ging es nicht um die Schmälerung des Gewinns, den sie mit dem Trachten – und Andenkenladen erwirtschafteten. Zumal sie im etwas tiefer gelegenen Teil des Geschäfts Haushaltswaren und Lebensmittel des täglichen Bedarfs anboten. Veronika war fest davon überzeugt, dass niemand so gut die Kunden bedienen und beraten konnte wie sie. Der Laden war ihr Leben. Sie und Franz hatten eine Arbeitsteilung: Franz war für das Lager, den Einkauf und die Kalkulation zuständig, Veronika bediente. Dabei unterhielt sie sich gern mit jedem, der den Laden betrat, natürlich besonders gern mit den Waldkoglern. Sie galt als sehr neugierig, denn sie hatte keine Hemmungen, jeden auszufragen und sich in alles einzumischen. ›Wenn du über jemanden etwas wissen willst, dann musst du nur die Veronika fragen‹, das wusste jeder in Waldkogel. Dabei wurde allgemein anerkannt, dass es Veronika Boller bei aller Einmischung niemals böse meinte. Im Gegenteil, sie galt als hilfsbereit. Endlich sprang der Anrufbeantworter an. Veronikas Stimme erklang: »Grüß Gott!
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Seitenzahl: 126
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Franz Boller hatte im Großhandel eingekauft. Der Geländewagen war bis auf den letzten freien Zentimeter vollgepackt. Er parkte auf dem Parkplatz, um im Laden anzurufen.
Veronika nahm das Gespräch nicht an. Es war Mittagszeit und es gab sicher viel zu tun. Franz hatte seiner Frau schon oft vorgeschlagen, eine Aushilfe anzustellen, wenigstens im Sommer.
In der Saison kamen viele Urlauber nach Waldkogel, dann konnten er und seine Frau froh sein, wenn sie mal ein paar Minuten für sich hatten. Aber Veronika gab nicht gern etwas ab. Dabei ging es nicht um die Schmälerung des Gewinns, den sie mit dem Trachten – und Andenkenladen erwirtschafteten. Zumal sie im etwas tiefer gelegenen Teil des Geschäfts Haushaltswaren und Lebensmittel des täglichen Bedarfs anboten. Veronika war fest davon überzeugt, dass niemand so gut die Kunden bedienen und beraten konnte wie sie. Der Laden war ihr Leben. Sie und Franz hatten eine Arbeitsteilung: Franz war für das Lager, den Einkauf und die Kalkulation zuständig, Veronika bediente. Dabei unterhielt sie sich gern mit jedem, der den Laden betrat, natürlich besonders gern mit den Waldkoglern. Sie galt als sehr neugierig, denn sie hatte keine Hemmungen, jeden auszufragen und sich in alles einzumischen. ›Wenn du über jemanden etwas wissen willst, dann musst du nur die Veronika fragen‹, das wusste jeder in Waldkogel. Dabei wurde allgemein anerkannt, dass es Veronika Boller bei aller Einmischung niemals böse meinte. Im Gegenteil, sie galt als hilfsbereit.
Endlich sprang der Anrufbeantworter an. Veronikas Stimme erklang: »Grüß Gott! Hier ist der Trachten- und Andenkenladen von Franz und Veronika Boller in Waldkogel. Wir sind im Augenblick im Kundengespräch. Bitte hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre Telefonnummer. Wir rufen Sie zurück!«
Franz wartete den Piepton ab, dann sprach er auf den Anrufbeantworter: »Veronika, ich bin es, Franz. Du wirst viel zu tun haben. Ich wollte dir nur sagen, ich habe alles bekommen. Es hat ein wenig länger gedauert, aber ich fahre jetzt los. Nur damit du dir keine Sorgen machst, wo ich bleibe. Pfüat di!«
Franz legte auf. Er ließ den Motor an und fuhr los.
In Kirchwalden war um die Mittagszeit sehr viel Verkehr. Außerdem war an einer Hauptkreuzung die Ampel ausgefallen. Es gab einen Stau. Franz war froh, als er die kleine Landstraße nach Waldkogel erreichte, dort war wenig Verkehr. Er kam gut voran und musste hinter keinem landwirtschaftlichen Nutzfahrzeug hertuckern.
Mittagshitze lag über dem Marktplatz.
Franz stutzte, als er in Richtung des Ladens blickte. »Geschlossen?«
Alle Ständer und Körbe mit Waren, die sonst vor dem Geschäft auf dem Bürgersteig standen, waren weggeräumt. Die Ladentür war geschlossen. Innen hing das rote Schild mit der Aufschrift: ›Geschlossen‹ Darunter standen, in kleineren Buchstaben, die Öffnungszeiten.
Franz spürte, wie sein Herz schneller schlug. Die Gedanken überschlugen sich. War etwas mit Veronika? Er machte sich Sorgen. Dass der Laden an einem Werktag geschlossen war, war noch so gut wie nie vorgekommen! Und schon gar nicht, dass er nichts davon wusste.
Franz bekam feuchte Hände. Er steuerte das Auto in die Einfahrt und stieg aus.
»Franz!«, rief eine Stimme. Bürgermeister Fellbacher kam über den Marktplatz. »Was ist passiert, Franz? Warum ist das Geschäft geschlossen?«
»Fellbacher, das kann ich dir nicht sagen. Ich bin selbst erstaunt. Ich komme gerade aus Kirchwalden, vom Großhandelseinkauf. Halte mich nicht auf! Ich verstehe nicht, dass unser Geschäft geschlossen ist. Ich muss Veronika suchen. Hoffentlich geht ihr es gut«, stieß Franz Boller aufgeregt hervor.
»Veronika geht es gut. Ich habe beobachtet, wie sie alles hineingetragen und den Laden geschlossen hat.«
Für einen Augenblick war Franz erleichtert. Veronika schien bei bester Gesundheit zu sein. Aber was war dann vorgefallen?
»Ich muss wieder ins Rathaus, Franz. Schau doch später mal vorbei!«, rief Fellbacher ihm noch zu.
Franz nickte nur und eilte zur Hintertür. »Veronika! Veronika, wo bist du?« Er betrat die Ladenräume und roch Kaffee. »Veronika?«
»Hier bin ich, im Lager!«
Franz ging zum Lager. Verwundert blieb er im Türrahmen stehen und betrachtete seine Frau.
Veronika saß auf einem Stuhl, längs des großen Tisches, und hatte ihre Beine auf einen anderen Stuhl gelegt. Auf dem Tisch stand die Kaffeekanne aus Glas, die halbgefüllt war.
»Veronika, was ist los? Warum hast du den Laden zugemacht?« Franz trat zu seiner Frau, befühlte ihre Stirn. »Fieber hast du nicht. Bist du krank? Tut dir etwas weh? Warum hast du mich nicht angerufen?«
»Nimm die Hand fort! Du ruinierst mir die Frisur. Schmarrn, ich bin doch nicht krank.«
»Was ist dann?«
»Das wirst du gleich erfahren. Nimm dir einen Becher und setze dich!«
Franz war mit seiner Frau über dreißig Jahre verheiratet. Wenn sie ihn aufforderte, sich Kaffee zu nehmen und sich zu setzen, wusste er, dass vorher kein Wort der Erklärung über ihre Lippen kam. Also kam er ihrer Bitte nach. Er schenkte sich Kaffee ein, setzte sich hin und trank einen Schluck.
Veronika schwieg immer noch.
»Himmelherrschaftszeiten! Maria-und-Josef«, schimpfte er ärgerlich. »Jetzt red schon! Warum ist der Laden zu?«
»Weil ich beschlossen habe, dass er geschlossen wird.«
»Du hast … einfach so … ohne mich zu fragen … warum?«, stieß Franz stotternd hervor. »Was soll das heißen? Wir müssen doch noch bis zur Rente arbeiten. Von was sollen denn leben, wenn wir den Laden nicht mehr haben?«
»Mei, Franz, doch nicht für immer! Erst mal für heute und vielleicht auch noch morgen«, erklärte Veronika. »Ich verpasse denen einen Denkzettel, das schwöre ich!«
Franz trank einen Schluck Kaffee. Er schüttelte den Kopf. »Ich verstehe kein Wort, Veronika. Jetzt sagst du sofort, was geschehen ist. Ich habe nicht ewig Zeit. Das Auto ist voller Zeug. Ich muss noch ausräumen, die Waren auspreisen und einsortieren«, stieß Franz jetzt genervt hervor. Auf der einen Seite war er froh, dass es Veronika gut ging. Auf der anderen Seite war ihm klar, dass sie mal wieder über das Ziel hinausgeschossen war. Das geschah bei ihrem Temperament öfter. Irgendetwas musste sie aufgebracht haben. »Sag endlich, was los ist!«
»Franz, ich habe mich geärgert. Schwarz habe ich mich geärgert. Alle, alle sind mir in den Rücken gefallen! Du hättest das erleben müssen. Ich stand hinter der Kasse. Alle haben sich darüber unterhalten und bereits Pläne gemacht. Sie waren Feuer und Flamme. Alle waren auf Wendys Seite. Sie haben mir überhaupt nicht zugehört. Ich war Luft für sie.«
»Wendy? Was ist mit ihr? Ist ihr etwas passiert?«
»Mei, die will uns Konkurrenz machen!«
Franz Boller legte die Stirn in Falten. »Da musst du etwas falsch verstanden haben, Veronika …«
»Du schwärmst wohl auch für das junge, fesche Madl? Die verdreht allen Burschen und Mannsbildern den Kopf. Erst hat man sie mit Kuno gesehen, dem Enkel vom alten Alois. Dann ist sie mit dem Simon Oberländer zusammen gewesen. Und wer ist der Nächste? Mit der ganzen Sache will sie wohl die jungen Burschen scharenweise auf die Alm locken.«
Franz Boller seufzte. »Ich weiß nicht, was das vorhandene oder nicht vorhandene Liebesleben von Wendy mit unserem Laden zu tun haben soll. Du kommst vom Thema ab, Veronika. Was hat das mit unserem Geschäft zu tun?«
»Ach, Franz, es geht doch nicht darum, mit welchen Burschen Wendy gerade herumpoussiert. Sie will einen kleinen Laden aufmachen, oben auf der Alm.«
»Auf der Alm?«, wiederholte Franz, als hätte er sich verhört.
»Ja, du hast mich genau verstanden, oben auf der Alm.«
Franz Boller konnte sich das nicht vorstellen. Er schüttelte den Kopf. »Wer hat dir das erzählt?«
»Niemand! Das ist es ja. Keiner unserer Kunden hat es für nötig gefunden, mir – uns – etwas zu sagen. Ich habe das zufällig erfahren, als sich zwei Waldkoglerinnen unterhielten. Dann kamen mehr Kundinnen in den Laden. Du weißt doch, Franz, vor dem Mittag, bevor sie anfangen zu kochen, kommen die Hausfrauen zum Einkaufen. Und am Schluss haben alle sich darüber unterhalten.«
»Du hast nicht nachgefragt?«
»Natürlich habe ich das gemacht. Ausgelacht wurde ich, weil ich noch nichts davon gehört hatte.«
Franz Boller rieb sich die Stirn. Er verstand das Ganze nicht. »Und was für einen Laden will Wendy eröffnen?«
»Sie will Getränke verkaufen, Süßigkeiten, Andenken und Sachen, die Wanderer und Bergfreunde haben wollen, Ansichtskarten, Andenken. Tische und Stühle soll es geben. Es soll so ein Art erweiterter Kiosk werden. Die Frauen haben davon gesprochen, dass sie über Wendy auch Sachen anbieten könnten, selbstgestrickte Handschuhe zum Beispiel.«
Franz schüttelte den Kopf. »Und dass hat dich so getroffen, dass du den Laden geschlossen hast?«
»Ja, ich war einfach ärgerlich. Sie haben mich direkt angegriffen. Eine hat gesagt, es wundere sie doch, dass ich noch nicht auf diese Idee gekommen sei, wo ich doch so geschäftstüchtig sei. Da müsste erst ein Madl aus Norwegen kommen. Aber genau genommen stimmt das nicht. Toni ist Wendys Vater und somit ist die Wendy zur Hälfte aus Waldkogel. Jedenfalls werden wir das zu spüren bekommen, Franz, wenn sie ihren Kiosk eröffnet hat. Wir machen um zwanzig Uhr den Laden zu. Sie will bis Mitternacht geöffnet haben, erzählen die Leut.«
»Veronika, ich habe dir zugehört, aber es ergibt doch keinen Sinn. Überlege mal! Bist du ernstlich der Meinung, sie könnte oben auf der Alm Umsatz machen? Wer wird schon die Mühe auf sich nehmen, hinaufzufahren?«
Veronika schüttelte den Kopf. »Es gibt genügend Orte in den Bergen, die haben solche Kioske, die bis spät in der Nacht geöffnet haben. Und ich sage dir, die Leut werden sich dort versammeln. Sie werden ein bisserl einkaufen. Die jungen Leute gehen da bestimmt hin. Das Café Jakob hat nicht bis Mitternacht offen. Bisher deckten sich die jungen Burschen hier mit Getränken ein, wenn sie abends feiern wollten. Und wo gingen sie hin, wo haben sie sich verabredet? Dir muss doch bekannt sein, dass es bestimmte Heustadl sind und Almhütten, die nicht bewohnt sind und nicht genutzt werden. Dort treffen sie sich und sind unter sich. Damit ist jetzt Schluss. Wendy wird ihnen mehr bieten. Hinter der Almhütte können sie bequem auf der Wiese parken. Am Ende macht sie dort oben noch eine Disco auf«, redete sich Veronika immer mehr in Fahrt.
Franz trank einen Schluck Kaffee. Er bemühte sich, ruhig zu bleiben. »Veronika, du musst etwas falsch verstanden haben.«
»Habe ich nicht! Ich weiß doch, was ich gehört habe«, erwiderte Veronika ärgerlich und rollte mit den Augen.
»Und du hast dich geärgert.«
»Genau, ich habe mich sehr geärgert. Franz, du weißt es selbst, wir arbeiten bis zum Umfallen. Wir halten alle Artikel bereit, auch solche, die selten verlangt werden. Und wenn mal jemand etwas vergessen hat und bei uns klingelt, außerhalb der Geschäftszeiten, dann waren wir immer hilfsbereit. Und jetzt sind wir Luft. Alle fragen sich, wann es losgeht.«
Franz Boller seufzte innerlich. Er versuchte sich ein Bild zu machen. Dass Veronika sehr empfindsam war, das wusste er. Deshalb war sie sehr empfänglich für Kritik.
»Du hast dich so darüber geärgert, dass du den Waldkoglern einen Denkzettel hast verpassen wollen?«
»Ja, genauso ist es. Sollen sie doch sehen, wie das ist, wenn unser Laden geschlossen ist. Ich habe mich so geärgert, Franz. Es war demütigend. Sie standen in unserem Laden, direkt vor mir an der Theke und begeisterten sich für den neuen Kiosk, Laden, was für ein Ding es auch sein wird und wie immer es heißen wird«, schimpfte Veronika. Sie atmete tief ein, bevor sie weiter sprach. »Jedenfalls hatte ich keine Freude mehr am Bedienen. Da habe ich zugemacht.«
Franz Boller lächelte seine Frau an. »Veronika, ich verstehe, dass du dich geärgert hast«, sagte er sanft. Er fand nicht, dass Veronika recht hatte, aber es wäre sinnlos, mit ihr sachlich über die Sache zu sprechen. Es war schon öfter vorgekommen, dass sie sich in etwas verrannt hatte. Je mehr er ihr widersprochen hatte, desto mehr hatte sie ihre Einstellung verteidigt. Er wusste, nun konnte jedes Wort zuviel sein, weil Veronika in solchen Situationen alles in den falschen Hals bekam. So gab sich Franz ruhig und ein wenig besorgt. Er schwieg, wenn auch aus anderen Gründen, als Veronika vermutete.
»Jetzt sagst du auch nix mehr, Franz. Und ich sage dir noch etwas: Waldkogel war bisher eine Ausnahme in dem ganzen Touristenzirkus. Hier war es immer ruhig. In Waldkogel gab es nie einen Touristenrummel, wie in vielen Bergdörfern, in denen sich ein Verkaufsstand an den nächsten reiht. Aber das scheint sich jetzt zu ändern, Franz. Wenn Wendy erst mal damit angefangen hat, dann werden die anderen Almen nachziehen.« Veronika seufzte. »Ach, Franz, da fällt mir noch etwas ein. Die Alma Geller war auch dabei und redete mit. Sie schlug vor, dass Wendy auch Briefmarken verkaufen könnte, wenn sie schon Ansichtskarten anbietet. Sie will mit ihren Sohn sprechen. Als Postmeister von Waldkogel soll er einen Antrag stellen, dass dort oben ein Briefkasten anbracht wird. Wenn er die Post für die Berghütte an der Alm abgibt, könnte er ihn leeren.«
Franz Boller schüttelte den Kopf.
»Gell, jetzt bist du auch überrascht, Franz.«
»Wenn an der Geschichte etwas dran ist, wäre zu überlegen, was wir tun«, sagte Franz leise. Er hatte es mehr zu sich selbst gesagt. »Uns wird schon etwas einfallen, Veronika. Wir haben doch immer für alles eine Lösung gefunden. Ich verstehe, dass du dich geärgert hast. Gut, lassen wir den Laden bis zum Abend geschlossen. Nimm das Auto und fahre nach Kirchwalden. Mach dir einen schönen Nachmittag. Ich räume das Auto aus und kümmere mich um die Waren. Du hast doch Freundinnen in Kirchwalden, die du schon längst einmal besuchen wolltest. Rufe sie an. Verabrede dich mit ihnen.«
»Franz, das ist eine gute Idee. Ich brauche wirklich Abstand. Machst du den Laden später wieder auf?«
Franz schüttelte den Kopf. »Nein, wir lassen ihn heute Nachmittag geschlossen. Es trifft sich gut. Ärzte und Apotheken haben Mittwochnachmittags auch geschlossen, jedenfalls viele. Morgen Früh machen wir wieder auf. Sollte dich jemand fragen, warum geschlossen war, dann ist das eine gute Ausrede. Wir wollten eben mal testen, wie es aufgenommen wird, wenn wir einen Nachmittag in der Woche geschlossen haben. Das kann uns niemand verdenken. Wir haben im Sommer am Samstagnachmittag bis zum Abend offen und am Sonntag ebenso, wegen der Touristen.« Franz sah seine Frau an. »Veronika, wir lassen alles auf uns zukommen. Ich denke, es wäre gut so zu tun, als hättest du nichts gehört.«
Veronika dachte einen Augenblick nach und nickte dann. »Du hast recht, Franz. Du bist ein kluger Bursche. Ich weiß schon, was ich an dir habe. Du behältst immer den Überblick. Wenn mich jemand fragt, ob ich etwas gehört hätte, dann sage ich, dass … dass ….«
»Dass du dir das nicht vorstellen kannst. Sicher wäre da etwas völlig falsch verstanden worden, wie das bei Gerüchten so ist«, vollendete Franz Boller den Satz seiner Frau.
Er stand auf und trank den Rest Kaffee aus.
»So und du machst dich jetzt fein für die Stadt. Ich fahre das Auto hinten in den Hof und lade es aus. Dazu brauche ich nicht lange. Ich lagere die Waren vorläufig in der Garage. Später hole ich sie nacheinander herein, preise sie aus und räume sie in die Regale. Du nimmst das Auto, besuchst deine Freundinnen und machst dir einen schönen Nachmittag, einen echten Weibertag.«
»Ja, so mache ich es.«
Veronika nahm die Beine vom Stuhl und stand auf. Sie schenkte ihrem Franz ein warmes Lächeln und ging nach oben in die Wohnung, sie wollte sich noch umziehen.
