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England, 1894: Lord Thomas of Lancaster, Sohn und Erbe eines reichen Earls, genießt sein sorgenfreies Leben im Überfluss in London. Dann erhält er einen Brief von seinem Vater. Der Earl will das lasterhafte Treiben seines Sohnes nicht mehr dulden und droht, ihm den Geldhahn zuzudrehen, wenn er nicht heiratet und ein Kind zeugt. Sir Thomas muss sein Leben von Grund auf ändern, denn er hat Neigungen, die im viktorianischen England nicht nur sündhaft, sondern auch strafbar sind: Er liebt Männer! "Ein unmoralischer Gentleman" ist ein erotisch-romantisches Historical mit einem wahren Hintergrund und enthält explizite Liebesszenen. ca. 42.500 Wörter / 200 TB-Seiten
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Seitenzahl: 224
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Georgia May Clarke
Ein unmoralischer Gentleman
Dieses eBook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
„Ein unmoralischer Gentleman“
„Das Ehe-Ultimatum“
„Ein verlockendes Angebot“
„Eine schwerwiegende Entscheidung"
„Eine unstandesgemäße Verbindung"
„Eine Hochzeit und eine skandalöse Verlobung“
„Die Hochzeitsnacht“
„Rachepläne"
„Recht und Unrecht - Schuld und Sühne"
„Das Urteil"
„Trübe Gedanken"
„Die Flucht"
Anmerkungen zum historischen Hintergrund
Leseprobe zu „Lady Greys Diener“
Impressum
Impressum
Georgia May Clarke
Ein unmoralischer Gentleman
1. Auflage. Neuss, Januar 2013
© Copyright by Georgia May Clarke
Alle Rechte, insbesondere das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung sind ausdrücklich vorbehalten.
Cover © Knut Wiarda / Fotolia.de
Informationen unterwww.aurora-estella.de
Ein unmoralischer Gentleman
„Ein unmoralischer Gentleman“
London, Mai 1894
Thomas of Lancaster saß an dem kleinen, aber kostbar verzierten Schreibtisch in seinem Arbeitszimmer und öffnete zögernd den Brief, den er bereits eine halbe Stunde lang in der Hand hielt. Er hatte die saubere Handschrift sofort erkannt, noch bevor er einen Blick auf den Absender werfen musste. Sein Vater schrieb schwungvoll und auf eine so energische Art und Weise wie niemand sonst.
Seufzend faltete Thomas das auf kostbarem Briefpapier verfasste Schreiben auseinander und begann zu lesen.
Cornwall, Mai 1894
Mein Sohn,
seit mehr als sechs Monaten habe ich nichts von Dir persönlich gehört. Wenn ich schreibe „nicht von Dir persönlich“, so bedeutet dies nicht, dass ich gar keine Dich betreffende Neuigkeiten vernommen habe. Leider geben diese Anlass zur Beunruhigung. Dein Lebenswandel scheint mehr als unpassend für einen englischen Aristokraten zu sein, dessen Stammbaum sich bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen lässt.
Ich erachte es daher für dringend notwendig, ein Gespräch über Deine Zukunft und deine Stellung in der Gesellschaft zu führen. Ich erwarte Dich spätestens in einem Monat hier auf Gosford Manor.
Solltest Du meiner Bitte nicht nachkommen, so sehe ich mich dazu gezwungen, im Hinblick auf die finanziellen Zuwendungen, die Du derzeit genießt, Einschränkungen zu veranlassen.
Hochachtungsvoll,
Andrew William Norland,
XIII. Earl of Lancaster
Thomas legte den Brief zur Seite und starrte aus dem Fenster. Er konnte sich schon denken, was passiert war. Seit Vater hatte irgendwelche Spitzel geschickt, die ihn hier in London beobachten sollten. Zunächst war Tom noch vorsichtig gewesen und hatte darauf geachtet, dass in den einschlägigen Etablissements, die er aufsuchte, nichts von seiner wahren Identität bekannt wurde.
Er stellte sich als Tom Bingley vor und gab an, mit dem Handel von Stahl sein Geld zu verdienen. Anscheinend war diese Tarnung jedoch nicht sehr erfolgreich gewesen.
„Schlechte Nachrichten, Tom?“
Thomas fuhr herum und starrte den jungen blonden Mann an, der soeben sein Arbeitszimmer betreten hatte. Simon trug lediglich ein weißes, langes Hemd, welches ihm etwa bis zum Oberschenkel reichte. Seine Haare waren zerzaust und er lächelte verschmitzt, als er nun näher trat.
Tom antwortete achselzuckend:
„Naja. Mein Vater will mir den Geldhahn zudrehen, weil er von meinem unangemessenen „Lebenswandel“ gehört hat.“
„Dein unangemessener Lebenswandel also? Wie kommt er denn nur darauf?“
Simon schlenderte näher und ließ dabei wie zufällig sein Hemd von den Schultern gleiten. Betont langsam kniete er sich vor Tom nieder und begann, dessen Oberschenkel mit gekonnten Bewegungen sanft zu massieren. Der Sohn des Earl of Lancaster seufzte kehlig und Simon spürte, wie sich heiße Erregung in seinen eigenen Lenden ausbreitete. Mit einer fließenden Bewegung befreite er Tom von seiner feinen Stoffhose und genoss den Anblick des harten, voluminösen Schwanzes, der sich ihm entgegen zu recken schien.
Tom starrte gebannt auf Simon und wünschte sich nichts sehnlicher, als von dessen sinnlich geschwungenen Lippen liebkost zu werden. Als sich Simons Mund dann tatsächlich öffnete, um den harten, geschwollenen Schaft aufzunehmen, schloss Tom die Augen und keuchte laut auf.
Plötzlich hielt Simon inne.
„Soll ich weitermachen mit diesen widernatürlichen Praktiken, Tom? Willst du, dass ich es dir besorge?“
Toms Erregung stieg ins Unermessliche. Er liebte diese Spielchen um Macht und Hingabe und verlor regelmäßig die Kontrolle über seinen Körper, wenn Simon damit anfing. Auf den ersten Blick schien es vielleicht so, als ob Tom den dominanten Part übernahm, doch eigentlich war es genau anders herum. Simon benahm sich nur scheinbar unterwürfig, im Grunde bestimmte er die Spielregeln ihres intimen Zusammenlebens. Seine Zunge umkreiste jetzt die Spitze von Toms Schaft, während seine Hände sanft dessen Hoden kraulten. Als Tom dann noch spürte, wie sich ein flinker Finger seinen Weg zu der Öffnung seines Anus bahnte, war es um ihn geschehen. Er bäumte sich heftig auf und ergoss sich in Simons Mund. Dieser schloss die Augen und leckte anschließend gierig jeden einzelnen Tropfen von Toms immer noch steifem Glied.
„Darf ich mich bei Ihnen für Ihre Güte erkenntlich zeigen, Mr. Westville?“
Simon grinste, gähnte herzhaft und sah sich dann nach seinem Hemd um.
„Ich werde später darauf zurückkommen. Erzähl mir erst einmal von dem Problem mit deinem Vater.“
Tom schnaubte, reichte Simon dann aber den Brief und richtete seine Kleidung.
Fragend sah Simon ihn an.
„Meinst du, er weiß von uns?“ Tom schüttelte den Kopf.
„Ich glaube nicht, dass er konkrete Informationen darüber hat, mit wem ich mein Bett teile. Aber ich bin ziemlich sicher, dass er langsam ahnt, dass ich hier nicht gerade meine Zeit damit verbringe, nach einer passenden Braut Ausschau zu halten, mit der ich seine Enkelkinder zeugen könnte. Im Grunde haben wir uns kaum gesehen, seit ich mein Studium in Oxford beendet habe – und das war vor drei Jahren.“
„Und jetzt wird er langsam ungeduldig nehme ich an?“
Tom nickte.
„Ich habe nicht gerade bescheiden gelebt. Mein Vater ist reich, aber er gehört zu den Menschen, die trotzdem wenig luxuriös leben und für Extravaganzen jeglicher Art kein Verständnis aufbringen. Sehr viel Wert hingegen legt er auf seinen guten Ruf und den seiner Kinder, besonders, seitdem meine jüngere Schwester mit einem Offizier durchgebrannt ist.“
„Und was hast du jetzt vor?“, fragte Simon und streichelte sanft über Toms Oberarm.
„Mir wird nichts anderes übrig bleiben, als Gosford Manor einen Besuch abzustatten. Ich werde ihn vertrösten und ihn davon überzeugen, dass an den Gerüchten um meine Person nichts dran ist. Schließlich ist mein Lebenswandel untadelig, findest du nicht auch?“
Toms Hände legten sich wie selbstverständlich auf Simons Hinterteil. Der ließ ihn gewähren und grinste.
„Dann wünsche ich dir viel Erfolg. Solltest du scheitern, ist es vorbei mit den romantischen Reisen nach Frankreich und Italien und du müsstest dir tatsächlich eine Anstellung suchen. Das wäre schwer für einen Menschen wie dich, der das gepflegte Nichtstun zur Kunstform perfektioniert hat.“
Simon hatte nicht ganz unrecht. Sein ganzes Leben lang hatte Tom nur das getan, was im Spaß machte. Er besuchte die besten Schulen und konnte seinen Vater schließlich sogar davon überzeugen, studieren zu dürfen. Seine Neigungen hatte er nie versteckt, allerdings gehörte er nicht zu den Männern, denen man ihre Homosexualität sofort anmerkte. Natürlich war dergleichen strafbar, zu einer Verurteilung kam es jedoch selten. Einen Fall, in dem ein Adeliger als Sodomit verurteilt wurde, war ihm nicht bekannt.
Dass er Männer bevorzugte, wusste Tom bereits seit seinem fünfzehnten Lebensjahr. Er war ein gut aussehender Junge gewesen und konnte sich vor den Avancen der halbwüchsigen Töchter in der Nachbarschaft kaum retten. Diese bekam er jedoch selten zu Gesicht, da er die meiste Zeit des Jahres in einem Internat für adelige Söhne verbrachte. Dort machte er dann auch seine ersten sexuellen Erfahrungen. Zu gut erinnerte er sich an Mr. Tanner, seinen Lehrer für Geschichte und Geografie. Er hatte sich in jeder Hinsicht als guter Lehrmeister erwiesen und Tom genoss die heimlichen Treffen mit ihm.
Als Mr. Tanner an eine andere Schule versetzt wurde, war Tom zunächst untröstlich gewesen. Dann jedoch hatte er Steven kennengelernt. Der muskulöse, hoch gewachsene Junge stammte aus einer besonders reichen Familie und behandelte die anderen Jungen wie sein persönliches Hauspersonal. Ständig prahlte er mit seinen Eroberungen und bald hatte Steven eine große Anhängerschaft um sich gescharrt, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablas.
Tom jedoch ließ sich nicht täuschen. Eines Abends folgte er Steven in die Waschräume und beobachtete ihn dort zunächst eine Weile aufmerksam. Seine Schultern waren breit, die Hüften schmal und unter der alabasterfarbenen Haut zeichneten sich zahlreiche Muskelstränge ab. Tom konnte sich kaum lösen von diesem Anblick und er spürte, wie sich sein Schwanz vor Verlangen zusammenzog. Er musste es einfach riskieren, koste es, was wolle.
Er schlich sich langsam von hinten an Steven heran, der vor der Waschschüssel stand, und umfasste dessen Hüften.
Steven zuckte zusammen und versuchte sich umzudrehen, doch Tom bewegte sich keinen Zentimeter und ließ den anderen Jungen seine harte Erektion spüren.
„Lancaster, du Sodomit, lass deine dreckigen Finger bei dir. Ich … ich bin nicht so einer!“
„So, bist du nicht? Warum ist dein Schwanz dann hart wie eine Eisenstange?“
Tom begann, Stevens steifes Glied mit rhythmischen Bewegungen zu bearbeiten und dieser wehrte sich nicht. Im Gegenteil, Steven stieß eindeutige Laute aus, die auf seine Erregung schließen ließen. Plötzlich hielt Tom abrupt mitten in der Bewegung inne.
„Nun, ich möchte dich nicht für die Damenwelt verderben.“
Scheinbar gelangweilt wandte er sich ab und steuerte auf die Tür zu.
„Warte!“
Mit einem triumphierenden Lächeln auf den Lippen drehte Tom sich langsam um. Er wusste, dass er gewonnen hatte!
„Ja?“
„Bleib hier und zeig mir, wie es geht.“
„Aber gerne doch, Steven. Du wirst es sicher nicht bereuen.“
Nachdem er Stevens harten Prügel mit seinen Lippen und mit seiner Zunge befriedigt hatte, drehte er ihn um und führte langsam erst einen Finger, dann zwei und schließlich seinen Schaft in ihn ein. Dieses himmlische Gefühl würde er nie vergessen. Mr. Tanner hatte auf diese Art der Vereinigung verzichtet, ihm jedoch erklärt, wie sie funktionierte und was dabei beachtet werden musste, um seinem Liebhaber keine unnötigen Schmerzen zuzufügen. Tom hatte sich alles genau eingeprägt und genoss nun jede Sekunde, jeden Stoß so intensiv wie möglich. Schließlich entlud er sich mit zuckenden Bewegungen auf Stevens Hinterteil.
Dieser ersten intimen Begegnung folgten zahlreiche weitere, die Notwendigkeit höchster Geheimhaltung steigerte ihre sexuelle Lust ins unermessliche. Trotzdem wussten beide, dass ihre gemeinsame Zeit nicht von langer Dauer sein würde, denn die Examina standen kurz bevor. Tom nahm es gelassen, Steven hingegen versuchte vergeblich seinen Vater davon zu überzeugen, wie Tom in Oxford studieren zu dürfen. Bei ihrem letzten Treffen vergoss er bittere Tränen, die auch Tom nicht kalt ließen.
Trotzdem hatte er Steven bald vergessen, denn das Studentenleben mit all seinen Freiheiten und Möglichkeiten übte einen unwiderstehlichen Reiz auf Tom und seine Vorliebe für gefährliche Abenteuer aller Art aus.
„Träumst du?“
„Das Ehe-Ultimatum“
Mit stoischer Mine machte Tom es sich in seinem Erste-Klasse-Abteil bequem und beobachtete das bunte Durcheinander am Bahnsteig. Obwohl er das Reisen mochte, waren ihm Bahnhöfe zuwider, denn dort war es laut, dreckig und es wimmelte nur so vor Proleten der unangenehmsten Sorte.
Auch heute wieder hatte Tom entsetzt feststellen müssen, dass sich auf den Hosenbeinen seines modischen, weißen Maßanzuges binnen kürzester Zeit zwei unschöne Flecken zeigten. Tom würde sich umziehen müssen, bevor er mit seinem Vater sprach und das kostete ihn wertvolle Zeit. Er hatte sich nämlich vorgenommen, bereits am Abend wieder in London zu sein, da er sich mit einigen Gentlemen in einem Herrenklub verabredet. Zu seinen guten Bekannten zählte auch der Schriftsteller Oscar Wilde, welcher einen seiner Meinung nach hervorragenden individuellen Lebensstil pflegte und jede Gesellschaft mit seinen spitzen, aber meist sehr treffenden Bemerkungen zu unterhalten wusste.
Zwei Wochen waren vergangen, seit Tom den alarmierenden Brief seines Vaters erhalten hatte und seinen Besuch noch länger hinauszuzögern wagte er nicht. Natürlich war er zuversichtlich, seinen Vater innerhalb kürzester Zeit milde zu stimmen und zwischenzeitlich war ihm der Gedanke gekommen, Simon mit nach Cornwall zu nehmen. Auch wenn Tom nicht besonders heimatverbunden war und die vielen Zerstreuungen in Englands Hauptstadt ihm grundsätzlich deutlich reizvoller als das ruhige Landleben erschienen, so hätte er Simon doch gerne die malerischen Küstenregionen gezeigt, die bereits viele Künstler und Schriftsteller zu ihren Werken inspirierten.
Er hatte jedoch schließlich auf die Begleitung seines Liebhabers verzichtet, da sein Vater dies vermutlich als Provokation aufgefasst hätte. Selbstverständlich gedachte Tom, alle Gerüchte, die seines Vaters Spitzel in London über ihn vielleicht gehört hatten, energisch abzustreiten, trotzdem wollte er lieber Vorsicht walten lassen und sich ein wenig zurückhaltender und bescheidener geben, als er tatsächlich war.
Nach einer mehrstündigen Fahrt, die Tom endlos lang erschienen war, hielt der Zug schließlich in Truro, der verschlafenen Hauptstadt der Grafschaft. Vor dem winzigen Bahnhof wartete bereits Henry, der alte Kutscher seines Vaters. Tom hatte von London aus tags zuvor per Telegramm seine Ankunft angekündigt.
Mit ungerührter Mine schlurfte Henry auf Tom zu und begrüßte ihn mit zurückhaltender Höflichkeit.
„Tag, Sir. Lange nicht gesehen.“ Tom grinste und erwiderte:
„Guten Tag, mein lieber Henry. Ich freue mich über den herzlichen Empfang und bin dir sehr dankbar, dass du mich abholst. Schön, dich wohlauf zu sehen.“
Henry schnaubte und lud Toms Tasche auf die edle Kutsche. Eines musste Tom seinem Vater lassen: Er legte Wert auf Prestige-Objekte und wollte sichergehen, dass jeder wusste, mit wem er es zu tun hatte. Diese Einstellung hatte jedoch nichts mit Aufschneiderei zu tun: Der Earl wollte lediglich den Namen seiner alt eingesessenen Familie angemessen repräsentieren. Für private Vergnügungen gab er wenig Geld aus und von seiner Jagdleidenschaft einmal abgesehen lebte er für einen Aristokraten eher bescheiden.
Die Kutsche setzte sich in Bewegung und Tom warf einen Blick aus dem Fenster. Er musste zugeben, dass die Landschaft Cornwalls seinen Reiz hatte. Gerade jetzt im Frühsommer waren die Wiesen saftig grün und bildeten einen interessanten Kontrast zu den schroffen Klippen der endlos langen Steilküste. Tom hatte zu lange in der Großstadt gelebt, um mit dem Landleben etwas anfangen zu können, aber landschaftlich war Cornwall zweifellos ein schönes Fleckchen Erde.
Nach etwa einer Stunde hatten Sie Gosford Manor erreicht. Zu dem riesigen Anwesen aus dem 17. Jahrhundert gehörten zahlreiche Hektar Weideland, ein Wäldchen und eine Parkanlage, sowie Stallungen und ein kleines Dorf mit etwa 800 Einwohnern. Das Haus selbst verfügte über zahlreiche Zimmer, sodass selbst Tom nicht hätte sagen können, wie viele es genau waren.
Als er das Haus betrat, eilte ihm der Butler entgegen und verbeugte sich höflich.
„Willkommen, Sir Thomas. Ihr Vater ist ausgeritten, wird jedoch zum Dinner zurück sein. Ich führe Sie zu den Gästezimmern. Bitte folgen Sie mir.“
Tom stieg die breiten Treppen hinauf und erreichte den Besuchertrakt, in dem die Gästezimmer lagen. Sein Vater oder wahrscheinlicher noch die Haushälterin, Mrs. Stevens, hatte ihm ein großes Zimmer mit Blick auf den gepflegten Park zugedacht.
Nachdem der Butler sich mit einer Verbeugung verabschiedet hatte, ließ Tom sich auf das große Bett fallen und seinen Blick durch den großzügigen Raum schweifen. Das Zimmer war altmodisch eingerichtet und entsprach so gar nicht seiner Vorstellung von stilvollem Wohnen. Nun, wenn alles gut ging, würde er hier nicht übernachten müssen, sondern am Abend den letzten Zug zurück nach London nehmen.
Gerade als Tom sich umziehen wollte, klopfte es an der Tür und ein außerordentlich hübsches Dienstmädchen trat ein. Sie knickste scheinbar schüchtern, sah ihm dabei aber direkt in die Augen und lächelte aufreizend.
„Guten Tag, Sir. Mein Name ist Ellinor. Als ich Sie vorhin ankommen sah, dachte ich, ich schaue einmal nach Ihnen und erkundige mich, ob ich etwas für Sie tun kann.“
Das Mädchen kam langsam auf ihn zu und leckte sich dabei über die Lippen. Wie zufällig ließ sie ihre schmalen Finger über ihre Brüste gleiten, die sich unter der weißen Bluse abzeichneten. Tom genoss fasziniert diese perfekt inszenierte Vorstellung. Eine gute schauspielerische Leistung nötigte ihm stets Respekt ab. Er war ziemlich sicher, dass die meisten Männer das unmissverständliche Angebot dieser reizenden Person gerne angenommen hätten. Vermutlich hoffte Ellinor auf eine reichliche Entlohnung in Form von Münzen oder Geschenken und ihre routinierte Vorgehensweise deutete darauf hin, dass sie schon mehr als einmal erfolgreich Geschäfte auf diese Art gemacht hatte. Tom verachtete sie nicht dafür. Käufliche Liebe war ihm nicht fremd. Obwohl es nicht unbedingt nötig gewesen wäre, hatte er in London einige Male die Dienste eifriger junger Studenten in Anspruch genommen, die sich auf diese Art und Weise ihr Studium finanzierten. Dann jedoch hatte er Simon kennengelernt und auf weitere Besuche in einschlägigen Etablissements verzichtet.
Ellinor setzte sich nun auf das Bett und sah ihn erwartungsvoll an.
„Nun, Sir? Kann ich Ihnen zu Diensten sein?“
Tom lächelte und setzte sich neben das Mädchen.
„Ich bin davon überzeugt, Ellinor, dass du einem Mann genussvolle Stunden bereiten kannst. Doch bei mir verschwendest du deine Zeit, glaube mir.“
Tom stand auf, holte einige Münzen aus seiner Brieftasche und reichte diese dem Mädchen.
Ellinor starrte ihn ungläubig an, stellte aber keine weiteren Fragen. Sie knickste erneut, verabschiedete sich mit einem gehauchtem „Danke für Ihre Großzügigkeit, Sir“ von ihm und verließ eilig das Zimmer. Tom kleidete sich um und machte sich auf den Weg in den Salon, um dort auf seinen Vater zu warten.
Andrew William Norland, Earl of Lancaster, betrat gegen 18.00 Uhr den Salon. Tom stand auf, um seinem Vater entgegenzugehen. Der Earl hatte sich in den letzten Jahren kaum verändert. Er war schlank und hielt sich aufrecht, lediglich sein Haar war ergraut und hatte ein wenig von seiner ursprünglichen Fülle verloren. Als er Tom sah, verzog er kurz sein Gesicht, hatte seine Mimik aber sofort wieder unter Kontrolle.
„Guten Tag, Thomas. Ich muss gestehen, ich hätte nicht schon so bald mit deinem Besuch gerechnet. Da wir jedoch über eine unangenehme Angelegenheit reden müssen, bin ich froh, dies so schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Bitte entschuldige mich kurz: Ich ziehe mich um und bin in wenigen Minuten wieder bei dir.“
Bevor Tom seinerseits etwas sagen konnte, war sein Vater bereits die Treppe hinauf geeilt. Er sah ihm nach. Ihn beschlich das unbestimmte Gefühl, dass das kommende Gespräch nicht so verlaufen würde, wie er sich das vorgestellt hatte.
Ein paar Minuten später saßen beide gemeinsam beim Dinner am großen Tisch im Esszimmer. Die Tafel war viel zu groß für zwei Personen und Tom fühlte sich unwohl. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als das Gespräch endlich hinter sich bringen zu können, doch sein Vater hielt sich zunächst mit belanglosen Plaudereien über Politik und Wirtschaft auf.
Erst, als sich Tom und der Earl erneut in den Salon begaben, um dort einen Brandy einzunehmen, kam sein Vater auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen.
„Du weißt, Thomas, welchen Skandal deine Schwester ausgelöst hat, als sie mit diesem Soldaten durchgebrannt ist. Sie hat großes Unglück über unsere Familie gebracht, und auch wenn die Ärzte behaupteten, deine Mutter sei an ihrem Lungenleiden gestorben, so weiß ich es doch besser. Sie starb aus Scham und an gebrochenem Herzen.“
Tom musste feststellen, dass sein Vater sich anscheinend doch verändert hatte: Ein solcher Hang zur Melodramatik wäre ihm früher fremd gewesen. Der Earl seufzte und starrte aus dem Fenster. Dann blickte er Tom direkt in die Augen, als er fortfuhr:
„Wir haben euch nicht streng genug erzogen. Zu eurem eigenen Schutz wäre es besser gewesen, weniger Nachsicht und Milde walten zu lassen. Was du in London treibst, Thomas, ist nicht nur jugendlicher Leichtsinn oder unmoralisch. Es ist gefährlich. Spätestens im nächsten Jahr wird es ein Gesetz geben, welches widernatürliche Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellt.“
Tom wollte etwas erwidern doch sein Vater hob abwehrend die Hand.
„Ich möchte keine Ausreden hören, Thomas. Als dein Vater bin ich der Letzte, der über jedes Detail deines Privatleben genau informiert sein möchte. Ich will mir nicht ausmalen, was du in London treibst. Fakt ist jedoch, dass du dich in Kreisen bewegst, die deinen Ruf gefährden. Selbst wenn du selbst dich nicht zu … zu widernatürlichen Handlungen hinreißen ließest, so wirft dein Lebenswandel ein schlechtes Licht auf dich und deine Familie. Du musst endlich Vernunft annehmen und erwachsen werden. Da Vorhaltungen und Ermahnungen bisher nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sind, bleibt mir nichts anderes übrig, als andere Seiten aufzuziehen.“
Tom schluckte.
„Ich bitte dich, Vater. Was verlangst du denn von mir?“
„Nichts Ungewöhnliches, mein Sohn. Ich möchte, dass du heiratest und eine Familie gründest. Baue ein repräsentatives Haus und gehe in die Politik oder kaufe dich in ein Unternehmen ein, schließlich bist du nicht auf den Kopf gefallen und hast einen Abschluss in Oxford vorzuweisen. Ich gebe dir zwei Jahre Zeit um eine passende Frau zu finden, zu heiraten und ein Kind zu zeugen. Solltest du diese Bedingungen nicht erfüllen, so wirst du von mir keinerlei finanzielle Unterstützung mehr erhalten.“
„Ein verlockendes Angebot“
London, Juli 1894
Sarah Moore war 25 Jahre alt, gehörte dem gehobenen Bürgertum an und war stolz auf ihre Unabhängigkeit, ihre schnelle Auffassungsgabe und ihren Ehrgeiz. Ihr Vorhaben zu studieren war lediglich an der ablehnenden Haltung ihrer Mutter und an den Schulden gescheitert, die ihr verstorbener Vater der Familie hinterlassen hatte. Sarah hatte das Beste aus ihrer Situation gemacht und arbeitete gelegentlich als Journalistin für eine Frauenzeitschrift. So konnte sie ein wenig Geld zur Haushaltskasse beitragen und ihrer Mutter die teuren Arztbesuche finanzieren, die notwendig waren, um ihr Linderung von ihren Gelenkbeschwerden zu verschaffen.
Nicht zum ersten Mal fragte sie sich heute, wie eine Frau wie sie einem Mann derart verfallen konnte. Wenn sie sich mit Francis traf, vergaß sie ihre Karrierepläne und ihre Unabhängigkeit. Das Einzige, was sie sich wünschte, wenn sie ihn sah, waren seine Hände auf ihrem Körper und seine verführerischen Lippen auf ihren. In den Augen der guten Gesellschaft war Sarah längst eine alte Jungfer, deren rebellisches, wenig bescheidenes Auftreten die altehrwürdigen Ladys und Gentlemen dazu brachte, pikiert die Nase zu rümpfen. Vielleicht war das der Grund, warum Sarah sich derart stark von Francis angezogen fühlte. Er war ein von der Gesellschaft Ausgestoßener. Als Maler lebte er von der Hand in den Mund und niemand von Stand gab sich länger als nötig mit ihm ab. Wahrscheinlich war es nicht zuletzt der Reiz des Verbotenen gewesen, der Sarah in Francis´Arme trieb und nun kam sie nicht mehr von ihm los, obwohl sie wusste, dass ihre Beziehung keine Zukunft hatte.
Wie an jedem Samstag erwartete er sie in seinem kleinen Atelier. Sein Oberkörper war nackt und Sarah konnte sich nicht sattsehen an den Muskelsträngen, die seine Arme durchzogen. Seine Lippen fanden ihre und Francis riss sie an sich, bevor sie noch eine Begrüßung murmeln konnte. Sofort spürte Sarah die Hitze zwischen ihren Beinen auflodern und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als von Francis genommen zu werden. Der schien ihre sündigen Gedanken zu erahnen, denn innerhalb kürzester Zeit hatte er sie von ihrem Kleid befreit und sie stand nur noch mit Mieder und Unterrock bekleidet vor ihm.
„Sarah! Du raubst mir den Verstand! Sobald ich dich in meiner Nähe weiß, will ich dich besitzen!“
Sie stöhnte laut auf, als Francis ihre üppigen Brüste umfasste, und ertappte ihre Hände dabei, wie diese sich wie von selbst an seiner ausgebeulten Hose zu schaffen machten. Gierig befreite sie sein hartes Geschlecht, das augenblicklich steil von Francis´ Körper abstand und sie dazu einlud, ihre Lippen um den harten Schaft zu schließen. Francis ging nicht zimperlich mit ihr um und presste ihren Kopf gegen seine Lenden. Keuchend bäumte er sich ihr entgegen und forderte sie mit heiseren Worten dazu auf, noch stärker zu saugen und zusätzlich ihre Hände einzusetzen.
Niemals hätte Sarah es für möglich gehalten, wie sehr sie diese grobe, fast demütigende Behandlung genoss. Francis liebte es, sich in ihrem Mund zu ergießen – das lag nicht zuletzt daran, dass sie in diesem Fall keine zusätzlichen Maßnahmen ergreifen mussten, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Heute jedoch hatte er anderes im Sinn. Er hielt inne, drehte sie um und lockerte die Schnüre ihres Korsetts, bis sie es leicht abstreifen konnte. Sofort schlossen sich seine Hände um ihre Brüste und rieben an ihren harten, spitzen Knospen.
„Gefällt dir das, Sarah?“
Sie spürte seinen heißen, keuchenden Atem an ihrem Ohr und glaubte fast zu zerfließen vor Lust. In diesem Moment stieß Francis ihr so unvermittelt einen Finger in ihre nasse Spalte, dass sie kurz vor Überraschung zusammenzuckte. Doch wieder ließ ihr Liebhaber es nicht zu, dass sie sich an die lustvollen Empfindungen gewöhnte, die er ihr bereitete. Mit leichtem Druck brachte er sie dazu, sich nach vorne zu beugen und sich auf dem kleinen Tisch abzustützen, der vor ihr stand. Dann drang er mit einer solch pulsierenden Kraft in sie ein, dass Sarah die Zähne zusammenbeißen musste, um nicht laut aufzuschreien. Seine Stöße lösten weitere Hitzewallungen in ihrem Körper aus, die ihr Lustzentrum anschwellen ließen. Francis war ein erfahrener Liebhaber und trotz seiner Grobheit achtete er stets darauf, ihr die gleiche Lust zu bereiten, die er selbst empfand. Seine Ekstase übertrug sich auf Sarah, und als er seinen Höhepunkt erreichte, wurde sie fast gleichzeitig von überwältigenden, sinnlichen Zuckungen übermannt, die ihr die Sinne raubten und dafür sorgten, dass sie Mühe hatte, ihr Gleichgewicht nicht zu verlieren. Taumelnd ließ sie sich in Francis Arme fallen. Der hob sie ohne Anstrengung hoch und trug sie wortlos zu seinem Bett.
Sarah gönnte sich eine kurze Pause und schloss schläfrig die Augen. Die Treffen mit Francis sorgten regelmäßig dafür, dass sie hinterher todmüde war. Heute hatte sie sich eigentlich nicht verausgaben wollen, weil sie später noch verabredet war. Lady Sullivans Abendveranstaltungen waren legendär und die Tatsache, dass sie eine Einladung erhalten hatte, schmeichelte Sarah. Susanna Sullivan war eine gebildete Frau, die regelmäßig Gelehrte, Künstler und Schriftsteller um sich scharrte. Die High Society behandelte sie wie eine Aussätzige, seit sie im letzten Jahr die Scheidung von ihrem untreuen Gatten durchgesetzt hatte, doch Susanna ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie hatte von ihrem verstorbenen Vater ein Vermögen geerbt, welches sie nun nutzte, um sich für Frauenrechte einzusetzen. Susanna war davon überzeugt, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis Frauen das Wahlrecht zugesprochen wurde und Sarah fand diesen Gedanken faszinierend. Leider teilte Francis Sarahs Enthusiasmus in dieser Sache nicht, weshalb sie es aufgegeben hatte, sich mit ihm über derartige Dinge zu unterhalten.
