Ein verliebtes Madl - Friederike von Buchner - E-Book

Ein verliebtes Madl E-Book

Friederike von Buchner

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Beschreibung

Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Die Sonne stand schon tief über München. Wenke saß auf dem winzigen Balkon ihres Zimmers. Sie hatte die Füße auf das Geländer gelegt und blätterte in einer Zeitung. Das Telefon klingelte. »Mmm, bestimmt verwählt«, brummte sie. Sie schaute auf die Uhr. Das Festnetztelefon klingelte weiter. Missmutig stand sie auf und nahm den Hörer ab. »Rauscher«, meldete sie sich. »Gela hier. Dein Handy ist ausgeschaltet, also musste ich dich über das Festnetz aufscheuchen«, entschuldigte sich Gela Schmitt. »Ja, ich wollte meine Ruhe haben. Was gibt es?« Wenke atmete tief durch und fuhr genervt fort: »Gela, ich habe Urlaub. Sag bloß nicht, dass ich einspringen soll!« Gela lachte laut. Sie war nur wenige Jahre älter als Wenke.

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Seitenzahl: 123

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Toni der Hüttenwirt Extra – 77 –Ein verliebtes Madl

… und der Bürgermeister mischt kräftig mit

Friederike von Buchner

Die Sonne stand schon tief über München. Wenke saß auf dem winzigen Balkon ihres Zimmers. Sie hatte die Füße auf das Geländer gelegt und blätterte in einer Zeitung.

Das Telefon klingelte.

»Mmm, bestimmt verwählt«, brummte sie.

Sie schaute auf die Uhr.

Das Festnetztelefon klingelte weiter.

Missmutig stand sie auf und nahm den Hörer ab.

»Rauscher«, meldete sie sich.

»Gela hier. Dein Handy ist ausgeschaltet, also musste ich dich über das Festnetz aufscheuchen«, entschuldigte sich Gela Schmitt.

»Ja, ich wollte meine Ruhe haben. Was gibt es?« Wenke atmete tief durch und fuhr genervt fort: »Gela, ich habe Urlaub. Sag bloß nicht, dass ich einspringen soll!«

Gela lachte laut. Sie war nur wenige Jahre älter als Wenke. Die beiden Frauen kannten sich von einer gemeinsamen Reise. Gela hatte ein Reisebüro eröffnet und nahm selbst die Hotels in Augenschein, die sie anbot. Wenke war eine lustige Abenteurerin, die mit Rucksack durch Europa reiste. An einem Stand für Softeis in Italien hatten sie sich kennengelernt. Gela hatte sofort erkannt, dass Wenke sich gut in ihr Unternehmen einfügen würde.

»Nein, keine Sorge. Dein Urlaub sei dir gegönnt. Es geht um etwas anderes, Wenke.«

»So?«

»Weißt du, ich mache mir um etwas Gedanken. Aber es ist kompliziert. Schwinge dich bitte ins Auto und komme her.«

»So wichtig?«

»Wenke, stelle bitte nicht so viele Fragen! Kommst du oder kommst du nicht?«

»Okay, du hast mich überredet.«

»Fein, ich warte«, antwortete Gela und legte auf.

Wenke war etwas verstimmt. Aber sie wollte Gela nicht enttäuschen. Der Job in der Reiseagentur bot sehr viele Vorteile. Sie wechselte die Shorts und das trägerlose Oberteil gegen ein knöchellanges buntes Sommerkleid und Ballerinas.

Obwohl es schon spät war, war in München immer noch reger Verkehr. Einen Parkplatz musste Wenke nicht suchen.

Im Hinterhof des alten Gebäudes hatte sie einen Abstellplatz.

Ihre Schritte halten durch das Treppenhaus, als sie hinauf in die erste Etage stieg.

Gela hatte von der Terrasse aus gesehen, wie Wenke angefahren war.

Sie stand bereits an der Tür.

»Grüß dich, danke, dass du gekommen bist!«, sagte Gela. »Komm rein.«

Wenke schlug angenehme Kühle entgegen, wie sie nur in den alten Häusern mit ihren dicken Mauern zu finden war. Sie gingen nach hinten durch die Glastür, die die Geschäftsräume von Gelas Wohnung in der riesigen Etage abtrennten.

»Wohin?«, fragte Wenke.

»Gehen wir in die Küche. Ich habe Pizza kommen lassen«, sagte Gela.

»Willst du mich bestechen?«, lachte Wenke.

»Nein, das Essen ist zur Beruhigung gedacht«, antwortete Gela.

»Du machst es sehr spannend«, zischte Wenke. »Nun komm schon raus mit der Sache.«

Aber Gela ließ sich Zeit.

Zuerst wärmte sie die Pizza noch einmal im Mikrowellenherd auf und stellte sie auf den Tisch. Sie schnitt sie in Kuchenstücke und legte Papierservietten hin.

»Willst du Bier, Wein, Limo oder Wasser?«, fragte Gela.

»Kein Alkohol, ich nehme eine Limo.«

»Okay, aber du kannst auch hier übernachten«, antwortete Gela. »Falls du wegen des Autofahrens Bedenken hast.«

Wenke verlor bald die Geduld. Sie trommelte nervös auf die Tischplatte und schaute Gela an.

»Okay, dann will ich mal die Katze aus dem Sack lassen«, sagte Gela, nachdem sie das erste Stück Pizza gegessen hatte.

Sie nippte an ihrem Wasser.

»Ich weiß, dass deine beste Freundin Jule mit Udo Wolker zusammen ist. Und da ich sie über dich kennengelernt habe, mache ich mir Gedanken. Du weißt, dass ich Jule gut leiden kann. Also, Udo betrügt sie.«

»Wie bitte?«, platzte Wenke heraus.

»Ich vermute, nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass Udo es nicht ehrlich mit Jule meint.«

»Das kann ich mir nicht vorstellen«, erwiderte Wenke. »Jule träumt von einer gemeinsamen Zukunft.«

Gela lachte laut.

»Entschuldige, dass ich lachen muss. Erstens weiß ich, dass viele Männer Doppelleben führen oder sogar mehrere Leben nebeneinander. Ich verdiene mit meiner diskreten Reiseagentur mit speziellem Service sehr gut daran, wie dir bekannt ist. Sie betrügen ihre Ehefrauen oder ihre verschiedenen Geliebten. Dass sie unter einem diskreten Namen irgendwo absteigen, dafür zahlen sie gut.«

»Mei, das weiß ich, Gela. Komm endlich zur Sache!«

»Das mache ich schon. Also Klartext: Udo Wolker hatte eine Reise nach Rom gebucht. Als Reisebegleitung gab er Jule an. Jetzt hat er zum gleichen Termin eine Reise nach Paris gebucht. Seine Begleitung ist Sabine Mittler.«

»Sabine Mittler …«, murmelte Wenke.

»Die Mittlers sind eine große Nummer in München und nicht nur hier. Die ganze Familie ist sehr verschwiegen. Als Finanzmagnaten agieren sie im Verborgenen. Will man in diesen Kreisen Karriere machen, kommt man um sie nicht herum. Ich habe meine Lauscher aufgestellt und herausgefunden, dass die Tochter und Erbin ein Auge auf Udo geworfen hat. Und jetzt will ihr Papa Udo fördern. Das Madl soll bekommen, was es will. Für Udo ist Sabine ein Karrieresprungbrett.«

Gela trank einen Schluck, bevor sie weitersprach.

»Diese Sabine ist echt eine Nervensäge. Ich habe in Erfahrung gebracht, dass sie schon einige Männer hatte. Alle liefen ihr weg, trotz ihres guten Elternhauses. Keiner hielt es bei ihr aus. Sie soll kalt sein wie ein Eisblock. Es würde mich also nicht wundern, wenn Udo deshalb den Kontakt mit Jule halten will.«

Wenke machte große Augen. Sie zögerte etwas mit der Antwort und überlegte kurz.

»Gela, das ist gut möglich, dass Udo doppelt fährt. Jule beklagte sich in letzter Zeit, dass er zu viel arbeiten würde. Er hat in letzter Zeit oft Verabredungen abgesagt. Jule nahm es geduldig hin. Sie weiß, wie ehrgeizig Udo ist. Und gegen plötzliche Geschäftsverabredungen mit wichtigen Leuten kann man nichts machen, sagt sie. Jule will ihm keine Steine in den Weg legen.«

»Ob das so klug ist?«, raunte Gela.

»Jule kennt es nicht anders aus ihrem Elternhaus. Ihre Mutter war immer nur Hausfrau und hat ihrem Mann den Rücken freigehalten, wie man früher sagte.Getreu der Redensart: ›Hinter jedem erfolgreichen Mann, steht eine kluge Frau‹. Obwohl Jule so modern wirkt, hat sie dieses Muster verinnerlicht. Ehrlich gesagt, ich hatte schon lange den Verdacht, dass Udo sich von ihr zurückzieht.«

»Ich drücke es anders aus, Wenke. Jule ist das Gegenstück zu Sabine. Sie bietet Udo das, was ihm Sabine nicht gibt.«

»So kannst du es auch sagen«, meinte Wenke.

Sie aß ein Stück Pizza.

»Erwartest du, dass ich Jule reinen Wein einschenke?«, fragte Wenke.

Gela legte die Stirn in Falten.

»Das musst du wissen, Wenke. Du bist seit Kindertagen mit ihr befreundet. Ich wollte dich nur informieren.«

»Danke! Das heißt, ich müsste Betriebsgeheimnisse ausplaudern.«

»Strenggenommen ist es so. Aber ich kann Jule auch nicht in ihr Unglück rennen lassen. Deshalb habe ich dich gebeten, außerhalb deiner Arbeitszeit herzukommen. Ich bin in Konflikt. Meine diskrete Reiseagentur, die Reisen unter Pseudonymen vermittelt, hat einen Ruf zu verlieren. Lass dir eine Ausrede einfallen! Von mir weißt du es nicht.«

Wenke dachte nach.

»Okay, ich weiß, wie ich es mache. Da unsere Kunden ihr Handy auf uns umstellen, damit wir jeden unbeliebten Anrufer abwimmeln können, habe ich einen Grund. Ich bin eben auf die Verbindung Wolker und Mittler in den Unterlagen gestoßen. Keine Sorge, liebe Gela, das nehme ich auf meine Kappe!«

»Du musst Jule einschärfen, dass sie das Udo gegenüber niemals erwähnen darf.«

»Keine Sorge, Jule wird nichts erfahren. Ich habe Udo mit dieser Sabine in der Stadt gesehen, engumschlungen und Bussi–Bussi. Irgendetwas werde ich mir schon einfallen lassen.«

»Okay, jetzt ist mir etwas leichter ums Herz«, seufzte Gela. »Und ehrlich, ich habe Jule und Udo nur einmal zusammen gesehen. Die beiden passen nicht zusammen.«

»Bravo, da bin ich ganz deiner Meinung. Da hat dich dein Instinkt nicht im Stich gelassen. Die Liebe zwischen den beiden kommt mir irgendwie seltsam vor.«

»Genau das ist es. Ein Paar, das sich wirklich innig liebt, hat eine andere Ausstrahlung«, sagte Gela. »Bei denen liegt kein Knistern in der Luft.«

»Was Udo angeht, bestimmt nicht. Übrigens, du könntest eine Partnervermittlungsagentur betreiben. Du hast ein gutes Gespür für Menschen.«

Gela lachte.

»Nein, da lasse ich die Finger davon. Menschliche Beziehungen können sehr kompliziert sein. Mir ist meine diskrete Reiseagentur lieber. Sie buchen, steigen in einem Hotel unter dem Namen Müller, Meier oder Kunz ab oder wie auch immer. Für Diskretion zahlen sie.«

»Stimmt, Gela!«

Sie hatten zu Ende gegessen.

»Wann willst du mit Jule sprechen?«

»Vielleicht meldet sie sich bei mir. Eigentlich müsste sie jetzt schon unterwegs sein und im Flugzeug nach Rom sitzen. Ich kann sie nicht anrufen. Das wäre verdächtig und würde viele Fragen aufwerfen. Ich nehme an, sie meldet sich. Sie hat Urlaub. Vielleicht will sie etwas unternehmen oder ich bringe sie auf die Idee.«

»Gute Strategie«, murmelte Gela. »Und wenn sie sich nicht meldet?«

»Ach, das denke ich nicht. Wenn mal wieder eine Verabredung mit Udo geplatzt war, ruft sie mich wie immer an«, erwiderte Wenke.

In diesem Augenblick meldete sich Wendys Handy.

»Aha, wenn man vom Teufel spricht … Nun ja, in diesem Fall sollte man vielleicht Engel sagen. Jule hat eine SMS geschickt. Sie lautet … ach, lies es selbst, Gela.«

Wenke reichte ihr Handy über den Tisch.

Gela las:

Bin nicht auf dem Weg nach Rom. Melde dich! Da du ebenfalls Urlaub hast, könnten wir etwas zusammen unternehmen. Grüße Jule.

»Nun, damit sind wir einen Schritt weiter«, sagte Gela.

»Ich werde ihr gleich zurückschreiben«, sagte Wenke.

Sie tippte Text ein.

Er lautete:

Hallo Jule, wieso bist du nicht auf dem Weg nach Rom? Klar, können wir beide etwas unternehmen. Ich bin bei Gela. Soll ich auf dem Heimweg bei dir vorbeischauen?

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:

Ja, freue mich, schrieb Jule.

»Okay, dann werde ich mich auf den Weg machen. Gela, ich rufe dich an, sobald ich etwas weiß«, sagte Wenke.

Gela brachte sie zur Tür und sie verabschiedeten sich.

*

Jule wohnte bei ihren Eltern. Ihr Elternhaus lag weit außerhalb von München auf dem Land. Es war ein ehemaliger Bauernhof. Jule wartete am Gartentürchen, als Wenke hielt.

»Pst«, flüsterte Jule.

Sie legte den Finger über die Lippen, dann deutete sie auf ein offenes Fenster an der Giebelseite.

Sie schlichen hinter das Haus in den weitläufigen Garten und betraten das große Gartenhaus. Dort machte es sich Jule immer über den Sommer bequem.

Erst als sie die Tür geschlossen hatten, fielen sich die Freundinnen in die Arme.

»Schön, dass du noch vorbeigekommen bist«, sagte Jule. »Ich gestehe, dass ich es gehofft habe. Ich muss dir etwas erzählen.«

Sie holte zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank und Gläser.

»Trinken wir erst einmal, Wenke. Prost!«

Wenke prostete Jule zu.

Sie setzten sich gemütlich auf die große Polsterlandschaft, die ursprünglich im Wohnzimmer von Jules Eltern gestanden hatte.

»Also, was ist los?«, eröffnete Wenke das Gespräch. »Wieso bist du hier und sitzt nicht im Flugzeug nach Rom?«

Sie war froh, dass die Lampe nur gedämpftes Licht gab. Jule sollte nicht bemerken, dass sie etwas ahnte, wusste oder vermutete.

Jule atmete tief durch und sagte mit fester Stimme:

»Ich habe mich von Udo getrennt.«

»Du hast richtig gehört, liebe Wenke. Ich habe mich von Udo getrennt. Ich habe ihm eine SMS geschrieben, dass es vorbei ist. Er hatte noch ein paar Sachen hier, die habe ich per Taxis zu seiner Zugehfrau geschickt. Sie wird sie ihm geben, wenn er von der Reise zurück ist. Außerdem habe ich seine Telefonnummer auf die Robinsonliste gesetzt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er keinen Kontakt mit mir aufnehmen wird.«

»Du siehst richtig fröhlich aus, Jule. Ich dachte, du bist in ihn verliebt? Ich war mir ziemlich sicher, du machst Zukunftspläne.«

»Ich war verliebt - ich dachte es jedenfalls. Achtung, ich gebrauche die Vergangenheitsform, liebe Wenke. Ich habe mich geirrt. Ich wollte verliebt sein. Ich wollte einen Mann an meiner Seite haben. Aber langsam dämmerte es mir, will ich mal sagen. Die Erkenntnis kam nicht plötzlich. Es war ein schleichender Prozess. Ich kam schon vor einigen Wochen drauf, dass Udo der Falsche ist. Außerdem ist er ein Hallodri. Dass er kein Engel ist, besser war, das wusste ich. Am Anfang unsere Beziehung hat er mir auch seine verschiedenen Verhältnisse aus der Vergangenheit gestanden. Das sei vorbei, hatte er immer wieder betont. Und ich habe ihm geglaubt, weil ich es glauben wollte. Ich dachte, dass er es mir gesteht, ist ein gutes Zeichen. Irrtum!«

»Ihr seid ziemlich lange zusammen gewesen«, bemerkte Wenke leise.

»Das stimmt. In der Zeit hat er sich verändert. Und irgendwann schrillten bei mir die Alarmglocken. Okay, im Anfang glaubte ich ihm noch, aber dann wurde ich nachdenklich. Er hatte immer mehr Konferenzen am Abend, Seminare am Wochenende und und und. Ich wusste, wie ehrgeizig er war. Er kaperte mich mit der Bemerkung, dass er sich für unsere Zukunft so ins Zeug lege. Dann fing ich aber an, Augen und Ohren aufzusperren und habe Nachforschungen angestellt. Meine Ahnungen wurden bestätigt. Er hat mich eingeladen, mit ihm Urlaub in Rom zu machen. Den hat er mal wieder in letzter Minute abgesagt. Ich erhielt gestern Mittag eine SMS, dass er den Urlaub verschieben müsse, weil er für die Geschäftsleitung einspringe. Aber aufgeschoben sei nicht aufgehoben.«

Jule nippte an ihrem Bier.

»Also packte ich die Koffer wieder aus. Aber dann kam mir eine Idee. Ich rief die Fluggesellschaft an und fand heraus, dass Udo umgebucht hatte.«

»Wie hast du das gemacht?«, staunte Wenke.

Jule grinste.

»Ich rief im Namen der Direktion seiner Firma an. Ich jammerte, dass ich vergessen hätte, ihm wichtige Unterlagen mitzugeben. Wenn ich ihn nicht erreichen könnte, würde mir gekündigt werden. Ich flehte und bettelte mit größter Verzweiflung. Ich sei eine junge Witwe mit zwei Kindern. Die Gesprächspartnerin war eine alleinerziehende Mutter und ich rührte ihr Herz.«

»Raffiniert«, warf Wenke ein.

»Ich schwang mich ins Auto und fuhr zum Flughafen. Dort sah ich ihn einchecken. Er war nicht allein. Diese Sabine Mittler war bei ihm. Er hat mir von den Geschäftsverbindungen zu den Mittlers erzählt. Aber bei Geschäftsverbindungen legt man den Arm nicht um die Taille und küsst nicht die Frau. Mehr will ich nicht sagen. Jedenfalls ist es mir gelungen, ein Foto zu machen. Das habe ich ihm gesendet. Es ist aus und vorbei. Das war es, ich bin wieder Single. Und wie sagt meine Mutter? ›Andere Mütter haben auch Söhne‹. Ich bin also wieder auf der Pirsch.«

Wenke schwieg einen Augenblick.

»Nun, ich gebe zu, dass ich erstaunt bin, wie gelassen du bist.«