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Ein Weihnachtstraum Ob bei Eisregen oder Schnee ob im fremden Hafen oder auf Heu und Stroh, das schönste Fest der Christen verliert seinen Zauber nirgendwo.
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Seitenzahl: 72
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Ein Weihnachtstraum
Ob bei Eisregen oder Schnee
ob im fremden Hafen oder auf Heu und Stroh,
das schönste Fest der Christen
verliert seinen Zauber nirgendwo.
Margarete Barainsky wurde 1927 in Schlesien geboren. Sie stammt aus einer Musikerfamilie. 1945 flüchtete sie mit ihren Eltern aus Schlesien, 1947 heiratete sie in Berlin, 1954 musste sie mit ihrem Mann das damalige Ostberlin verlassen, 1971 zog die Autorin mit ihrer Familie nach Vlotho.
Ich danke meiner Tochter Gabriele,
Frau Tabea und Herrn Christian Peitz
für die freundliche Mithilfe
bei der Veröffentlichung dieses Buches.
M. B.
Der geduschte Weihnachtsbaum
Der Weihnachtsapfel
Ein Päckchen für den Opa
Weihnachten am Nordpol
Auf Heu und auf Stroh
Die Puppenstube
Einsam zu Weihnachten?
Der Weihnachtsgeburtstag
Ein Weihnachtstraum
Der Eisregen
Ein Brief für Frau Scholz
Teil 2: Weihnachten in schweren Zeiten …
Das kleine Feldpostpäckchen
oder
Das blaue Kleid
Der längste Weihnachtsbaum
Für Gabi und Dietmar
Es war der vierte Advent, der 22. Dezember. In der Nacht war heimlich still und leise der Frost eingekehrt. Er hatte im Garten eine glitzernde, weiße Schicht auf den Rasen gehaucht und die kleinen Pfützen mit einer dünnen Eisschicht überzogen.
Sabine stand am Fenster und betrachtete entzückt die zarten, weißen Winterspuren. So musste ein Adventstag sein, so strahlendschön und verheißungsvoll das Fest ankündigend.
Am Nachmittag würde Joachim mit den Kindern zum Bahnhof fahren, um die Oma und den Opa abzuholen.
Sabine wollte zu Hause bleiben, um den Kaffeetisch vorzubereiten. Sie hatte sich für jeden eine Überraschung ausgedacht, die in winzigen, roten Nikolausstiefeln auf die Kuchenteller gestellt werden sollten. Für ihre Mutter hatte sie ein Engelchen mit einem Notenblatt in der Hand ausgesucht, ihr Vater würde eine freundlich lächelnde Mondsichel aus Marzipan, die beiden Kinder Schokoladentäfelchen und ihr Mann einen goldenen Stern bekommen; in ihren Nikolausstiefel steckte sie ein wenig Tannengrün.
Am Nachmittag, als Joachim mit Petra und Ricci und den Gästen auf den Hof fuhr, war alles bereit. Die vier Adventskerzen standen in der Mitte des Tisches, und auf den Papierservietten mit dem Weihnachtsmannbild lagen die Kuchengabeln.
Sabine ging zur Haustür, um die Gäste willkommen zu heißen.
Freudig begrüßten sie einander. Nun hatte das Weihnachtsfest für sie begonnen. Joachim und der Opa luden die Koffer aus dem Auto, und die Oma war darauf bedacht, dass niemand in ihre große Reisetasche sehen konnte.
Am Kaffeetisch bereiteten die Nikolausstiefel allen große Freude. Joachim zündete die Kerzen an. Interessiert beobachtete das der vierjährige Ricci, um dann ganz gelassen seine Serviette an eine der Kerzen zu halten. Sehr schnell, bevor die Serviette Feuer fangen konnte, zog Joachim die Hand des Kleinen zurück, und erklärte ihm, dass er sich leicht hätte die Finger verbrennen können. Ricci schmollte: „Ich wollte doch nur sehen, was passiert, wenn die Flamme vom Stängel fällt!“
Am Abend ließen die Eltern und die Großeltern bei einem Glas Wein den schönen Tag ausklingen. Sie sprachen noch einmal über das Experiment des Kleinen mit der Serviette und der Kerze. „Ich glaube, die Zeit der brennenden Lichtchen auf dem Weihnachtsbaum ist vorbei!“, meinte Joachim. „Ich werde morgen eine Lichterkette besorgen!“ Sie beschlossen, den Kindern nichts davon zu verraten.
Schon am Morgen des Weihnachtstages waren alle sehr aufgeregt. Nach dem Frühstück gingen die Großeltern, die Eltern und die Kinder hinaus auf den Hof, um den Weihnachtsbaum ins Haus zu holen. Der Opa betrachtete kritisch den Baum. Er wies auf die unteren Zweige. „So können wir den Baum nicht ins Haus tragen! Der ist ja total schmutzig! Der muss wohl in eine Pfütze gefallen sein!“ „Und was machen wir nun?“, fragte Sabine. „Wir können ihn doch nicht in die Badwanne legen!“ „Nein! Der wird jetzt geduscht! Der Dreck muss weg!“, und an Joachim gewendet bat der Opa: „Schließ doch bitte den Gartenschlauch an. Ich werde den Baum abspritzen, und du kannst ihn festhalten und drehen. Du musst ihn aber aufrecht halten, damit das Schmutzwasser ablaufen kann!“
Ein dicker Strahl traf auf die Äste. Das Wasser spritzte in alle Richtungen. Joachim war bemüht, so wenig wie möglich von der Dusche abzubekommen. Geschickt wich er dem Strahl aus und tanzte, sehr zum Vergnügen der anderen Familienmitglieder, um den Baum herum.
Endlich war der Baum sauber. Immer wieder stießen ihn der Opa und Joachim mit vereinten Kräften auf die Erde, um das Wasser abzuschütteln. Seufzend stellte Sabine fest: „Inzwischen sind wir fast so nass wie der Baum! So können wir ihn nicht ins Zimmer stellen. Wir müssen ihn erst abtrocknen. “ „Ich hole Handtücher“, sagte die Oma entschlossen.
Die Handtücher wurden verteilt. Die beiden Kinder trockneten die unteren Äste ab, Sabine und die Oma die oberen Äste, während Joachim und der Opa sachdienliche Hinweise gaben. Als der Baum endlich „stubengeeignet“ schien, konnte er ins Haus gebracht werden. „Ich trage mit!“, rief Petra. Der Opa nickte: „Du fasst oben an und ich unten!“ „Und ich filme das!“, sagte Joachim, der inzwischen die Kamera geholt hatte, und gab noch einige Regieanweisungen. Der Festzug setzte sich in Bewegung. Petra, sehr ernsthaft bei der Sache, hielt den Baum an der Spitze fest; der Opa ergriff ihn „unterhalb der Taille“. Allen fröhlich voran, hüpfte Ricci die sechs Stufen zur Haustür hoch. Mit großer Geste öffnete die Oma die Tür und nahm den feierlichen Zug in Empfang. So gelangte der geduschte, frottierte Baum auf seinen Platz im Weihnachtszimmer neben der Anrichte, direkt vor der Steckdose.
Die Kinder waren sehr aufgeregt, und schließlich gingen sie hinauf in ihr Zimmer, um dort auf den Weihnachtsmann zu warten. Während Sabine und die Oma das Festessen zubereiteten, schmückten die beiden Männer den Baum. Schon bald kam der Opa in die Küche: „Jetzt kommt doch mal und seht euch an, wie toll der Baum mit der Lichterkette aussieht!“ „Ist das schön!“ Die Oma war begeistert: „Ich bin gespannt, was die Kinder dazu sagen werden!“
Sabine ging hinauf zu den Kindern. „Nun warte ich hier mit euch, bis der Weihnachtsmann kommt!“ Kurz darauf hörten sie das Klopfen an der Haustür. Petra horchte auf, legte einen Finger an die Lippen, und Ricci sagte ganz leise: „Da ist er schon! Gleich können wir runtergehen!“ Kurz danach waren schlurfende Schritte aus dem Flur zu hören, und dann wurde die Haustür lautstark geschlossen.
Erwartungsvolle Stille! Endlich ertönte das Weihnachtsglöckchen, und Joachim rief: „Ihr könnt kommen! Der Weihnachtsmann war da!“
Aus dem Weihnachtszimmer klang Musik, ein Kinderchor sang „Ihr Kinderlein kommet“. Oma und Opa erwarteten sie schon. Freudestrahlend lief Ricci zum Baum. Erstaunt blieb er stehen, und dann versuchte er, die Kerzen auszupusten. Joachim und Sabine schauten sich triumphierend an, und plötzlich standen sie im Dunkeln. Alle Lichter waren erloschen.
Der Opa schaltete das Deckenlicht an, und unter dem Baum kam der kleine Ricci hervor. Er hatte schnell begriffen, weshalb die Kerzen nicht auszupusten gingen, und den Stecker aus der Dose gezogen. „Die sind ja elektrisch! Deshalb kann man die nicht auspusten!“
„Richtig! Und es kann auch keine Flamme vom Stängel fallen! Wir können jetzt in aller Ruhe unsere Geschenke unter dem Weihnachtsbaum auspacken.“
Missmutig schaute Peter sich in dem kleinen Wohnzimmer um. Eigentlich wollte er Weihnachten bei Oma und Opa feiern, in dem Haus, in dem auch seine Eltern eine Wohnung hatten. Es war immer so schön, wenn sie bei Oma und Opa zum Essen waren und dann gemeinsam hinauf gingen. Er dachte an den großen Weihnachtsbaum, der immer vor dem Wohnzimmerfenster stand, mit silbernen Kugeln geschmückt war und eine Lichterkette hatte. Eigentlich waren es zwei Ketten. Die mit den kleinen Birnchen, wurde um den Stamm des Baumes gelegt, und die mit den Kerzen direkt auf die Zweige. Rund um den Baum lagen bunte Päckchen und Pakete. Seine Geschenke lagen immer auf der rechten Seite des Baumes. Dort konnte er gemütlich auf dem großen Kissen sitzen, das nur zu Weihnachten benutzt wurde, die Geschenke auspacken und die Anderen beobachten.
Nun war er auf dem Motorkahn, dem Frachtkahn, der seinen Eltern gehörte. Der Vati hatte kurz vor Weihnachten noch eine Fracht angenommen. Auf dem Rückweg waren sie in einem Hafen, weit weg von zu Hause, eingefroren.
Eigentlich war der Raum auf dem Kahn auch ganz schön, obwohl es recht eng war. Auf zwei Seiten waren Fenster, die in einer Spitze zusammenliefen. Die Mutti hatte Tannenzweige auf die Fensterbänke gelegt, dicke grüne Zweige mit langen Nadeln. Eine Lichterkette war durch das Grün gewunden, und die Kerzen lugten daraus hervor. Es lagen auch silberne Kugeln dazwischen und, was besonders schön war, dicke rote Äpfel. Die waren so makellos, so schön, dass man glaubte, dass es künstliche Äpfel seien. Aber es waren keine künstlichen Äpfel! Es waren dicke,
