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Diese Humoreske ist ein Experiment... Im letzten Winter quälte sich der Wangerooger Inselkommissar Petersen, bekannt aus den Wangerooger Kriminalromanen von Malte Goosmann, mit der Gewichtsfrage. Von unterschiedlichen Begebenheiten ordentlich getriggert, gestand er sich ein, sein Bauch war tatsächlich zu dick geworden. Er musste langsam die Reißleine ziehen, wenn er nicht aus allen Nähten platzen wollte. Sieben freie Wochen ohne Polizeiarbeit hatte er Zeit, um das Problem anzugehen. An einem außergewöhnlichen Winterabend treffen in einer Wangerooger Kult-Kneipe sieben unterschiedliche männliche Charaktere aufeinander. Petersen gibt sieben tragisch-komische Geschichten zum Besten, die ihn dazu bewegt hatten, den Kampf gegen die Pfunde aufzunehmen. Zwischendurch geschehen in dieser Runde die skurrilsten Dinge. Der Countdown zum Sieben-Wochen-Projekt startet jetzt…
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Seitenzahl: 94
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Ein Winter
auf
Wangerooge
Petersens Kampf gegen
die Pfunde
*******
K E I N
Kriminalroman
von
MONIKA GOOSMANN
Vorwort
oder
Fast schon „Kapitel eins!“
Ein kleiner Hinweis:
Wer bereits die Wangerooge Krimis von Malte Goosmann gelesen hat, ist beim Lesen meiner Geschichte leicht im Vorteil, aber auch für alle anderen dürfte es hoffentlich ganz amüsant werden…😊
Vorab ein wenig über mich (uns):
Mit Beginn der Pandemie rutschte ich ab März 2020 unvermittelt ins Homeoffice. Der Lockdown kam wie eine Urgewalt über uns alle und zwang uns förmlich zum Runterfahren. Unternehmungen außerhalb der häuslichen Umgebung waren ja kaum möglich, keine Restaurantbesuche, kein Kino, kein Fitnessstudio und so weiter. Aber was tun mit der vielen Zeit in den eigenen vier Wänden? Klar, Netflix und Co wurden angeschafft gegen die Langeweile, aber man konnte ja schließlich nicht nur auf dem Sofa verbringen, um sich dort den Hintern breit zu sitzen.
Als täglich drohend-positives Vorbild vor Augen, hatte ich meinen Ehemann. Als Pensionär verbrachte Malte total strukturiert mehrere Stunden am Tag in seinem Arbeitszimmer. Sei es um im Internet zu recherchieren und an einem seiner aktuellen Wangerooge Krimis zu schreiben, oder auch Klavier zu spielen, um einfach in Übung zu bleiben. Zudem war er auch noch sportlich und machte alle zwei bis drei Tage seine Radtourten. Vor-bild-lich!
Also, Monika, mach auch was, dachte ich mir und fing an Sport zu treiben. Also „Sport“ in dem Sinne, wie es einer dermaßen unsportlichen Person wie mir, es eben möglich war, und wie es innerhalb des eigenen Wohnraums umsetzbar war. Gymnastik, Zumba, Schritte zählen, sich auf dem Stepper quälen bis die Knie knarrten, ich hatte so einiges im Programm. Gleichzeitig hatte ich mit Hilfe meiner Fitness App auch die Ernährung überwacht und siehe da, tatsächlich im Laufe des Jahres richtig gut an Gewicht verloren. Die schwere Zeit der geschlossenen Restaurants kam mir dabei wie gerufen. Traurig aber wahr, des einen Freud ist des anderen Leid. Parallel ließ ich meine Kreativader neu pulsieren, indem ich anfing, mit den diversesten Techniken zu malen. Im zarten Alter von nahezu sechzig Jahren (da musste ich mich aber erstmal überwinden, um das hinzuschreiben) wollte die Kunst endlich aus mir raus. Eine wahre Spätzünderin! Der heutzutage unfassbaren Möglichkeiten sich im Internet, in meinem Fall war es halt über YouTube, zu informieren, beziehungsweise sich tatsächlich auch weiterzubilden, sei es gedankt, dass bei den rund fünfzig Bildern die ich bis Mitte 2022 gemalt habe, zumindest für meinen persönlichen Geschmack, rund ein Dutzend ganz ordentliche Werke rausgekommen sind. Das klappte natürlich erst, nachdem ich, gebannt zugesehen hatte, wie unterschiedliche Künstler…
(Künstler/in, Künstler:in, Künstler*in? Das ganze Gegendere schmerzt doch in den Ohren wie Mittelohrentzündung, übelste Sprachverstümmelung, einfach Grausam, oder nicht?)
… wie Künstler also erklärten, mit welchen Materialien und mit welchen Techniken zum Beispiel ein menschliches Auge möglichst realistisch gezeichnet werden könne. Am Meisten hatte es mir jedoch eine sympathische Malerin aus Hannover angetan. Was die Frau da anbot, meist eher abstrakter Natur, war wirklich inspirierend und lehrreich. Während ich so stundenlang auf den Monitor meines Laptops starrend selbstverständlich auch hinhörte, sog mich ihre angenehm warme Stimme direkt in eine Art meditatives Tauchbecken aus dem ich danach quasi emporstieg, wie Phönix aus der Asche. (In dem Fall doch Phönixin?). Ich malte und malte daraufhin des Öfteren so lange, bis ich glühende Wangen bekam und mein Mann anmerkte:
„Na…, hat da etwa jemand wiedermal die Zeit vergessen?“
Ja, so war das.
Aktuell, wir befinden uns im November 2022, sind schon fast drei Jahre seit Beginn von Covid-19 vergangen. Meine sportlichen Aktivitäten haben sich klammheimlich und leise wieder ausgeschlichen und das Gewicht ist zuverlässiger Weise wieder leicht angestiegen. Aber ab nächsten Montag geht’s dann mal wieder richtig los.
(Kennt man ja, aber Achtung meine Parole, Hauptsache kein Jo-Jo-Effekt und „fetter“ werden als zuvor!)😊
Das Malen hielt ich allerdings länger durch. An den Wänden innerhalb unseres Hauses befinden sich mittlerweile nicht mehr viele Freiplätze für neue Gemälde. Aber um das Malen sollte es ursprünglich hier gar nicht gehen, ihr solltet einfach nur ein wenig über mich erfahren...
Kurze Rückblende:
Im Sommer dieses Jahres überredete mein Mann mich eines Tages dazu, den neuesten Bestseller von Heinz Strunk, Ein Sommer in Niendorf zu lesen, von dem er selbst megabegeistert war und bei dem er sich schier kaputtgelacht hatte:
„So etwas Witziges, großartig!“
Nun ja, lustig fand ich den Roman auch, derbe formuliert, Strunk eben. Im Geiste sah ich schon Charly Hübner, als volltrunkenen widerlich-lotterigen Hausmeister in einer Verfilmung genial agierend, sein Können darbieten.
(Übrigens wäre Charly Hübner, im Falle einer Verfilmung der goosmänischen Wangerooge Krimis, als „Lars Petersen“ glaube ich die Traumbesetzung meines Mannes, und man darf ja wohl mal träumen.😊)
Ganz anders als Malte, fand ich Ein Sommer in Niendorf allerdings mitunter ganz schön anstrengend, denn es fiel mir streckenweise nicht leicht, dem waghalsigen Wortspiel und den häufig schier unendlich langen Sätzen des Autors, folgen zu können. Einfach brutal, an manchen Textstellen sah ich Heinz Strunk direkt vor mir, wie er sich selbst vor Begeisterung kichernd auf die Schenkel schlug. Was mich irgendwie nervte und gleichzeitig aber auch beeindruckte. Vielleicht fehlte mir aber einfach nur der intellektuelle Zugang, wie es damals in dem Radio Bremen Klassiker „HURZ“ des genialen Hape Kerkelings, der genervten Zuschauerin mit dem hochroten Kopf auch gegangen war. Überhaupt, schreiben wie einem der Schnabel gewachsen ist, das kann ja wohl jeder, irgendwie, dachte ich übermütig etwas respektlos und begann daraufhin erstmal wieder voller Elan an einem abstrakten Bild zu malen. Es wurde ein ganz interessantes Werk, so was wie „Der erste Schnee über der Stadt“ kam mir als Erstes in den Sinn. Da ich meinen Babys tatsächlich immer Namen gebe, erschien mir in diesem Fall als Titel: „Inspiration in Türkis“ dann doch passender. Vielleicht einfach nur, weil gerade Sommer war. Irgendwie war demnächst mal Zeit für eine neue Herausforderung…
Der eigentliche Anstoß zu diesem Buch:
Während unseres kürzlichem Wangerooge Aufenthalts in diesem September, in dem mein Mann etliches an Inspirationen für seinen nächsten Roman um seinen Protagonisten Lars Petersen aufsog, welchen er ja schließlich auf dieser Insel ermitteln ließ, verbrachten wir gemeinsam mit einem guten Freund aus Wuppertal einen außerordentlich amüsanten Abend in unserer Urlaubs-Stammkneipe. Der Wirt war auf seine ganz eigene, liebenswert uncharmante Art und Weise in Höchstform und auch die ein oder andere skurrile Type am Tresen sparte nicht mit teilweise ungewolltem Wortwitz. Da wurden mitunter Dinger rausgehauen, da fasst du dir an den Kopf. Als Frau sollte man da keinesfalls empfindlich sein, eher auch mal austeilen können. Aber eins Mal ganz deutlich, auch wir hielten uns natürlich nicht zurück und witzelten heftig rum, was unter anderem natürlich der Tatsache zuzuschreiben war, dass die Männer ordentlich durstig waren und viel Jever tranken. Ich dagegen trank in vorbildlicher Weise nur Jever Fun Zitrone, glich den fehlenden Alkoholgehalt dann aber mit kleinen Gläschen Rotem Genever wieder aus. Zu tiefgründigen Gesprächen kam es dadurch nicht, eher zu einem kultivierten Geplänkel in Kneipenlatein, bei dem viel und herzlich gelacht wurde. Am lautesten dabei war original der Wirt, wenn er über seine eigenen Witze selber lachte. In dem ein oder anderen Moment, hätte es durchaus gut passen können, wäre die fiktive Figur Petersen mit einem „Moin Magister“ durch die Eingangstür der Kneipe hereingetreten. Ein wirklich inspirierender Abend, und das nicht nur für meinen Mann, den Schreiber…
Später, längst im übergroßen Ehebett der Ferienwohnung liegend, kam mir kurz vor dem Einschlafen, ja fast schon im Halbschlaf, na, vielleicht war es aber auch schon im Traum, ich weiß es einfach nicht so genau, eine zunächst total verrückte Idee. Eine Idee, die mich in dieser Nacht um den Schlaf brachte, denn in meiner Fantasie verknüpften sich Personen meines Alltags mit den genialen und witzigen Charakteren aus den Kriminalromanen von Malte Goosmann, der neben mir längst friedlich schlummerte, und dem in a good way schnodderig-schlüpfrigen Freischnauze-Schreibstils des Heinz Strunk.
In meiner Fantasie mischten sich diverse Begebenheiten des Abends, unseres Urlaubs, des Alltags und irgendwie des gesamten Lebens mit der Romanwelt meines Mannes. Vielleicht hätte ich einen Roten weniger trinken sollen, wie auch immer, auf jeden Fall verschmolzen in meinem Kopf Realität und Fiktion auf dubiose Art und Weise komplett ineinander. Vielleicht bilde ich es mir heute nur ein, aber es könnte sein, dass ich mir im Traum aus lauter Vergnügen innerlich selbst auf die Schulter geschlagen habe. Das könnte natürlich schon ein Anfall von goosmännisch-strunkschem Gag-Tourette oder etwas ähnlich Ansteckendem gewesen sein. Jedenfalls fantasierte ich mich um den Schlaf und dachte tatsächlich zwischendurch, das musst du einfach aufschreiben. Meine Gedanken drehten sich wieder und wieder im Kreis, weil ich Angst hatte, ich könnte etwas von dem Hirngespinst-Gedöns bis zum Morgen bereits wieder vergessen haben.
So gegen vier, glaube ich zumindest, sah ich zum letzten Mal auf die Uhr und bin dann tatsächlich doch noch richtig eingeschlafen.
Am Morgen danach, gleich nach unserem gemütlichen Frühstück, konnte ich es kaum noch abwarten, es kundzutun. Ich sah meinen Mann an. So muss es dir doch auch immer gehen, dachte ich, deshalb zieht es dich immer wieder nach Wangerooge, sozusagen an die Quelle deiner Inspiration. Irgendwie war ich tatsächlich aufgeregt und atmete noch einmal tief durch. Dann erzählte ich meinem Mann, dass ich nach unserem lustigen Kneipenabend, während er vermutlich bereits fest eingeschlafen war, einen regelrechten Fantasieflash hatte, dessen Ausläufer irgendwann zu einer wirren Geschichte versponnen, im Traum endete. Ich hätte wohl Lust das alles auch mal aufzuschreiben. Launig sollte es werde, dem Alltag entsprungen aber dennoch Fantasie. Bestimmt würden sich einige davon angesprochen fühlen oder sich in der einen oder anderen Situation irgendwie wiedererkennen.
Und, jetzt kams:
Lars Petersen muss abnehmen, davon hatte ich geträumt. Er sollte dann Dinge erleben, die so viele Menschen schon erlebt hatten, wenn sie an Gewicht verlieren wollten. Das könnte doch bestimmt witzig werden!
So es war raus……
Mein Mann sah mich daraufhin an, als hätte ich nicht mehr den kompletten Tassensatz im Schrank, aber auf meine Frage ob ich seinen Petersen als Figur nehmen könne und es auf Wangerooge spielen dürfte, sagte er spontan ganz locker:
„Von mir aus, darfst du gerne, aber bitte nicht, dass es so rüberkommt, als müsste ich abnehmen, das möchte ich nicht!“, und vertiefte sich schnell wieder in den Weser-Kurier.
(Ich erahne an dieser Stelle bereits den Einwand meines Lektors: „Das ist mir alles zu privat.“)😊
Da es an diesem Tag auf Wangerooge extrem stark regnete und wir vorerst mehr oder weniger in der FEWO festsaßen, fand ich am Vormittag die Zeit, auf den einzigen zwei DINA 4 Seiten, die ich in der FEWO finden konnte, nämlich auf den Rückseiten des Begrüßungsschreibens des Vermieters und dem Bewertungsfragebogen mit den freundlich grinsenden Smileys für sehr gut oder gut, bis zu dem grimmig dreinschauendem Smiley für ungenügend, mir ein paar wichtige Notizen für zu Hause zu machte. Somit hatte ich mir ein neues Steckenpferd gesattelt…
Das war sie also, die neue Herausforderung, sozusagen mein Experiment. Ein Vorhaben, auf das ich so richtig Bock verspürte, und das waren die Fakten:
Mein Protagonist durfte die fiktive Figur aus der Feder eines anderen Schriftsellers sein. Keine Ahnung, ob das jemals Jemandem zuvor gestattet wurde? Ich jedenfalls, hatte die Absolution des geistigen Vaters des Protagonisten selbst dafür, meine Geschichte um Lars Petersen spinnen zu können. Ob Malte meine Zeilen dann abfeiern oder sie in der Luft zerreißen würde, sollte sich zu viel Wahrhaftiges
