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Gott, der Herr erschuf den Kosmos, die Welt und am 6. Tag, schon müde und nicht mehr ganz auf der Höhe seiner Konzentration, den Menschen. Mit einem kurzen Exkurs in die Schöpfungsgeschichte beginnt dieser Satireband, der die "Krone der Schöpfung" in 29 Episoden ein Stück weit auf seinem Weg durch die Tücken des Alltags begleitet, mitten hinein in oder knapp vorbei an Schwächen, Unzulänglichkeiten, Verwicklungen und Absurditäten. Am Schluss zeigt ein in jeder Beziehung historisches Interview mit dem Höllenfürsten Lucifer, einstmals gefeierter Erzengel, was seit dem Rauswurf des Menschen aus dem Paradies so alles daneben gegangen ist, und welch teuflische Komplikationen die Zukunft für "Gottes Ebenbild auf Erden" bereithält.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Frank Solberg
EIN ZACKEN AUS DER KRONE
Gottes Ebenbild auf Erden. Eine satirische Bestandsaufnahme.
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Zitat
DER SECHSTE TAG
VORSICHT, ANFÄNGER!
Der erfolgreiche Schriftsteller - oder: Wie finde ich eine Lobby?
Kein Pseudonym
CHRONISCHES VON HEIM UND HERD
Wir müssen heiraten
Zermürbungstaktik
In der Sackgasse
Onkel Ewald
Katzenjammer
Der weiße Sport
Doktorspiel
Pornografie macht blöd
Wenn die Stunde schlägt
Angst vorm Fliegen
VON MENSCHEN UND ANRAINERN
Leihweise
Straßenfest - Teil 1: Der Planungsstab
Straßenfest - Teil 2: Das Programm
Gartenfreuden – Gartenfreunde - Teil 1: Das Problem
Gartenfreuden – Gartenfreunde - Teil2: Die Lösung
Habermann geh du voran
Ein Doppelschlag
An der Börse
Experten-Runde
ALFRED
Personenkult
Spiel ohne Grenzen
Nie wieder reich
ALLERLEI BUNTES (oder umgekehrt)
Meine Schatten
Berufsehre
Gehirnerschütterung - oder: Die Gedanken sind frei
Der Dritte von rechts
Circulus vitiosus
Impressum neobooks
Am Anfang waren nur Dunkelheit, Leere und Stille. Dann kam Homo sapiens, und es wurde heller, voller und lebhafter.
Gott, der Herr, muss einen rabenschwarzen Tag erwischt haben, als er den Menschen erschuf. Es war an einem Freitag, womöglich einem 13., nach Dienstende, als ihm siedendheiß einfiel: „Du lieber Himmel (oder so ähnlich), da hätte ich doch beinahe die Krone der Schöpfung vergessen.“ Und vorbei war's mit der Wochenendstimmung.
Der Herr erhob sich von seinem Liegestuhl unter einer schattigen Palme und wanderte grübelnd im Garten Eden umher. Aber so sehr er sein Hirn auch marterte, die rechte Idee wollte ihm nicht kommen, hatte er doch fünf harte Arbeitstage hinter sich. Er fühlte sich etwas ausgebrannt.
„Es muss etwas außergewöhnliches sein“, sinnierte er, „etwas, das mir so leicht keiner nach macht.“ Er überlegte lange. Der Abend kam, die Nacht ging vorüber, und er schritt immer noch rastlos im Paradies auf und ab.
Doch plötzlich, in der Morgendämmerung, kam ihm die Erleuchtung. „Halleluja! Ich mache ein Abbild von mir.“ Und so nahm das Unheil seinen Lauf.
Er holte Lehm, Wasser, und was man sonst noch so braucht, und begab sich ans Werk. Er mischte, knetete, formte und glättete. Dann blies er der irdenen Figur, die unter seinen Händen entstanden war, den Odem des Lebens in die Nase und fertig war der Mensch. Wohlgefällig betrachtete er das Ergebnis, das schlafend vor ihm auf dem Boden lag, und er befand es gut geraten.
Just in diesem Augenblick rauschte eine hell leuchtende Gestalt mit irrsinnigem Flügelschlag vorbei. Es war Lucifer, erst wenige Jahrtausende zuvor zum Erzengel avanciert. Er galt als der beste und gleichzeitig verwegenste Flieger der Sonder-einsatzstaffel der himmlischen Heerscharen. Obendrein war er als Wortführer einer kritischen Minderheit bekannt und gefürchtet.
„Halte ein“, rief der Allmächtige dem Engel zu. „Wie oft schon habe ich dich gebeten, diese Tiefflüge zu unterlassen. Das schadet der Umwelt. Komm her zu mir und sieh, was ich erdacht und vollendet habe.“
Lucifer unterbrach seine Flugübung, drehte elegant noch eine Platzrunde und gab dann eine seiner berühmten Punktlandungen zum Besten.
„Es ist Adam“, erklärte Gott der Herr und ein Unterton von Stolz schwang mit, als er fortfuhr. „Er ist der Mensch, das Nonplusultra dessen, was ich in dieser Woche geleistet habe.“
Der Erzengel begutachtete das angepriesene Wesen neugierig und ausgiebig von allen Seiten. „Ein Prototyp“, stellte er dann sachkundig fest. „Ganz hübsch soweit, aber wo ist der Clou?“
Der Herr runzelte die Stirne. „Immerhin“, entgegnete er, „er ist ein Bild, das mir gleicht.“
„Gewiss, gewiss“, beeilte sich Lucifer zu versichern, „eine Ähnlichkeit ist durchaus vorhanden. Aber er trägt keinen Bart.“
„Der wird ihm schon noch wachsen“, brummte der Schöpfer. „Sonst fällt dir nichts auf?“
Lucifer dachte nach. „Er bewegt sich nicht“, konstatierte er.
Die Stimme des Herren klang eine Spur ungeduldiger: „Natürlich, ich habe ihn ja gerade erst hergestellt, er befindet sich noch in der Narkose.“
„In was befindet er sich?“, fragte Lucifer erstaunt.
„Ja, ja, schon gut“, der Herr winkte ab, „das kannst du nicht wissen. Es handelt sich um eine Betäubung, eine Art künstliche Bewusstlosigkeit.“
„Sehr interessant“, bemerkte Lucifer, „und wie hast du das angestellt?“
Der Herr wurde ungehalten. „Das, mein Lieber, bleibt mein Geheimnis, es ist auch nicht so wichtig. Entscheidend ist allein, was er kann, und was ich mit ihm vorhabe.“
„Und was wäre das, oh Herr?“, fragte der Erzengel artig, während seine Gedanken noch um den künstlichen Tiefschlaf und die damit verbundenen Möglichkeiten kreisten.
Jetzt war der Allvater in seinem Element. „Er wird sehen, hören und reden können. Außerdem“, er machte eine künstliche Pause, um die Wirkung der nun folgenden Worte zu unterstreichen, „außerdem, und das wird ihn auszeichnen, ist ihm die Gabe des Denkens verliehen.“
Lucifer, der Engel des Lichts, schwieg. „Es hat ihm glatt die Sprache verschlagen“, mutmaßte der Allwissende und wie, um noch eins drauf zu setzen, fügte er hinzu. „Ich werde ihm die Erde untertan machen und gebe das Paradies in seine Obhut.“
Der Erzengel reagierte. „Endlich jemand, der den Garten in Ordnung hält“, bemerkte er trocken und ein Anflug von Ironie war unüberhörbar.
„Na, und?“, Gott, der Herr, war gekränkt. „Was ist so verkehrt daran? Es sieht ohnehin alles etwas verwildert aus. Er wird den Rasen mähen, die Büsche schneiden, die Bäume stutzen, na, ja, was eben so anfällt.“
„Und er könnte auch das Obst ernten“, ergänzte Lucifer, scheinbar arglos. „Vor allem die Äpfel müssten dringend gepflückt werden.“
„Nichts da“, donnerte der Herrgott, „diese Früchte sind und bleiben verboten. Wenn er vom Baum der Erkenntnis nascht, wird er gefeuert.“
Der Erzengel hob besänftigend die Hände. „Verzeih, oh Herr, die Sache mit den Äpfeln hatte ich vergessen.“ Er überlegte einen Moment. „Glaubst du nicht“, fragte er dann, „dass er sich vielleicht einsam fühlen könnte? So ganz allein. Er ist schließlich der einzige seiner Sorte.“
„Mhm“, der Herr strich nachdenklich über seinen Bart. „Da ist was dran, aber warten wir's ab. Vielleicht, wenn er sich bewährt, mache ich noch ein zweites Exemplar.“
Lucifer's Wissensdurst war noch nicht gestillt. „Sage mir bitte noch eines, mein Schöpfer“, und dabei strich er liebevoll über seine prächtigen weißen Flügel. „Kann er auch fliegen?“
„Unsinn“, Gott, der Herr, wurde barsch. „Blanker Unsinn. Er ist ein Mensch und kein Vogel. Wenn ich gewollt hätte, dass er fliegt, dann hätte ich ihn entsprechend ausgestattet. Er wird dir also keine Konkurrenz sein.“
Dann drehte er sich abrupt um. „Und nun geh mir aus den Augen.“ Plötzlich wirkte er müde. „Ich muss mich ausruhen. Es war doch wohl alles ein bisschen viel in diesen Tagen.“
„Nichts für ungut“, Lucifer neigte demütig sein Haupt. „Ich habe dich nicht erzürnen wollen.“ Aber Gott hörte ihm schon nicht mehr zu.
„Der Alte Herr wird auch immer seltsamer“, dachte Lucifer bei sich. „Krone der Schöpfung, das ich nicht lache. Was kann schon ordentliches dabei herauskommen, wenn man samstags Überstunden macht? Obwohl“, er startete mit einem Affenzahn, der Begriff ‚Höllentempo‘ war noch nicht Sprachgebrauch, „die Idee mit dem Menschen ist so schlecht nicht. Man muss ihn unbedingt im Auge behalten.“
„Ein respektloser Kerl dieser Lucifer“, dachte Gottvater bei sich. „Nicht unintelligent, einige seiner Anregungen sind durchaus brauchbar. Trotzdem, er wird immer aufsässiger und leider ist er eine Spur zu eitel. Man muss ihn unbedingt im Auge behalten.“
Aller Anfang ist schwer – deshalb fangen viele erst gar nicht an.
Unbekannter Neo-Realist
Die erfolgreichste Schrift aller Zeiten ist die Bibel. Allerdings hatten die Verfasser den unbestreitbaren Vorteil, dass ihnen der himmlische Vater selbst die Feder führte. Welchen Autoren der Gegenwart wird dieses Privileg schon zuteil?
Hieße ich Bernhard Shaw, Kurt Tucholsky, Ephraim Kishon oder Helmut Seehofer, ich dürfte sicher sein, dass dieser kleine Band Beachtung fände. Wohlgemerkt, es ist kein Neid, der aus mir spricht, zumal ich die erwähnten Herren – gleich ob lebend oder bereits verblichen – ob ihrer satirischen Meisterleistungen außerordentlich schätze.
Aber als literarischer Frischling, und der bin ich nun einmal, braucht man zunächst die richtige Lobby. Das sind einerseits die Verleger, natürlich auch die Kritiker, und da ist andererseits die geneigte Leserschaft, die das Ganze letztlich auch finanziert – oder auch nicht.
Frage 1: Wie kommt man an einen Verleger und, so man ihn findet, wie bringt man ihn dazu, das zu tun, was sein Beruf ist, nämlich zu verlegen? Wobei ich zu meinen Gunsten annehme, dass dieser Ausdruck nicht wortwörtlich zu verstehen ist.
Frage 2: Wie erreicht der Verlag (und damit dieses Büchlein) die Leser (also Sie)?
Frage 3: Wie überzeugt man die Kritiker (oder muss man das überhaupt)?
Frage 4: Was und wie muss man schreiben, damit man Interesse in der Lesergemeinde findet?
Zur ersten Frage (Wie kommt man an einen Verleger?) kann ich sehr konkret antworten. Das Manuskript wird – auszugsweise – an verschiedene Verlage geschickt. Und dann? Abwarten!
Man muss natürlich realistisch sein und Geduld aufbringen. Außer mir gibt es noch genügend Verrückte, die ihre gestammelten Werke einsenden, in der Hoffnung oder gar in dem festen Glauben, dass sie irgendwer veröffentlichen wird. Mir tun jedenfalls die Lektoren leid, deren ermüdende Aufgabe darin besteht, tagein tagaus die untaugliche Spreu vom mehr oder weniger literarischen Weizen zu trennen. Doch sollten sie, lieber Leser, diese Zeilen jemals erblicken, dann dürfen sie gewiss sein, dass sie (die Zeilen meine ich) nicht durch das Sieb gefallen sind.
Es wäre allerdings auch denkbar, dass der Lektor total überarbeitet oder Legastheniker ist oder dass er einen Sehfehler hat.
Die zweite Frage (Wie erreicht der Verlag die Leser?) interessiert mich zum Zeitpunkt des Schreibens nur peripher, weil ich keine Vorstellung davon habe, wie ein Verlag das überhaupt bewerkstelligt. Ich gehe in meiner Einfalt davon aus, dass ein Verleger schon wissen wird, wie man Bücher zu vermarkten hat, seien sie nun von hohem Anspruch oder von mir.
Zur dritten Frage (Wie überzeugt man die Kritiker) nur eine kurze Anmerkung: Kritiker sind nicht wichtig, aber sie können nützlich sein. Ideal wäre es, wenn sie mein Machwerk öffentlich in der Luft zerreißen. Eine bessere Reklame und kostenlos noch dazu, kann ich mir schlechterdings nicht wünschen.
Die Beantwortung der vierten Frage (Was und wie muss man schreiben?) fällt ausgesprochen leicht: Ich es weiß nicht. Es gibt ihn nämlich nicht ‚den typischen deutschen Leser‘. Was jemand liest, ist geschmacks-, bildungs-, milieu- und geschlechterabhängig und wird womöglich sogar durch das Wetter, die Spritpreise oder den japanischen Aktienindex beeinflusst. Offenbar, aufgehorcht, spielt Humor hier keine nennenswerte Rolle, das würde nämlich eindeutig den gängigen Klischees widersprechen, die im Ausland über uns kursieren. Danach ist der Deutsche (Zitat „Süddeutsche Zeitung“): pflichtbewusst, diszipliniert, humorlos und biertrinkend. Bedauerlicherweise hat man bei dieser Aufzählung unseren Hang zur Gründlichkeit, zum Sauerkrautessen sowie unsere Vorliebe für Lederhosen und Schwarzwälder Kuckucksuhren unterschlagen. Sei’s drum, da ich es, wie erwähnt, nicht besser weiß, setze ich unter anderem auf diese Vorurteile.
Es wird zu beweisen sein, dass Gottes Ebenbild auf Erden, der Mensch, zumal der deutsche, sich weitaus komischer verhält, als uns die ausländischen Vorurteile glauben machen wollen. Insofern steht meiner steilen Karriere als Lästermaul nichts mehr im Wege. Allenfalls der Verleger (oder seine Lektoren) und selbstverständlich sie, verehrtes Publikum.
Aber was, um alles in der Welt, mache ich bloß, wenn die Kritik Gefallen an meinen satirischen Geh- und Stehversuchen finden sollte? Wer wird dann noch meine Bücher kaufen? Bliebe mir noch die Möglichkeit, in die Politik zu gehen, aber dazu bin ich nun wirklich nicht unbegabt genug.
Im Garten Eden bekam man einen Vornamen verpasst, etwa Adam, Eva, Schlange, Kamel, Rotbarsch et cetera. und das war’s und dabei blieb's. Heutzutage braucht man zusätzlich einen Hausnamen. Außerdem gibt es Doppel- und Dreifach-Namen, sowohl vorne wie hinten. Wem seine Namen nicht oder nicht mehr zusagen, der geht einfach zum Amt und lässt sie ändern oder ergänzen. Und wem auch dies noch nicht reicht, der legt sich ein Pseudonym zu – oder gleich mehrere.
‚Namen sind Schall und Rauch‘, so lautet eine alte Spruchweisheit. Und sie stimmt, sofern man nicht Eiertanz, Pferdemist, Müller, Kurpfuscher oder Brczykowarczsky heißt - oder nicht gerade von der Polizei gesucht wird. Wobei Brczykowarczsky eine gute Chance hätte, durch die Maschen der Fahndung zu schlüpfen (welcher Beamte im mittleren Dienst kann das schon buchstabieren, schreiben oder gar behalten?).
Ernsthaft. Ich habe überlegt, mir ein Pseudonym zuzulegen. Nicht, weil mir mein Hausname nicht gefällt (es gibt schlimmere), sondern weil sonst jeder sofort weiß, welche Person dahinter steckt. Das ist eben der Vorteil eines Pseudonyms, man kann sich, zumindest für eine gewisse Zeit, quasi unsichtbar machen. Sehr wichtig, wenn man einmal einen Flop landet oder jemand keine Lust auf Öffentlichkeit hat. Außerdem hat schon manch seltsamer oder unglücklicher Familienname dem Misserfolg einer Künstlerkarriere geradezu Vorschub geleistet; die Herren Eiertanz, Pferdemist, Müller, Kurpfuscher oder Brczykowarczsky werden wissen, worüber ich rede. Deshalb auch die vielen Künstlernamen.
Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber: der Name bleibt. Es gibt schließlich nichts, was zu verbergen wäre. Allerdings habe ich an anderer Stelle einige Korrekturen vorgenommen, insbesondere bei den Menschen, über die ich berichte. Immerhin muss ich mir die Gewogenheit meiner Verwandten, Freunde, Bekannten und Nachbarn erhalten, sonst versiegen möglicherweise meine Quellen.
Da ich mit einer erfolgreichen Auflage rechne, habe ich mir in den letzten Tagen vorsorglich eine gesonderte Bankverbindung zugelegt. In Luzern, in der Schweiz: dort werde ich nicht unter meinem Namen geführt, sondern bin als 84853-24197354-62 registriert. Man hat ja schließlich seine Sorgfaltspflichten, vor allem dem Finanzamt gegenüber.
Außerdem, was ist ehrenrührig an einem Nummernkonto?
Besser eine Familie, als gar keinen Spaß.
Mein Großvater
Die Zeiten haben sich geändert seit der Erschaffung des Menschen. Das ist beispielsweise das Herstellungsverfahren, bei dem Lehm und Wasser nur noch selten eine Rolle spielen. Durchaus eine angenehme Entwicklung übrigens, wenngleich häufig mit schwerwiegenden Folgen verbunden: Ehe und Familienleben.
Ich war immer ein überzeugter Junggeselle, zumindest bis zu meiner Heirat. Meine ehemalige Verlobte behauptet gar, das sei ich auch jetzt noch. Sie muss wissen, wovon sie redet, denn schließlich sind wir seit mehr als zwanzig Jahren gesetzlich liiert. Zu meiner Entlastung darf ich jedoch geltend machen, dass mein Eintritt in den Stand der Ehe nicht ganz freiwillig erfolgte.
„Mein Schatz“, so sprach eines schönen Oktobertages vorerwähnte Verlobte zu mir, „wir müssen heiraten.“
Ich war wie vom Donner gerührt. Wie konnte das geschehen? Eigentlich war meine Liebste penetrant genau und sehr verlässlich in solchen Dingen.
Obwohl, es kann natürlich etwas passieren, wenn es einmal passiert (oder auch öfter). Darüber hinaus sind wir nicht die ersten, die zunächst guter Dinge und dann guter Hoffnung waren (und die letzten schon gar nicht). Und außerdem, wir kannten uns mehr als drei Jahre, was also war beklagenswert daran?
Nun, ja, wir sahen uns maximal drei oder vier Mal in der Woche. Dies wiederum bedeutete, dass wir uns drei bis vier Tage in der Woche nicht sahen, und diese Zeit waren ungetrübtem, freiem Junggesellentum vorbehalten. Aus und vorbei.
Wie dem auch sei, es war nicht zu ändern. Und man konnte das auch positiv sehen: Ich als Vater, eine tolle Sache.
Zärtlich nahm ich meine Zukünftige in die Arme. „Und wann ist es soweit?“
„Am 10. Dezember“, antwortete sie prompt.
„Kann man das auf den Tag vorhersagen?“, fragte ich überrascht.
„Natürlich“, ihre Bestimmtheit schloss jeden Zweifel aus. Sie ist sehr präzise in diesen Dingen, ich sagte es bereits. „Aber vorher müssen wir noch renovieren“, ließ sie mich dann unvermittelt wissen.“
Ich verstand nurmehr Bahnhof. „Was müssen wir?“, fragte ich entgeistert.
„Na, renovieren. Es ist nämlich keine Neubauwohnung, aber trotzdem ein schnuckeliges, kleines Nest. Mit etwas Farbe, Kleister und Tapeten richten wir uns das herrlich ein. Du wirst sehen.“
Ich hatte den Eindruck, dass der Zug ohne mich abfuhr. „Ich meine, wann das Baby kommt?“, startete ich einen letzten Versuch der Verständigung.
Meine über alles Geliebte sah mich an, als hätte ich meine goldene Uhr – ein Geschenk von Onkel Ewald – gegen eine ungültige Kinokarte umgetauscht. „Bist du verrückt geworden?“, erkundigte sie sich spitz. „Wer hat von einem Kind gesprochen?“
„Aber hattest du nicht gesagt“, wandte ich ein, „wir müssten heiraten?“
