Eine außergewöhnliche Freundschaft - Martin Picht - E-Book

Eine außergewöhnliche Freundschaft E-Book

Martin Picht

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Beschreibung

Wer is(s)t schon gerne alleine in der Weihnachtszeit?

Martin genießt das winterliche Keksebacken, doch muss er irgendwann feststellen, dass er beobachtet wird …
Eine weihnachtliche Geschichte über Toleranz und ungeahnte Bündnisse. 

Über booksnacks

Kennst du das auch? Die Straßenbahn kommt mal wieder nicht, du stehst gerade an oder sitzt im Wartezimmer und langweilst dich? Wie toll wäre es, da etwas Kurzweiliges lesen zu können. booksnacks liefert dir die Lösung: Knackige Kurzgeschichten für unterwegs und zuhause!

booksnacks – Jede Woche eine neue Story!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 88

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Kurz vorab

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie schön, dass du dich für diesen booksnack entschieden hast! Wir möchten dich auch gar nicht lange aufhalten, denn sicher hibbelst du der folgenden Kurzgeschichte schon voller Freude entgegen.

Vorab möchten wir aber ganz kurz die wichtigsten Merkmale einer Kurzgeschichte in Erinnerung rufen:

Der Name ist Programm: Alle Kurzgeschichten haben ein gemeinsames Hauptmerkmal. Sie sind kurz.Kurz und knapp sind auch die Handlung und die erzählte Zeit (Zeitsprünge sind eher selten).Ganz nach dem Motto »Einleitungen werden total überbewertet« fallen Kurzgeschichten meist sofort mit der Tür ins Haus.Das zweite Motto lautet »Wer braucht schon ein Happy End?« Also bereite dich auf einen offenen Schluss und/oder eine Pointe am Ende der Geschichte vor. Das Geheimnis dahinter: Kurzgeschichten sollen dich zum Nachdenken anregen.Versuch deine Neugier zu zügeln, denn auch für die Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte gilt »in der Kürze liegt die Würze«.Die Aussage des Textes ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier bist DU gefragt, um zwischen den Zeilen zu lesen und deine persönliche Botschaft aus der Geschichte zu ziehen.

Jetzt bist du gewappnet für unseren literarischen Snack. Und findest du nicht auch, dass man diesen gleich noch mehr genießen kann, wenn man weiß was drin ist?

Viel Spaß beim Booksnacken wünscht dir

Dein booksnack-Team

Über dieses E-Book

Martin genießt das winterliche Keksebacken, doch muss er irgendwann feststellen, dass er beobachtet wird … Eine weihnachtliche Geschichte über Toleranz und ungeahnte Bündnisse.

Impressum

Erstausgabe November 2021

Copyright © 2021 booksnacks, ein Imprint der dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH Made in Stuttgart with ♥ Alle Rechte vorbehalten

E-Book-ISBN: 978-3-96817-757-1 Hörbuch-ISBN: 978-3-98637-286-6

Covergestaltung: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH unter Verwendung eines Motivs von Shutterstock.com: © Igor Normann Korrektorat: Daniela Pusch

Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Sämtliche Personen und Ereignisse dieses Werks sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen, ob lebend oder tot, wären rein zufällig.

Abhängig vom verwendeten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Unser booksnacks-Verlagsprogramm findest du hier

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Eine außergewöhnliche Freundschaft

I

Der Kalender zeigte bereits den 21. Dezember. Die Holsteinische Schweiz war in diesem Jahr wunderschön weiß eingedeckt. Überall konnte man die weihnachtliche Stimmung spüren. Sogar auf dem Turm der St. Michaeliskirche zu Eutin hatte sich ein weißer Zuckerhut gebildet. An den Fenstern des festlich angestrahlten Schlosses funkelten kleine Eisblumen. Auf dem Weihnachtsmarkt vor der Kirche duftete es nach gebrannten Mandeln, Mutzen und allerlei Gewürzen. Fröhliche Kinder amüsierten sich beim Schlittschuhlaufen auf der Eisbahn zu weihnachtlicher Musik. Am Glühweinstand sah man manch rotes Gesicht, welches nicht unbedingt von der Kälte herrührte. So kam es, dass der eine oder andere Glühweingenießer schwankend aber besinnlich zur Weihnachtsmusik über den Marktplatz nach Hause ging.

Das Keksebacken und das Bauen eines Hexenhäuschens aus Lebkuchen und Gewürzen machte bei dieser Stimmung umso mehr Freude. So auch in einem kleinen Haus am Stadtrand nahe des Waldes. Martin stand in seiner Landhausküche am Tisch und rollte mit dem Nudelholz den Teig für die Zimtsterne aus. Im Kaminofen knisterte das Feuer und aus dem CD-Player ertönten Weihnachtslieder. Der blonde Junggeselle lebte zusammen mit seinen Tieren wie in einer fröhlichen Wohngemeinschaft.

Beim Ausstechen der Zimtsterne fiel Martin plötzlich ein, dass er den Vögeln im Garten noch Futter in ihr Haus streuen wollte. Die Pferde und die Schafe waren auch noch zu versorgen. Und da waren noch die Meerschweinchen, Kaninchen, Enten und Hühner … alle freuten sich, wenn die blaue Pudelmütze mit den Futtereimern um die Ecke kam. Von Kindesbeinen an war Martin mit allen möglichen Vier- und Zweibeinern verwurzelt. So wurde seine Tierschar mit der Zeit immer größer und inzwischen gehörten alle fest zur Familie.

In der Weihnachtszeit war auch das Keksebacken zu einem festen Bestandteil geworden. Und in diesem Jahr hatte Martin wieder viele verschiedene Sorten ausprobiert.

„Na, ein Blech noch“, murmelte er fröhlich, „dann sind die Kekse fertig. Danach werde ich die Tiere versorgen und gleich noch Holz für den Ofen hereinholen.“ Durch das Backen und die wohlige Wärme des Ofens war es mehr als dringlich zu lüften. Also öffnete er kurzerhand Terrassen-und Haustür und schlüpfte in die Winterklamotten. Mit blauer Pudelmütze, dicker Jacke und Stiefeln stapfte er zum Vogelhaus im Garten, um es mit Nüssen, Sonnenblumenkernen und Haferflocken neu zu befüllen. Anschließend ging er durch den Schnee zum Holzschuppen. Plötzlich huschte etwas Graubraunes vorüber.

„Was war das denn?“, wunderte sich Martin laut und fuhr sich mit der Hand durch den Bart. „Vielleicht noch ein hungriger Vierbeiner? Eine Maus? Nein, dafür war es zu groß, eher eine Ratte! Oh je, na ja, sind auch Gottes Geschöpfe!“ Er runzelte trotzdem etwas nachdenklich die Stirn.

Mit dem Holz für den Ofen im Wohnzimmer angekommen, konnte er seinen Weg nicht leugnen, denn die Pfützen auf den Fliesen im Flur sprachen Bände.

Er schmunzelte im Stillen und musste an die mahnenden Worte seiner Mutter denken, die immer gesagt hatte: „Stiefel ausziehen, wenn du von draußen reinkommst.“

„Wie recht sie doch hatte!“, tadelte Martin sich selbst. „Egal, nun ist es eh zu spät.“

Dann ging er mit den nassen Stiefeln quer durch das Wohnzimmer, schloss die Terrassentür und sagte zu sich selbst: „Ach, wenn ich schon angeplünnt bin, dann versorge ich am besten gleich die anderen Tiere und widme mich später den Pfützen.“

Auf dem Weg in den Stall knirschte der Schnee unter seinen Stiefeln, denn es schneite noch immer. Seine vielen Tiere erwarteten ihn bereits sehnsüchtig. Er hatte zwar das Vorbeihuschen eines anderen Tieres bemerkt, aber nicht, dass es ihn die ganze Zeit beobachtet hatte …

II

„Prima, es gibt Nachschub zum Knabbern im Vogelhaus. Ist aber heute ziemlich spät dran, der Martin. Aber er kommt wenigstens regelmäßig, das ist die Hauptsache!“ Schnell huschte ich zum Holzschuppen und beobachtete, wie mein großer zweibeiniger Freund mit blauer Pudelmütze Nüsse, Sonnenblumenkernen und Haferflocken in das Haus streunte.

„Oh verdammt, jetzt kommt er auf mich zu. Nun ist guter Rat teuer. Auf Ratten sind Menschen gar nicht gut zu sprechen.“

Da ich nicht weglaufen konnte, wich ich Schritt für Schritt zurück, bis ich die pikenden Fasern eines Holzscheites durch mein Fell spürte. Ich schrie schmerzerfüllt auf.

Ich kann gar nicht sagen, was in diesem Moment schlimmer war: die Angst entdeckt zu werden oder dieser höllische Schmerz.

Mit meinen Pfoten ertastete ich plötzlich einen Spalt zwischen zwei Holzscheiten. Ich drehte mich blitzschnell herum, um zwischen den Scheiten zu verschwinden und … blieb stecken!

Jegliche Bemühungen, mich vollständig zu verstecken, scheiterten. Und nun bewahrheitete sich der Spruch „in der Ruhe liegt die Kraft“. Mit mehr Übersicht wäre mir dieses Missgeschick sicherlich erspart geblieben.

Ich verharrte regungslos und fast atemlos in meinem viel zu engen Versteck und hoffte, dass ich mit meinem herunterhängenden Schwanz zwischen den Holzstücken in dem schummerigen Licht des Schuppens unerkannt blieb.

Ich hörte schließlich wie Holzstücke in einen Kasten fielen und konnte dabei spüren, wie über mir ein Stück Holz nach dem anderen weggenommen wurde. Bei jedem Scheit, das im Kasten landete, kam Martin meinem Versteck näher. Vor lauter Anspannung kniff ich die Augen zusammen und ermahnte mich, nur nicht den Schwanz zu heben. Das passiert mir nämlich immer, wenn ich sehr aufgeregt bin.

„Na, ein Stück passt noch“, sagte Martin, hob den vollen Kasten hoch und ging zurück zum Haus.

„Puh, mehr Glück als Verstand“, atmete ich erleichtert auf und merkte, wie sich mein Schwanz wieder senkte. Die Gefahr war gebannt, jetzt konnte ich mich aus meiner misslichen Lage befreien.

Mit meinen Vorderpfoten versuchte ich, mich rückwärts herauszustemmen. Nach einer Weile musste ich feststellen, dass es vorwärts doch wesentlich leichter ging. Mein Fell sträubte sich gegen die feinen Holzfasern. Dabei hatte ich das Gefühl, mir würde jemand selbiges über die Ohren ziehen. Als ich endlich befreit war, wurde mein Hals von einem überdimensionalen Fellkragen verziert – schick! Im Spiegel hätte ich es aber lieber doch nicht sehen wollen.

Während ich mein Fell glättete, stieg mir ein vertrauter Duft von Weihnachtsgebäck in die Nase – hmm, lecker. Das ist besser als Sonnenblumenkerne. Oh, ich war wie von Sinnen! Verführt von diesem wunderbaren Duft musste ich ihm einfach folgen. Im wahrsten Sinne des Wortes immer der Nase nach. Meine Augen wurden so groß und mein Mund wollte gar nicht mehr zugehen. Da wo der Duft herkam, stand die Terrassentür ganz weit auf. Welch ein Glück! Jetzt oder nie! Ich fasste mir ein Herz und flitzte los …

Ich rannte wie um mein Leben und sprang mit einem beherzten Satz über die Türschwelle und landete auf dem Parkett. Da selbiges in der Regel immer gebohnert ist, was auch hier der Fall war, waren meine Versuche zu bremsen zum Scheitern verurteilt. Ich rutschte auf meinem Allerwertesten, drehte mich auch noch dabei und prallte rücklings direkt gegen eine große Holzwand. Autsch!!! Es war der Couchtisch, der eher einer Truhe glich – das massive Ding!

Etwas benommen schaute ich nun wieder in Richtung Terrassentür und entdeckte unmittelbar daneben eine Standuhr. Plötzlich fiel die Haustür zu.

„Nun wird’s Zeit, dass ich in Deckung gehe“, trieb ich mich zur Eile an und flitzte leicht schwankend hinter das Ungetüm.

Dabei sah ich, wie Martin das Holz in den Holzkorb legte, sich umdrehte und auf die nassen Spuren blickte, die er mit seinen Stiefeln auf den Fliesen hinterlassen hatte. Er schmunzelte und das ließ bei mir die Hoffnung aufkeimen, dass er der Gemütlichkeit eher zugetan war als dem Putzwahn. Vielleicht würde meine Anwesenheit dann nicht so schnell auffallen – und außerdem konnte ich mich ja benehmen.

Martin schloss die Terrassentür und sagte: „Ach, wenn ich schon angeplünnt bin, dann versorge ich am besten gleich die anderen Tiere und widme mich später den Pfützen.“ Die Haustür fiel zu.

„Super“, triumphierte ich, „jetzt kann ich mir einen Überblick verschaffen. Wo ist also die Küche mit den Leckereien?“

Erst einmal lief ich von der Standuhr hinüber zum Sofa – hinter selbiges, versteht sich. Es war ein Rattansofa mit vielen Kissen, sehr gemütlich. Wer weiß, ob es hier nicht eine Katze oder einen Hund gab. Die würden meinen Aufenthalt hier wenig angenehm gestalten. Zu hören war nichts, bis auf das Ticken der Standuhr und das Knistern eines Feuers.

Am Ende des Sofas angekommen, traute ich meinen Augen nicht: Da stand ein Klavier! Toll!

„Der Hausherr scheint musikalisch zu sein“, vermutete ich erfreut. Das Instrument erinnerte mich daran, wie mein Vater immer von seiner schönen Zeit im Hause des Pianisten von Gieseler schwärmte.