Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Das Telefon klingelte. Veronika Boller nahm den Hörer ab und meldete sich. Der Anruf kam aus dem Hotel »Zum Ochsen« auf der anderen Straßenseite. Veronika Boller hörte zu und sagte dann: »Mei, sicher ist des zu machen. Aber ich kann die Anzugsauswahl erst in einer Stunde bringen. Ich bin alleine im Laden. Es kann noch etwas dauern, bis mein Mann aus Kirchwalden zurück ist. Was wir aber machen können ist Folgendes: Ich stelle eine Auswahl zusammen, und Sie schicken jemanden herüber, der die Anzüge abholt. Ich komme dann später nach. Es tut mir leid, aber es gibt nur diese beiden Möglichkeiten.« Die Dame von der Rezeption versprach, Rücksprache mit dem Gast zu halten und sich dann wieder zu melden. »Ja, das kann passieren«, sagte Veronika, wie beiläufig zu den Kundinnen, die an der Kasse gewartet hatten, endlich bezahlen zu können. »Ärgerlich ist es schon, wenn das ganze Gepäck verloren geht. Wer weiß, ob er es jemals wieder bekommt? Aber«, sie lächelte zufrieden, »zum Glück gibt es uns und unseren Laden. Dann werde ich eben den Herrn ganz neu einkleiden.« Im Hinterkopf überschlug Veronika bereits den Umsatz. Es würde ganz sicher ein sehr gutes Geschäft werden. Die Kundinnen zahlten und gingen. Veronika machte sich sofort an die Arbeit. Auf einem Rollständer stellte sie Anzüge und Kombinationen, Hemden, Jacken und andere Kleidungsstücke zusammen. Die Ladenglocke bimmelte, und ein großer, sehr gut aussehender Mann betrat das Geschäft am Marktplatz in Waldkogel. Veronika erkannte mit einem Blick, dass er sehr reich war. Sie behauptete von sich, sie könne den Leuten das
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Das Telefon klingelte. Veronika Boller nahm den Hörer ab und meldete sich. Der Anruf kam aus dem Hotel »Zum Ochsen« auf der anderen Straßenseite. Veronika Boller hörte zu und sagte dann:
»Mei, sicher ist des zu machen. Aber ich kann die Anzugsauswahl erst in einer Stunde bringen. Ich bin alleine im Laden. Es kann noch etwas dauern, bis mein Mann aus Kirchwalden zurück ist. Was wir aber machen können ist Folgendes: Ich stelle eine Auswahl zusammen, und Sie schicken jemanden herüber, der die Anzüge abholt. Ich komme dann später nach. Es tut mir leid, aber es gibt nur diese beiden Möglichkeiten.«
Die Dame von der Rezeption versprach, Rücksprache mit dem Gast zu halten und sich dann wieder zu melden.
»Ja, das kann passieren«, sagte Veronika, wie beiläufig zu den Kundinnen, die an der Kasse gewartet hatten, endlich bezahlen zu können. »Ärgerlich ist es schon, wenn das ganze Gepäck verloren geht. Wer weiß, ob er es jemals wieder bekommt? Aber«, sie lächelte zufrieden, »zum Glück gibt es uns und unseren Laden. Dann werde ich eben den Herrn ganz neu einkleiden.«
Im Hinterkopf überschlug Veronika bereits den Umsatz. Es würde ganz sicher ein sehr gutes Geschäft werden.
Die Kundinnen zahlten und gingen.
Veronika machte sich sofort an die Arbeit. Auf einem Rollständer stellte sie Anzüge und Kombinationen, Hemden, Jacken und andere Kleidungsstücke zusammen.
Die Ladenglocke bimmelte, und ein großer, sehr gut aussehender Mann betrat das Geschäft am Marktplatz in Waldkogel. Veronika erkannte mit einem Blick, dass er sehr reich war. Sie behauptete von sich, sie könne den Leuten das Geld ansehen. Der junge Mann trug Edeljeans mit Krokodilleder-Gürtel und ein Polohemd mit kurzen Ärmeln und Markenstickerei auf der Brusttasche. Die noble goldene Uhr am Handgelenk und der tiefschwarze Opal in einer Platinfassung am Ringfinger waren zusätzliche Beweise. Er trug die leichte Reisejacke lässig über der Schulter, einen Finger durch den Aufhänger.
»Guten Tag! Ich soll nach Frau Boller fragen, sagte man mir drüben im Hotel.«
»Grüß Gott! Ich bin Veronika Boller. Sie müssen der Gast sein, dessen Gepäck verloren ging.«
»Ja, der bin ich«, sagte er lächelnd. »Ich bin der Pechvogel, dem, außer dem Handgepäck und meinem Reiseoutfit, nichts geblieben ist. Zum Glück befanden sich alle Papiere im Reisegepäck und meine Player ebenso.«
»Das ist ja wirklich schlimm«, säuselte Veronika voller Anteilnahme.
Er lachte.
»Nun ja, es ist nur ein wenig ärgerlich. Aber es gibt Schlimmeres. ›Hauptsache gesund‹, sagte meine Großmutter.«
»Das stimmt«, stimmte ihm Veronika zu. »Ich war gerade dabei, eine Auswahl an Kleidung zusammenzustellen. Jetzt haben Sie doch die Zeit gefunden herüberzukommen. Das ist schön. Wie ich sehe, legen Sie Wert auf Qualität.«
»Richtig! Qualität hat ihren Preis. Doch Qualität garantiert auch lange Nutzungsdauer. So gesehen, ist Qualität auf die Dauer betrachtet kostengünstiger.«
»So sehe ich es auch, Herr …«
»Oh, entschuldigen Sie! Ich habe mich noch nicht vorgestellt. Berthold Baer, mit ›ae‹.«
»Die Herrenabteilung ist weiter hinten.«
Veronika ging voraus.
»Wir sind mehr auf Trachtenmoden spezialisiert«, sagte Veronika. »Aber wir haben auch einige Nadelstreifenanzüge. Sollten sie Ihnen nicht passen oder nicht gefallen, kann ich für heute Nachmittag eine Auswahl von meinem Lieferanten kommen lassen.«
»Oh, machen Sie sich keine Mühe, Frau Boller! Ich bin hier in den Bergen. Da ist es wohl angebracht, dass ich mich anpasse. Ich habe geschäftlich in der Gegend zu tun. Ein Anzug aus Edel-Loden ist genau die richtige Kleidung für meine Termine.«
»Ein edler Lodenanzug passt zu jeder Gelegenheit, Herr Baer.«
Veronika nahm einen Anzug aus der Vitrine, in dem die Hochzeitsanzüge hingen.
Herr Baer befühlte den Stoff.
»Sehr gute Qualität, weich, leicht und fließend im Stoff.«
»Klingt, als wären Sie vom Fach«, bemerkte Veronika.
Er lächelte.
»Ich bin etwas vom Fach. Ich habe viel mit der Modebranche zu tun und betreue große Modehausketten in Europa und weltweit. Jetzt ziehe ich mit Geschäftspartnern eine eigene Modehauskette auf. Wir wollen uns auf hochwertige Trachtenmoden spezialisieren, die eigens für unsere Läden gefertigt werden. Deshalb war ich in Italien. Sie wissen, die besten Stoffhändler findet man im Augenblick in Italien. Dann war ich in Paris und Brüssel und habe mit Herstellern und Zulieferern verhandelt. Auf dem Weg nach München kam mir mein Gepäck abhanden. Aber es hat auch ein Gutes, sonst hätten wir uns nie kennengelernt. Sie verkaufen täglich Trachtenmoden. Können Sie mir bestätigen, dass Trachten- und Landhausmode immer populärer wird?«
»Stimmt, so ist es. Es gab eine Zeit, da wollten die jungen Madln und Burschen nichts davon wissen. Aber jetzt wollen wieder viele Tracht tragen, wobei das Wort ›Tracht‹ nicht mehr so richtig passt. Ich will es so sagen, Landhausmode wird zunehmend mehr akzeptiert. Es ist einfach fesch, sich so zu kleiden.«
Baer wählte einige Kleidungsstücke aus und verschwand damit in der Umkleidekabine.
»Passt perfekt und gefällt mir«, rief er.
Er schob den Vorhang zur Seite, kam heraus und besah sich im Spiegel.
»Den nehme ich und zwar einmal in diesem Dunkelgrün, dann in Dunkelblau und einmal in Braun, jeweils mit passender Weste und zwei Hemden, sowie den dazugehörigen Accessoires«, sagte er freundlich. »Dann brauche ich noch Schuhe. Außerdem hätte ich gern noch eine Wanderausrüstung. Auf einer Wanderung kommen mir die besten Ideen. Die Luft ist klar. Es ist ruhig, und der Blick kann ungehindert über die schöne Landschaft schweifen.«
Veronika verkaufte ihm mehrere Paar Schuhe und einen Rucksack für Tagestouren.
Er zahlte bar. Ungeniert zog er die Hunderter und Fünfhunderter einfach so aus der Brieftasche und ließ erkennen, dass darin noch mehr Scheine steckten. Veronika packte alles zusammen.
»Ich rufe im Hotel an, dann können sie jemanden schicken, der Ihre Sachen abholt«, sagte sie. »Ich würde gern mit Ihnen gehen, aber mein Mann ist noch nicht zurück.«
»Das ist doch nicht schlimm. Ich lasse die Sachen einfach hier, und Sie bringen sie mir später. Dann lade ich Sie zu einer Tasse Kaffee ein. Vielleicht können Sie mir eine halbe Stunde schenken? Es wäre für mich sehr interessant, mich mit Ihnen als Fachfrau zu unterhalten. Sie sind viel näher am Kunden und der Kundin als ich. Ihre Erfahrung ist mir wichtig.«
Er gab ihr seine Visitenkarte.
Veronika lächelte. Sie bezweifelte, dass sie ihm nützlich sein könnte. Er sei ein Profi, und sie hätte hier nur den kleinen Laden.
»Sie unterschätzen sich, Frau Boller. Sie haben das Feeling für die Bedürfnisse Ihrer Kundschaft. Das habe ich sofort erkannt.«
Veronika errötete verlegen. »Wenn Sie das sagen, freut es mich natürlich.«
»Frau Boller, ich und meine Partner sind noch am Anfang unseres Vorhabens. Aber ich könnte mir eine Zusammenarbeit mit Ihnen gut vorstellen. Ich habe ein untrügliches Gespür für die unentdeckten Fähigkeiten von Menschen, sagt man mir nach. Sie könnte ich mir gut an der Spitze einer unserer Läden vorstellen, mindestens, wenn nicht sogar mehr. Lassen Sie es sich durch den Kopf gehen, Frau Boller! Könnte es Sie nicht reizen, einen Laden von bis zu eintausend Quadratmeter zu führen?«
»Ich bin selbstständig. Niemals werde ich ins Angestelltenverhältnis gehen.«
»Das müssen Sie auch nicht, Frau Boller. Jede Filiale ist eigenständig unter dem großen Dach des Markennamens. Unsere Sache funktioniert so wie bei bekannten Modeketten, die Läden in allen größeren Städten haben. Wir wollen aber nicht nur in die größeren Städte, sondern vermehrt in die kleineren Städte. Wir bieten dort an, wo die Käufer sind und müssen sie nicht erst in die Großstädte locken, mit den vielen Mitbewerbern.«
Er lächelte.
»Sie haben meine Visitenkarte. Lassen Sie es sich durch den Kopf gehen. Sie werden einfach Anteilseignerin mit allen Rechten und Möglichkeiten. Natürlich ist alles vertraglich genau geregelt und juristisch geprüft. Lassen Sie uns einmal ganz unverbindlich darüber sprechen. Sie führen den Laden mit Ihrem Mann zusammen?«
»Ja, der Laden war früher ein Tante-Emma-Laden. Ich habe eingeheiratet. Stück für Stück haben wir den Schwerpunkt verändert. Wir bieten noch einige Lebensmittel an, ebenso Haushaltswaren. Aber den Umsatz machen wir mit Mode und Andenken.«
»Mein Vorschlag bedeutet nicht, dass Sie hier aufgeben sollen. Sie würden nur ein zweites Standbein haben. Denken Sie darüber nach!«
In Veronikas Kopf arbeitete es. Die Gedanken jagten sich. Sie hatte in München Verkäuferin gelernt. Endlich erkannte jemand ihre Fähigkeiten. Nach ihrer Hochzeit hatte sie ihre Pläne von einem eigenen Geschäft aufgegeben und sich als Schwiegertochter untergeordnet. Aber schon immer hatte sie gespürt, dass der Laden in Waldkogel gar nicht ihren Fähigkeiten entsprach. Vielleicht ist das die Chance, von der ich als junge Frau geträumt habe, dachte sie. Aufregung und gespannte Erwartung ergriff sie.
Herr Baer lächelte zufrieden. Er hatte sich nicht getäuscht.
»Es gibt diese berühmten Zufälle, Frau Boller. Wie gesagt, ich will Sie weder drängen, noch überreden. Aber der Zeitpunkt ist günstig. Von unseren ausgewählten Standorten sind noch viele unbesetzt. Sicher gibt es Interessenten, aber wir haben uns noch nicht entschieden. Sie gefallen mir von ihrer Art her und Ihrem Fachwissen, Frau Boller. Dazu kommt, dass für Sie Kundenfreundlichkeit keine leere Worthülse ist. Sie können Kunden mit einem Blick richtig einschätzen, das habe ich gerade an mir erlebt. Diese Gabe ist wichtig für den Erfolg im Verkauf. Viele, die im Handel tätig sind, wissen nicht, dass es notwendig ist, den Kunden dort abzuholen, wo er ist und ihn dann zu führen.«
Zum Abschied reichte er ihr die Hand.
»Ich warte auf Ihren Anruf, Frau Boller. Bevor ich nichts von Ihnen gehört habe, lasse ich die anderen Interessenten zappeln. Sie haben den Vortritt.«
»Da muss ich doch gewiss investieren. Ist es viel?«
»Nein, so gesehen nicht. Wir kaufen im Großen ein. Wir, das heißt, die Zentrale, handeln saftige Rabatte aus, sei es bei den Waren oder der Ausstattung oder der Werbung. Lassen Sie uns Einzelheiten erörtern, wenn Sie eine Entscheidung getroffen haben. Ich will nichts gegen Waldkogel sagen. Waldkogel ist ein wunderbarer Ort, aber er entspricht nicht Ihren Fähigkeiten. Sie kommen hier niemals über einen gewissen Umsatz hinaus. Der Gewinn ist mager, da Ihnen die Rabatte eines Gemeinschaftseinkaufs mit großer Stückzahl versagt bleiben. Rufen Sie mich an, wenn Sie Interesse haben. Dann nehme ich mir ausreichend Zeit für Sie.«
Er blinzelte ihr verschwörerisch zu. Sie lächelte.
»Ich werde ernsthaft darüber nachdenken«, sagte sie.
Dann brachte sie Herrn Baer zur Tür.
»Trinken Sie später einen Kaffee mit mir, Frau Boller?«
»Mal sehen … Ach was! Ich werde mir die Zeit nehmen. Bis später, Herr Baer!«
»Ich freue mich, Frau Boller«, sagte er lächelnd.
Sie sah ihm nach, wie er über den Marktplatz ging. Er blieb noch eine Weile vor dem Eingang des Hotels »Zum Ochsen« stehen und telefonierte mit dem Handy. Dann verschwand er durch die große Tür.
*
Evi klopfte wiederholt gegen die Badezimmertür.
»Beeile dich, Julia! Wir kommen ohnehin zu spät. Du bist schön genug.«
»Nur noch einen Augenblick, Evi«, schallte es von drinnen.
»Das hast du schon vor einer Stunde gesagt, Julia. Mach auf und lass mich rein!«
Von drinnen kam kein Laut. Es dauerte noch etwas, dann drehte sich der Schlüssel im Schloss. Evi trat ein. Sie blieb im Türrahmen stehen. Julia saß im Rattan-Sessel des großen Luxusbadezimmers der Hotelsuite und starrte an die Decke.
»Was ist mit dir?«
»Was soll sein? Mir ist mulmig, Evi.«
»Das sollte es aber nicht. Es ist dein großer Tag. Komm endlich! Alle warten auf die strahlende Braut.«
»Evi, tue ich das Richtige?«
»Sicher! Denke nicht so viel darüber nach. Alles ist perfekt. Uwe ist der begehrteste Junggeselle der Stadt. Er sieht gut aus, ist vermögend und hat einen ausgezeichneten Ruf. Er ist ein Volltreffer, wie man sagt. Du bist zu beneiden, Julia.«
»Das sagen alle. Uwe ist lieb. Ich weiß, dass mich alle beneiden. Bald ist er mein Mann und ich seine Frau. Doch ich habe plötzlich Angst.«
»Der Himmel stehe mir bei! Du schaust aus, als würdest du zu einer Beerdigung gehen und nicht zu deiner eigenen Hochzeit. Du hast so gar nichts von einer strahlenden Braut an dir.«
»Ich weiß. Ich mag mich im Spiegel nicht ansehen, ich sehe schlimm aus.«
»Du hast Lampenfieber, Julia. Das ist normal, jedenfalls bei dir. Erinnerst du dich an unser Abitur? Vorher bist du vor Angst fast eingegangen, doch dann hast du als Beste des Jahrgangs abgeschnitten. Los, lass uns gehen! Sobald du dort bist, wird dein Lampenfieber verflogen sein.«
Julia seufzte tief. Sie stand auf und nahm ihre kleine Tasche.
»Okay, gehen wir, Evi. Und zu niemand ein Wort! Alle wollen sicherlich wissen, warum ich mich verspätet habe und werden mich vorwurfsvoll anstarren.«
»Du weißt, dass ich verschwiegen bin, Julia. Du bist die Braut. Die darf etwas zu spät kommen. Dafür siehst du wunderbar aus. Du wirst alle bezaubern, am meisten deinen Uwe.«
Evi schob ihren Arm unter den von Julia. Sie gingen gemeinsam hinaus und fuhren mit dem Aufzug in die Tiefgarage. Dort wartete die Stretchlimousine. Sie stiegen ein. Der Fahrer steuerte den Wagen durch das Großstadtgewühl bis zum Rathaus. Vor dem Rathaus lief Uwe aufgeregt auf und ab.
»Da bist du endlich! Wir warten schon ungeduldig. Beeile dich!«
Er drückte Julia flüchtig einen Kuss auf die Wange, nahm ihre Hand und zog sie hinter sich her. Evi rannte ihnen nach.
»Julia, das hat aber gedauert. Der Standesbeamte wurde schon ungeduldig«, tadelte sie Uwes Mutter, Karin Röder.
»Tut mir leid. Mir war …«
»War dir übel, wirklich?« Sie ließ ihre zukünftige Schwiegertochter den Satz nicht vollenden. »Es ist doch hoffentlich das, für das ich es halte?«
»Das war es bestimmt nicht. Julia ist nur aufgeregt und hatte den Kaffee im Hotel nicht vertragen«, warf Evi sofort ein.
Dafür schenkte ihr Julia ein dankbares Lächeln.
Die Tür zum Trauzimmer ging auf. Die geladenen Gäste erhoben sich, als Uwe mit Julia eintrat. Die Musik kam vom Band. Der Standesbeamte bat sie, vor dem Tisch Platz zu nehmen.
Dann prüfte er die Papiere.
»Liebe Frau Julia Mack! Lieber Herr Uwe Röder! Sie sind beide gemeinsam heute hier erschienen, um den Bund der Ehe einzugehen, wie das Gesetz es vorsieht. Bevor ich Ihnen die Frage stelle, auf die Sie so sehnlichst warten, lassen Sie mich noch etwas zur Ehe sagen und ihrer Bedeutung für alle Paare. Eine Ehe ist mehr als ein Vertrag auf einem Stück Papier. Das ist nur der juristische Teil. Er ist notwendig und gibt Ihnen in unserer Gesellschaft die anerkannte Stellung als Paar und den Schutz des Gesetzes. Eine Ehe ist aber noch mehr. Wenn wir über das trockene Gesetz hinweggehen, dann gibt es nur diese Forderung an eine Ehe: Sie soll erfüllt sein von Zuneigung, gegenseitigem Respekt und vor allem von Liebe.«
Julia wurde es heiß. Sie fächelte sich mit der Hand frische Luft zu. Uwe warf seiner Braut einen Seitenblick zu. Der Standesbeamte machte eine Pause und öffnete das Fenster. Er schmunzelte.
»So besser, Frau Mack?«
Julia schluckte. Es war ihr anzusehen, dass sie sich nicht wohlfühlte.
»Können Sie die Zeremonie für einen Augenblick unterbrechen? Ich muss … Ich bin gleich wieder da.«
Weiter sprach Julia nicht. Sie sprang auf und rannte zur Tür hinaus.
Uwe wollte ihr hinterher. Evi stellte sich ihm in den Weg.
