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In einer Zeit voller Verzweiflung, voller Hass, voller Liebe und Emotionen schuf der Mensch die Hoffnung - der erste und zugleich letzte Schritt in Richtung einer vollkommenen, transzendenten Existenzmacht, die doch nie existieren kann. - eine Sammlung drei schriftlicher Essays, dem destruktiven Wissenshunger des Menschen gewidmet
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Seitenzahl: 35
Veröffentlichungsjahr: 2025
Essay 1
Essay 2
Essay 3
Fazit
Literaturverzeichnis
Alexandra Egger
Innsbruck
„Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis und von nichts den Wert.“
– Oscar Wilde ( 2016, S. 63)
Wir befinden uns an einem gar seltsamen Ort. Trauer, Schwermut, Angst sind wie weggeblasen. Alles, was das Leben beschwerlich machte, gehört der Vergangenheit an, einer Zeit, auf die die Menschen verächtlich zurückschauen. Es gibt nur noch Freude, auf Knopfdruck serviert. Doch das ist nur eine Farce, um die Leere der schönen neuen Welt zu verhüllen, ein Trick, um den Anschein eines wärmenden Feuers inmitten eines alles verschlingenden Schneesturms zu erwecken. Denn ohne Schatten wissen wir das Licht nicht zu schätzen. Und so verlieren wir uns unweigerlich in einer allumfassenden Bedeutungslosigkeit …
Das Bild einer nebelumwobenen Zukunft, das Aldous Huxley einst zeichnete, ist realer, als wir es uns vorstellen mögen. Eine Welt, in der der Voyeurismus regiert, Normalität ein Dorn im Auge ist, ist schon lange kein Abstraktum mehr. Das Fundament unserer Gesellschaft ist die Unzufriedenheit, der Klebstoff die Jagd nach Selbstoptimierung. Es ist der Treibstoff, der unsere Wirtschaft in Gang hält. Wie könnten uns sonst Lösungen für Probleme, die uns bis dahin unbekannt waren, schmackhaft gemacht werden? Zufriedenheit verkauft keine Güter, Erfülltheit mehrt nicht den Konsum. Ist das nicht zynisch? Der Jäger wurde zum Gejagten, der nach immer mehr giert, um die Leere im eigenen Herzen zu stillen, ungeachtet der Tatsache, dass dieser gähnende Schlund dadurch lediglich genährt wird. Social Media sind nur eines von vielen Gesichtern. Sie verkörpern die Spitze des Eisbergs. Die Realität, fehlerhaft bis ins Mark, verkauft sich nicht so gut wie die Illusion von Perfektion. So verfingen wir uns im Netz der Spinne. Wert und Wertigkeit verkamen zu Synonymen in einem Spiel, dessen Herren wir schon lang nicht mehr sind. In einer Welt, in der Perfektion gerade gut genug ist, bestimmt der Lauf im Hamsterrad unseren Alltag. Wir sind Homo sapiens, wissende Menschen, und zeichneten uns doch gerade durch unser Nichtwissen, unsere Reflexion der eigenen Begrenztheit aus. Doch diese Grenzen gelten schon lange nicht mehr. Im Trans- und Posthumanismus fabulieren wir über das Überwinden der eigenen Menschlichkeit. Wir erhoben uns selbst zu Göttern in der Hoffnung, der eigenen irdischen Existenz zu entkommen. Mensch zu sein, sich der eigenen Endlichkeit bewusst zu sein, bedeutet, eine Fragilität zu erfahren, die uns ungemein verletzlich macht. Doch ist diese Vulnerabilität nicht gleichbedeutend mit der Chance, wahre und tiefgreifende Beziehungen zu pflegen? Die Mauer aus Angst schützt uns nicht nur vor Schatten. Sie verdunkelt auch das Licht, hält uns in der Finsternis gefangen. In einer Gesellschaft, in der das Ich das Wir verdrängt hat, in der Beziehungen zur Ware, Menschen zu Marken und Emotionen zu Algorithmen wurden, bleibt wenig Raum für das wahrhaft Menschliche. Aber der Mensch ist mehr als ein Klumpen Ton auf der Töpferscheibe des Lebens, mehr als eine Marionette, die an fremden Fäden baumelt. „Citius, altius, fortius“ ist nicht alternativlos. Wir brauchen mehr „Anekdote[n] zur Senkung der Arbeitsmoral“. Der Wandel ist kein Zufall. Er braucht bewusstes Wollen. Nur wer sich eine andere Welt vorstellen kann, ist fähig, sie zu gestalten. Barbara Prainsack bringt es präzise auf den Punkt: „Um aus dem Trott auszubrechen und etwas zu ändern, braucht man eine Vision einer Zukunft, für die es sich lohnt, in der Gegenwart etwas zu ändern“ (Prainsack, 2023, S. 44). Der Status quo mag noch so in Stein gemeißelt wirken, doch er ist es nicht. Wir müssen den Wert von intrinsischer Motivation wiederentdecken, Leistung nicht nur um der Leistung willen erbringen, sondern wirklich für unsere Arbeit brennen. Nur dann kann dadurch ein wärmendes Feuer entstehen, das dem Sturm der Zeiten wahrhaftig standhalten kann. Denn wie bereits Erich Kästner mahnte: „Wunder werden nicht geschehen. Alles bleibt so, wie es war. Wer nichts sieht, wird nicht gesehen. Wer nichts sieht, ist unsichtbar“ (zit. nach Stavenhagen, 2013).
Anmerkung:
