Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. "Toni, der Hüttenwirt" aus den Bergen verliebt sich in Anna, die Bankerin aus Hamburg. Anna zieht hoch hinauf in seine wunderschöne Hütte – und eine der zärtlichsten Romanzen nimmt ihren Anfang. Hemdsärmeligkeit, sprachliche Virtuosität, großartig geschilderter Gebirgszauber – Friederike von Buchner trifft in ihren bereits über 400 Romanen den Puls ihrer faszinierten Leser. Wendy parkte auf der Straße vor Doktor Martin Englers Praxis. Das Küchenfenster stand offen. Sie sah hinein. Katja machte Frühstück und winkte sie herein. Martin saß auf der Bank am großen Küchentisch, den Kopf an die Wand gelehnt. Er öffnete die Augen als er Wendys Schritte hörte und rieb sich mit der Handfläche über das Gesicht. »Grüß Gott, ich wollte dich nicht wecken«, sagte Wendy. Sie begrüßte Katja. »Du hast mich nicht geweckt«, antwortete Martin. »Ich habe nur einen Augenblick vor mich hingedöst.« Katja schenkte ihm Kaffee ein und bot Wendy einen Becher an. Wendy setzte sich. Katja nahm am Kopfende des Tisches platz. »Wie geht es Sebastian?«, fragte Wendy. »Im Augenblick schläft er tief und fest. Gehe bitte nicht hinein! Alle schlafen.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2022
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Wendy parkte auf der Straße vor Doktor Martin Englers Praxis. Das Küchenfenster stand offen. Sie sah hinein. Katja machte Frühstück und winkte sie herein.
Martin saß auf der Bank am großen Küchentisch, den Kopf an die Wand gelehnt. Er öffnete die Augen als er Wendys Schritte hörte und rieb sich mit der Handfläche über das Gesicht.
»Grüß Gott, ich wollte dich nicht wecken«, sagte Wendy. Sie begrüßte Katja.
»Du hast mich nicht geweckt«, antwortete Martin. »Ich habe nur einen Augenblick vor mich hingedöst.«
Katja schenkte ihm Kaffee ein und bot Wendy einen Becher an. Wendy setzte sich. Katja nahm am Kopfende des Tisches platz.
»Wie geht es Sebastian?«, fragte Wendy.
»Im Augenblick schläft er tief und fest. Gehe bitte nicht hinein! Alle schlafen. Anna liegt auf dem zweiten Bett und Toni ist im Sessel eingeschlafen.« Martin nippte an seinem Kaffee.
Katja erzählte, dass Martin die Nacht an Sebastians Krankenbett verbracht hatte.
»War es so schlimm? Wieder eine Krise?« In Wendys Augen spiegelte sich die Angst.
»Nein, ich habe nur gesehen, dass Anna und Toni eingeschlafen waren. Sie waren sehr erschöpft. Da habe ich mich dazugesetzt. Nach Mitternacht ging das Fieber langsam zurück. Das ist schon mal eine erfreuliche Nachricht. So ab fünf Uhr in der Frühe hatte er wieder normale Körpertemperatur erreicht.«
»Das ist endlich ein Hoffnungsschimmer«, seufzte Wendy erleichtert.
»Das kannst du laut sagen, Wendy.«
»Martin, kommt das von der Dialyse?«
»Da kann man nur spekulieren«, sagte Martin. »Sicher kann die Blutwäsche den Rückgang der Temperatur beschleunigt haben. Da aber noch nicht feststeht, an was Sebastian erkrankt ist, ist alles reine Spekulation. Es ist schon frustrierend, Wendy. Wir leben in einer Zeit der hochtechnischen medizinischen Diagnostik und trotzdem gibt Sebastians Krankheit Rätsel auf.« Martin trank den Kaffee aus. Er schenkte sich sofort nach. »Dein Kaffee ist schön stark, Katja. Langsam komme ich zu mir.« Er sah Wendy an. »Ich hoffe, dass Sebastians Körpertemperatur nicht wieder steigt und wenn, dann hoffentlich nicht mehr so hoch. Vielleicht kann ich mich dann mit ihm unterhalten. Ich hoffe, so der Sache auf die Spur zu kommen. Ich will wissen, seit wann er Beschwerden hat. Er muss Schmerzen gehabt haben, nach den Arzneimitteln zu urteilen, die er dabeihatte.«
Wendy nickte. »Ich habe in München leider nur wenig herausgefunden.«
»Stimmt ja, du wolltest nach München fahren«, erinnerte sich Martin. »Mei, daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Erzähle! Gibt es noch mehr Erkrankte?«
Wendy schüttelte den Kopf. »Ich bin noch gestern Abend spät gefahren. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Ich habe mich mit Max Moser unterhalten. Den musst du dir so vorstellen wie den alten Alois, nur jünger. Er ist zwar schon in Rente, lebt aber im Unruhestand, wie er sagt. Er macht nicht nur Vertretung für den Hausmeister. Er ist die graue Eminenz im Hintergrund. Max Moser hat sich in der Kindheit mit dem Sohn des Hotelbesitzers Leopold Gerber, angefreundet. Diese Freundschaft zwischen dem reichen Hotelerben und dem Sohn eines Zimmermädchens hat bis heute gehalten. Die beiden fühlen sich sehr verbunden, habe ich herausgehört. Max genießt Leopold Gerbers Vertrauen wie kein anderer im Hotel. Gerber ist in der Schweiz bei seiner Tochter und seinen Enkelkindern. Max achtet auf alles. Er war es, der darauf bestanden hat, dass Sebastian ein freies Wochenende nimmt. Er hat gesehen, wie viele Medikamente er in seiner Schreibtischschublade hortete. Er hat mir auch berichtet, dass Sebastian oft nachts durcharbeitete.«
»Wer hat ihm die verschreibungspflichtige Arznei verordnet?«, fragte Martin. »Bei welchem Arzt in München war er?«
»Martin, Max Moser ist sich ziemlich sicher, dass Sebastian in den letzten zwei bis drei Wochen keinen Arzt aufgesucht hat. Es war sehr viel zu tun im Hotel. Sie hatten eine große Internationale Konferenz. Da war Sebastian keine Sekunde abkömmlich. Das wäre Moser aufgefallen.«
»Aber an diese Arzneimittel kommt man so nicht heran, Wendy«, erregte sich Martin.
»Ja, aber dafür hat Moser eine Erklärung. Wenn im Hotel jemand Beschwerden hat, dann rufen sie einen Arzt, Doktor Wilderer. Doktor Wilderer und Leopold Gerber haben sich vor Jahrzehnten an der Universität kennengelernt. Max vermutet, dass sich Sebastian an ihn gewendet hat, als er zu einem Hotelgast gerufen wurde.«
»Adresse, Telefonnummer!«, fragte Martin scharf.
»Martin, beruhige dich«, sagte Katja sanft. »Lass Wendy erzählen!«
Wendy berichtete, dass Doktor Wilderer seit Mitte letzter Woche in Urlaub war. Genauer gesagt, er machte eine Pilgerreise und wanderte ein Stück auf dem Jakobsweg. Moser wusste nicht, wie er ihn erreichen könnte. Aber Leopold Gerber wisse, wo er steckt. Die beiden haben gemeinsam schon viele Abschnitte des Jakobswegs beschritten. Max Moser wird Gerber bitten, Doktor Wilderer zu finden. Ich habe ihm deine Kontaktdaten gegeben, damit dich Doktor Wilderer sofort anrufen kann, wenn Gerber ihn erreicht hat.«
Martin stöhnte. »Wieder warten! Diese Warterei zehrt an meinen Nerven. Sie stellt die Geduld aller auf eine harte Probe. Dann bleibt mir wieder einmal nur zu hoffen, dass der Kollege sich bald meldet. Warten, warten, warten!«, seufzte Martin. »Nun, einen Lichtblick könnte es geben. Die Blutkulturen können heute ausgelesen werden. Wahrscheinlich kommen wir so der Sache näher. Das hoffe ich wenigstens. Sebastians Krankheit verlangt echte Detektivarbeit.«
Wendy sah, wie verzweifelt Martin war. »Es kann sein, dass Doktor Wilderer Sebastian die starken Medikamente verordnet hat. Ich denke nicht, dass ein gewissenhafter Arzt so etwas verschreibt, ohne sich nach den genauen Beschwerden zu erkundigen«, versuchte Wendy Martin Engler zu trösten.
Martin nickte. Aber er wusste, dass es Kollegen gab, die sehr leichtsinnig starke Schmerzmittel verordneten. Doch diese Gedanken behielt er für sich. Er wollte dem Kollegen nichts unterstellen und Wendy nicht beunruhigen. Vielleicht würde sich alles klären, wenn Doktor Wilderer anrief.
»Anna und Toni halten schon tagelang Wache an Sebastians Bett, rund um die Uhr«, sagte Wendy. »Martin, ich mache mir Sorgen um sie. Meinst du, du könntest sie überreden, eine Pause zu machen? Sie könnten rauf auf die Alm fahren und sich ausschlafen, wenn sie nicht auf die Berghütte wollen. Von der Alm aus sind sie schneller hier, als wenn sie erst von der Berghütte herunterkommen müssen. Ich kann hierbleiben. Wenzel und Hilda sind von ihrem Besuch bei Verwandten zurück und lösen Henk und Adele ab. Sie hatten die Almarbeit übernommen.«
Martin sah Wendy an und lächelte. »Ich kann es versuchen, Wendy. Ich bin deiner Meinung. Es bringt nichts, wenn Toni und Anna sich auch noch die Gesundheit ruinieren. Doch ich bezweifele, dass ich sie überreden kann.«
»Du unterschätzt dich, Martin«, bemerkte Wendy. »Du hast gesagt, Sebastians Fieber sei gesunken. Bedeutet das nicht, dass die Krise vorbei ist? Du argumentierst einfach, dass Sebastian sich jetzt nur noch ausruhen muss und er das besser kann, wenn niemand im Zimmer ist. Ich bleibe hier und schaue gelegentlich nach ihm.«
»Es ist einen Versuch wert, Wendy«, seufzte Martin. »Versuchen kann ich es.«
Martin verschwieg, dass er erleichtert wäre, wenn Toni und Anna wenigstens für ein paar Stunden fort wären. Er hoffte nämlich, dass es Sebastian später so gut ging, dass er ihm detaillierte Fragen stellen konnte. Er war sich sicher, dass sich Toni und Anna nicht davon abhalten lassen würden, bei dem Arzt-Patienten-Gespräch dabei sein zu wollen. Das war ihm nicht recht. Es wäre besser, wenn er mit Sebastian allein reden könnte. Zwar hatte Paul im Blut und im Urin von Sebastian keine Reste berauschender Substanzen gefunden, doch Martin wusste, dass es Mittel gab, die nur von einem Speziallabor nachgewiesen werden konnten.
Er hatte ein schlechtes Gewissen, dass er immer noch in dieser Richtung überlegte. Was sollte er auch tun? Da es immer noch keine schlüssige Diagnose gab, sah sich Martin gezwungen, keine noch so geringe Möglichkeit auszulassen. Er fürchtete sich vor dem Augenblick, wenn er Sebastian darauf ansprechen musste. Aber es war unumgänglich. Deshalb wäre es nicht schlecht, wenn Anna und Toni woanders wären.
»Ach, Wendy«, sagte Martin, »da fällt mir noch etwas ein. Hast etwas über Sebastians Freundin herausfinden können?«
Wendy schüttelte den Kopf. »Ich habe Herrn Moser darauf angesprochen. Er stimmte mir zu, dass eine Verliebtheit unter Mitarbeitern nicht lange verborgen bliebe. Doch er hatte nichts bemerkt. Er vermutete, dass Sebastians Freund, Peter Maier, etwas wissen könnte. Damit ich ihn fragen konnte, ließ er ihn aus der Küche kommen, obwohl Peter wegen einer Hochzeit im Hause unter Zeitdruck stand. Leider konnte er mir keine Auskunft geben. Er war sehr überrascht, als ich mich nach Sebastians Freundin erkundigte. Er meinte, Sebastian sei ein Geheimniskrämer. Allerdings hätten sie sich in den letzten Wochen nur dienstlich unterhalten. Wegen der internationalen Konferenz ergab es sich nicht, dass sie abends mal einen Biergarten besuchen und plaudern konnten. Im Hotel sprach Sebastian niemals über Privates. Also kann ich nur sagen, Fehlanzeige auf der ganzen Linie.«
»Das ist bedauerlich«, sagte Martin. »Ich werde Sebastian später auf sein Liebesleben ansprechen, während des Arzt-Patienten-Gesprächs.« Er wiegte den Kopf. »Das kommt mir alles sehr seltsam vor. Normalerweise freut sich ein Bursche, wenn er ein Madl erobert hat und spricht darüber.«
»Nicht nur Burschen verhalten sich so. Madln erzählen ihren Freundinnen, wenn sie sich verliebt haben«, sagte Katja.
»Übrigens«, sagte Wendy, »derselben Meinung war auch Roman. Ach, das habe ich noch nicht erzählt. Nach der Unterredung mit Herrn Moser bin ich zu Ria und Rolf gefahren. Toni hatte seine Schwester und ihrer Familie noch nicht über Sebastians Krankheit unterrichtet. Sie waren sehr erschüttert. Besonders Roman ging es nah. Er wollte Sebastian besuchen. Das bog ich ab.«
»Gut so! Was ich hier nicht gebrauchen kann, sind Besucher, die sein Bett umlagern und mich ausfragen. Ich habe ohnehin selbst mehr Fragen, als Antworten.«
»Das verstehe ich, Martin. Ich habe versprochen, sie über Sebastians Zustand auf dem Laufenden zu halten. Trotzdem kann es sein, dass Roman nach Waldkogel kommt. Er und Sebastian sind engverbunden.«
»Und Roman weiß auch nicht, wer Sebastians Madl ist, Wendy?«
Wendy schüttelte den Kopf. »Nein, Martin, er wusste nichts. Allerdings ist es schon vier Wochen her, dass er sich mit Sebastian getroffen hatte. Er hat ihn zwischendurch angerufen, aber Sebastian hatte nie Zeit. Die Gespräche waren sehr kurz. Sebastian war im Stress. Er hatte sich auch nicht wie sonst über die Anrufe gefreut. Roman hatte jedes Mal den Eindruck, er habe Sebastian bei einer wichtigen Arbeit unterbrochen.«
»Wir treten auf der Stelle«, sagte Martin. »Also bleibt nur übrig zu warten, bis Paul die Ergebnisse der Blutkulturen schickt. Und hoffen wir, dass Sebastians Fieber nicht wieder so hoch steigt, dass ich mich nicht mit ihm unterhalten kann. Wisst ihr, das Umfeld, die persönliche Geschichte des Patienten, können gezielte Hinweise über die Ursache einer Erkrankung geben. Das war mit ein Grund, warum ich Sebastians Blut habe auf Sucht auslösende Substanzen untersuchen lasen.«
»Ach, was das angeht«, sagte Wendy, »kann ich dich beruhigen. Roman ist sich sicher, dass Sebastian keine Drogen nimmt. Sebastian verweigere sogar ein kleines Bier, wenn sie an einem Sonntagabend zusammen im Biergarten sind. Er hielt sich immer an Wasser. Er wolle fit sein für die Arbeit am Montagmorgen. Roman betonte immer wieder – mit Nachdruck –, dass Sebastian nicht verführbar sei. Es hätte mich auch gewundert, wenn es anders wäre.« Wendy schaute auf die Uhr. »Ich fahre hinauf auf die Alm, mache mich frisch und ziehe mich um. Du kannst bis dahin versuchen, Toni und Anna zu überreden, eine Pause einzulegen. Ich rufe dich an, Martin. Wenn du sie nicht überzeugen kannst, ist es sinnlos, dass ich komme. Zu dritt am Bett müssen wir nicht sitzen. Und ich halte mich auch gern heraus, wenn du mit ihnen sprichst. Zu viele Köche verderben den Brei. Vielleicht horche ich auch noch eine Runde an der Matratze. Die Nacht in München war kurz. Wir haben bis zum Morgen zusammengesessen. Ich habe nur zwei Stunden geschlafen.«
Martin nickte.
Wendy verabschiedete sich. Sie sah noch kurz nach Sebastian. Er schlief tief. Anna und Toni schliefen ebenfalls. Wendy schlich wieder hinaus.
Sie winkte Martin und Katja zu, als sie zu ihrem Auto ging.
*
Martin Engler stand auf und ging hinüber ins Krankenzimmer. Anna und Toni Baumberger schliefen fest.
Eine Weile beobachtete der Arzt den Monitor. Alle Werte lagen im normalen Bereich.
Sebastian hatte sich auf die Seite gedreht und schlief fest. Seine Stirn war trocken. Seine Gesichtszüge wirkten entspannt. Er atmete gleichmäßig.
Martin berührte Toni sacht an der Schulter. Als Toni die Augen aufschlug, legte Martin die Finger über seine Lippen. Toni verstand sofort, nämlich, dass er leise sein sollte.
Martin winkte Toni zu, ihm zu folgen.
»Mei, ich schäme mich. Ich bin eingeschlafen, dabei wollte ich wach bleiben. Anna und ich hatten ausgemacht, dass wir uns im Vierstundentakt ablösen.«
Martin schmunzelte. »Wie auf einem Schiff! Bestimmt hatte Anna diese Idee.«
»Ja, das hast du richtig erraten, Martin. Anna kann ihre Herkunft von der Waterkant nicht leugnen.«
Katja bot Toni Frühstück an.
Er lehnte ab und nahm nur Kaffee. »Ich habe Anna angeboten, die Wache von Mitternacht bis vier Uhr früh zu übernehmen«, sagte er. »das ist die sogenannte Hundswache und auf See gefürchtet. Ich dachte, ich schaffe das locker.«
»Gegen ein Uhr habe ich nach Sebastian gesehen. Da hast du fest geschlafen. Aber keine Sorge, ich habe dich vertreten, Toni. Übrigens, Sebastians Fieber ist gesunken. Es fiel ständig. Jetzt hat er wieder normale Temperatur.«
»Was bedeutet das?«, fragte Toni.
»Nun, das bedeutet auf jeden Fall, dass es Sebastian bessergeht. Er schläft tief und fest. Weißt du, wenn ein Patient Fieber hat, heißt das, dass der Körper gegen etwas ankämpft. Fieber ist an sich keine Krankheit, sondern eine Begleiterscheinung. Es zeigt an, dass der Körper sich wehrt. So gesehen ist es eine gute Sache, wenn es nicht lebensbedrohlich ansteigt, sonst verkochen im Körper die Eiweißmoleküle.«
»So ist das also, interessant«, bemerkte Toni. »Ich habe gewusst, dass hohes Fieber lebensbedrohlich ist, aber was im Körper geschieht, war mir nicht so bekannt.«
»Toni, sprechen wir über Sebastian. Er hat kein Fieber mehr. Ich denke, er schläft sich aus. Ich werde ihn später von der Verkabelung befreien. Sein Herz schlägt kräftig und gleichmäßig. Der Blutdruck ist normal. Hände, Füße und Beine sind abgeschwollen. Das ist auf jeden Fall ein sehr gutes Zeichen.«
»Aber was ist mit den schlechten Blutwerten?«, fragte Toni.
»Die werde ich noch einmal überprüfen. Ich vermute, sie haben sich normalisiert. Heute werde ich ihn nur beobachten. Er soll schlafen, essen und trinken. Morgen oder übermorgen nehme ich ihm noch einmal Blut ab. Es gibt seltsame Infekte, Toni. Viren und Bakterien verändern sich ständig. Sie mutieren jedes Jahr. Denke nur an die Grippewelle, die jedes Jahr um sich greift!«
Toni lehnte sich auf dem Stuhl zurück. Martin sah, wie er sich entspannte.
»Dann ist das Gröbste durchgestanden, wie?«
»Ja, dass hoffe ich. Jedenfalls bedarf er nicht mehr solcher Fürsorge wie bisher. Ich denke, es wäre gut, wenn Anna und du euch zurückziehen würdet. Die große Gefahr ist gebannt. Sebastian ist kein kleiner Bub mehr, der will, dass Mama und Papa am Bett sitzen«, schmunzelte Martin.
»Natürlich hast du recht, Martin. Wir waren nur in großer Sorge. Besonders Anna hat Sebastians Krankheit tief getroffen.«
