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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. In der Polizeistation von Waldkogel läutete das Telefon. Wolfi eilte zum Telefon und nahm ab. »Polizeistation Waldkogel, Maurer am Apparat«, meldete er sich. Den Familiennamen Maurer hatte Wolfi nach seiner Heirat angenommen, sein Geburtsname war Irminger. »Grüß Gott, mein Name ist Anita Löffler. Ich bin mit meinem Freund am Bergsee. Wir sind Touristen. Auf dem Weg hierher sind wir durch eine kleine Seitengasse gegangen. Dort rief jemand um Hilfe. Es war aber niemand zu sehen. Wir sind dann auch weitergegangen. Mich lässt der Hilferuf aber nicht mehr los. Mein Freund und ich meinten, vielleicht wäre es besser, es doch zu melden.« »Das ist richtig. Wo genau haben Sie diesen Hilferuf gehört? War es der Hasenweg oder die Waschgasse?« »So gut kennen wir uns hier nicht aus«, antwortete die Anruferin, der Stimme nach, war sie eine junge Frau. »Können Sie mir ein auffälliges Merkmal nennen?
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Seitenzahl: 128
Veröffentlichungsjahr: 2023
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In der Polizeistation von Waldkogel läutete das Telefon.
Wolfi eilte zum Telefon und nahm ab. »Polizeistation Waldkogel, Maurer am Apparat«, meldete er sich.
Den Familiennamen Maurer hatte Wolfi nach seiner Heirat angenommen, sein Geburtsname war Irminger.
»Grüß Gott, mein Name ist Anita Löffler. Ich bin mit meinem Freund am Bergsee. Wir sind Touristen. Auf dem Weg hierher sind wir durch eine kleine Seitengasse gegangen. Dort rief jemand um Hilfe. Es war aber niemand zu sehen. Wir sind dann auch weitergegangen. Mich lässt der Hilferuf aber nicht mehr los. Mein Freund und ich meinten, vielleicht wäre es besser, es doch zu melden.«
»Das ist richtig. Wo genau haben Sie diesen Hilferuf gehört? War es der Hasenweg oder die Waschgasse?«
»So gut kennen wir uns hier nicht aus«, antwortete die Anruferin, der Stimme nach, war sie eine junge Frau.
»Können Sie mir ein auffälliges Merkmal nennen? Steht ein besonderer Baum an der Ecke? Oder gibt es dort ein frisch gestrichenes Haus?«
»Darauf haben wir nicht geachtet. Ich gebe Ihnen meinen Freund.«
Einem Augenblick später meldete sich eine männliche Stimme.
»Grüß Gott, mein Name ist Dirk Häusler. Ich habe das Gespräch mitgehört und muss gestehen, dass wir nicht auf die Umgebung geachtet haben. Das Einzige, was mir spontan einfällt, ist ein Haus mit auffällig vielen Blumenkästen. Das Hoftor stand offen und der ganze Hof war voller Blumenkübel. Hilft Ihnen das weiter?«
»Ja, das hilft«, antwortete Wolfi. »Die Familie heißt nicht nur Blumer, sie lieben auch Blumen. Können Sie umkehren? Wir kommen sofort zu den Blumers.«
»Das machen wir gern. Entschuldigen Sie bitte, dass wir ihnen keine genauere Ortsangabe machen können. Wir hatten einfach keinen Blick dafür.«
»Ist schon gut, junge Paare können oft keine genauen Zeugenaussagen machen. Sie haben eben nur Blicke für den anderen. Kehren Sie bitte um. Wir sind gleich dort.«
»Danke, wir beeilen uns«, antwortete Dirk Häusler.
Wolfi legte auf.
Damit sie schneller vorankamen, ließen die beiden jungen Ausflügler ihre schweren Wanderrucksäcke auf einer Bank am Bergsee stehen und liefen, nur mit ihren Papieren und ihren Handys in der Hand, los.
»Jemand hat einen Hilferuf gehört im Hasenweg, in der Nähe der Blumers. Ich erzähle dir alles unterwegs«, sagte Wolfi zu seiner Kollegin Chris.
Christine Denzer schaltete das Telefon schnell auf ihr Diensthandy. Sie drehte das Schild an der Glastür um, zog die Eingangstür zu und rannte Wolfi nach zum Polizeiauto.
Auf dem Schild standen Notfalltelefonnummern, ihre und die vom nächst gelegenen Revier.
Sie fuhren los. Wolfi schaltete nur das Blaulicht ein, keine Sirene.
Es war nicht weit bis zum Hasenweg.
Sie parkten gegenüber dem Hof der Blumers. Am Ende der Gasse sahen sie ein junges Paar, das sich an den Händen hielt und auf sie zu rannte. Sie winkten den Polizisten zu.
Wolfi winkte zurück.
»Grüü… grüß Gott«, keuchte Dirk.
»Grüß Gott«, antwortete Wolfi. »Nun erst mal schön durchatmen!«
Anita keuchte ebenfalls. »Ja, hier war es! Hier haben wir es gehört. Wir dachten, es sind spielende Kinder. Aber dann wurde ich unruhig. Es könnte ja auch etwas anderes gewesen sein«, erklärte Anita.
»Wir gehen an den Häusern entlang und lauschen, ob wir etwas hören. Chris, du nimmst die eine Seite und ich die andere«, sagte Wolfi.
Chris ging los. Anita schloss sich der jungen Polizistin an, Dirk ging mit Wolfi.
Sie lauschten an Haustüren, klingelten und riefen.
»Ist jemand da? Wir sind es, Chris und Wolfi von der Polizeistation.«
Dabei warfen sie sich über die Breite der Gasse Blicke zu.
Dann hielt Harald Lechner und schaute zu ihnen hinüber.
Wolfi stürzte sofort auf dessen Dienstauto zu. Er sprach ihn an: »Harald, hast du ein Stethoskop dabei? Kannst du das an die Schlüssellöcher halten? Vielleicht hörst du etwas.«
»Ich habe natürlich immer ein Stethoskop dabei, schließlich bin ich der Leiter der Gemeindehelferinnen in Waldkogel. Außerdem bin ich Intensivpfleger und Rettungssanitäter!«, zischte Harald Lechner.
»Mei, jetzt sei nicht gleich beleidigt! Ich zweifle weder deine Fähigkeiten noch deine Ausrüstung an«, erwiderte Wolfi beschwichtigend.
»Entschuldige, Wolfi! Es war nicht böse gemeint. Ich bin im Stress. Wir haben Urlaubszeit und sind ohnehin leicht unterbesetzt. Dazu kommt noch, dass eine Kollegin den Dienst heute Morgen absagte. Sie hat familiäre Schwierigkeiten, und da war es besser, sie blieb daheim. Also habe ich heute doppelt so viel zu tun.«
In diesem Augenblick hörten sie jemand schreien.
»Wolfi, mir kommt es so vor, als sei es aus dem Haus der Baslers gekommen«, sagte Harald.
Wolfi rief nach den Baslers.
Sie bekamen Antwort, konnten aber nichts verstehen. Danach hörten sie wieder einen Hilferuf.
»Dort, im oberen Stock, steht ein Fenster offen. Da kann man einsteigen«, sagte Chris.
»Wir kommen, keine Sorge, einen Augenblick noch!«, brüllte Wolfi, so laut er konnte.
Von gegenüber kam die alte Bäuerin vom Blumerhof auf die Straße. Sie und ihr Mann betrieben schon lange keine Landwirtschaft mehr.
»Habt ihr eine lange Leiter?«, fragte Chris.
Die alte Bäuerin grinste. »Und was für eine lange Leiter wir haben! Sie hängt hinten an der Scheune. Aber Achtung, die hat lange niemand mehr benutzt. Sie könnte etwas morsch sein. Die Zeiten sind lange vorbei, dass jemand gefensterlt hat«, lachte die alte Bäuerin.
Harald und Wolfi rannten los und holten die Leiter. Sie war wirklich schon sehr alt. Sie stellten sie an die Hauswand.
»Wolfi, ich bin leichter als du. Ich steige ein. Wenn die Leiter kracht, könnt ihr mich auffangen«, sagte Chris.
Die Männer nickten und hielten die Leiter.
Vorsichtig stieg sie hinauf, jede Sprosse prüfend, ob sie trug.
Unten standen Harald und Wolfi. Dirk hatte sich daneben gestellt. Gespannt sahen sie Chris zu, wie sie hinaufkletterte. Würde sie fallen, würden sie versuchen, sie aufzufangen.
Endlich war Wolfis Kollegin oben angelangt und schwang sich, über das Fensterbrett, in das Zimmer.
Kurze Zeit später wurde die Haustür von innen geöffnet.
»Schnell, die beiden liegen unten an der Treppe. Die Baslers müssen gestürzt sein«, sagte Chris.
Harald holte schnell seinen Notfallkoffer aus dem Auto. Als er ins Haus kam, knieten Wolfi, Chris, Anita und Dirk neben dem alten Ehepaar auf dem Boden.
»Nicht bewegen!«, schrie Harald. Dann öffnete er seine Tasche und zog schnell zwei Spritzen mit Schmerzmittel auf, eine für Lia Basler und eine für ihren Mann Rudi.
Wolfi hielt währenddessen Rudis Hand.
Chris kümmerte sich um seine Frau.
»Was ist passiert?«, fragte Wolfi dann.
»Der Rudi ist auf der untersten Treppenstufe gestolpert und hingefallen«, sagte Lia. »Ihm tut der Fuß weh. Ich wollte ihm aufhelfen und in die Küche bringen. Da sind wir beide hingefallen. Ich bin auf die Schulter geknallt und auf die linke Hand. Es tut sehr weh. Und auf das Knie bin ich auch gefallen. Allein konnten wir nicht mehr aufstehen.«
Harald griff zum Handy und rief Doktor Martin Engler an. Er wählte Martins Privatnummer, weil er wusste, dass Martin dann sofort das Gespräch annahm.
»Harald, was gibt es?«, fragte Martin.
»Notfall! Lia und Rudi Basler sind gestürzt. Komm mit deinem Rettungswagen! Sie müssen beide transportiert werden.«
»Sind sie bei Bewusstsein?«
»Ja, das sind sie. Ich habe ihnen erst einmal ein Schmerzmittel gespritzt. Es sieht auch nicht nach einer Gehirnerschütterung aus, bei keinem von beiden. Lia hat Schmerzen in der Hand, der Schulter und im Knie. Die Schulter tut am meisten weh, sagt sie. Sie kann sie aber unter Schmerzen etwas bewegen. Ihre Hand ist ganz angeschwollen. Rudi hat Schmerzen im Fuß.«
»Ich bin gleich da«, rief Doktor Martin Engler ins Telefon und legte auf.
Es dauerte keine fünf Minuten, dann kam Martin mit dem Rettungswagen. Seine Frau Katja war bei ihm.
Martin untersuchte die beiden Alten vorsichtig und unterhielt sich dabei leise mit ihnen. Dann drehte er sich um und meinte: »Das hast du richtig erkannt, Harald. Die beiden hatten Glück im Unglück. Schaffen wir sie in die Praxis!«
Harald Lechner rief Marie Weißgerber an, die vor ihm Leiterin der Gemeindehelferinnen gewesen war. Er bat sie, für ihn einzuspringen und die Runde bei den Patienten zu übernehmen.
Marie sagte sofort zu.
Wenig später war sie zur Stelle. Harald übergab ihr auf der Straße seine Liste. Marie Weißgerber fuhr los.
Harald eilte wieder ins Haus. Inzwischen hatten Martin und Wolfi Lia Basler aufgehoben und auf einen Stuhl gesetzt.
»Hier, Harald, mach du bei Lia weiter«, sagte Martin. »Binde ihr den rechten Oberarm mit einer breiten Binde an den Körper und lege die linke Hand in die Schlinge. Ich schaue nach Rudolf.«
Während Katja Harald half, hoben Wolfi und Dirk Rudi auf.
Chris holte einen Stuhl, damit sich Rudi setzen konnte.
Dann brachten Harald und Martin die Trage aus dem Rettungswagen herein. Sie legten Lia darauf. Anschließend rollten sie einen Rollstuhl herein für Rudi.
Der Transfer ins Auto war nicht schwer aber die beiden alten Baslers stöhnten vor Schmerzen.
Katja fuhr den Rettungswagen. Martin und Harald saßen hinten bei den Patienten.
Bevor sie losfuhren, öffnete Martin noch einmal die Tür und rief: »Lia und Rudi möchten, dass die beiden jungen Leute nachkommen.«
Langsam, jede Erschütterung vermeidend, fuhr Katja zur Praxis.
»Wir fahren mit dem Polizeiauto hinterher. Wir nehmen euch mit«, sagte Chris zu den beiden jungen Leuten.
»Danke, das ist sehr freundlich. Aber wir haben die Rucksäcke mit all unseren Sachen am Bergsee abgestellt«, sagte Dirk.
»Okay, einsteigen! Wir holen sie«, sagte Wolfi. Er fuhr mit ihnen zum Bergsee und wendete.
Dirk und Anita holten ihre Rucksäcke und stiegen wieder ein.
Dann fuhren sie zu Martins Praxis.
Martin hatte die Baslers sofort ins Untersuchungszimmer gefahren.
Zuerst untersuchte er Lia. Dabei machte er ein ernstes Gesicht. »Das sieht böse aus. Verstaucht sind das Schultergelenk und die Hand – mindestens. Das Knie macht auch keinen guten Eindruck. Lia, ich schaue jetzt nach deinem Mann. Dann bringe ich euch ins Krankenhaus nach Kirchwalden.«
Lias Lebensgeister bäumten sich auf.
»Naa, Martin, das tust du nicht! Das verbiete ich dir. Mich bringt nichts und niemand in so einen Krankenhauskasten.«
»Aber Lia, sei doch vernünftig! Deine Schulter, die Hand und das Knie können gebrochen sein und Rudis Fuß sollte auch geröntgt werden.«
»Martin, wir wissen, du bist ein guter Doktor. Aber ohne unsere Zustimmung kannst du das nicht machen. Dann fangen die dort gleich damit an, mit da muss eine Platte rein und Schrauben und solchem Zeug. Nein, das kommt nicht in Frage. Ich bin kein Auto, an dem man rumschraubt. Naa, naa!«
»Lia, jetzt sei vernünftig!«, sagte Martin.
»Das bin ich. Martin, ich will dir jetzt mal etwas sagen. Wenn wir nicht so unglücklich gefallen wären, dass wir von allein nicht mehr gleich hochgekommen sind, hätte niemand etwas erfahren. Wir hätten Umschläge mit Ellas Balsam und ihrer Tinktur gemacht. Und wir hätten abgewartet, wie es morgen oder übermorgen geht. Also, nix da, mit Krankenhaus! Gib uns was für die Schmerzen und lass es gut sein.«
»Rudi, was meinst du dazu?«, fragte Doktor Martin Engler.
»Lia hat Recht, basta!«
Martin stöhnte laut. »Was seid ihr für zwei sture Alte! Okay, dann bleibt ihr hier bei mir auf der Krankenstation. Ich behandele euch. Aber wenn ich keine Besserung erkennen kann, müsst ihr nach Kirchwalden ins Krankenhaus. Da lasse ich nicht mit mir reden.«
»Wir kommen doch zusammen in ein Krankenzimmer?«, fragte Rudi.
Martin musste lächeln. »Sicher kommt ihr in ein Zimmer. Ich nehme an, ihr habt kein Handy. Eure Kinder sollten von eurem Unfall erfahren. Ich kann sie anrufen.«
»Schmarrn!«, zischte Lia. »Das kommt nicht in Frage. Außerdem sind die zu weit weg. Martin, ich verbiete dir, alle närrisch zu machen.«
»Lia, aber … ich meine, ihr habt hier niemanden.«
»Das stimmt und stimmt doch nicht so ganz. Ruf den Baumberger Sebastian im Hotel an und lasse mich mit ihm sprechen!«, forderte ihn Lia auf.
Martin seufzte leise. »Okay, das mache ich später. Aber als erstes geht es ins Bett. Lia, Walli kann dir ein Nachthemd von sich geben. Und ich leihe dir einen Schlafanzug, Rudi.«
Martin und Katja brachten die beiden Baslers auf die Krankenstation. Es dauerte eine Weile, bis sie im Bett lagen.
Martin machte ihnen dicke Verbände mit Ella Waldners Balsam. Dann legte er beiden eine Infusion mit einem Mittel gegen die Schmerzen. Walli brachte ihnen Tee und eine kleine Jause. Dann blieb sie bei ihnen.
Wolfi und Chris waren zurück zur Polizeistation gefahren, nachdem sie Anita und Dirk befragt hatten.
Das junge Paar saß nun auf der Bank vor der Praxis. Coco, die Boxerhündin, leistete ihnen Gesellschaft, sie hatte sich gleich mit ihnen angefreundet.
»Wie geht es den beiden?«, fragte Dirk.
»Schlimmer als ihre Verletzungen sind ihre Sturheit und Dickköpfigkeit. Aber das ist oft so im Alter«, sagte Martin. »Es war gut, dass ihr sie gehört habt. Der Unfall ist schon vor einigen Stunden passiert.«
»Es tut uns leid, dass wir nicht sofort die Polizei gerufen haben«, bekräftigte Dirk.
»Lieber spät als nie«, sagte Martin.
Er lud sie zu einer Tasse Kaffee ein und nahm sie mit in die Küche. Katja hatte schon Kaffee gemacht und Kuchen aufgeschnitten.
»Setzt euch und stärkt euch! Ich habe den beiden eine Infusion angehängt mit Schmerzmittel. Ihr könnt sie später besuchen. Sie haben nach euch gefragt. Ich darf euch nicht fortlassen, bevor sie mit euch gesprochen haben. Ich gehe noch kurz zu ihnen«, sagte Martin.
Er verließ die Wohnküche.
Es dauerte nicht lange, bis er wiederkam.
»Wie geht es ihnen?«, fragte Katja.
»Nun, da sie nach den Medikamenten keine Schmerzen mehr haben, sind sie ziemlich munter. Ich bekam eine Predigt zu hören, weil ich Sebastian noch nicht angerufen habe. Das habe ich sofort gemacht. Die beiden sind zäh und willensstark. Ich mag sie. Seit sie sicher sind, dass Nina und Peter bei ihnen einziehen, hat sich ihr Leben sehr verändert.«
Katja schenkte Kaffee ein und verteilte den Kuchen. Sie plauderten.
*
Im Hotel Gerber in München eilte Sebastian in die Küche. Er winkte Peter Becker heraus in den Flur. »Peter, ich weiß, wir haben heute Abend das große Dinner. Meinst du, dein Stellvertreter bekommt das ohne dich hin?«
»Warum?«, fragte Peter.
»Martin hat angerufen. Danach hat Lia Basler mit mir gesprochen. Sie und Rudi sind hingefallen. Sie liegen bei Martin auf der Krankenstation. Deine Handy-Nummer hatten sie nicht. Sie bitten euch, zu kommen.«
Peter war erschrocken. »Sind sie sehr verletzt?«, fragte er.
»Das musst du Martin fragen. Lia sagte mir, sie wären erst beruhigt, wenn jemand im Haus ist. Also packt und fahrt sofort los!«
»Das machen wir, Sebastian. Ich muss nur noch ein bisserl warten. Nina hat ihren freien Tag. Sie ist in der Stadt. Sie will sich Sachen für die neue Wohnung ansehen. Ich werde sie anrufen und bitten, sofort zu kommen. Dann fahren wir.«
»Das ist schön. Bei uns wird es spät werden, bestimmt nach Mitternacht. Sophie und ich wollten heute Nacht hierbleiben. Aber wir kommen nach Waldkogel. Wenn wir auf dem Basler Hof noch Licht sehen, kommen wir rüber. Dann werdet ihr noch wach sein. Fahrt zuerst bei Martin in der Praxis vorbei, Peter. Übrigens, solltet ihr dort gebraucht werden, werde ich deinen Dienstplan ändern. Ich bin sicher, dass sich Nina mit Sophie einigen kann.«
»Was sagt Sophie?«, fragte Peter.
»Ich habe noch nicht mit Sophie gesprochen. Du weißt, wie weichherzig sie ist. Sie ist schwanger. Deshalb achte ich darauf, dass sie sich nicht aufregt. Bitte Nina, nicht gleich mit Sophie zu sprechen. Ich werde selbst mit ihr reden und es ihr schonend berichten«, antwortete Sebastian. »Jetzt macht, dass ihr nach Waldkogel kommt! Dann ruft ihr mich sofort an.«
»Das machen wir. Dann also pfüat di, bis heute Abend!«, antwortete Peter.
Sebastian Baumberger ging wieder in sein Büro.
