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Nadine, eine selbstbewusste junge Frau, träumt von der großen und ewig andauernden Liebe. Sie mag keine lockeren Beziehungen und hasst Fremdgehen wie die Pest! Als sie sich in ihren Schulfreund Dennis verliebt, glaubt sie die Liebe des Lebens gefunden zu haben. Alles verläuft so wie sie es sich erträumt hat. Bis zu dem Tag als Benni in ihr Leben tritt. Eine (fast) wahre Geschichte einer jungen Frau, die trotz einiger Rückschläge und aufkeimender Langeweile, mit ihren Auserwählten, ihren neuen, ganz persönlichen Weg zum Glück findet.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Eine Liebe für die Ewigkeit Eine (fast) wahre Geschichte von Bridget Bal-Baroni
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Etwas Lustiges (und ein bisschen Wahres) hinterher
Impressum
Eine Liebe für die Ewigkeit
oder
etwa doch nicht?
Eine (fast) wahre Geschichte
von Bridget Bal-Baroni
INHALTSVERZEICHNIS
Eine Liebe für die Ewigkeit
Kapitel 1Fremdgehen -Wie peinlich ist das denn? Kapitel 2 Die erste große Liebe Kapitel 3 „Bis dass der Tod euch scheidet“ - zum ersten Kapitel 4 BENNI – zum ersten Kapitel 5 Willkommen im Club der „Ehebrecherinnen“ Kapitel 6 BENNI – zum zweiten Kapitel 7 Charly Kapitel 8 „Bis dass der Tod euch scheidet“-zum zweiten Kapitel 9 BENNI – zum dritten und letzten Mal Kapitel 10 Nadines Offenbarung Kapitel 11 bye bye my love
Oder besser noch:
Eine kleine Anleitung für alle Frauen, die schon einmal mit einem Seitensprung geliebäugelt haben oder auch mitten in einem stecken. Damit sie ihn aber nicht hinterher oder gar zwischendurch etwa fürchterlich bereuen, erzählt die Autorin die (fast) wahre Geschichte der Nadine B.
Nadine hat scheinbar alles richtig gemacht!
Sie hat all ihren Mut zusammengenommen und den Schritt in ein neues Leben gewagt. Dass dies, rückwirkend betrachtet, die beste Entscheidung ihres Lebens sein sollte, zeigt das Ergebnis. Nadine ist heute glücklich, wohlhabend und absolut unabhängig. Sie erzählte mir ihre Geschichte, damit ich sie weitergebe an all die Frauen, die etwas in ihrem Leben verändern wollen, um dem tristen Einerlei in der Beziehung (Ehe) zu entfliehen oder wenigstens mal davon zu träumen.
Ihre Botschaft: „Bis dass der Tod euch scheidet“ einfach mal zu überdenken.
Eine Liebe für die Ewigkeit Kapitel 1 Fremdgehen
– Wie peinlich ist das denn?
„Musst du mir das antun? Was denkst du dir eigentlich dabei?“, dröhnte es wieder aus dem Nachbarhaus durch das geöffnete Fenster an Nadines Ohr, die gerade in ihrem Zimmer auf dem Bett lag und in der aktuellen BRAVO blätterte.
Genervt stand Nadine auf, schloss das Fenster und setzte sich die Kopfhörer auf, um mit ihrer Lieblingsband, den Backstreet Boys, dieses „Gekeife“, wie sie es nannte, zu übertönen.
Sie konnte es nicht mehr hören. Jeden Tag hatten sich ihre Nachbarn, der dicke Willi und seine schlanke, schon etwas angegraute Elli in der Wolle und fetzten sich so lange bis entweder er oder sie das Haus mit einem lauten Zuschlagen der Haustür verließ. Um dann aber nach genau 45 Minuten, solange dauerte der Spaziergang um das Dorf, wieder vor der Tür zu stehen. An manchen Tagen ging alles gut und es herrschte Ruhe. Aber oft ging es danach wieder los und dann verließ der andere das Haus, um seine sprichwörtliche Runde zu drehen.
So auch an diesem Tag. Selbst durch die Kopfhörer konnte sie hören, wie Elli die Tür hinter sich zuknallte, um entschlossen und wutentbrannt ihre Runde zu drehen.
Und wie immer folgte der Türe zuknallen, wenn sie ging, dann der laute, fast schon kreischende Nachruf: Dann hau doch ab, du Schlampe! Du kannst dich ja bei deinem Liebhaber ein-nisten!
Und wenn er ging, dann rief sie ihm hinterher: Geh zu deinem Flittchen und werde glücklich. Dann kann sie dir ja die Socken und deine beschissenen Unterhosen waschen!
Von ihrem Zimmer aus konnte Nadine dann auch sehen, wie sich die anderen, ach so ehrenwerten Nachbarn hinter ihren Vorhängen versteckten, um dann am nächsten Tag mit: Weißt du schon das Neueste von den Schmitzens ..., sich den Mund, mit den ebenfalls neugierigen Moralaposteln aus der Nachbarschaft den Mund fusselig zu reden.
Diese Heuchler, dachte Nadine, hatte sie doch oft genug mitbekommen, wie gerade die „brave“ Elke von schräg gegenüber sich heimlich mit dem Paketzusteller abknutschte, wenn dieser mal wieder gerade dann ein Paket ablieferte, wenn Elkes Mann Bernd zur Arbeit war. Manchmal kam es vor, dass der Paketzusteller etwas länger blieb. Dann konnte Nadine, wenn sie sich ein wenig aus dem Fenster lehnte und so einen Blick auf die Dachterrasse von Elke hatte, sehen, wie die beiden einen schnellen Quickie schoben. Meistens jedoch blieb es bei dem flüchtigen Kuss und Elke verließ kurze Zeit später aufgedonnert das Haus, um schnell mit ihrer Familien-kutsche wegzufahren. Um dann jedoch genau eine Stunde später, bevor die beiden Kinder aus der Schule nach Hause kamen, wieder zurückzukehren, um für sie das Essen zu kochen.
Nadine war mit ihren gerade 16 Jahren mitten in der Pubertät. Alles, was irgendwie mit Männern, Sex, Liebe und all dem Kram zu tun hatte, war ihr äußerst peinlich. Sie wollte mit all dem nichts am Hut haben. Aber egal was sie auch anstellte, überall wurde sie mit diesen peinlichen Dingen konfrontiert. Nicht nur, dass sie jeden Tag sich die peinlichen Spielchen der Nachbarn anschauen musste, auch fingen ihre Freundinnen damit an, sich heimlich mit Jungs zu treffen und mit diesen rumzumachen, wie sie es nannte.
So richtig peinlich und schockierend wurde es aber für sie an dem Tag, als sie früher von der Schule nach Hause gekommen war, weil mal wieder der Musikunterricht ausgefallen und kein Ersatz für den jungen Musiklehrer aufzutreiben war.
Da um diese Zeit meistens keiner zu Hause war, verkroch sie sich mit der neuesten BRAVO auf ihr Zimmer. Dann konnte sie in Ruhe darin herumstöbern und sich die neuesten Tipps von Dr. Sommer rund um die Fragen anderer pubertierender Jungs und Mädchen durchzulesen. Schließlich spürte sie indirekt, wie sich einiges in ihrem Körper zu verändern schien und wie auch bei ihr so langsam das Interesse an Jungs auflebte.
Auch wenn sie sich das noch nicht so richtig zugestand, so blieben noch vor Kurzem ihre Blicke mehr bei den Geschichten rund um Mädchen, Pferde und Idolen hängen. Heute galt ihr Interesse mehr und mehr den Jungs. Und die Berichte und Anmerkungen von Dr. Sommer wurden zusehend spannender.
Aber am liebsten las sie die wunderbaren und herzerwärmend-en Storys um Stars und Sternchen, Prinzen und Prinzessinnen in den typischen Frauenzeitschriften, die ihre Mutter immer aus der Bäckerei, wo sie vormittags arbeitete, mitbrachte, wenn diese durch neue ersetzt wurden. Neuerdings fielen ihr diese auch beim Friseur oder beim Frauenarzt, wo sie ihre Mutter vor ein paar Wochen hingeschleppt hatte, weil sie ja jetzt doch langsam eine Frau werde, auf. Nadine fühlte sich immer so richtig wohl, wenn sie eintauchen konnte in die wundervolle, harmonische Welt dieser immer toll aus-sehenden und glücklich wirkenden Menschen.
Sie lag auf ihrem Bett und las fasziniert in der aktuellen BRAVO. ... es ist ganz normal, dass bei jungen Menschen im Alter von 13 bis 16 Jahren die ersten Härchen auf dem Körper zu sehen sind. Meistens beginnt es in den Achselhöhlen und im ... als plötzlich die Haustür laut zugeschlagen wurde und sie förmlich aus ihrem wichtigen Informationsbericht von Dr. Sommer riss.
Neugierig und ganz leise schlich sie sich an ihre halb offen-stehende Zimmertür, um nachzusehen, wer da ins Haus gekommen war. Nadine konnte kaum atmen, schlug ihr Herz doch rasend vor Angst. Schließlich konnte das weder ihr Vater, der ja auf der Arbeit im Chemiewerk war, noch ihre Mutter, die vormittags in der Bäckerei arbeitete, sein.
Blitzschnell kombinierte sie, dass es sich nur um einen Einbrecher handeln konnte, was ihr Herzrasen noch verstärkte. Neugierig schob sie ihren Kopf durch den Türspalt, um zu schauen, ob er der Einbrecher schon die Treppe herauf-kommen würde, um sich dann schnell einzuschließen und um Hilfe zu rufen. Mit Verwunderung sah sie jedoch, wie eine Frau ihren Mantel über dem Treppengeländer ablegte.
„Und du glaubst wirklich, dass wir ungestört sind?“, hörte sie eine tiefe männliche Stimme etwas ängstlich fragen. „Mach dir keine Sorgen, Schatz. Hier sind wir die nächsten zwei Stunden ungestört! Gerda und Hans sind arbeiten und die kleine Nadine ist in der Schule.“
Wie vom Blitz getroffen durchfuhr Nadine die Erkenntnis, das sind Tante Bettina und Pascal Bergmann, der Vater von Luise, ihrer besten Freundin. Ihr blieb förmlich die Spucke weg. Wie peinlich ist das denn? Ihre ach so biedere Lieblingstante mit einem anderen Mann und dann noch hier bei ihr im Haus.
„Komm“, hörte sie Bettina sagen und registrierte, dass sich beide in Richtung des elterlichen Schlafzimmers bewegten.
Erst als sie hörte, dass sich die Tür des Schlafzimmers schloss, traute sich Nadine, obwohl sie höllische Angst hatte, entdeckt zu werden, ganz langsam die Treppe hinunter, um dann an der Tür des Schlafzimmers zu lauschen.
Nadine hielt die Luft an und presste ihr Ohr vorsichtig an die Tür. Für einen Augenblick hatte sie die Befürchtung, dass man das laute Pochen ihres Herzens durch die Tür hören könnte.
„Komm – zier dich nicht so, hier sind wir ungestört und ich will dich spüren – jetzt sofort!“, flüsterte Bettina mit einem auf-fordernden Unterton.
Nadine stand wie angewurzelt vor der Tür zum Schlafzimmer und traute sich nicht, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen.
Sie war schockiert! Da lag doch ihre Lieblingstante nackt auf dem Bett und wedelte Pascal mit ihrem Slip zu, während sie mit der anderen Hand auf die Matratze schlug und ihn auf-forderte zu ihr zu kommen.
Fast wäre Nadine ein lautes Lachen über die Lippen gekommen, sah es doch so aus, als würde Bettina einem kleinen Hund befehlen, „sitz“ zu machen. Das Lachen blieb ihr jedoch schlagartig im Halse stecken und wandelte sich augenblicklich in pure Angst, als Pascal sich um-drehte und zur Tür kam.
Oh Gott – er hat mich entdeckt, fuhr es Nadine durch den Kopf. Bestimmt wird er mich jetzt umbringen.
Vor lauter Angst bekam sie nicht wirklich mit, wie Pascal zu Bettina sagte: „Ich schließ lieber mal ab, sicher ist sicher.“
Nadine zitterte am ganzen Körper, und erst als dieses peinliche Gestöhne an ihr Ohr drang, rappelte sie sich auf, schlich die Treppe ebenso leise wieder hinauf, wie sie auch heruntergegangen war, um sich dann in ihrem Zimmer einzu-schließen.
Für sie stand fest. Sie würde nie mit anderen Männern rum-machen so wie die Nachbarin und nun auch Tante Bettina. Sie würde sich den Mann „fürs Leben“ suchen und dann mit ihm 100 Jahre alt werden und mindestens drei Kinder und viele, viele Enkelkinder haben. Und wenn er jemals auf die Idee kommen würde, sie zu betrügen, dann würde sie ihm den ... mit der Heckenschere abschneiden!
Nadine, die sich ihre Kopfhörer übergezogen und die Musik voll aufgedreht hatte, weil sie dieses peinliche Gestöhne nicht hören wollte, hatte nicht mitbekommen, dass Bettina und Pascal das Haus mittlerweile verlassen hatten. Erst als ihre Mutter an ihre Tür klopfte, wurde sie aus ihren intensiven Gedanken an die Nachbarn, ihre heuchlerische Tante Bettina und diesem Miststück von Pascal, dem Vater von Luise, erlöst.
Ob Mutter darüber Bescheid wusste, was ihre Schwester hier trieb, wenn sie nicht da war? Sie würde sie zur Rede stellen, wenn sich die Gelegenheit ergäbe. Jetzt wollte sie erst einmal nichts mehr davon hören.
Nadine schloss widerwillig die Tür zu ihrem Zimmer auf und ließ ihre Mutter eintreten.
Was ist denn los? Wieso bist du schon hier und warum schließt du dich ein? Und, und, und ...
Nadine beantwortete all ihre Fragen wie durch einen Schleier. Sie wollte nur noch raus hier.
Einige Tage später
Nadine, die gerade von der Schule kam, hatte sich schon den ganzen Tag so richtig auf das leckere Mittagessen Omas „Flinsen“ gefreut. Flinsen, das waren leckere Pfannkuchen mit Nutella. Sie liebte diese speziell nach dem Rezept der Oma gemachten Pfannkuchen.
Umso verwunderter war sie, als nicht nur ihre Mutter am Küchentisch, sondern auch ihre Tante Bettina saßen und sich scheinbar intensiv unterhielten. Sie konnte gerade noch sehen, wie Bettina schnell versuchte, den Slip, den ihr ihre Mutter gegeben hatte, in ihrer Handtasche zu verstauen. Auch wenn Nadine geahnt hatte, dass ihre Mutter über das Verhältnis ihrer Schwester Bescheid wusste, so war sie doch jetzt nicht nur schockiert, sondern total enttäuscht. Gerade ihre Mutter, die immer treu zur Familie stand und die für sie eine wahre Wächterin von Sitte und Moral darstellte, deckte ihre Schwester, die ihren Mann nach allen Regeln der Kunst hinterging und betrog. Aber das Schlimmste war, dass sie auch noch ihr Ehebett, wo sie Nadine gezeugt hatten, für dieses frevelhafte Treiben zur Verfügung stellte.
Ohne ein Wort zu sagen, geschweige denn die beiden auch nur eines Blickes zu würdigen, schlenderte Nadine seelenruhig an ihnen vorbei in Richtung des elterlichen Schlafzimmers, um dann leise dreimal an die Tür zu klopfen, aber ohne sie jedoch zu öffnen.
„Kannst dich wieder ausziehen! Mama kommt gleich auch noch zu dir!“ Dann kannst du ja mit beiden vergnügt in Papas Bett weiter vögeln.
Wie aus dem Nichts schlug die flache Hand ihrer Mutter in ihr Gesicht und verursachte einen brennenden Schmerz. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ließ sie ihre Mutter einfach stehen, drehte sich um und verließ das Haus. Für Nadine war nun auch das letzte bisschen Ehrfurcht vor ihrer Mutter und der Tante verloren gegangen. Und obwohl ihre Mutter immer wieder versuchte, sie zu einem Gespräch zu überreden, um den Sachverhalt zu klären, dauerte es Wochen, bis Nadine bereit war, sich ihre Version der Dinge anzuhören. Tante Bettina mied jeglichen Kontakt zu Nadine. War sie sich doch nicht sicher, ob diese ihr kleines Geheimnis für sich behalten würde. Die Einzigen, die von der ganzen Sache nie erfuhren, waren ihr Onkel und ihr Vater.
Nadine zog sich mehr und mehr zurück. Das lag nicht nur an der Enttäuschung, die sie mit ihrer Tante und auch ihrer Mutter erlebt hatte, sondern auch an ihren frühreifen Freundinnen, die scheinbar nichts anderes mehr im Kopf hatten als mit Jungs rumzumachen. Und obwohl ihre Mutter ihr beteuerte, dass sie nie mit einem anderen Mann ein Verhältnis hatte, geschweige denn ins Bett gegangen ist, blieb bei Nadine ein fader Beigeschmack haften. Für sie waren ab sofort alle mit Vorsicht zu genießen.
Erst Monate später als sie ihre Periode bekam und die damit verbundenen ersten Leiden überstanden hatte, spürte auch sie des Öfteren dieses Gefühl von Verlangen. Laut der BRAVO und Dr. Sommer war sie jetzt eine Frau und geschlechtsreif.
Während ihre Freundinnen schon mit den ersten Liebeserlebnissen prahlten, hielt sie sich noch zurück und konzentrierte sich ausschließlich auf das Erreichen des Abiturs.
Eine Liebe für die Ewigkeit
Kapitel 2
Die erste große Liebe
Es war ein rauschendes Fest. Die Aula platzte aus allen Nähten und es herrschte ein lautes Stimmengewirr, welches die kleine Schülerband um Längen übertönte.
Nadine war stolz wie Oskar. Hatte sie doch ihr Abi als eine der Besten mit 1,1 geschafft. Nachdem sie ihre Urkunde erhalten hatte und der feierliche, offizielle Teil beendet war, verabschiedeten sich ihr Vater und ihre Mutter mit Tränen in den Augen. Auch Tante Bettina und ihr Mann waren anwesend und gratulierten von Herzen.
Nadine mochte es noch nie im Mittelpunkt zu stehen und diese „Lobhudeleien“ über sich ergehen lassen zu müssen. Umso glücklicher war sie nun, dass alle Familienmitglieder verschwunden und sie endlich unter ihresgleichen waren.
Es war ein Abiball, wie ihn auch schöner, Hollywood nicht hätte inszenieren können. Alle sahen toll aus in ihren Anzügen und Kleidern und irgendwie wirkten sie alle anders als sonst. Reifer und eleganter und dennoch ausgelassene Teenager.
Nadine hatte sich mit ihren Freundinnen abgestimmt und alle hatten sie enganliegende Hotpants an, die durch einen weiten, langen Wickelrock verdeckt waren. Und nur wenn beim Tanz oder auf dem Hocker die Rockenden auseinanderklafften, konnte man die langen Beine der Mädels, die zudem noch in hochhackigen Pumps steckten, sehen. Das und auch die hauch-zarten, weit aufgeknöpften Blusen taten ihr Übriges und ließen die Blicke der Jungs unruhig werden.
Nadine hatte sich anfangs noch gegen die Idee der Freundinnen, sich so aufzudonnern, ausgesprochen, doch nun, nach ein paar Schlucken aus dem Sektglas, gefiel es ihr, dass sich die Jungs quasi um sie drängten und sie immer wieder zum Tanz aufforderten. Aber je später der Abend, desto aufdringlicher wurden manche Jungs und einige wollten sogar mit ihr nach draußen verschwinden, um dann „rumzumachen“, wie sie es nannte.
Als sie sich dann irgendwann mit dem coolen David einließ und im Foyer anfing herumzuknutschen und dieser scheinbar die Kontrolle zu verlieren schien und ihr zwischen die Beine faste, fielen ihr schlagartig die „Nachbarinnen“ und Tante Bettina ein. Hatten sie doch nichts anderes im Sinne als herumzuhuren. Nein – so wollte sie auf keinen Fall sein und auch nicht werden.
Beherzt stieß sie David von sich, rückte ihren Rock zurecht und ging schnurstracks, nicht ohne noch zu hören, was für eine Schlampe sie sei, zurück in den großen Saal. Dass sie dabei David noch den berühmten Mittelfinger zeigte, sei nur am Rande erwähnt.
Von Ihren Freundinnen war nichts mehr zu sehen. Scheinbar waren alle schon irgendwo in den Hecken am Herummachen.
Egal – sagte sich Nadine und ging schnurstracks an die Bar, um sich noch einen letzten Caipirinha zu genehmigen, bevor sie nach Hause gehen würde.
Na schönes Kind, was darf es denn sein, sprach sie der gutaussehende Kellner von hinter der Theke aus an.
Einen Caipirinha mit viel Calchassa bitte.
„Ist der nicht ein wenig zu stark für dich?“, fragte eine sanfte und wohlklingende Stimme von rechts hinter ihr, als sie gerade kräftig an dem Strohhalm sog. Nadine hätte sich um ein Haar verschluckt. War sie doch mit ihren Gedanken bei diesem
David und dass sie sich um ein Haar mit ihm eingelassen hätte.
Leicht hustend drehte sie sich in Richtung der Stimme, die sie so erschrocken hatte, um.
„Bern ... äh Dennis“ kam es leise und ein wenig stotternd über ihre Lippen als sie den schlaksigen Jungen aus der Parallelklasse erkannte.
„Ja – und du bist Nadine, die Unnahbare. Stimmt’s?“
Nadine schaute Dennis von oben bis unten an.
„Wieso unnahbare?“
„Nun – so nennen sie dich. Liegt wohl daran das du nicht mit jeden rummachst, so wie deine Freundinnen.“
„Ach – und jetzt willst du die Unnahbare knacken“, sagte Nadine. Und ihre Stimme klang wie eine Mischung aus Verachtung und Vorsicht!
„Nein, erwiderte Dennis. Ich wollte nur meine Ruhe und bin deshalb an die Bar, um mir noch einen letzten Absacker zu genehmigen, bevor ich nach Hause gehe.“
Für einen kleinen Moment war Nadine wirklich überrascht. Hatte sie doch nach dem Erlebnis mit David auch jetzt mit einem plumpen Anmachversuch gerechnet. Aber dass es scheinbar nicht so war und dass dieser Dennis eigentlich genauso zurückhaltend war wie sie, imponierte ihr mächtig.
Unverhohlen taxierte sie ihn von Kopf bis Fuß. Er war ihr schon ein paar Mal über den Weg gelaufen, doch nie aufgefallen. Warum eigentlich, stellte sie sich die Frage. Der sieht doch gut aus und ist auch nicht fett oder gar so ein aufgedunsener „Fitnessheini“. Und im Gegensatz zu manch anderem wirkte er auch viel reifer und nicht so kindisch.
Sie wusste nicht, was, aber irgendetwas faszinierte sie an ihm.
Noch jedoch konnte sie nicht genau sagen, was es war, dass sie so unruhig werden ließ. Dass es etwas Tieferes war, das sollte sich erst Wochen später herausstellen.
Nadine hatte sich genauso wie auch Dennis, obwohl sie davon nichts wusste, bei dem ortsansässigen Chemieriesen auf Drängen ihres Vaters auf eine Lehrstelle als Chemielaborantin beworben.
Chemielaboranten sind etwas ganz Besonderes, tragen weiße Kittel und verdienen eine Stange Geld, hatte er gesagt und sie mit zum Personalbüro geschleppt, wo sie dann direkt ihre Bewerbungsunterlagen ausfüllte und dort abgab. Um die Zeit zu überbrücken und sich ein wenig Geld für ihren Führerschein zu verdienen, machte sie ein Langzeitpraktikum im örtlichen Reisebüro.
Es war eine schöne Zeit. Zweimal schickte sie ihr Chef auf eine sogenannte Expedienten-Reise nach Mallorca, um sich dort umzuschauen und die vom Reiseveranstalter angeboten Hotels zu begutachten und später Kunden von der Qualität der Hotels zu berichten. Eigentlich gefiel ihr dieser Job sehr gut. Reiseverkehrskauffrau, hörte sich ja auch nicht schlecht an. Zudem kam man ganz schön in der Welt herum. Aber am liebsten hätte sie die Bewerbung bei der Chemiefirma wieder rückgängig gemacht, wenn sie bloß nicht so eine Angst davor gehabt hätte, ihren Vater zu enttäuschen.
Dass ihr aber der Abschied aus der Reisebranche etwas leichter fiel, lag auch daran, dass sie mitbekam, wie vier Männer aus einem benachbarten Dorf angeblich eine Skattour nach Berlin buchten. Aber um dann von dort aus heimlich für drei Tage nach Mallorca an den Ballermann zu fliegen, um die sprich-wörtliche „Sau“ herauszulassen. Was für sie quasi nichts anderes hieß, als Frauen aufs Kreuz zu legen.
Da waren sie plötzlich wieder, diese Schweine, die ihre Ehepartner nach Strich und Faden betrogen. Die Welt schien jetzt erst recht nur noch aus Fremdgehern und Betrügerinnen zu bestehen. Nadine war froh, jetzt endlich ihre Lehre beginnen zu können und von all dem nichts mehr hören zu müssen.
Zwischenzeitlich hatte sie ihren Führerschein gemacht und auch ein erstes intimes Erlebnis mit einem gleichalterigen Fahrschüler gehabt. Ihren Traum, den Richtigen fürs ewige Leben gefunden zu haben, musste sie sich schnell wieder abschminken. Bodo, so hieß ihr Auserwählter, hatte sich als Zeitsoldat bei der Bundeswehr beworben und auch prompt die Zusage zu den Gebirgsjägern nach Bayern erhalten.
Mit einem verschmitzten Lächeln und einem schnellen Quickie verabschiedete er sich auf nimmer wiedersehen.
Für Nadine brach eine Welt zusammen. Zugegeben, er war nicht der Schönste, aber immerhin gehörte er nicht zu den Jungs, die jedem Rock hinterher glotzten.
Es war der erste Tag im Ausbildungsbetrieb für Chemie-laboranten. Obwohl es an dem frühen Morgen schon recht heiß war, zitterte Nadine vor Aufregung am ganzen Körper.
Das klipp, klapp ihrer halbhohen Stöckelschuhe auf dem gefliesten Korridor machte sie noch nervöser als sie ohnehin schon war.
Die Tür zum Hörsaal stand offen und eine Hinweistafel hieß die Neulinge willkommen.
Vorsichtig und langsam schaute sie sich um. Alle 30 Neulinge saßen weit auseinander, über alle Sitzbänke und Reihen verteilt. Nadine hatte sich einen freien Platz am Rand einer der mittleren Reihen ausgesucht und stieg die steile Treppe hin-unter, um sich den Platz zu sichern. Sie hatte das Gefühl, als würde ihr Gesicht glühen und ihr die Beine wegknicken, weil sie sich von allen beobachtet fühlte. Jetzt bloß nicht schlapp machen, sagte sie sich, um dann mit angehaltenem Atem schnell ihren Platz einzunehmen.
Mit einem Seufzer ließ sie sich in ihren Sitz fallen, um tief nach Luft zu schnappen.
„Caipirinha – hilft!“, hörte sie den Mann drei leere Stühle wie durch einen Schleier neben sich sagen.
Vorsichtig drehte sie sich in Richtung der Stimme um, die ihr irgendwie bekannt vorkam, um.
„Dennis“, flüsterte sie sichtlich überrascht ihn hier zu sehen.
„Nadine“, antwortete dieser und ein Lächeln huschte über sein Gesicht.
„Nein! Bitte keinen Caipirinha, ich bräuchte jetzt eher eine Wärmflasche“, antwortete sie. Schließlich hatte ihr die Mutter immer eine Wärmflasche auf den Bauch gelegt, wenn sie krank oder unruhig war.
Ohne ein weiteres Wort stand Dennis auf, setzte sich direkt neben sie, um ihre kleinen, eiskalten Hände in seinen großen und warmen Händen verschwinden zu lassen. Schlagartig beruhigte sich Nadine und ihr Puls schien wieder auf normaler Frequenz zu schlagen. Sie spürte eine wohltuende Wärme und hätte sich am liebsten an seine Schulter angelehnt, als plötzlich die Tür zum Podium aufging und ein grauhaariger kleiner Mann in weißem Kittel den Hörsaal betrat. Wie auf Kommando richteten sich Nadine und auch Dennis auf, um kerzen-gerade, fast wie Wachsfiguren bei Madam Tussaud, den lockeren Begrüßungsworten des Chemikers zu lauschen.
Nach den fast zwei Stunden der gewichtigen Worte des Chemikers wurden alle in das Lehrlabor beordert, wo ihnen dann alles Weitere zur praktischen Ausbildung erläutert wurde. Dass sich Nadine und Dennis zwei nebeneinander-liegende Arbeitsplätze aussuchten, verstand sich fast von selbst.
Die ersten Wochen waren aufregend und spannend zugleich. Alles war neu und auch musste man sich an die jeweiligen Ausbilder und Räumlichkeiten im Lehrlabor gewöhnen. Einfacher war es da mit den zugewiesenen Labor- und Arbeits-gebäuden im Werk.
Während Nadine in Hauptlabor der chemischen Forschung landete, begann Dennis in einem Anwendungsbetrieb für Pflanzenschutzprodukte.
So nett die Kollegen*innen auch waren, am meisten freute sie sich auf die drei Wochentage im Lehrlabor und in der werkseigenen Berufsschule. Es waren weder die Ausbilder noch die Mitschüler, die sie auf die Tage im Ausbildungs-zentrum freuen ließen, vielmehr war es ihr neuer Schwarm Dennis.
In den letzten Wochen waren sie sich nähergekommen und nach und nach entstand so etwas wie Zuneigung, gar inniges Verlangen auf den jeweils anderen, bei beiden.
Im Laufe der nächsten Wochen traf man sich auch regelmäßig zum Mittagessen in der Werkskantine und hier und da auch im Lord Nelson, der Kultdisco am Ort. Nadine und auch Dennis hatten es vermieden, den jeweils anderen zu sich nach Hause einzuladen. Hatte man doch gegenüber den Eltern keinen triftigen Grund, warum man sich mit einem Jungen bzw. Mädchen auf seinem Zimmer aufhalten sollte.
Erst als Dennis meinte, dass es doch super wäre, wenn man zusammen lernen würde, wurde der erste Versuch unternommen und man traf sich bei Nadine zu Hause.
Nachdem Nadines Eltern Dennis beschnuppert hatten, gaben sie grünes Licht und er durfte dann mit ihr auf ihr Zimmer – um zu lernen!
So vergingen noch einige Wochen und aus dem hier und da mal lernen, wurde ein regelmäßiges Treffen. Mal bei ihr, mal bei ihm. Die ständigen Störungen: „braucht ihr noch etwas?“, oder: „habe euch ein paar Butterbrote geschmiert“, wurden nach und nach weniger, um irgendwann ganz aufzuhören. So sehr sie sich auch jedes Mal auf eine „Übungsstunde“ freuten, bis auf die ständig wachsende Zuneigung war nichts zwischen beiden passiert. Das sollte sich jedoch an dem Tag ändern, als Nadines Eltern für eine Woche in Urlaub fuhren und sie quasi „sturmfreie“ Bude hatten.
Dennis hatte am ersten Abend eine Flasche Rotwein mit-gebracht und noch vor dem üblichen Lernen zwei Gläser gefüllt, die sie dann mit Genuss tranken, was übrigens das erste Mal war, dass sie gemeinsam einen Rotwein tranken, ohne dass jemand sie störte.
Nadine drehte die Musik, die sie immer laufen ließen, damit ihre Eltern nicht unbedingt jedes Wort, das sie wechselten, mitbekommen mussten, ein wenig lauter. Ein Bett im Kornfeld ... dröhnte es aus dem alten Kofferradio auf ihrem Nachttischchen.
Leicht beschwipst vom kräftigen Rotwein, ließ sich Nadine auf den dicken Flokati Teppich mitten im Raum nieder, um sich dort zu rekeln, als wäre sie auf dem „Kornfeld“, von dem Jürgen Drews gerade im Radio sang. Die oberen Knöpfe ihrer Bluse waren leicht geöffnet und gaben den Blick auf den Ansatz ihres Busens frei. Auch ihr kurzer Minirock war leicht nach oben geschoben und so konnte Dennis bei jeder Bewegung Nadines Höschen ein wenig aufblitzen sehen. Dennis hatte schon lange seine Gefühle zu Nadine unterdrückt. Doch jetzt faste er allen Mut zusammen und legte sich vorsichtig neben Nadine auf den Flokati. Wie durch Zufall berührten sich ihre Hände. Und als Nadine sich dann zu ihm umdrehte und mit ihrem Gesicht seinen Hals berührte, war Dennis Schüchternheit und die Angst, sie könnte ihn abweisen wie weggeblasen und er bedeckte ihren Hals wild mit Küssen. Alles in Nadine geriet nun in Wallung und es passierte, was passieren musste. Sie liebten sich. Wild und unbeholfen, gierig nach Sex und Liebe.
Endlich, endlich habe ich ihn gefunden, den Mann fürs Leben, dachte sich Nadine und schaute glücklich und zufrieden auf Dennis, der nach dem kurzen, aber intensiven Intermezzo genauso schnell eingeschlafen, wie gekommen war.
Sie kuschelte sich an ihn und ein wohliger Schauer der Lust durchfloss ihren Körper. Am liebsten hätte sie es noch einmal mit ihm getan. Als aber alle Versuche seinen kleinen Freund wieder in Form zu bringen scheiterten, kuschelte sie sich feste an ihn, um kurz darauf ebenfalls glücklich einzuschlafen. Es war schon ein wenig befremdlich für Nadine, als sie mitten in der Nacht aufwachte und Dennis auf ihrem Bett vollkommen angezogen sitzen sah. Hatte sie etwas falsch gemacht, fragte sie sich und unwillkürlich zog sich ein schlechtes, beklemmendes Gefühl von ihrem Kopf in ihren Bauch und verursachte ihr ein starkes Unwohlsein. Das konnte doch nicht sein. Sie hatten sich doch so sehr aufeinander gefreut. Erst als Dennis sie mit offenem Mund von oben bis unten taxierte, registrierte sie, dass sie splitternackt vor ihm auf dem Boden saß. Dass sie jetzt nicht hastig nach der Decke griff, um sich zu bedecken, sondern vielmehr sich vor ihn hinkniete und begann langsam seine Hose zu öffnen, rettete die Situation. Schließlich verhalf es Dennis dazu, seine bedrückenden Bedenken, etwas falsch gemacht, ja versagt zu haben, schlagartig zu vergessen. Glücklich ließ er sich wieder auf den Flokati gleiten, um sich erneut mit Nadine zu lieben. Ab da stand für beide fest. Sie gehörten zusammen und sind ab jetzt ein Paar. Anfangs war es gar nicht so einfach für beide, sich zu outen und ihre Beziehung offenzulegen. Doch von Tag zu Tag wurde es einfacher. Nur den Eltern sagte man erst einmal nichts. Erst als sie sich heimlich in Nadines Zimmer liebten und zufällig ihre Mutter ins Zimmer kam, gab es kein Vertuschen mehr. Komischerweise gab es sowohl von Dennis als auch ihren Eltern keinerlei dumme Bemerkungen oder gar altbackene Ratschläge. Was die beiden sehr freute.
Eine Liebe für die Ewigkeit
Kapitel 3 Bis dass der Tod euch scheidet
ZUM ERSTEN
Drei Jahre später hatten beide ihre Prüfungen zum Chemie-laboranten mit Auszeichnung bestanden und erhielten feste Übernahmeverträge mit einem wirklich guten Grundgehalt.
Sie waren sich beide einig, jetzt noch zwei, drei Jahre kräftig sparen, dann ein Haus bauen und eine Familie gründen und dem Glück würde nichts mehr im Wege stehen.
Nadine war rundum zufrieden. Hatte sie doch richtig Glück mit ihrem neuen Job als zweite Laborantin neben dem altein-gesessenen Herrn Schmitz. Sie war sich sicher, es würde nicht lange dauern, dann wäre auch sie Platzlaborantin und würde direkt ihrem Chef unterstellt sein.
Anders war es bei Dennis. Er hatte eine knochige, ewig grantige Chemotechnikerin als direkte Vorgesetzte. Und die ließ jeden Mann in ihrer Nähe wissen, dass sie die Chemotechnikerin hier der Chef ist. Sie kam sich noch wichtiger vor als ihr Chef, der über einen Doktortitel verfügte.
Für Nadine und auch Dennis waren die bewusst gewählten und auferlegten finanziellen Einschränkungen kein Problem. Sie trieben sich nicht auf Partys und Feten herum. Auch unternahmen sie keine Urlaubsreisen, die großartig viel Geld kosteten, sondern verreisten mal mit ihren Eltern an die Adria, wo sie seit Jahren hinfuhren oder mit seinen Eltern auf den Campingplatz bei Bad Godesberg am Rhein.
Nadine gefiel das alles sehr gut. Dennis war ausschließlich für sie da und hatte auch keinerlei Interesse an irgendwelchen anderen Frauen. Das heimliche Getue ihrer Arbeitskollegen und -innen interessierte sie wenig. Für sie war Fremdgehen kein Thema mehr, schließlich war sie superglücklich. Und wenn alles nach Plan lief, würden sie noch dieses Jahr heiraten und bis das Haus fertig sei, in der Kellerwohnung bei seinen Eltern wohnen.
Für die beiden lief alles nach Plan.
Es war eine wunderschöne und stilvolle Hochzeit in kleinem Rahmen. Nadine hatte sich zusammen mit ihrer Mutter ein wunderschönes, langes Brautkleid mit ebenso langer Schleppe ausgesucht. Und sah darin bezaubernd aus. Auch Dennis in seinem blauen Anzug und der roten Krawatte machte einen tollen Eindruck. Sie waren ein tolles Brautpaar.
Die Eltern, Großeltern, die engsten Freunde und einige auserwählte Arbeitskollegen waren geladen und saßen nun versammelt in der kleinen Dorfkirche und lauschten andächtig den Worten des Geistlichen.
... und du liebe Nadine, willst du, den hier anwesenden Dennis Becker ehren und lieben, bis dass der Tod euch scheidet?
Ja, – ich will!
Nadine war rundum zufrieden. Sie hatte den besten Mann der Welt, einen tollen Job und bald würde auch ihr großes Haus am Ende der Straße fertiggestellt sein. Dann würden sie dort einziehen und eine Familie gründen.
Es war Frühjahr.
Die geschmückte Tanne mit den bunten Fahnen thronte über dem Dach und war von weither zu sehen. In den nächsten Tagen würden sie endlich einziehen können und die Nebenbei-Schufterei würde endlich ein Ende haben. Anfangs war noch alles OK zwischen ihr und Dennis. Die Aufgaben waren groß und es blieb ihnen keine Zeit, über sich oder andere Dinge nachzudenken. Erst als ein Ende abzusehen war, kamen die beiden ein wenig zur Ruhe. Aber genau das war der Punkt, wo die noch so kleinen Dinge dazu führten, dass sie sich immer öfter in die Haare gerieten und sich manchmal auch sehr wüst beschimpften.
Kaum waren sie in das wunderschöne neue Haus eingezogen, begann sich ihr Alltag wieder zu normalisieren. Nadine musste zugeben, dass ihr Verlangen nach Dennis zurzeit ein wenig auf Eis lag und sie begann sich zu langweilen. Dennis machte auch keine großen Anstalten daran, etwas zu ändern. Ihm reichte sein Schachklub, den er zweimal die Woche besuchte und der schöne große Fernsehapparat, den ihnen seine Tante zum Einzug geschenkt hatte.
Es sind bestimmt nur die Nachwehen der anstrengenden Zeit der Entbehrung und des Hausbaus, der sie beide jetzt in diesen ehelichen Ruhestand versetze, redete sich Nadine immer dann ein, wenn sie dieses Gefühl von Langeweile gepaart mit ein wenig Traurigkeit überkam.
Auch die Arbeit um das Haus herum ging nicht wirklich mit Freude von der Hand. Dennis interessierte nicht, wo welche Pflanze hinsollte und auch nicht, dass sie von den Nachbarn zum Bierchen oder gar Grillen eingeladen wurden.
„Das muss man alles zurückgeben, und dann fressen die einem die Haare vom Kopf und saufen uns das letzte Bier weg. Zudem hängen sie dann jeden Tag bei uns rum.
Das muss ich nicht haben“, betonte Dennis jedes Mal, wenn er mal wieder eine Einladung absagte bzw. sie vorschob, um irgendeine Ausrede zu erfinden und die Einladung abzusagen.
So blieb es auch nicht aus, dass nach und nach keiner mehr die beiden einlud oder auch spontan besuchte.
Ihre ehelichen Pflichten waren knapp vier Jahre nach der Hochzeit zum Erliegen gekommen. Was so viel hieß wie: Sex, ist tabu und lästig. Nur wenn sie beide dann mal mit ihren Eltern zusammen gefeiert hatten und der Alkohol sie beflügelte, verspürten sie so etwas wie Lust aufeinander und vollzogen den ehelichen Akt in Form eines „Koitus Interrupts“.
Das ewige „Rumgehänge“ und die langweiligen Fernseh-abende führten immer öfter dazu, dass sie sich ein Bierchen oder Glas Wein zu viel einschenkten, um dann schnell vor der Glotze einzuschlafen.
Da kam es Nadine recht, als man im Werk davon sprach, dass die Firma ein komplett neues Forschungsinstitut auf der anderen Rheinseite bauen wolle und jetzt schon Mitarbeiter aus allen Werken gesucht würden.
In ihr reifte der Plan, sich zusammen mit Dennis dort zu bewerben. Dort würde sie dann auch ihren eigenen Laborplatz erhalten und es würde sich auch endlich wieder etwas bewegen in ihrem mittlerweile grauen Ehealltag.
