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Marat, ein junger Anwalt, kehrt aus Moskau in seine Siedlung am Kaspischen Meer zurück. Seine Eltern haben bereits den Hochzeitssaal gebucht. Sie sind fieberhaft dabei, ihrem Sohn eine geeignete Braut zu präsentieren, während ihn der Fall einer ermordeten Bürgerrechtlerin nicht loslässt. Patja, auch sie aus Moskau zurückgekehrt, versucht sich vor den Nachstellungen Timurs in Sicherheit zu bringen, mit dem sie sich fünf Monate lang auf Facebook geschrieben hat und der sie, zur Freude der Eltern, partout heiraten will. Die Präsentation der Kandidaten, ein wandernder Brautzirkus, führt quer durch die Milieus. Während des Vorstellungsmarathons kreuzen sich die Wege von Patja und Marat, die sich heftig ineinander verlieben. Romeo und Julia auf dem kaukasischen Dorf? Die Sache geht in der Tat nicht gut aus. Doch nicht die Eltern haben dabei ihre Finger im Spiel, sondern ein mafiotischer Krimineller, der zur falschen Zeit aus dem Gefängnis entlassen wird. Alissa Ganijewa, eine mutige, weltoffene Schriftstellerin, erzählt diese Liebesgeschichte in zarten, rebellischen, zornigen Sätzen. Dialogreich, in komischen, oft skurrilen Szenen zeichnet sie das Bild einer Gesellschaft, in der globalisierte Lebensformen und traditionell geprägte Familienstrukturen, Archaik und Moderne aufeinanderprallen, während Korruption und Terrorgefahr ihr buchstäblich die brüchigen Fundamente wegzusprengen drohen.
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Seitenzahl: 300
Veröffentlichungsjahr: 2016
Nach einem Praktikum in Moskau kehrt Patja in ihren Heimatort nach Dagestan zurück. Mit fünfundzwanzig gilt sie hier schon fast als alte Frau. Auch Marat, ein in Moskau praktizierender junger Anwalt, der aus demselben Ort stammt, muss nach Meinung seiner Eltern unbedingt heiraten: Der Hochzeitssaal ist gebucht, künftige Schwiegertöchter stehen Schlange. Patja versucht, sich vor den Nachstellungen Timurs in Sicherheit zu bringen, mit dem sie sich fünf Monate lang auf Facebook geschrieben hat und der sie, zur Freude ihrer Eltern, partout heiraten will.
Die Präsentation der Kandidaten führt quer durch die Milieus. Während des Vorstellungsmarathons kreuzen sich die Wege von Patja und Marat, die sich heftig ineinander verlieben. Romeo und Julia auf dem kaukasischen Dorf? Die Sache geht in der Tat nicht gut aus. Doch nicht die Eltern haben dabei ihre Finger im Spiel, sondern ein mafiöser Krimineller, der zur falschen Zeit aus dem Gefängnis entlassen wird.
Alissa Ganijewa erzählt diese Liebesgeschichte in zarten, rebellischen, zornigen Sätzen. In komischen, oft skurrilen Szenen zeichnet sie das Bild einer Gesellschaft, in der globalisierte Lebensformen und traditionell geprägte Familienstrukturen, Archaik und Moderne aufeinanderprallen, während Korruption und Terrorgefahr ihr buchstäblich die brüchigen Fundamente wegzusprengen drohen.
Alissa Ganijewa, 1985 geboren, wuchs in Machatschkala/Dagestan auf und lebt seit 2003 in Moskau. Sie gilt als eine der wichtigsten Stimmen einer neuen russischen Schriftstellergene-ration. Ihr erster Roman, Die russische Mauer (2014), wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Eine Liebe im Kaukasus stand auf der Shortlist des russischen Booker-Preises 2015.
Christiane Körner lebt als Übersetzerin, Publizistin und Dozentin in Frankfurt am Main. Sie hat Tatjana Tolstaja, Dmitri Prigow, Lew Tolstoi, Vladimir Sorokin, Pawel Salzman, Lidia Ginsburg u. a. übertragen und Anthologien russischer Erzählungen herausgegeben, zuletzt Das schönste Proletariat der Welt (es 2637).
Alissa Ganijewa
Eine Liebe im Kaukasus
Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Christiane Körner
Suhrkamp Verlag
eBook Suhrkamp Verlag Berlin 2016
Der vorliegende Text folgt der Erstausgabe, 2016
© Suhrkamp Verlag Berlin 2016
Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Übersetzung, des öffentlichen Vortrags sowie der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen, auch einzelner Teile.
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Umschlaggestaltung: Hermann Michels und Regine Göllner.
Umschlagabbildung: Thomas Dworzak / Magnum Photos /Agentur Focus
eISBN 978-3-518-74779-7
www.suhrkamp.de
Der Wein des Fremden
Während wir klatschnass den halbleeren Waggon erstürmten und uns auf die Sitzbank fallen ließen, konnte Artur nicht aufhören zu lachen:
»Ihr seid ja verrückt! Politversammlungen! Im einundzwanzigsten Jahrhundert!«
Der Regen trommelte gegen die Fenster der Vorortbahn. Wir fuhren auf die Datscha, zu Freunden von Marina, meiner Arbeitskollegin, mit der ich im Kellergeschoss eines Moskauer Gerichts Unterlagen kopierte und abheftete. Das Gehalt war lächerlich, vom Abschreiben taten uns die Finger weh, die Hände waren voller Tintenflecke. Aber aus irgendwelchen Gründen hielten wir diese Folter für Berufspraxis – besser als nichts.
Artur, ein Freund von Marina, lauschte neugierig unseren Erzählungen über die Gepflogenheiten bei Gericht. Er war ganz schön aufgedreht, obwohl er meines Wissens noch nichts getrunken hatte, dauernd stellte er Fragen und schlug sich vor Begeisterung auf die Schenkel:
»Das ist ja ein Kracher, ein richtiger Kracher!«
»Ja, Artur, das ist kein Witz«, versicherte Marina kokett. »Seit dieser Woche kommen wir eine halbe Stunde früher, um im versammelten Kollektiv auf der Planungssitzung das Weltgeschehen zu diskutieren. Und uns fester gegen den Feind zusammenzuschließen.«
»Gegen welchen Feind?«
»Den Feind mit dem fauligen Rachen«, deklamierte Marina, »der davon träumt, unsere Fundamente zu untergraben.«
»Ah, unsere berühmten geistigen Fundamente?«
»Du sagst es, Arturtschik.«
Die Tür zum Vorraum öffnete sich knarrend, und herein kam ein ungehobelt aussehender Mann mit Akkordeon und in Gummistiefeln. Er spielte etwas Sentimentales, die Melodie kam mir bekannt vor, und fast hätte ich mich zu Marina runtergebeugt und nachgefragt. Aber dann war mir meine Unwissenheit peinlich, und ich überlegte es mir anders.
»Sind Sie schon lange in Moskau, Patja?«, wandte sich Artur über die Akkordeonklänge hinweg an mich.
»Ein Jahr!«, schrie ich ihm ins Ohr. »Mein älterer Bruder hat mir vorgeschlagen, in Moskau einen Job zu suchen.«
Ich hielt es nicht für nötig hinzuzufügen, dass man mich nur für ein Jahr geholt hatte, dass dieses Jahr gerade rum war und dass ich wohl demnächst nach Hause in meine Siedlung zurückmusste.
Die Melodie, die ich bis zum Schluss nicht zuordnen konnte, entschwand durch den Gang in den Nachbarwaggon; hinter den Scheiben jagte, in Regenspritzern auf und ab hüpfend, die Stadt dahin und wollte uns nicht weglassen. Für Sommer – immerhin hatten wir Juni – war es ziemlich kalt. Marina kuschelte sich in ihre Jacke und erklärte Artur:
»Denk dran, deinen Sambuca wird Patja nicht trinken. Sie trinkt keinen Alkohol. Bei ihr im Land sind sie, wie heißt das noch, muslimischen Glaubens. Stimmt’s, Patja?«
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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