Eine Liebe in Zeiten des Krieges - Barbara Lehmann - E-Book

Eine Liebe in Zeiten des Krieges E-Book

Barbara Lehmann

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Beschreibung

Mit der Kraft der Verzweiflung In einer vom Krieg geprägten Welt begegnen sich die deutsche Journalistin Doro und der kaukasische Freiheitskämpfer Aslan. Sie geben einander Halt, während Tschetschenien in Angst und Gewalt versinkt. Sie sind verliebt, aber von einer glücklichen Beziehung weit entfernt. Denn während Doro mit ihrer Vergangenheit kämpft, verliert sich Aslan immer mehr im Fanatismus des rebellischen Kriegers. Um Abstand zu bekommen, nimmt Doro Reportage-Aufträge auf der ganzen Welt an, bis sie erfährt, dass Aslan in Gefangenschaft geraten ist. Doro bricht sofort nach Tschetschenien auf und schafft es, in die höchsten politischen Kreise vorzudringen. Sie kann nur an Aslan denken und tut alles dafür, ihn zu befreien. Zwischen den Fronten - ein eindringlicher und spannungsgeladener Liebesroman.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 479

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Barbara Lehmann

Eine Liebe in Zeiten des Krieges

Roman

LangenMüller

Bei ihren Recherchen wurde die Autorin mit Mitteln des Grenzgänger-Programms der Robert Bosch Stiftung gefördert. Dafür herzlichen Dank.

Besuchen Sie uns im Internet unter

www.langen-mueller-verlag.de

© für die Originalausgabe und das eBook:

2015 LangenMüller in der

F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München.

Alle Rechte vorbehalten.

Umschlaggestaltung: Wolfgang Heinzel

Umschlagmotiv: Mark Owen/Trevillion Images

Satz und eBook-Produktion:

Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

www.Buch-Werkstatt.de

ISBN 978-3-7844-8215-6

Erster Teil

1

Damals. Herbst, Winter, Frühjahr – keine Ahnung. Ich weiß auch nicht mehr, was es für ein Tag war, als Aslan und ich uns zum ersten Mal begegneten. Kalt war es, nasskalt und dunkel und ich kam zurück von einer Reportagereise, die mich durch die militärischen Sperrzonen Russlands geführt hatte, welche seit Kurzem auch westlichen Journalisten zugänglich waren. Auf dem Weg nach Berlin musste ich noch einen Zwischenstopp einlegen, um einen Vortrag zu halten. Vom Flughafen hetzte ich zum Bahnhof, hetzte durch die Fußgängerzone, sah die Zerstörung, über die in allen wiederaufgebauten deutschen Städten der Beton gegossen wurde, sah die Käufer, ihre Hast, ihren ungestillten Hunger, sah die Plastiktüten mit Dingen, von denen sich die Käufer ein Heil versprachen. Ich komme aus der Vergangenheit, dachte ich – und das ist nun die Zukunft. Keine schöne Aussicht. Im Saal vor mir: Neonlicht, Plastikstühle und dreieinhalb Menschen, deren Gesichter das Neonlicht grünlich färbte. Sie schwammen durch das trübe Wasser meines Vortrags wie Fische im Aquarium. Als sie begriffen, dass ihnen kein Licht, sondern nur Worte dargeboten wurden, verließen sie den Raum, unaufgeregt und leise. Auch gut. Zum Schluss saß da noch eine schwarz gekleidete Gestalt hinten in einer Ecke. Dann war ich alleine.

Auf nach Berlin, sagte ich mir, nach Hause. Endlich!

Tausend Quadratmeter Deutschland. Abflughalle. Um mich herum Hektik. Hinter mir eine Schlange, die im Vergleich zu den russischen Schlangen, die mir auf meiner Reise begegnet waren, organisiert und geordnet wirkte, auch wenn sie stetig anwuchs. Vor mir ein Typ, der seit realen zwei und gefühlten hundert Minuten den Betrieb aufhielt.

»Die Boarding Card ist abgelaufen!«, sagte die Stewardess nun schon zum dritten Mal zu ihm. Ihn lenkte das Rollfeld ab. Er starrte auf die Boeing, deren Nase beim Versuch zu landen Zacken in die Luft schnitt, ins Schlingern kam, taumelte, Sträucher und Krüppelkiefern streifte. Beim Aufkommen machte sie einen Freudenhüpfer, sodass die Flügel im Sonnenlicht vibrierten. Kein weltbewegendes Schauspiel also, und dass er jetzt pfiff war sowieso unpassend.

Die Stewardess wedelte mit dem zerfledderten Dokument und versuchte ihr Glück zum vierten Mal, in diesem Fall auf Englisch.

Ich trat vor. Auf dem Pult lag ein dunkelroter Pass mit kyrillischer Aufschrift. Die Boarding Card trug einen tschetschenischen Namen.

Ich musterte den Mann genauer. Hakennase, Dreitagebart, kahlrasierter Schädel. Schultern, die Lasten zu tragen gewohnt waren und für die der kleine Rucksack und die Kamera, eine Leica, viel zu leicht waren. Boxerhundfalten, die sich in die Stirn gruben, sobald die Flughafenangestellte das Wort an ihn richtete.

Meine Füße schmerzten. Müde, war ich, müde.

»Ungültig«, flötete die Stewardess wieder, dieses Mal auf Französisch. Er sah weiter auf das Rollfeld.

»On usche nje dejstwujet.« Meine Übersetzung dessen, was ihm die Stewardess zum wiederholten Male beizubringen versuchte, kam mir flüssig, wenn auch nicht akzentfrei, über die Lippen. Dann erkundigte ich mich auf Russisch, ob er sein Dokument zum Einsteigen nicht vielleicht verwechselt hätte.

»Ne dejstwiteljen!«, verbesserte er mich. Die Boxerhundfalten wurden tiefer.

Blödmann. Lern gefälligst erst mal Deutsch so gut wie ich Russisch, lag mir auf der Zunge. Müde, war ich, müde.

Er nestelte am Schulterriemen seines Rucksacks. Dann streifte er ihn ab, hockte sich auf den Boden und kramte darin herum. Eine Gitanes-Schachtel, ein Fläschchen mit der Aufschrift Sainte-Reine-de-Bretagne, Zettel und Dokumente landeten auf dem Boden, bis er die die richtige Boarding Card gefunden hatte. Die wirkte in der Tat unverbrauchter.

»Biete sähr.« Sein Deutsch klang eigentlich ganz passabel.

»Ja, das ist sie. Abflug nach Berlin 17.15 Uhr«, sagte die Schalterfee. Erleichtert beugte sie sich über ihr Mikro: »Flug 1056 nach Berlin, letzter Aufruf. Wir bitten alle Passagiere, sich zügig zum Gate 25 zu begeben.«

Die Schlange hinter uns murrte und scharrte. Er aber hatte es weiterhin nicht eilig.

Seine Augen wanderten an mir herunter. Es war der Blick des Fremden auf die Fremde – und der Blick des Fotografen. Sein Blick glitt tiefer und drang dorthin vor, wo ich mich versteckte.

Er sah das kleine Mädchen auf einem Schemel. Er sah, wie es mit steifem Nacken den Verlauf der Küchenuhrzeiger verfolgte. Er sah, dass es auf die Mutter wartete, bis sie endlich, zur versprochenen Stunde, von der Schneiderin heimkam. Er sah das Mädchen im Dunkeln, nach der Nachbarstochter rufend, weil die Eltern aus waren, tanzen. Er sah das Mädchen zur Strafe für nicht begangene Taten auf einer Bank im Keller sitzen, während es drum herum raschelte und fiepte. Dasselbe Mädchen kuschelte sich am Sonntagmorgen im Kinderbett an den Vater, während sich kleine Zehen in großen verhakten. Damals schwor es, ihn niemals zu verlassen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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