Eine Marcelli gibt nicht nach - Susan Mallery - E-Book

Eine Marcelli gibt nicht nach E-Book

Susan Mallery

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Beschreibung

Willkommen auf dem Weingut der Marcellis. Hier feiert man guten Wein, gutes Essen - und die Liebe.Dieser Zach Stryker ist aber auch ein... ein... Katie fehlen die Worte. Was zum einen daran liegt, dass der Stararchitekt so umwerfend aussieht, dass ihr jedes Mal der Atem stockt. Zum anderen daran, dass er vor nichts zurückschreckt, um die Hochzeit zwischen seinem achtzehnjährigen Sohn und Katies jüngerer Schwester zu verhindern. Er will dafür sorgen, dass Katies Firma pleitegeht, wenn die Partyplanerin nicht tut, was er sagt. Doch da hat er die Rechnung ohne das berühmte Marcelli-Temperament gemacht. Nur weil im Wein ein wenig Korken schwimmt, schüttet man nicht gleich die ganze Flasche weg. Und wenn sich ein Mann störrisch zeigt, hat er es noch nicht mit Katie Marcelli aufgenommen!

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Seitenzahl: 472

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Susan Mallery

Eine Marcelli gibt nicht nach

Roman

Aus dem Amerikanischen von Gabriele Ramm

MIRA® TASCHENBUCH

MIRA® TASCHENBÜCHER

erscheinen in der Harlequin Enterprises GmbH,

Valentinskamp 24, 20354 Hamburg

Geschäftsführer: Thomas Beckmann

Copyright dieses eBooks © 2015 by MIRA Taschenbuch

in der Harlequin Enterprises GmbH

Titel der amerikanischen Originalausgabe:

The Sparkling One

Copyright © 2003 by Susan Macias Redmond

erschienen bei Pocket Star Books, New York

Published by arrangement with

Pocket Books, a division of Simon & Schuster, Inc., New York

Konzeption/Reihengestaltung: fredebold&partner gmbh, Köln

Covergestaltung: pecher und soiron, Köln

Redaktion: Daniela Peter

Titelabbildung: Thinkstock/Getty Images, München; pecher & soiron, Köln

Autorenfoto: © Harlequin Enterprises S.A., Schweiz

ISBN eBook 978-3-95576-408-1

www.mira-taschenbuch.de

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eBook-Herstellung und Auslieferung:

readbox publishing, Dortmund

www.readbox.net

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder

auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich

der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Alle handelnden Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

PROLOG

K üss du ihn.“

„Nein, du!“

Die achtjährige Katie Marcelli schaute von ihren siebenjährigen Zwillingsschwestern zu dem kleinen grünen Frosch, der auf einem Holzklotz vor ihnen hockte. Warme Sonnenstrahlen fielen durch die Bäume, zauberten Muster auf das Gras und das Holz und erinnerten Katie an Elfen, die durch die Lüfte tanzten.

„Mommy sagt, wenn man einen Frosch küsst, wird man Prinzessin“, meinte Francesca, klang aber nicht wirklich überzeugt. „So dringend will ich aber gar nicht Prinzessin werden.“

Brenna schob die Krone zurück, die Katie sorgfältig aus Pappe ausgeschnitten und mit Glitter beklebt hatte. „Jungs sind doof, genau wie Frösche. Und Prinzen auch.“ Sie verschränkte die Arme vor ihrem leicht ramponierten Spitzen- und Tüllkostüm und blickte missmutig in die Runde.

Katie hatte auch nicht allzu viel für Jungs übrig, aber Prinzen waren etwas anderes. Sie ritten auf weißen Pferden und brachten Mädchen in wunderschöne Schlösser, wo sie so viel Eis essen konnten, wie sie wollten, und wo sie niemals irgendwelche Dankesschreiben verfassen mussten.

Aber Francesca hatte nicht ganz unrecht. War das alles es wert, einen Frosch zu küssen?

„Woher sollen wir denn wissen, ob der Frosch wirklich ein verzauberter Prinz ist?“, fragte sie.

„Im Buch hatte der Frosch eine kleine Krone auf dem Kopf. Ich glaube, dieser ist überhaupt kein Prinz“, erklärte Francesca.

Katie kauerte sich hin, bis sie auf Augenhöhe mit dem Frosch war. Aus großen Augen betrachtete er sie, hüpfte aber nicht weg.

Francesca hatte recht – der hier trug keine Krone. Er schien überhaupt nichts Besonderes zu sein. Allerdings hatten sie hier – in ihrem geheimen Versteck – noch nie einen Frosch entdeckt.

Sie schaute auf den Kreis von Bäumen und das weiche Gras. Hier schlüpften sie und ihre Schwestern in die unterschiedlichsten Rollen. Mal waren sie elegante Reisende, die im Schiff zu neuen Ufern unterwegs waren, mal waren sie Cinderella oder Meerjungfrauen. Manchmal waren ihre Spiele so ausgefeilt, dass sie tagelang dauerten und Katie ihrer Grammy M half, besondere Kostüme anzufertigen. An diesem Tag waren sie Märchenprinzessinnen. Sie hatten gerade überlegt, wer von ihnen vom bösen Baron gekidnappt werden sollte, als sie den Frosch entdeckt hatten.

„Was ist, wenn er verzaubert ist und prüfen will, ob wir daran glauben?“, fragte Katie.

Brenna verdrehte die Augen. „Dann küss ihn halt, und find’s raus. Wenn er nicht verzaubert ist, kriegst du überall Warzen im Gesicht und musst in deinem Zimmer bleiben, weil du so hässlich bist.“

Das wär’ ja schrecklich, dachte Katie. Aber sie würde wirklich gern einen gut aussehenden Prinzen finden und sich verlieben. Sie wünschte sich eine riesengroße Hochzeit mit einem weißen Kleid aus Spitze, mit Blumen und einem Himmel voller Geigen.

„Ich glaube, du bist ein verzauberter Prinz“, flüsterte sie dem Frosch zu. „Ich küsse dich jetzt, und dann warte ich jede Nacht darauf, dass du kommst und mich findest. Du wirst meine einzig wahre Liebe sein, und wir leben dann glücklich bis an unser Lebensende.“

Entschlossen holte sie tief Luft, wappnete sich und beugte sich vor, damit sie die Lippen auf das kleine Gesicht des Frosches pressen konnte. Der quakte nur und hüpfte davon.

Brenna lachte, während Francesca versuchte, sich das Lächeln zu verkneifen. Doch Katie war nicht entmutigt. Als sie den Frosch geküsst hatte, hatte sie etwas gespürt. Ein kleines Kribbeln … so etwas wie ein Versprechen.

„Ihr werdet schon sehen“, meinte sie zu ihren Schwestern. „Eines Tages kommt mein Prinz und holt mich. Er wird nur mich wollen, und dann ärgert ihr euch, weil ihr den Frosch nicht auch geküsst habt.“ Francesca bekam einen sehnsüchtigen Gesichtsausdruck, doch Brenna schüttelte den Kopf. „Da kannst du warten, bis du schwarz wirst, denn es wird kein Prinz auftauchen.“

„Du täuschst dich. Er kommt, und ich warte hier auf ihn.“

Und Katie wartete tatsächlich. Während der nächsten drei Jahre stand sie jeden Abend am Fenster und schaute hinaus in die Nacht, darauf hoffend, dass ihr Prinz auf einem weißen Hengst angeritten kam, um sie zu entführen.

Doch nach und nach vergaß sie den Frosch, den Kuss und ihren Glauben an Märchen, was ganz gut war, denn zwanzig Jahre später hatte sie Bekanntschaft mit einer ganzen Reihe weiterer Frösche gemacht, aber es war kein einziger Prinz dabei gewesen.

1. KAPITEL

K atie Marcelli wusste, dass sie mit dem richtigen Personal die ganze Welt organisieren könnte. Aber da es schwierig war, gute Leute zu finden, gab sie sich mit kleineren Projekten zufrieden und organisierte Partys und Seminare. Sie besaß eine eigene Firma, verdiente ganz gut und hatte einen auf fünf Jahre ausgelegten Geschäftsplan, der so manchen Manager von der Liste der reichsten Unternehmer vor Neid erblassen ließe. Sie war tough, selbstsicher und hatte alles im Griff.

Äußerlich betrachtet.

In Wahrheit hatte sie das Gefühl, als würden ihre Nerven Baseball spielen. Leider hatte gerade jemand gefoult. Nervös presste sie sich die Hand auf den Bauch und wusste, dass der vierte Becher Kaffee, den sie ihm Auto heruntergekippt hatte, sich in Säure verwandeln würde. Sie war angespannt, stand unter Strom und lief in High Heels herum, die ihre Knöchel zwar so schlank wie die von Gazellen aussehen ließen, aber mit Sicherheit dazu führen würden, dass sie sich künftig nur noch humpelnd würde fortbewegen können.

Oh, bitte, bitte, lass mich das Richtige sagen, dachte sie, als sie vor einem großen Fenster stehen blieb, von dem aus sie die Century City und Beverly Hills überblicken konnte. Gelegenheiten wie diese boten sich nicht jeden Tag. Sie wollte unbedingt die nächste Sprosse auf der Erfolgsleiter erklimmen, und mit diesem Job könnte sie genau das erreichen. Dazu musste sie nur … vor Charme sprühen und witzig sein.

Sie musste lächeln. Schließlich charakterisierten sie viele als „spritzig“, weil sie so prickelnd und belebend wie guter Champagner war …

„Ms Marcelli? Mr Stryker hat jetzt Zeit für Sie.“

Katie drehte sich zu der gut gekleideten Frau um die fünfzig um, die ihr die massive Holztür aufhielt und ihr bedeutete hineinzugehen.

Von der eleganten Auslegeware des Flurs trat sie in ein Büro von der Größe Rhode Islands und auf einen Teppich, in dem sie fast bis zu den Knöcheln versank. Natürlich war es ein Eckbüro mit Fenstern vom Boden bis zur Decke, das modern und sehr luxuriös eingerichtet war. Ein gut gekleideter Mann, der fantastisch genug aussah, um eins der Werbeplakate am Sunset Boulevard zu schmücken, blickte ihr entgegen.

Zach Stryker, Anwalt in der größten Familienkanzlei im Großbereich von Los Angeles, war der jüngste der drei Seniorpartner. Seinem Ruf nach zu urteilen, war er tough, unerschrocken, knallhart und gehörte nicht nur im Gerichtssaal zu den Gewinnern. Angeblich brach er mindestens zwei Frauenherzen pro Woche.

Katies Magen spielte jetzt endgültig verrückt, und einmal mehr wurde ihr bewusst, dass mit einer Koffeinüberdosis nicht zu spaßen war. Na toll, dachte sie. Aber Coolness wird ohnehin überbewertet.

„Ms Marcelli?“, sagte der Mann mit einer so tiefen, erotischen Stimme, dass er als Radiosprecher sicher ein Vermögen verdient hätte. „Ich bin Zach Stryker.“

„Mr Stryker, es ist mir ein Vergnügen.“

Es gelang Katie, den Teppich zu überqueren, ohne sich den Knöchel zu verstauchen. Als Zach Stryker hinter seinem gigantischen Schreibtisch hervortrat, nahm sie ihre Aktentasche von der rechten in die linke Hand, um ihn begrüßen zu können.

Ach herrje, da knistert’s aber gewaltig! dachte sie, als eine köstliche Wärme sich in ihr ausbreitete. Der Mann war unglaublich attraktiv, groß, dunkelhaarig und hatte dazu noch blaue Augen. Typisch für L. A. Und typisch, dass ausgerechnet sie auf einen solchen Adonis treffen musste. Dabei sollte sie ihre Aufmerksamkeit doch ausschließlich auf den Job richten, oder?

Eine gute Frage, überlegte sie, als sie auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch Platz nahm.

Statt sich wieder auf seinen „Ich bin der Chef“-Ledersessel zu setzen, nahm Zach Stryker den Stuhl neben ihr in Beschlag, drehte sich zu ihr um und schenkte ihr ein gewinnendes Lächeln, das sogar einer schlecht gelaunten, grauhaarigen Nonne einen Herzstillstand beschert hätte. Katie redete sich ein, dass sie aus härterem Holz geschnitzt war.

„So wie es aussieht, werden wir zusammen eine Party schmeißen“, sagte er.

Richtig. Eine Party. Der Grund, warum sie hier war. „Auf jeden Fall.“

Geschäftsmäßig öffnete sie die Aktentasche und holte eine hellblaue Mappe heraus. „Ihre Assistentin hat mich bereits mit den wichtigsten Details vertraut gemacht. Ihre Anwaltskanzlei organisiert eine jährliche Benefizveranstaltung, deren Erlöse an verschiedene gemeinnützige Familienorganisationen hier in L. A. verteilt werden.“

„Stimmt. Die Veranstaltung wird normalerweise von einer der Frauen unserer Partner organisiert. Johns Frau hatte sich dazu bereit erklärt, stellte dann aber fest, dass sie Zwillinge bekommt. Ihre Ärztin wollte nicht, dass sie sich den Stress antut, also bin ich eingesprungen und habe gesagt, ich würde mich darum kümmern.“ Lässig schlug er die Beine übereinander. „Da ich keine Frau habe, brauche ich professionelle Unterstützung. Und da kommen Sie ins Spiel.“

„Ich verstehe.“ Was sie auch tat – mehr oder weniger. Sicher, sie hatte schon Partys geplant, aber noch kein Event dieser Größenordnung. Hier ging es um eine Veranstaltung mit strengem Dresscode und einer sehr exklusiven Gästeliste. Zu solch einer Party würde Katie niemals eingeladen werden, obwohl sie schon häufig in diversen Hochglanzzeitschriften wie der InStyle über derartige Vergnügungen gelesen hatte.

Eine seiner vielen Freundinnen konnte Zach definitiv nicht darum bitten, die Sache zu organisieren. Das würde ja bedeuten, dass er länger als fünfzehn Minuten mit ihr zusammen sein müsste. Ein Umstand, der ihn zweifellos viel zu sehr einengen würde.

Langsam schob er einen Packen Unterlagen in ihre Richtung.

„Alles, was Sie über die letzten beiden Partys wissen müssen, steckt hier drin, inklusive der Gästeliste. Johns Frau ist bis zur Auswahl des Hotels gekommen, das heißt, Sie müssen dort weitermachen.“

Was bedeutete, dass sie im Grunde bei null anfangen musste. Das war in Ordnung. Wenn sie sechs Monate Zeit hatte und drei oder vier neue Leute einstellte, könnte sie …

„Die Veranstaltung soll im Mai stattfinden.“

„Kein Problem“, erklärte sie, während sie gleichzeitig einen Schrei unterdrücken musste. Mai? Also in nicht einmal vier Monaten? Oh mein Gott, Hilfe! Was jetzt?

Er nannte ihr das genaue Datum, und Katie notierte es sich.

„Ich weiß, es ist viel, was wir da von Ihnen verlangen“, meinte er.

„Wie Sie schon sagten, Mr Stryker, ich bin Profi. Das ist meine Arbeit.“

„Ich bin sicher, dass Sie es sehr gut machen werden.“

Die Intensität, mit der er sie anschaute, machte sie nervös. Vielleicht war es auch die Hitze, die von ihm ausging. Es kam ihr so vor, als würde sie zu nahe an einem Ofen sitzen. Oder vielleicht lag es auch daran, dass er die Stimme gesenkt hatte, so als würden sie sich ganz privat unterhalten.

Neugierig blickte Katie sich in Zachs imposantem Büro um, begutachtete dann seinen maßgeschneiderten Anzug, die teuren Schuhe und sein attraktives Gesicht. Sie kannte diesen Typ. Zach Stryker gehörte zu den Männern, die es gewohnt waren, das zu bekommen, was sie wollten, sei es im Berufs- oder Privatleben. Frauen standen vermutlich scharenweise Schlange, um sich ihm zu Füßen zu werfen.

Doch auch wenn sie eine gewisse Anziehungskraft zu diesem Mann verspürte, war Katie entschlossen, sich nicht in die Schlange seiner Verehrerinnen einzureihen. Also würde sie sich nicht anmerken lassen, wie sehr Zach Stryker sie faszinierte. Schließlich hatten sie eine rein geschäftliche Beziehung.

„Wenn Sie zu den Frauen gehören, die sich gern einer Herausforderung stellen, dann ist das hier genau das, wonach Sie gesucht haben“, erklärte er.

„Herausforderungen liegen mir“, gab sie zu. „Ich hab keine Angst, Risiken einzugehen, und scheue auch vor harter Arbeit nicht zurück. Deshalb bin ich erfolgreich.“

„Das glaube ich gern.“ Er zuckte mit den Schultern und schenkte ihr noch ein atemberaubendes Lächeln. „Ich bin ein typischer Mann, was das Planen von Partys angeht, von daher weiß ich nicht, ob ich Ihnen eine große Hilfe sein werde. Trotzdem tue ich gern, was ich kann.“ Vertraulich beugte er sich zu Katie vor. „Wir werden eng zusammenarbeiten müssen.“

Auf einmal hatte sie das Gefühl, dass sie nicht mehr nur über die Party sprachen, aber das würde sie sich nicht anmerken lassen.

„Ich weiß es zu schätzen, dass Sie Ihre Hilfe anbieten, aber im Grunde ist es doch so, Mr Stryker, dass Sie mich engagieren, damit die Party organisiert wird, ohne dass Ihr ohnehin schon voller Terminplan noch mehr durcheinandergerät.“

„Nennen Sie mich Zach.“

Nennen Sie mich, wie Sie wollen, und rufen Sie mich an, wann Sie wollen, dachte Katie, hütete sich aber davor, es laut auszusprechen. Wenn sie wieder zu Hause war, würde sie sich ernsthaft Gedanken über ihre Hormone und ihre Libido machen müssen. Im Laufe der vergangenen Jahre hatten diese sich immer mal wieder bemerkbar gemacht, aber kein Mann war so unerreichbar für sie gewesen wie Zach Stryker. Männer wie Zach verspeisten Frauen wie sie zum Frühstück und spuckten sie dann genauso schnell wieder aus.

Angesichts dieses absurden Vergleichs zuckte Katie innerlich zusammen, bevor sie ihre Aufmerksamkeit schnell wieder auf das Geschäftliche lenkte.

„Ich schau mir die Unterlagen von den vorherigen Veranstaltungen an“, sagte sie und sammelte den Stapel zusammen. „Außerdem gehe ich mir das Hotel ansehen und präsentiere Ihnen dann drei oder vier mögliche Mottos. Ich denke, ich melde mich spätestens Mitte nächster Woche wieder bei Ihnen.“

„Das hört sich gut an. Ich habe meiner Assistentin Bescheid gesagt, damit sie Ihnen immer möglichst schnell einen Termin bei mir einräumt.“

Wenn das keine Einladung war. „Wunderbar.“

Katie schloss ihre Aktentasche und stand im selben Moment auf wie Zach. Was bedeutete, dass sie sehr nahe beieinanderstanden. Zu nahe.

Trotz der High Heels war Katie ein ganzes Stück kleiner als Zach. Er roch gut – frisch, sexy, männlich. Seine kobaltblauen Augen waren von kleinen Lachfältchen umgeben, und Katie hatte Schwierigkeiten, sich zu entscheiden, ob ihr das am besten an ihm gefiel oder ob sein Mund noch anziehender war.

Denk an den Job, erinnerte sie sich. Zachs finanzielle Möglichkeiten, die ihr ein gutes Honorar bescheren würden, waren eindeutig seine anziehendste Eigenschaft.

„Diese Veranstaltung ist sehr wichtig für meine Kanzlei, Katie“, erklärte er ihr. „Ich möchte, dass sie ein Erfolg wird.“

Das war nichts Neues. Er gehörte zu den Männern, die sich mit nichts anderem als dem Besten zufriedengaben. Trotzdem konnte sie ihn beruhigen.

„Ich halte auch nichts davon, mich mit dem Zweitbesten zu begnügen. Die Party wird ein voller Erfolg, das verspreche ich Ihnen.“

Er lächelte, und Katie merkte, dass sich etwas in ihr regte. Das Gefühl war fast so beunruhigend wie die Hitze, die sie durchströmte. Wenn der Mann jemals müde wurde, für seine Mandanten zu streiten, könnte er ein Vermögen damit verdienen, indem er Frauen einfach nur anlächelte.

Sie bezweifelte, dass seine Aufmerksamkeit ihr persönlich galt. Zweifellos wusste er genau, dass er ein Geschenk Gottes an die Frauen war, und konnte gar nicht anders, als den Segen zu teilen. Doch sie war klug genug, zu erkennen, dass er nichts Besonderes in ihr sah.

„Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben herzukommen“, sagte er, als er zur Tür ging.

Katie folgte ihm und blieb stehen, als er die Tür geöffnet hatte.

„Ich habe bisher noch nie für Ihre Kanzlei gearbeitet“, erklärte sie und fügte neugierig hinzu: „Wie sind Sie auf mich gekommen?“

„Eine Empfehlung.“ Er hob die Hand, bevor sie etwas sagen konnte. „Ich weiß nicht mehr, von wem. Ich hab’s mir irgendwo aufgeschrieben. Wenn es Sie interessiert, such ich’s raus.“

„Das wäre nett. Die meisten Aufträge bekomme ich über Mundpropaganda, von daher würde ich mich gern bedanken.“

„Natürlich.“ Er trat einen Schritt zurück und hielt dann inne. „Stellen Sie sicher, dass Dora Ihre Nummer hat.“

„Ja. Auf Wiedersehen.“

Sie nickte kurz und ging dann den langen Flur entlang zu den Fahrstühlen und dem Empfangstresen. Dora war wohl seine Assistentin. Da sie der Frau bereits ihre Visitenkarte gegeben hatte, wusste sie, dass Zach ihre Nummer hatte. Wenn er sie brauchte. Was wohl kaum geschehen würde. Es gab nichts weiter zu sagen, bis sie erste Vorschläge für die Wohltätigkeitsveranstaltung unterbreiten konnte.

Es sei denn, er wollte sie aus anderen Gründen anrufen. Um sie zu verführen? Der Gedanke ließ sie auflachen. Blödsinn. Als wenn das je passieren würde.

Kurz darauf öffneten sich die Fahrstuhltüren, sie trat in den Lift und drückte den Knopf für die Tiefgarage.

Was nur sehr wenige Menschen wussten und was sie tunlichst unter ihren teuren Businesskostümen zu verbergen suchte, war die Tatsache, dass sie im Grunde ihres Herzens eine Romantikerin war. Männer wie Zach Stryker würden das niemals zu schätzen wissen. Sie wollten das Neue, das Trendige, das Einfache. Schon mehr als einmal hatte man ihr gesagt, dass sie alles andere als einfach war.

Wenn er auf eine Eroberung aus war, dann war sie nicht die Richtige. Sie wollte Herzchen, Blümchen und ein Happy End. Er dagegen war sicher nur auf ein sexuelles Abenteuer aus.

Als sie aus dem Fahrstuhl trat, musste sie daran denken, dass es schon eine geraume Zeit her war, seit sie die letzte ernsthafte Beziehung geführt hatte, und dass ein kleines sexuelles Abenteuer durchaus dazu beitragen konnte, ihre gereizte Stimmung etwas zu beruhigen.

„Nicht mein Stil“, murmelte Katie und schloss den Wagen auf.

Genau.Aber wenn, dann wäre Zach Stryker definitiv der Richtige dafür.

Katie fuhr aus der Tiefgarage und lenkte den Wagen Richtung Westen. Auch wenn es im Februar in Los Angeles durchaus kühl und regnerisch sein konnte, hatte während der vergangenen Woche perfektes Wetter geherrscht – mit dem für Kalifornien typischen blauen Himmel und angenehmen Temperaturen. Es war die Art von Wetter, das Touristen anlockte, wie Fliegen vom Fliegenfänger angelockt wurden, vor allem jene, die im Alltag mit Schnee und Schneestürmen zu kämpfen hatten.

Nachdem sie den Freeway 405 gekreuzt hatte, bog Katie nach links in Richtung Santa Monica ab und fuhr zu ihrem Bungalow, der ungefähr die Größe eines Puppenhauses hatte. Der Verkehr war noch nicht so schlimm, wie er in einer Stunde sein würde, wenn die Anwälte, Buchhalter und all die anderen Finanztypen ins Wochenende fuhren.

Okay, ja, es war erst zwei Uhr nachmittags, und eigentlich müsste sie noch immer arbeiten. Aber hey, sie hatte gerade einen fetten Auftrag an Land gezogen, war von einem der bestaussehenden Männer im Land angelächelt worden, und irgendwo weiter oben im Norden gab es Cannelloni, die ihren Namen trugen.

Der Gedanke an ein leckeres Essen inspirierte sie, während sie sich einen Weg durch den immer dichter werdenden Verkehr bahnte und es in zwanzig Minuten nach Hause schaffte. Nachdem sie den Hosenanzug und die High Heels gegen ein ärmelloses Sommerkleid und Sandalen ausgetauscht hatte, schnappte sie sich noch eine leichte Strickjacke, die bereits gepackte Reisetasche und marschierte ins Bad. Dort zog sie die Nadeln aus dem Haar, bis die rotbraunen Locken ihr auf die Schultern fielen. Mit einem Haargummi bändigte sie sie im Nacken. Anschließend nahm sie sich noch schnell die Zeit, um jeglichen entblößten Zentimeter ihrer Haut mit Sonnencreme einzureiben. Auch wenn sie Halbitalienerin war, hatte sie die empfindliche Haut ihrer irischen Mutter geerbt, sodass allein der Gedanke an Sonne schon genügte, dass sie sich einen Sonnenbrand holte.

Auf dem Weg zur Haustür warf Katie noch einen Blick auf ihren Anrufbeantworter. Nichts. Offenbar hatte Zach Stryker mannhaft der fast überwältigenden Versuchung widerstanden, sie anzurufen, um sie anzuflehen, in sein Büro zurückzukehren, damit sie sich auf seinem Designersofa lieben konnten.

Katie ging nach draußen, verstaute ihr Gepäck im Kofferraum und stieg in den Wagen. Das Dach des Cabrios öffnete sich und verschwand ordentlich hinter dem Rücksitz. Ein Senderwechsel vom Nachrichtenkanal zu einem Rocksender vervollständigte ihr Reiseritual. Es war Zeit, nach Hause zu fahren.

Gegen drei Uhr hatte sie den Berg erklommen, der die Grenze zwischen L. A. und dem Tal markierte. Die Ausfahrt zum Freeway 101 war ausgeschildert, und Katie wechselte die Spur, um abzufahren, während sie ein Lied mitsang, das von gebrochenen Herzen und Treue handelte.

Da klingelte ihr Telefon.

Katie drückte eine Taste auf dem Armaturenbrett, stellte das Radio leiser und aktivierte die Freisprechanlage.

„Hallo“, sagte sie relativ laut, um den Wind und die Geräusche der anderen Autos zu übertönen.

„Oh, wie schön, du sitzt schon im Wagen“, sagte ihre jüngste Schwester Mia und klang begeistert. „Ich rufe an, weil ich hören wollte, ob du wirklich an diesem Wochenende nach Hause kommst.“

„Ich bin bereits auf dem Weg. Was macht die Uni?“

„Alles prima. Ich hab mich ganz gut eingelebt und bin schon dabei, mich auf die ersten Prüfungen vorzubereiten.“

Katie runzelte die Stirn, während sie die kurvige Ausfahrt entlangfuhr. „Hat das Trimester nicht gerade erst angefangen?“

Mia seufzte theatralisch. „Wem sagst du das. Ich finde es hier an der Uni in Los Angeles wirklich toll, aber das Studiensystem ist echt hart. Kaum habe ich durchschaut, worum es in dem Kurs überhaupt geht, stehen schon die ersten Prüfungen an.“

„Und trotz des Drucks beeindruckst du uns alle mit deinen vielen Einsen.“

„Ich gebe mir Mühe.“ Mia kicherte. „Weißt du was? Beim Abendessen gibt’s ’ne Ankündigung.“

„Ankündigung?“ Katie wechselte auf die Überholspur und konzentrierte sich auf den Kleinlaster vor ihr. „Eine gute oder schlechte?“

In der Familie Marcelli war es Tradition, sämtliche Neuigkeiten bei einem großen Familientreffen zu verkünden. Sobald alle am Tisch saßen und das Essen aufgetragen worden war, wurden alle möglichen Neuigkeiten bekannt gegeben. Es wurde von Schwangerschaften berichtet, von Krankheiten und Überraschungen, von denen einige willkommen, andere alles andere als das waren.

Katie überlegte eine Sekunde lang, ob der Wein Schaden genommen hatte, doch es war erst Februar, da konnte noch nichts passiert sein.

„Eine gute“, erwiderte Mia und kicherte erneut. „Eine sehr gute.“

„Gibst du mir einen Tipp?“

„Nö. Also, wie war dein Valentinstag?“

Katie erinnerte sich an den ruhigen Abend, den sie vor ihrem winzigen Kamin verbracht hatte. Sie hatte einen ihrer Lieblingstage mit einer Flasche Sekt, köstlicher Schokolade und einem Liebesroman verbracht.

„Er war perfekt“, erwiderte sie ehrlich.

„War ein Mann involviert?“

„Nein. Ich bin im Augenblick ein rundum zufriedener Single.“ Mia seufzte. „Katie, du weißt, das bedeutet Ärger. Wenn du keinen Freund hast, hackt die Familie das ganze Wochenende lang auf dir rum.“

„Ich weiß.“

Die Marcellis standen sich alle sehr nahe und waren eine liebevolle Familie, aber sie waren auch völlig fanatisch, was das Thema Ehe und Kinder anging. Da Katie bereits achtundzwanzig und noch immer unverheiratet war, hielt man sie nicht nur für eine alte Jungfer, sondern fand es auch völlig unnatürlich und war der festen Überzeugung, dass sie dringend eine Therapie benötigte.

Doch darüber wollte sie gar nicht nachdenken. „Wie war denn dein Valentinstag?“

„Wunderbar.“

Katie sah ihre Schwester vor sich, klein, aber mit sehr weiblichen Kurven, das Haar mit blonden Strähnen aufgepeppt und dazu noch hübsche Rehaugen. Sie musste lächeln. „Lass mich raten. Siebenundvierzig Typen haben um die Ehre gerungen, dich zum Essen einzuladen.“

„Nein, ich war nur mit David aus.“

„Mit dem bist du jetzt schon eine ganze Weile zusammen, oder?“ Vage erinnerte sie sich an einen gut aussehenden Jungen, der Weihnachten kurz vorbeigeschaut hatte.

„Mhm. Seit September. Er ist wirklich etwas Besonderes, Katie. Wir lieben uns.“

„Das freut mich für dich“, erwiderte Katie ehrlich. Einerseits war sie begeistert, doch ein kleiner Teil von ihr war auch neidisch. Wann war sie das letzte Mal verliebt gewesen? Bei ihrem letzten Freund nicht so wirklich und auch nicht bei dem davor. Sie waren beide ganz nett, aber keiner von ihnen war der Richtige gewesen.

„Oh, ich lasse dich jetzt lieber in Ruhe, damit du dich auf die Straße konzentrieren kannst“, sagte Mia. „Wir sehen uns ja bald.“

„Ja, bis nachher. Grüß alle schön.“

„Mach ich. Tschüs.“

Die Verbindung wurde unterbrochen. Katie stellte das Radio wieder lauter, doch statt mitzusingen, schüttelte sie den Kopf. Mia war verliebt? War ihre kleine Schwester wirklich schon alt genug, um sich ernsthaft zu verlieben?

Sie lachte. Mia war achtzehn. Bei den Marcellis war das genau das richtige Alter für eine kurze Verlobung und eine lange Ehe. Katies andere Schwestern, Francesca und Brenna, hatten beide mit achtzehn geheiratet, obwohl Francesca jetzt eine junge, schöne Witwe war. Katie selbst war mit achtzehn ebenfalls verlobt gewesen, doch zur Hochzeit war es nie gekommen.

Da sie sich nicht die Laune verderben wollte, verdrängte sie die Gedanken an die Vergangenheit und stellte stattdessen das Radio lauter. Dabei träumte sie von einem bestimmten Anwalt, den sie erst kürzlich getroffen hatte. Auch wenn er bestimmt in vielerlei Hinsicht schlecht für sie war, wusste er doch, wie er ein Feuer in ihr entfachen konnte.

Ein geschwungener Eisenbogen markierte den Eingang zum Weingut der Marcellis. So weit das Auge reichte, erstreckten sich die Weinstöcke zu beiden Seiten der zweispurigen Auffahrt, die man lustigerweise die Pleasure Road, Vergnügungsstraße, genannt hatte. Im kommenden Sommer würden die Pflanzen mit sattgrünen Blättern und Früchten übersät sein. Im September dann, kurz vor der Ernte, würden die Zweige mit den reifen Trauben tief herunterhängen, doch jetzt im Februar war alles kahl und grau.

Als Katie unter dem Bogen entlangfuhr, bemerkte sie, dass die Stiefmütterchen bereits blühten. Das gute Dutzend bunter Pflanzen, die in den Kübeln rechts und links vom Torbogen gepflanzt worden waren, schwankte leicht im Wind. Tief atmete Katie den Duft der Blumen und der Erde ein und konnte sogar die salzige Meeresluft schmecken, die der Wind vom nicht allzu weit entfernten Ozean herübertrug.

Die Straße, die zur Hazienda führte, war fast eine drei viertel Meile lang. Am Ende einer langen Auffahrt stand das dreistöckige hellgelbe Haus der Familie. Schmiedeeiserne, kunstvoll geschwungene Balkone schmückten seine Vorderansicht. Katies Interesse am Weinanbau und an der Herstellung von Wein hielt sich in Grenzen, aber sie war ein großer Fan des Hauses der Marcellis. Das alte Heim mit all seinen Ecken und Winkeln barg so viele glückliche Erinnerungen, jedes der vielen Zimmer könnte Hunderte von Geschichten erzählen. Es machte Katie jedes Mal wieder glücklich, hierher zurückzukehren.

Sie fuhr bis zum Haus und parkte neben Mias fünf Jahre altem Accord. Auf der anderen Seite stand ein ramponierter Pickup, was bedeutete, dass auch Francesca übers Wochenende nach Hause gekommen war. Brenna würde später eintreffen. Katie lächelte voller Vorfreude. Zuletzt waren die vier Schwestern Weihnachten unter einem Dach versammelt gewesen, also vor fast zwei Monaten.

Katie hatte kaum den Kofferraum geöffnet, als Francesca aus einer Seitentür heraustrat.

„Dachte ich’s mir doch, dass du als Nächste ankommen würdest“, sagte sie und winkte. „Bis Brenna hier ist, dauert es noch eine Weile. Sie muss erst Jeff zum Flughafen bringen.“

„Das heißt, er kommt nicht übers Wochenende her?“, fragte Katie mehr als ein wenig enttäuscht. Sie und ihre Schwestern mochten Brennas Ehemann. Er war humorvoll, liebevoll, fast so wie der Bruder, den sie nie gehabt hatten.

„Nein, er muss zu irgendeinem Ärztekongress.“

„Ich fasse es nicht, er fährt lieber da hin, als hier bei uns zu sein?“

„Unglaublich, was? Ich meine, wir sind charmant, und wir haben einen unbegrenzten Zugang zu Pasta. Was gibt’s Besseres?“

Die beiden Frauen lachten und umarmten sich. Katie drückte ihre Schwester an sich und hielt sie einen Moment lang fest. Als sie sich wieder voneinander lösten, versuchte Katie, nicht darauf zu achten, wie fantastisch Francesca mit ihrem kurzen weißen T-Shirt und dem hellblauen Rock wieder einmal aussah.

Francesca war immer die hübscheste der vier Schwester gewesen … hübsch und mit einer nahezu perfekten Figur. Sie hatte absolute Modelmaße und dazu noch große Brüste – eine Traumkombination, auf die man wirklich neidisch werden konnte. Ihre vollkommenen Gesichtszüge – große braune Augen, volle Lippen und Wangenknochen – formten ein Gesicht, das nicht nur jeden Mann bezaubern, sondern auch diverse Charakterschwächen überdecken konnte. Langes, dichtes braunes Haar fiel ihr bis auf den Rücken, während die makellose südländische Haut bezaubernd schimmerte.

All das und obendrein noch ein kluger Kopf, dachte Katie mit einer Mischung aus Liebe, Stolz und ein ganz klein wenig Neid. Katie war immer als die kluge Schwester bezeichnet worden, aber Francescas Erfolg mit ihrer Doktorarbeit bewies, dass auch hinter ihren großen Augen ziemlich effiziente graue Zellen am Werk waren.

Katie nahm ihre Reisetasche. „Armer Dad, armer Grandpa Lorenzo. Sie freuen sich doch immer so auf Jeffs Besuche. Da haben sie dann wenigstens nicht das Gefühl, völlig in der Minderheit zu sein.“

„Sie werden’s überleben, aber ich weiß nicht, ob wir’s überstehen“, meinte Francesca, als sie zur Hintertür gingen und in den Hauswirtschaftsraum traten. „Du solltest auf der Hut sein. In der Küche herrscht Östrogenalarm. Die Grannys sind in Höchstform, und Mom macht es nur noch schlimmer. Wenn du nicht auf Abstand bleibst, könnten deine Eierstöcke mutieren.“

Katie lächelte, als sie ihre Reisetasche und auch die Handtasche abstellte. Entschlossen trat sie in die Küche und holte tief Luft.

„Hallo!“

Drei Frauen standen an der Kücheninsel in der Mitte der großen Küche mit den handbemalten Fliesen. Dutzende von Schüsseln, Auflaufformen und Töpfen nahmen jeden Platz ein, auf dem nicht bereits frisches Gemüse und selbst gemachte Pasta standen.

Drei Köpfe wurden in ihre Richtung gedreht, drei Augenpaare wurden vor Freude aufgerissen und sechs Arme nach ihr ausgestreckt. Schon im nächsten Moment wurde Katie so herzlich umarmt, dass sie das Gefühl bekam, der wichtigste Mensch auf dieser Erde zu sein.

„Katie, endlich! Wir haben uns schon solche Sorgen gemacht. Die lange Fahrt. Eine junge Frau allein unterwegs, was hätte da alles passieren können!“

Ihre Großmutter väterlicherseits kniff sie so kräftig in die Wange, dass es bestimmt einen blauen Fleck gab. Katie lächelte, obwohl ihr die Augen vor Schmerz tränten. „Grandma Tessa“, sagte sie liebevoll. „Wenn du aufhören würdest, dir Sorgen zu machen, was sollten die Heiligen dann mit ihrer Zeit anfangen?“

Grandma Tessa, geboren und aufgewachsen in Italien, achtete nicht auf die blasphemische Äußerung. Das war sie von ihren Mädchen gewohnt.

Katies Mutter, zierlich und elegant in einem Designerkostüm, allerdings barfuß, umschloss ihr Gesicht mit den Händen. „Du siehst dünn aus, Katie, du bist eine wunderhübsche junge Frau. Du brauchst nicht zu hungern. Machst du schon wieder eine Diät?“

Katie küsste ihre Mutter auf die Wange. „Ich schwöre, ich bin nicht auf Diät. Ich wiege genauso viel wie beim letzten Mal, als du mich gesehen hast.“

Colleen O’Shea Marcelli räusperte sich, ganz offensichtlich nicht überzeugt. „Ich denke, wir sollten später miteinander reden. Als dein Vater und ich in San Francisco waren, haben wir einen richtig netten jungen Mann kennengelernt. Er ist Souschef in einem Restaurant dort.“

Francesca stibitzte ein Stück Käse. „Ich dachte, alle Küchenchefs wären schwul.“

Grandma Tessa hob das Kreuz, das an ihrem Rosenkranz hing, an die Lippen. „Francesca, Gott hat dir nicht das Gesicht eines Engels geschenkt, damit du solch ein dunkles Herz haben kannst. Katie braucht einen Mann. Und du übrigens auch.“

Francesca sah zu Katie, und beide verdrehten die Augen.

Schließlich wandte Katie sich der kleinen Frau zu, die ihren Arm festhielt. „Grammy M“, sagte Katie liebevoll. „Wie geht’s dir?“

„Mir geht’s hervorragend. Die Sonne fühlt sich herrlich an auf diesen alten Knochen. Ich kann nicht klagen.“

„Du bist gar nicht so alt“, erinnerte Katie sie. „Außerdem baue ich darauf, dass du ewig lebst.“

Mary-Margaret O’Shea war in Irland geboren und mit siebzehn an einen Mann verheiratet worden, den sie vorher nur zweimal gesehen hatte. Nicht einmal zwei Wochen nach der Hochzeit hatte sie ihrem Heim und ihrer Familie Lebewohl sagen müssen und war mit ihrem Mann über das Meer in ein großes neues Land aufgebrochen. Dort hatten sie sich schließlich in Kalifornien niedergelassen.

Grammy M drückte Katie die Hand. „Darauf baue ich auch, Darling.“

„Also“, meinte Katies Mutter erwartungsvoll, „wenn du nicht an dem Souschef interessiert bist, heißt das, dass es einen anderen besonderen Mann in deinem Leben gibt?“

Die beiden Schwestern tauschten einen weiteren Blick aus, woraufhin Francesca sich einen Finger in den Hals steckte und so tat, als müsste sie sich übergeben.

Katie wusste, sie hatte zwei Möglichkeiten. Entweder sagte sie die Wahrheit – dass sie keinen Freund hatte und das auch völlig in Ordnung fand. Leider würde ihr Letzteres keiner glauben. Stattdessen würden ihre Großmütter und ihre Mutter einen Aufstand machen, schimpfen und sie das ganze Wochenende lang quälen. Sie würden Namen von Männern einfließen lassen, die nie geheiratet hatten (was schon bedenklich war, denn sobald ein Mann die vierzig erreicht hatte, ohne zum Traualtar geschleppt worden zu sein, musste doch etwas mit ihm nicht stimmen, oder?), von Männern, die erst kürzlich geschieden worden waren, und sogar von Männern, die nur über eine Scheidung nachdachten. Sie würden Horrorszenarien heraufbeschwören, in denen Katie einsam alt werden würde, keinen Mann mehr abbekam, sobald sie erst einmal dreißig war, und ihr immer wieder mit dem Familienmotto in den Ohren liegen, dass man jung heiraten und viele Babys bekommen sollte.

Oder sie könnte lügen.

Normalerweise versuchte sie schon, die Wahrheit zu sagen, aber schwierige Zeiten erforderten nun einmal drastische Maßnahmen.

„Ich habe kürzlich einen fantastischen Mann getroffen“, sagte sie.

Ihre Großmütter jubelten, während ihre Mutter sie anstrahlte. „Erzähl uns alles“, beharrten sie. „Wie ist er so?“

„Er heißt Zach Stryker und ist ein sehr erfolgreicher Anwalt.“

„Oooh, ein Mann mit einem ehrbaren Beruf“, rief ihre Mutter glücklich. „Also hat er Geld.“

Katie hatte keine Ahnung, aber wenn Zach nicht jedes Wochenende damit zubrachte, sein Haus mit Sachen aus dem Neiman-Marcus-Laden neu zu dekorieren, müsste er eigentlich in Geld schwimmen. „Sicher. Er ist wunderbar und charmant, und ich glaube, er ist etwas ganz Besonderes.“

Francesca erstickte fast an ihrem Käse, während Katie die Hand hinter dem Rücken versteckte und die Finger kreuzte, als sie weitersprach: „Er hat mich engagiert, damit ich eine große Benefizveranstaltung für seine Firma organisiere. Das ist eine richtig große Sache und wird mich mit meiner Firma einen riesigen Schritt voranbringen. Aber das ist natürlich nicht so aufregend wie die Tatsache, den richtigen Mann zu treffen, versteht ihr?“

Francesca stand noch immer hinter ihren Großmüttern. Jetzt schluckte sie das letzte Stück Käse herunter, legte beide Hände um ihre Kehle und tat so, als wollte sie sich selbst erwürgen. Katie wusste, dass sie ein bisschen dick auftrug, doch sie war gerade so gut in Fahrt.

„Er ist ein Bild von einem Mann“, erklärte sie und seufzte theatralisch.

In diesem Moment erklangen Schritte auf dem Holzfußboden im Esszimmer, und Katie war fast enttäuscht über die Unterbrechung. Sie hätte bestimmt noch weitere fünf Minuten über die eher unwahrscheinlichen Vorzüge von Zach schwärmen können.

Alle drehten sich zur Tür, als Mia hereingestürmt kam.

Wie immer trug sie Jeans und ein kurzes T-Shirt. Ihr gefärbtes Haar schimmerte eher blond als braun, obwohl man an den Haaransätzen ihre Naturfarbe erkennen konnte. Aber so mochte Mia es am liebsten. Ihre braunen Augen waren alles andere als dezent geschminkt. Sie sah aus wie jemand, dessen Verwandlung nicht ganz gelungen war, und doch war sie so bezaubernd und voller Leben, dass Katie gar nicht anders konnte, als zu lächeln.

„Du musst langsam mal anfangen, so auszusehen wie alle anderen auch“, neckte Katie sie, als sie zu ihrer jüngsten Schwester ging und sie umarmte. „Dafür hat Gott die Q-Tipps erfunden.“

Mia verzog die glänzenden Lippen, bevor sie laut seufzte. „Ich bin immer noch dabei, rumzuexperimentieren, um meinen Stil zu finden. Wir können ja nicht alle die Klasse von dir oder Francesca haben. Ich meine, du lieber Gott, bei dir passt alles zusammen, das ist doch nicht normal.“

Grandma Tessa ließ den Rosenkranz durch die Finger gleiten. „Mia Theresa Marcelli, mit deinem Mundwerk bereitest du der ganzen Familie Schande.“

In gespielter Reue senkte Mia den Kopf. „Tut mir leid, Grandma. Ich wollte keine Gotteslästerung begehen.“

Da sie nie lange zerknirscht blieb, richtete sie sich schnell wieder auf. „Ist Brenna schon da? Ich möchte so gern meine Neuigkeiten loswerden. Wo sind Dad und Grandpa Lorenzo?“

„Die sind zum Abendessen zurück“, erklärte Grandma Tessa. „Bis dahin musst du dich noch gedulden.“

Katie grinste. Mia zu sagen, sie solle sich gedulden, war in etwa so erfolgversprechend, als wenn man die Erdachse aus den Angeln heben wollte.

„Oh, Sch…“ Mia schaute zu ihrer Großmutter väterlicherseits und riss sich zusammen. „Oh, schade! Dann erzähl ich’s eben nur euch, und dann können wir es den anderen sagen, wenn sie kommen.“ Sie runzelte die Stirn.

„Hast du deinen Plan jetzt ausgearbeitet, wie du die Welt regieren willst?“, fragte Katie ihre jüngere Schwester. „Denk dran, ich organisiere sie nur, aber in deiner Hand liegt die Weltherrschaft.“

„Heute nicht.“ Mia holte tief Luft und wirbelte einmal herum. Strahlend klatschte sie in die Hände und verkündete: „Ich habe tolle Neuigkeiten. Ich werde heiraten!“

2. KAPITEL

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