Eine Reise ins Weltall - B. H. Buergel - E-Book

Eine Reise ins Weltall E-Book

B. H. Buergel

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Beschreibung

Ein utopischer Roman, der im Jahr 3000 spielt. Die Erde befindet sich in einer neuen Eiszeit, verursacht durch einen Staubnebel im Weltall, der die Sonne verdeckt. Europa, Nordamerika und Nordasien sowie auch die südlichsten Gebiete der Erde werden durch den Einzug des Permafrosts bereits zunehmend unbewohnbar, und die Umsiedlung von Millionen und Abermillionen von Menschen scheint zu einer unvermeidbaren Notwendigkeit zu werden. Die ehemals reichen Industriestaaten des Nordens sind abhängig von dem Wohlwollen der Länder, die am Äquator liegen. Fortschritt und technische Innovation haben sich vor allem nach Asien und Afrika verlagert. Große Pläne werden vonnöten, um das Überleben der Menschheit zu sichern.

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Seitenzahl: 359

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Bruno H. Bürgel

 

 

Eine Reise ins Weltall

 

 

Ein

Retro-Science-Fiction

 

 

 

EINE REISE INS WELTALL wurde zuerst veröffentlicht im Ullstein Verlag, Berlin 1921.

Diese Ausgabe wurde aufbereitet und herausgegeben von

© apebook Verlag, Essen (Germany)

www.apebook.de

2024

 

V 1.0

 

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

ISBN 978-3-96130-609-1

Buchgestaltung: SKRIPTART, www.skriptart.de

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Eine Reise ins Weltall

Impressum

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

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Zu guter Letzt

1.

Die weite Schneefläche, da und dort von durchstoßenden, bläulich schimmernden Eisschollen unterbrochen, glitzerte und gleißte blendend in der Frühsonne. Ein mattes Rosa zog drüber hin, und eigenartige gelbbraune Dunstschleier lagen um das Tagesgestirn. Wo Licht und Schatten hart nebeneinander standen, gab es merkwürdige Farbenkontraste.

Auf einem kleinen Hügel, von Eisschollen gebildet, standen zwei Männer und blickten mit scharfen Gläsern ringsum in die ihnen so fremde, so märchenhaft ungewöhnlich erscheinende Landschaft und weit hinaus auf das gefrorene Meer.

In ziemlicher Entfernung hielt eine kleine Abteilung der berittenen Landespolizei. Sie blieb bescheiden und taktvoll im Hintergrunde, denn sie hatte von der Regierung der Vereinigten Staaten von Europa den ausdrücklichen Befehl, nur über die persönliche Sicherheit der Fremden zu wachen, nur einzugreifen, wenn sich die Herren in Unkenntnis der sich hier senkenden und berstenden Eisfelder auf gefährliche Gebiete begaben. Der Offizier des kleinen Trupps beruhigte das scharrende Pferd, dem es offenbar wenig Vergnügen bereitete, wie angewurzelt auf der eisigen Fläche zu stehen. Er klopfte dem kleinen, aber kräftigen Tier den braunen Hals und suchte in seiner Manteltasche nach einem Stück Zucker. Auch er wäre gern näher geritten, um das wundervolle Flugschiff eingehender zu betrachten, das da hinten, jenseits des Hügels, in der Sonne glänzte, doch bezwang er die Neugier. Er war darüber informiert, daß diese Herren Abgesandte des mächtigen Reiches der warmen Zone waren, hohe Staatsbeamte der Vereinigten Staaten von Afrika. Viel hing von ihrem Urteil, von ihrem Bericht in der Heimat ab. Ja, was war aus dem alten, früher die Welt beherrschenden Europa geworden, seit die große Katastrophe es in des Wortes verwegenster Bedeutung in den Schatten gesetzt, seit die alte Sonne da droben ihre Kraft, ihre Wärme eingebüßt, der Norden der Erdkugel vereiste!

Der eine der Herren da droben auf dem Hügel, der Generalrat Ismail Tschack, von Natur schon klein, in seinen dicken Pelzen aber fast einem Ball aus Haaren gleichend, wandte sich langsam um und musterte mit dem Glase das unermeßliche Eisfeld, das im Sonnenlicht wie ein Silberspiegel leuchtete.

Er schüttelte den Kopf. »Welch ein Anblick! Man kann so etwas hundertmal in den Zeitungen und Büchern lesen, man kann es so und so oft im Bilde vor sich sehen, im Fernseher betrachten, die Wirklichkeit überrascht doch immer!«

Sein Begleiter, der Geologe Vanderstraßen, den die Regierung der Vereinigten Staaten von Afrika als wissenschaftlichen Berater mitgesandt hatte, ließ sein Glas sinken:

»Ja, darin sind wir unsern Vorfahren gleich geblieben, trotz aller Veränderungen, die die Menschheit im Laufe der Jahrtausende erlitten, trotz aller Fortschritte der Technik und aller Umwandlungen unseres Denkens und Fühlens. Kannten Sie übrigens den Norden überhaupt noch nicht, Herr Generalrat?«

»Ich war in diplomatischer Sendung als junger Mann einmal in Paris und machte von da einen Ausflug bis zur Kanalküste. Das war der nördlichste Punkt der Weltkugel, den ich zu Gesicht bekommen. Es war im Sommer, und so hatte ich keine Gelegenheit, Eis und Schnee zu betrachten. Um so mehr erstaunt mich diese verzauberte Welt, die uns Menschen des Äquators ewig fremd ist!«

Der kleine rundliche Herr wandte sich jetzt nach der andern Seite, noch immer aufmerksam mit dem Glase die Weite durchmusternd. Vanderstraßen, Kompaß und Karte in der Hand, trat hinter ihn.

»Sie blicken jetzt genau nach Norden, Herr Generalrat. Dort in der Ferne liegt Spitzbergen und nach Westen zu das mächtige Grönland. Hier, wo wir stehen, lag früher die schöne Stadt Hammerfest. Das Eis hat sie begraben. Ringsum war in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden offenes Meer; die Katastrophe hat es in ein Eisfeld verwandelt, auf dem sich die glitzernden Schollen türmen. Dort in weiter Ferne liegt der Nordpol, der riesige Kältespeicher, der den Untergang Europas verschuldet.«

»Wenn es nur Europa wäre, Herr Vanderstraßen, das ginge noch an, man könnte die Bewohner des alten Kulturlandes der Erde durch großzügige Umsiedlung retten, aber ganz Nordasien, Nordamerika ist bedroht; eine Katastrophe wie sie die Welt noch nicht gesehen!«

Vanderstraßen nickte, und ein tiefer Ernst lag plötzlich auf seinem Gesicht, aber er liebte es, für optimistisch zu gelten, und dementsprechend war seine Antwort:

»Nun darf man ja freilich nicht vergessen, daß das Eis, daß die Gletscher des Nordens ganz langsam nur, im Laufe von Jahrhunderten weiter vorrücken und der Süden Europas sich noch lange wird halten können, wenn auch die Gestade des Mittelländischen Meeres langsam das Klima Skandinaviens annehmen. Nordasien ist Gott sei Dank nur dünn bevölkert gewesen, und die Republik Kanadien, im Norden des amerikanischen Festlandes, wird ihre Bewohner in den Küstenstrichen am Stillen Ozean und an der Hudson-Bai versammeln müssen.«

Generalrat Ismail Tschack wiegte das Haupt hin und her.

»Halten können, sich noch so kümmerlich festklammern da und dort! Mag sein, ich will es nicht bezweifeln. Aber nicht da liegt die schwere Sorge, die den ganzen Planeten bedroht, auch uns Menschen der warmen Zone. Die Ernährungsschwierigkeiten sind in den letzten Jahrzehnten in einer Weise gewachsen, daß uns allen angst und bange wird. Der Norden der Erdkugel mit seinen großen Menschenmassen verkommt langsam. Es reifen keine Ernten mehr, die Notschreie nehmen zu, wir tun, was wir können, aber ein paar Mißernten in China, in Indien, Südamerika und bei uns, und eine grauenvolle Katastrophe bricht herein, die auch unser Land in Mitleidenschaft zieht. Ich will hier keine Staatsgeheimnisse ausplaudern, aber seien Sie versichert, daß die Herren der internationalen Ernährungskommission, die im vorigen Jahre in Madras tagte, mit sehr ernsten Gesichtern auseinandergingen, um so mehr, als die so viel versprechenden Versuche des Südamerikaners Corella mit dem neuen künstlichen Nahrungsmittel abermals Fehlschläge brachten. Nein, nein! Glauben Sie mir, die Dinge sehen böser aus, als man es der Öffentlichkeit gegenüber hinstellt, und ich sehe nicht sehr rosig in die vermaledeite Zukunft. Dennoch habe ich immer noch einen Hoffnungsschimmer! Halten Sie mich ruhig für einen Toren, aber ich denke immer, daß dieser Zustand schnell, wie er gekommen auch ein Ende nehmen kann und die alte liebe Sonne wieder ihre Schuldigkeit tut wie früher. Sehen Sie, ich verstehe ja nichts von Ihrer Wissenschaft, bin Staatsmann und habe damit gerade genug zu tun, aber mal muß doch die verdammte Wolke, oder was es nun ist, ein Ende nehmen. Dieser gelehrte Rawlinson auf der Kap-Sternwarte rechnet zwar schon seit Jahr und Tag immer längere Zahlen für das Staubungetüm aus, in das unser armes Planetensystem hineingerudert ist, jedoch traue einer den Astronomen. Es könnte doch auch anders sein! Oder meinen Sie nicht? . . .«

Vanderstraßen, der Geologe, lächelte. Eben wollte er dem hohen Staatsbeamten seines Vaterlandes eine nicht sehr ermutigende Antwort geben, als von der andern Seite des Eisfeldes her eine Stimme tönte.

Die beiden Männer wandten sich um. Einige hundert Meter hinter ihnen glänzte in der Sonne auf dem Schneefeld eine riesige stählerne Granate. Zwei Männer standen als scharfgeschnittene Silhouetten daneben. Jetzt kam der eine schnellen Schrittes auf den Generalrat zu. Er schwenkte ein Blatt Papier in der Hand.

»Aha, eine Depesche!«

Der Sekretär trat näher. »Zwei Ferngespräche, Herr Generalrat. Eins aus der Heimat, aus Sansibar, eins vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Europa.«

»Sehr schön. Wollen Sie vorlesen, Herr Hamaidan, oder sind es große und schreckliche Staatsgeheimnisse, die unser gelehrter Freund nicht in seine profanen Ohren aufnehmen darf?«

»Es ist nichts von besonderer Wichtigkeit. Mit Erlaubnis!: ›Sansibar, Zentralrat der Vereinigten Staaten von Afrika, 10. Juni. Sitzung des großen Rates am 15. Juni. Erwarten Ihre Rückkehr bis dahin.‹ Und hier der zweite Spruch: ›Seiner Ehren dem Generalrat Ismail Tschack, Vertreter der Vereinigten Staaten von Afrika, zur Zeit in Europa. Erbitte den Besuch Euer Ehren zu beliebiger Zeit. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Europa, Basinzani. Rom‹.«

»Sehr schön! Sonst nichts, Herr Hamaidan? Nun gut, so wollen wir überlegen, wie wir alles am besten einrichten. Lassen Sie uns zum Schiff zurückkehren, meine Herren, wenn's beliebt. Wir wollen mit dem Ingenieur wegen der Reiseroute sprechen und die erforderlichen Zeiten feststellen.«

Der rundliche kleine Herr mit den lebhaften Bewegungen ging hastig voran; wie eine Pelzkugel rollte er über die verschneite Eisfläche. Seine Begleiter folgten langsam.

Die Sonne spiegelte sich in der seltsamen Granate, die da inmitten dieser unendlich ruhigen, eintönigen Gletscherlandschaft an der äußersten Kante des nördlichen Norwegen einen merkwürdig fremdartigen Eindruck machte. Dieses Projektil, das aus einem unbekannten Riesengeschütz geschleudert schien, war in Wahrheit ein friedlicher Reisewagen, die Postkutsche des Jahres 3000. Projektile und Kanonen gab es gottlob nicht mehr, es sei denn, man wandelte durch die Museen, wo neben sechstausend Jahre alten ägyptischen Mumien, Modellen von Schiffen und Lokomotiven aus dem neunzehnten Jahrhundert auch Geschütze und andere Mordwaffen, Flugzeuge und veraltete Fernrohre, Mikroskope und Apparate für Telegraphie und Telephonie aus dem zwanzigsten und zweiundzwanzigsten Jahrhundert an verklungene Zeiten erinnerten. Dennoch! Es war so etwas Ähnliches wie eine Granate, und ein Sprengstoff von einer Kraft, die den kriegerischen Söhnen früherer Zeiten, die halb Europa zu Grunde gerichtet hatten, ein diabolisches Vergnügen bereitet hätte, schleuderte auch sie vorwärts, aber kein Geschütz war dazu nötig, denn der stählerne Flugwagen feuerte sich gewissermaßen selbst in den Luftraum hinaus, war Geschütz und Geschoß in einem.

Freilich, hier lag ein Paradestück der Ingenieurkunst des dritten Jahrtausends in dem alten vereisten Europa, das längst seine führende Rolle an andere Kontinente abgegeben hatte. Man mußte es den Afrikanern lassen, daß sie in dieser Hinsicht den anderen großen Staatenbünden weit voraus waren. Ein Jahrtausend vorher hatte Amerika den Ruhm großartiger technischer Meisterwerke zu halten gewußt. Asiens Völker, geführt von Rußland und Japan, waren gefolgt, hatten das Land des Kolumbus aus dem Sattel gehoben und ganz neuartige Probleme zur Reife gebracht. Hier reifte ein ganz anderer Geist, sprach die asiatische Seele, während Amerika doch immer mehr oder weniger ein weiter gewachsenes Europa geblieben war, das Europäer entdeckt hatten, von Europäern besiedelt worden war. Dennoch lag der Ideenwelt Asiens das Gigantische nicht. Es war das Land der Philosophen, der geistvollen Chemiker und Physiker geworden, nicht aber der Weltteil alles überwindender Technik. Jener Technik, der der Erdball langsam zu klein wurde, und die auf dem Riesen-Planeten Jupiter vielleicht eine Auswirkung erreicht hätte, die phantastische Formen zuließ.

Anders die Afrikaner des Jahres 3000!

Diese Leute machten auch das scheinbar Unmögliche möglich. Die Ausnutzung der Sonnenwärme, die in Amerika einen hohen Grad erreicht hatte, erschien ihnen zu unsicher und zu gering. Sie spannten den ewigen Wellenschlag des Meeres mit seinen Milliarden Pferdekräften vor ihren Kraftwagen, und während die Asiaten mit wundervollen Instrumenten auf tausend Meilen in die Ferne sahen, hörten, photographierten, indische Ärzte tatsächlich Tote lebendig machten, sofern nicht wichtige Organe zerstört, drangen diese Afrikaner neuerdings bis in die tiefsten Eingeweide des Planeten, um sich die Glutströme im Herzen der alten Mutter Erde dienstbar zu machen, Stoffe ans Tageslicht zu ziehen, von denen die alte Welt nichts geahnt. –

Bei diesen Forschungen über chemische Produkte in größeren Erdentiefen war vor nahezu einem Jahrhundert auch jener Sprengstoff entdeckt worden, der auf kleinstem Raum geradezu märchenhafte Kräfte fesselte. Dieses »Usambaranit« spielte auch die Hauptrolle bei dem neuen Fortbewegungsmittel, jener Granate, mit der sich Menschen von Land zu Land schossen, denn anders konnte man diese Art des Dahinfliegens nicht nennen. Bereits die alten Artilleristen hatten ja schon den Rückstoß ihrer Sprengstoffe unangenehm empfunden, der beim Abfeuern das Geschütz heftig zurückschleuderte. Die Eigenart des Usambaranits und seine enorme Kraft hätten jene alten Geschütze einfach aus den Lafetten gerissen. Aber aus dieser Untugend war hier eine Tugend gemacht worden. Man feuerte diesen Stoff nicht ab, um die Kugel davonzutreiben, sondern das Gewehr, aus dem der Schuß krachte, und feuerte automatisch weiter und weiter, so daß das Gewehr immer schneller infolge der sich rasend schnell folgenden Rückstöße im Luftraum dahinschwirrte. Die ganze Kunst bestand nur darin, dieses Gewehr in einen Flugwagen umzuwandeln, so daß es Menschen mit sich nehmen konnte, und darin, es lenkbar und steuerbar zu machen.

Der alte Propeller, der bisher die Flugzeuge gewissermaßen im Luftozean vorwärtsschraubte, war gefallen, aber die Tragflächen, auf denen man wie auf Polstern dahinglitt, konnten auch hier nicht entbehrt werden. Man sah die breiten schillernden Stahlflächen seitwärts an der Granate wie Flügel einer Biene in der Sonne glänzen.

Mühselige Versuche, bei denen es zuweilen kaum unblutiger zugegangen war als auf den Kampfplätzen vergangener Zeiten, hatten diese Granate zu einem Verkehrsmittel gemacht, dessen man sicher sein konnte. Das Luftfahrzeug, das hier auf den Gletschern Norwegens lag, war in 17 Stunden von Sansibar, südlich des Äquators, bis zu diesen letzten vereisten Felsenklippen des nördlichen Europa geflogen, eine Strecke von 8500 Kilometern! – Freilich! Standerton-Quil, einer der besten Ingenieure der Staatswerkstätten, hatte das Fahrzeug eigenhändig gesteuert!

Nun stand er da, die Hände in den Hosentaschen vergraben, und starrte gelangweilt auf diese miserable Einöde, wo kein noch so winziges Stück Technik einem anständigen Menschen eine Freude bereitete, zu einer Kritik ermunterte. Er spuckte verächtlich vor sich hin in den Schnee, und dann hielt er dem Maschinisten zur Abwechslung noch einmal den Vortrag über die Ölvorrichtung des Zündapparates.

»Da wären wir wieder, Standerton-Quil! Nun, was sagen Sie zu diesen Eismassen ringsum?«

Der winkte abwehrend. »Ich kann mir nichts dabei denken, Herr Generalrat. Es läßt sich wenig damit anfangen!«

»Erlauben Sie, lieber Freund,« sagte Ismail Tschack und lachte beinahe ärgerlich, »Sie stehen hier an historischer Stätte. Hier, zu Ihren Füßen, lagen einst Städte, wohnten die Leute, die Amerika entdeckten. Hier war die Heimat des Mannes, der unseren Südpol entdeckte. Das war rund zweitausend Jahre nach Christo. Hier wurde der Mann geboren, der zuerst am Nordpol die Fahne wehen ließ. Ist es nicht geradezu tragisch, daß das Heimatland dieser Leute, die zum Mittelpunkte des Reiches der kristallnen Wunder vordrangen, nun selbst unter Eis und Schnee begraben liegt, daß hier die ausgestorbenen Eskimos gewissermaßen wieder neu erstehen?«

»Geben Sie sich keine Mühe, Herr Generalrat,« sagte lachend Hamaidan, sein Sekretär, »dieser Standerton-Quil ist der unhistorischste Mensch unter der Sonne. Sein Gehirn ist eine Sammlung algebraischer Formeln, sein Herz ist ein Usambaranit-Motor, seine Empfindungswelt ist eine Kette von technischen Vorstellungen, Hebeln, Kurbeln, Wellen, Rädern, und er denkt in Wellen-Kraftstationen und Erdbohrungs-Anlagen. Wir haben schon auf der Fahrt vergeblich versucht, ihm die Tragik der nordischen Erde auseinanderzusetzen!«

»Was wollen Sie, meine Herren?! Für mich ist das Ganze ein technisches Problem. Sehn Sie, diese Erde ist ein Apfel, besiedelt von Bakterien. Er wird erwärmt und erleuchtet von einer großen elektrischen Ampel, und die ganze Geschichte ist in eine Staubwolke hineingeraten, so daß der Apfel nicht mehr so viel Wärme bekommt und die Bakterien an seinen kältesten Punkten nicht mehr zu leben vermögen, keine Nahrung mehr dort finden, weil sich Nord- und Südgebiete des Apfels mit Reif überziehen. – Das ist die einfachste und klarste Sache von der Welt. Da ist nicht eine Spur von Kompliziertheit und Romantik. Die Frage ist nur die, wie stellen wir es an, Ampel und Apfel aus der vermaledeiten Wolke wieder herauszubringen, oder den Bakterien des Nordens und Südens anderswo Brot und Wohnung zu verschaffen. Mir scheint, das sind technische Probleme, und das ganze Ding interessiert mich nur von diesem Standpunkt aus. Man muß die große Linie nicht aus dem Auge verlieren!«

»Richtig, sehr richtig, bester Herr Standerton,« entgegnete Ismail Tschack und machte den vergeblichen Versuch, dem Ingenieur, der ihn um drei Fuß überragte, auf die Schulter zu klopfen. »Sie sehen die Angelegenheit in der Tat großzügig. Wir armen Teufel haben nur die zwar kleinliche, aber unabwendbare Aufgabe, diese Millionen Bakterien der nördlichen und südlichen Breiten mit zu ernähren, und kein Ingenieur der Welt kann uns mit seinen Hebeln und Rädern aus der Klemme ziehen, solange er mit seinen Maschinen nicht Getreide erzeugen kann und Schlachtvieh. Sollten Sie aber das Kunststück fertig bekommen, die Staubwolke, die sich um die wärmende Ampel gelegt hat und die Wärmestrahlen behindert, hinwegzublasen, so werden Sie der größte Mann der Welt und der Heros unseres Vaterlandes sein, dem die nächste Präsidentschaft sicher ist!«

Standerton lächelte; dann entgegnete er:

»Wenn man bedenkt, daß der Planet in seinen Tiefen ungeheure Wärmemengen enthält, die da zwecklos ruhen, und daß es nur darauf ankommt, diese Wärmeströme emporzuleiten zu den Polargebieten der Erde, erscheint es nicht ausgeschlossen, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Bedenken Sie, daß unsere Erde vor unausdenkbaren Zeiten eine kleine Sonne war, ein Glutball, dessen Oberfläche sich abkühlte, sich mit einem erkalteten Gesteinsmantel umkleidete, während die Glut drunten bis auf unsere Tage fast unvermindert erhalten blieb. Wie dick ist denn diese Erdkruste, die uns vom ewigen Feuer trennt? Vanderstraßen ist ja Fachmann und wird mir bestätigen, daß diese Erdrinde im Verhältnis nicht dicker ist als eine Eischale. Oder ist es nicht so, Vanderstraßen?«

»Im großen und ganzen stimmt das, Standerton. Lassen Sie sehen! Bei je 40 Metern, die wir tiefer in die Erdrinde eindringen, steigt das Thermometer um einen Grad. In 40 Kilometern Tiefe müßte die Hitze demnach schon 1000 Grad betragen. In 200 Kilometern Tiefe würden bereits alle Gesteine in Schmelzfluß geraten, wenn nicht eben der Druck der mächtigen Erdmassen das verhinderte, und trotz der unvorstellbar großen Hitze im tiefsten Innern der Erde wird die Masse dort doch fester sein als Stahl, denn etwa 2 Millionen Kilogramm drücken auf jeden Quadratzentimeter und pressen die Stoffe, die die Hitze sonst als heißeste Gase mit unwiderstehlicher Macht auseinanderreißen würde, zusammen.«

»Freilich! Aber nichtsdestoweniger würde der Wanderer, der senkrecht sich dem Erdmittelpunkt zubewegen könnte, schon nach achtstündigem Marsch Gebiete erreichen, die 1000 Grad heiß sind. Ei, es müßte mit dem Teufel zugehen, wenn wir uns diese Wärmeströme nicht dienstbar machen könnten. Sie wissen, daß wir dabei sind, diese Wärme in höher liegenden Vulkanherden für unsere Industrie nutzbar zu machen, und ich sage Ihnen, es müßte bei einiger Energie gelingen, auch tiefer zu steigen, und wenn wir die halbe Erde mit einer Ladung Usambaranit auseinandersprengen sollten!«

Standerton-Quil hieb mit der Faust durch die Luft und stampfte auf die Eisdecke mit seinen breiten Stiefeln, daß es den Eindruck machte, als wolle er gleich daran gehen, dieser alternden Mutter Erde ihr geizig zurückgehaltenes heißes Herzblut abzuzapfen.

Ismail Tschack lachte über diese zornige Gebärde, und seine Genossen stimmten fröhlich ein.

»Dieser Mensch ist imstande, uns mit seinem Usambaranit gegen den Mond zu sprengen!« sagte der Generalrat, und ein so komisches Entsetzen malte sich auf seinen Zügen, daß auch der rabiate Ingenieur mit seinem tiefen Baß in das allgemeine Lachen einstimmte.

»Warten wir's ab,« sagte er, »man hat so seine Pläne!«

»Viel Glück! Jetzt aber, meine Herren, müssen wir unseren Reiseplan aufstellen. Lassen Sie uns den Rest des Tages bis zum Einbruch der Dunkelheit benutzen, um dieses Eisgebiet des Nordens aus größerer Höhe im Umriß kennenzulernen. Bei Sonnenuntergang möchte ich das Land des Jammers hinter mir haben, und auch Sie legen wohl Wert darauf, dann zu den Stätten der Zivilisation zurückzukehren. Am zweckmäßigsten scheint es mir, den großen Flughafen zu Nizza aufzusuchen, wir sind dann morgen mit einem kleinen Sprunge in Rom, um der Einladung Seiner Hohen Ehren des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Europa Folge zu geben. Übermorgen früh denke ich nach Sansibar zurückzufahren. Am Abend können wir dort landen, wenn unser Freund Standerton uns nicht im Stiche läßt.«

»Ich garantiere auch auf der Rückfahrt für eine Stundengeschwindigkeit von 500 Kilometern. In sechs Stunden erreichen wir von hier aus Nizza, in zehn Stunden reisen wir von Rom bis zum Äquator und werden zwei Stunden später die Lichter des Flughafens von Bagamojo unter uns haben.«

Der Ingenieur versenkte sein Meßrädchen in die Manteltasche und klappte die Karte zusammen.

»Vorwärts also, meine Herren. Zu einem kleinen Imbiß wird während unserer Fahrt Zeit genug sein. Lassen Sie uns einsteigen!«

Die Flugwagen-Granate bestand aus drei Teilen. Vorn, in der Spitze, war der Führerstand mit seinen Kontrollapparaten für Höhe und Geschwindigkeit des sonderbaren Fahrzeuges und den Steuervorrichtungen, die besondere Aufmerksamkeit erforderten. Mächtige Kompasse und wundervolle durchsichtige Lichtbildkarten der zu durchfahrenden Gegend, die sich von selber, entsprechend der Geschwindigkeit des Fahrzeuges, abrollten, erleichterten dem Führer seine Aufgabe.

Am Ende der Granate, in dem breiten Bodenstück, befand sich der Maschinist, der das sorgfältige Arbeiten des Usambaranit-Automaten zu überwachen hatte, der Explosionspille um Explosionspille in die Verbrennungskammern schob, die außen am Boden der Granate in Ausschuß-Rohren endeten. Diese Teile hatten eine enorme Hitze auszuhalten, der nur das Platin gewachsen war. Eine sehr sinnreiche Kühlung, die sich des flüssigen Heliums bediente, dessen Temperatur bei 268 Grad Kälte liegt, sorgte für die Unzerstörbarkeit dieses wichtigsten Teiles der Maschinerie.

Der Mittelraum war für die Passagiere bestimmt, die hier, in tiefen Polstersesseln, die fest im Boden verankert um einen kunstvoll eingerichteten Mitteltisch angeordnet waren, vor den oft nicht ganz sanften Stößen der dahinschießenden Granate gesichert blieben, solange sie nicht leichtsinnig während der Fahrt ihre Plätze verließen, was nur mit großer Vorsicht geschehen konnte. Gewaltige Schnelligkeit war bei diesem Fortbewegungsmittel des Jahres 3000 nur auf Kosten der Bequemlichkeit zu erreichen, aber dafür brachte es den Reisenden in wenigen Stunden an entfernte Erdorte, die die Menschen früherer Zeiten erst nach tagelangen Fahrten mit Schiff und Eisenbahn zu erreichen vermochten.

Ismail Tschack entledigte sich seiner dicken Pelze und kroch schwerfällig durch die schmale Einsteigtür. Seine Begleiter folgten. Der Maschinist schloß die dicken Bullaugen der Fenster, schob die eisernen Bolzen vor und verfügte sich in sein Reich. Bald hörte man das leise Summen des Explosionsautomaten.

Standerton-Quils Kopf ragte noch ein Weilchen aus dem Oberlichtfenster der Führerkabine. Sein energisches Gesicht verzog sich zu einem bedauernden Lächeln, als er den winzigen Zigarettenrest funkenstiebend über die Schneefläche dahinfliegen sah, denn nun kamen lange Stunden, da er der einzigen Leidenschaft entsagen mußte, um diese riesige Konservenbüchse sicher über Länder und Meere hinwegzusteuern.

Jetzt verschwand sein Kopf in der runden Luke. Das Fenster schloß sich, der Bolzen kreischte ein wenig. Der Ingenieur prüfte den Gangzeiger des Automaten, er stellte Kompaß und Karte ein, prüfte noch einmal alle Hebel und drückte den Warnungsball. Ein melodisches Pfeifen, dem Ruf des Pirols vergleichbar, das sich jedem Ohr unvergeßlich einprägte, tönte durch die Räume der Granate. Die Herren setzten sich in ihren Polstern zurecht, stemmten die Beine gegen die Fußkissen. Der Maschinist sicherte sich in seinem mit Lederkissen verkleideten Stand. Das Signal verstummte.

Die rote Lampe blitzte im Maschinistenraum auf. Der Mann zog den Verschlußhebel, die erste Usambaranitpille entzündete sich im Explosionsrohr. Ein scharfer Knall, ein starker Stoß, die sich entwickelnden Gase preßten gegen das Bodenstück der Granate, die leise erzitterte. Aber Stoß auf Stoß folgte, ein Trommelwirbel von Explosionen, und schräg aufwärts fuhr die Granate, zunächst unsicher schwankend, ins Blaue.

Erschreckt brachen die Pferde der Polizeitruppe da hinten auf dem Schneefeld aus. Es dauerte lange, bis sie wieder einigermaßen zur Ruhe kamen, aber da war der merkwürdige Flugwagen den Männern leider schon in der Ferne entschwunden. Standerton-Quil regelte mit geübter Hand den Flug. Einmal in Bewegung, sauste das Fahrzeug gleichmäßig dahin. Es hatte nur den Luftwiderstand zu überwinden und seine Höhenlage einzuhalten. Abwechselnd blitzten im Maschinistenraum zur Linken oder zur Rechten gelbe und grüne Signallampen auf. Standerton-Quil gab Zeichen, Explosionsstöße im rechten oder linken Ausschußrohr zu veranlassen, um dem dahinschwirrenden Geschoß eine Wendung nach dieser oder jener Richtung zu geben, zur Unterstützung der Steuerung.

Der Geschwindigkeitszeiger stieg von 50 auf 100, von 200 auf 300 und endlich auf 500 Kilometer Stundenflug. Die Magnetnadel zeigte Nordnordost-Kurs, das Barometer registrierte 3200 Meter Höhe. Langsam rollte sich die wundervolle photographische Erdkarte, ein breites, durchsichtiges Gelatineband, das Resultat jahrzehntelanger internationaler Aufnahmen der ganzen Erdoberfläche durch Flugzeuge, in der hellerleuchteten Kartenkammer ab. Ein Zeiger glitt langsam darüber hin, der den augenblicklichen Ort des Flugwagens über der Erde markierte. Eine feine Feder an seiner Unterseite notierte mit roter Farbe den Weg, den man genommen, mit allen Kurven und Schleifen. Ein Verirren war fast unmöglich mit diesen vortrefflichen Einrichtungen.

Hier, inmitten seiner Instrumente, dieser Sinnesorgane der scheinbar so plumpen Granate, die über die Erde dahinflog, fühlte sich dieser merkwürdige Mensch in seinem Element, hier fand er die Befriedigung des Künstlers, denn der sinnreiche Mechanismus dieses neuesten und schnellsten Fortbewegungsmittels war in der Hauptsache sein Werk. –

Unterdessen sandte Hamaidan, der Sekretär, vom Tisch der Passagierkabine aus drahtlose Telegramme nach Sansibar und Rom und benachrichtigte den Flughafen zu Nizza, die Ankunft des Regierungsfahrzeuges der Afrikanischen Staaten für die späten Abendstunden ankündigend. Man hätte sich auch telephonisch mit all diesen Orten von der dahinsausenden Granate aus unterhalten können, wäre das Geräusch der Explosionen nicht zu stark gewesen, ein Übelstand, der bisher noch nicht zu beheben war.

»Vielleicht bin ich schon zu alt,« – sagte der Generalrat und verkroch sich noch tiefer in seinen Polstersessel – »aber ich muß sagen, daß ich mich in dieser Konservenbüchse nie so recht wohl fühle. Sagen Sie es um Gotteswillen nicht diesem Standerton-Quil weiter, aber ich komme mir hier verzweifelt verwandt mit einer Sardine vor, und das Anrucken bei der Abfahrt kann man nur überstehen, wenn man Herz und Magen und Milz und Leber vorher zu einem Paket zusammenschnürt und dem Maschinisten zur Aufbewahrung übergibt. Wie der Mann das in seinem Explosionskasten aushält, ist mir nicht klar. Nein, es war doch ein gemütlicheres Fahren, als ich noch jung war! Ich lasse nichts auf die alten Flugzeuge kommen, mit ihren surrenden Propellern. Gewiß, Sie werden lachen, werden mich überlebt finden, aber die gute alte Zeit mit ihren 300 Kilometern Stundenfahrt in einem Kondor-Flugzeug war mir lieber. Euch hat alle der Schnelligkeitsteufel beim Wickel. Denken Sie an die Leute früherer Jahrhunderte, die sich mit den langweiligen Eisenbahnen begnügen mußten und froh waren, wenn sie hundert Kilometer in der Stunde vorwärts kamen.«

»Ganz geheuer ist es mir in diesem Usambaranit-Flugwagen auch nicht, Herr Generalrat,« sagte lächelnd der Geologe Vanderstraßen, »doch stört mich weniger die Schnelligkeit und das Stoßen als der Gedanke, daß man gewissermaßen im Innern eines Explosionslagers dahinfliegt, dessen Kraft so riesenhaft ist, daß ein Unglück genügen würde, uns mitsamt der Granate in Gas zu verwandeln und unsere Atome bis in die Planetenräume hinaus zu schleudern.«

»Auch keine sehr angenehme Vorstellung, Verehrtester, indessen, wenn ich das Gesicht dieses Standerton da durch die kleine Scheibe sehe, diese Züge von Stahl, diese klaren grauen Augen, die durch Steinwände zu schauen scheinen, diese ruhigen Bewegungen, die nie einen Millimeter zu weit ausgreifen, nie eine Zehntelsekunde zu schnell oder zu langsam sind, dann fühle ich mich wieder einigermaßen geborgen!«

»Ah, sehen Sie dort, meine Herren,« rief Hamaidan und wies mit der Hand durch die zolldicken Kristallscheiben.

Drunten breitete sich das gefrorene Meer, bedeckt mit übereinandergetürmten Eisschollen, und in weiter Ferne stieg jetzt ein silberglänzendes Gebirge, im Sonnenlicht wie ein riesenhafter Diamant funkelnd, auf.

»Die grönländische Küste« – sagte der Geologe –, »von dort her schieben sich die mächtigen Eisströme der Gletscher über das Meer hinweg, auf Europa und Nordamerika zu. Dort ist die Geburtsstätte der riesigen Eisberge, die jetzt in Scharen heruntertreiben bis zum Äquator, an den Küsten Afrikas scheitern, die Kälte des Nordens auch uns fühlbar machen!«

»Ich wundere mich nur, daß es nicht kälter hier oben ist in diesen Breiten, ich habe mir gedacht, der Hauch erstarre am Munde, und doch war es eigentlich nicht sonderlich kalt, als wir da unten standen. Ich glaube, wir machen uns alle eine falsche Vorstellung von so einer Eiszeit, soweit wir nicht Fachleute sind, wie Sie, Herr Vanderstraßen.«

»Es ist freilich ein weitverbreiteter Irrtum, Herr Generalrat, wenn man annimmt, daß nur eine plötzliche fabelhafte Kälte diese Vereisung hervorruft. Die seit Jahrtausenden vorliegenden, sehr sorgfältigen Temperaturmessungen zeigen, daß die Jahrestemperatur Europas nur um einige Grade gesunken ist. Sie betrug in früherer Zeit 13 Grad Wärme, blieb viele Jahrhunderte unverändert und ist jetzt auf 8 Grad gesunken. Das erscheint nicht so bedeutend, und wer sich mit den Erscheinungen und Wirkungen einer solchen Temperaturerniedrigung nur oberflächlich beschäftigt, sieht nicht ein, weshalb das zur Vereisung großer Teile unseres Planeten führen muß, aber vergessen Sie nicht, daß die Zeit hier die Hauptrolle spielt. Regen und Schnee haben im Norden wie im Süden der Erdkugel bedeutend zugenommen, hauptsächlich infolge des Vorhandenseins fein verteilten Staubes in der Erdatmosphäre, der von der kosmischen Wolke herrührt, in der unser ganzes Sonnensystem dahintreibt. Die Sonnenstrahlen werden durch diese Staubwolke von vielen Millionen Kilometern Dicke und Ausdehnung geschwächt, daher ist die Temperatur seit Jahrzehnten immer mehr gesunken. Die Folge ist, daß die Eismassen, die sich droben im Norden während des Winters bilden, nicht wie früher in starkem Maße zum Schmelzen gebracht werden können. Der Winter ist gewissermaßen länger geworden. Die Eismassen mehren sich, und da sie nicht in den Himmel wachsen können, so schieben sie sich weiter südwärts in Gestalt der mächtigen Eisströme, die wir Gletscher nennen.

So streckt der Norden seine erstarrenden, eisigen Arme immer weiter äquatorwärts. Von Grönland, von Norwegen, vom Eismeer her schiebt sich der weiße Tod auf uns zu. Die nördlichen Meere vereisen, und die Winde, die von dort her wehen, greifen weiter aus, ziehen Europa, Nordasien, Nordamerika mit in die Kältezone. Es ist eigentlich eine sehr einfache Geschichte!«

»Eine verteufelte Situation,« sagte der Generalrat und blickte seufzend hinaus in die glitzernde Ferne, gegen deren eisigen Hauch all die wundervollen Erfindungen der modernen Menschheit nicht zu schützen vermochten.

»Es ist nicht das erste Mal, daß die alte Erde sich so bedroht sieht,« meinte Vanderstraßen. »Vor rund 40 000 Jahren etwa geschah das Gleiche, und unsere Vorfahren haben über jene Eiszeit sehr genaue Forschungen angestellt. Damals schoben sich die nordischen Gletscher bis an den Fuß der Alpen. Es war zur Zeit, als der Mensch noch halb ein Tier war, mit dem Steinbeil auf die Jagd ging, in Felsenhöhlen hauste. Der Mensch der Urzeit war ein Zeitgenosse jener Eiszeit. Und auch das war nicht die erste Vereisung der Erde! Spuren in den Gesteinen, kümmerliche Reste im Tagebuche der alten Mutter Erde erzählen, daß Jahrmillionen früher, nach tropisch warmen Zeiten, da selbst im hohen Norden weite grüne Wälder sich dehnten, ziemlich plötzlich eine kalte Zeit mit anschließender Vereisung auftrat. Jahrtausendelang hat die Forschung vor dem unerklärlichen Rätsel gestanden, uns ist es vergönnt, eine solche Krankheitsperiode der Mutter Erde selber zu erleben und zu erkennen, daß eine Staubwolke im Raum des Übels Wurzel ist!«

»Ihre Ausführungen waren mir sehr wertvoll, Vanderstraßen. Ich glaube, ich sehe die Dinge heut zum ersten Male in ihren Zusammenhängen, so viel ich auch darüber gelesen habe. Unsere Fahrt über dieses Eisgebiet mag mir das alles plastischer erscheinen lassen!«

Längst hatte die fliegende Granate ihre Bahn geändert, nun steuerte sie südwärts. In weitem Bogen fuhr sie zu den Bergkämmen Norwegens zurück. Da drunten lag das Land, Hunderte von Metern hoch mit Eis bedeckt. Bis hinein in den Bottnischen Meerbusen leckten schon die weißen Eiszungen der Gletscher. Jenseits, nach Westen, dem Atlantischen Ozean zu, brachen in zerklüfteten Fjorden die Eiszungen ab, stürzten als Eisberge in das mit Schollen bedeckte, im großen und ganzen aber noch offene Meer. Tot und öde lag das Land da drunten. Südlicher schimmerten weite Schneeflächen. In der Nordsee trieben Eisschollen und Eisberge. In den Bergen Schottlands zeigten sich Anfänge der Vergletscherung.

Im Maschinistenraum zuckte die grüne Steuerbordlampe auf. Standerton-Quil verlangte zur Wendung seines Fahrzeuges Explosionen in der rechten Kammer. Eine Kette weißer Wölkchen zog blitzschnell am Fenster vorüber; leises Vibrieren des ganzen dahinschwirrenden Körpers. Langsam wandte sich das Fahrzeug nach Südosten.

Ein breiter Fluß wurde an seiner Mündung sichtbar.

»Der Rhein,« – sagte Vanderstraßen und beugte sich über seine Karte – »das klassische Land alter Eiszeitforschung liegt unter uns: Deutschland!«

»Noch scheint es aber von Schnee und Eis verschont zu sein!«

»Das wohl, aber über seine weiten Ebenen werden sich aufs neue die langsam fortschreitenden Ströme der Gletscher Norwegens schieben, wie vor vierzig Jahrtausenden. Sehen Sie, diese weiten sandigen Ebenen mit zerstreuten Granitblöcken schuf jene letzte Eiszeit. Die Gletscherströme transportierten jene Granitblöcke von Skandinavien bis hierher, sie zerrieben das Material zu dem feinen Sand, der die deutschen Ebenen füllt. Aufs neue wird dieses Land in wenigen Jahrhunderten unter hohen Eiswällen verschwinden, und die Forschung kommender Jahrtausende wird, wenn die Erde wieder einer wärmeren Zeit entgegengegangen ist, wenn die Eismassen zurückwichen, untergegangene Riesenstädte und tausend Zeugnisse einer hohen Kultur aus dem Sande ausgraben! Wir fanden nur plumpe Steinwaffen, fast tierisch gebaute Schädel der Jäger der Eiszeit jener vergangenen Erdepoche, neben Resten von Mammut, Höhlenbär und Renntier, und als höchste Schöpfungen in Höhlenwänden eingeritzte Zeichnungen von Tieren. Die Zukunft wird nach der nun kommenden Eiszeit technische Wunderwerke und Weltstädte ausgraben!«

»Sie malen trübe Bilder, bester Vanderstraßen, und Ihre Wissenschaft hat etwas Grausiges!«

»Ja, Herr Generalrat, die Natur ist grausam, wenigstens will es uns Menschen so erscheinen. Sie wandelt ihren Schritt, unbekümmert. Ursache und Wirkung schreiben ihr das Marschziel vor, und sie begräbt Kulturen, wie des Wanderers Tritt ein Ameisennest!« – –

In seltsame, rötliche Schleier eingehüllt, versank die Sonne im Westen. Im Süden glühten die vereisten Gipfel der Alpen auf, die Erde hüllte sich in bläuliche und violette Schatten. Droben aber, in der Höhe, lag ein merkwürdig zartes Purpurlicht, in dem eigenartige, grünliche Wölkchen dahinschwammen, die die Menschheit früherer Zeiten nie gesehen, oder doch ganz selten, wenn mächtige Vulkane ungeheure Aschenmengen in die Lufthülle des Planeten emporgeschleudert. Der in den Luftmantel der Erde eingedrungene kosmische Staub war die Ursache dieser seltsamen Dämmerungsfarben. Beugungen und Reflexionen des Sonnenlichtes wurden da hervorgerufen und zauberten mysteriöse Ringe und Strahlen in das früher ruhige, klare Blau des Äthers.

Die Granate umfuhr westwärts das Massiv der Alpen, glitt im Trommelfeuer der Explosionen über die stille Fläche des Bodensees dahin.

Die Reisenden schwiegen. Jeder hing seinen Gedanken nach. Langsam verblaßte das Purpurglühen droben, zuckende grünliche Nordlichtstrahlen griffen wie Riesenarme über den Himmel weg. Da und dort flimmerte ein heller Stern, und nun stieg der Mond blutigrot aus der Ebene auf, umspielt von grünlichen Strahlenkränzen.

Standerton-Quil erkannte in der Ferne das flammende Fanal des Flughafens von Nizza, und nun ließ er blendend helle, in tausend Sterne zersprühende Raketen niedergleiten. Das Fanal blitzte schnell hintereinander rot und grün auf. Das Fahrzeug der Regierung der Vereinigten Staaten von Afrika war gesichtet. Zehn Minuten später lag es still in den weiten Hallen am Ufer des Mittelländischen Meeres.

2.

Benjamin Graachten, der berühmte Journalist und Hauptschriftleiter des»African Herald«, fuhr sich mit beiden Händen in den graulockigen Haarkranz, der das kahle Haupt umgab wie Baumgewirr einen stillen See.

In diesem Augenblick sah er ungeheuer komisch aus, denn die zerzausten Locken glichen tausend Fragezeichen, die von dem glatten Schädeldach fortstrebten. Seine Unter-Redakteure nannten ihn den Marabu, und dieser Spitzname hatte sich in ganz Südafrika, vornehmlich aber in Kapstadt, eingebürgert, wo der Riesenpalast des »African Herald«, mit seinen Redaktionen, drahtlosen Stationen, seinen Ateliers für Fernphotographie, seinen ausgedehnten Setzereien und Druckereien ein ganzes Straßenviereck einnahm.

»Um des Himmels willen, bester Freund, so geht das nicht! Sie dürfen nie außer acht lassen, daß der ›African Herald‹ die angesehenste Zeitung südlich des Äquators ist und bleiben muß. Fort mit dem langweiligen Zeug! Vorn vor allen Dingen das große Manifest des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Europa an die Völker der Erde. Dann den Bericht über die Fahrt Ismail Tschacks ins Eisgebiet. Dazu müssen wir unbedingt ein paar der Kinematographien in natürlichen Farben bringen, die die Granate während ihrer ganzen Fahrt aufnahm. – So, das etwa hierher. Hier die Bilder! – Sodann eine glänzende Abhandlung über die Bedeutung der wichtigen Fragen, die übermorgen in der großen, außerordentlichen Sitzung des gesamten Staatsrates von Afrika in Sansibar wahrscheinlich besprochen werden. Dann die Unterredung Ismail Tschacks mit dem Präsidenten von Europa in Rom. Frarelli hat sie soeben aus Genua mit Fernschreiber übermittelt. Hierher Bilder von der Ankunft unserer Granate in Rom und von der Begrüßung unseres Regierungsvertreters durch Seine Hohen Ehren den Präsidenten Basinzani vor dem Regierungspalast in Rom. Sehr schöne Fernphotographien sind vor einer Stunde eingetroffen. Das wäre erledigt, und nun können Sie den andern Kram hinterher bringen, nach Ihrem Geschmack.«

»Es ist freilich etwas spät geworden für all diese Umstellungen.«

»So reißen Sie sich ein Bein aus. Es muß gehen!«

»Vor allem wird es kaum möglich sein, die farbigen Bilder noch in die Morgenausgabe zu bringen!«

»Reißen Sie sich also zwei Beine aus, und es wird bestimmt alles vortrefflich zu machen sein!«

Nunmehr war es an dem unglücklichen Unter-Redakteur, sich mit beiden Händen in die Haare zu fahren. Er raffte seine Papiere zusammen und wandte sich mit nervöser Miene zur Tür.

Benjamin Graachten, der Marabu, lachte sein versöhnendes Lachen.

»Kommen Sie, Sobel, rauchen Sie eine von diesen wunderbaren Zigaretten an, und alle Sorgen lösen sich in blaue Ringelchen auf, steigen zur Höh'! Ich kenne Sie! Sie schimpfen innerlich das Blaue in handlichen Stücken vom Himmel herunter über diesen vermaledeiten Marabu, aber Sie machen es dennoch möglich!«

Die beiden Herren entzündeten ihre Zigaretten und trennten sich mit freundschaftlichem Händedruck.

Graachten wollte eben ein Ferngespräch mit seinem Korrespondenten in Kalkutta bestellen, als drüben an der Wand seines Büros die grüne Lampe aufleuchtete. Eine faustgroße Öffnung war da in der Wand, umrahmt von einem Bronzekranz: das lautsprechende Telephon.

»Reden Sie!« rief der Chef des »African Herald«, etwas unwillig über die Störung.

Eines Unsichtbaren Stimme klang laut und deutlich durch den Raum: »Herr Wanjansa wünscht Sie zu sprechen!«

»Ich habe keine Zeit!«

»Drei Minuten nur!«

»Nicht eine!«

»Eine Sache von größter Bedeutung!«

»Sagen Sie Wanjansa, wenn er mich angelogen hat, so sieht er mein Angesicht heut zum letzten Male aus der Nähe! Er soll eintreten!«

Wenige Sekunden später öffnete sich die Tür, und Wanjansa, ein wahrer Riese von Gestalt, elegant gekleidet. trat ein. Ein tüchtiger Journalist, namentlich in allen sportlichen Angelegenheiten eine Autorität, war Wanjansa eine nicht unwichtige Kraft für den »African Herald«, nur überließ es Benjamin Graachten seinen Ressort-Redakteuren, sich mit diesen ihn weniger interessierenden Fragen zu befassen. Zudem war ihm der Mann nicht besonders angenehm. Wanjansa konnte seine Abstammung von den Basutos nicht verleugnen, mit denen sich die vor grauen Zeiten eingewanderten Holländer lange Zeit herumgeschlagen hatten. Wenn auch die Kultur all diese Gegensätze überbrückt hatte, wenn auch all diese Eingeborenen als gesittete, ja zum Teil hochgebildete Menschen eingegangen waren in die große Völkerfamilie des riesenhaften afrikanischen Reiches, da und dort saßen dennoch aus Urvätertagen vererbte kleine Sympathien und Antipathien im Blut.

»Guten Tag, gestrenger Herr!«

»Guten Tag, Herr Wanjansa! Ich habe zwei Minuten für Sie. Lassen Sie Ihren Film laufen!«

»Kennen Sie Herrn Johannes Baumgart?«

»Nein!«

»Der Mann ist Deutscher!«

»Ich hätte ihn angesichts des genannten Namens auch nicht für einen Chinesen gehalten! – Fünfundzwanzig Sekunden! Weiter!«

»Er ist vor drei Tagen hier eingetroffen.«

»Interessiert mich außerordentlich. Wahrscheinlich ist es ihm in seiner Heimat zu kalt geworden!«

»Ein hervorragender Gelehrter!«

»Was Sie nicht sagen! Vierzig Sekunden! Weiter!«

»Er will zum Monde fliegen!«

»Glückliche Reise!«

»– – – und wird sein Ziel erreichen!«

»Wahrscheinlich ebensowenig wie der Franzose Bourquin, der denselben Versuch im Jahre 2760 unternahm, um das mit eigenen Augen zu sehen, was sein Landsmann Jules Verne in seinem so berühmt gewordenen Roman schilderte. Sie wissen, daß seine Flugmaschine aus achtzig Kilometern Höhe in den Atlantischen Ozean stürzte, und daß man keine Spur mehr von ihr aufgefunden hat.«

»Ich sehe, daß Sie die ganze Sache unter einem falschen Gesichtswinkel betrachten, Herr Graachten. Der Umstand, daß Ihnen Ihr sportlicher Mitarbeiter diese Nachricht bringt, die noch vollkommen unbekannt ist, verleitet Sie zu der Annahme, daß hier ein waghalsiges sportliches Unternehmen vorliegt. Hätte Ihnen ein Gelehrter die Neuigkeit mitgeteilt, Sie würden ihr ein anderes Gesicht abgewonnen haben. Dieser Herr Johannes Baumgart weiß sehr genau, was er will, ist ein stiller, ernster Mann, und eine sehr sorgsam durchgearbeitete Theorie liegt seinem Unternehmen zugrunde, für das er unsere Regierung interessieren will.«

»Wo, zum Geier, haben Sie denn diese allerneueste Neuigkeit her?«

»Ich erlauschte sie ohne meinen Willen. Hören Sie! Ich machte gestern dem Direktor der Usambaranitwerke einen Besuch, um über eine große Wettfahrt mit Usambaranit-Automobilen mit ihm zu verhandeln. Er hat Besuch. Ich verweile im Vorzimmer. Durch eine kleine Nachlässigkeit in der Telephonzentrale muß die Verbindung zwischen dem Büro des Direktors und dem Vorzimmer bestehen geblieben sein, und das lautsprechende Telephon trägt mir deutlich das ganze Gespräch der beiden Herren zu. Wenn Sie also die Neuigkeit aufnehmen im ›Herald‹, muß das auch so geschehen, daß man den Namen noch verschweigt und die Nachrichtenquelle verborgen bleibt!«

»Gestern hörten Sie das schon! Ja, zum Teufel, Wanjansa, warum sind Sie da nicht sofort hierher gestürzt?«

»Eine unaufschiebbare Reise nach Johannesburg verhinderte das, aber da niemand sonst davon weiß, so ist die Nachricht heut so neu wie gestern!«

»Jedenfalls hat die Sache ihre Reize!«

»Gott sei Dank, Sie tauen endlich auf!«

»Aber sagen Sie, was will dieser Baumgart auf dem Monde, wenn er wirklich dahin gelangt, was ich nicht glaube?«

»Er unternimmt diesen gefährlichen Versuch im Interesse der Menschheit, und die hereinbrechende Eiszeit ist die Triebfeder seines Planes!«

»Aber was hat der Mond mit der Eiszeit und mit der Erdenmenschheit zu tun? Ich begreife nicht!«

»Dieser Baumgart will sich auf dem Monde Rat holen, was in unserer Lage zu tun ist!«

»Ja, zum heiligen Chinchinchindra von Kalkutta, auf dem Monde leben doch aber keine Menschen, und der alte Bursche ist tot und starr wie eine ausgeglühte Gipskugel. Bei wem will der Mann sich denn da Rat holen?«

»Bei den Mondmenschen!«

»Dann ist er ein Narr! Die gibt es nicht!«

»Warten Sie doch ab, Herr Graachten! Bei den ausgestorbenen Mondmenschen will sich der Mann Rat hoben.«

»Es wird immer verwickelter!«

»Da dieser Herr Baumgart sehr eingehende astronomische Kenntnisse besitzt, die ganze Frage bis in all ihre Einzelheiten studiert hat, können wir, als Nichtfachleute, unmöglich ein Urteil über den Wert oder Unwert seiner Pläne haben, verehrter Chef des ›African Herald‹!«