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Ein Geschichtenerzähler verliert seine Freundin und seinen Schäferhund zugleich. Er vermisst beide und macht sich auf die Suche nach Ersatz. Dabei erfährt er von der schönsten Frau der griechischen Welt, der "Schönen Helena", die er fortan begehrt. Gleichzeitig gräbt ein Freund in Pompeji die Figur einer nackten Schönen aus, die eine Art Kommunikationsgerät auf ihren Brüsten trägt, das besagte Helena vor zweitausend Jahren auf der Flucht vor dem Feuer speienden Vesuv verloren hatte. Weiter erfährt er auf seiner Suche, dass Atlantis nicht versunken, sondern in die Luft geflogen ist, und zwar direkt in den siebten Himmel. Also Rakete statt U-Boot! Mit einem überraschenden Schluss endet dieser mit vielen utopischen und erotischen Einschlüssen versehene Comedy Roman.
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Seitenzahl: 401
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Manfred Brauwer
Drei Begegnungender besonderen Art
Comedy Roman
ImPrint eBook, Münster 2012
© 2010 ImPrint Verlag, Mü[email protected]
Umschlaggestaltung unter Verwendung eines Fotos von© bARTiko - Fotolia
Alle Rechte vorbehalten
eISBN 978-3-936536-95-9
Um eine Geschichte mehr oder weniger erfolgreich beenden zu können, muss man mit derselben erst einmal beginnen!
… »Logisch?« … »Logisch!«
Exakt hier ist der Beginn einer überaus seltsamen Geschichte über ein überaus seltsames Meer. Es ist kein Meer voller Träume, wie es Literaten mehr oder weniger erfolgreich beschreiben könnten. Nein, es ist auch kein Meer voller Salz wie beispielsweise das Tote Meer, das von Biologen oder Geologen mehr oder weniger erfolgreich oft beschrieben wurde. Nein, das alles ist es nicht. Aber mit dem Toten Meer kommen wir der Sache schon etwas näher, denn dieses Meer, von dem hier die Rede ist, war ein Meer voller Tränen, also ein salziges Meer, so salzig, dass kein Mensch es hätte leertrinken können. Aber diese Tatsache lag nicht am Salz allein! Woran lag es dann? Was war passiert?
Wir wollen nicht lange darum herumreden. Es war Folgendes Ungeheures passiert. Des Geschichtenerzählers geliebtes weibliches Wesen hatte sein Leben auf Erden mit dem im Jenseits tauschen müssen oder einfacher ausgedrückt: Das innig geliebte weibliche Wesen des Geschichtenerzählers war gestorben, also tot. Obwohl man nicht weiß, was eine Maus mit dem Tod zu tun hat, kann man auch sagen: Hellen, so hieß ihre Lieblichkeit … äh … das innig geliebte Frauchen des Hundes des Geschichtenerzählers, war nicht nur tot, sondern mausetot. Aber auch Muff, so hieß seine Deftigkeit … äh … der innig geliebte Hund des Geschichtenerzählers, war nicht nur tot, sondern auch mausetot. Wie gesagt, beider Seelen hatten das Quartier gewechselt und beider Herrchen war sehr traurig und weinte, weinte den eben erwähnten ganzen See voller Tränen voll … schlurz … schlurz!
Eigentlich keine ausgesucht schöne Geschichte für einen ausgesucht schönen Geschichtenerz … äh … egal, die Geschichte muss trotzdem erzählt werden. Ganz einfach deswegen, weil Ungeheuerliches folgen könnte, würde, täte. Aber schildern wir doch zuerst einmal die Hauptfigur von allem, nämlich die des trauernden Hinterbliebenen beider, dem Geschichtenerzähler.
Dieser selbst war ein schlaksiger junger Mann mittleren Alters, aber kein Mann aus dem Mittelalter. Dafür war er, statt mit einer glänzenden Ritterrüstung, mit träumerisch schönen Augen ausgerüstet, denn er war ein Träumer, genau wie seine über alles geliebte Hellen eine Träumerin war. Beide träumten den lieben langen Tag nur von schönen Dingen und davon gab es für beide sehr viele träumenswerte schöne Dinge und das jeden Tag. Ja, in beider Leben kam kaum etwas vor, was hätte schöner sein können. Wenn aber etwas nicht so schön war, wie es gestern war, dann nahmen sich beide in die Arme, sahen sich verliebt an, gaben sich einen Kuss, schlossen ihre Augen und träumten. Sie träumten davon, dass alles so schön bleiben würde, wie es vorher war, nämlich genau so schön wie gestern, wie vorgestern, einfach so schön wie immer. Am schönsten war es, wenn es schön war!
Das aber ging in diesem Falle nicht mehr, denn nicht nur Hellen, das geliebte Frauchen, war nicht mehr da, auch Muff, der geliebte Schäferhund, war nicht mehr da. »Nun gut, ein neues Frauchen konnte man sich leider nicht kaufen, aber vielleicht einen neuen Schäferhund«, dachte sich der Denker. »Beispielsweise könnte man einen jungen Schäferhund kaufen, ihn zu einem Suchhund ausbilden und anschließend auf die Suche nach einem neuen Frauchen auf die Fährte schicken. Das wäre ein schönes, neues Leben«, träumte der von aller Welt Verlassene. Seither drehte sich an diesem unzweifelhaft unschönen Tag, sein schönster Traum nur um eins und das schrie er laut und deutlich in alle Welt hinaus:
»Ein neuer Hund muss her!«
Er legte die Hundeleine auf seinen Schoß und dachte an das Frauch… äh … Hundchen. »So, das zuerst einmal! Dann vielleicht auch eine neue Hellen?« Das wäre ganz nach seinem Geschmack. Er streckte seine Arme von sich, dehnte sich genüsslich aus, schloss seine träumerischen Augen und träumte sofort wieder, wieder von einem schönen Leben, mit einem schönen neuen Hund, könnten auch derer zwei sein, und/oder mit einem schönen neuen Frauchen, könnten auch derer zwei … äh … gehört hier nicht hin, oder? Na ja, ist ja eigentlich auch egal. Obwohl er eher reich an Phantasie als reich an Geldscheinen war, schrie er, genau und so laut und deutlich wie zuvor in alle Welt hinaus:
»Koste es, was es wolle!«
Dabei war natürlich nicht das Frauchen, sondern nur der Hund gemeint, obwohl Herrchen manchmal sehr spendabel sein konnte! Aber weiter im Text!
Nun macht die Suche nach einer schönen und neuen Welt, also die Sehnsucht nach einem schönen neuen weiblichen Wesen und nach einem schönen neuen Schäferhund, erfinderisch. Auf jeden Fall erinnerte sich der Geschichtenerzähler daran, dass er eine Bekannte hatte, die eine Mutter hatte. Das war normalerweise eigentlich nichts Besonderes, denn jede Person, also auch die Bekannte des Geschichtenerzählers, hatte eine Mutter. Jedoch, bei dieser Feststellung, dass jede Person logischerweise auch eine Mutter hatte, kam in diesem Fall aber etwas sehr Wichtiges hinzu. Die Mutter der Bekannten des Geschichtenerzählers hatte nämlich nicht nur eine Tochter, sondern derer zwei. Ja, was für ein Hammer, kreisch, kreisch. Wäre der Geschichtenerzähler jetzt unseriös gewesen, hätte er das Gekreische ausgenutzt, eine teure Telefonnummer sich geben lassen, mittels der man per Rückruf die Antwort auf folgende Fragen hätte geben können:
»Wer war die zweite Tochter der Mutter der Bekannten des Geschichtenerzählers? War es …?
A: Farah Diba, die Kaiserin von Persien?
B: Fräulein Diba, die Schwester der Bekannten?
C: Ferkel Diba, das Schweinchen vom Bauernhof?«
»Alle hätten gewonnen?« Wie das denn? Natürlich, im Vertrauen gesagt, wir alle haben gewonnen, egal, welche Antwort für richtig festgestellt wurde. Fest steht, alle haben jetzt gewonnen! »Wieso haben alle jetzt gewonnen?«, fragen einige Ungläubige. »Ja, ganz einfach deswegen, weil sich jeder, mangels Angabe einer Telefonnummer, die teuren Rückrufkosten erspart hat, oder hatte jemand angerufen? Wenn ja, wo? Wenn nicht, dann ein Hurra auf die Gewinner! Gratulation und einen Champagner darauf, Hurra!«
Aber Spaß beiseite, der Ernst muss her!
Aber das war zur Zeit völlig unwichtig, also der Tatbestand, dass die Bekannte eine Schwester hatte. Wichtig war nur der Tatbestand, dass die Schwester der Bekannten des Geschichtenerzählers auch einen Freund hatte. Sein Name war Ernst. (War das der Ernst, der dem Spaß hatte weichen müssen? Keiner weiß nichts Genaues.) Im Grunde genommen war das auch nichts Außergewöhnliches, also eher etwas völlig Normales. Aber was war in einer Beziehung schon normal? Nun gut, jede halbwegs normale Frau liebt einen halbwegs normalen Mann, zumindest einen halbwegs Normalen, okay? Nun gut, jeder halbwegs normale Mann liebt eine halbwegs normale Frau, zumindest eine halbwegs Normale, okay? Nun gut, manche Frau liebt eine Frau, mancher Mann liebt einen Mann, und alle finden das völlig normal, zumindest halbwegs normal. Aber das alles hat des Öfteren schon zu Mord und Totschlag geführt. Für manche okay, für manche nicht okay, je nach Betrachtungsweise.
Aber, Schluss jetzt mit normal okay? Schalten wir von normal weg, aber wohin? Hellen hätte das gewusst, zumindest darüber diskutiert. So oder so, sie hätte das mit weiblicher Schläue herausgefunden. Hellen ist aber leider nicht mehr da. Versuchen wir es also mit ihrer ach so liebenswerten Logik trotzdem: Also, wie gesagt, lassen wir ihre Logik sprechen und fragen sie: »Wohin müssen wir hinschalten, um an einen neuen Hund zu kommen?« »Ist doch ganz logisch«, war die Antwort, »geschaltet wird meist an einem Hebel, beispielsweise …«
Eine Rennradfahrerin oder ein Rennwagenfahrer, natürlich auch umgekehrt, also ein Rennradfahrer oder eine Rennwagenfahrerin (lang lebe die Gleichberechtigung) können nach Rennende schalten. Schalten könnten sie beispielsweise vom fünften in den sexten … äh … sechsten Gang. Ist ja auch völlig egal, wo nach Beendigung des Rennens hingeschaltet wird. Hauptsache ist, dass einer umgelegt wird, ein Hebel natürlich. Wohin? Schauen wir mal!
Mangels beweglichem Untergrund können manche Leute nur zu Hause schalten und walten, wie sie wollen, aber dann, im Gegenteil zu beweglichen, nur bei standfesten Geräten. Nehmen wir mal den Kühlschrank. Hier könnte man beispielsweise von normal, also dem Zustand der Anlieferung, über kalt und kälter auf ganz kalt, also auf Eis, schalten. Nehmen wir mal den Backofen. Hier könnte man beispielsweise von normal, also dem Zustand der Anlieferung, über warm und wärmer auf ganz warm, also auf heiß, schalten. Aber jetzt Schluss mit könnte und Eis oder heiß. Tatsache ist, es muss geschaltet werden. Bleibt nur die Antwort auf die Frage offen: Ja, wenn schon geschaltet werden muss, dann wohin? Ja, wo schalten die denn wohin?
Jetzt werden alle energiesparenden Umweltschützer - oder alle die Umwelt schützenden Energiesparer - das Meer der Tränen anreichern. Es muss nämlich, wie gesagt, geschaltet werden und zwar von normal auf heiß, denn heiß wird die Spur. Damit ist allerdings nicht die Spur gemeint, die zu Ostern der Papa der Mama auf der Suche nach seinen versteckten Eiern legt, sondern heiß wird die Spur auf der Suche nach einem neuen Hund.
Zum besseren Verständnis könnte man ja auch mal einen Gag mit vertauschten Rollen bringen, beispielsweise einen Gag, bei dem sich beide Spuren kreuzen. Also die Spur, auf der sich die nach versteckten Eiern suchenden Ehegattin befindet, mit der Spur, auf der sich der, nach versteckten Hunden suchende Geschichtenerzähler befindet.
Hallo Fans und Fansinen des Geschichtenerzählers, wollt ihr das?
Jaaaaaaa!
Na gut, ihr seid es selber schuld, denn so etwas bringen wir doch glatt. Also, beide saßen in einem Auto, an einer Ampel, an einer Kreuzung zweier Straßen. Aber, was kreuzte sich denn da? Ein Pferd mit einem Esel oder ein Esel mit einem Pferd? Ja, was kreuzte sich denn da? Nichts von alledem. Sagen wir es mal so:
Mamas Spur auf der Suche nach Papas versteckten Eiern, nennen wir beispielsweise die Eiermama-Straße. Diese Eiermama hat während der Fahrt gerne einen Strammen neben sich sitzen und zwar so stramm, wie ein Baum. Was ist strammer als ein Baum? Richtig: derer viele! Also, nennen wir die Eiermama-Straße ab sofort die Eiermama-Allee.
Die Eiermama-Allee kreuzt sich mit der Spur des noch immer nach einem Hund suchenden Geschichtenerzählers. Nehmen wir einmal an, der hätte einen Hund gefunden, dann könnte er sich Hundepapa nennen. Demzufolge kreuzt sich die Eiermama-Allee mit der Hundepapa-Straße. Jedoch, hätte der Hundepapa einen Beifahrer dabei, der einen Strammen hätte, wäre er weg, also der Hundepapa wäre weg. Nennen wir diese Straße folgerichtig: Hundepapa-Weg.
Von vorne kam die Eiermama und fuhr über ihre eigene Allee auf eine Kreuzung zu. Dort stand keine Eiche, sondern eine Ampel und was zeigte diese Ampel? Sie zeigte das Übliche, nämlich Rot. »Wo bin ich hier eigentlich«, fragte sie sich, sah ihr eigenes Straßenschild und las Eiermama-Allee. »Nun, ja jetzt bin ich zwar genau so schlau als wie zuvor«, erinnerte sich aber sofort an ihre beiden kleinen Eier da unten und streichelte dieselben. Von der Seite kam der Hundepapa und fuhr über seinen eigenen Weg auf eine Kreuzung zu. Dort stand kein Tannenbaum, sondern eine Ampel und was zeigte diese Ampel? Sie zeigte das Übliche, nämlich Rot. »Wo bin ich hier eigentlich«, fragte er sich, sah sein eigenes Straßenschild und las Hundepapa-Weg. »Nun ja, jetzt bin ich genau so schlau, als wie zuvor«, erinnerte sich aber sofort an seine beiden kleinen Hunde da unten und streichelte dieselben. Wo da der Gag lag? Tauschen Sie doch einfach die Worte Eier und Hunde untereinander aus … hahaha!
Oh, die Ampel wechselte auf beiden Straßen auf Gelb und dann, wie überraschend, für beide Straßen auf Grün. War die Ampel kaputt oder regierte hier die Macht des Schicksals? Auf jeden Fall fuhren beide Fahrzeuge los und berührten sich. Beide Insassen stiegen aus und berührten sich auch. Lassen wir die Macht des Schicksals Schicksal spielen.
Warum unsere Eiermama unterwegs war, wissen wir nicht. Vielleicht wollte sie ja aus den beiden Eiern, für ihren Gatten ein Russisch-Ei machen. Aber, warum war unser Hundepapa unterwegs. Schuld daran war ein Bruder. Allerdings kein Bruder, der mit einer Kutte im Kloster wohnte, nein, es war der Bruder eines Bruders, der mit einem Hund in Oberkassel wohnte. Ob in Düsseldorf-Oberkassel oder in Bonn-Oberkassel, muss noch geklärt werden. Aber, warum des Geschichtenerzählers Suche mit zwei kleinen Hunden nach einem großen Hund? Vielleicht wollte er ja zwei kleine Milchtrinker gegen einen großen Suchhund tauschen! Zuerst einmal, weil sein Hund vor Kurzem verstorben war. Tränen in den Augen, heul, heul. Tränen aus den Augen und dieselben weit auf, er suchte nämlich noch etwas anderes. Er hatte in einem Buch aus dem antiken Griechenland etwas über eine schöne Helena gelesen. Da die Eltern dieses schönen Geschöpfes Götter waren, war die schöne Helena nebenbei auch noch unsterblich, musste also noch leben. Da konnte auf der Suche nach ihr ein Suchhund nur von Vorteil sein.
Aber bringen wir zuerst einmal das Meer der Tränen nicht zum Überlaufen, denn es kann zurückgeschaltet werden. Egal, ob vom Bruder mit der Kutte oder vom Bruder mit der Nutt… äh … schöner Reim, aber leider nicht jugendfrei. Wie man gleich erfährt, in diesem speziellen Fall auch körperlich kaum möglich. Besser man sagt: Der Bruder mit der Kutte würde von heiß auf normal schalten, der Bruder mit dem Hund aber würde von normal auf warm schalten, denn solch ein Bruder war der Bruder des Freundes der Schwester der Bekannten des Geschichtenerzählers. Logischerweise hatte dieser keine Freundin, sondern einen Freund.
Dieser Freund war ein sogenannter väterlicher Freund. Ob dessen junger Freund ein sogenannter kindischer Freund war, kann man zur Zeit noch nicht sagen, klingt allerdings ein bisschen anrüchig. Am besten nennt man ihn, im Gegensatz zum väterlichen Freund, einen, obwohl es so nicht im Duden steht, kinderlichen Freund. Das ist aber im Moment auch völlig unwichtig. Man wollte ja nichts von den beiden Freunden, sondern nur von einem der beiden Hunde der beiden Freunde, denn einer der beiden hatte Nachwuchs bekommen. Natürlich nicht einer der beiden Freunde, das wäre ja wohl kaum möglich gewesen. Nein, gemeint war, von einem der beiden Hunde.
Dieses freudige Ereignis freute natürlich auch den Geschichtenerzähler. Als dann noch bekannt wurde, dass einer der beiden Hunde ausgerechnet ein kleiner Schäferhund war (ach, wie süß), fiel er in einen überaus großen Freudentaumel.
Da seine Bekannte nebst Schwester auf Safari in Afrika weilte, konnte er diese nicht befragen. Mit anderen Worten, um an die Hunde zu kommen, zumindest an einen dieser beiden, musste er alleine herausfinden, in welchem Oberkassel das freudige Ereignis stattgefunden hat. Fangen wir also zuerst einmal mit dem Anfang an!
Verkünder der frohen Botschaft über die Geburt war der Bruder des Freundes der Schwester der Bekannten des Geschichtenerzählers, also der kinderliche Freund des väterlichen Freundes. Name von beiden ist leider unbekannt. Selbiger, also der kinderliche Freund, wohnte bei seinen Eltern in einer Mietwohnung in Düsseldorf. Das lässt vermuten, dass der Wurf, also die Geburt der Hunde, in Düsseldorf statt gefunden hat. Also rückt das Düsseldorfer Oberkassel an erste Stelle (1:0 für Düsseldorf-Oberkassel). Auf der anderen Seite war er Student in Bonn. Dieser Tatbestand favorisierte wiederum Bonn, denn dort an der Uni lernte er bestimmt mehr neue Leute kennen, als zuhause an der Milchbar. Also rutscht das Bonner Oberkassel zügig nach (1:1 für beide Oberkassel).
»Das war wohl nichts«, sagte sich der Geschichtenerzähler, forschen wir doch einmal über den Wohnsitz des väterlichen Freundes nach, denn der zahlt ja schließlich alles. Hier das Ergebnis: Selbiger besitzt zwei Eigentumswohnungen übereinander. Die obere, wegen der großen Dachterrasse auch die Kleine genannt, bewohnten er und sein Student selbst. Die untere, wegen keiner Dachterrasse auch die Große genannt, war, um die Höhe der Nebenkosten zu verringern, vermietet. Damit hier kein Missverständnis für eventuelle Mitsucher aufkommt: Beide Wohnungen waren gleich groß, nämlich je ca. 150 Quadratmeter. Die obere Wohnung hatte einhundert Quadratmeter Wohnfläche und fünfzig Quadratmeter Terrasse. Hier betreute der väterliche Freund nicht nur seinen wunderschönen Studenten, sondern auch seine wunderschöne Rosenzucht. Die untere Etage hatte zwei Appartements von je fünfundsiebzig Quadratmetern. Die Große hieß sie nur deswegen, weil beide Appartements früher eine Wohnung waren, nämlich eine große Wohnung.
Soweit alles in Ordnung, bis auf die Wohnlage, denn die ist identisch mit dem Geburtsort der Hunde, nämlich Oberkassel. Also, nach dem Motto »geteiltes Leid ist halbes Leid« nur einen halben Punkt für jedes Oberkassel, denn es könnte ja jedes der beiden Oberkassel sein! (1½:1½ für beide Oberkassel)
»Ja, verdammt«, sagte sich der Geschichtenerzähler, »mit dem Punkteergebnis kann man nicht einverstanden sein. So geht das nicht. Hohes Schiedsgericht, wir legen hiermit Berufung ein.« Er stand auf, ging nicht spazieren, sondern an den Kühlschrank, entnahm ihm eine Flasche Bier und öffnete dieselbe. Heureka (in der Sprache seiner schönen Helena heißt das: Ich hab’s), sagte er sich, schwang sich hinter seinen Essschreibtisch und überlegte: Was war dieser väterliche Freund eigentlich von Beruf? Vielleicht kommt man ja darüber zu einem besseren Punktestand für das eine oder andere Oberkassel!«
Ach ja, er, also der väterliche Freund, war Drehbuchautor. Der Geschichtenerzähler selbst hatte nämlich einmal eine Geschichte erzählt, mit dem Titel »Warum die Engländer nach dem Zweiten Weltkrieg das Land Nordrheinwestfalen (kurz: NRW) gegründet haben«. Und dieser Drehbuchautor wohnte da, wo einer der Hunde zur Welt gekommen war, nämlich in Oberkassel. Das war wohl nichts. Bleibt immer noch die Frage offen, in welchem Oberkassel. Aber er hatte, Gott sei Dank, noch einen zweiten Beruf. Der Drehbuchautor war auch Gastmoderator im Westdeutschen Rundfunk (kurz: WDR), oder, besser gesagt, im Fernsehen des WDR, also im WDR-TV.
Dort nahm er gerne Leute auf den Arm, natürlich nicht wörtlich, sondern eher sinnbildlich gesehen. In Wirklichkeit nahm er nämlich nur seinen Rauhaardackel auf den Arm, was allerdings für die Gäste seiner Talk-Show zu Pflaster-Arien führen konnte.
Kannte der Moderator den Studiogast nicht so genau, also Händeschütteln und so, dann musste der Gast auf die Schnauze des Dackels fallen … äh … achten. Es konnte nämlich durchaus sein, dass der Gast beim Händeschütteln der Schnauze des Dackels zu nahe kam, dieser, also der Dackel, kurz in den Daumen des Gastes biss und dieser, also der Studiogast, das Studio mit einem Pflaster am Daumen verlassen musste.
Kannte der Moderator aber den Studiogast genauer, also Bussi-Bussi und so, dann konnte es sein, dass die Nase des Gastes der Nase des Dackels zu nahe kam. Dieser, also der Dackel, dann in Selbige des Gastes biss und jener, also der Gast, das Studio mit einem Pflaster verlassen musste. Das Pflaster befand sich dann nicht am Daumen, sondern auf der Nase des Besuchers.
So weit, so gut! Aber jetzt weg vom Dackel und zurück auf die Spur, die uns zu dem kleinen Welpen führen sollte. Womit aber wieder die gleiche Frage dumm rumstand: In welchem Oberkassel lag der WDR? Genauer gesagt: dieses WDR-TV? Nun, es lag in Köln, einer kleinen Stadt mit großem Dom, oder in einer großen Stadt mit kleinem Dom oder, ist doch egal, ganz wie man will. Nur, dieses Köln hat einen großen Nachteil, es hat keinen Stadtbezirk namens Oberkassel.
Das war aber zur Zeit völlig unwichtig, denn wir suchen ja auch kein Oberkassel in Köln. Der Nachteil war, dass dieses Köln genau zwischen Bonn und Düsseldorf lag. Es war also dem Moderator völlig egal, ob er von Bonn-Oberkassel nach Köln und zurück fuhr, oder von Düsseldorf-Oberkassel nach Köln und zurück fuhr. Tatsache aber war: Die Fahrzeit selbst war logischerweise immer dieselbe. Mit anderen Worten,: Kein Plus, weder für das eine Oberkassel, noch für das andere Oberkassel, auch keinen halben Punkt, da bleibt man störrisch, weil Köln keinen Einfluss auf das Ergebnis hat.
Außerdem war das dem Moderator sowieso völlig egal, denn er besaß nicht nur ein Auto, sondern derer zwei, genauer gesagt: zwei Oldtimer. Zum einen einen Mercedes 300, besser bekannt unter dem Namen Adenauer-Mercedes, in dem er sich gerne von seinem Fahrer fahren ließ. Zum anderen besaß er auch einen Porsche-Targa, in dem er sich gerne von seinem jungen Freund fahren ließ. Mit anderen Worten: Er fuhr nie selbst, sondern er ließ gerne einen fahren und in diesem Fall war es ihm völlig egal, wo er einen fahren ließ! Ob jetzt in Bonn-Oberkassel, in Düsseldorf-Oberkassel oder in der kleinen Stadt mit dem großen Dom oder der großen … war ja auch egal. Hauptsache, er hatte einen fahren lassen, war gut angekommen und fühlte sich wohl.
Weniger wohl fühlte sich der Geschichtenerzähler, denn der wusste immer noch nicht, in welchem Oberkassel der Hund begraben war, nein, Pardon, im Gegenteil, wo er geboren worden war, also der Hund. Aber okay, einen halben Punkt für jedes Oberkassel, denn der Moderator konnte in jedem Oberkassel einen fahren lassen, ob jetzt bei seinem kinderlichen Freund im Targa oder … ist ja auch egal. Obwohl das keinen weiterbrachte, also einen halben Punkt für jedes Oberkassel (2:2 für Oberkassel).
So, jetzt blieb dem Geschichtenerzähler nichts anderes übrig als das, was sogenannte späte Mädchen machen, um doch noch an einen Mann zu kommen: er startete den letzten Versuch! Und dieser Versuch bestand aus der Tatsache, dass der Moderator dem DSV (Deutscher Schäferhund Verein) beigetreten war. Richtig geraten, den zweiten Hund konnte er nicht ständig mit sich herumtragen, denn dafür war dieser zu schwer. Ja, wie zuvor erahnt, der zweite Hund war, wie bekannt, ein Schäferhund. Also hatte sich der Moderator einen dritten Oldtimer zugelegt und das war ein VW-Bus. Natürlich nicht irgendein VW-Bus, nein, es war der VW-Bus mit den zu vielen Fenstern. Wiederum richtig geraten, es war der legendäre Samba-Bus von VW und wer es jetzt noch nicht weiß, das war also der Bus mit den zu vielen Fenstern drin oder dran oder drum.
Als zweites kaufte der Moderator für sich und seinen Freund zweieinhalb Fahrräder. Das ist nicht so, als wenn der Kölner Zoo behauptet, dass in seinen Gemäuern jedes Jahr zweieinhalb Kamele geboren werden. In Köln laufen zwar viele Kamele herum, aber es wurde noch nie ein halbes Kamel gesichtet. Na ja, redete sich der Pressesprecher heraus, wir meinten das natürlich rein statistisch gesehen.« Ob man es glaubt oder nicht, auch in Köln wurde, rein statistisch gesehen, noch kein halbes Kamel gesichtet, sondern nur ganze Kamele! Übrigens, bevor ein Düsseldorfer einen Lachkrampf bekommt: Gemeint sind nicht die Besucher des Zoos, sondern dessen Tiere oder besser gesagt, dessen Kamele!
Aber darum geht es hier ja nicht, sondern es dreht sich alles um die zweieinhalb Fahrräder des Moderators und das nicht nur rein statistisch gesehen, sondern diese zweieinhalb Fahrräder waren reell, also vorhanden und das kam so:
Je ein Fahrrad mit je zwei Rädern hintereinander kaufte er für sich und seinen neuen Freund. Bleibt noch das halbe Rad, oder besser gesagt, das fünfte Rad der statistischen zwei-einhalb Fahrräder. Dieses war natürlich nicht für den Hund, sondern für den Moderator gedacht. Nicht, dass dieser damit als Einrad-Artist im Zirkus Roncalli auftreten wollte oder ein Superfahrrad mit drei Reifen hintereinander, um damit im Guinness-Buch der Rekorde zu landen. Nein, das alles war es nicht. Des Rätsels Lösung war ein simples Dreirad und zwar deshalb, damit der Schäferhund ihn beim Gassifahren nicht vom Rad reißen konnte.
Zwischen den beiden Hinterrädern seines Dreirades hatte er sich einen hellen Bastkorb installieren lassen, nebst Wasser und Napf für den Hund und Cola nebst zwei Bechern für sich und seinem Freund. Falls die beiden Freunde unterwegs schlapp machten, gab es da noch einen Picknickkorb und falls der Hund unterwegs schlapp machte, gab es da noch eine Wolldecke. Diese natürlich nicht zum Zudecken, sondern zum darauf liegen.
So ausgerüstet sah man den Samba-Bus des Öfteren in … äh … an den Rhein fahren. Dort ließ man den Bus stehen und radelte weiter zum Trainingsplatz des DSV, denn aus dem Schäferhund sollte ein echter Suchhund werden, also ein, nach der schönen Helena suchender Schäferhund.
Einige Zeit später: Prüfung bestanden! Als Belohnung durften die Hunde nachlaufen spielen.
Einige Zeit später: Die Schäferhündin warf zwei Junge, und zwar nicht weg, sondern in ihr Körbchen.
Einige Zeit später: Der Geschichtenerzähler wollte eins der Jungen haben. Bleibt nur die eine Frage immer noch offen: Aus welchem der beiden Oberkassel könnte er eins abholen, denn das Vereinsheim lag in keinem der beiden.
Also, dachte er sich, vielleicht bekommt man dieses ja über das Internet heraus. Er ging hinunter ins Internet–Café, chattete so dumm herum und bekam Kontakt mit einem bildhübschen Mädchen. Obwohl hellblond, war selbiges alles andere als dumm, denn es hatte sich die Haare rot färben lassen und verabredete sich mit ihm auf einem Hotelschiff, das von Koblenz nach Düsseldorf fuhr.
Also, dachte er sich, vielleicht ein kleines Abenteuer erotischer Art. Demnach, raus aus dem Bett, man kann ja nie wissen und rein ins Bad. Sein Nachthemd brauchte er nicht gesondert auszuziehen, weil er es nicht trug, sondern er lag auf selbigem, was folgenden Grund hatte:
Seine Bekannte hatte ihm nämlich ein Frühlingsnachthemd gebastelt. Nun, da muss man wissen, dass sie Hobbymalerin war und zwar malte sie auf edlem Stoff, nämlich auf Seide. Sie war also Seidenmalerin. Und was tat diese Seidenmalerin? Nun, sie kaufte einen ganzen Meter von diesem sündhaft teuren Material und bemalte dasselbe mit weißem und lila Flieder. Dann schnitt sie einen Streifen für den Gürtel ab, einen für das passende Stirnband, einen für den Kragen und der Rest wurde noch einmal geteilt in ein Vorderteil und ein Rückenteil. Das Endergebnis war als Lätzchen zu groß und als Nachthemd zu klein. Also lag er auf dem guten Stück und träumte von einem neuen Hund.
Aber genug geträumt und ab ins Bad. Er befreite sich von seiner Bettdecke, vom Nachthemd ging das aus bekannten Gründen ja nicht, schnappte sich ein Badetuch und ab ins Bad. Seltsamerweise öffnete er aber, statt der Badezimmertür die Wohnungstür. Er wollte sie gerade wieder schließen, aber was sah er denn da? Auf Augenhöhe, also auf der oberen Stufe des Treppenhauses lag, gemütlich ineinandergekuschelt, eine wunderschöne, blondgelockte Katze. Ihre blauen Katzenaugen blickten direkt in seine braunen Träumeraugen. Sie schnurrte und es war, als würde sie dabei sagen:
»Hallo, Geschichtenerzähler, da bist du ja.
Ich bin es, deine schöne Helena!«
»Was für ein Unsinn«, sagte sich der Angesprochene und rieb sich die Augen. »Eine Katze, die spricht und das auch noch in Versen. Ja, sind wir denn hier in der Bibel? Alles unmöglich!« In diesem Moment entrollte sich die Katze, setzte sich aufrecht und schnurrte:
»Erzähl nicht so viele Geschichten.
Du musst keine Neuen mehr dichten.
Erzähl nur die Eine, nämlich die Meine!«
Dann stand sie auf, streckte sich und ihre wunderschönen blauen Katzenaugen blickten nicht mehr in zwei wunderschöne braune Träumeraugen, sondern in zwei verduzt blickende Normalaugen. Eilig kam sie die Stufen hinunter, rieb ihr wunderschönes Köpfchen an seinen wunderschönen Bein … äh … vergessen wir wo und folgen ihrem wunderschönen Versprechen. Sie hob eins ihrer Vorderpfötchen hoch und versprach:
»Hast du die Meine dann geschrieben,
wirst du einer Alten schnell erliegen!«
Er überlegte sofort: Ob alt oder jung, das ist doch völlig egal, zumindest in diesem Falle, denn auch ältere Semester haben ihre Reize. Die Frage lag ganz woanders, nämlich darin, ob er lieber einer Blondinen oder einer Brünetten erliegen würde oder vielleicht …? Da unterbrach die Katze seine frivolen Gedanken:
»Kein Gezeter, kein Gejammer,
Such dir ’nen neuen Hund.
Schreib ein P in deine Klammer!«
Alles hat so seinen Grund.«
Er wollte das Kätzchen da unten an seinen Beinen gerade streicheln, da lief selbiges davon, nicht irgendwo hin, sondern die Stufen hinauf. Es blieb plötzlich stehen, blickte zurück, nicht im Zorn, sondern mit einem Augenzwinkern:
»Ach so, eins musst du noch tun,
und das ist ungelogen.
Du darfst nicht weiter ruhen.
Such ’nen Archäologen!«
Und schwupp, weg war sie. Die, zumindest in diesem Augenblick, so geliebte, blondgelockte, blauäugige Katze namens schöne Helena.
Der Geschichtenerzähler schüttelte sich und dachte: »Unmöglich, eine Katze namens Schöne Helena!« Außerdem sollte es ja keine Katze, sondern ein neuer Hund sollte es sein. Ach so, ja, er musste doch nach Oberkassel, um den neuen Welpen zu erwerben. Na ja, obwohl er noch nicht viel davon hielt, aber die schöne Helena wollte es ja auch so! Nach dem Motto: Doppelt gemoppelt hält besser, lief er schnell in seine Wohnung zurück, verpasste diesmal die Tür zum Bad nicht, legte das Badetuch auf den Heizkörper und wollte gerade unter die Dusche. In diesem Moment hatte er eine Idee, die ihn förmlich hypnotisierte.
»Moment mal«, sagte er sich, »diese schöne Helena-Katze interessiert sich nicht die Bohne darum, ob er oben liegt, unten liegt, er-liegt, sie-liegt. Alles das war ihr völlig egal. Ob er einer alten Blondinen, Schwarzen oder Karierten erliegt, war ihr genauso egal. Nein, das alles wollte sie gar nicht wissen. Es ging um ihre eigene Geschichte! Was hatte sie eigentlich alles gesagt?
»Erzähl nur Eine, nämlich die Meine!« Etwas später ergänzte sie die Forderung mit der Feststellung: »Hast du die Meine dann geschrieben, wirst du einer Alten schnell erliegen!« Oder so ähnlich zumindest. Das mit dem P in der Klammer musste er noch herausfinden, denn er trug keine Klammer, weder in seinem Mund, noch sonst wo!
Die Sache lag ganz woanders. Er, also der Geschichtenerzähler, wollte ursprünglich eine Geschichte über eine Ausgrabung schreiben, bei der eine alte Liebesgeschichte gefunden wurde, und zwar eine über die schöne Helena. Die Geschichte mit der Ausgrabung war natürlich erfunden, die mit der schönen Helena aber nicht, denn sie ist, wie wir wissen, ein Teil der griechischen Sage!
Und jetzt scheint sich das alles geändert zu haben, denn dann machte das auch einen Sinn, mit dem Archäologen und so. Gehen wir mal der Reihe nach, sinnierte er:
»Erstens scheinen die Ausgrabungen tatsächlich stattgefunden zu haben oder sie finden in naher Zukunft statt. Zweitens scheint tatsächlich eine alte Geschichte dabei gefunden worden zu sein oder wird sich finden. Drittens scheint es sich um eine Geschichte über die schöne Helena zu handeln, denn warum nannte die Katze sich nach ihr? War sie es vielleicht, die ›simsalabim‹, verwandelt? Woher wusste diese Katze das alles?«
Eins war ganz sicher. Um das herauszufinden, musste er die Geschichte dieser Katze erzählen. Das war ganz sicher, aber woher nehmen, wenn nicht stehlen. »Die Katze ist es«, dachte er sich: »Die musst du nicht stehlen, sondern die brauchst du nur zu fangen. Also, warum hier dumm herum sitzen? Raus, und die Katze fangen, aber etwas plötzlich! Ansonsten läuft ein Sensationsfund Gefahr nicht gefunden zu werden!« Das musste er sofort verhindern. Das konnte er aber nur, solange die Katze noch da war, zumindest noch irgendwo im Treppenhaus herumstöberte.
Lauf, lauf, ins Treppenhaus: Selbiges, wie immer, leer! Schau, schau, nach oben zum Speicher, keine Katze da. Miez, miez, ein leiser Ruf nach der schönen Helena schallte durchs Gebälk! Keine Antwort, kein Geschnurre, einfach nichts! Schau, schau, nach unten, keine Katze da. Quiiietsch, es passierte doch da unten etwas, die Haustüre wurde geöffnet. Brauuus, ein Luftstrom durchzog das ganze Treppenhaus wie Donnerschall. Es folgte ein Bums, ganz einfach nur Bums. Allerdings ein Bums mit verblüffend großer Nachwirkung, denn mit dem Bums fiel die Wohnungstür ins Schloss und die Tür war zu. Nicht irgendeine Türe fiel ins Schloss, nein, es war das Eingangsportal zum Palast des Katzenjägers. Hinter selbiger fand jetzt geschlossene Gesellschaft statt. Keiner durfte und konnte nicht mehr hinein. Paff, war der zum Comic-Schreiber gewordene Geschichtenerzähler. Peinlich war es dem zum Nackedei gewordenen Mieter, denn die Person, die die Treppe emporschritt, war keine Geringere, als die Schwester der Vermieterin der kleinen Wohnung des Geschichtenerzählers und dieser stand nicht, wie gewollt, pudelnackt unter seiner Dusche. Nein, eben nicht, er stand zwar pudelnackt da, aber nicht unter seiner Dusche, sondern vor seiner geschlossenen Haustüre! Wo bleiben die Blumen, beispielsweise Schlüsselblumen … hahaha. Peinlich, peinlich, was konnte man tun? Kennt jemand jemanden, der Feigenblätter verkauft? Na ja, es lebe der Galgenhumor!
Dazu muss man Folgendes bedenken. Unten war das Internet-Café, dessen Betreiber zusammen mit der Hausbesitzerin auf der ersten Etage wohnte. (Nur der Ordnung halber: Es waren nicht mehrere Betreiber, sondern nur ein Betreiber.) Wenn man also die Treppe herauf kam, wohnte geradeaus die Hausbesitzerin mit dem Betreiber, also ihrem Lebensgefährten. Direkt daneben, also, wenn man die Treppe heraufkam, auf der rechten Seite, direkt neben der Wohnung der Hausbesitzerin, wohnte, mit Fenster zum Hof hinaus, der Geschichtenerzähler. Auf der linken Seite führte eine Treppe zum Speicher und noch weiter links wohnte die Schwester der Vermieterin. Vor ihrer Türe standen zur Zeit zwei Umzugskartons. Übrigens, der Speicher war nicht nur Speicher, denn einen Teil davon hatte sich der Sohn als Mansardenwohnung ausgebaut, also der Sohn der Vermieterin, deren Schwester soeben die Treppe emporschritt.
Da stand der Ausgeschlossene nun. Nicht nur mit ohne Katze, sondern auch mit ohne Hose. Es war zwar zehn vor zehn, aber er stand nicht pudelnackt vor seinem Fenster, sondern, wie gesagt, pudelnackt vor seiner Haustüre. »Laufe schnell hinunter ins Internet-Café«, dachte er sich, »und rufe bei deinem besten Freund Knauchi an, um selbigen zu bitten, die, in dessen Besitz befindliche Ersatzschlüssel, vorbeizubringen.« Gesagt, getan.
Er wollte gerade die Treppe hinunterlaufen, da sah er in dem spiegelnden Treppenhausfenster nicht nur seine nackte Gestalt, sondern auch die der Schwester seiner Vermieterin. Diese natürlich nicht un-, sondern bekleidet. Wie gesagt, sie kam gerade um die Biegung der Treppe herum und, wie gesagt, peinlich, peinlich! Also, herumdrehen und so tun, als ob er gerade die Wohnungstür öffnen wollte. Er wollte nach dem Schlüssel greifen, aber wie einem nackten Mann in eine Hosentasche greifen, die, aus bekannten Gründen, logischerweise gar nicht vorhanden war. Also drehte er sich, aus welchem Grund auch immer, mit dem Gesicht zu seiner Wohnungstür und …
… die Treppenbesteigerin machte eine Drehung und betrat die Stufen nach oben zur Wohnungstüre. »Oh, wie charmant, junger Mann, schöner Rücken kann auch entzücken, hahaha«, ging zwei Stufen weiter und sagte mit sicherem Blick: »Draller Po, sowieso, hahaha«, plapperte weiter und blieb abermals stehen: »Sie brauchen sich darüber doch nicht zu schämen, dass Sie ein Treppenhausflitzer sind, hahaha, sieht doch alles propper aus, junger Mann, hahaha!« Zwei Stufen weiter gönnte sie sich erneut eine Pause. »Oder sind Sie der Azubi eines mächtigen Zauberers, der es seinem Meister nachmachen und sich selbst in einen mächtigen Zauber verwandeln will?« Mächtige Kreise beschrieben dabei ihre Handbewegungen, die er, mangels Augen auf dem Rücken, nicht sehen konnte. »Und sich durch eine verschlossene Türe hindurchbohren, hahaha, … äh … mit den Augen hindurchstarren wollen, hahaha.« Sie stieg weiter nach oben. »Oder sind Sie ein Gesundheitsfanatiker und suchen die Sauna oder warum sind Sie denn so luftig bekleidet, hahaha? Übrigens«, sie stieg die letzten Stufen zur Türe empor und zwar vor die Türe, vor der ihr immer noch nacktes Objekt ihres Interesses stand. »Wenn Sie ohne fremde Hilfe hinter diese Türe kommen würden, fänden Sie hinter derselben nur eine Dusche vor sich. Anders würde es sich mit der Türe daneben verhalten, hinter dieser gäbe es zumindest eine Badewanne, hahaha und einen Bademantel natürlich.« Sie war oben auf dem Treppenprotest … äh … Podest angelangt, tippte ihm auf die Schulter und hauchte: »Übrigens, ich bin Ihre Nachbarin!« Höflich, wie es der Geschichtenerzähler nun mal war, drehte er sich um und …
Jeder Leser, jede Leserin und fast jede Leserette könnte sich jetzt, je nach Temperament, phantasievoll ausmalen, wie das Ganze weitergehen könnte. Er könnte ihr beispielsweise in ihre Badewanne … äh … ihr Badezimmer folgen, den angepriesenen Bademantel anziehen, damit hinunter in das Café laufen und von dort seinen Freund Knauchi anrufen …
… da hörte er sie sagen: »Schöner Bauch, übrigens auch«, sah aber dabei, dass ihre Augen etwas tiefer blickten. Schnell postierte er seine linke Hand über das angesehene Objekt, gab die rechte Hand an sein angenehmes Gegenüber und konterte: »Oh, wie charmant, junge Frau, aber ich suche keine Sauna, ich war eigentlich auf dem Weg nach unten in ihr Café.« »So,so, Sie wollten also in dieser üppigen Bekleidung in das Lokal da unten, hahaha. Könnte ich dafür freundlicherweise eine Erklärung bekommen?«
Er nahm die ihr gereichte Hand wieder zurück und ein Lächeln folgte: »Aber selbstverständlich, gnädige Frau. Wie Sie wissen, ist mein Muff, also mein Schäferhund, gestorben. Mit Ihrer Genehmigung … äh … also mit der Genehmigung Ihrer Schwester oder Ihres Schwagers, ist ja auch egal, durfte ich mir in meiner Wohnung einen neuen Muff zulegen. Dann gab es da noch eine Vereinbarung, nämlich die, dass, wenn der Hund über Nacht im Lokal übernachten … »Warum so nervös, junger Mann«, legte ihre Hand auf seine Schulter, blickte in seine Augen, »würde ich auch gerne …«
»Würde der Lebensgefährte ihrer Schwester sogar den Anschaffungspreis übernehmen, vorausgesetzt, ich würde mit ihm, gemeint ist natürlich nicht der Lebensgefährte Ihrer Schwester, hahaha, sondern mit dem neuen Hund, täglich Gassi gehen.« »Moment mal«, unterbrach sie ihn, »wenn ich das richtig verstehen soll. Sie galoppieren hier pudelnackt durch das Treppenhaus, weil Sie sich einen neuen Hund zulegen wollen?«
»Nein, nein, gnädige Frau, deswegen natürlich nicht, da war etwas ganz anderes. Ursprünglich wollte ich, wie Sie wissen, einen neuen Hund erwerben. Ich wollte duschen, um dann nach Oberkassel zu fahren. Nach welchem Oberkassel ich jetzt fahren sollte, stand noch nicht fest. Es gibt bekanntlich derer zwei. Eins in Bonn und eins hier in Düsseldorf …« »Nun, seien Sie mal nicht so nervös, junger Mann«, setzte sich auf einen der Umzugskartons, »Setzen Sie sich zu mir«, und klopfte neben sich auf den Karton.
Gehorsam setzte er sich. »In einem der beiden Oberkassel war gerade der Gegenstand meiner Begierde geboren worden, nämlich ein neuer junger Hund, gnädige Frau.« Sie drehte sich zu ihm, sah ihm erneut in seine Augen: »Das ist aber komisch. Habe ich da richtig gehört, Sie begehren Hunde?«
»Nein, natürlich nicht, gnädige Frau, ich wollte ihn nur abholen, wollte aber vorher noch schnell duschen. Auf dem Gang zur Dusche verwechselte ich die Tür zum Bad mit der zum Treppenhaus …« »Ach ja«, sagte sie, »jetzt verstehe ich. Ich kenne auch ein Objekt der Begierde«, atmete tief durch, legte ihre Hand von seiner Hand weg auf seinen Schenkel und sah ihm dabei tief in die Augen. »Auf jeden Fall verstehe ich jetzt, warum Sie pudelnackt durch das Treppenhaus jagen, denn wer geht schon, um zu duschen, mit Klamotten, statt mit ohne Klamotten ins Bad, und dann die Tragik mit den Türen, hahaha«, strich sich mit ihrem Zeigefinger unter ihre Nase schniefschnief und lachte. »Allein das Wortspiel. Jemand läuft pudelnackt, oder besser gesagt, nackt wie ein Pudel, durch einen Hausflur, um einen Hund zu suchen, hahaha. Warum nimmt er nicht gleich den Pudel! Hahaha. Allerdings habe ich noch nie einen nackten Pudel gesehen, höchstens einen begossenen, wie Sie jetzt beispielsweise, hahaha.« Sie rückte etwas näher an ihn heran. »Da gibt es höchstens geschorene Pudel oder haben Sie schon mal einen nackten Pudel gesehen, Sie junger, nackter Mann, Sie?«
»Nein, nein, gnädige Frau, das war völlig anders«, nahm ihre Hand von seinem Schenkel, hielt diese fest, rückte etwas ab, lächelte zurück. »Als ich die Türen verwechselte, hatte ich natürlich ein Handtuch in der Hand. Draußen traf ich dann die überirdisch schöne blondgelockte Katze, die mich zu kennen schien, denn sie sagte so etwas ähnliches wie: ›Endlich bist du da, tralala, oder hallejuja. Deine schöne Helena.‹ Kann auch anders herum gewesen sein oder überhaupt ganz anders. Oder so!« »Moment mal, junger Mann. Jetzt suchen Sie auch noch eine Katze und behaupten allen Ernstes, dass Sie mit einem Handtuch beladen, Ihr Domizil verlassen haben, um einen Hund zu suchen. Sie fanden aber, statt des begehrten Hundes, eine schöne Katze. Verrückter geht es ja nun wirklich nicht. Übrigens, wo ist das Handtuch geblieben?«, sah ihm abermals tief in die Augen und fragte: »Sie stehen doch nicht etwa unter Drogen? Denn das würde doch einiges erklären. Hahaha.«
»Das würde ich nie tun, keine weichen und keine harten Drogen, wenn Sie aber ein Bier hätten«, lachte er und bemerkte dabei, dass ihre Augen von seinem Gesicht etwas tiefer gerutscht waren und hörte folgendes: »Aber eine ganz andere Frage. Sie liefen mir eben in Ihrem sehr sexy Kostüm, also mit nichts an, entgegen und dann sehr schnell wieder nach oben davon, warum? Übrigens bitte ich vielmals um Entschuldigung für den Drogenverdacht«, legte einen Arm um seinen Nacken, zog ihn etwas näher an sich heran, ein Bussi auf die linke Seite seines Gesichtes, ein weiteres Bussi auf die rechte Seite seines Gesichtes und einen dicken Schmatz in die Mitte seines Gesichtes, also direkt auf seinen Mund. »Ich bin übrigens die Franziska, Freunde nennen mich aber Franzi oder Fany, mein lieber Freund.«
»Ich bin der Ricky«, gab ihr einen Kuss, »liebe Franzi, hier fehlt aber der Champagner«, sagte er lächelnd und stand auf, als ob er selbigen holen wollte. »Ach, papalapap, junger Mann, aber, wo Sie gerade stehen, schauen Sie doch mal in dem Karton da drüben nach, ob darin sich etwas für Sie zum Anziehen befindet.« Sie sah ihm zu, plapperte weiter und fragte ihn unter anderem: »Was ich vorhin wissen wollte. Warum sind Sie mir vorhin entlaufen, war es wegen meines Alters?« Sie erhob sich ebenfalls, näherte sich ihm erneut und legte eine Hand auf seine Schultern. »Ich selbst kenne da keine Grenzen. Wo wollten Sie eben eigentlich hin, so früh und so nackt?«
Beide griffen in einen der Kartons und sahen sich dabei an. »Nun ja, gnädige Frau, … äh … Franzi, wie ich schon sagte, ich wollte eigentlich in Ihr Café da unten und meinen Freund anrufen.«
Verdutzt setzte sich die vor den Kartons stehende Zuhörerin auf einen derselben, nahm seine alles verdeckende Hand in ihre eigene Hand und sah von unten nach oben: »Oh, junger Mann, habe ich das richtig verstanden, wenn Sie unbekleidet, also nackt sind, dann rufen Sie einen Freund an und nicht eine Freundin, oh Entschuldigung«, legte seine Hand wieder auf das ehemals verdeckte Objekt zurück, »haben Sie eigentlich ein weibliches Wesen als Freundin?«
»Nein, gnädige Frau … äh … Fine, … äh …, ja, natürlich«, stammelte er, »nicht, was Sie da denken, natürlich hatte ich eine Freundin, sie hieß Hellen, nur sie ist leider gestorben, meine Bekannte ist auf Safari und mein Freund Knauchi eben nicht. Der hat aber noch die Ersatzschlüssel und deshalb wollte ich ihn bitten, diese mir zu bringen.« Sie steht wieder auf: »Nun ja, jedem Tierchen sein Plaisierchen, konnte ich mir auch nicht vorstellen«, sagte sie sichtlich erleichtert, »ich wollte eigentlich nur die beiden Kartons, die da vor uns stehen, für den Umzug meiner Tochter abholen. Deswegen kann ich hier nicht weg, weil die gleich kommt und die Kartons abholen will. Aber holen wir zuerst einmal einen Bademantel oder so etwas ähnliches, aus meiner Wohnung.« Sie griff in die Seitentasche ihres Jeans-Rocks. »Oh, ich habe die Schlüssel im Café gelassen. Aber so, wie du hier vor mir stehst, kannst du natürlich da unten nicht hineingehen, zumal da auch die beiden Mathilden sitzen«, öffnete ihren Minirock, »du weißt doch, dass die eine nicht matt ist und die andere nicht Hilde heißt, hahaha, sondern sie heißen beide tatsächlich Mathilde.« Dann ließ sie den Rock gekonnt nach unten gleiten, setzte sich und zog ihn aus, natürlich nicht ihn, den Gesprächspartner, der war ja schon ausgezogen, sondern ihn, den Rock.
»Oh, wie gerecht von der Dame«, sagte sich der alles Erwartende, »wenn gemeinsam schon keine Schlüssel, dann gemeinsam auch keine Klamotten, leider auch gemeinsam kein Sofa und dann kommt auch noch die Tochter, das kann ja heiter werden.« Sie unterbrach seine Kalkulationen. »Hier, ziehen Sie diesen an«, reichte ihm ihren Mini, »da sehen Sie bestimmt sehr sexy drin aus, hahaha. Wenn Sie deswegen jemand dumm ansieht, sagen Sie ganz einfach, Sie seien ein armer Schotte und bäten um einen milden Whisky hahaha!«
Schnell hatte er mit beiden Händen zum Rock gegriffen, denn schnell musste er etwas verbergen und das war keine seiner Hände. »Ist doch egal, diesen Rock haben schon andere getragen, beispielsweise du.« Da nahm sie ihn wieder zurück, also den Rock. »Geht leider nicht, junger Mann, denn dann stünde ich hier oben ohne meinen Rock vor Ihrer Wohnungstür und Sie … äh … du da unten mit meinem Rock vor der Lokaltür. Hahaha. Das geht sowieso nicht, denn da unten sitzen gerade die beiden Mathilden.«
»Na ja, so kann ich hier aber doch wohl kaum herumstehen«, sagte der, der Liebe Verfallende. »Musst du auch nicht, ich habe da eine ganz andere Idee«, zerrte den Schal aus den Ausschnitt ihrer Bluse und kniete sich vor ihn hin. »Du musst Deine Hände schon oben halten. Am besten legst du diese in den Nacken. Aber keine Angst, ich beiße nicht, zumindest, ist ja auch egal.« Dann legte sie den Schal um seine Hüften und sagte: »Etwas mächtig«, blickte von unten nach oben, »ich meine natürlich den Schal, hahaha. Übrigens, weißt du eigentlich, dass ich das bin, was ich eben von dir vermutete, nämlich schwul, hahaha. Ja, ob du es glaubst oder nicht, ich liebe hübsche junge Männer, hahaha, vor allem dann, wenn diese, wie du nackt vor mir stehen. Hahaha.«
Er blickte von oben nach unten, sah direkt in den entblößten Ausschnitt ihrer Bluse. »Ich habe auch eine Idee«, legte seine beiden Arme unter ihre beiden Arme und zog sie zu sich nach oben. Übrigens, ich bin lesbisch. Ich liebe hübsche Frauen, vor allem, wenn sie nackt wären, würden, sind.« Dann machte er das, was sie eben auch gemacht hatte. Ein Bussi auf die linke Seite ihres Gesichtes, ein weiteres Bussi auf die rechte Seite ihres Gesichtes und einen dicken Schmatz in die Mitte ihres Gesichtes, also direkt auf den Mund. Sie warf den Schal auf den am Boden liegenden Rock und drückte sich dichter an ihn heran. »Übrigens, wie wir beide bemerkt haben sollten, da unten hängt nichts mehr herum, auch kein Schal mehr.«
»Ja«, blitzte es leise im Gehirn des kleinen Casanovas, »meine über alles geliebte, schönste Hellen, zu früh für die Zeit? Verzeih mir«, gab seiner derzeitigen Geliebten einen Kuss, zog sie mit seiner linken Hand fest an sich, dachte kurz an seine Bekannte, legte seine rechte Hand auf den Po der Gespielin und drückte sie fest an sich: »Was sein muss, muss sein«, dachte er, »ich liebe Euch alle drei«, drückte sie, also Fine, noch fester an sich und sagte voller Leidenschaft: »Ein Mann kann nichts dagegen tun, weil das biologisch …«
Das Satzende dieser biologischen Betrachtungsweise kam weiblicherseits. Bussi rechts, ihre linke Hand glitt nach unten, Bussi links, ihre rechte Hand glitt nach oben, und dann ein ein tiefes durch atmen: »Von Mann zu Mann eher seltener, aber ich als Frau hätte da eine Antwort …«
Nun, was dann passiert war, kann sich jeder vorstellen. Wie es passiert war, kann sich jeder auf seine eigene Art vorstellen. Dass da etwas passiert war, ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Nur, was kam dann, als es passiert war?
Es erschien die Schwester der Vermieterin mit dem neuen Mieter vor dem großen Fenster des Internet-Cafés, an dem Fenster, hinter dem die beiden Mathilden saßen. Hören wir diesen beiden Mathilden da unten im Internet-Café doch einfach einmal zu.
Vorweg: Da beide Mathilden denselben Vornahmen besaßen, der Geschichtenerzähler aber die Gespräche da unten im Internet-Café als Dialog wiedergeben wollte, also als Dialog zwischen den beiden Mathilden, musste er die Mathilden kennzeichnen. Die eine Mathilde mit MA und die andere Mathilde mit MB. (Das, was die beiden während des Dialogs taten, steht in den Klammern, okay?)
Also, beginnen wir. Hier der Start. Der Geschichtenerzähler sah sich ab sofort auch als Drehbuchautor, zumindest für diesen Part. Der Drehort war das Internet-Café, in dem sich eine der zwei Darstellerinnen vor einem Computer mit Blick auf die Straße befand. Die andere Mathilde saß hinter der ersten Mathilde, Rücken an Rücken, mit Blick ins Lokal.
Der Titel des nervenaufreibenden Films:
Drehbuch: Ricky Fröhlich
MA (tippt der anderen Mathilde auf deren Rücken): »Hör mal, Mathilde, ich sehe was, was du nicht siehst und das ist …«
MB (dreht sich um): »Höre mal Mathilde, ich sehe auch etwas, was du nicht siehst, und das ist das Gelb, nämlich das Gelb vor Neid in deinen Augen, nur weil ich auf dem Bildschirm einen besseren Chatter …«
