Einmal Vesuv und zurück - Vera Splinter - E-Book

Einmal Vesuv und zurück E-Book

Vera Splinter

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Beschreibung

Im Sommer 1954 begibt sich der Schreinergeselle Hubert Salentin auf eine einjährige Wanderung. Neben dem Vorhaben sich beruflich weiterzuentwickeln, treibt ihn vor allem der Wunsch an, etwas von der Welt zu sehen. Beim Start gibt es keine festgelegte Route oder Ziele und so gelangt er auf seinem Fahrrad über die Alpen bis zum Vesuv am Golf von Neapel. Huberts Familie, seine Freundin Gerta und der Freundeskreis nehmen regen Anteil an diesem Vorhaben, wie ein umfangreicher Briefwechsel belegt. Diese Briefe, ein Reisetagebuch und zahlreiche alte Dokumente bilden die Basis für die Rekonstruktion der Reise. Ergänzt werden sie durch Gespräche mit Hubert, seiner Frau Gerta sowie seinen Geschwistern. Das vorliegende Buch nimmt den Leser mit auf Huberts abenteuerliche Reise. Es gibt Einblicke in das Leben der Menschen in den 50er Jahren, eine Zeit mit eigenem Charakter. Entbehrungen einerseits und freudige Erlebnisse anderseits sind mit der Hoffnung auf eine glückliche Zukunft verbunden. Der Leser nimmt daran teil, wie Hubert in der Fremde große Gastfreundschaft erfährt, den Großglockner besteigt, in lebensgefährliche Situationen gerät und unter Spionageverdacht gestellt wird. Auch für damalige Verhältnisse war Huberts Reiseausstattung mehr als einfach und er bewegt sich in bescheidenem finanziellem Rahmen. Widrige Witterungsverhältnisse, bürokratische Hürden und Zollformalitäten halten ihn von seinem Vorhaben nicht ab.

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Seitenzahl: 116

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Als Kind wusste ich, dass mein Vater in jungen Jahren in der Schweiz und in Italien gearbeitet hatte. Ein kleines, grünes Wörterbuch Deutsch – Italienisch im Bücherregal meiner Eltern sowie Spaghetti mit Tomatensauce und Parmesan in unserem Speiseplan reichten mir als Beweis damals aus. Details der Reise waren mir lange Zeit nicht bekannt und einzelne Erzählungen, Fotos und Dokumente standen ohne Bindeglied nebeneinander.

Vor zwei Jahren begann ich damit, meine Eltern über die Reise zu befragen und war überrascht, als meine Mutter die Briefsammlung, Zeugnisse und Ausweise hervorholte. Eine Rekonstruktion der Reise wäre ohne diese Dokumente nicht möglich gewesen. Die schriftlichen und mündlichen Reiseschilderungen, die Beschreibung der Lebensumstände in den 50er Jahren, die Gespräche dazu mit den Geschwistern meines Vaters motivierten mich schließlich dazu das vorliegende Buchprojekt aufzunehmen.

Einmal Vesuv und zurück

Arbeit und Abenteuer inklusive

Vera Splinter

© 2021 Vera Splinter

Umschlag, Illustration: Vera Splinter

Lektorat: Hanna Splinter, Pia Salentin

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

Paperback

ISBN 978-3-347-23597-7

Hardcover

ISBN 978-3-347-23598-4

e-Book

ISBN 978-3-347-23599-1

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Für meinen

Vater

Inhaltsverzeichnis

Prolog

1 Handwerksgesellen auf Wanderschaft

2 Auf in den Süden

3 Kals am Großglockner

4 Alltag in der Heimat

5 In Wattwil

6 Freizeit im Winter

7 Die Kolpingfamilie

8 Es weihnachtet sehr

9 Das neue Jahr beginnt

10 Stockheim im Aufwind

11 Auf nach Bellinzona

12 Zurück nach Hause

Epilog

Prolog

Sommer 1938

Heute ist Sonntag und ich mache mit meinem Papa einen Ausflug auf dem Rad. Von meinem kleinen Sitz an Papas Lenker habe ich einen guten Ausblick auf unsere Strecke. Papa sagt, heute wird es gutes Wetter geben. Das ist wichtig, wenn wir in die Eifel nach Schöneseifen radeln wollen, hier ist Mama groß geworden. Es ist ganz schön weit, die Großen sagen es sind mehr als 40 km.

Ich liebe diese Sonntage, dann hat Papa viel Zeit für mich. Mama, meine große Schwester Gertrud und mein kleiner Bruder Aloys bleiben heute in Stockheim. Wir fahren zuerst durch Froitzheim, dort lebt Papas Bruder mit seiner Familie. Die besuchen wir auch schon mal in der Woche, weil es nicht so weit ist. Aber heute geht es weiter über Ginnick, Embken nach Wollersheim. Hier ist unser Weg schon hügelig und wir müssen uns richtig anstrengen, wenn es den Berg hoch geht. Aber die lange Steigung am Düttling durch den dichten Wald kommt erst noch. Nach Gemünd geht es bergab, nach Schleiden müssen wir wieder hoch. Dann können wir auf einem Feldweg bis nach Schöneseifen radeln.

Mamas Schwester Amalie lebt dort mit ihrem Mann und den vier Kindern auf einem kleinen Bauernhof. Wenn wir ankommen, riecht es schon verlockend nach Mittagessen. Radeln macht hungrig und durstig. Es gibt hier immer eine große Runde am Esstisch mit meinen Vettern Clemens, Hubert und Franz sowie meiner Cousine Margret.

Nach dem Essen machen wir oft noch einen Spaziergang zu den Kühen auf der Wiese. Im Frühling blühen hier wilde Narzissen, dass sieht sehr schön aus. Manchmal gehen wir den Feldweg runter zum Bach und wir Kinder können am Wasser spielen.

Ich genieße diese Fahrradausflüge.

Im Sommer 1954 begab sich der Schreinergeselle Hubert Salentin auf eine einjährige Wanderung. Neben dem Vorhaben sich beruflich weiterzuentwickeln, trieb ihn vor allem der Wunsch an, etwas von der Welt zu sehen. Bis heute begleitet ihn dieser und drückt sich in den vielen realisierten Reisen und noch bestehenden Reiseplänen aus.

Der 20jährige lebte damals gemeinsam mit seiner Mutter und seinen sechs Geschwistern in Stockheim im Rheinland. Beim Start hatte er keine festgelegte Route und so gelangte er auf seinem Fahrrad über die Alpen bis zum Vesuv am Golf von Neapel. Huberts Familie, seine Freundin Gerta und der Freundeskreis nahmen regen Anteil an dieser Reise, wie ein umfangreicher Briefwechsel belegt. Die Briefe und ein Reisetagebuch bilden die Basis für die Rekonstruktion der Reise. Zahlreiche Dokumente wie Ausweise, Arbeitszeugnisse und Fotos tragen zur Illustration der Reiseschilderung bei. Die Unterlagen werden seit 65 Jahren von Gerta Salentin wie ein Schatz gehütet. Ergänzt werden die Notizen durch Gespräche mit Gerta und Hubert sowie seinen Geschwistern Gertrud, Aloys, Agnes und Mathilde.

Das Buch nimmt die Leserin und den Leser mit auf Huberts abenteuerliche Reise. Es gibt Einblicke in das Leben der Menschen in den 50er Jahren, eine Zeit mit ihrem speziellem Zeitgeist. Entbehrungen einerseits und freudige Erlebnisse anderseits sind mit der Hoffnung auf eine glückliche Zukunft verbunden. Wir erfahren, wie Hubert in der Fremde großzügige Gastfreundschaft erfuhr, den Großglockner bestieg, in lebensbedrohliche Situationen geriet und unter Spionageverdacht gestellt wurde.

Auch für damalige Verhältnisse war Huberts Reiseausstattung mehr als einfach und seine finanziellen Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Doch widrige Witterungsverhältnisse, bürokratische Hürden und komplizierte Zollformalitäten hielten ihn von seinem Vorhaben, etwas von der Welt zu sehen, nie ab.

In die Sprache der Briefverfasser habe ich wenig eingegriffen. Bis auf kleine Korrekturen an Orthografie und Zeichensetzung ist der sprachliche Charakter der Briefverfasser erhalten geblieben. Zur besseren Orientierung sind in mehreren Kapiteln Karten eingefügt, die den Reiseverlauf darstellen.

März 2021

Vera Splinter

1 Handwerksgesellen auf Wanderschaft

Die Zeit der Wanderschaft eines Gesellen nach der Freisprechung, das heißt nach Abschluss der Lehrzeit, wird auch als Walz bezeichnet. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts entwickelte sie sich zum festen Bestandteil eines Handwerkerlebens und gehörte zur Pflicht vieler Gesellen, wenn sie den Meister-Status erlangen wollten. Die Entwicklung des mittelalterlichen Handwerks steht in engem Zusammenhang mit dem Aufstieg der Städte zu Zentren von Kultur, Gewerbe und Handel. Die zunehmende Spezialisierung und Differenzierung vieler Gewerbe machten einen europaweiten Austausch des handwerklichen Könnens notwendig. Überliefert sind jedoch auch Wanderverbote für gesperrte Handwerke. Sie wurden angewendet, wenn Kenntnisse von Arbeitsmethoden und besonderen Fertigkeiten nicht aus der Stadt gelangen sollten.1

Die Walz ist die einzigartige Gelegenheit, sich als junger Handwerker im Rahmen einer jahrhundertealten Tradition sowohl beruflich als auch persönlich weiterzuentwickeln. Der Geselle lernt neue Handgriffe, Produkte sowie Werkzeuge kennen und wird in für ihn bis dahin unbekannte Produktionsweisen eingeführt. Nach einem kriegsbedingten Rückgang wuchs das Interesse an der beruflichen Wanderschaft in den 1950er Jahren in Deutschland wieder rasch, wobei Gedichte und Lieder heute ein verklärtes Bild der Gesellenwanderung erwecken.

Auf Initiative der Kultusministerkonferenz wurde 2015 die Handwerksgesellenwanderschaft Walz von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet.2

Abenteuerlust und Freiheitsdrang spielen vermutlich heute noch eine wichtige Rolle bei der Planung des Vorhabens. Hubert entschied sich 1954 aus eigenem Antrieb zu einer einjährigen beruflichen Wanderung. Die Handwerksordnung sah in den 50er Jahren für einen Schreinergesellen, der sich auf die Meisterprüfung vorbereiten wollte, keine Verpflichtung zur Walz vor.

Lehrbrief vom 13. Oktober 1951

1 Bohnenkamp, A., Möbius, F. (2020) Mit Gunst und Verlaub. Göttingen, Wallstein Verlag, 7. Überarbeitete Auflage

2 Unesco, Immaterielles Kulturerbe. in https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/handwerker-walz, letzter Zugriff: 09.Februar 2021.

2 Auf in den Süden

Das Wunder von Bern hatte Hubert nicht beeindruckt. Während die deutsche Fußball-Mannschaft überraschend das Endspiel am 4. Juli 1954 durch ein 3:2 gegen Ungarn gewann, konzentrierte er sich auf letzte Reisevorbereitungen. Fußball gehörte nicht zu seinen Leidenschaften.

Auf seinem Fahrrad startete Hubert am Montag, den 5. Juli 1954 seine Reise am frühen Morgen. Die Idee für dieses Unternehmen reifte bereits seit Jahren in ihm. Vier Jahre zuvor hatte es den damals sechzehnjährigen bis an die deutsch-dänische Grenze geführt. Noch heute schildert er mit Begeisterung diese ersten und vielfältigen Eindrücke der verschiedenen Landschaften. Er war entschlossen, mehr von der Welt sehen zu wollen. Die Freude an Fahrradtouren hatte er in seiner Kindheit bei Ausflügen mit seinem Vater früh erfahren.

Weite Reisen zum Vergnügen, vor allem ins Ausland, waren in seinem familiären Umfeld eine große Ausnahme. Sein Vorfahre und Namensvetter Hubert Salentin (1822 – 1910) aus Zülpich, Schüler von Friedrich Wilhelm von Schadow und Vertreter der Düsseldorfer Malerschule, war als erfolgreicher Genremaler lediglich bis in den Schwarzwald gereist.3

Neben dem Wunsch mehr von der Welt zu sehen, war es für Hubert auch eine Chance, vorübergehend den familiären Verpflichtungen zu entfliehen, die er als ältester Sohn gegenüber seinen sechs Geschwistern und seiner verwitweten Mutter bereits früh übernommen hatte. Heute spricht er davon, dass es ihn reizte «raus zu kommen und etwas Neues kennenzulernen». Seine Reise ging jedoch auch mit einer einjährigen Trennung von seiner Freundin Gerta einher, die bei ihren Eltern im Nachbarort Jakobwüllesheim lebte.

Trotz umfangreicher Planung im Vorfeld hatte Hubert bei der Abreise weder ein konkretes Ziel noch eine Zusage für einen Arbeitsplatz unterwegs. Lediglich der Wunsch über den Gotthard-Pass hinaus zu reisen war fest formuliert, seine Begeisterung für die Berge war durch eine Ferienfreizeit mit der Stockeimer Jugendgruppe zur Zugspitze wenige Jahre zuvor geweckt worden.

Braun Paxette

Huberts Zelt

Huberts bescheidene Ausrüstung ist schnell beschrieben: Das Adler-Fahrrad in Grünmetallic mit Fichtel und Sachs Drei-Gang-Schaltung hatte er 1951 nach seiner erfolgreich abgelegten Gesellenprüfung mit finanzieller Unterstützung seiner Mutter in Düren beim Fahrradhändler Schuster gekauft. Sein Zelt bestand aus drei Planen, die mit Schnüren verbunden wurden und einem Stab als Mittelstütze. Hubert hatte es bei einem Anbieter für Jagd- und Angelsport in Düren gekauft. Restbestände der Armee wurden auf diesem Weg einer neuen Nutzung zugeführt. Er packte auch seine Braun Paxette, etwas Alltagskleidung und eine Straßenkarte ein. Seine Reisekasse bestand bei der Abreise aus 200 Deutschen Mark.

Sein Weg führte ihn in den ersten Tagen über Worms, Cannstatt und Villingen nach Konstanz. Er übernachtete in den Häusern der Kolpingfamilie, die ihn als Mitglied (Kolpingsohn) dort kostenlos unterkommen ließ. In seinem Reisetagebuch dokumentierte er den ersten Tag:

»Dichte Regenwolken verdecken den Himmel. Vergangene Nacht hat es auch geregnet und der Tag verspricht nicht besonders schön zu werden. Aber es ist erst halb fünf und das Wetter kann sich noch ändern. Das ist nun die erste Stunde meiner Wanderschaft. Der Abschied fällt mir doch etwas schwer und schon nach zweihundert Metern Fahrt geht meine Uhr in die Brüche.

Ich drehe mich schnell und hole Gerta noch vor dem Dorf wieder ein. Wir haben dann unsere Armbanduhren getauscht. Nun nochmals ein Abschied, aber das war der Letzte.

Ich fahre über Zülpich, Euskirchen, dann ins Ahrtal hinunter bis nach Remagen an den Rhein in Richtung Koblenz. Es ist kein besonders schönes Fahren hier auf dem Kopfsteinpflaster. Kurz vor Koblenz die erste Rast, eine kurze Pause und weiter geht es durch die Stadt, es ist 10 Uhr. Gegen 4 Uhr bin ich in Bingen. Kurz hinter Bingen der erste Regenschauer. Ich befinde mich hier in der großen Kirchengegend. Bei einem Mann, der gerade beim Kirschenpflücken ist, erkundige ich mich nach dem Weg. Nach einem kurzen Gespräch bietet er mir einen ganzenKorb Kirschen an, sicher 7-8 Pfund. Ich habe mich dann zuerst mal so richtig satt an Kirschen gegessen. Der Regenschauer war vorbei. Den Rest der Kirschen habe ich in einer Tasche verpackt. Übrigens habe ich davon noch zwei Tage gegessen.

Über Mainz geht es nun weiter und gegen halb 10 am Abend komme ich in Worms im Kolpinghaus an. Man ist sehr zuvorkommend mir gegenüber. Nach dem Waschen erhalte ich eine anständige Mahlzeit bei einer Flasche Wein. Im Keller wird mir ein Bett zugewiesen. Es ist kein großes Kolpinghaus. Ein großer Tagesraum, Waschraum und Keller, das ist alles. Es ist das einzige in Worms. Meine Papiere werden in Ordnung gebracht und gegen 11 gehe ich zu Bett. Ich hatte einen strammen Tag hinter mir. Runde 254 km bin ich gefahren und bisher ohne Panne.«

Huberts Reise wurde in diesen ersten Tagen durch schlechtes, regnerisches Wetter erschwert, so dass er teilweise erst am späten Vormittag aufbrechen konnte.

»Es regnet in Strömen. Die Fahrt geht weiter in Richtung Stuttgart. Die Straßen sind hier in guter Ordnung. Es ist die Hauptverbindungsstraße Mannheim – Stuttgart. Der Verkehr besteht hauptsächlich aus Ferntransportern. Gegen 21 Uhr komme ich in Stuttgart an, die Stadt liegt in einem Tal. Das Kolpinghaus ist in einem Krankenhaus untergebracht. Zuerst will mich der Pförtner wegen Platzmangels abweisen. Ich nehme Rücksprache mit dem Hausmeister, der findet noch ein Bett für mich.«

Am Mittwoch startete er wieder bei strömendem Regen.

»In einer Schlosserei muß ich meine Schaltung etwas renovieren, denn der dritte Gang will nicht mehr richtig. Jetzt muß ich die Neue Weinstiege zu Fuß hinauf traben, etwa 1 1/2 Stunden. Die Gegend wird jetzt gebirgig und mit den 255 km am Tag wird’s wohl aus sein. Die Fahrt geht weiter über Tübingen, Rottweil nach Schwenningen. Dort steht im Wanderbuch ein Kolpinghaus verzeichnet, aber es stellte sich heraus, daß dies nicht der Fall war, sondern 6 km weiter, an der Hauptstraße in Villingen. Villingen ist ein wunderschönes Städtchen im Schwarzwald. Hier übernachte ich nun im Gemeindehaus, wo die Kolpingfamilie untergebracht ist.«

Wanderbuch der Kolpingfamilie

»Am Donnerstag ist der Himmel tief mit Regenwolken behangen. Wahrscheinlich wieder das alte Lied. Ich befinde mich hier im Schwarzwald. Die Gegend ist sehr schön. Das Wetter scheint sich zu bessern. Meine Fahrtrichtung ist Donaueschingen – Schaffhausen – Konstanz. In Donaueschingen besichtige ich kurz die Donauquelle und weiter geht es gegen 15 Uhr über die Grenze in die Schweiz nach Schaffhausen. Mein erster Eindruck ist, daß hier die Gegend und Straßen viel gepflegter sind als in Deutschland. Gegen 16 Uhr bin ich am Rheinfall. Ich habe hier ein gigantisches Werk der Natur vor mir. Der Fall ist durch hohe Felsbrocken in vier Teile geteilt. Über eine schmale Brücke kann man auf einen Felsen hinaufsteigen. Das ist hier ein Getöse, man kann sein eigenes Wort nicht verstehen. Wenn man gemütlich über die Brücke gehen würde, wäre man durch naß. Der Rheinfall hat eine Breite von etwa 150 m. Der Fall des Wassers beträgt 21 m. Die Tiefe des darunter liegenden Beckens beträgt 15 m.

Die Schweiz ist an und für sich ein sehr teures Vergnügen. Ein Film für meine Kamera kostet z.B. 4,85 DM. Die Fahrt geht nun weiter, am schönen Rhein entlang nach Konstanz. Das Kolpinghaus liegt 3 Minuten vom Hafen entfernt. Nach einem anständigen Abendessen lege ich mich müde zur Ruhe.«