Einsatz in Hamburg - Frank Laube - E-Book

Einsatz in Hamburg E-Book

Frank Laube

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Beschreibung

Dieses Buch… … gibt den Blick hinter die Kulissen der Hamburger Polizei frei. Teilweise kritisch, teilweise lustig, teilweise auch blutig sind die Kurzgeschichten, die der Leser hier zu lesen bekommt. Ich selbst war bis zu meiner Pensionierung über 40 Jahre als Streifenpolizist, als Zivilfahnder und auch als Fahnder der Kripo bei der Hamburger Polizei tätig. Es gab mal eine Zeit, da war ich stolz Polizeibeamter zu sein. Heute jedoch bin ich froh, dass ich dieses Kapitel abgeschlossen habe. Hätte niemals gedacht, als mein erster Wachhabender mir sagte, dass früher alles besser war, ich auch heute die gleiche Worte finde, wenn ich an meine Zeit bei der Hamburger Polizei zurückdenke. So sind meine Geschichten, aber auch meine kritischen Bemerkungen das Ergebnis dieser langen Dienstzeit. Alles was sie lesen hat sich so oder so ähnlich wirklich zugetragen. Die beschriebenen Örtlichkeiten gibt es tatsächlich, aber die Namen der beteiligen Personen sind aus rechtlichen Gründen verändert worden. Jedoch wird sich der eine oder andere Ex-Kollege wiedererkennen. Ich hoffe, sie sind mir nicht böse. Sollten findige Anwälte dieses Buch lesen und eventuell Straftaten oder dienstliche Verfehlungen meinerseits hier entdecken, mache ich mir keine negativen Gedanken, denn sie sind bereits verjährt. Jedoch bin ich auch als Pensionär an die Wahrung der Dienstgeheimnisse gebunden und werde sie, soweit es mir gefällt, auch wahren. Ich möchte mit diesem Buch die Leser vergnügliche aber auch nachdenkliche Stunden bescheren.

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Seitenzahl: 174

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhaltsverzeichnis:

Erläuterung

Begriffserklärungen

Vorwort

Der Anfang

Vollbart

Kradfahrer

Der Panzer

Der Trunkenbold

Es wurde geschossen

Feuer

Pik As

Rocker

Pakt schlägt sich, Pakt verträgt sich

Der Fensterspringer

Kippen

Die PEZ

Aus 2 mach 1

Der schwarze Hund

Das Licht

Der Schuss

Hilfe, Hilfe

Der dritte Mann

Observation

Licht aus

Waschbär und Igel

Black Gang

Fressnapf

Der Blumendieb und sein Richter

Man wird bequem

Günther

Erläuterung:

Lieber Leser, da dieses Buch in absoluter Eigenregie entstand hat kein Lektor korrekturgelesen, am Ausdruck meiner Worte und an der Rechtschreibung mitgewirkt. Somit bitte ich eventuelle Rechtschreibfehler zu verzeihen. Selbst das Korrekturprogramm in „Word“ kann nicht alle Fehler erkennen und ist in der Interpunktion keine Hilfe. Außerdem habe ich meine eigene Art mich auszudrücken und meinen eigenen Humor. Den einen wird es stören, den anderen gefällt es, wie ich schreibe. Wichtig ist doch, dass mir meine Zeilen gefallen und ich Spaß am Schreiben hatte. Nun wollte ich, dass meine kleinen Geschichten nicht aus meinem PC vergammeln, wollte dass andere sie lesen und sich daran erfreuen.

Und am besten geht es nur, wenn ich alle meine Geschichten in einem Buch zusammenfasse. Sie sind jedoch nicht chronologisch aufgeführt.

Dank Internet und wie in meinem Fall „BoD“ (BOOKS on DEMAND) in Norderstedt konnte ich meinen Wunschrealisieren und dieses Buch selbstverlegen. Vielleicht finden sich ja einige Käufer?

Begriffserklärung:

Diese Abkürzungen stammen aus der alten Zeit der Hamburger Polizei, bevor sich immer wieder neue Führungskräfte hervortaten, die Polizei neu erfinden wollten und somit auch immer wieder neue Dienststellenbezeichnungen erfanden.

Affen schieben: Entzugserscheinung eines Drogenabhängigen

AAH: Alarmabteilung Hamburg, die letzte Reserve der Polizei

Acht: so werden in Hamburg die Handschellen bezeichnet

BPAH:Bereitschaftspolizei Hamburg

Bünabe: Kurzform für „Bürgernaher Beamter“

BvD: Beamter vom Dienst

ED: Erkennungsdienst

EWO: Programm für Abfragen beim Einwohnermeldeamt

Entenscheriff: Spitzname für die Wasserschutzpolizei

Fuhle: Kurzform für die Fuhlsbüttler Straße

FuStw.: Funkstreifenwagen

HB: Haftbefehl

HEW: Hamburgische Elektrizitätswerke

K: Kripo

KDD: Kriminaldauerdienst

Kiez: typische Hamburgische Bezeichnung für St. Pauli

LOB: Diensthabender Chef der Hamburger Polizei

Löschknechte: Spitzname für die Feuerwehr

Michel: Funkrufname der Einsatzzentrale

MEK: Mobiles Einsatzkommando

NAW: Notarztwagen

Obs.: Kurzform für Observation

Peter…: Die Funkbezeichnung für die Funkstreifenwagen

PEZ: Polizeieinsatzzentrale

Pik As: Obdachlosenunterkunft in der Hamburger Neustadt

PK…: Die Bezeichnung für die Wachen

POLAS: Polizeiliches Auskunft System

Polasfresse: Verdächtige Personen, die vermutlich in POLAS aufgelistet sind

REF: Reviereinsatzführer

RT-Hub: Rettungshubschrauber

Rtw: Rettungswagen

UG: Untersuchungsgefängnis

StA: Staatsanwaltschaft

WH: Wachhabender

WS: Wasserschutzpolizei

ZEVIS: Programm zur Feststellung der Halterdaten von Kfz.

ZAB: Zentralambulanz zum Ausnüchtern unter ärztlicher Aufsicht

ZF: Zivilfahnder

Vorwort:

Da ist es wieder, das Phänomen, das meine Nackenhaare aufrichten lässt.

Ich schaue gerade einen deutschen Krimi. Ein großes leerstehendes Firmengelände, umstellt, von vielen uniformierten Polizeibeamten und die glorreiche Kriminalpolizei kommt hinzu. Schnieke gekleidet, im Anzug und mit Krawatte.

Zu dritt gehen die Krimscher mit vorbehaltender Schusswaffe auf das Fabrikgebäude und beginnen mit der Durchsuchung. Natürlich stoßen sie auch auf den bewaffneten Täter und können ihn problemlos festnehmen. Erst als der Täter abgeführt wird, tauchen Beamte des SEK komplett im Einsatzanzug, mit Helm und MP im Bild auf und begleiten die heldenreichen Kriminalbeamten und den festgenommenen Täter aus dem Gebäude heraus. Und ohne dass der Täter durchsucht wurde, steigt er freiwillig hinten in den zivilen Dienstwagen der Kripo.

Handschellen wurden dem Täter natürlich nicht angelegt. Ja, ja, wie so oft in deutschen Krimis, sind die Kriminalpolizisten die „schussfesten“ Helden und die uniformierten Kollegen die Handlanger, die Mantelhalter und Kaffeeholer der Kriminalpolizei.

Diesen Schwachsinn, der alltäglich dem Fernsehpublikum verpasst wird und ihnen ein total falsches Bild der Polizeiarbeit vermittelt, veranlasste mich, endlich mal über das wahre Leben der Polizei zu schreiben.

Vermutlich fragt sich der Leser, was den Schreiber berechtigt, eine solche Kritik zu äußern. Ganz einfach, ich kenne den Laden, denn nach über 40 aktiven Dienstjahren bei der Hamburger Polizei bin ich nun in meinen wohlverdienten Ruhestand gegangen.

Während meiner polizeilichen Laufbahn versah ich meine Dienste u.a. bei der Bereitschaftspolizei, dann an mehreren Polizeiwachen und der Polizeieinsatzzentrale, war lange Zeit Zivilfahnder an div. Dienststellen und habe ich auch als Fahnder bei der Kripo gearbeitet und somit auch dort viel Zeit verbracht. Meine Karriere endete wieder auf einer Polizeiwache, wo ich als „Wachhabender“ zur Führung einer Dienstgruppe gehörte.

Also wenn ich mich hier über die Arbeit bei der Polizei auslasse, dann weiß ich wovon ich schreibe. Nur muss ich mich jetzt als Pensionär immer noch an die Geheimhaltung der Dienstgeheimnisse halten. Somit sind alle Kollegen, die in meinen Geschichten auftauchen, nicht mit realem Namen genannt. Auch Namen der "Täter" sind frei erfunden. Aber was der Leser in diesem Buch erfährt, hat sich so ereignet, entspricht wahren Begebenheiten und meistens sind auch die Orte des Geschehens real. Es sind Geschichten zum Schmunzeln, zum Grauen, zum Nachdenken. Eben Geschichten, die das Leben eines Polizisten schrieb.

Da ich überwiegend in der Hamburger Innenstadt, auch auf dem Kiez und in Hamburg Barmbek mit den angrenzenden Stadtteilen gearbeitet habe, spielen viele Geschichten auch dort.

Wie im jeden Berufszweig haben wir Polizeibeamte eine Sprache entwickelt, die mit vielen Abkürzungen gespickt ist. So habe ich am Anfang des Buches ein alphabetisch sortiertes Abkürzungsregister gesetzt.

Jetzt wünsche ich allen Lesern und Leserinnen viel Spaß beim Lesen dieses Buches. Vielleicht erinnern sie sich ja mal an meine Zeilen, wenn sie wieder eine tolle Fernsehproduktion sehen und den Schwachsinn erkennen. Dann habe ich mein Ziel erreicht.

Der Anfang

Vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser, wie ich eigentlich zur Polizei kommen bin?

Als ich in das Alter der Wehrpflicht kam, damals waren es noch 2 Jahre mit mieser Bezahlung, fuhr ich auf einem Frachter zur See. Die Schreiben vom Kreiswehrersatzamt, die ich an Bord empfing, interessierten mich nicht und landeten ungeöffnet in den Müll. Aber der Staat vergisst nicht. Wir machten gerade mit unserem Schiff an der Pier in Bremerhaven fest, als dort schon ein verdächtiger Jeep stand. „Scheiße, die Feldjäger und die wollen garantiert zu mir“, dachte ich und konnte es nicht verhindern und auch nicht fliehen. Kaum war die Gangway fest, kamen sie zusammen mit dem Zoll an Bord und einer blieb an der Gangway stehen. Es dauerte auch nicht lange, da hörte ich meinen Namen durch die Lautsprecher hallen. „Frank, sofort zum Kapitän!“ An Bord herrschte noch Zucht und Ordnung, also befolgte ich den Befehl meines Kapitäns. Er hielt mein Seefahrtsbuch in der Hand, gab es dem Feldwebel, der bei ihm stand und ich bekam Handschellen um. Wie ein Schwerverbrecher wurde ich abgeführt und unter Zwang zum Kreiswehrersatzamt gebracht. Während ich untersucht wurde, warteten draußen die Feldwebel. Nachdem ich vom Stabsarzt untersucht wurde, war ich natürlich tauglich für fast alles, außer für U-Boote und Kampfjets. Wen wunderst?

Mit meiner Statur hätte ich in keinem U-Boot und in kein Cockpit eines Jets gepasst.

So bekam ich meinen Wehrpass mit, als mich die Feldjäger dankenswerter Weise wieder zum Schiff brachten. Aber dieses Mal ohne Handschellen. War nach der Zwangsmusterung doch wieder ein freier Mann. Kaum an Bord, bekam ich vom Alten einen Einlauf. Was mir einfiele, der Musterung fern zu bleiben, blah blah blah…

Nun stand aber im Raum, was aus meiner nächsten Zukunft wird. Zum Bund wollte ich nicht, nicht bei einem Sold 160 DM im Monat. Und dann 2 verlorene Jahre beim Bund. Eigentlich wollte ich weiter zur See fahren und vielleicht sogar mein Kapitänspatent für große Fahrt machen. Außerdem konnte ich mit diesem Taschengeld, was der Bund zahlt, nicht auskommen. Verdiente ich damals an Bord schon sehr gutes Geld.

Eine Alternative ergab sich bald, als ein neuer Seemann bei uns anmusterte. Er teilte fortan meine Kajüte und bezog die Koje über meine. Fortan standen aber in unserer Kajüte auch Lehrbücher der Polizei, die mich neugierig machten. Als ich dann von seinem Gehalt erfuhr, gab es nur noch ein Ziel. Ab zur Polizei. Erwähnen muss ich, dass damals 3 Jahre Polizeidienst den Wehrdienst ersetzten.

Dann gab es im Gegensatz zum Bund 630 DM anstatt 160DM. Also ab zur Polizei. So bewarb ich mich bei der Hamburger Polizei und nach einem Eignungstest wurde ich sogar angenommen.

Nun flatterte aber auch ein Brief vom Bund auf unser Schiff. Ich sollte mich am 2. April um 08.00 Uhr zum Apell bei den Pionieren in Neumünster melden. Aber am gleichen Tag kam ein weiterer Brief an Bord. Ein Brief von der Hamburger Polizei. Man gratulierte mir zum erfolgreichen Test und teilte mir mit, dass ich angenommen wurde und ich mich am 02. April um 08.00 Uhr zur Begrüßung in der Polizeikaserne in Hamburg Alsterdorf einfinden sollte. Das klang doch schon viel freundlicher. So stand für mich schnell die Wahl fest. Ich ignorierte mal wieder die Post vom Bund.

Ich hatte noch 2 Monate Zeit. So machte ich noch ein paar Fahrten mit meinem Kapitän, bevor ich in Bremen von Bord ging. Bepackt mit meinem Seesack, der meine privaten Sachen enthielt, fuhr ich nach Hamburg und quartierte mich in einem Hotel auf dem Kiez ein. Als der Montag endlich gekommen war, fuhr ich mit der U-Bahn nach Alsterdorf.

Die zukünftigen Kollegen an der Hauswache staunten nicht schlecht, als ich beladen mit meinem großen Seesack am Kasernentor eintraf. Kein Auto das vorfuhr, keine Eltern, die sich mit Tränen von ihrem Jungen verabschiedeten. Einfach nur ein Mann, der sich vor der Hauswache auftatund kommentarlos dem diensttuenden Wachmeister ein Stück Papier vor die Nase hielt.

So wurde mir von dem Polizeibeamten der Hauswache mit einer Handbewegung die Richtung angezeigt, in die ich gehen sollte.

Und dort auf dem Kasernenhof standen sie nun, die vielen neuen Kollegen, die auf das warteten, was sie zukommt.

Punkt 08.00 Uhr kamen mehrere uniformierte Polizeibeamte unterschiedlicher Dienstgrade auf uns zu.

Wir wurden namentlich aufgerufen und unsere Anwesenheit quittiert. Anschließend wurden wir in Lehrgruppen eingeteilt und durften auf unsere zugeteilten Stuben verschwinden. So schleppte ich mich mit meinem Seesack in eine 4 Mannstube und mit einem hohen Bogen flog er auf die Koje, die direkt am Fenster stand. Somit stand für alle anderen fest, welches mein Bett ist. Es gab diesbezüglich auch keine Diskussionen mehr.

Während sich meine Stubenkameraden noch einrichteten, hatte ich es schon längst erledigt. Meine Erfahrungen hat Bord halfen mir dabei. So suchte ich das Geschäftszimmer auf. Dort reichte ich dem Spieß meinen Wehrpass mit dem Anschreiben der Bundeswehr hin. Der Spieß las sich das Schreiben durch und grinste. „Lasse mal den Mist hier. Ich erledige das schon“ meinte er und gab mir einen Wink zum Gehen. Am nächsten Tag fand ich den Wehrpass und den Brief auf meiner Koje wieder. An dem Wehrpass spickte ein Zettel mit dem Wort „Erledigt“!

Den Wehrpass habe ich heute noch, aber bis auf meine Daten befindet sich in ihm kein Eintrag.

So plätscherten die 3 Jahre Ausbildung bei der Polizei dahin. Sie bestand aus theoretischen Unterricht, wie StGB, StPO, SOG und weitere Rechtskunde. Der Praktische Teil waren Übungen wie, Schießen, Fahrlehrgang, etc. und natürlich auch viel Sport. Da ich gleich zu Beginn in Hamburg dem Rugbyverein der Polizei beigetreten war, nach einigen Testspielen in der ersten Mannschaft spielen durfte, die in der Bundesliga spielte, konnte ich meinen eigenen Sport mit viel Krafttraining machen, während der Rest der Klasse ihren normalen Sport mit seinen ewigen Läufen im Stadtpark ausübte.

Was mich natürlich reizte, waren die Kampfsportarten, die die Polizei bot. So auch das Boxen. Unser Boxlehrer wollte seinen neuen Schülern was vorführen und suchte mich als seinen Sparringspartner aus. Er sagte gleich zu Beginn unserer kleinen Showeinlage, dass ich ruhig richtig zuschlagen soll, damit es realistisch aussieht. Das tat ich dann auch. Schließlich muss ich ja als Polizeischüler gehorchen.

Ich schlug einmal und er grinste, als er meinen Schlag gut ausgewichen war. Ich schlug das zweite Mal zu und er grinste nicht mehr. Mit einem weggetretenen Blick ging unser Boxlehrer zu Boden und blieb dort ausgeknockt liegen. Seitdem war ich auch vom Boxen befreit. Und wenn wir unsere Selbstverteidigungsstunden hatten, hatten die Übungsleiter mich schon bald nicht mehr als Partner ausgesucht. Waren doch viele Angriffe von ihnen bei mir verpufft. So blieb mir nur mein eigenes Rugbytraining und viele dieser Rugbyeinlagen machten mir später meinen Dienst und meine Auseinandersetzungen mit meinem Gegenüber einfacher.

Während nun meine lieben Lehrgangsteilnehmer Tag für Tag vor den Büchern hockten, strebten sie ja die große Karriere bei der Polizei an, machte ich mir zu Feierabend ein schönes Leben. Ich wollte keine Karriere, ich wollte hier nur meine Zeit absitzen und nach drei Jahren wieder zur See fahren. Dafür brauchte ich keine guten Zensuren, musste nur aufpassen, dass man mich wegen mangelnder Leistung nicht rauswirft.

Schnell aber waren die drei Jahre um und durch das ½ jährige Praktikum am Polizeirevier 14 konnte ich schon mal in den richtigen Polizeidienst hineinschauen.

War eigentlich eine tolle Sache, was man dabei so erlebt. Das Revier 14 zeichnete sich auch dadurch aus, dass es in unmittelbarer Hafennähe lag. Außerdem war der Kiez nicht weit. Eine Welt, die ich auch von der Seefahrt her kannte.

Nach dem Praktikum machten wir den sogenannten Anstellungslehrgang und dann sollten die 3 Jahre auch schon rum sein. Nur hatte sich in den drei Jahren eine tolle Truppe gebildet und wir sollten auch nach dem bestandenem Lehrgang zusammen in die Bereitschaftspolizei gehen. Also blieb ich noch ein weiteres Jahr. Kann ja immer noch kündigen und wieder zur See fahren. Das Seefahrtbuch hatte ich ja in meinem Seesack, der brav unter meiner Koje in der Stube wartete.

Nach der Bereitschaftspolizei ging es wieder zur Wache 14, wo ich meine Kollegen ja schon vom Praktikum her kannte. „Schau ich mir doch noch mal an, wie es mich noch an der Wache gefällt“, dachte ich mir, bevor ich dann endlich wieder zur See fahre. Und es gefiel und immer wieder verschob ich meine Kündigung. Nun bin ich pensioniert und habe über 40 Jahr bei der Polizei verbracht. Auf einem Frachter bin ich nur noch dann und wann mal im Urlaub gefahren, wenn mich das Fernweh wieder packte.

Jetzt schaue ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge in meine Vergangenheit. Was wäre nur aus mir geworden, wenn ich tatsächlich wieder zur See gefahren wäre?

Vollbart

Nachdem ich das erste Jahr an der LPS hinter mir hatte, ging es ab in den Urlaub.

Und als ich aus dem Urlaub wieder zurück nach Hamburg kam, hatte ich einen dichten roten Vollbart. Ich habe mir ihn stehen lassen, weil ich im Urlaub zu faul zum Rasieren war.

Natürlich fiel es sofort auf, als wir zum ersten Dienstbeginn nach dem Urlaub auf dem Kasernenhof zum Apell antreten müssten. Sofort schickte mich mein Spieß zum Präsidium, damit ich mir einen neuen Dienstausweis machen lasse, stimmte das Bild des Ausweisinhabers doch nicht mehr mit dem Original überein. Und das darf nicht sein.

War ich zu Anfang der Ausbildung noch eine Schulterglatze (Polizeiwachtmeister ohne Dienstgradabzeichen auf der Schulter) so wurde ich nach und nach je nach Ausbildungsstand befördert. Es kam der Polizeioberwachtmeister (damals drei silberne Winkel auf der Tuchjacke) und als ich dann in die Bereitschaftspolizei kam, wurden wir zum Polizeihauptwachtmeister (vier silberne Winkel auf der Tuchjacke) befördert. Und mit jedem Dienstgrad wuchs auch mein Bart.

Als Hauptwachtmeister verließ ich mit einem unterdurchschnittlichen, aber für den weiteren Polizeidienst ausreichenden Zeugnis die Landespolizeischule und kam in die BPAH. Die Gebäude der BPAH waren ebenfalls in Hamburg-Alsterdorf, auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es waren ehemalige Kasernengebäude aus der Nazizeit. In jedem Gebäude war eine Hundertschaft untergebracht.

Mittlerweile hatte ich mir meine eine BMW R 75/6 gekauft. Ein für damalige Verhältnisse ein tolles Motorrad. So verbrachte ich mit ihr viel Zeit an der Ostsee, dort wo auch meine Eltern wohnten und ich noch viele Freunde hatte.

Eines Tages erreichte mich bei meinen Eltern ein Anruf der Dienststelle.

Alarmierung! Es war damals eine unruhige Zeit. Die Terrorzelle um Baader / Meinhof war aktiv und es gab immer mal wieder Anschläge oder auch Entführungen. Und die spontanen Demonstrationen verliefen meist mit viel Gewalt und vielen Verletzten auf beiden Seiten.

Alarmierung! Das heißt, sofort los und ab zur Dienststelle, ab zur BPAH. Und das bei diesem Regenwetter. Aus meinem Kurzurlaub wurde nichts. Also Regenkombi an, Helm auf und los ging es Richtung Hamburg. Meine Mutter drückte mich noch zum Abschied. Sie hatte Tränen in den Augen, denn sie hatte stets Angst um mich, wenn ich wieder nach Hamburg fuhr. Mein langer Vollbart lugte untern aus dem Helm heraus und wehte im Wind, als ich mit meiner BMW über die A7 nach Hamburg raste.

Endlich in der Kaserne angekommen, waren meine Jungs schon angetreten und ich stelle mich, so wie ich gerade angekommen war, dazu. Mit meiner froschgrünen Regenkombi stach in aus den in blau uniformierten Kollegen schön heraus. Das fiel natürlich auch unserem Hundertschaftsführer auf. Er hatte den Spitznamen: Muffenmeier, da er vor jedem Einsatz erst mal für einige Zeit auf dem Klo verschwand und auch im Einsatz immer seinen Platz in den letzten Reihen fand. So schritt Muffenmeier seine Truppen ab und blieb natürlich bei mir stehen. Er musterte mich von oben bis unten und meinte, dass ich die Schweinerei, die ich angerichtet habe, sofort nach dem Apell wegwischen soll. Erst jetzt merkte ich, dass sich unter mir ein kleiner See von Regenwasser vermischt mit Straßendreck gebildet hatte.

Was aber unseren Hunderschaftsführer noch mehr störte, war die Tatsache, dass in meinem Vollbart noch etwas Leben war.

In meinem Bart hatte sich etwas Insektengetier eingeschlossen, was ich während der Fahrt im Regen so eingesammelt habe. Hatte ja auch noch keine Zeit meinen Bart auszukämen.

Muffenmeier schaute mir angewidert ins Gesicht und sagte, dass er so etwas in seiner Hundertschaft noch nie erlebt hat und ich meinen Bart gefälligst entfernen soll. Ich mochte Muffenmeier auch nicht und nun hatte er mich gerade auf dem falschen Fuß erwischt. War ich doch von der Fahrt im strömenden Regen, von der Hetze und erst Recht von Muffenmeier genervt, schnauzte ich ihn mit den Worten: „ Was kann ich denn dafür, dass Ihnen als Eunuche kein Bart wächst?“ vor versammelter Mannschaft lautstark an.

Das war wohl zu viel, denn Muffenmeier führte einen regelrechten Tanz auf und jagte mich auf meine Stube. Wurde auch Zeit, dass ich mich nun umziehe und mich ausgerüstet zu meinen Kollegen geselle.

Nachdem ich umgezogen und ausgerüstet wieder im Glied stand, kam mein Hundertschaftsführer noch einmal zu mir und brüllte mich an, dass das Ganze für mich noch ein Nachspiel haben sollte.

Dann ging es mal wieder zum Einsatz in die Hafenstraße.

Am nächsten Vormittag, ich lag gerade im Bett, als das Telefon klingelte. Die Dienststelle! Ich soll sofort zum obersten Chef der Bereitschaftspolizei kommen. Mir schwante schon Schlimmes. Hatte mich Muffenmeier doch tatsächlich gemeldet.

Also ab unter die Dusche, rein in die Motorradkluft und ab mit der Maschine nach Alsterdorf. Mittlerweile kannte man mich schon dort und mein Ausweis war mein Bart, der unter den Helm immer zum Vorschein kam. So ging die Schranke sofort auf, als ich mit meiner BMW vorfuhr.

Vor dem Block 1, wo der Leiter der BPAH sein Büro hat, stelle ich die Maschine ab. Ging noch kurz auf die Toilette um meinen Bart nach Viehzeug zu durchsuchen. Frisch gestriegelt meldete ich mich im Vorzimmer und wurde auch gleich zum Chef vorgelassen.

Er musterte mich interessiert. Ich erwartete nun ein Donnerwetter aus seinem Mund, aber die erste Frage von ihm lautete, was für eine Maschine ich denn fahre. Als er erfuhr, dass ich eine BMW fahre, war er noch interessierter. Auch er fuhr seit seiner Jugend BMW und war restlos begeistert.

Wir sprachen etwa eine ½ Std. über Motorräder und er verriet mir, dass es in der Kfz.-Halle 1 eine Bühne gab, wo man auch Motorräder warten konnte. Denn Schlüssel könnte ich an der Hauswache empfangen. Er sagt dort Bescheid.

Langsam neigte sich unser Treffen dem Ende, denn er hatte einen weiteren Termin und so wollte er mich wieder entlassen.

Aber da fiel ihm ein, warum ich eigentlich da war. Ja Mist, der Anschiss. „Na gut, wollen wir es mal bei einer formlosen Verwarnung belassen.“ Mit diesen Worten begleitete er mich mit einem Grinsen zur Tür. Auch ich musste grinsen und mit einem Lied auf den Lippen setzte ich mich wieder auf meine Maschine. Die restliche Zeit bei der BPAH verlief ziemlich schmerzfrei und Muffenmeier ließ mich in Ruhe.

KRAD-Fahrer

Es ist doch immer wieder schön, wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann. So wurde ich auch bald KRAD-Fahrer bei der Hamburger Polizei. Damals arbeitete ich noch auf der Wache 14 am Großneumarkt.

Natürlich war man als KRAD-Fahrer eher ein Einzelkämpfer und bekam auch seine Einsätze von Michel. Wir fuhren damals eine BMW R60/5 mit einer mächtigen Gläser - Vollverkleidung. Hinten, wo sich normalerweise der Soziussitz befindet, war ein großer Metallkasten mit einem innenliegenden Funkgerät montiert. Ein Blaulicht gab es damals noch nicht. Nur auf der Verkleidung stand groß „POLIZEI“.