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Die meisten Kinder in Deutschland wachsen in Liebe auf, aber sehr viele erleben schutzlos eine lieblose, traumatisierende Kindheit in unterschiedlichem Ausmaß, darüber ein Schleier des Schweigens, unerhört! Es ist ein Verrat an Kindern - emotional, digital, sozial und politisch - mit gravierenden Auswirkungen auf ihre Gesundheit, kreatives Potential, soziale Widerstandskraft und souveräne Mediennutzung als Erwachsene. Und es sind nicht etwa Einzelfälle, sondern zu vielen geht es weniger gut oder sogar skandalös schlecht! Es ist wichtig zu verstehen, wie das zusammenhängt mit unserer Kultur, unseren Erziehungsstilen, der Zeit und der Liebe der Eltern für die Kinder und dies alles wiederum mit dem Wachstums-Credo unserer Wirtschaft und Politik ohne echte Gemeinwohlorientierung. Der Autor versteht es, die Leser auf diesem unwegsamen Terrain wie Weggefährten an seinen Lebenserfahrungen hierzu als Mensch, Ehe-Mann, Vater, Arzt, Klinikleiter, TaiJi-Lehrer und politisch aktiver Bürger teilnehmen zu lassen. Das schafft gute Einsicht in die scheinbar undurchsichtige und unerhörte Welt. Nelting beschreibt u.a. eine 'gesunde' Hirnentwicklung in der Kindheit auf dem Boden von Hirnphysiologie, Epigenetik und Psychosomatik, deren Kenntnis helfen kann zukünftig das Leid vieler Kinder zu verhindern oder zu heilen. Er gibt den Eltern zahlreiche praxistaugliche Gestaltungsideen für ihr Leben und ihre Elternschaft und einen Ausblick in eine lebens- und liebenswerte Gesellschaft, die durch Erkenntnisse ihrer selbst in eine neue Form von Lebens-Gestaltung hineinwächst. Gerade in diesen schwierigen Zeiten braucht es einen Wegweiser, einen Kompass, der den Menschen einen Weg in ihre eigene Kraft, Liebe und Schönheit aufzeigt für eine neue Welt. Darin kann sich jeder Leser angesprochen, ermuntert und ermutigt fühlen, in individueller Weise seine eigenen Lebenserfahrungen und Vorstellungen für diese gemeinsame kooperative neue Welt schöpferisch bereitzustellen. Ein Buch voller Zuversicht und Liebe.
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Seitenzahl: 774
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Dr. Manfred Nelting
Einsicht in UNerhörtes
Verlag:
basic erfolgsmanagement, Pfarrkirchen, 2021
www.basic-erfolgsmanagement.de
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 978-3-949217-00-5
eISBN 978-3-949217-01-2
Lektorat:
Josef Nöhmaier
Koordination und Organisation:
Medienbüro Susanne Wagner, Pfarrkirchen
Umschlaggestaltung, Layout/Satz:
Michaela Adler, Pfarrkirchen
Bildrechte:
Cover: © Adobe Stock – sdmix, zolotons
Klimaneutral gedruckt, Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft
Made in Germany
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Wichtiger Hinweis:
Die Informationen und Ratschläge in diesem Buch wurden mit größter Sorgfalt von Autor und Verlag erarbeitet und geprüft. Alle Leserinnen und Leser sind jedoch aufgefordert, selbst zu entscheiden, ob und wieweit sie die Anregungen in diesem Buch umsetzen wollen.
Dieses Buch widme ichallen Lebewesen, die UNerhört sind,kleinen und großen Menschen, Tieren, Bäumenund auch „dem Kind“ in uns.Hören wir hin.
Vorwort Dr. Auma Obama
Begrüßung der Leserin/des Lesers
Vorwort des Autors mit Anmerkungen zur Corona-Krise
Einführung und Aufbau des Buches
1.Gesunde Hirnentwicklung in den ersten Lebensjahren
1.1Wachstumsbedingungen
1.2Phasen der Hirnentwicklung in den ersten Lebensjahren
1.2.1Ich/Du-Entwicklung
1.2.2Impulskontrolle
1.2.3Selbststeuerung
1.2.4Trotzphase
1.2.5Impulsunterdrückung beim kleinen Kind
1.3Die Bedeutung des autonomen Nervensystems für die Bindungsfähigkeit
1.4Telomere und ihre Bedeutung
1.4.1Stress im Mutterleib
1.5Von „Orchideen“ und Resilienz bei Kindern
1.6Epigenetik
1.7Die Dunedin-Studie zur Selbstkontrolle
Kurze Zusammenfassung
2.Eltern
2.1Gesundheit und Erkrankungen in Deutschland
2.1.1Stress
2.1.2Beziehungs-Stress und Trennungen
2.1.3Stressrelevante Einflüsse der Digitalisierung
2.1.4Stress-Faktor permanente Online-Einbindung
2.1.5Stress durch Informationsüberflutung – News/Fake News
2.1.6Stress durch Angst: z. B. die Corona-Pandemie
2.1.7Stress durch sozialen Vergleich
Exkurs Konsum als systemrelevant
Exkurs Soziale Ungleichheit
2.2Lebensstil, Mediennutzung und gesundheitliche Verfassung der Eltern
2.2.1Bedeutung für die Zeit vor und bei der Empfängnis
Bedeutung für die Zeit der Schwangerschaft
Bedeutung für die ersten Lebensjahre
2.3Genderthemen
2.3.1Muttersein
2.3.2Gesellschaftspolitische und kulturelle Anschauungen zum Muttersein
Katholische Kirche, Queer-Theorien, Integrative Sicht, Matrilineare Gesellschaften, Polygame Gesellschaften
2.3.3Mütterthemen in der aktuellen medialen Diskussion
2.3.4Rechtsextremistischer Missbrauch von Mütterthemen
2.3.5Abnehmende Alltagskompetenzen der Menschen
2.3.6Gedanken zu Karriere
Das Bild der „modernen“ Frau
Das Bild des „modernen“ Mannes
Veränderungen in den patriarchalischen Strukturen
Normalität von Krisen im Leben von Menschen
Kurze Zusammenfassung
3.Schutzlose Kinder – die Tabus
3.1Verrat am Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit
Die Bedeutung beeinträchtigter Reifung des präfrontalen Cortex im Kleinkindalter
3.2Der emotionale Verrat – Vernachlässigung und Gewalt an Kindern
3.2.1Zur aktuellen Situation der Kinder in Deutschland
3.2.2Vernachlässigung, Gewalt und sexueller Missbrauch von Kindern familiär oder familiennah
Außerfamiliärer sexueller Missbrauch in Institutionen
Gewalt unter den Eltern
3.2.3Tabuisierung von Kindheitstraumata
Untersuchung und Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch
Berichterstattung
Umgang mit schockierenden Informationen
Annäherung an ein Verstehen von Gewalt in Familien
Schuld
Antisoziale Persönlichkeitsstörung und Psychopathie
Pädophilie und Kinderpornografie
3.2.4Hintergründe zu Vernachlässigung und Gewalt
Exkurs Körperkontakt in Familien und Institutionen
Täter als Opfer
3.3Der digitale Verrat – Digitalisierung ohne Schutz der Kinder
3.3.1Internet und soziale Netze
Woran liegt es, dass souveräne Mediennutzung so schwierig ist?
Die implizite Normierung in der Erzählung und dem Versprechen der digitalen Welt
3.3.2Gefahren online
3.3.3Cybermobbing und andere Gefahren
3.3.4Porno-Videokonsum von Jugendlichen
3.3.5Kinder als Kunden – Gefahr für normales leben
Moderner Kinderalltag und Entwicklung
3.3.6Online-Adipositas und andere „digitalbedingte“ Erkrankungen bei Kindern im Rahmen der allgemeinen gesundheitlichen Verfassung der Kinder und Jugendlichen
Die gesundheitliche Lage der Kinder heute
Exkurs Verhaltenssucht und Drogen
Bedeutung des sensorischen Mangels bei digitalen Anwendungen
Digitalisierung und Auswirkungen auf Organe
Digitale Medien und Klimaerwärmung
3.4Der soziale und politische Verrat – Opferung des kindlichen Potenzials auf dem Altar der Wachstumswirtschaft
3.4.1Frühbetreuung und Frühpädagogik – die Wirtschaft konkurriert mit den Kleinsten um die Mütter
3.4.2Kinderbetreuung in aktuellen noch lebenden Naturvölkern und Geschichte
3.4.3Kitas für unter Dreijährige in Deutschland – Fortschritt oder Gefahr für die Kinder?
Kindergärten
Kitafremde Einflüsse
3.4.4Frühbetreuung im Ausland – Vorbildlich?
Die damalige Situation in der DDR
Kinder im Kibbuz
3.4.5Schule: Bismarcks Erbe und Wirtschaftslogik – hirnphysiologisch ohne wirklichen Lernertrag
System Schule
Die aktuelle Situation
Was Kinder zum Lernen brauchen
Schule neu denken
Folgen für die spätere Erwachsenenzeit
Kurze Zusammenfassung
4.Tiefere Ursachen und Folgen von Schutzlosigkeit bei Kindern
4.1Bedeutung der Globalisierung und Wachstumswirtschaft für Kinder und Eltern
4.1.1Der Erhalt ausreichender guter Lebensbedingungen auf unserer Erde
4.1.2Der notwendende Übergang in eine nachhaltige Wirtschaft
4.1.3Ethik und Markt – der Markt ist nicht so klug wie gedacht
Kurzer wirtschaftlicher Exkurs – das Märchen vom freien Markt
Kapitalkonzentration und -verflechtung
4.1.4Unordnungsfolgen ungezügelter Wachstumswirtschaft und Familien-Ethik
Genuss und Warencharakter
Exkurs: Alltag, Umgang und kommunikatives Annäherungs-Spiel der Geschlechter
4.1.5Der Umgang mit Macht
Gehirn und Macht
Günstige Parteien-Entwicklung
4.2Auswirkungen von Kindheitsprägungen auf die Gesellschaft und auf politische Einstellungen
4.2.1Der mündige Bürger – noch beliebte Phantomgestalt der Politik
Autoritäre Erziehung versus Entwicklungsbegleitung der Kinder
4.2.2Das körperliche Selbstbestimmungsrecht der Frau
Gedanken zum Schwangerschaftsabbruch
4.2.3VUKA-Welt und Optimierungs-Szenarien beim Menschen
Die sogenannte VUKA-Welt
Die Optimierung des Menschen
Die Gen-Editierung mit Crispr-Technologie
4.3Gewalt in der Gesellschaft
4.3.1Gewalt
Gedanken zum „Bösen“ im Menschen
Empathie
4.3.2Umgang mit rechtsextremen Positionen
Rechtsextremistische Gewalt
Extremistische Tätertypen und der Boden ihrer Radikalisierung
4.4Auswege aus aggressiven Familiendynamiken
Exkurs Täterbestrafung
Therapeutische Bindungsarbeit
Unterstützung der Mütter
Kurze Zusammenfassung
5.GestaltungsräumeWie ändert man die Welt?
5.1Entfaltung der eigenen Person
5.1.1Sein oder Design
5.1.2Hirnphysiologie zum besseren Selbstverstehen
Die eigene Vorstellung von der Welt
Die Plastizität des menschlichen Gehirns
Framing und Hirnphysiologie
Wie wir die Welt passend machen
Inneres Wachstum
5.2In der Familie
5.2.1Vorbereitung auf ein Kind
5.2.2Zeit
Pausen
Herzratenvariabilität
Stärkung für ein kooperatives Zusammenleben
Spielen
Games und Gamification
Entscheidung der Eltern für lebensförderliche Lebensstile
Vorbereitungen und Entscheidungen in der Schwangerschaft
Zur Geburt
Geburtshilfe im Detail, Geburtsort und Sicherheit, Geburtshilfe neu denken, Kaiserschnitt
Nach der Geburt
5.2.3Mediale Präsenz der Eltern
Empfehlenswerte Regeln für den Handy-Gebrauch in der Familie
Apps und digitale Assistenzsysteme, allgemeine Regeln für souveräne Mediennutzung
Warum Lebenspflege heute notwendig ist
Anhaltspunkte für eine mögliche Lebenspflege heute
5.3Die Bedeutung von Achtsamkeitspraktiken im Alltag am Beispiel von QiGong
5.3.1Körperwahrnehmung
5.3.2QiGong
Westliche Sehweise von QiGong
Meditative Aspekte von QiGong
Meditation allgemein
Starke Immunkräfte bei Viruserkrankungen
Zur Praxis von Achtsamkeitsübungen – bewährte Hinweise
5.4Alter und Altern
5.5Politik und Gestaltung
Die „Ausreichend Große Anzahl“ (AGA)
5.5.1Friedfertiges Narrativ
Wachstum und Renditen
Die Ausgangslage ist klar
5.5.2Bedingungsloses Grundeinkommen – Konkretes Kindeswohl
Fragen zur Realisierung
Gesellschaftlicher Umgang mit aktuellen Vermögen und Erbe
5.5.3Regionalwirtschaft
Globale Auswirkungen auf die Region
Sinnvolle Regio-Logik
5.5.4Grund- und Vorzüge der Gemeinwohl-Ökonomie
5.5.5Politik und Bürger
Kreativprozess statt Faumikoko
Grundgesetz und Menschheitsfragen in der Demokratie
Politisches Intermezzo
Sozialer Widerstand und Protest in der Demokratie
Corona-Pandemie
Kurzer Exkurs zu Medien
5.6Disruptive Prozesse
Digitalisierung im gesellschaftlichen Kontext
Arbeitsmarktturbulenzen in der Disruption
Die Welt vom Kind her sehen
Das Fahrrad
6.Zusammenfassung und Ausblick
Spektrum – Kinderschutz weltweit
Überbevölkerung
Gesundheitliche Gefährdung von Kindern
Krieg und Flucht
UN-Kinderrechtskonvention, WFC, Stiftung Sauti Kuu und Sansibar-Erklärung
Danksagung
QR-Code für eine Leser*innen-Botschaft
Anhang
Informationen zum Gezeiten Haus
Anmerkungen
Literaturhinweise
QR-Code für die Internet-Link-Liste
Gesamtliste der in diesem Buch aufgeführten QR-Codes
Gender-Hinweis:
In diesem Buch wird vorwiegend die neutrale Schreibweise ohne weitere Kennzeichnung für beide Geschlechter benutzt, andere individuelle Einordnungen der sexuellen Identität sind natürlich ebenfalls impliziert. Die aktuellen Entwürfe gendergerechterer Formulierungen sind in der Entwicklung, werden noch weiter ausreifen, sind für gute Lesbarkeit nach meinem Empfinden noch eine Hürde und noch nicht übereinstimmend für Druck- und Sprechversion (Hörbuch) anwendbar.1
In „Neltings Welt“ beschäftigt sich unsere Familie ausführlich mit dem Thema gendergerechter Wahrnehmung, Schriftform und Sprache im Dialog zweier Generationen.
(Siehe QR-Code auf der Rückseite des Buches)
Ich fühle mich sehr geehrt, meine Stimme – meine starke Stimme – zu der Diskussion um das Wohlergehen beziehungsweise Nicht-Wohlergehen von Kindern beitragen zu dürfen.
Es geht hier um die Auseinandersetzung mit dem Verrat der Gesellschaft an den Kindern, die vorgibt, sie zu schützen; darum, dass sich um diesen Verrat ein Schleier des Wegschauens, Verdrängens und Schweigens ausbreitet, den es aufzudecken gilt. Darum geht es in diesem Buch – darum, was dagegen getan werden muss.
Laut Dr. med. Manfred Nelting gibt es im reichen Land Deutschland sehr viele Kinder, denen es „weniger gut oder skandalös schlecht“ geht. Von frühester Kindheit an werden ihnen die Lebensgrundlagen durch einen Mangel an Liebe, Zuneigung und Schutz durch die eigenen Eltern genommen. Vernachlässigten Kindern, die eine bedrückende emotionale Kälte, emotionale und körperliche Gewalt oder Missbrauch erfahren haben, fehlt das Grundvertrauen in das Leben. Die hirnphysiologische Selbststeuerung kann nicht ausgebildet werden. Seine These: Um die Rahmenbedingungen eine gesunde, natürliche, unbehinderte Hirnentwicklung eines Kindes als Grundbedingung für sein künftiges psychisches Wohlergehen zu ermöglichen, braucht ein Kind in den ersten Lebensjahren Liebe, emotionale Wärme und eine schützende Umgebung.
An erster Stelle sind wir Eltern (ich zähle mich dazu) dazu aufgefordert – als fundamentale Voraussetzung – darauf zu achten, dass unsere Kinder diese Liebe und Zuneigung bekommen. Das ist das Fundament einer Elternschaft.
Unsere Aufgabe als Eltern müssen wir sehr ernst nehmen und ihr nachkommen. Wir müssen unsere Prioritäten richtig setzen, und unsere Kinder sollten an erster Stelle stehen.
In dem Moment, in dem wir Eltern werden, nimmt unser Lebensstil, unsere Haltung, unser Verhältnis zur Arbeit eine neue bedeutende Dimension an. Unsere ganze Einstellung zum Leben, unsere soziale und finanzielle Situation wird infrage gestellt. Alles hat einen Einfluss darauf, wie oder ob wir unseren Kindern die Liebe, Zuneigung und den Schutz schenken können, die oder den sie brauchen. Leider gelingt es vielen Eltern nicht, da sie in den meisten Fällen selbst Betroffene sind und verletzt oder traumatisiert aufwachsen mussten. Überfordert vom eigenen Leben können sie nur ihre Wunden (vielfach transgenerational) weitergegeben.
Es gilt, dieses Muster zu durchbrechen und zu heilen. Nur so können wir eine gesunde Gesellschaft schaffen. Die Kinder sind das Potenzial dieser Gesellschaft und wenn wir nicht darauf achten, dass es unseren Kindern gut geht, wird die Stabilität unserer Gesellschaft gefährdet und wir schaden uns selbst.
Kinder kommen mit vollem Potenzial in die Welt. Mit ihrer Geburt sind schon alle Voraussetzungen, alle Eigenschaften vorhanden, ein gut wohlfunktionierendes, ausgeglichenes Mitglied der Gesellschaft zu werden. Wir, die Eltern, die Gesellschaft beeinflussen und bestimmen, inwiefern diese Eigenschaften positiv entwickelt werden. Wir können sie nähren und fördern oder wir können sie unterdrücken, sogar kaputtmachen.
Dass dies so vielen Kindern angetan wird und was ihnen damit an Potenzial verwehrt wird, ist eben dieser Verrat der Gesellschaft an den Kindern.
Das Problem, so Dr. Nelting, muss sehr ernst genommen werden. Wir Eltern – und hiermit meine ich tatsächlich WIR, die Normalverbraucher (Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen1), und die Gesellschaft – stellvertretend für Soziales, Politisches und Wirtschaftliches sind gefragt, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen und notwendigerweise unser Verhalten zu ändern.
Damit sich die Gesellschaft im Interesse der Kinder entwickeln kann, müssen wir unseren Lebensstil passend einrichten, damit für die Kinder ein guter, sicherer und liebevoller Platz geschaffen wird. Jedes Handeln, jede Veränderung muss darauf abzielen, unseren Kindern Liebe und Vertrauen in ihr Leben und die Welt zu geben. Letztendlich kommt es uns und unserer Gesellschaft zu Gute.
Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass die Kinder in den sogenannten Entwicklungsländern gefährdeter und benachteiligter sind. Und ja, in Zusammenhang mit der westlichen Definition von Wohlbefinden, das auf materiellem Wohlstand basiert ist, könnte man so argumentieren. Materieller Wohlstand ist jedoch nicht das einzige Maß für das Wohlbefinden. Tatsächlich ist es eher ein Zusatz, und das nur, wenn die anderen wichtigeren Komponenten Liebe, Zuneigung und Schutz vorhanden sind.
Wir in den sogenannten Entwicklungsländern neigen dazu, die westliche Welt, d. h. Europa und Nordamerika als Maß aller Dinge zu betrachten, auch im Hinblick darauf, wie wir Wohlbefinden definieren. Und immer mehr tendieren wir dazu, unser Wohlergehen und das unserer Kinder darauf basieren zu lassen, wie die westlichen Länder unseren Wohlstand und die Entwicklung definieren – eine Definition gemessen an materiellen Wohlstand und stark gefördert durch die klassische Entwicklungshilfe-Politik. Was dazu geführt hat, dass wir uns als arm und unterentwickelt sehen. Und das, obwohl die westliche Lebensweise in vieler Hinsicht – insbesondere in Bezug auf die Kindererziehung – nicht notwendigerweise für uns geeignet ist. Immer häufiger glauben Kinder und Jugendliche in den sogenannten Entwicklungsländern, dass ihre Probleme darauf zurückzuführen sind, dass sie finanziell bzw. materiell benachteiligt sind. Aber nur, weil man keinen Strom und fließendes Wasser hat, heißt es noch lange nicht, dass man arm und unglücklich ist. Liebe, Zuneigung und Schutz brauchen keinen Strom und fließendes Wasser. Konsum und sofortige Bedürfnisbefriedigung ist keine Grundlage für ein Grundvertrauen in die Welt. Sie garantieren nicht das Glück. Auch die Freiheiten, die in den sogenannten entwickelten Ländern genossen werden, sind oft sehr stark zugunsten der Bürokratie konzipiert. Das System muss sich dem Menschen anpassen und nicht umgekehrt. Sich an ein System anpassen bedeutet in vielen Fällen Einengung und Mangel an Mitgefühl.
Der häufige Verweis auf den schrecklichen Zustand der Kinder, die in den sogenannten Entwicklungsländern aufwachsen, erwähnt selten die Tatsache, dass viele dieser Kinder trotz materieller Armut (im europäischen Sinne) viel Liebe und Zuneigung erfahren. Sie wachsen in einer Umgebung auf, die Werte wie Respekt, Gastfreundschaft, Familien-Ethik und das Wohlergehen der Kollektive, u. a. die Grundwerte, sehr hoch schätzt. Ihre Lebensgrundlage ist von frühestem Lebensalter an durch Liebe und Zuneigung geprägt. Erst im Umgang mit „europäischen“ Verhältnissen kommen Gefühle der Benachteiligung und des Versagens auf, die dann auch zu psychischen Problemen führen.
Mit dieser Aussage will ich nicht behaupten, dass wir in den sogenannten Entwicklungsländern nicht auch Fälle haben, wo Liebe, Zuneigung und Schutz fehlen. Auch wir erleben eine Einengung und mangelnde Empathie in unseren modernen gesellschaftlichen Strukturen. Auch unsere Systeme orientieren sich immer mehr an den Erfordernissen der globalen Wirtschaftsstrukturen. Ihre Entwicklung wird beschleunigt durch den immer größer werdenden Einfluss der Digitalisierung. Es hat zur Folge, dass eine Diskussion um das psychische Wohlergehen der Menschen, insbesondere der Kinder, und die Grundlagen für eine gesunde Hirnentwicklung in den ersten Lebensjahren in dieser Umgebung nicht stattfindet.
Nichtsdestotrotz müssen wir eine dauerhafte, zukunftsfähige Grundlage für unsere Kinder schaffen, müssen ihren Lebensraum schützen, bewahren und lebenswert machen. Auch wenn viele glauben, dass sie nichts an den Zuständen ändern können, wir Eltern und die Gesellschaft können und müssen für das unverzügliche Schaffen von Bedingungen für eine körperlich-emotionale Unversehrtheit unserer Kinder mit gesunder Hirnentwicklung in den ersten Kinderjahren als Grundlage späterer Gesundheit, sozialer Widerstandskraft und souveräner Mediennutzung sorgen. Das können wir aber nur dann tun, wenn wir aufhören, sie einer Welt, die für Geldpolitik und ein profitorientiertes individualistisches ökonomisches System mit sinnlosem Konsum und sofortiger Bedürfnisbefriedigung steht, vorzuziehen. Wir müssen mehr Verantwortung für unsere Kinder übernehmen, wenn wir bessere Lebensbedingungen für sie im Heute und in der Zukunft schaffen wollen.
Erst dann werden wir die aktuellen globalen Probleme und Herausforderungen, die den Schutz der Menschheit und die Bewahrung des Planeten Erde gefährden, wie beispielsweise Umweltzerstörung, Klimawandel, Kriege, Gewalttaten und bittere Armut, bewältigen. Sie sind Teil der Lösung.
Wir wissen, was zu tun ist. Es geht nur um das Wie. Wichtig ist, dass die Lösungen nicht nur aus dem industrialisierten Westen kommen, sondern von überall auf der Welt – auch von den sogenannten Entwicklungsländern. Ich fordere den Status Quo des westlichen Blickes auf die Dinge heraus, um auch insbesondere in den Ländern des Südens nach Lösungen zu suchen. Die Kraft des interkulturellen, wertschätzenden und kooperativen Austausches darf nicht unterschätzt werden. In der globalisierten Welt von heute können wir nur gemeinsam die Herausforderungen und Probleme meistern, da sie uns alle gleichermaßen betreffen. So wie wir alle Teil des Problems sind, so sind wir alle auch Teil der Lösung.
Ich appelliere an unser Verantwortungsgefühl, nicht nur gegenüber unseren Kindern heute, sondern auch für zukünftige Generationen. Unser Selbsterhaltungstrieb muss über unsere Generation hinaus und auch für unsere Kindeskinder gelten. Es reicht nicht aus, sich darauf zu verlassen, dass die Politik schon alles richten wird. Ja, wir müssen darauf achten, dass sie verantwortungsvolles und nachhaltiges Handeln effektiv verbreitet und umsetzt, aber wir sind ebenso dafür verantwortlich – und das ist unsere vordringlichste Aufgabe – unseren Kindern Liebe, Zuneigung und Schutz zu schenken. Jeder Einzelne von uns muss mitverantworten, dass zukünftige Generationen ein besseres Leben führen. In meiner Stiftung, die Auma Obama Foundation Sauti Kuu („Starke Stimmen” auf Kiswahili) arbeiten wir mit Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 4 – 25 Jahren, um ihnen eine Stimme zu geben. Mit einer starken Stimme können sie Teil der Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse sein. Es geht um die Förderung und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und des kreativen Potenzials des Kindes, geistig wie körperlich, um sie für das Erwachsenenleben mit allen Herausforderungen auszurüsten, d. h. die Erlangung eigenen Glücks und Zufriedenheit.
Die abrupte gesellschaftliche „Vollbremsung“, die die COVID-19-Pandemie uns unterzogen hat, gibt uns die Gelegenheit für ein anderes neues Denken und die Gelegenheit, eine Kurskorrektur unseres gesellschaftspolitischen Leitbildes in Erwägung zu ziehen. Es ist eine Gelegenheit, weltweit daran zu arbeiten, die besten politischen Konzepte einzusetzen; Themen entsprechend in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen zu verankern, die entscheidend für das Leben und das Überleben jetziger und zukünftiger Generationen sind. Und daran sollen sich alle beteiligen: privat und öffentlich engagierte Menschen, Bürgerrechtler, Politiker, Akademiker und Humanisten.
Ich freue mich sehr, für dieses so wichtige Werk einen Beitrag leisten zu können und ich wünsche Dr. Manfred Nelting und seiner Frau Elke Nelting viel Erfolg mit der Verbreitung ihrer so wichtigen Gedanken.
Nairobi, Juni 2020 Dr. Auma Obama
Gründerin/Direktor, Sauti Kuu Foundation
Dr. Auma Obama ist Gründerin und Vorsitzende der Auma Obama Foundation Sauti Kuu, internationale Keynote Speakerin, Buchautorin und Gastdozentin für die Themen ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit sowie soziale Verantwortung. Die Schwester des 44. US-Präsidenten Barack Obama möchte mit ihrer Stimme insbesondere auch benachteiligten Menschen eine Stimme verleihen, die auf der ganzen Welt gehört wird.
Dr. Obama wurde in Kenia geboren und wuchs dort auf. Sie studierte in Deutschland, wo sie einen Masterabschluss an der Universität Heidelberg erhielt. Nach diesem Masterstudium schloss sie ein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin ab und promovierte gleichzeitig an der Universität Bayreuth. Im Anschluss an ihre erfolgreiche Promotion zog sie nach England und arbeitete dort für ein lokales Jugendamt, das „Children‘s Services Department“. Es folgte ein Umzug nach Kenia, wo Dr. Obama knapp 5 Jahre für die internationale Hilfsorganisation CARE tätig war. Zu Ihren Aufgaben gehörte u. a. die Koordination des Programmes „Sport for Social Change“, einer Initiative aus Sport und Bildung zur Stärkung des Selbstbewusstseins von Kindern und Jugendlichen. Hier wurde ein besonderer Fokus auf Mädchen aus benachteiligten Verhältnissen gelegt.
Dr. Obama ist Vorsitzende der Kinder- und Jugendlichen-Kommission des World Future Councils („Weltzukunftsrat“) rsp. Ratsmitglied des World Future Council. Außerdem Mitglied des Organisationsrats der Kilimandscharo-Initiative, die junge verbrechensgefährdete Menschen dabei unterstützt, ihr Leben gewaltfrei zu verbringen und sich und ihre Gemeinden positiv zu entwickeln, sowie für mehrere Jahre im Kuratorium der Stiftung Lesen und Schirmherrin des Storymoja-Lesefestival in Nairobi.
Dr. Auma Obama ist Gründerin und Vorsitzende der Auma Obama Foundation Sauti Kuu. Sauti Kuu stammt aus der Sprache Kisuaheli und bedeutet auf Deutsch „Starke Stimmen“. Die Stiftung möchte benachteiligten Kindern und Jugendlichen eine Stimme geben und ihre Potenziale wecken und stärken. Dies geschieht durch praxisnahe Schulungen, welche für die Kinder und Jugendlichen ökonomisch nachhaltig sind. Die Stiftung basiert auf dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ durch Unterstützung und Motivation, damit junge Generationen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und so erfolgreich ihre Zukunft steuern.
Als bekannte Buchautorin (u. a. „Das Leben kommt immer dazwischen: Stationen einer Reise“) und Vortragsrednerin wird Dr. Auma Obama als Key Noterin und Speaker zum Thema ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit in ganz Europa und weltweit gebucht.
Vortragsthemen: You are Your Future – Impulse für Verantwortlichkeit
Preise & Ehrungen:
•Hans-Rosenthal-Ehrenpreis(für ihr soziales und humanitäres Engagement), Mai 2019
•Internationaler TÜV Rheinland Global Compact Award, Oktober 2017
•Fit4Future Ehrenaward, Juni 2017
•Kiwanis Award 2016, Kiwanis Club Stuttgart, März 2016
•World Human Rights Award, Magazin Look, Austria, November 2015
•German Speakers Award, GSA German Speakers Association, September 2015
•International B.A.U.M Special Award, September 2015
•Prix Courage Award, ZDF Mona Lisa und Clarins Paris, Oktober 2014
Ich begrüße Sie ganz herzlich als Leserin und Leser und freue mich über Ihr Interesse an diesem großen Thema. Wir begegnen uns hier auf diese Weise wahrscheinlich zum ersten Mal. Ich berichte hier in diesem Buch aus meiner Erfahrung als Arzt, als Unternehmer und Wissenschaftler, als Ehemann und Familienvater, als politisch interessierter Bürger und Demokrat, als TaiJi-Lehrer, Musiker und Tangotänzer (Tango Argentino) und aus weiteren Erfahrungsfeldern. Vieles davon ist eine gemeinsame Erfahrungs- und Erlebniswelt mit meiner Frau und unseren Kindern.
Auma Obama hat ja in ihrem hochgeschätzten Vorwort die ganze Tiefe dieses Themas schon anklingen lassen. Im Inhaltsverzeichnis haben Sie ggf. schon gesehen, dass ich einen weiten Bogen spanne und die Wirk- und Erlebnis-Linien in den heutigen verschiedenartig möglichen Alltagen integrativ behandele, also die vielen einzelnen Fäden miteinander verwebe zu einem aus meiner Sicht realistischen Teppich.
Hier in Kurzform ein paar Worte zu mir als Autor und auch zu meiner Frau, damit Sie eine erste Idee von uns haben.
Meine Frau Elke Nelting und ich kennen uns seit knapp 40 Jahren und haben dann bald geheiratet, wir haben drei erwachsene Kinder, Nina, Fritjof und Frederik, und sind mittlerweile schon vierfache Oma und Opa.
Beruflich bin ich ausgebildet als Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie für Allgemeinmedizin mit Naturheilkunde und Homöopathie sowie als TaiJi-Lehrer.
Meine Urgroßeltern mütterlicherseits waren um die Jahrhundertwende (1900) nach China ausgewandert, meine Oma ist in Shanghai und meine Mutter in dem nun seit der Corona-Pandemie allseits bekannten Wuhan geboren. Insofern haben wir traditionell Bezüge zu China und auch wieder aktuell ist die Frau unseres Sohnes Fritjof, dem ich vor einigen Jahren die Geschäftsführung unseres Gezeiten Hauses übergeben habe, Chinesin. Wir haben viel Freude an unseren Kindern, ihren Partnern und unseren Enkeln, wir sind reich beschenkt.
Der Impuls zu unseren Klinikgründungen mit integrativer Therapie von westlicher und traditioneller chinesischer Medizin kam gleichermaßen von meiner Frau, es waren also gemeinsame Ideen.
Sie hatte als junges Mädchen mit eigenen bodenständigen Wurzeln – ihre Eltern waren Bauern in der Nordheide – fasziniert vom Leben in China und speziell vom Bauern Wang gelesen in Pearl S. Bucks Roman „Die gute Erde“. Sie hat dann nach ihrer Krankenschwestern-Ausbildung und 10-jähriger Arbeit im UKE Hamburg einen Weg beschritten im Lernen und Praktizieren von „Do In“ Übungen, Massagen und dann speziell Kung-Fu. Diverse Ausbildungen in TaiJi/QiGong und TuiNa-Heilmassagen folgten. Im Weiteren entwickelte sie eine neue klinische Behandlungsform, die „TCM-basierte psychosomatische Körpertherapie“, die sie in unseren Kliniken jahrelang praktiziert und in der wir entsprechend therapeutische Mitarbeiter ausgebildet hatten.
Mit ihrer Kompetenz in TCM, meinem Schwerpunkt der Psychosomatik und Psychotherapie und unserer gemeinsamen Freude an QiGong und TaiJi konnten wir dann unser integratives klinisches Konzept mit psychosomatischer Medizin und Traditioneller Chinesischer Medizin beginnen und mit unseren Mitarbeitern die Behandlung mit unseren Patienten erfolgreich umsetzen.
Vorher war ich sieben Jahre als Assistenz-Arzt in verschiedenen Krankenhäusern zur Ausbildung und ebenfalls sieben Jahre als Allgemein-Arzt und Psychotherapeut in eigener Praxis niedergelassen. Es folgten zehn Jahre erfolgreicher Arbeit mit Patienten in der von uns und einem Kollegen gegründeten (1992) Tinnitusklinik in Bad Arolsen.
Dann haben meine Frau und ich auf diesem Boden unserer gemeinsamen Kompetenzen und Erfahrung seit dem Jahre 2004 Akut-Kliniken für psychosomatische Medizin und Traditionelle Chinesische Medizin (zuerst in Bonn) gegründet, in denen Menschen mit schweren Lebens-Krisen und Krankheitsentwicklungen wie Depression, Burn-out, Trauma-Folgestörungen, psychosomatischen Störungen, ggf. auch mit Sucht-Folgeentwicklung, Ängsten und Schmerzen sowie Bindungsstörungen behandelt werden können. Dies gilt für alle Altersstufen. Wir haben z. B. eine große Kinder- und Jugend-Psychiatrie/Psychosomatik, führen spezielle Intensiv-Traumatherapien für Traumafolgestörungen durch, arbeiten aber auch im geriatrischen Bereich mit Menschen, die im Alter und im hohen Alter entsprechende Behandlung brauchen. Wir haben eine eigene Forschungsabteilung, vielleicht haben Sie auch schon einmal vom Gezeiten Haus gehört, weil wir aufgrund unseres breiten Erfahrungs-Spektrums öfter von den Medien angefragt werden.
Sie wissen jetzt ein wenig über uns und unseren beruflichen Background. Mein Vorwort und die Einführung in das Thema sind so vorbereitet.
Lesen Sie, so oft Sie mögen, auch zwischen den Zeilen und verweilen dort ein wenig, dann „hören“ Sie mich und vor allem sich selbst noch deutlicher. Und lassen Sie sich Zeit beim Lesen. Schließlich kommen Sie nach der Danksagung auf Seite 639 bei den letzten Worten dieses Buches an. Das sind die Wichtigsten!
Direkt danach finden Sie noch einen QR-Code. Wenn Ihnen das Buch gefällt und Sie Lust haben, dies Ihrer Social-Media-Community mitzuteilen, scannen Sie doch einmal diesen QR-Code. Sie können dann mit einer einfachen Anleitung eine Leser*innen-Botschaft erstellen, sozusagen ein Kurz-Video für Ihren Freundeskreis.
Meines Wissens ist das in einem Buch Weltpremiere und ich bin gespannt auf die Resonanz in der Leserschaft. Auf diese Weise können ja die hier zusammengetragenen Gestaltungsideen von Ihnen auf gute Weise im Sinne einer Empfehlung weitergetragen werden.
Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit mit der Lektüre meines Buches.
Kinder sind „wundervoll“ und in diesem Sinne auch ein großes Glück. Wie schön, wenn es ihnen gut geht und die Eltern ihre Kinder lieben. Das ist aber nicht für alle so.
Zu vielen Kindern in der Welt geht es nicht gut, und auch in Deutschland ist das so. Nur etwa die Hälfte aller Kinder hier in unserem reichen Land bekommt genug Liebe von ihren Eltern und kann so in den ersten Lebensjahren eine hinreichend sichere Bindung entwickeln mit gesunder, natürlicher, unbehinderter Hirnentwicklung.
Etwa 25 Prozent der Kinder in Deutschland mangelt es daran in ihren Familien, weitere 25 Prozent erleben sogar ausgeprägte Vernachlässigung, bedrückende emotionale Kälte, sogar emotionale und körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch. Als Folge findet bei vielen Kindern eine gesunde Hirnentwicklung mit Ausbildung einer sicheren Bindung nicht hinreichend statt, d. h. ihr Grundvertrauen in die Welt und ihre Selbststeuerung werden hirnphysiologisch nicht bestmöglich ausgebildet, obwohl die Kinder die Voraussetzungen dafür mit der Geburt meist mitbringen.
Dass dies so vielen Kindern angetan und was ihnen damit an Potenzial verwehrt wird, kommt einem Verrat der Gesellschaft an den Kindern gleich, die sie zu schützen vorgibt. Und darüber hatte sich ein Schleier des Wegschauens, Verdrängens und Schweigens ausgebreitet. Die Gesellschaft verbaut, ja vergiftet sich selbst so den Boden für die Bewältigung der Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte.
Die meisten Menschen können aber gar nicht glauben, dass es so vielen Kindern nicht gut geht. Diese Realität liegt vielfach noch unter einer Tabu-Glocke, sie würde das Bild von Deutschland stören, viele geben ja an, mit ihrem Leben erst einmal soweit zufrieden zu sein. Und das Leben in Deutschland ist ja tatsächlich für viele eher angenehm, recht sicher und demokratischer als in vielen anderen Ländern. Aber darunter rumorte es doch. Das Tabu begann schon brüchig zu werden, der Verrat der Gesellschaft an den Kindern, die es vorgibt zu schützen, begann sichtbarer zu werden und in der Corona-Krise wird diese skandalöse Situation vieler Kinder nun auf einmal offensichtlich.
Ich habe das Buch im Wesentlichen vor der Corona-Krise geschrieben und hatte dafür den Titel „tabu“ gewählt.
Jetzt in der Corona-Krise rückt besonders das Thema der häuslichen Gewalt in den Nachrichten immer häufiger in den Fokus. Kinderärzte, Kinderschutzbund, Gesundheitsämter und alle, die sich um das Wohl der Kinder sorgen und kümmern, kommen zu Wort und dringen jetzt auch durch bei dem Geflecht von News und Fake News.
Kitas, Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen wurden ja geschlossen und U-Untersuchungen der Kinder verschoben, womit ein gewisses Korrektiv für die Kinder und eine Möglichkeit für Transparenz verloren ging. Berichte häuslicher Gewalt mit offensichtlich zunehmender Tendenz im Lockdown häuften sich nun. Die Gesellschaft sah nun zunehmend das gravierende Problem, sogar die Wirtschaft befasste sich mit diesem Thema.
Und die Probleme der Schulen, der großen Klassen, des Lehrermangels und der Lehrergesundheit, der sozialen Ungleichheit sowie des Fehlens zukunftsfähiger Konzepte hören und sehen wir nun täglich.
Insofern hatte ich, einem Vorschlag meiner Frau folgend, den Titel von „tabu“ auf „offensichtlich“ geändert, auch wenn das Tabu weiterhin noch wirksam ist. Denn auch wenn die Dinge offensichtlich sind, können sie natürlich auch durchaus noch ignoriert oder verdrängt werden. Wie Sie sehen, haben wir uns nun letztendlich für einen anderen Titel entschieden:
Dieser Titel beschreibt die Situation und mein Vorhaben noch klarer.
Ich möchte insofern hier helfen, das schon brüchig gewordene Tabu behutsam, aber beherzt weiter aufzuheben, und das, was zutage kommt, mit Ihnen als Leserin und Leser zusammen verstehen und als Boden nehmen für einen gemeinsamen gesellschaftlichen Entwicklungsweg, in den jeder seine individuelle Kreativität einbringt. Ich kann hier Licht hineinbringen als Arzt, dem viele Menschen ihre Lebenserzählungen anvertraut haben, und will nach Aufklärung und Analyse zu einem hoffnungsvollen Handeln animieren, nicht allein für die Zukunft, sondern gerade für die Gegenwart, die die Zukunft gestalten wird. Dafür sind insbesondere unsere Kinder da, die in dieser zukünftigen Welt leben werden, dürfen, müssen.
Das kreative Potenzial, die innere Balance, die sichere Bindung von möglichst vielen Kindern ist das Faustpfand, mit dem sie erst als Kinder und Jugendliche, später als Erwachsene, die nachfolgenden schwierigen Lebensbedingungen auf unserem Planeten meistern. Wir heutigen Erwachsenen haben unverzüglich die Maßnahmen zu ergreifen, die das noch möglich machen, im Übrigen auch für uns als Erwachsene.
Eine gesunde Hirnentwicklung als Grundbedingung braucht einen guten Rahmen, der von den Eltern und der Gesellschaft jetzt auf breiterer Basis geschaffen werden kann, viele arbeiten schon daran. Aber die Beziehungs-Bedingungen in zu vielen Familien, ihr finanzieller Rahmen zur Existenzsicherung, ihre Resilienz und soziale Widerstandskraft, die Kompetenzen in der Digitalisierung für eine souveräne Mediennutzung und die Gesundheit der Menschen mit ihren Fähigkeiten zur inneren und vegetativen Balance unter den Arbeitsbedingungen einer Wachstumswirtschaft haben sich in den letzten Jahren eher ungünstig entwickelt. Sie verschieben sich teilweise geradezu ins Gegenteil und verschärfen sich in der Corona-Pandemie weiter.
Wir haben also die Aufgabe, diese negative Entwicklung aufzuzeigen und zu beenden, dabei gerade wegen der Corona-Pandemie neue gesellschaftliche Ziele ins Visier zu nehmen, die sich bereits davor nahelegten. Viele glauben nicht daran, dass wir die Gesellschaft so gestalterisch verändern können und meinen bei den meisten Themen, der Zug sei doch sowieso abgefahren: Dem widerspreche ich entschieden und bin sehr zuversichtlich, dass ich in den Lesern dieses Buches vermutlich viele schon gestaltende, aber auch neue Mitstreiter finden werde, auch viele, die nach der Lektüre wieder neuen Mut schöpfen, weil sie verstehen, dass jede Veränderung auch im außen bei einem selbst beginnt. Bei uns selbst sind wir nicht ohnmächtig und können selbstwirksam handeln.
Dies gilt insbesondere für unsere Kinder, wir können ihnen Liebe geben und Vertrauen in die Welt. Das hat hohe gesellschaftliche Bedeutung, ist kein bloßes Gerede und gilt natürlich im besonderen Maße jetzt in der Corona-Pandemie. Ich werde dies jeweils genauer erörtern und erklären, weil wir und viele andere eine ganze Reihe hierzu notwendender innerer und äußerer Gestaltungen bereits ausprobiert haben und sagen können: „Es funktioniert!“
Natürlich weiß keiner genau, wie die Zukunft sich entwickeln wird, denn die Zukunftsentwürfe der vielen Menschen unterscheiden sich ja, und ich möchte sagen glücklicherweise. Und aus diesen verschiedenen Ideen wird sich etwas Neues herauskristallisieren.
Denn wir können Veränderungen machen und bewirken, wenn vielen klar wird, wie sie leben wollen und eine große Mehrheit der Bevölkerung hier in eine menschliche Richtung ziehen wird. Wir brauchen als Motivation zu einem würdevollen menschlichen Leben an sich nicht die heraufziehende Klimakatastrophe. Aber da ein von vielen neu gedachtes Leben und die Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung bei genauerem Hinsehen recht richtungsgleich sind, nehmen wir den realen Zeitdruck durch die Klimaerwärmung, die wir eben tatsächlich haben, doch als kräftigen Motor, um die humanen Ziele endlich zu erreichen! Diesen Zeitdruck zu ignorieren macht keinen Sinn und würde menschliches Leben auf der Erde schließlich sehr schwer machen.
Und in dieser Haltung wollen und werden wir auch die Auswirkungen aus der Corona-Pandemie von ihrem vielfach existenzbedrohenden Charakter in Gegenwart entwickelnde und somit zukunftsfähige Impulse und Gestaltungen hin zur Erfüllung der Forderung nach einem würdevollen Leben für alle umwandeln.
Aktuell war ja schon vor der Corona-Pandemie Bewegung in die Gesellschaft gekommen, so als würde Hoffnung aus dem Tabu und dem allgemeinen gesellschaftlichen Schlaf drängen, ein neues Bewusstsein für die Gestaltbarkeit menschlicher Lebensbedingungen erwachen und aus der Umnebelung in die Klarheit entweichen.
Hier sind z. B. direkt aus der Bevölkerung zu nennen die Schüleraktivitäten „Fridays for Future“, die in Umfragen mittlerweile oft mehrheitliche Befürwortung eines bedingungslosen Grundeinkommens, das klare Gefühl von einem Grundrecht auf bezahlbare Miete, das Volksbegehren zur Bienen-Rettung und Artenschutz in Bayern sowie die Aktivitäten der Generationenstiftung mit ihrem Jugendrat. Es zeigt sich aber auch in Forschungen zu Gewalt und politischen Einstellungen, dass sich in Deutschland in den Familien tatsächlich auch schon hoffnungsvolle Entwicklungen jenseits der populistischen Tendenzen andeuten. Ich werde darauf sowohl inhaltlich als auch bei Projekten zur Frage der jeweiligen Praktikabilität in der Umsetzung intensiv eingehen.
Die aktuelle Politik hat großen Glaubwürdigkeits-Verlust, gestaltet nicht wirklich, sondern scheint für lobbyistischen Vorteil (z. B. Machterhalt) oft zu verzögern. Die handelnde Gesellschaft ist im Begriff, sie zu überholen, ja abzuhängen.
Daran ändert auch nicht das in der Corona-Krise initial doch sehr gute Krisenmanagement der Regierung, das noch mit steigenden Umfragewerten, insbesondere der Kanzlerin-Partei, aktuell belohnt wurde. Viele Bürger hatten aber doch schon vorher bemerkt, dass das Gestalten der Gesellschaft und die Umsetzung von notwendenden zukunftsfähigen Ideen und Visionen eher doch nicht zu den Kernkompetenzen der Koalitionäre gehören. In ihren Denkmöglichkeiten sind die meisten von ihnen einfach gefangen in den Grenzen ihres alten System-Rahmens und hauptsächlich erfahren im nachlaufenden Reagieren auf Krisen, wenn es stark aus dem Ruder läuft.
Und in der Corona-Pandemie, schon im ersten Lockdown, umso mehr im aktuellen zweiten Lockdown, wird deutlich, dass die notwendende Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Umwandlung des Wirtschaftens in klimafreundliche und kooperative Formen jetzt keine Verschiebung in die Zukunft zulässt. Den etablierten, im alten verharrenden Parteien wird vermutlich eine weitere Gefolgschaft zunehmend von vielen Menschen in Deutschland verweigert werden, viele werden sich schon bei der Bundestags-Wahl 2021 gestaltungsbereiteren demokratischen Parteien zuwenden.
Ähnliche Signale sendet auch der Ausgang der aktuellen US-Wahl mit dem neuen Präsidenten Joe Biden und insbesondere der Vizepräsidentin Kamala Harris. In ihren ersten Reden zeigen sie klar an, dass sie die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft überwinden und auch unverzüglich wieder dem Klima-Abkommen von Paris beitreten wollen. Insbesondere Kamala Harris kommt dabei ja die große Aufgabe zu, zukunftsfähige Konzepte für die Bevölkerung gemeinsam mit den US-Bürgern zu erarbeiten und in eine zunehmend zustimmungsfähige Entwicklung zu bringen. Die gelungene Zustimmung auch für ihre Person als eines der hervorragenden Ergebnisse dieser Wahl ist dafür ja ein guter Boden. Und wir können nun vermutlich besser schauen und daran arbeiten, wie eine zukünftige Partnerschaft sich zwischen EU und den USA gleichberechtigt und kooperativ entwickeln kann.
Wir haben jetzt vielleicht zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte durch die Digitalisierung und die Robotik die Chance, weniger zu arbeiten, mehr Zeit für die Kinder, zwischenmenschliche Begegnungen und gemeinschaftliche Ziele zu haben. Wie wir die Gesellschaft so umgestalten können, dass dies zunehmend menschlich, würdevoll und zur Freude und Zufriedenheit der meisten Menschen abläuft, darum soll es auch in diesem Buch gehen.
Wir brauchen dafür auch eine gestalterisch gute und ehrliche, uneitle Politik, um die Rahmenbedingungen für das Leben unserer Kinder grundlegend zu ändern, sowohl für ihre Entwicklungsbedingungen in den ersten Lebensjahren, als auch für ihre Lebensbedingungen auf diesem Planeten.
Die Initiative zur Verankerung der Kinderrechte nach der UN-Kinderrechtscharta (vor 30 Jahren verabschiedet) in das Grundgesetz ist hier hilfreich, aber es ist doch wunderlich, dass es extra betont werden muss, dass das GG auch für Kinder gilt?! Jeder ist jeder, auch kleine Menschen.
Denn für die Erlangung eigenen Glücks und Zufriedenheit und ebenso für die Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen auf dieser Erde, für die Balance der Menschen untereinander und mit der Biosphäre (Digitalisierung, Klimawandel, Artenvielfalt usw.) braucht es, wie schon gesagt, viele Kinder in möglichst vollem Potenzial, geistig wie körperlich. Dies ist auch deshalb wichtig, weil wir viel Klugheit brauchen in einer grundlegenden Transformationsphase, in der wir jetzt in der Gegenwart durchaus von Selbstverständlichem und Gewohnheiten Abschied nehmen müssen, um uns nicht später plötzlich in bedrückenden Lebens-Szenarien wiederzufinden, wie z. B. die Klimaforschung es uns aufzeigt.
Ich möchte mit diesem Buch Lust auf ein solches Neues bzw. neu und zukunftsfähig zu gestaltendes Leben machen. Also schauen wir, wie das gelingen kann. Und wieso das für Eltern, die sich darum kümmern, Freude und mehr Lebensqualität bringt und dabei unsere Demokratie vitalisiert.
Unsere Zeit ist jetzt schon sehr schnelllebig. Ein Buch in der heutigen Zeit zu schreiben ist auf neue Weise herausfordernd, weil die Dinge sich so rasch ändern und man dann irgendwann radikal entscheiden muss, dass das Buch fertig ist. So ist es mir jetzt auch ergangen, ich freue mich, die Entscheidung der US-Wahl noch mit zu bedenken, da ich glaube, dass insbesondere durch Kamala Harris ein notwendiger Generationen-Wechsel eingeleitet ist. Sehr hoffnungsvoll erscheint mir noch das gerade erscheinende Buch „Mut zum Träumen“ von Papst Franziskus zu sein, in dem er z. B. ein bedingungsloses Grundeinkommen fordert, ein aktuell vielerorts geforderter Gedanke, den ich ausführlich mit Für und Wider im Kapitel 5 (Gestaltungsräume) beleuchte.
Wenn Sie dieses nun im Frühjahr 2021 erschienene Buch lesen, wird die Welt schon wieder eine andere sein. Es ist 2021, in Deutschland Wahljahr und ich hoffe, ja gehe davon aus, es wird mit den erzielten Wahlergebnissen ein Einstieg in eine neue, lebenswerte Welt möglich. Gehen Sie wählen! Und bleiben Sie zwischen den Wahlen gemeinsam mit vielen dran, das Leben auf der Erde in eine freud- und würdevolle, bejahenswerte Entwicklung zu bringen.
Bonn, zum Jahreswechsel 2020/21
Dr. Manfred Nelting
Die Idee zu diesem Buch entstand aus einem Vortrag von mir zur gesunden Hirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen in Zeiten der Digitalisierung.
Beginnen wir also auch hier bei der Einführung mit dem Thema der Digitalisierung und was sie für den Menschen bedeuten kann.
Digitalisierung ist per se sicherlich nicht pathogen und andererseits auch nicht per se ein Glücksbringer, wie sie oft medial und in der Werbung daherkommt.
Da die Digitalisierung sich aber von den früheren damals neuen Technologien insofern unterscheidet, als die Digitalisierung technologisch ohne Bremsen angeboten wird, liegt das Maß und die Balance allein beim Nutzer und seiner Kompetenz dafür. Gesellschaftliche Regelwerke sind nicht vorhanden, laufen der Entwicklung hinterher oder sind unfertig, langsam und wenig wirksam.
Da wir wissen, dass die Dosis das Gift macht, gilt das natürlich auch für die Nutzung digitaler Medien ebenso wie für den Umfang der Digitalisierung im jeweiligen Alltag. Darauf nimmt die Digitalisierung allerdings keine Rücksicht und der Einzelne hat dafür Sorge zu tragen, dass die Dosis verträglich bleibt.
Ein wichtiges Ziel in der Digital-Bildung ist somit die souveräne Mediennutzung – die Medienresilienz. Das bedeutet, dass ich eine gute eigene Selbststeuerung habe, die mir erlaubt, die Medien (Fernsehen, Smartphone, Internet, Apps, Games, Virtual Reality, Internet der Dinge) in einer Weise zu nutzen, dass ich:
•auswählen kann, was mir wichtig ist,
•ich mir ein Zeitlimit vor dem Bildschirm setzen kann, ich also Kraft habe, dem Sog weiterzumachen zu widerstehen,
•ich zu einer inneren Klarheit komme, was am digitalen Angebot mir echte Freude macht bzw. tatsächlichen Gewinn auf einer mir wichtigen Ebene bringt,
•ich mir ausreichend analoge Zeit für Direktkommunikation, sinnliche Genüsse, Bewegung, Ruhe gönne,
•also einen wesensnahen Lebensstil entwickeln kann, der im Einklang ist mit dem „Du“ und der Biosphäre.
(Was das genau heißt, schauen wir uns noch in Ruhe an).
Digitalisierung birgt in sich die einmalige und erstmalige Chance auf ein menschlicheres Leben, in dem Automaten und Roboter den Menschen harte Arbeit abnehmen und ihnen so Zeit ermöglicht für kreatives Arbeiten, Zeit für Kinder und Partner sowie für Freunde und Nachbarn, Gemeinwohlaktivitäten, Muße, Lebenspflege etc. Wir alle müssen darauf achten, dass diese Chance nicht vertan wird und in Digitalisierung als algorithmischer Selbstzweck mündet und damit für menschliche Zwecke endet. Digitalisierung braucht also die Einbindung in unser demokratisches Leben und eine grundsätzliche Gemeinwohl-Orientierung. Das ist aktuell noch nicht einmal als gesellschaftliches Ziel formuliert, wir müssen uns also darum kümmern (siehe Kapitel 3 und 5).
Es wird gesagt, dass Digitalisierung ab jetzt immer weiter und schneller fortschreitet und alle Menschen ab jetzt immer weiter digital lernen müssen – lebenslang. Aber was ist Digitalisierung und haben wir Einfluss darauf, was sie für uns jeweils persönlich ist?
Digitalisierung als eine dem Menschen dienende Technologie heißt im Zentrum analog-digitale Balance jedes Einzelnen. Die analog-digitale Balance gehört als fester Bestandteil zur Digitalisierung. Das heißt, wir müssen, wenn wir Digitalisierung z. B. an Schulen oder Unternehmen lehren, außer der Vermittlung von gekonnter Nutzung digitaler Medien vor allem auch die Freude und Kreativität an analogem Erleben gleichrangig lehren. Dazu gehören z. B. Begegnungen, sinnliches Wahrnehmen mit allen Sinnen wie beim Naturerleben, aber auch von ästhetischen Faszinationen der Baukunst, von technologisch Sichtbarem, der Kunst der Darbietungen in Bild, Musik, Theater, Tanz und Sport im direkten Erleben, ohne Bild- und Video-Aufnahmen mit dem Handy anzufertigen, und schließlich gehören dazu auch die Ruhe und Muße und der erholsame Schlaf, die im globalisierten Alltag leicht verloren gehen.
Digitalisierung, wenn sie dem Menschen dienen soll, darf nicht ohne das analoge Leben stattfinden. Das muss dann ebenfalls gelehrt und gelernt werden. Dabei ist lebenslanges Lernen im analogen Alltag normal und kann auf die digitale Nutzung ausgedehnt werden. Und die Lehrenden sollen dies als Vorbilder dann auch können, d. h. sie müssen selbst in guter Selbststeuerung sein und die Kinder und Jugendlichen ebenfalls, um das fassen zu können.
Ein Merksatz schon einmal im Voraus:Digitalisierung dient den Menschen nur, wenn die analog-digitale Balance und Selbststeuerung der einzelnen Menschen existiert und funktioniert, und nur so ist eine souveräne Mediennutzung für die Gesellschaft möglich, nur so entsteht eine Medienresilienz ohne Suchtgefahr und Kreativitätsverlust von zu vielen Menschen!
Wie und wann entsteht nun Selbststeuerung? Und da sind wir schon bei der Gehirnentwicklung in den ersten Lebensjahren der Kinder auf dieser Welt. Wenn sie gut gelingt, steht dem Kind im weiteren Leben viel Potenzial zur Verfügung auf dem Boden einer gut gebahnten Selbststeuerung, wenn nicht, ist die Impulskontrolle oft nicht ausreichend ausgebildet, was das Gestalten der Mediennutzung eben schwierig macht und nicht selten einer Mediensucht den Weg bahnt. Auch zum eigenen Glück ist der Weg dann oft weit.
Konsum und Sofortbefriedigung online sind dann ein letztlich schaler Ersatz mit großer Traurigkeit und Ohnmacht im Hintergrund, bewusst oder unbewusst.
Ein Gelingen braucht nun gute Randbedingungen, z. B. ausgeruhte, verlässliche Eltern, die dem neuen Erdenbürger eine dyadische Kommunikation ermöglichen (dyadisch: zwei in eins, siehe Kapitel 1).
Ausgeruht? Wie soll das gehen, wo die Mehrheit der Bundesbürger schlecht schläft bis zur Schlafstörung, wo der Stress „Allgemeingut“ ist und fast die Hälfte der Erwachsenen Bluthochdruck hat?
Und das Bildungssystem orientiert sich mehr an Erfordernissen der Wirtschaft als an der Hirnentwicklung und physiologischen Gegebenheiten. Auch der jetzt in der Corona-Pandemie beklagte Mangel an Tablets und Druckern in vielen Familien, die soziale Ungleichheit in der Kompetenz von Eltern für ein Homeschooling, dto. bei vielen Lehrern und das weitgehende Fehlen praktikabler Digitalkonzepte in der Schule ist ein verständliches Klagen über äußere Umstände.
Aber im Zentrum müsste hier stehen, dass die Beziehungsfähigkeit von Schülern und Lehrern den Boden abgibt, auf dem digitales Lernen funktioniert. Der emotionale Kontakt der Schüler mit ihren begeisterungsfähigen Lehrern ist die Basis der Freude der Schüler am Lernen und des hirnphysiologisch möglichen Lernertrags und -erfolgs. Dieser Mangel tritt bisher noch in den Hintergrund und Schule muss sich grandios wandeln in ihren Grundkonzepten, auch um z. B. digitalen Unterricht als Teil von Schule fruchtbar zu machen.
Und da die Anforderungen der Zukunft teilweise noch unscharf sind, sich noch nicht ganz deutlich herausgebildet haben, muss Schule sich auf eine große Flexibilität in den Lehrinhalten und Kommunikationswegen vorbereiten, die Lehrer müssen in guter, auch vegetativer Balance sein, um da mitgehen zu können. Und die Schüler profitieren dann hauptsächlich von Lehrern mit guter Psycho-Sozial-Kompetenz, Begeisterungsfähigkeit und persönlicher Zufriedenheit mit der Fähigkeit zur eigenen Lebenspflege.
Hier ist es eben wichtig, dass auch immer mehr Eltern, Lehrer und Politiker Kenntnis von gesunder Hirnentwicklung und dyadischer Kommunikation haben, ebenso wie Lernen im Schulalter hirnphysiologisch gut und nachhaltig funktioniert und dieses Wissen in die Gestaltung hierfür notwendiger Lebensverhältnisse umsetzen. Dabei können Eltern in ihrem Lebensraum viel gestalten und die Politik mit ihrer klaren Haltung kraftvoll anregen und fordern, indem immer mehr Eltern ihr Leben mit Lebensstilen, die einen guten Platz für Kinder haben, passend einrichten.
Dann kann sich die Gesellschaft im Interesse aller Kinder so entwickeln, dass Artikel 2 II des Grundgesetzes wieder in Kraft gesetzt wird, in dem es heißt: „Jeder hat das Recht auf Leben und Unversehrtheit. …“. Das ist bei behinderter Hirnentwicklung der Kinder dauerhaft verletzt. Und die Gesellschaft schadet sich mit. Eine gesunde Hirnentwicklung darf aber nicht zur Disposition stehen.
Dieses Grundrecht ist gültig, wird aber kaum beachtet, geht sozusagen derzeit noch unter bei dem Primat des Wachstums und der Renditen im liberalisierten Markt. Ohne Anbindung an das Gemeinwohl und neoliberal „entfesselt“ trägt ein solches „Markt“-Geschehen sein Ende aber schon in sich, es ist nicht zukunftsfähig, da die soziale Ungleichheit und das Misstrauen in der Gesellschaft mitwächst.
Ich möchte hierfür etwas Licht ins Dunkel bringen. Schauen wir uns also den Aufbau des Buches an.
Viele aktuelle Entwicklungen laufen derzeit so schnell, dass man eher Momentaufnahmen erstellen kann, klar prognostizierfähig sind sie nicht. Sie passen daher letztlich nicht recht in ein Buchformat, weil sie zu rasch überholt sein können. Das betrifft z. B. die Entwicklung der Corona-Pandemie, den Bürgerrat und anderes. Daher verfolge und begleite ich dies weiter in „Neltings Welt“ unter der Rubrik „Offensichtlich“. Sie gelangen dorthin, wenn Sie den QR-Code auf der Rückseite des Buches scannen. Ich lade Sie nach Lektüre des Buches dazu herzlich ein.
In Kapitel 1 will ich erst einmal beispielhaft die gesunde Hirnentwicklung eines neuen Erdenbürgers darstellen, die später mit großer Sicherheit volles Potenzial ermöglicht.
Es folgt, eng damit verbunden, die Bedeutung der Telomere, den schützenden Endkappen der Chromosomen aus dem Gebiet der Epigenetik (um die Gene herum, z. B. An- und Abschaltfaktoren für Gene). Die Telomere sind wichtig, weil sie eine große Rolle spielen dafür, ob die Hirnentwicklung unter Stress und Angst oder eher stress- und angstarm stattfinden kann und welche Gene dafür ein- bzw. abgeschaltet werden (Ja, so etwas passiert tatsächlich in den Zellkernen!).
Kinder sind ja grundsätzlich sehr verschieden, „unvergleichlich“, und sie fordern ihre Eltern auch ganz unterschiedlich, daher schaue ich in diesem Zusammenhang auch auf sogenannte hochsensible und resiliente Kinder.
Dann möchte ich in Kapitel 2 die Situation der Eltern darstellen, einmal für sich als Menschen, dann aber gerade für ihre Elternschaft, beginnend mit der Empfängnis. Dafür ist ihr Stress-Level hochbedeutsam, der u. a. von ihrer eigenen Kindheit und Einstellung zum Leben, ihrem Lebensstil, ihrer Haltung, ihrer Arbeit und ihrer eigenen Kompetenz in Sachen Kommunikation mit Menschen und bei Medien abhängt und weiterhin von ihrer sozialen Situation. Aber hierher gehören auch viele Fragen, besonders zum Thema des Mutterseins, natürlich auch des Vaterseins, persönlich und in der Gesellschaft. All das bedingt mit, wie sie ihrer Aufgaben als Eltern nachkommen und ob sie ihren Kindern Liebe geben können.
Dann kommen wir in Kapitel 3 zu den Tabus und schauen uns an, was den Verrat an den Kindern eigentlich ausmacht. Dies betrifft die Themen der Gewalt ebenso wie die Wirkung der Frühpädagogik und Ausrichtung des Schulsystems. Ganz folgerichtig kommen wir dabei auf gesellschaftliche Fragen, also was die konsequente Umsetzung des Grundgesetzes Art. 2 II eigentlich behindert und schauen uns die aktuelle Lage der Kinder in Deutschland an, die wir für viele verbessern müssen, ja, hier verwende ich einmal das Wort „müssen“. Denn Verwahrlosung und Gewaltformen gegenüber Kindern sind eben auch bei uns für viele Kinder trauriger Alltag.
Insofern trägt der häufige Verweis auf die Zustände in der sogenannten Dritten Welt eine Überheblichkeit in sich, die wir nun gar nicht brauchen können, zumal sie falsch ist und wir von Menschen aus anderen Ländern in Deutschland auch viel lernen können. Denn unsere aktuelle westliche Lebensweise ist trotz Redefreiheit, freien Wahlen und recht verlässlichem Justiz-System, die als demokratische Errungenschaften unbedingt zu erhalten sind, oft eher eng, hohl und weithin inhuman, wie man an den Bedingungen für viele Kinder sieht.
Die westliche Lebensweise ist ein durchaus fragwürdiges Exportprodukt für andere angeblich unterentwickelte Länder, in denen wir neben den erkannten Missständen dort, an denen die westliche Welt früher im Kolonialismus und ebenso in unseren aktuellen Wirtschaftsbeziehungen einschneidend beteiligt war und ist, z. B. auch eine Freundlichkeit, Gastfreundschaft, Kooperation und naturnahe Kultur und Strukturen, z. B. in Familien, erleben können, die uns in Deutschland in unserer Überindividualisierung im Neoliberalismus fremd geworden ist. Wir brauchen also gerade hier bei uns die Kraft des interkulturellen, wertschätzenden und kooperativen Austausches mit anderen Ländern.
Wir sehen also, dass es so vielen Kindern hier bei uns in ihren Familien nicht gut geht. Daher verwende ich u. a. auch die Schreibweise „heim“lich, weil im Heim, also zu Hause, für so viele Kinder sowohl die Hirnentwicklung behindert wird als auch so viel Leid entsteht, dies meist schweigend, ohne dass etwas nach draußen dringt und ohne das Verantwortliche, die vielfach darüber Bescheid wissen, dies im Blick halten und bessere politische Rahmenbedingungen zur Abhilfe schaffen (darüber ausführlich mehr in Kapitel 4 und 5).
Dabei kommt hier auch in den Fokus, weshalb es vielen Eltern aktuell nicht gelingt oder gar nicht gelingen kann, ihren Kindern Schutz und Liebe zu geben. Denn viele Eltern sind schon für ihr eigenes Leben überfordert, viele selbst verletzt oder traumatisiert. Diese Wunden werden vielfach transgenerational weitergegeben, auch dies gilt es zu unterbrechen und zu heilen. Hier setzt das Buch an, beleuchtet die Tabus, zeigt die Zusammenhänge und wie wir im Alltag gestalten und grundlegend ändern können.
Dabei ist, wie gesagt, auch ein Blick auf den Sinn von Frühbetreuung und Kitas wichtig, und die Schule muss natürlich in den kritischen Fokus. Denn wir haben, wie schon erwähnt, große Aufgaben im Schulsystem zu gestalten, damit die Schule nicht das kreative Potenzial der Schüler einschränkt, wenn nicht gar vielfach vernichtet.
Nach diesem Blick auf die Realität der unterschiedlichen Lebensräume und Entwicklungs-Möglichkeiten bzw. -Behinderungen von Kindern schauen wir uns in Kapitel 4 die tieferen Ursachen und Folgen von Schutzlosigkeit bei Kindern in der Gesellschaft an. Dabei kommt auch die große Bedeutung zur Sprache, die einerseits die wirtschaftlichen Gegebenheiten für die Familien-Atmosphären haben, andererseits die ersten Kinderjahre und die wirksamen Erziehungsansichten der Eltern für die Gesellschaft bis hin zu entsprechenden Lebensgefühlen und Menschenbildern sowie politischen Meinungsbildungs-Prozessen.
Dabei geht es insbesondere um die Auswirkungen von Eltern-Begleitung der Entwicklung der Kinder in Liebe und Vertrauen und im Gegensatz dazu die autoritär-kontrollierende Erziehung mit der strengen Forderung nach Gehorsam, Unterordnung sowie ggf. der Anwendung von Strafen, Liebesentzug oder Prügel. Die meisten Eltern werden sich aktuell vermutlich als liebende Eltern einordnen. Es geht aber auch darum, warum die Annahme begründet ist, dass tatsächlich zunehmend mehr Kinder in eine liebevolle Kindheit kommen können und warum dies die Demokratie stärken wird.
In unser Blickfeld kommen dabei natürlich auch die Politiker, die wir gut auswählen und auf unsere Seite als Bürger ziehen sollten, um dahin zu kommen, wie wir leben wollen. Dabei ist es für unsere Wahlentscheidungen wichtig, dass wir solche Politiker wählen, die persönliche Macht steuern können und gefestigt sind gegen bürgerfernen, korruptionsnahen Lobbyismus und autoritäre Gesinnungen und mit Liebe ihren Dienst tun.
Nach dieser Vorbereitung gelangen wir nun in Kapitel 5 in die Gestaltungsräume, die Erwachsene haben: Zuerst privat und dabei insbesondere als Vorbilder für ihre Kinder, denn wenn es den Erwachsenen gut geht, geht es meist den Kindern auch gut. Wir schauen uns dann aber auch die Gestaltungsräume in der Region und natürlich der Politik an. Dabei werden wir uns zwangsläufig immer wieder an dem aktuellen Primat von Wirtschafts-Wachstum und Finanzmacht stoßen, was aber unsere Gestaltungs-Ideen kreativ anregen wird.
Dieses Stoßen ist aber unumgänglich, weil so unser Gespür für die grundsätzliche Frage, wie wir gegenwärtig eigentlich leben wollen, umso mehr, wie wir bzw. unsere Kinder zukünftig leben können, nach ihren kreativen Vorstellungen sensibilisiert und innerlich etabliert wird.
Die Corona-Pandemie hat sehr vielen von uns diesbezüglich ja im Lockdown auch eine kollektive Erfahrung in Mitmenschlichkeit und Kooperation beschert, weiterhin die Bedeutung von verfügbarer Zeit ins Erleben gebracht sowie uns die Notwendigkeit und den Zwangs-Charakter ausufernden Konsums hinterfragen lassen. All das hat in der Gestaltung Bedeutung.
Der Mensch ist in seiner Physiologie und seinem Sein zwar an naturgesetzliche Entwicklungen gebunden (die Gene selbst werden sich nicht in kürzester Zeit ändern), die aktuellen Verhältnisse sind allerdings menschengemacht, daher eben nicht unveränderlich. Bedenken wir, dass die sogenannte Liberalisierung der Märkte und der Finanzwelt in Deutschland um das Jahr 1990 begann und es das Smartphone erst seit 14 Jahren gibt.
Wir schauen uns also auch bei den Gestaltungsräumen in Kapitel 5 das Wissen um den Status quo der gesellschaftlichen Verhältnisse an, die wir in Kapitel 4 herausgearbeitet haben, weil wir ein Engagement von vielen brauchen, damit es nicht weiter zu den vielen Bindungsstörungen, Impulskontrollstörungen, Vernachlässigung und Gewalt in Familien und Suchtverhalten bei Drogen und im Medienbereich kommt.
Ebenso möchte ich das Gerechtigkeitsthema eines ausreichenden Einkommens für die vollständige Teilhabe an der Gesellschaft und an den Grundrechten an verschiedenen Stellen des Buches ansprechen, und was das für die Kleinsten bedeutet. Dabei werde ich auch vielfach erklären, wieso Kinder, die mit viel Liebe aufwachsen konnten, deutlich weniger verführbar sind für Drogen und Konsumwerbung, aber auch kaum Resonanz zeigen auf Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und autoritäres und rechtsextremes Gedankengut.
Ich spreche aus der Praxis. In unseren psychosomatischen Kliniken entwickelt jeder einzelne Mensch in unserer Begleitung mit uns zusammen passende Lösungen für das weitere Leben. Dabei kommen auch immer die familiären und gesellschaftlichen Probleme ins Visier, die Menschen krank werden lassen und an der Entstehung ihrer Krankheiten mitbeteiligt sind bzw. sie bei der Gesundung behindern können. Dies nehme ich an verschiedenen Stellen auch hier im Buch auf.
Die zu erwartenden disruptiven Entwicklungen in der Arbeitswelt und im gesellschaftlichen Alltag und wie wir damit menschlich und zukunftsfähig umgehen können, kommen natürlich ebenfalls kapitelübergreifend zur Sprache.
Ich verwende im Text vielfach die Worte „Wirtschaft“ und „Politik“ in einer verallgemeinerten systemischen Bedeutung. Dies soll natürlich keine Aussage zu dem einzelnen Unternehmer und Politiker sein. Ich sehe viele und kenne einige persönlich, die sich in klarer Haltung gemeinwohlorientiert zu Wort melden und handeln. Hierzu habe ich Näheres in Kapitel 5 auf Seite 503 ausgeführt.
Eine Gesellschafts-Skizze, wie sie bald aussehen könnte, schließt das Buch ab.
Die Kapitel habe ich am Ende jeweils kurz zusammengefasst.
Danach folgt eine kurze Erweiterung der Thematik auf die Situation der Kinder international, die Themen der Überbevölkerung, der gesundheitlichen Bedrohungen von Kindern und wie wir gemeinsam Kinderrechte in der Welt umsetzen und sichern können. Hier sind insbesondere die UN und der Weltzukunftsrat mit Sitz in Hamburg sowie die Aktivitäten von Auma Obama im Weltzukunftsrat und ihrer Stiftung „Sauti Kuu“ sowie die von ihr angeregte Sansibar-Erklärung, wichtige und hoffnungsvolle Institutionen und Projekte, die die Augen nicht verschließen und viele gute Entwicklungen weltweit initiieren.
Nach der Danksagung folgen „Letzte Worte“, der QR-Code für eine Leser*innen-Botschaft und der Anhang mit diversen Informationen.
Wir haben an einigen Stellen im Buch (hauptsächlich in Kapitel 5) QR-Codes zum Scannen mit Ihrem Handy abgedruckt, die einzelne Themen noch einmal positionieren und unterfüttern. Sie können auch nach der Lektüre im Anhang in der QR-Code Liste ausgesucht und angeschaut werden.
Wir und andere haben Zuversicht und viele Ideen, von denen wir viele schon erfolgreich ausprobiert haben. Und ich denke, das macht vielen Lust darauf hin, in dieses menschliche, kooperative Handeln zu kommen und ein Leben mit mehr Zeit und Platz auch für Kinder zu gestalten. Viele der hier genannten Gestaltungsideen sind im Alltag praktikabel, Sie werden sie auf Ihre eigene Art und Weise aufgreifen, abwandeln oder ergänzen. Lassen Sie sich inspirieren und anregen!
„Das Kind bedarf keines Gestirns und keines Planeten;seine Mutter ist sein Planet und sein Stern!“Paracelsus
Kinder sind großartig. Es ist jedes Mal ein Wunder, wenn ein Kind auf die Welt kommt. Und es hat schon ein Gehirn, das gut vorbereitet ist für das, was kommen könnte. Aber wie geht es dann wirklich weiter?
Das Gehirn z. B. wächst zwar deutlich in den ersten Monaten nach der Geburt, aber nicht in allen Bereichen einfach so von selbst, insbesondere die vordere Großhirnrinde braucht als Wachstumsstoff außer der Muttermilch noch liebevolle Zuwendung, Körperkontakt und Ansprache, dann reift es und kann ins Blühen kommen. Wie das?
Ein Beispiel aus dem Tierreich: Forscher waren erstaunt, dass eine Katzenbehausung mit einem Wurf mehrerer Katzen immer so sauber war. Dann sahen sie, dass die Katzenmutter die Kätzchen am Damm leckte und so z. B. den Urin auffing. Aber woher wusste sie, welches der Kleinen gerade Pipi machen musste?
Es dauerte lange, bis jemand einmal den Gedanken umdrehte. Des Rätsels Lösung: Die Babykatzen pinkelten erst, wenn die Nieren über das Lecken angeregt wurden. Das Funktionieren der Nieren war nicht einfach so da. Jeder, der schon einmal ein verwaistes Katzenbaby aufgezogen hat, weiß, dass man außer der Gabe des Fläschchens auch noch immer den Damm mit einem feuchten Wattebausch etwas reiben muss, dann färbt es sich schnell gelb. Ohne diese Anregung sterben die Katzenbabys meistens, weil ihre Nieren nicht ins Funktionieren kommen. Beim Menschen ist es etwas anders, die entsprechende Anregung vieler Organe ist u. a. intensiver Druck auf die Haut und den ganzen Körper, wie es bei einer natürlichen Geburt im Geburtskanal stattfindet. Darum ist bei Babys, die durch Kaiserschnitte zur Welt kommen, der ausgeprägte initiale und wiederholte direkte enge Hautkontakt zur Haut der Mutter, ggf. der Hebamme zu Beginn besonders wichtig. Bei über den Geburtskanal geborenen Babys bleibt das natürlich im Weiteren ebenfalls wichtig.
Organe brauchen also passende Anregung und beim präfrontalen Gehirn (der Teil ganz vorne im Stirnbereich über den Augen) ist es die Kommunikation mit einer liebevollen Person, meist der Mutter, die zum Wachstum und zur Strukturierung führt und dabei und nur dann bestimmte wichtige Funktionen kräftig ausbildet. Und das zieht sich über die ersten sechs Jahre hin.
Hätten Sie es gewusst? Vielleicht sagen Sie, das ist doch normal. Für viele ist es das auch, für viele aber nicht (dazu später).
Bei einer solchen, wir sagen als Ärzte „gesunden“ Hirnentwicklung bildet sich auch eine Funktion aus, die wir als Selbststeuerung bezeichnen. Dies ist eine ganz wichtige Grundlage für eine spätere souveräne Mediennutzung.
Wir schauen uns dabei explizit an, wie es den Eltern geht, weil es Kindern meist gut geht, wenn es den Eltern gut geht. Denn die Eltern können es schaffen, dass sie selbst besser schlafen, mehr Zeit haben für sich und die Kinder und verlässlich sind. Hierfür sind oft klare Lebensentscheidungen notwendig. Notwendig deshalb, weil die Natur des Menschen und die Hirnentwicklung nicht verhandeln, sondern so sind, wie sie angeregt werden. Nichtbeachtung hat Folgen und das bedeutet leider viel zu häufig, dass die Kinder nicht zu ihrem vollen Potenzial heranreifen können.
Wie entsteht nun eine gesunde Selbststeuerung beim Menschen? Und was bedeutet es, wenn dies nicht gelingt?
Zur Beantwortung dieser Fragen wird uns das folgende Bild durch die Thematik begleiten. Wir beginnen mit der Hirnentwicklung des Säuglings/Kleinkindes in der Mitte des Bildes, gehen danach noch mal in die Situation im Mutterleib zurück und danach weiter zurück auf die Eltern vor der Empfängnis. Denn die Biografie eines Menschen beginnt bereits da. Danach kehren wir wieder zum Kleinkind zurück und schauen uns die weitere Entwicklung an.
Abb. 1: Phasen des Lebenslaufs von der Empfängnis bis zur Erwachsenenzeit
Die Abbildung beschreibt also die Phasen des Lebenslaufs von der Empfängnis bis in das Erwachsenenalter. Es wird dabei neben der kindlichen Hirnentwicklung (siehe gleich Abb. 2, S. 60) später noch viel um die Bedeutung von Lebensstil, Stress-Physiologie und Zellkern-Prozessengehen für die Gesundheit, Bindungsfähigkeit, Lebenszufriedenheit und besonders auch die (spätere) Mediennutzung.
Da fragen Sie vielleicht, was hat der Umgang mit Smartphone, Internet, Virtual Reality mit dem Körper zu tun? Sehr viel, wie ich u. a. im Folgenden in der biografischen Reise von der Empfängnis und der Geburt bis ins Erwachsenenalter zeigen werde.
Schauen wir uns zuerst die gesunde, unbehinderte Hirnentwicklung an.
