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Nur noch eine Jagd trennt North von ihrem lang ersehnten Ziel – ein Sitz im inneren Ring des Quartiers. Als Elite der Londoner Traumjäger genießt sie hohes Ansehen und nichts bleibt ihr verwehrt. Doch sie ist selbst das Opfer eines immer wiederkehrenden Traums. Allerdings findet North schon bald heraus, dass sich die Jagd, die sie kennt, verändert hat und die Hunter auf den falschen Weg geraten.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Eisvogel
Impressum
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Grafik
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10: Vier Monate später
Die Autorin
Lea Bridts
FantasyNovelle
Ashera Verlag
Impressum
Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wäre rein zufällig.
Erste Auflage im Mai 2024
Copyright © 2024 dieser Ausgabe by
Ashera Verlag
Hochwaldstr. 38
51580 Reichshof
www.ashera-verlag.net
Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder andere Verwertungen – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Verlags.
Covergrafik: pixabay
Coverlayout: Takoto
Innengrafik: pixabay
Szenentrenner: pixabay
Redaktion: Alisha Bionda
Lektorat & Satz: TTT
Vermittelt über die Agentur Ashera
(www.agentur-ashera.net)
Farben in allen Facetten des Regenbogens, Gerüche, so intensiv wie unzählige Gewürze und Geschmäcker, so verlockend wie die feinsten Speisen. Träume können uns all dies vorspielen, können uns entführen in eine andere Welt, in eine andere Realität, und trotz dieser Täuschung glauben wir oft, einen Sinn hinter all dieser Fassade entdecken zu können.
Ich selbst zählte den Großteil meines Lebens zu denjenigen, die sich nichts aus Traumdeutung machen. Was ich träumte, war mir egal, was ich wahrnahm, beachtete ich nicht, eher verabscheute ich es. Ich hatte viele Traumwelten gesehen, die nicht nur mir gehörten. Mit jeder weiteren davon bewiesen mir die Menschen allerdings, wie trist und verbittert die Sichtweise auf ihr Leben war. Graue, geschmack- und geruchlose Träume, die abschreckte, statt einluden, waren mein tägliches Brot und prägten meinen Blick auf das Träumen. Ich selbst wurde stumpf, zu einer funktionierenden Maschine, die all die Zeichen, die ihr gegeben wurden, ignorierte.
Mittlerweile weiß ich, dass Träumen viel mehr ist, als ich je zu wagen glaubte. Reisen durch ferne Länder, Erschaffen von fremden Welten, Erleben von fantastischen Geschichten – all das kann die Traumwelt bieten, wenn man sich darauf einlässt. Ein freier Geist voller Erwartungen, Neugier und Offenheit – und bunt, mit Leben gefüllte Utopien. Trotz der immerwährenden Präsenz von Träumen in meinem Leben, war mir nicht klar, wie sehr ich mich gegen sie sträubte.
Ich selbst habe gelernt, meine Träume zu kontrollieren und zu lenken. Dabei geht es nicht um eine bestimmte Geschichte oder ein Ereignis, das ich mir bilde. Nein, es geht vielmehr um eine Farbe. Ein Blau, intensiver als das des Himmels und schimmernder als das Wasser. Ein Blau, das ich niemals vergessen kann und mich immer begleiten wird, vor allem in meinen Träumen.
Jeder Traum, ob bei Tag oder Nacht, zeigt mir aufs Neue, wie blind ich war, und wie ich schmerzhaft lernen musste, dass Träume so viel mehr sind, als ich dachte. Diese Geschichte – meine Geschichte, hat mich zu der gemacht, die ich bin und mein Herz befreit.
Ein dunkler Raum. Stille. Nichts als Stille und düstere, schwere Schatten.
Verwirrt sehe ich mich vorsichtig um, während sich stechende Kälte auf meiner Haut ausbreitet und mich erschaudern lässt. Einzig am Ende der Dunkelheit ist ein schwacher Lichtkegel zu erkennen, was meine Neugierde weckt. Langsam setze ich einen Fuß vor den anderen und taste mich schleichend vor, bis ich nur noch wenige Meter vom Licht entfernt stehe. Das Blut rauscht laut in meinen Ohren, und mein Atem scheint nicht zur Ruhe zu kommen, bis sich meine Aufmerksamkeit auf ein leises Flattern richtet. Interessiert neige ich den Kopf, und kurz darauf erscheint ein orange-blaues Federkleid und zieht mich in seinen Bann. Der kleine Vogel mit langem Schnabel und schnellen Flügelbewegungen tanzt fröhlich und unbeschwert umher. Fast schon euphorisch bewegt er sich in der Luft, und ich genieße das Bild, das sich mir bietet. Pures Glück in solch einer tristen und schauderhaften Umgebung – was für ein Anblick. Mein Puls und meine Atmung regulieren sich zunehmend, bis ich beinahe ruhig dastehe, das Schauspiel vor mir aufnehme und die Wärme, die von dem kleinen Vogel ausgeht, auf meinen Armen spüre.
Auch ich bleibe von meinem Gegenüber nicht lange unentdeckt, weshalb er in springenden Bewegungen auf mich zu flattert. Nur noch wenige Flügelschläge trennen uns, und als ich gerade die Hand nach ihm ausstrecken und ihm meinen Finger als Landeplatz anbieten will, hält er abrupt in der Luft inne. Die Wärme verschwindet, und bevor ich mich fragen kann, was geschieht, fällt er plötzlich zu Boden, und eine kleine Blutlache bildet sich unter seiner winzigen Gestalt.
Sofort kehrt die Panik zurück und heiße Tränen laufen meine Wangen hinab. Ich will einen Schritt auf ihn zu machen, mich vergewissern, ob es noch Hoffnung gibt, doch das Bild vor mir verschwimmt, und der Vogel entgleitet in die Dunkelheit. Ich kämpfe weiter gegen den Sog an, der an mir zieht, allerdings ohne Erfolg und werde mitgerissen. Gerade, als ich denke zu fallen, schrecke ich hoch und wache schweißdurchnässt in meinem kühlen Bett auf.
Was ... was zur Hölle war das schon wieder? Kopfschüttelnd vergewissere ich mich, wirklich im Hier und Jetzt zu sein, kneife mir in den Arm und atme tief durch. Minze, ein flüchtiger Geruch von Minze, der nach wenigen Sekunden verschwunden ist und den ich mir akribisch aus der Nase reibe. Nacht um Nacht derselbe Traum. Seit Wochen quält mich dieses Szenario, ohne mich wissen zu lassen, was es damit auf sich hat. Doch um dies zu ergründen, bleibt mir momentan nicht die Zeit, nicht jetzt. Nicht heute und auch nicht morgen.
Müde reibe ich mir die Augen und sauge die kalte, durch mein Fenster strömende Nachtluft in mir auf, um meine Nase zu reinigen. Jeder Blick in den Nachthimmel erinnert mich daran, wo ich hingehöre und was meine Aufgabe ist – meine Bestimmung. Ich jage Träume und analysiere sie nicht. Mein mich plagender Traum ist nur ein Schädling, der sein Unwesen treibt. Habe ich erstmal mein Ziel erreicht, nehme ich mir das Kerlchen definitiv vor.
Mit einem lauten Gähnen richte ich den Oberkörper auf, strecke beide Arme und kreise den Kopf, um meinen Kreislauf zu aktivieren. Anschließend werfe ich einen Blick auf die Uhr neben meinem Bett: 01:15 Uhr – Zeit, loszuziehen.
Ein angestrengtes Stöhnen kann ich mir nicht verkneifen, als ich mich langsam von meiner Matratze schleppe und das Licht anknipse. Noch etwas wackelig auf den Beinen, schaue ich mich im Zimmer um. Es ist klein, sehr klein, aber kuschelig und vor allem unordentlich. Den Drang, endlich Ordnung zu schaffen, unterdrücke ich allerdings, auch wenn es mich nicht sonderlich viel Mühe kostet. Immerhin ist mein Leben ein einziges Chaos, wieso also nicht auch mein Zimmer?
Schon etwas wacher und ein wenig motivierter gehe ich einmal um das Bett und öffne den Kleiderschrank, der gegenüber der Zimmertür steht. Da das Licht der Lampe nicht allzu viel Helligkeit ausstrahlt, greife ich wahllos hinein und schnappe mir eine meiner unzähligen schwarzen Hosen und einen rostbraunen, grob gestrickten Oversize-Pullover. Danach setze ich mich an den Tisch gleich neben dem Schrank, auf dem sich Bücher und Täschchen voll mit Lidschatten, Lippenstiften und weiterem Kram stapeln. Selbst ein altes Sandwich scheint sich unter den vielen Lagen zu verstecken – ekelig. Da ich allerdings schnell aufbrechen will, halte ich die Prozedur kurz, wühle nach der Mascara, trage Lippenstift auf und stülpe mir meinen silbernen Ring über den Mittelfinger.
Das Familienerbstück meines Vaters erinnert mich tagtäglich daran, wer ich bin und wo ich sein will.
